Einleitung
Nach wie vor zehrt Kühlerspezialist Xigmatek von den sehr guten Kritiken über die Heatpipe-Direct-Touch-Technik (HDT) und den guten Einstiegsergebnissen der Prozessorkühler-Serien. Objektiv betrachtet hat sich seit der Markteinführung des legendären HDT-S1283 [1] im August 2007 allerdings nicht viel Revolutionäres getan. Vielmehr hat man versucht, durch verschiedene Lüfterkonfigurationen, Minimalveränderungen (HDT-S1284 mit vier statt drei Heatpipes) und wechselnde, plakative Namen Produktpflege zu betreiben. Dass diese Art der „Weiterentwicklung“ im Zuge wachsender Konkurrenz jedoch nicht die erfolgreichste sein kann, war abzusehen. Und so war es letztlich nur eine Frage der Zeit, bis Xigmatek intensiver nachzulegen versucht.
Als Ergebnis der Arbeit dürfen wir nun mit dem Thor's Hammer einen echten Donnerschlag in den Händen halten, der auf Basis eines doppellagigen HDT-Konzeptes in neue Leistungsregionen vorstoßen will. Wir haben uns Xigmateks neuen Kühlgiganten zur Brust genommen und klären in gewohnter Manier, ob dieser die Erfolgsspur der HDT-Kühler weiter ausheben kann.
Lieferumfang
Den Lieferumfang des lüfterlos in einer pompös gestalteten Kartonage daher kommenden Kühler-Flaggschiffs begleiten neben den obligatorischen Montagematerialien für AMD und Intel (Crossbow-Kit ACK-I7363) samt Mini-Schraubenschlüssel eine ausführliche Montageanleitung mit deutschem Sprachteil, eine Tüte Wärmeleitpaste sowie insgesamt acht Antivibrations-Gummis zur Befestigung der optionalen 120-mm-Ventilierung.
Technische Daten
- Xigmatek HDT-S126384 Thor's Hammer
- Abmessungen: 120 x 160 x 90 mm (B x H x T)
- Aluminiumlamellen und Alubasis, Kupferheatpipes
- Kompletter Nickelüberzug als Finish
- Überlappendes Lamellendesign
- Doppellagiges Heatpipe-Direct-Touch-Design
- Erste Lage: 4 x Φ 8 mm U-Heatpipes
- Zweite Lage: 3 x Φ 6 mm U-Heatpipes
- Gewicht (ohne Lüfter): ca. 800 Gramm
- Optionale Belüftung mit bis zu zwei 120-mm-Lüftern
- Lüfteraufhängung entkoppelt
- Kompatibilität:
- Intel Sockel 775, 1366 per Rückplattenverschraubung
- AMD Sockel 754, 939, 940 und AM2(+) per Bügelklammer
- Herstellerhomepage [2]
- Preis und Vertrieb: Caseking [3] (ca. 56,90 Euro)
Kühler im Detail
Mit dem Thor's Hammer entfernt sich Xigmatek endlich vom seit nun knapp zwei Jahren etablierten Einheitsdesign der HDT-Kühler und schickt einen komplex gestalteten 120-mm-Tower mit hohem Wiedererkennungswert an den Start. Charakteristisch sind im Speziellen die aufgefädelten Aluminiumlamellen, die sich in ihrer schmetterlingsartigen Form abwechseln und damit einen interessanten, überlappenden Look erzeugen. Der dabei resultierende Lamellenabstand fällt mit etwa 1,5 Millimetern deutlich geringer aus, als auf den ersten Blick vermutet.




Natürlich basiert auch der Thor's Hammer auf dem erfolgreichen Heatpipe-Direct-Touch-Konzept, bei welchem die U-Kapillare leicht angeschliffen und abgeflacht unmittelbar auf der Prozessoroberfläche aufliegen. Konkret sind es vier 8-mm-Heatpipes, die so im direkten Prozessorkontakt stehen. Über diesen wurden in einer zweiten Ebene drei weitere 6-mm-Heatpipes eingebunden, die für zusätzliche Wärmeableitung sorgen sollen. In Kombination mit der Lamellenstruktur wirkt das neue Xigmatek-Flaggschiff damit wie eine Kreuzung aus einem 92-mm-Kühler mit Dreifachheatpipe sowie einem 120-mm-Pendant mit Kapillar-Quartett.
Qualitativ hinterlässt der Thor's Hammer einen ausgezeichneten Eindruck. Die Leichtmetallelemente wurden sauber und robust eingebunden, die Heatpipes piekfein verlegt und der gesamte Aufbau optisch wie qualitativ harmonisierend in ein schwarzes Komplett-Nickelkleid eingebettet. Damit ist der Kühler zwar etwas anfällig gegenüber Fettfingerattacken, wirkt allerdings unheimlich erwachsen und bestens abgestimmt. Auch der plane HDT-Boden weist deutlich weniger Riefen und Vertiefungen auf, als dies bei bisherigen Xigmatek-Produkten der Fall war.




Aufgrund des symmetrischen Aufbaus lassen sich bis zu zwei 120-mm-Lüfter am Kühlkörper fixieren. Dem Lieferumfang liegen dazu acht Gummielemente bei, wie wir sie von bisher allen Xigmatek-Kühlern kennen. Durch diese wird eine vibrationsdämpfende Aufhängung der Lüfter realisiert und damit zur Geräuschreduzierung beigetragen. Leider lassen sich die etwas widerspenstigen Hartgummi-Stifte nicht ganz so einfach am Lüfter respektive an den Lamellenenden einfädeln.
Montagebesonderheiten
Mit dem Thor's Hammer kehrt Xigmatek den ungeliebten Push-Pins zur Intel-Montage endgültig den Rücken zu und legt mit dem Crossbow-Kit eine sinnvolle und sichere Verschraubung auf Rückplattenbasis für Intels Sockel 775 und 1366 respektive die etablierte Bügelklammerlösung für AMD-Systeme bei. Vorbereitend zur Intel-Montage müssen zunächst die Haltebügel am Kühlerboden fixiert und die Rückplatte in Abhängigkeit vom verwendeten Sockel (775 oder 1366) an entsprechender Stelle mit der Isolierschicht beklebt werden. Ist dies geschehen, kann der Thor's Hammer auf die mit Wärmeleitpaste benetzte CPU aufgesetzt und mit Hilfe der vier Federschrauben alternierend arretiert werden. Aufgrund der ausladenden Kühlerdimensionen und der wellenartigen Lamellenform ist das Anziehen zweier gegenüberliegender Schrauben noch per Schraubendreher von oben möglich. Die anderen beiden werden vom Lamellenverlauf verdeckt und werden dementsprechend auf Basis des mitgelieferten Mini-Schlüssels eingedreht. Insgesamt ist der Installationsakt relativ flott und problemlos über die Bühne gebracht. Am ungemütlichsten ist dabei noch das nachträgliche Einhaken der Lüfter auf Basis der Gummiaufhängungen, die sich diese bei mitunter schnell verbiegenden Lamellen nur recht widerwillig einklinken lassen.




Auf den symmetrischen Sockeln von Intel kann der Thor's Hammer entsprechend aller vier Himmelsrichtungen positioniert werden. Die U-Aufbiegung der Heatpipes in Kombination mit der Klammerlösung verhindert diese beliebige Ausrichtung leider in entsprechenden AMD-Systemen, sodass hier meist mit leichten Leistungseinbußen zu rechnen ist. Von möglichen Inkompatibilitäten mit Chipsatzkühlern oder RAM-Riegeln ist aufgrund der Lamellenformen und ihrer Einsatzhöhe weitgehend abzusehen. Eher noch wird es aufgrund der Gesamtbauhöhe des Kühlers von 160 Millimetern zu Gehäuseproblemen kommen.
Testsystem
Heiz- und Herzstück unserer aktuellen Kühlertestplattform ist der mit einer spezifizierten Thermal Design Power (TDP) von 130 Watt ausgezeichnet skalierende Intel Core 2 Extreme QX6700, eine imposant leistungsfähige Quad-Core-CPU im 65-nm-Design, deren vier Kerne mit jeweils 2,66 GHz bei 1,35 Volt Kernspannung betrieben werden.
Als weitere Schlüsselkomponente unserer auf einen möglichst leisen Betrieb ausgelegten Komposition vertrauen wir beim Netzteil auf das Be-Quiet Straight-Power mit 600 Watt, das uns mit freundlicher Unterstützung von Be-Quiet [4] zur Verfügung gestellt wurde und beispielsweise bei Caseking [5] erhältlich ist. Den temperaturgeregelten, sehr leisen Serienlüfter des hocheffizienten Netzteiles tauschen wir aus Gründen des fairen Kühlervergleiches gegen einen mit konstant 800 U/min drehenden Scythe S-Flex, der den Papst F2GLL als Referenzlüfter im neuen System ablöst. Ein weiterer S-Flex werkelt auch rückseitig auf Höhe des Prozessorsockels ausblasend als einziger Gehäuselüfter im neuen Testgehäuse, dem Coolermaster Stacker 830, das uns zu diesem Zweck von Caseking [6] zur Verfügung gestellt wurde. Das Stacker 830 als meistverkauftes High-End-Gehäuse Europas bietet die Annehmlichkeiten einer weit verbreiteten Innenraumaufteilung, großzügigen Platzverhältnissen und durch den üppigen Gebrauch von lochblechernen Seitenwänden gute Belüftungs- und Luftansaugmöglichkeiten für die verschiedenen Testkühlerkonzepte. Alle weiteren Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:
- Intel Core 2 Extreme QX6700 „Kentsfield“ (4 x 2,66 GHz, 130 Watt TDP)
- XFX nForce 680I SLI (ISH9)
- 2x 512 MB Corsair CM2X512A-5400UL CL3
- Asus Radeon X1900XTX [gekühlt mit Arctic-Cooling Accelero S1 & Turbo-Module @ 5 Volt]
- Be-Quiet Straight-Power 600 Watt [mit Scythe S-Flex SFF21D bei 800 U/min]
- Coolermaster Stacker Gehäuse [mit Scythe S-Flex SFF21D bei 800 U/min Gehäuselüfter]
- Seagate Barracuda V 120 GByte SATA
- Raumtemperatur 23°C
- Arctic-Cooling MX-2 Wärmeleitpaste




Testverfahren: Wir gönnen dem frisch gestarteten System zunächst eine einstündige Aufwärmphase, in der Futuremarks „Ice Storm Fighter“-Demo (eine speziell auf die Leistungsfähigkeit von Quad-Core-Systemen abgestimmte, berechnungstechnisch in Threads aufgeteilte Grafikdemo, die das gesamte System entsprechend aufheizt) zum Einsatz kommt. Daran schließt sich der eigentliche Hitzetest für den Prozessor an, wobei wir uns dazu des kleinen, aber feinen Tools Core2MaxPerf 1.0 [7] bedienen, um die CPU-Auslastung aller vier Kerne über eine weitere Stunde konstant maximal zu halten. Core2MaxPerf 1.0 hat sich im Test gegen einige andere, potentielle Auslastungstools wie etwa Prime95, Intels Thermal Analysis Tool oder S&M aufgrund der besonders intensiven thermischen Beanspruchung aller vier Kerne durchgesetzt. Zum Abschluss der Testdurchläufe gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während des gesamten Szenarios werden die Temperaturverläufe mit der Everest-Ultimate-Software dokumentiert und die Maxima von uns zur Bewertung herangezogen. Wir testen jeden Kühler zunächst im 12-Volt-Modus, danach im 5-Volt-Betrieb.
Im Volllastbetrieb der CPU verbraucht unser System etwa 270 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 155 Watt zu verbuchen ist.
Achtung! Die Temperatur-Messergebnisse sind mitunter recht stark an die verwendete Testplattform geknüpft und können je nach Konfiguration erheblich abweichen. Sie sollten nur als Orientierung und grobe Tendenz, nicht allerdings als absolut angesehen werden.



Die Messung der Lautstärke erfolgt im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers im 40-cm-Abstand mit einem Voltcraft-320-Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Ab dieser Schwelle kann das vom Kühler emittierte Geräusch nicht mehr vom Messgerät aufgelöst werden. Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht respektive kaum mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der sehr störende Bereich.
Als Service bieten wir außerdem MP3-Hörproben der Kühlcombos in den jeweiligen Betriebsmodi (5 Volt / 12 Volt) an, da die gemessenen Schalldruckwerte nur für wenige Leser wirklich greif- und vorstellbar sind. Außerdem kann man mit Hilfe dieser Aufnahmen, die im Abstand von 5 cm zum Objekt erfolgen, den Charakter des jeweiligen Lüftergeräusches besser erfassen und einschätzen.
Ferner werden von uns die vom Lüfter erzeugten Windgeschwindigkeiten mit einem Anemometer gemessen und die maximale Geschwindigkeit als Indikator für den Volumendurchsatz angegeben. Dieser lässt sich dann einfach per Multiplikation des von uns angegebenen Wertes mit dem jeweiligen Lüfterquerschnitt abschätzen. Dabei ist bei der Ermittlung der Querschnittsfläche darauf zu achten, dass der Rotorbereich nicht mit eingerechnet werden darf.
Testresultate
Übersicht - Referenzbelüftung
Als ein wichtiges Kriterium für den Vergleich der Leistungsfähigkeit eines Kühlkörpers gilt die gegenüberstellende Messung mit gleichen Lüftern. Für 120-mm-Kühler und solche, die dazu kompatibel sind, setzen wir nach wie vor auf die tabellarisch näher charakterisierten drei Lüfterexemplare der verschiedenen Leistungsklassen.
Aufgrund fehlender Serienbelüftung beschränken wir uns beim Thor's Hammer auf die Gegenüberstellung mit unseren drei Referenzlüftern. Hier beweist der Xigmatek-Neuling, dass er nicht nur ein Papiertiger ist, sondern auch besondere Leistungsreserven in allen Lebenslagen bereit hält. In beeindruckender Manier schließt er zur absoluten Spitze auf und präsentiert seine Eignung sowohl in Silent- als auch in Performance-Systemkonfigurationen.
Kühlercharts mit Referenzlüftern
Kühlervergleich mit gleichen Lüftern
Angaben in °C
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Hierbei handelt es sich um das arithmetische Mittel der Kerntemperaturen der vier nativen Kerne unseres Testprozessors, die zur Generierung der Rangfolge in den Charts herangezogen werden.
(Bei den mit * gekennzeichneten Kühlern handelt es sich um s.g. Top-Blow-Kühler. Alle anderen sind im Towerformat gefertigt.)
Fazit
Mit dem Thor's Hammer ist Xigmatek wahrlich ein wunderbarer Prozessorkühler gelungen. Ausgehend von einem klar verfolgten Konzept, welches das extravagante Design des Kühlers maßgeblich bestimmt, über eine piekfeine materielle wie qualitative Umsetzung bis hin zur eigentlichen Kühlleistung, die entsprechend der verschiedenen Belüftungsgrade erstklassig ist: der Neuling leistet sich in keiner Disziplin einen Patzer. Darüber hinaus gefallen die sichere Montage auf Rückplattenbasis, die hohe Kompatibilität sowie die lüfterlose Auslieferung. Speziell die Serienlüfter der vergangenen Xigmatek-Generationen sorgten doch immer wieder für Unmut, beim Thor's Hammer kann der Kunde endlich selbst entscheiden, welches Modell die aktive Ventilierung übernehmen soll.
Damit ist Xigmatek, sowohl im Hinblick auf die reine Kühlleistung, auf die Optik, aber auch auf die qualitative Güte des Gesamtkonzeptes mit der Doppel-Layer-Heatpipe-Technik des Thor's Hammer endlich auf einem Niveau mit den absoluten Top-Produkten des Marktes angelangt. Leider spiegelt sich dies auch im Preis wieder, denn mit über 55 Euro [2] gehört der göttliche Kühlgigant nicht zu den günstigsten seiner Zunft. Dennoch spricht in der Summe nicht viel gegen den Thor's Hammer, den zweifelsfrei besten Xigmatek-Kühler bisher, weshalb ihm unsere ComputerBase-Empfehlung nicht verwehrt bleiben soll. Dies übergreifende Verfügbarkeit des Kühlers wird ab Ende März erwartet.
Tagesaktuelle Preise und Verfügbarkeit:
Weitere Empfehlungen
- Towerkühler
- Scythe Mugen 2 [10] (sehr hohe Leistung, vielseitig einsetzbar, sehr groß)
- Noctua NH-U12P [11] (hohe Leistung, super Gesamtpaket, leise, etwas teuer)
- Xigmatek HDT-S1283 [12] (hohe Leistung, günstig, leicht, einfache Montage)
- Thermaltake V14 Pro [13] (hohe Leistung, extravagantes Design, vollkupfern, teuer, Lüfter nicht wechselbar)
- OCZ Vendetta 2 [14] (hohe Kühlleistung, günstig, groß)
- Scythe Orochi [15] (sehr hohe Leistung als Tower oder Top-Blow, Passiv-Betrieb möglich, sehr leise, sehr groß, etwas teuer)
- EKL Groß-Clock'ner [16] (hohe Leistung, leiser Lüfter, recht günstig)
- Scythe Mugen 2 [10] (sehr hohe Leistung, vielseitig einsetzbar, sehr groß)
- Top-Blow-Kühler
- Enzotech Ultra-X [17] (hohe Leistung als Top-Blow-Kühler, sichere Montage, etwas laut, teuer)
- Noctua NH-C12P [18] (hohe Leistung als Top-Blow-Kühler, super Gesamtpaket, etwas teuer)
- AVC Black Samurai [19] (hohe Leistung, LGA 1366 Support, mühsame Montage)








