Einleitung
Der Berliner Online-Versender Caseking [1] bietet unter dem Namen „King Mod Service“ seit kurzer Zeit eine Auswahl gedämmter Gehäuse [2] an. Das sind Geräte, die es in gedämmter Ausführung nicht direkt beim Hersteller gibt, sondern bei Caseking vor Ort selbst erst entsprechend modifiziert werden. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels waren dies zwölf Modelle von Lian Li, Lancool und Antec, es sollen jedoch mit der Zeit noch mehr werden.
Mit dem Lian Li PC-B25F haben wir uns ein Modell aus dem mittleren Preissegment heraus gepickt, das inklusive Dämmung für rund 190 Euro angeboten wird – die Standardversion ohne Dämmungs-Set kostet etwa 160 Euro.
Lieferumfang und Daten
Die technischen Daten des Gehäuses im kompakten Überblick:
- Material: Aluminium, Kunststoff, Dämmschaummatten
- Farbe: Schwarz
- Abmessungen: ca. 505 x 210 x 495 mm (H x B x T)
- Gewicht: etwa 7,1 kg
- drei 5,25"-Front-Laufwerkschächte (einer davon mittels Adapter für 3,5"-Geräte nutzbar)
- sechs Schächte für 3,5"-Festplatten
- acht Erweiterungssteckplätze
- zwei 120-mm-Lüfter (1.200 U/min) in der Front
- ein 120-mm-Lüfter (1.500 U/min) an der Rückseite
- zwei 140-mm-Lüfter (1.000 U/min) im Deckel
- Mainboard-Formfaktoren: ATX, Micro-ATX
- ein eSATA-, zwei USB- und zwei Audioanschlüsse im Deckel
Neben dem üblichen notwendigen Material an Schrauben und Abstandshaltern sowie einer Anleitung liegen dem PC-B25F noch zwei Kunststoffschellen zur Kabelbefestigung, ein Lautsprecher fürs Mainboard sowie ein Metallwinkel zur schraubenlosen Befestigung des Netzteils bei. Die Dämmung als Sonderausstattung verdient natürlich gesonderte Erwähnung – an den obligatorischen Stellen wie am Boden und an den Seitenwänden sind die Dämmmatten bereits angebracht, es liegen jedoch zur Ausstattung nach eigenem Ermessen weitere Matten bei. Diese sind bei jedem der von Caseking gedämmten Gehäuse genau auf ihre jeweils zugedachten Einbauplätze zugeschnitten, in diesem Fall auf die Einbauplätze der fünf Lüfter und auf die drei 5,25"-Blenden. Wie dabei genau vorzugehen ist, erklärt eine kurze zusätzliche Anleitung, die Caseking dem Gehäuse beilegt. Der geneigte Käufer kann also selbst entscheiden, inwieweit er bereit ist, auf Kühlleistung zugunsten eines leisen Rechners zu verzichten. Ein Kritikpunkt ist das Fehlen einer Verlängerung für den 8-Pin-EPS-Anschluss, da bei unten montiertem Netzteil dieses Kabel manchmal zu kurz ist oder zumindest bei den meisten Konfigurationen zu einer unschönen Kabelführung zwingt.
Zur Information und für den Vergleich mit anderen Dämmstoffen hat Caseking uns freundlicherweise das Datenblatt der verwendeten Matten zur Verfügung gestellt:
Ausstattung außen
Das PC-B25F fügt sich vom äußeren Erscheinungsbild nahtlos in das restliche Lian-Li-Portfolio ein. Wie üblich dominieren große Flächen aus gebürstetem Aluminium, die an der Front nur durch die dezenten Frontblenden sowie den großen blauen Ring im unteren Bereich unterbrochen werden. Dieser Ring ist das auffälligste Designmerkmal am PC-B25F, schon im ausgeschalteten Zustand – mehr aber noch im Betrieb, da der etwas hinter die Front zurückgesetzte blaue Kunststoff dann auch noch von SMD-LEDs illuminiert wird. Viele Teile sind offensichtlich auch identisch mit anderen Gehäusen des Herstellers, die Deckelblende mit den abgeschrägten Kanten und dem Lochblechdesign – auch ein Element, welches bei Lian Li seit Jahren verwendet wird – sieht beispielsweise identisch aus mit der Konstruktion beim PC-P50 „Armorsuit“.
Ausgerechnet an der Stelle, die man sich wohl am häufigsten ansieht – beim Bedienfeld an der Vorderkante des Deckels – hat Lian Li allerdings gespart und Kunststoff verwendet. Dieser Teil des Deckels mit seinen vielen Kanten auf kleinem Raum wäre aus Metall wohl zu schwierig – oder schier unmöglich – zu fertigen, allerdings hätte eine etwas einfacher gehaltene Konstruktion aus Aluminium besser ins Gesamtbild gepasst als der Kunststoff, der sich optisch sehr deutlich vom Rest des Gehäuses unterscheidet. Zusätzlich fällt auf, dass der Deckel vorne nicht allzu fest am Korpus befestigt ist. Auch wenn grundsätzlich zu begrüßen ist, dass Front und Deckel mit einem Handgriff zu entfernen sind – beim Deckel sind wir uns nicht einmal sicher, ob er der Gravitation standhalten würde wenn man das Gehäuse umdreht. Da auch die Notwendigkeit, den Deckel zu entfernen, im Gegensatz zur Front nicht gegeben ist, würde uns hier eine Verschraubung besser gefallen. Das würde auch Vibrationen vorbeugen, die bei einem Gehäuse dieser Preisklasse wirklich unangebracht wären.
Abgesehen von dem Kunststoff im Deckel kann das Material aber vollends überzeugen, die gebürsteten und eloxierten Aluminiumoberflächen, Kanten und Ausstanzungen sind perfekt verarbeitet und machen einen sehr hochwertigen Eindruck. Auch die Anschlüsse und Taster im Port-Kit sitzen alle passgenau dort, wo sie sitzen sollen, was bei den derzeit am Markt befindlichen Gehäusen fast schon Seltenheitswert hat.








Ausstattung innen
Nach dem Öffnen der Seitenwände erwartet den Käufer ein aufgeräumter Innenraum aus blankem Aluminium. Die wichtigsten und gefährlichsten Kanten sind gefalzt – aber längst nicht alle. Der Aufbau des Innenraums ist auf dem aktuellen Stand der Technik: Das Mainboard wird auf einen nicht herausnehmbaren Träger montiert, der Öffnungen fürs Befestigen der Kabel sowie einen größeren Ausschnitt im Bereich der CPU aufweist. Bei den meisten Mainboards kann so der Kühler oder die CPU gewechselt werden ohne das ganze System auseinander zu nehmen. Für den Kühler ist beim PC-B25F im Allgemeinen und auch bei der gedämmten Version im Besonderen nicht allzu viel Platz, 170 Millimeter Luft zwischen Mainboard und gedämmter Seitenwand ist kein Rekordwert, aber für die meisten großen Tower-Kühler gerade noch ausreichend. Ebenfalls nicht viel Platz gibt es zwischen Mainboard und Gehäusedeckel, sodass an den Einbau eines Radiators an dieser Stelle nicht zu denken ist. Die beiden 140-Millimeter-Lüfter im Deckel sind auf den eigentlichen Gehäusedeckel, der gleichzeitig ein rudimentäres Lüftergitter bildet, aufgesetzt, verschwinden aber unter der aufgesetzten Deckelblende. Ein massives Lüftergitter ist hingegen von innen am rückwärtigen 120-mm-Lüfter festgeschraubt.
Die Erweiterungssteckkarten werden jeweils einzeln mit einem kleinen Hebel fixiert. Im PC-B25F gibt es acht solcher Steckplätze, von denen aber nur die oberen sieben tatsächlich von ATX-Boards genutzt werden, und auch nur diese verfügen über die werkzeuglose Montageoption. Die Länge der Karten ohne Slotblech und gegebenenfalls inklusive Stromstrecker darf maximal gut 28 Zentimeter betragen, wodurch es bei der einen oder anderen High-End-Karte schon zu knapp wird. Unter den Karten liegt auf zwei gepolsterten Profilen das Netzteil auf, welches Luft durch Luftschlitze und einen darunter befindlichen Staubfilter einsaugt. Es kann ganz normal mit vier Schrauben befestigt werden, allerdings ist auch ein großer Metallwinkel mitgeliefert, der an zwei Stellen eingehakt wird und das Netzteil wie ein Gurt am Gehäuse fixiert. Zwischen Boden und Netzteil ist etwa ein Zentimeter Platz, sodass das Netzteil neben Frischluft durch den Staubfilter auch Luft aus dem Gehäuseinneren ansaugen kann – was allerdings kaum einen messbaren Einfluss auf die Temperaturen im Gehäuse haben dürfte.
Vor dem Netzteil ist unser Exemplar des PC-B25F bereits mit zwei kleinen Dämmmatten ausgestattet, die nahezu den gesamten restlichen Boden bedecken. Leider verdecken diese Matten auch die Löcher zur Befestigung der Kabelklammer, sodass bei der gedämmten Variante tendenziell mehr Chaos im Innenraum herrscht als bei der ungedämmten. Auf einem kleinen Sockel ist der 3,5"-Käfig für die Festplatten befestigt, der zur einfacheren Montage der Geräte wie heutzutage üblich um 90° gedreht ist. So muss zum Installieren von weiteren Festplatten nur die linke Seitenwand entfernt werden. Die Festplatten werden mit jeweils vier kleinen Gummipuffern versehen, in den Käfig geschoben und dann verriegelt, indem eine Rändelschraube gelöst und vertikal verschoben wird. Vor diesem Käfig sitzen die einsaugenden Lüfter im bewährten 120-mm-Format, die wie alle anderen Lüfter auch mit Gummipuffern entkoppelt und mit Luftfiltern versehen sind. Diese sind zugänglich, wenn man mit einem Handgriff die Frontblende entfernt. Allerdings scheint der Hersteller die Existenz dieser Gummipuffer beim Design der Lüfter nicht berücksichtigt zu haben, da diese dadurch etwas vom Gehäuse abstehen und ungefilterte Luft einsaugen können – ein klarer Designfehler. Über den Festplatten gibt es den obligatorischen 5,25"-Käfig, wobei sich Lian Li in Zeiten der zunehmenden Bedeutungslosigkeit optischer Datenträger auf nur drei 5,25"-Schächte beschränkt. Zwei davon sind jeweils mit einer werkzeuglosen Verriegelung ausgestattet, der dritte Slot ist mit einem Adapter für 3,5"-Geräte ausgestattet. Alle Geräte können aber alternativ auch komplett verschraubt werden.












Erfahrungen
Der Einbau der Testhardware in das Lian Li PC-B25F war so schnell erledigt wie bei kaum einem anderen Gehäuse. Es gab dabei keine ernst zu nehmenden Probleme und die werkzeuglose Montage aller Komponenten mit Ausnahme des Mainboards beschleunigt den Einbau erheblich. Die Verriegelungen für die Laufwerke und die Erweiterungssteckkarten funktionieren einwandfrei und erfüllen ihren Zweck sehr gut. Selbst die Lüfter kann man bis auf den im Heck platzierten ohne Werkzeug demontieren – man kann sie mitsamt der verschraubten Gummipuffer mit einem Handgriff entfernen. Die Qualität des Materials konnte in fast jeder Hinsicht überzeugen, nur die Einfassung des Port-Kits in Kunststoff passt da nicht ganz ins Bild und die Lüfter waren nicht auf dem Level, welches man ansonsten von Lian Li gewohnt ist. Bis zu 1.500 U/min sind bei einem auf geringe Lautstärke ausgelegtem Gehäuse einfach zuviel. Dazu kommen zumindest bei unserem Testexemplar leichte Lagergeräusche von einem der beiden Lüfter im Deckel – hier gibt es also noch Verbesserungspotenzial. Die offensichtlichsten Merkmale – die Verarbeitung des Aluminiums innen und außen sowie die schwarze Eloxierung – sind jedoch über jeden Zweifel erhaben.
Die Dämmung von Caseking hinterließ einen weitgehend positiven Eindruck. Wie bereits erwähnt, ist ein Teil der Matten an obligatorischen Stellen bereits angebracht, für weitere Stellen – vorwiegend Einbauplätze für Lüfter – befinden sich passend zugeschnittene Matten im Lieferumfang. Man bekommt also ein fast gebrauchsfertiges gedämmtes Gehäuse für einen moderaten Aufpreis gegenüber der Standardversion. Es handelt sich allerdings um relativ leichte Schaummatten, die vorwiegend gegen höherfrequenten Lärm helfen und weniger gegen niederfrequentes Brummen durch Vibrationen. Dafür müssten die Matten deutlich schwerer sein, was sich allerdings durch Einsatz beispielsweise von Bitumenplatten auch stark auf den Preis und auf das Gehäusegewicht auswirken würde. Hier wäre es schön, wenn Caseking den King-Mod-Service auch mit verschiedenen Dämmungstypen anbieten würde. Insgesamt ist die Dämmung von Caseking aber ein gutes Angebot für jeden, der ein leises System aufbauen und sich nicht selbst mit der Anpassung der Dämmung beschäftigen möchte – und natürlich auch für Leute, denen das notwendige Geschick dafür fehlt.

















Testsystem
Das Testsystem im Detail:
- AMD Phenom X4 9850 Black Edition
- EKL Alpenföhn Brocken mit Scythe S-Flex 120 mm (1.200 U/Min)
- Gigabyte GA-MA790GP-DS4H (AMD 790GX)
- 2x 1024 MB DDR2-1066 Speicher
- Asus Radeon HD 4850
- 2 x 80 GB Hitachi Deskstar 7K250 SATA
- Scythe Kamariki 4 Plug-In 550 Watt
Die Temperaturen wurden gemessen, während das System 3DMark Vantage [3] (Download [4]) als Dauerschleife und parallel Prime95 [5] ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden mit einem „Voltcraft Digitales Schallpegelmessgerät 320“ durchgeführt, das Schallpegel im Bereich von 30 bis 120 Dezibel misst. Die Grundlautstärke des Messraumes lag bei subjektiv empfundener Stille unterhalb des Messbereiches, also bei weniger als 30 Dezibel.
Für die Regelung der Lüfter wurde eine Scythe Kaze Master 5,25" benutzt, die einen Regelbereich von etwa 3,7 bis 12 Volt aufweist.
Messungen
Lautstärke
Angaben in Dezibel
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Die geringe Lautstärke des gedämmten Lian Li PC-B25F übertrifft alle in letzter Zeit getesteten ungedämmten Gehäuse. Im geregelten Betrieb mit verringerter Spannung ist das Gehäuse quasi unhörbar – im Test konnten wir es nur Nachts bei ansonsten – soweit machbar – absoluter Stille wahrnehmen. Mit 12 Volt kann man die Lüfter aufgrund ihrer Spezifikationen mit bis zu 1.500 U/min allerdings hören. Mit einer statt der beiden 140-mm-Lüfter zusätzlich angebrachten Dämmmatte im Deckel liegt das Gehäuse unterhalb des Messbereiches unseres Messgeräts. Durch die durchgehende Front ohne direkt nach außen führende Lüftungsschlitze und der Dämmung wegen sind auch die Geräusche der Festplatten wirkungsvoll unterdrückt. Sehr gut!
Systemtemperaturen
Angaben in °C
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Wo Licht ist, ist auch Schatten – Maßnahmen zur Verringerung der Lautstärke ziehen fast immer höhere Systemtemperaturen nach sich, und so ist es auch hier. Die Kühlleistung skaliert eindeutig mit der Spannung der Lüfter und mit ihrer Anzahl. Allerdings reicht die Kühlleistung selbst mit heruntergeregelten Lüftern und mit Zusatzdämmung im Deckel aus, um einen der heißeren AMD-Quadcores und eine Grafikkarte der oberen Leistungsklassen zu kühlen. Beim Betrieb mit 12 Volt ist die Kühlleistung bei einem verhältnismäßig geringem Geräuschpegel sogar sehr gut.
Fazit
Das von Caseking gedämmte Lian Li PC-B25F hat uns insgesamt sehr gut gefallen. Ein grundsätzlich schon gutes Gehäuse wurde hier zu einem sehr guten Endprodukt veredelt, auf dessen Basis der Käufer (eine optionale Lüftersteuerung vorausgesetzt) ein gut gekühltes und herausragend leises System aufbauen kann. Negativ fielen ein einzelner Lüfter, der nicht absolut frei von Lagergeräuschen ist, oder die nicht allzu fest angebrachten Blenden vorne und oben auf – was aber den guten Gesamteindruck nur unwesentlich trübt. Während quasi alle Towerkühler noch knapp zwischen Board und Seitenwand passen, sollte man bei der Wahl der Grafikkarte die maximale Platinenlänge von etwa 28 beziehungsweise die Gesamtlänge inklusive Slotblech von 30 Zentimetern beachten.
Auf der Haben-Seite verbucht das Gehäuse neben der Geräuschkulisse und der Kühlleistung auch hochwertige Materialien bei fast allen Teilen, eine gute Verarbeitung sowie ein gefälliges Design, ohne dabei beliebig zu wirken. Auch wenn das Gehäuse mit rund 160 Euro für die ungedämmte beziehungsweise 190 Euro für die King-Mod-Version nicht ganz billig ist, können wir am Ende dieses Tests für die Modifikation in jedem Fall eine Kaufempfehlung aussprechen.
Für die Zukunft wünschen wir uns, dass das Angebot (optional) auch um gewichtigere (und teurere) Dämmmaterialien erweitert wird, die neben hochfrequenten Tönen insbesondere Schwingungen weiter dämpfen können.
Tagesaktuelle Preise und Verfügbarkeiten:





