Einleitung
Eine Revolution ist es nicht und den wirklichen Nutzen von PCI Express werden wir wohl erst in einigen Jahren erkennen können. Dank der massiven Unterstützung von Intel wird dieser Standard jedoch schon in diesem Jahr in neuen PCs zum Einsatz kommen. Die passenden Chipsätze wird der Prozessorgigant zumindest in wenigen Wochen launchen. Mit von der Partie sind dann auch Grafikkarten von ATi.
Nachdem bereits gestern in der Gerüchteküche Nummer 1, dem Inquirer, erste Details auftauchten [1], wollen wir das Ganze nun etwas professioneller aufziehen und bewaffnet mit Präsentationen von ATi die neuen Grafikkarten vorstellen. Und so präsentierte ATi heute um Punkt 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf der Computex in Taiwan sein neues Lineup, bestehend aus drei Grafikkarten-Serien, die jeweils eine bestimmte Klientel bedienen. Finale Worte zu den jeweiligen Grafikkarten wollen wir am Ende dieses kleinen Artikels präsentieren.



ATis PCI Express-Grafikkarten
Radeon X300-Serie
Ausgestattet mit dem RV370-Chip wird die Radeon X300 die Basis von ATis neuem Lineup für PCI Express sein. Analog zum Rest der Grafikkarten wird es auch hier zwei Varianten geben, die sich nicht nur in den Taktfrequenzen unterscheiden. So wird die X300 über ein 128 Bit breites Speicherinterface verfügen, während dasjenige der X300 SE nur eine Breite von 64 Bit besitzt. Ob man mit letzterer überhaupt ordentlich aktuelle Spiele genießen kann, sei an dieser Stelle nicht weiter diskutiert. Über die volle Unterstützung von Microsofts DirectX 9 verfügen aber beide Karten. Weitere Details entnehme man bitte der Tabelle und den Bildern von ATis Präsentation. Die Strom sparende „low-K“-Fertigung steht in 0,11 µm leider nicht zur Verfügung.
| Radeon X300 | Radeon X300 SE | |
|---|---|---|
| Chiptakt | 325 MHz | 325 MHz |
| Speichertakt | 200 MHz | 200 MHz |
| Fertigungstechnik | 0,11 µm | 0,11 µm |
| Speicherbusbreite | 128 Bit | 64 Bit |
| Texturspeicher | 64, 128 o. 256 MB | 64 o. 128 MB |
| Features | Smartshader 2.0, Smoothvision 2.1, HyperZ III+ |
Smartshader 2.0, Smoothvision 2.1, HyperZ III+ |
| Shader-Profil | 2.0-Pfad DirectX 9 |
2.0-Pfad DirectX 9 |




Radeon X600-Serie
Die neue Radeon X600 kommt mit einem RV380-Chip unter dem Kühlkörper zum Kunden. Allerdings besitzen die beiden Grafikkarten dieser Serie gegenüber den X300-Modellen wesentlich höhere Taktraten und wurden auch nicht weiter im Speicherinterface beschnitten. Und während man mit der X300 neue Wege geht (Stichwort 0,11-µm-Fertigung), besinnt man sich bei der X600 noch auf die alten Tugenden und fertigt diese weiterhin in 0,13 µm breiten Strukturen. Die Daten zur Radeon X600 XT und Pro sehen dabei wie folgt aus:
| Radeon X600 XT | Radeon X600 Pro | |
|---|---|---|
| Chiptakt | 500 MHz | 400 MHz |
| Speichertakt | 370 MHz | 300 MHz |
| Fertigungstechnik | 0,13 µm lowK | 0,13 µm lowK |
| Speicherbusbreite | 128 Bit | 128 Bit |
| Texturspeicher | 128 o. 256 MB | 128 o. 256 MB |
| Features | Smartshader 2.0, Smoothvision 2.1, HyperZ III+ |
Smartshader 2.0, Smoothvision 2.1, HyperZ III+ |
| Shader-Profil | 2.0-Pfad DirectX 9 |
2.0-Pfad DirectX 9 |




Radeon X800-Serie
Während die X800-Karten eigentlich schon seit längerem bekannt sind [2], hat sich ATi entschlossen, für die PCI Express-Varianten keine gesonderte Nomenklatur einzuführen und wird es also auch hier beim Namen „Radeon X800“ belassen. Trotzdem entwickelte man zumindest ansatzweise einen neuen Chip, der das native PCI-Express-Interface im Die trägt und auf den Namen R423 hört. Gegenüber dem R420 der AGP-Geschwister gibt es dann auch kaum Unterschiede, bis auf das bereits erwähnte native Interface. Möchte man für die AGP-Schnittstelle noch zwei verschiedene XT-Varianten einführen [3], wird es für PCI Express nur eine geben - die „Platinum Edition“. Die Daten der X800-Grafikkarten sehen wie folgt aus:
| Radeon X800 XT „PE“ | Radeon X800 Pro | |
|---|---|---|
| Chiptakt | 525 MHz | 475 MHz |
| Speichertakt | 560 MHz | 450 MHz |
| Pipelines | 16 | 12 |
| Fertigungstechnik | 0,13 µm lowK | 0,13 µm lowK |
| Speicherbusbreite | 256 Bit | 256 Bit |
| Texturspeicher | 256 MB GDDR3 | 256 MB GDDR3 |
| Features | Smartshader HD, Smoothvision HD, HyperZ HD, 3Dc |
Smartshader HD, Smoothvision HD, HyperZ HD, 3Dc |
| Shader-Profil | 2.b-Pfad DirectX 9 |
2.b-Pfad DirectX 9 |




Kommentar
Während die X800-Serie dem entspricht, was vor einigen Tagen auch schon für AGP 8x vorgestellt [1] wurde, gibt es bei der X600-Serie zumindest ein paar Neuigkeiten. Zwar entsprechen beide Karten in etwa dem, was bisher Radeon 9600 Pro und XT lieferten, dennoch vollzog man zumindest bei der X600 XT die längst überfällige Erhöhung des Speichertaktes. Statt 300 MHz bei der Radeon 9600 XT kommt nun DDR1-Speicher mit 370 MHz zum Einsatz. Dank dem hohen Chiptakt von 500 MHz dürfte diese Grafikkarte sicher für Spieler mit einem kleinen Geldbeutel durchaus interessant sein.
Die Radeon X300 löst derweil die Radeon 9200 im Lowcost-Segment ab und bringt im Hause ATi erstmals die Unterstützung von DirectX 9 auch im niedrigsten Preisbereich. Wie man dies erreicht ist allerdings durchaus umstritten. Während die X300 eigentlich nichts Anderes ist, als eine niedriger getaktete X600, ist die X300 SE wohl kaum zu empfehlen. Vor allem das nur 64 Bit breite Speicherinterface stößt uns dabei sauer auf und sollte zusätzlich dafür sorgen, dass kaum ein aktuelles Spiel flüssig zu spielen ist.



PCI Express gehört die Zukunft?
Der Hype zum Trotze, ist PCI Express zumindest zur Zeit noch recht kritisch zu betrachten. Zwar ermöglicht diese neue Technologie bidirektionale Übertragungsraten zwischen Northbridge und Grafikkarten mit brutto bis zu vier Gigabyte pro Sekunde, allerdings existiert noch keine Anwendung, die diese enorme Datenmenge wirklich ausnutzt und somit von PCI Express profitieren könnte. Vor allem passionierte Spieler sind wohl noch eine lange Zeit mit einer Grafikkarte mit AGP-8x-Interface sehr gut bedient. PCI Express wird im Jahre 2004 vermutlich ausschließlich im Highend zu finden sein. Dies zeigt auch, dass ATi in der X800-Serie nur die schnelle X800 XT „Platinum Edition“ veröffentlichen wird und auf eine Adaption der normalen XT (500 MHz Chip und 500 MHz Speicher) verzichtet. Wer trotzdem umsteigen möchte, findet bei ATi und auch nVidia zwar die passende Karte für jeden Geldbeutel, ob der Rest des Systems auch zum jeweils avisierten Preispunkt zu bekommen sein wird, steht jedoch in Frage.
Der wirkliche Vorteil von PCI Express liegt derweil auch vielmehr in der bidirektionalen Natur des Interfaces. So beträgt auch die Übertragungsrate von der Grafikkarte zur CPU nunmehr vier Gigabyte pro Sekunde, was nahezu dem fünfzehnfachen von AGP 8x entspricht. Aber auch hier ist viel Hype mit im Spiel, existiert doch im Moment kaum eine Anwendung, die Daten aus dem Grafikspeicher ausliest und somit profitieren könnte. Auch in Zukunft ist mit solchen so schnell noch nicht zu rechnen, da ATi, nVidia und Co. in den letzten Jahren den Spieleentwicklern vermittelt haben, dass man dies doch bitte lassen sollte, da das Businterface einem solchen Unternehmen im Weg stehen würde. Wie schon von anderen Features bekannt, wird dann wohl auch der professionelle CAD/CAM/CAE-, Simulations- und Rendering-Bereich diese Möglichkeit unterstützen. Später - sprich in einigen Jahren, wenn sich PCI Express vollkommen durchgesetzt hat - wäre es aber auch möglich, Videos etc. in der Grafikkarte zu encoden, da dies dank tatkräftiger Unterstützung der leistungsfähigen Shadereinheiten oft schneller gelingt, als rein in den Hauptprozessoren.
ATi versicherte uns gegenüber bei einem Pressebriefing jedoch, dass man auch in Zukunft noch AGP-Karten anbieten wird. Dies wird man zumindest so lange noch tun, bis der Markt für dieses Bus-System vollkommen verschwunden ist. Wie lange so etwas dauern kann, sehen wir zur Zeit an „PCI“, für das man auch noch im Jahre 2004 diverse Grafikkarten kaufen kann. Neue Chips werden wohl in Zukunft aber nur noch mit nativer Unterstützung für PCI Express gefertigt werden, so ATi. Solange für diese noch Bedarf an AGP-Karten bestehen, hat auch ATi einen Brücken-Chip designt, der die neuen Chips a lá R500 auf einem AGP8x-Mainboard lauffähig macht.
Einen ähnlichen Weg geht auch nVidia, jedoch mit einem kleinen Unterschied, denn während ATi die bisher erhältliche Chippalette mit einem nativen Interface ausstattete (neues Tape-Out inklusive), wird nVidia die „alten“ Chips über einen solchen Brücken-Chip fit für PCI Express machen. Um dies zu erreichen übertaktet man quasi das AGP-Interface auf der Grafikkarte zwischen GPU und Bridge-Chip auf 16x und erreicht somit in eine Richtung die Geschwindigkeit, die auch PCI Express x16 bietet. Ab dem NV45 bietet aber auch nVidia ein natives PCI-Express Interface, das per Bridge-Chip notfalls auf AGP 8x umgepolt werden kann. Rein objektiv betrachtet bergen beide Lösungen jedoch einige Risiken in sich. So muss nVidia mit Mehrkosten durch den Bridge-Chip rechnen (Fixkosten des Tape-Outs, Produktionskosten etc.) und hat zusätzlich eine Fehlerquelle mehr auf dem PCB. ATi hingegen hat Mehrkosten durch die verschiedenen Tape-Outs der neuen Chips RV370, RV380 und R423 und muss zudem noch weiterhin zwei verschiedene Chips produzieren (RV360 und RV370/RV380 R420 und R423) - sowie ebenfalls ihre Mehrkosten durch den Bridge-Chip und die potentielle Fehlerquelle auf dem PCB bei späteren AGP-Karten.
Zur kleinen Zusammenfassung: PCI Express mag die Zukunft gehören, das Jahr 2004 aber wohl noch nicht.

