ComputerBase

Kurztest: ATi Video Converter Benchmarks

von Wolfgang Andermahr

Einleitung

Während GPU-Computing, also die Berechnung paralleler Aufgaben auf der Grafikkarten anstatt auf dem Hauptprozessor, vor etwa zwei Jahren Endanwender noch kaum interessiert hat, heben sowohl ATi als auch Nvidia das Thema in letzter Zeit ins Rampenlicht und haben mit CUDA respektive Stream die technologische Basis geschaffen. Und so kommen immer mehr Programme auf dem Markt, die auf der GPU berechnet werden.

Mit dem Catalyst 8.12 (ComputerBase-Test [1]) hat ATi die Stream-Technologie für sämtliche Software im Treiber integriert und liefert gleichzeitig den für einige sicherlich bekannten ATi Video Converter mit. Durch diesen konnte man bereits auf einer Radeon-X1000-Karte ein Video schnell und einfach auf der Grafikkarte in ein anderes Format umwandeln. Die Entwicklung wurde aber eingestellt und erst mit der Radeon-HD-4000-Serie fortgeführt. Das Tool ist aktuell nur auf Radeon-HD-4800- sowie Radeon-HD-4600-Modellen lauffähig, die Radeon-HD-3000-Karten sollen später noch folgen.

ATi Video Converter
ATi Video Converter

Man kann mit dem Video Converter also Videos konvertieren. Dabei muss man allerdings anmerken, dass ATi mit dem Programm keine professionellen Ansprüche erhebt und dies anderen Herstellern (wie zum Beispiel CyberLink mit dem PowerDirector) überlässt. Stattdessen möchte man den Käufern ein simples Tool in die Hand geben, mit dem man zum Beispiel Videos bearbeiten kann, sodass diese auf einem iPod oder einer DVD lauffähig abgelegt werden können.

Wie also schlägt sich das Tool gegen die direkte Konkurrenz aus dem Hause Nvidia sowie einen gewöhnlichen Vierkern-Hauptprozessor? Das untersuchen wir auf den folgenden Seiten.

ATi Video Converter

Aktuell akzeptiert der Video Converter nur wenige Eingangsformate: MPEG, mp4 oder WMV müssen es sein, ansonsten verweigert das Tool seinen Dienst. Als Ausgangsformat kann man vorgefertigte Optionen auswählen, um das Video später auf einer Super Video CD, Video CD, DVD, einer PSP von Sony, einem tragbaren Media Center oder einem iPod abspielen zu können. Alternativ kann man direkt die Codecs MPEG-1, MPEG-2, MPEG-4 beziehungsweise Windows Media Video auswählen.

Anschließend kann man mit einem Regler noch die jeweilige Bitrate des Videos beeinflussen, mehr Optionen gibt es nicht. Das Nvidia-Konkurrenzprogramm zum ATi Video Converter ist BadaBOOM von Elemental, was nur auf CUDA-fähigen Grafikkarten von Nvidia läuft. BadaBOOM ist im Gegensatz zum ATi-Tool kostenpflichtig. Auch dort sind die Optionen beschränkt (BadaBOOM ist genauso eine „Mainstream-Software“), dennoch ist die Software ein gutes Stück vielfältiger als das ATi-Tool.

Im Praxistest zeigt sich der ATi Video Converter noch etwas widerspenstig, da es noch zwei auffällige und vor allem störende Bugs in dem Tool zu geben scheint. So stürzt der Video Converter sang und klanglos auf unserem Testsystem ab, wenn wir die Transcodierung per manuellem Abbruch beenden. Dabei schließt sich zugleich das Catalyst Control Center, das man daraufhin wieder starten muss. Noch viel ärgerlicher ist, dass die Performance des Converters bei einigen Formaten schwankend ist. Bei manchen Konvertierungen legt das Tool zwischendurch größere Pausen ein und braucht so bei unserem Testvideo manchmal mehrere Minuten länger, um das Video fertigzustellen. In dem Fall mussten wir mehrere Anläufe starten, bis der ATi Video Converter einwandfrei arbeitet.

Als Testvideo haben wir uns für eine 1080p-Aufnahme (1920x1080, 24 Bilder pro Sekunde) vom Kurzfilm „Elephants Dream“ entschieden, die im MPEG-2-Format vorliegt. Die Größe der Datei beträgt 626 MB. Als Zielformat haben wir den mp4-Codec bei einer Bitrate von 2500 kbit ausgewählt.

In einem kurzen Vergleichstest bezüglich der Bildqualität konnte der ATi Video Converter nicht ganz das Niveau vom AVS Video Converter (CPU) sowie BadaBOOM von Elemental (GPU) erreichen. So fehlen in dem Video einige Details, da die Bildschärfe etwas verloren geht. Dies kann man zwar kompensieren, indem man die Bitrate erhöht, bei theoretisch gleicher Qualität hat das ATi-Tool aber das Nachsehen. Zwischen der CPU-Konvertierung und BadaBOOM konnten wir hingegen keinerlei Unterschiede feststellen.

Benchmarks

Video-Transcodierung

 626 MB (MPEG-2) in mp4:
ATi Radeon HD 4870
1:21
ATi Radeon HD 4850
1:26
ATi Radeon HD 4870 X2
1:29
ATi Radeon HD 4830
1:51
Nvidia GeForce GTX 280
2:26
Nvidia GeForce GTX 260 216
2:41
Nvidia GeForce 9800 GTX+
2:42
Nvidia GeForce GTX 260
2:48
ATi Radeon HD 4670
3:11
Nvidia GeForce 9800 GT
3:21
Nvidia GeForce 9600 GT
3:26
Intel Core 2 QX9770 @ 3,2 GHz
8:05
Angaben in Minuten, Sekunden

Fazit

Bei der Performance ist der ATi Video Converter mit Abstand am schnellsten, die Bildqualität muss sich (bei gleichen Programmeinstellungen) der Konkurrenz allerdings geschlagen geben. Die Performance ist dennoch beeindruckend, vor allem wenn man bedenkt, dass die ATi-Grafikkarten während des Transcodierens mit den Taktraten stur im 2D-Modus bleiben. Aus diesem Grund arbeitet eine Radeon HD 4870 X2 (trotz der gleichen Taktraten) im 3D-Modus auch etwas langsamer als eine herkömmliche Radeon HD 4870, da die Dual-Karte unter Windows den Speicher etwas langsamer ansteuert.

Die Radeon HD 4870 liegt an der Spitze und erledigt ihre Arbeit in einer Minute und einundzwanzig Sekunden. Die Radeon HD 4850 ist nur fünf Sekunden langsamer, die Radeon HD 4830 liegt aufgrund der zwei deaktivierten SIMD-Einheiten mit einer Minute und einundfünfzig Sekunden weiter zurück. Die Radeon HD 4670 benötigt für die Arbeit drei Minuten und elf Sekunden, womit man immer noch deutlich schneller als die CPU (Intel Core 2 QX9770 auf dem AVS Video Converter) ist.

ATi Video Converter
ATi Video Converter

Bei Nvidia ist die GeForce GTX 280 mit 2:26 am schnellsten, gefolgt von der GeForce GTX 260 216 mit 2:41. Die GeForce 9800 GTX+ liegt direkt dahinter, die GeForce GTX 260 ist mit 2:48 minimal langsamer. Die GeForce 9800 GT erledigt ihre Aufgabe in drei Minuten einundzwanzig Sekunden und ist damit knapp schneller als die GeForce 9600 GT. Anscheinend hat Elementals BadaBOOM-Software noch einige Schwierigkeiten mit der Skalierung der ALUs, ansonsten ist das Ergebnis der GeForce 9800 GT im Vergleich zur GeForce 9600 GT kaum zu erklären. Und auch die GeForce-GTX-200-Serie schneidet nicht gerade beeindruckend gegenüber der GeForce 9800 GTX+ ab.

Der wahrlich nicht langsame Core 2 QX9770 liegt mit acht Minuten und fünf Sekunden weit hinter jeder Grafikkarten zurück. Bei der Performance kann der ATi Video Converter also überzeugen – kein anderes Tool ist schneller. Allerdings muss ATi erst noch einige Bugs entfernen, bevor man effektiv mit dem Tool arbeiten kann. Zudem sollte ATi etwas an der Bildqualität schrauben, die schlechter als bei der CPU- und der Nvidia-Lösung ist.

BadaBOOM wusste schlussendlich am besten zu gefallen, ist aber kostenpflichtig. Dafür bekommt man ein einfach zu bedienendes Tool, das für die Mainstream-Käufer genügend Einstellmöglichkeiten bietet und in einer kurzen Zeit qualitativ einwandfreie Videos konvertieren kann. Die CPU-Tools sind trotz einer Anpassung auf mehrere Kerne spürbar langsamer.

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/grafikkarten/2008/bericht_ati_catalyst_812_beta/
Copyright © 1999–2012 ComputerBase GmbH