Einleitung
Nachdem es in den vergangenen Monaten im Grafikkartenmarkt mit der Präsentation der Radeon-HD-4000- sowie der GeForce-GTX-200-Serie viel Bewegung gegeben hat, ist nun etwas Ruhe in den Markt eingekehrt. Und das ist auch gut so, da man sich nun mit etwas mehr Gelassenheit die Partnerkarten der verschiedenen Hersteller anschauen kann, die hier und da durchaus einen sinnvollen Mehrwert gegenüber dem Referenzdesign darstellen, das des Öfteren insbesondere Schwierigkeiten mit der Lautstärke habt. So wusste vor kurzem erst die PowerColor Radeon HD 4850 PCS+ in unserem Testlabor zu gefallen, die nicht nur schnell, sondern vor allem durchgängig leise agiert.
Wie schon allzu oft in der Vergangenheit gibt es von den „langsameren“ Grafikkarten diverse eigenständige Designs der Hersteller, bei den schnelleren Karten aber nur wenige. So existieren zum Beispiel sowohl von der GeForce GTX 280 als auch von der Radeon HD 4870 X2 keine Partnerkarten, die mit einem eigenständigen Kühler daherkommen.
Ausgerechnet der vor Kurzem noch Nvidia-exklusive Hersteller Gainward scheint daran keinen Gefallen gefunden zu haben und bringt eine Radeon HD 4870 X2 auf den Markt, die mit dem Referenzdesign von ATi nicht mehr viel gemeinsam hat. Gainward Rampage 700 GS GLH (Golden Sample, Goes Like Hell) lautet der genaue Name des 3D-Beschleunigers, der erstmals im Desktop-Segment auf einen Triple-Slot-Kühler (!) setzt. Zwei Lüfter, jede Menge Kühlfläche und höhere Taktraten sollen den Kunden zum Kauf des „Monstrums“ überreden. Ob das gelingt, klären wir auf den nächsten Seiten.
Die Karte
Der bis vor Kurzem noch Nvidia-exklusive Hersteller Gainward hat sein Produktportfolio mittlerweile auch auf ATi-Karten ausgeweitet und bietet eine eigene Adaptionen von der Radeon HD 4850, Radeon HD 4870 sowie vom Flaggschiff, der Radeon HD 4870 X2, an. Neu hinzugekommen ist nun die Rampage 700 GS GLH, die auf der Radeon HD 4870 X2 basiert. Die Karte kostet aktuell satte 500 Euro und ist in ausreichenden Mengen erhältlich. Die nicht Übertaktete Rampage 700 GS ist mit 480 Euro etwas günstiger, aber noch nicht lieferbar.
Gainward scheint von dem Referenzdesign der Radeon nicht viel zu halten, zumindest gibt es optisch zwischen diesem und dem Design der Rampage 700 GS GLH kaum noch Gemeinsamkeiten. Das rot gefärbte PCB misst immer noch eine Länge von 27 cm, sieht jedoch um einiges aufgeräumter als das Pendant auf dem Referenzdesign aus. Davon abgesehen benötigt die Grafikkarte immer noch einen Acht-Pin- sowie einen Sechs-Pin-Stromstecker, um den Dienst verrichten zu können.



Als Kühlsystem setzt Gainward auf der Rampage 700 GS GLH erstmals auf einer Desktop-Karte einen schier riesigen und wuchtig wirkenden Triple-Slot-Kühler ein, der dementsprechend gleich die nächsten beiden PCI- oder PCIe-Slots blockiert. Platz für eine zweite Grafikkarte ist wohl nur noch bei den wenigsten Mainboards vorhanden. Als Kühlmaterialien setzt Gainward zum größten Teil auf günstiges Aluminium. Auf den beiden RV770-GPUs ist ein eigener Kühlblock mit mehreren Kühllamellen angebracht. Direkt auf der GPU sitzt dagegen ein eingelassener Kühlblock aus teurerem, aber effektiverem Kupfer.



Der PCIe-Switch, durch den die beiden GPUs miteinander kommunizieren können, ist in das Kühlsystem mit einbegriffen, ebenso der insgesamt 2.048 MB große GDDR5-Speicher (effektiv kann die Karte aber nur 1.024 MB nutzen) sowie die Spannungswandler. Die beiden Kühlkörper sind mittels einer Heatpipe verbunden. Auf der Rückseite verbaut Gainward eine dünne Kühlplatte. Zwei 75 mm große Axiallüfter sind etwas versetzt auf den Kühlkörper montiert. Aufgrund des Kühlers ist das Gewicht der Rampage 700 GS GLH sehr hoch. Wir empfehlen dringend, die Karte gut mit dem Gehäuse zu verschrauben.



Gainward übertaktet die beiden GPUs auf der Rampage 700 GS GLH von 750 MHz um 40 MHz auf 790 MHz. Der GDDR5-Speicher macht einen Sprung um 100 MHz und wird mit 1.900 MHz angesteuert. Die Rampage 700 GS (ohne den GLH-Zusatz) agiert stattdessen mit den Referenzvorgaben von ATi. Unter Windows takten sich die Rechenkerne auf 507 MHz herunter, während der Speicher weiterhin mit den maximalen 1.900 MHz arbeitet. Auf dem Slotblech befindet sich neben dem üblichen DVI-Ausgang noch ein D-SUB-, HDMI- und gar ein DisplayPort-Anschluss.



Das Zubehör der Rampage 700 GS GLH fällt für eine 500 Euro teure Grafikkarten leider ziemlich dünn aus. Mehr als einen Stromadapter (Sech-Pin auf Acht-Pin), einen DVI-auf-HDMI-Adapter, eine Treiber-CD, eine CrossFire-Bridge sowie die Software „DVD Solution“ von CyberLink legt Gainward nicht in den Karton. Das haben bereits um mehr als 200 Euro günstigere Grafikkarten deutlich besser gemacht.


Benchmarks
Die folgenden Benchmarks wurden mit dem aktuellen Grafikkarten-Testsystem [1] auf Basis eines Intel Core 2 Extreme QX9770 ermittelt. Dieser wird mit einem Takt von 4 GHz betrieben, um die Karten nicht unnötig auszubremsen. Als Treiber kam für alle Messungen (einschließlich Leistungsaufnahme und Lautstärke) der Catalyst 8.11 beziehungsweise der GeForce 180.48 zum Einsatz.
2560x1600
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
|
Da bereits die Radeon HD 4870 X2 so ziemlich am Maximum ihrer möglichen Frequenzen arbeitet, kann Gainward bei der Rampage 700 GS GLH die Taktraten nur noch bedingt steigern. Dementsprechend fällt das durchschnittliche Performanceplus mit drei Prozent auch nur recht mager aus. Die GeForce GTX 280 lässt man so um 50 Prozent zurück, die Radeon HD 4870 1GB mit nur einer GPU um 78 Prozent.
Den größten Gewinn fährt die Gainward Rampage 700 GS GLH in Call of Duty ohne Anti-Aliasing sowie anisotroper Filterung ein. Dort arbeitet die Karte um fünf Prozent schneller als das von ATi hergestellte Referenzdesign der Radeon HD 4870 X2. Das schlechteste Ergebnis erzielt die Karte in Far Cry 2 sowie World in Conflict, jeweils mit den beiden qualitätssteigernden Features. Dort kann sich der 3D-Beschleuniger nur um zwei Prozent absetzen.
Performancerating
Angaben in Prozent
|
Sonstige Messungen
Lautstärke
Angaben in Dezibel
|
Abgesehen von den üblichen Multi-GPU-Problemen ist das größte Manko der ATi Radeon HD 4870 X2 wohl das verbaute Kühlsystem. Denn während dieses unter Windows noch sehr leise agiert, mutiert der Lüfter unter Last zu einem kleinen Schreihals, da ansonsten die knapp 300 Watt Abwärme nicht abgeführt werden können. Macht dies die Gainward Rampage 700 GS GLH also besser?
Leider nicht so richtig. Denn ausgerechnet unter Windows ist die Grafikkarte ein gutes Stück lauter als das Referenzdesign und agiert auf etwa demselben Niveau wie die GeForce GTX 280. Damit ist der 3D-Beschleuniger zwar noch recht leise, von den anderen Komponenten aber zu unterscheiden. Unter Last ist die Rampage 700 GS GLH dann mit 57,5 Dezibel etwas leiser als eine gewöhnliche Radeon HD 4870 X2, die auf 59,5 Dezibel kommt. Nichtsdestotrotz ist das für viele Spieler sicherlich immer noch zu laut, da man den Lüfter sehr deutlich bei seiner Arbeit hören kann.
Temperatur
Angaben in °C
|
Kann das Triple-Slot-Kühlsystem auf der Rampage 700 GS GLH denn in der Disziplin der Temperaturmessung punkten? Diese Frage kann man mit „Ja“ beantworten, wobei die Differenzen nicht riesig ausfallen. 61 Grad Celsius messen wir unter Windows, was noch ein Grad mehr als bei einer normalen Radeon HD 4870 X2 ist. Wenn man bedenkt, dass die Gainward-Karte lauter als das ATi-Pendant agiert, ist das ein enttäuschendes Ergebnis. Unter Last kann man dann die Vorteile der größeren Kühlfläche ausspielen, da die GPUs mit den maximalen 75 Grad Celsius 13 Grad kühler als mit dem Dual-Slot-Kühlsystem sind. Auf der Chiprückseite messen wir 73 Grad Celsius.
Leistungsaufnahme
Angaben in Watt (W)
|
Bei den Messungen der Leistungsaufnahme liegt die Gainward Rampage 700 GS GLH mit 195 Watt in etwa auf dem Niveau einer normalen Radeon HD 4870 X2, die 190 Watt benötigt. Im 2D-Betrieb takten sich beide 3D-Beschleuniger nur bei den GPUs auf ein und dasselbe Niveau herunter, der Speicher der Gainward Rampage 700 GS GLH wird auch im 2D-Betrieb weiterhin mit 1900 MHz betrieben, was die Unterschiede erklären könnte. Unter Last zieht die Gainward-Karte aufgrund der höheren Taktraten dann mehr aus der Steckdose und genehmigt sich 471 Watt. Die Standard-Version von ATi zeigt sich mit 445 Watt etwas genügsamer.
Übertaktungsergebnisse können wir an dieser Stelle leider nicht liefern, da sich der Catalyst 8.11 diesbezüglich etwas störrisch anstellt. So können wir sowohl mit externen Tools wie dem RivaTuner als auch mit der internen Funktion im Catalyst Control Center jeweils nur eine GPU übertakten (die zweite läuft mit den Standard-Frequenzen weiter), was leider kein Performanceplus einbringt, die die GPUs dann asynchron arbeiten und der Verwaltungsaufwand somit erhöht ist.
Fazit
Mit der Rampage 700 GS GLH spricht Gainward die absoluten Enthusiasten an, die nicht nur die höchste Leistung, sondern auch etwas Besonderes beziehungsweise Einzigartiges in der Hand halten möchten. Und beides ist die Grafikkarte alleine durch das erstmals eingesetzte Triple-Slot-Kühlsystem. Zusätzlich erhöht Gainward die Taktraten, womit man die schnellste, aktuell erhältliche Grafikkarte auf dem Markt hat.
Der Vorsprung zu einer Radeon HD 4870 X2 im Referenzdesign ist aber nur marginal, da man die Taktraten nur geringfügig angehoben hat – mehr macht die Architektur ohne noch aufwendigere Kühlung anscheinend einfach nicht her. So liegt die Rampage 700 GS GLH gerade einmal durchschnittlich drei Prozent vor dem Referenzdesign. Der höchste von uns festgestellte Vorsprung liegt bei fünf Prozent. Die schnellste Single-GPU-Karte in Form der GeForce GTX 280 lässt die Gainward-Karte um genau 50 Prozent hinter sich, jedoch hat man auf dieser nicht mit den typischen Multi-GPU-Problemen (CF-Profile, Mikroruckler) zu kämpfen.
Bei den Lautstärkemessungen kann die Rampage 700 GS GLH leider nur bedingt überzeugen. Die Karte ist etwas leiser unter Last als das Referenzdesign, dafür aber unter Windows lauter. Dennoch ist das Geräusch recht angenehm. Das Triple-Slot-Kühlsystem bringt bezüglich der Temperaturen einige Vorteile, wirklich groß sind diese aber nicht.
Bis hierhin ist die Gainward Rampage 700 GS GLH also eine ordentliche Alternative zu dem Referenzdesign der Radeon HD 4870 X2. Allerdings kostet der 3D-Beschleuniger 80 Euro mehr als eine Standard-Karte, was unserer Meinung nach zu viel ist. Zwar hat das Gainward-Modell seine Vorteile, diese rechtfertigen aber nicht den Preisaufschlag. Wir empfehlen deshalb lieber weiterhin das Referenzdesign, wenn man denn zu einer Radeon HD 4870 X2 greifen möchte.

