Einleitung
Mit der Radeon-HD-4800-Serie ist ATi ein durchaus größerer Überraschungserfolg gelungen – vor der Produktpräsentation hatte keiner mit dieser Leistung gerechnet. Die Gerüchte gingen nur von einem dezent verbesserten RV670-Chip aus, wohingegen die Kanadier den RV770, der tatsächlich auf dem RV670 basiert, dann doch ganz ordentlich überarbeitet haben. So hält die Radeon HD 4850 die GeForce 9800 GTX und gar die schnellere und teurere GeForce 9800 GTX+ in Schach. Die Radeon HD 4870 greift dagegen die GeForce GTX 260 an – trotz eines niedrigeren Preises.
Während es die GeForce-GTX-200-Karten schon in diversen Varianten mit unterschiedlichen Taktraten gibt, herrschte bei ATi bis dato noch eine etwas einseitige Stimmung und alle auf dem Markt erhältlichen Exemplare setzen auf das Standard-Kühlsystem und die Referenztaktraten.
Den Beginn macht nun MSI, die neben der herkömmlichen Version auch eine Radeon HD 4870 OC anbieten. Diese unterscheidet sich nur moderat von den anderen Modellen, folgt aber wenigstens nicht komplett dem Einheitsbrei der restlichen Bordpartner. Der Clou dabei: Die Karte kostet nicht mehr als eine normale Radeon HD 4870, die MSI ebenfalls im eigenen Produktportfolio hat.
MSI konnte uns freundlicherweise ein Exemplar der Radeon HD 4870 OC für einen Test zur Verfügung stellen, das hier und heute beweisen muss, ob es sich vom Referenzdesign absetzen kann.
Die Karte
MSI stattet die Radeon HD 4870 OC (Overclocked) mit höheren Taktraten als das Referenzdesign von ATi aus und möchte sich so von den Mitbewerbern absetzen, die bis jetzt noch kein ähnliches Angebot im eigenen Portfolio halten. Und: Um im selben Atemzug preislich nicht unattraktiv zu werden, lässt MSI die Grafikkarte für dieselbe unverbindliche Preisempfehlung wie für das herkömmliche Modell auf den Markt.
Dieser liegt für eine lieferbare Karte aktuell bei 230 Euro (gelistet ab 212 Euro), wobei die Preise zur Zeit noch sehr schwankend sind. Die normale MSI Radeon HD 4870 wechselt zurzeit für 231 Euro sofort den Besitzer. Gelistet ist sie ab 217 Euro.
Optisch lässt sich die MSI-Karte nicht von anderen Varianten der restlichen Hersteller unterscheiden. Somit vertraut die Grafikkarte komplett auf das Referenzdesign von ATi, was prinzipiell auch kein Fehler ist. Aufgrund der Dual-Slot-Bauweise geht also der nächstgelegene PCI- oder PCIe-Slot verloren, der durch den Kühler blockiert wird. Ein Radiallüfter soll den erhitzten Kühlkörper auf niedrigen Temperaturen halten, wobei MSI die Drehzahlen des Lüfters modifiziert hat – später dazu mehr.



Für den Betrieb sind zwei Sechs-Pin-Stromstecker von Nöten, ohne die der 3D-Beschleuniger nicht startet. Abseits der Optik geht MSI mit der Radeon HD 4870 OC neue Wege. So übertaktet der Hersteller die GPU auf 780 MHz, was immerhin 30 MHz über den Angaben von ATi liegt. Der 512 MB große GDDR5-Speicher, der von Qimonda produziert wird, arbeitet mit einer Frequenz von runden 2.000 MHz. Im Vergleich dazu wird der Speicher auf dem Referenzdesign mit 1.800 MHz angesteuert. Unter Windows taktet sich die GPU der MSI Radeon HD 4870 OC auf 500 MHz herunter. Der Speicher bleibt davon unberührt.


Auf dem Slotblech findet man zwei HDCP-geschützte Dual-Link-DVI-Ausgänge vor, die selbst bei einer Dual-Link-Auflösung wie beispielsweise 2560x1600 den Kopierschutz anwenden können. Darüber hinaus ist der obligatorische HDTV-Ausgang verbaut. Mittels eines DVI-zu-HDMI-Adapters ist es möglich, Video- und Audio-Signale über den DVI-Ausgang wiederzugeben. Dabei ist der Adapter mit dem HDMI-1.3-Standard kompatibel, womit eine Dolby-Digital-, Dolby-Digital-Plus, Dolby-TrueHD-, DTS- sowie DTS-HD-Tonspur von einer DVD, Blu-ray oder HD-DVD ausgegeben werden kann.
Um den Preis nicht in die Höhe schnellen zu lassen, setzt MSI bei der Software-Ausstattung den Rotstift an. Diese fällt auf der Radeon HD 4870 OC mager aus – einzige eine Daten-CD mit einem Treiber sowie den eigenen MSI-Tools liegen dem PCB bei. Die Kabelausstattung ist dagegen akzeptabel. Der Käufer erhält eine CrossFire-Bridge sowie den DVI-zu-HDMI-, einen DVI-zu-D-SUB-, einen S-Video-auf-Composite und einen S-Video-auf-YUV-Adapter.
Benchmarks
Die folgenden Benchmarks wurden mit unserem neuen Testsystem [1] auf Basis eines Intel Core 2 Extreme QX9770 ermittelt. Dieser wird mit einem Takt von 4 GHz betrieben, um die Karten nicht unnötig auszubremsen. Als Treiber kam für alle Messungen (einschließlich Leistungsaufnahme und Lautstärke) der ForceWare 177.39/177.34 beziehungsweise der Catalyst 8.6 (spezielle Presse-Version) zum Einsatz.
1600x1200
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
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Da MSI die Taktraten der Radeon HD 4870 OC nur gering angehoben hat, fällt der Performanceunterschied zur Referenzdesign logischerweise gering aus. Im Durchschnitt kann sich das MSI-Produkt um knapp fünf Prozent von einem herkömmlichen Modell absetzen, wobei die Leistungssteigerung von der verwendeten Applikation abhängig ist. So fällt die Skalierung je nach Qualitätseinstellung in Crysis und Stalker mit acht Prozent am besten aus, während sich die Karte in Stalker (dieses Mal ohne die anisotrope Filterung) nur um zwei Prozent steigern kann.
Somit kann sich die MSI Radeon HD 4870 nun um sieben Prozent von der GeForce GTX 260 absetzen. Diese wird zwar auch schon vom Referenzdesign geschlagen, die Geschwindigkeitsdifferenz mit zwei Prozent fällt aber geringer aus. Wiederum schneller arbeitet aber immer noch die GeForce GTX 280, auf die die MSI-Karte den Rückstand auf zwölf Prozent verkürzen kann.
Performancerating
Angaben in Prozent
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Sonstige Messungen
Lautstärke
Angaben in Dezibel
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MSI hat bei der Radeon HD 4870 OC die Lüfterdrehzahlen unter Windows ein wenig angehoben, was zur Folge hat, dass die GPU zwar kühler bleibt, gleichzeitig der Geräuschpegel aber ansteigt. Dieser liegt nun bei 46 Dezibel anstatt den leiseren 43,5 beim Referenzdesign. Dadurch kann man den 3D-Beschleuniger aus einem geschlossenen Gehäuse von den restlichen Komponenten unterscheiden, wobei die Lautstärke aber noch nicht störend ist. Die Karte ist mehr oder weniger gleich laut wie eine GeForce GTX 260.
Auch unter Last hat MSI die Lüftersteuerung der Radeon HD 4870 OC geändert. Eine herkömmliche Karte kommt auf recht gute 51 Dezibel, während die MSI-Adaption mit 54 Dezibel hörbar lauter wird. Es ist durchaus möglich, dass der ein oder andere Käufer dies als störend empfindet. Die Lautstärke ist der einer GeForce GTX 260 erneut sehr ähnlich.
Temperatur
Angaben in °C
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Mit der Lautstärke hat sich auch die Temperatur geändert, und das nicht zu knapp. Die MSI Radeon HD 4870 OC bleibt unter Windows mit einem Messwert von 60 Grad satte 17 Grad Kühler als das Referenzdesign, was sich auf 77 Grad Celsius aufheizt. Unter Last sieht es ebenfalls gut aus: Die RV770-GPU bleibt erstmals kühler als eine GeForce GTX 260. Die MSI-Karte wird nicht wärmer als 71 Grad Celsius, 13 Grad weniger als eine herkömmliche Variante. Auf der Chiprückseite spielt sich ein ähnliches Spiel ab: 57 Grad zu 70 Grad Celsius zu Gunsten des MSI-Modells können wir verlauten lassen.
Leistungsaufnahme
Angaben in Watt (W)
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Wenn man die Taktfrequenzen steigert, ist es nur logisch, dass sich auch die Leistungsaufnahme erhöht. Die MSI Radeon HD 4870 OC macht da keine Ausnahme, auch wenn die Differenzen sehr gering ausfallen. Unter Windows zieht der schnellere 3D-Beschleuniger nur ein Watt mehr aus der Steckdose, unter Last erhöht sich der Mehrverbrauch auf zwei Watt. Die Leistungsaufnahme ist also kein Gegenargument für die übertaktete MSI-Karte.
Übertakten
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
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Da es zum Zeitpunkt des Tests noch kein Übertaktungstool gegeben hat, dass mit der RV770-GPU kompatibel ist, müssen wir uns erneut auf das interne Tool im Catalyst Control Center verlassen. Damit war bei der GPU das Ende der Fahnenstange schon bei einem Plus von 10 MHz (790 MHz) erreicht, da der Schieberegler keine höheren Frequenzen zulässt. Dasselbe gilt für den Speicher, auch wenn dieser erst bei einem Mehrtakt von 200 MHz (2.200 MHz) limitiert. Die Performancesteigerung fällt mit unspürbaren zwei Prozent dementsprechend klein aus.
Fazit
Nachdem die ATi Radeon HD 4870 ihre Feuertaufe vor einigen Tagen über sich erbracht hat und gegen die Konkurrenz aus dem Hause Nvidia durchaus zu überzeugen wusste, muss sich in diesem Kurzartikel nun die erste Partnerkarte beweisen, die mit nochmals leicht höheren Taktraten an den Start geht. Bezüglich der Performance spricht jedoch nicht viel für die MSI Radeon HD 4870 OC, denn der durchschnittliche Performancegewinn gegenüber einer herkömmlichen Radeon HD 4870 fällt mit fünf Prozent nur gering aus. Bringt man jedoch den Preis, der auf dem Niveau einer herkömmlichen Karte von MSI (oder gar darunter) liegt, mit ins Spiel, spricht allerdings auch überhaupt nichts gegen die Karte - den kleinen Vorsprung zum gleichen Preis nimmt man schließlich gerne mit.
Es sei denn, der Geräuschpegel macht dem Kunden einen Strich durch die Rechnung. Zu Gunsten der Temperaturen hat MSI die Drehzahl des Lüfters unter Windows und unter Last leicht angehoben, was den 3D-Beschleuniger doch deutlich lauter zu Werke schreiten lässt. Legt man auf diesen Umstand keinen besonderen Wert, ist die MSI Radeon HD 4870 OC aufgrund ihres Preises auf jeden Fall eine zweite Überlegung wert.


