Einleitung
Mit der Radeon HD 4870 X2 hat der Grafikchipspezialist ATi nach einer recht langen Durststrecke das Ruder wieder herumreißen können und führt somit das ewige Duell der schnellsten Grafikkarte an, auch wenn man dazu auf gleich zwei GPU setzen muss. Das Referenzdesign scheint den Herstellern dabei vollends zu genügen, zumindest konnte man diesen Eindruck bis vor Kurzem bekommen. Denn für eine lange Zeit gab es einzig das Referenzdesign, das zwar ganz ordentlich, aber sicherlich nicht optimal ist.
Dieses ist unter Windows angenehm leise, wird unter Last aber doch recht aufdringlich. Mittlerweile scheinen das auch einige Hersteller erkannt zu haben, zumindest sprießen seit einigen Wochen diverse Varianten der Radeon HD 4870 X2 aus dem Erdboden. Den Anfang machte Gainward beziehungsweise Palit mit der baugleichen „Rampage 700“. Kurze Zeit später folgte eine überarbeitete Radeon HD 4870 X2 von Asus [1] und nun ist Sapphire an der Reihe.
Mit der Radeon HD 4870 X2 Atomic übernimmt Sapphire wohl ohne Zweifel die Speerspitze sämtlicher ATi-Karten, was den Luxus betrifft. So ändert man nicht nur simpel das Kühlsystem, sondern vertraut gleich auf eine Wasserkühlung anstatt auf einen herkömmlichen Luftkühler, so dass deutlich niedrigere Temperaturen erreicht werden sollen. Darüber hinaus erhöht man die Taktraten und stattet den 3D-Beschleuniger mit einem sehr guten Zubehör aus. Doch stellt Sapphire mit der Atomic-Karte tatsächlich die beste Radeon HD 4870 X2? Das klären wir auf den folgenden Seiten.
Die Karte
Mit der Radeon HD 4870 X2 Atomic hat sich Sapphire viel vorgenommen, immerhin möchte man mit ihr die beste Radeon HD 4870 X2 stellen. Die technischen Merkmale der Grafikkarte machen klar, dass es Sapphire ernst mit dem 3D-Beschleuniger meint. Höhere Taktraten, eine Wasserkühlung, eine weitreichende Ausstattung sowie die Lieferung in einem Koffer sollen verdeutlichen, dass es sich um etwas Besonderes handelt. Zu guter Letzt ist aber genauso der Preis besonders: Die unverbindliche Preisempfehlung lautet 599 Euro. Aktuell ist der 3D-Beschleuniger noch nicht lieferbar.
Nachdem wir den doch recht massiven Alukoffer geöffnet hatten, wurde ersichtlich, dass es sich bei der Sapphire Radeon HD 4870 X2 Atomic um eine limitierte Auflage handelt. So fällt sofort ein Aufkleber mit einer Nummer auf: Das 111. Exemplar der Grafikkarte haben wir erwischt. Die Platine an sich ist identisch mit dem des Referenzdesigns. Somit kommt diese in einer schwarzen Farbe daher und misst eine Länge von 27 cm.
Die Wasserkühlung besteht aus dem eigentlichen Single-Slot-Kühlkörper, einem Single-Fan-Radiator sowie einer Wasserpumpe, die zeitgleich auch noch ein CPU-Kühler ist. Somit bearbeitet die Wasserkühlung also nicht nur die beiden RV770-GPUs, sondern ebenfalls den Hauptprozessor. Logischerweise kann man bei diesem aber auf Wunsch weiterhin einen normalen Luftkühler verwenden, man muss die Pumpe dann nur anderweitig befestigen. Den Radiator sollte man an der Stelle eines Gehäuselüfters montieren. Auf diesem ist von Haus aus ein 120-mm-Lüfter montiert, der bei einer 12-Volt-Ansteuerung recht laut ist. Man kann ihn jedoch ohne Probleme auf sieben Volt drosseln, was wir persönlich auch nur empfehlen können.
Die komplette Wasserkühlung ist fest mit sämtlichen (relativ biegsamen und drehbaren) Schläuchen verbunden. Das Kühlsystem ist bereits mit Wasser gefüllt und kann nicht mehr nachgefüllt werden. Die Pumpe muss man mittels eines normalen 3-Pin-Lüfteranschlusses mit Strom versorgen. Der integrierte CPU-Kühler besteht aus hochwertigem Kupfer. Der Wasserkühler auf der Radeon HD 4870 X2 Atomic kühlt die GPUs, den PCIe-Switch, den GDDR5-Speicher auf der Vorderseite sowie die Spannungswandler. Als Material vertraut man erneut auf Kupfer.
Um die Grafikkarte betreiben zu können, muss man diese an einen Acht-Pin- sowie einen Sechs-Pin-Stromstecker anschließen. Auf dem Slotblech sind zwei Dual-Link-DVI- sowie ein S-Video-Ausgang verbaut. Die GPUs taktet Sapphire auf der Radeon HD 4870 X2 Atomic mit 800 MHz, was 50 MHz schneller als auf dem Referenzdesign ist. Den jeweils 1.024 MB großen GDDR5-Speicher steuert man anstatt mit den gewöhnlichen 1.800 MHz mit 2.000 MHz an. Unter Windows takten sich die Rechenkerne auf 507 MHz herunter, während der Speicher mit 500 MHz agiert.
Wie weiter oben erwähnt, ist die Ausstattung der Radeon HD 4870 X2 Atomic vorbildlich gelungen. Sapphire legt in dem Koffer einen DVI-auf-D-SUB-, einen DVI-auf-HDMI-, einen S-Video-auf-YUV-, einen S-Video-auf-Composite- sowie zwei Stromadapter (auf Sechs-Pin sowie auf Acht-Pin) bei. Ein drei Meter langes HDMI-Kabel, eine CrossFire-Bridge sowie die Befestigungsmaterialien für den CPU-Kühler (Sockel LGA 775 sowie Sockel AM2) sind ebenso vorhanden. Ein Aufkleber, eine Installationsanleitung sowie zwei 2 Gigabyte große USB-Sticks runden die Ausstattung ab.
Die Softwarebeilagen sind zahlreich, auf ein Spiel hat Sapphire aber leider verzichtet. Stattdessen gibt es neben der Treiber-CD eine DVD mit einigen Spieledemos, den 3DMark Vantage in der Advanced Edition, PowerDVD 7 von CyberLink sowie die DVD-Suite desselben Herstellers.
Benchmarks
Die folgenden Benchmarks wurden mit dem aktuellen Grafikkarten-Testsystem [2] auf Basis eines Intel Core 2 Extreme QX9770 ermittelt. Dieser wird mit einem Takt von 4 GHz betrieben, um die Karten nicht unnötig auszubremsen. Als Treiber kam für alle Messungen (einschließlich Leistungsaufnahme und Lautstärke) der Catalyst 8.11 beziehungsweise der GeForce 180.48 zum Einsatz.
2560x1600
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
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Für eine ATi-Grafikkarte hat Sapphire bei der Radeon HD 4870 X2 Atomic doch recht mutig an den Taktraten geschraubt, weshalb die Leistung der von Haus aus übertakteten Radeon HD 4870 X2 auch ein gutes Stückchen über denen des Referenzdesigns liegt. Neue Rekordwerte stellt man so zwar sicherlich nicht auf, von einer Multi-GPU-Karte kann man das aber auch nicht erwarten. Im Durchschnitt rendert die Radeon HD 4870 X2 Atomic sieben Prozent schneller als eine herkömmliche ATi Radeon HD 4870 X2. Damit liegt man 55 Prozent vor einer GeForce GTX 280 und satte 84 Prozent vor einiger einzelnen Radeon HD 4870 mit 1.024 MB.
Ihr größtes Plus schafft die Sapphire Radeon HD 4870 X2 Atomic in Call of Juarez, unabhängig davon, ob man Anti-Aliasing sowie die anisotrope Filterung ein- oder ausgeschaltet hat. In beiden Situationen rendert der 3D-Beschleuniger neun Prozent schneller als das Standard-Modell. Den geringsten Zuwachs erzielt die Radeon HD 4870 X2 Atomic mit einer Differenz von fünf Prozent in Call of Duty 5 bei aktivierter Kantenglättung, Race Driver Grid (mit AA) sowie Far Cry 2 (ohne AA).
Performancerating
Angaben in Prozent
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Sonstige Messungen
Lautstärke
Angaben in Dezibel
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Da der mit der Radeon HD 4870 X2 Atomic mitgelieferte Radiator einen 120-mm-Lüfter fasst, kann man bei diesem natürlich ebenso die Spannung von den normalen 12 Volt auf geringere (und somit leisere) sieben Volt reduzieren. Da die Wasserkühlung selbst bei sieben Volt noch ausreichend niedrige Temperaturen schafft (ohne CPU-Kühlung!), wollen wir die Ergebnisse ebenso berücksichtigen.
Im 7-Volt-Betrieb ist die Radeon HD 4870 X2 Atomic angenehm leise. Unter Windows messen wir 44,5 Dezibel, womit die Sapphire-Karte exakt gleich laut wie das Referenzdesign ist. Die Pumpe macht dabei keine störende Geräusche, wie es zum Beispiel bei der Vorgängerversion auf der Radeon HD 3870 X2 Atomic noch der Fall war. Unter Last erhöht sich der Geräuschpegel auf 47,5 Dezibel, was deutlich leiser als die Standard-Version ist. Während diese doch störend vor sich hin werkelt, lenkt die Radeon HD 4870 X2 Atomic selbst in leisen Szenen nicht vom Spiel ab.
Unter 12 Volt erhöht sich natürlich der Geräuschpegel. So messen wir nun unter Windows 49,5 Dezibel, was man gut aus einem geschlossenen Gehäuse ausmachen kann. Die Grafikkarte ist somit zwar noch nicht störend laut, schont aber auch nicht unbedingt die Ohren. Die 50 Dezibel unter Last fallen dagegen kaum noch auf.
Temperatur
Angaben in °C
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Die Wasserkühlung auf der Sapphire Radeon HD 4870 X2 Atomic hat es bezüglich der Temperaturen deutlich leichter als das Referenzdesign mit einer Luftkühlung. Selbst im 7-Volt-Betrieb werden die GPUs unter Windows nicht wärmer als 37 Grad Celsius, mit 12 Volt sind es etwas geringere 34 Grad Celsius. Die Standard-Karte erhitzt sich im Vergleich dazu auf 60 Grad. Unter Last hält die Wasserkühlung die Rechenkerne auf 78 Grad Celsius (7 Volt) beziehungsweise 64 Grad Celsius (12 Volt). Selbst die 7-Volt-Ergebnisse sind niedriger als die des Referenzdesigns und liegen somit absolut im grünen Bereich. Auf der Chiprückseite messen wir 71 Grad (7 Volt) beziehungsweise 56 Grad (12 Volt).
Anders sieht es dagegen aus, wenn man nicht nur die Grafikkarte, sondern auch den Prozessor in die Wasserkühlung integriert. Hierbei muss angemerkt werden, dass unser Intel Core 2 QX9770 auf 4 GHz übertaktet ist. Im 12-Volt-Betrieb liegt man mit einer GPU-Temperatur von 72 Grad Celsius immer noch unter dem Referenzdesign. Anders dagegen bei 7 Volt, bei denen die Sapphire Radeon HD 4870 X2 Atomic exakt auf denselben Wert wie das Standard-Modell kommt. Schwierigkeiten im Betrieb gibt es aber keine.
Leistungsaufnahme
Angaben in Watt (W)
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Bei der Leistungsaufnahme liegt die Radeon HD 4870 X2 Atomic unter Windows auf ein und demselben Niveau wie das Referenzdesign, da die Stromsparmechanismen die Taktraten auf dieselben Frequenzen herunterschrauben. 193 Watt benötigt der gesamte PC im 2D-Modus. Unter Last zieht die Radeon HD 4870 X2 Atomic dann etwas mehr aus der Leitung als das Standard-Modell, da Sapphire die Taktraten erhöht hat. 458 Watt lautet das Endergebnis, die ATi Radeon HD 4870 X2 ist mit 445 Watt etwas genügsamer.
Übertakten
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
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Da die Sapphire Radeon HD 4870 X2 Atomic bereits von Haus aus mit höheren Frequenzen daher kommt, konnten wir den 3D-Beschleuniger nur noch bedingt übertakten. So war es möglich die GPU von 800 MHz auf 832 MHz anzuheben und den GDDR5-Speicher von 2.000 MHz auf 2.060 MHz. Somit konnten wir die Performance je nach Anwendung zwischen zwei und vier Prozent steigern.
Fazit
Sapphire hat sich mit der Radeon HD 4870 X2 Atomic viel vorgenommen und möchte nicht weniger als die beste Radeon-HD-4870-X2-Karte auf dem Markt abliefern. Gesagt, getan, möchte man meinen, wenn man sich den 3D-Beschleuniger anschaut. Eine Wasserkühlung inklusive Kühlkörper für die CPU, höhere Taktraten, eine sehr gute Ausstattung und schlussendlich einen großen Koffer als Verpackung – dies alles klingt vielversprechend. Ist es aber auch gut genug?
Bei der Performance weiß die Radeon HD 4870 X2 Atomic zu überzeugen. Die Taktraten liegen für eine Radeon HD 4870 X2 recht hoch, da sich die RV770-Architektur auf dem Flaggschiff von ATi nicht allzu gut übertakten lässt. Somit kann man die Performance immerhin durchschnittlich um sieben Prozent gegenüber dem Referenzdesign anheben, womit man nun um 55 Prozent vor einer einzelnen GeForce GTX 280 liegt. Als Nachteil muss man bei der Radeon HD 4870 X2 Atomic jedoch mit den Multi-GPU-Problemen wie den CF-Profilen sowie den Mikrorucklern leben.
Die Wasserkühlung wusste im Alltagsbetrieb zu gefallen und kann sich ohne Zweifel von dem Dual-Slot-Luftkühler auf dem Referenzdesign absetzen. Denn nicht nur die Temperaturen liegen unter dem der Standard-Version, ebenso ist die Lautstärke unter Last deutlich erträglicher. Man kann den Radiatorlüfter zudem ohne Schwierigkeiten mit sieben Volt betreiben (solange man keine CPU mit immenser Abwärme nutzt), womit die Grafikkarte sowohl unter Windows als auch unter Last angenehm leise bleibt. Einzig bei schnellen, übertakteten Vier-Kern-Prozessoren kann es je nach Gehäusebelüftung sein, dass der 7-Volt-Betrieb nicht mehr ausreichend ist. Unsere CPU blieb im 12-Volt-Betrieb etwas kühler als mit dem standardmäßig verwendeten Noctua NH-U12P, im 7-Volt-Betrieb lag sie in etwas gleich auf. Die Pumpe arbeitet im Betrieb beinahe lautlos und fällt unabhängig von der Position nicht negativ auf.
Mit der Radeon HD 4870 X2 Atomic hat Sapphire eigentlich die perfekte Radeon HD 4870 X2 auf den Markt gebracht. Die Grafikkarte ist sehr schnell, bleibt kühl und vor allem im 7-Volt-Betrieb angenehm leise. Zusätzlich erhält der Käufer noch eine gute Ausstattung sowie mit dem Koffer als Verpackung ein nettes Gimmick. Wo ist also der Haken bei der Grafikkarte? Dieser ist schnell im Preis gefunden, denn zumindest die unverbindliche Preisempfehlung liegt mit 599 Euro unglaublich hoch. Das Referenzdesign ist bereits ab 420 Euro zu bekommen. Ohne Zweifel, die Sapphire-Adaption ist einen Aufpreis gegenüber der gewöhnlichen Karte wert; aus unserer Sicht jedoch keine 180 Euro, auch wenn man sich natürlich die Kosten für einen CPU-Kühler schenken kann. Der endgültige Marktpreis kann und wird hoffentlich noch etwas geringer ausfallen.



















