Einleitung
Wer die höchste Performance auf dem Single-Core-Grafikkartenmarkt will, kommt zur Zeit an einer GeForce GTX 280 von Nvidia nicht vorbei – noch. Zwar ist die Konkurrenz aus dem Hause ATi nicht allzu weit entfernt, sie hat mit der Radeon HD 4870 aber dennoch stets das Nachsehen. Erst die Radeon HD 4870 X2 wird die Performancespitze übernehmen können, dann wahrscheinlich aber gleich mit einem großen Abstand.
Doch das ist noch Zukunftsmusik. Aktuell beherrscht die GeForce GTX 280 das Feld und es gibt diverse Bordpartner, die ein entsprechendes Exemplar im Angebot haben. Schon deutlich seltener sind modifizierte Versionen, da die Hersteller dafür einen großen Aufwand betreiben müssen: So sind nicht nur zahlreiche Stabilitätstests von Nöten, zudem muss auch einkalkuliert werden, dass solche Hardware eventuell vermehrt mit Schwierigkeiten von den Kunden wieder zurück geschickt wird. Nichtsdestotrotz lassen sich einige Hersteller (zum Glück) nicht davon abbringen, eigene Varianten anzubieten.
Einer davon ist wie gewohnt das immer noch recht junge Unternehmen Zotac, das sich auf Nvidia-GPUs beschränkt und zu jedem Chip eine eigene „AMP!“-Version herausbringt, die mit einer höheren Geschwindigkeit als das Referenzdesign daher kommt. So auch bei der GeForce GTX 280 AMP!, die die Konkurrenz alt aussehen lassen soll. Zotac konnte uns freundlicherweise ein Exemplar des 3D-Beschleunigers zur Verfügung stellen, das wir uns hier etwas genauer ansehen werden.
Die Karte
Nachdem die GeForce-GTX-280-Karten am ersten Tag noch 500 Euro kosteten und die unverbindliche Preisempfehlung von Nvidia bei 549 Euro lag, muss man mittlerweile deutlich weniger Geld für den 3D-Beschleuniger bezahlen. Die günstigste erhältliche GeForce GTX 280 wandert zur Zeit für 329 Euro (Gainward) über die Ladentheke. Das herkömmliche Zotac-Modell fällt mit 350 Euro nur zwanzig Euro teurer aus, während die GeForce GTX 280 AMP! für 387 Euro lieferbar ist.
Optisch gesehen unterscheidet sich die Zotac GeForce GTX 280 AMP! nicht von dem Referenzdesign von Nvidia. Die unterschiedlichen Aufkleber werden wohl kaum Kunden vor Begeisterung in die Höhe springen lassen. Und das war es dann auch schon mit den optischen Unterschieden: Das Kühlsystem und das Platinenlayout sind absolut identisch mit einer herkömmlichen Karte. Somit belegt die Grafikkarte den nächstgelegenen PCI- oder PCIe-Slot und benötigt für den Betrieb einen Sechs-Pin sowie einen Acht-Pin-Stromstecker. Zwei Sechs-Pin-Stecker sind nicht ausreichend.



Zotac hat die Lüftersteuerung auf dem 3D-Beschleuniger nur marginal geändert – aber immerhin in die richtige Richtung. Mehr dazu im Abschnitt „Sonstige Messungen“. Die TMU-Domäne der GeForce GTX 280 AMP! taktet mit 700 MHz genau 98 MHz höher als die Standard-Version. Die 240 skalaren Shadereinheiten arbeiten mit 1404 MHz um 108 MHz flotter. Auch die Geschwindigkeit des 1.024 MB großen GDDR3-Speichers wurde modifiziert. Mit 1.152 MHz taktet er um 45 MHz höher. Unter Windows schaltet sich die Zotac-Karte auf 300 MHz (TMUs) beziehungsweise 100 MHz (ALUs, Speicher) herunter.


Auf dem Slotblech findet der Käufer die üblichen zwei Dual-Link-DVI-Ausgänge vor, die voll mit dem HDCP-Kopierschutz kompatibel sind. Darüber hinaus gibt es noch einen HDTV-Ausgang, um den Rechner mit einem Fernseher zu verbinden. Die Ausstattung ist Zotac bei der GeForce GTX 280 AMP! wie üblich gut gelungen. Mit einem DVI-auf-D-SUB-, DVI-auf-HDMI-, zwei Stromadaptern (Sechs-Pin sowie Acht-Pin) und einer S-Video-auf-S-Video/YUV-Kabelpeitsche sind alle nötigen Kabelstrippen enthalten. Das Softwarepaket besteht neben der üblichen Treiber-CD aus dem hochwertigen Rennspiel „Race Driver Grid“.
Benchmarks
Die folgenden Benchmarks wurden mit unserem neuen Testsystem [1] auf Basis eines Intel Core 2 Extreme QX9770 ermittelt. Dieser wird mit einem Takt von 4 GHz betrieben, um die Karten nicht unnötig auszubremsen. Als Treiber kam für alle Messungen (einschließlich Leistungsaufnahme und Lautstärke) der ForceWare 177.34/177.39 beziehungsweise der Catalyst 8.6 (spezielle Presse-Version) zum Einsatz.
1600x1200
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
|
Bei der Performance der Zotac GeForce GTX 280 AMP! gibt es nichts zu meckern, immerhin setzt der 3D-Beschleuniger auf die Leistung einer herkömmlichen GeForce GTX 280 noch einen drauf – und die ist bereits sehr gut. Durchschnittlich rendert die Zotac-Karte genau elf Prozent schneller und damit mehr oder weniger gleich flott wie die erst kürzlich getestete GeForce GTX 280 TOP von Asus. Eine ATi Radeon HD 4870 läuft 30 Prozent langsamer, eine GeForce GTX 260 sogar 33 Prozent.
Die Performancesteigerung der GeForce GTX 280 AMP! fällt von Anwendung zu Anwendung unterschiedlich aus. Den besten Eindruck hinterlässt der 3D-Beschleuniger in Company of Heroes ohne Anti-Aliasing sowie ohne anisotrope Filterung. Dort verrichtet die Zotac GeForce GTX 280 AMP! ihre Arbeit um 14 Prozent schneller als eine normale GeForce GTX 280. Die geringste Leistungssteigerung wird in Unreal Tournament 3 mit den beiden qualitätssteigernden Features erreicht: Nur noch acht Prozent kommen dazu.
Performancerating
Angaben in Prozent
|
Sonstige Messungen
Lautstärke
Angaben in Dezibel
|
Es ist kein Geheimnis mehr, dass die GeForce GTX 280 wahrlich kein Leisetreter ist und selbst unter Windows hörbar zu Werke geht. Daran ändert auch die Zotac GeForce GTX 280 AMP! nichts, auch wenn die Lüftersteuerung etwas modifiziert wurde. So dreht der Radiallüfter auf der ab Werk übertakteten Version unter Windows etwas langsamer, was einen mit 46,5 Dezibel um 2 dB geringeren Messwert als beim Referenzdesign zur Folge hat. Dadurch agiert die Zotac-Karte gleich laut wie eine GeForce GTX 260, ist jedoch immer noch aus einem geschlossenen Gehäuse zu hören. Zwar fällt die Karte nicht mehr ganz so unangenehm wie das Referenzdesign auf – gelöst hat man das Problem aber nicht.
Unter Last erreicht die GeForce GTX 280 AMP! 58 Dezibel und ist somit genauso laut wie eine normale GeForce GTX 280. Trotz der höheren Taktraten dreht der Lüfter nicht schneller, was der größte Nachteil der GeForce GTX 280 TOP ist. Das generelle Arbeitsverhalten ist mit dem Zotac-Produkt ein gutes Stück angenehmer als mit dem Asus-Derivat und steht dem Verhalten einer herkömmlichen GeForce GTX 280 in nichts nach.
Temperatur
Angaben in °C
|
Die Temperaturen der Zotac GeForce GTX 280 AMP! ähneln logischerweise sehr denen der Asus GeForce GTX 280 TOP und des Referenzdesigns. Unter Windows bleibt die GeForce GTX 280 AMP! mit 43 Grad Celsius trotz der geringeren Lüfterdrehzahl zwei Grad Kühler als die beiden anderen Probanden. Unter Last liegt das Zotac-Modell mit 84 Grad Celsius dann beinahe gleich auf mit dem Asus-Produkt und wird vier Grad wärmer als das Referenzdesign. Auf der Chiprückseite gibt es keinerlei nennenswerte Differenzen. Wir denken, dass man auch an warmen Sommertagen nicht mit der Karte in Schwierigkeiten geraten wird.
Leistungsaufnahme
Angaben in Watt (W)
|
Dass höhere Taktraten eine höhere Leistungsaufnahme zur Folge haben, zeigt auch die GeForce GTX 280 AMP!. Aufgrund der Stromsparmechanismen liegt die Leistungsaufnahme unter Windows mit 160 Watt noch auf ein und demselben Niveau wie die des Referenzdesigns. Unter Last gibt es dann größere Unterschiede: Zwölf Watt mehr (372 Watt) zieht das Zotac-Produkt aus der Steckdose, bleibt damit aber immer noch genügsamer als die TOP-Variante von Asus, die 379 Watt benötigt.
Übertakten
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
|
Zotac scheint die Taktraten der GeForce GTX 280 AMP! schon nahe an das machbare Maximum gelotst zu haben; zumindest können wir die Frequenzen bei unserem Exemplar nur noch minimal erhöhen. Ein Plus von 21 MHz sind bei der TMU-Domäne möglich, was ein Resultat von 721 MHz bedeutet. Die Shaderdomäne lässt sich auf 1.455 MHz übertakten, 51 MHz mehr als eigentlich vorgesehen. Die höchste Steigerung macht der GDDR3-Speicher mit. Gute 123 MHz mehr und somit eine Taktrate von 1.275 MHz lassen sich noch ohne Bildfehler einstellen. Die Leistungssteigerung fällt insgesamt gering aus. Je nach Anwendung beträgt die zusätzliche Performance zwischen keinem einzigen und fünf Prozent.
Fazit
Obwohl bereits die GeForce GTX 280 eine hohe Performance bietet, schraubt Zotac wie Asus bei der GeForce GTX 280 AMP! weiter an den Taktraten und bringt eine Grafikkarte heraus, die aus Sicht der Performance der Asus GeForce GTX 280 TOP in nichts nachsteht. Die Geschwindigkeitssteigerung beträgt durchschnittlich elf Prozent, was für einen von Haus aus übertakteten 3D-Beschleuniger ein ordentlicher Wert ist. Somit arbeitet die Radeon HD 4870 mit einem Rückstand von 30 Prozent deutlich langsamer, eine GeForce GTX 260 liegt gar um 33 Prozent zurück.
Erfreulicherweise wird die AMP!-Variante unter Windows nicht ganz so laut wie die „original“ GeForce GTX 280 und pendelt sich auf dem Niveau einer günstigeren GeForce GTX 260 ein. Damit ist der Lüfter zwar nicht wirklich leiser, aber immerhin nicht mehr ganz so laut wie der einer GeForce GTX 280 im Referenzdesign. Unter Last nehmen sich die baugleichen Karten dann wieder nichts, jedoch agiert das Zotac-Produkt deutlich leiser als das gleich schnelle Asus-Pendant. Wenn man bedenkt, dass der Aufpreis zur AMP!-Edition (in Relation zum Kaufpreis) recht geringe 37 Euro beträgt und man dafür eine gut zehn Prozent schnellere und ordentlich ausgestattete Karte, die nicht lauter als das Referenzdesign wird, erhält, macht man, soll die Wahl auf Zotac fallen, wohl nichts verkehrt. Von anderen Anbietern gibt es GeForce-GTX-280-Karten allerdings schon für 330 Euro.
