Einleitung
Die GeForce GTX 285 (ComputerBase-Test [1]) hat nun mittlerweile ganz offiziell den Handel erreicht. Die GeForce GTX 285 legt etwa zehn Prozent in der Geschwindigkeit gegenüber dem Vorgänger zu und kostet genau so viel wie die ältere 65-nm-Karte vor dem Launch der neueren Fassung. Gleichzeitig konnte Nvidia die Leistungsaufnahme in allen Bereichen verringern und hat zumindest die Lautstärke unter Last etwas reduziert. Unter Windows ist die Karte jedoch leider immer noch etwas zu laut.
Nun ist es an der Zeit, dass die Hersteller mit eigenen Adaptionen versuchen, aus dem Einheitsbrei die Aufmerksamkeit des Kunden auf sich zu ziehen. Zunächst gibt es bei den modifizierten GeForce-GTX-285-Modellen aber kaum Überraschungen, da aktuell nur die Taktraten in die Höhe geschraubt werden. Wirklich veränderte Varianten sollen erst später folgen.
Derzeit mit die „interessantesten“ Adaptionen sind die GeForce GTX 285 TOP von Asus sowie die GeForce GTX 285 AMP! von Zotac, die wir beide für einen Vergleich in unser Testlabor eingeladen haben.
Asus GeForce GTX 285 TOP
Asus erfindet mit der GeForce GTX 285 TOP das Rad nicht neu, sondern zeigt den Käufern eine von Haus aus leicht übertaktete GeForce GTX 285, die ansonsten aber identisch mit dem Referenzdesign ist. Zwar ist die Karte schon vor einigen Tagen in unserem Testlabor eingetroffen, im Handel erhältlich ist sie aber immer noch nicht – ja nicht einmal gelistet haben sie Online-Shops. Die nicht übertaktete Variante von Asus wechselt zur Zeit für etwa 343 Euro [2] den Besitzer.
Die Grafikkarte misst eine Länge von 28 cm und ist, anders als die GeForce GTX 280, nicht von einem Metallgehäuse komplett umgeben. Stattdessen belässt man es bei der neuen Karte bei dem Kühlkörper auf der Vorderseite. Die GeForce GTX 285 TOP benötigt zwei Sechs-Pin-Stromstecker für einen reibungsfreien Betrieb.



Auf der GT200b-GPU sitzt ein eingelassener Kühlkörper aus Kupfer, der in einer Kühlplatte aus Aluminium eingebettet ist. Darüber hinaus gibt es noch zwei separate Kühlkörper mit diversen Lamellen sowie mehrere Heatpipes, die die GPU auf niedrigen Temperaturen halten sollen. Am Ende des Kühlsystems befindet sich ein 70 mm großer Radiallüfter, der etwas schräg angeordnet ist und so mit etwas mehr Druck auf die GPU pustet.



Die erhitzte Luft wird anschließend zu einem Teil über das Slotblech aus dem Gehäuse heraus oder durch die Lüftungsschlitze wieder in das Gehäuse hinein befördert. Die Lüftersteuerung hat Asus auf der GeForce GTX 285 TOP unverändert zum Referenzdesign gelassen. So auch den 2D-Modus. Unter Windows taktet sich die Karte auf 300 MHz (TMU), 600 MHZ (Shader) beziehungsweise 100 MHz (Speicher) herunter, um so Leistung sparen zu können.
Anders dagegen unter Last, wo die GeForce GTX 285 TOP mit höheren Frequenzen als die Standard-Karte arbeitet. Die TMU-Domäne hat Asus um 22 MHz auf 670 MHz und die Shadereinheiten um 72 MHz auf 1.548 MHz übertaktet. Viel mehr Übertaktungspotenzial scheint in dem GT200b-Kern derzeit einfach nicht zu stecken. Der 1.024 MB große GDDR3-Speicher wird mit 1.296 MHz und somit um 54 MHz schneller angesprochen.
Auf dem Slotblech finden sich die gewohnten zwei Dual-Link-DVI- sowie ein S-Video-Ausgang vor. Die Kabelausstattung fällt bei der Asus GeForce GTX 285 TOP unterdurchschnittlich aus. Mehr als einen Strom-, S-Video-auf-YUV- und einen DVI-auf-D-SUB-Adapter gibt es nicht. Eine Möglichkeit, ein HDMI-Gerät anschließen zu können, sucht mach vergeblich. Neben einer Treiber-CD findet man in dem Karton noch ein Mauspad sowie einen Gutschein vor, mit dem es möglich ist, fünf Spiele oder CUDA-Anwendungen für einen zehn Prozent günstigeren Preis als gewöhnlich von einer speziell eingerichteten Nvidia-Seite zu kaufen. Für Deutschland stehen aktuell aber nur die Spiele Bionic Commando Rearmed, Crazy Machines 2 sowie Unreal Tournament 3 zur Verfügung.
Zotac GeForce GTX 285 AMP!
Die Zotac GeForce GTX 285 im Referenzdesign kostet aktuell 337 Euro [3], während die GeForce GTX 285 AMP! für etwa 365 Euro [4] den Besitzer wechselt. Die Karte ist in diversen Online-Shops als lieferbar gekennzeichnet.
Das Aussehen ist, abgesehen vom eigenen Aufkleber, komplett identisch zum Referenzdesign und auch ansonsten gibt es keinerlei Unterschiede. Die Materialien des Kühlers, die Stromanschlüsse und die Taktraten unter Windows sind gleich geblieben. Auf den ersten Blick gibt es also keinerlei Differenzen zum Referenzdesign.



Anders dagegen bei den Frequenzen unter Last, wo Zotac bei der GeForce GTX 285 AMP! selbst Hand angelegt hat. So agiert die TMU-Domäne mit 702 MHz um 54 MHz schneller als die Standard-Karte, während die 128 skalaren Shadereinheiten mit 1.512 um 32 MHz höher getaktet sind. Der 1.024 MB große GDDR3-Speicher wird mit 1.296 MHz angesteuert und ist somit 54 MHz flotter.



Auf dem Slotblech findet man bei der GeForce GTX 285 AMP! zwei Dual-Link-DVI- sowie einen S-Video-Ausgang vor. Die Ausstattung ist Zotac gut gelungen. Als Kabelbeilagen gibt es einen DVI-auf-D-SUB-, einen DVI-auf-HDMI, einen Stromadapter sowie ein SPDIF-Kabel. Heraus stechen kann Zotac auf der GeForce GTX 285 AMP! mit der Software: Neben einer Treiber-CD gibt es noch den 3DMark Vantage in der Advanced-Edition sowie das sehr gute Rennspiel „Race Driver Grid“.
Benchmarks
Die folgenden Benchmarks wurden mit dem aktuellen Grafikkarten-Testsystem [5] auf Basis eines Intel Core 2 Extreme QX9770 ermittelt. Dieser wird mit einem Takt von 4 GHz betrieben, um die Karten nicht unnötig auszubremsen. Als Treiber kam für alle Messungen (einschließlich Leistungsaufnahme und Lautstärke) der Catalyst 8.11 beziehungsweise der GeForce 181.20 (GeForce 180.48 auf der GeForce GTX 280) zum Einsatz.
1680x1050
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
|
Während es bei der GeForce GTX 280 noch größere Performancesprünge bei den von Haus aus übertakteten Karten gegenüber dem Referenzdesign gegeben hat, werkeln die GeForce-GTX-285-Modelle nur minimal schneller als die Standard-Version. Und unsere eigenen Übertaktungsversuche zeigen auch warum: Mehr Taktpotenzial scheint im GT200b-Chip schlicht und ergreifend nicht zu stecken. Und so macht die Asus GeForce GTX 285 TOP einen Schritt von gerade einmal drei Prozent nach vorne, während die Zotac GeForce GTX 285 AMP! fünf Prozent zulegen kann.
Das beste Ergebnis fahren beide Testprobanden in Crysis Warhead unter 1680x1050 ohne Anti-Aliasing sowie die anisotrope Filterung ein. Die Zotac-Karte kann sich in diesem Fall um sechs Prozent von dem Referenzdesign absetzen, während das Asus-Modell um fünf Prozent flotter rendert. Die schlechteste Skalierung erreicht die Zotac GeForce GTX 285 AMP! in Call of Duty 5 mit den qualitätsverbessernden Features. Dort kann die Karte nur um vier Prozent zulegen. Das Asus-Pendant muss in Call of Juarez (mit AA), Crysis Warhead (mit AA) und Race Driver Grid (ohne AA) Federn lassen. Dort verrichtet der 3D-Beschleuniger seine Arbeit nur um zwei Prozent schneller.
Alles in Allem eine Vorstellung, wie wir sie von übertakteten Karten schon lange nicht mehr gesehen haben.
Performancerating
Angaben in Prozent
|
Sonstige Messungen
Lautstärke
Angaben in Dezibel
|
Da sämtliche GeForce-GTX-285-Karten auf dasselbe Kühlsystem setzen, sind auch die Ergebnisse bei den Lautstärkemessungen so gut wie identisch. Unter Windows agieren alle Testprobanden zwischen 47 Dezibel und 47,5 Dezibel, was im Bereich der Messungenauigkeit liegt und zudem mit dem bloßen Ohr nicht zu unterscheiden ist. Die Grafikkarten sind gut von den restlichen Komponenten aus einem geschlossenen Gehäuse zu unterscheiden, störend ist das Geräuschniveau aber noch nicht.
Unter Last schafft es das Referenzdesign dann auf 54 Dezibel, die von Haus aus übertakteten Karten beide auf 55 Dezibel. Aber auch hier wird man mit dem bloßen Ohr keinen Unterschied heraus hören können. Sämtliche drei Testkandidaten weisen ein mal mehr und mal weniger störendes Spulenfiepen unter Last auf. Dieses variiert von störend bis hin zu kaum auffällig.
Leistungsaufnahme
Angaben in Watt (W)
|
Bei der Leistungsaufnahme liegt die Zotac GeForce GTX 285 AMP! mit den gemessenen 138 Watt (gemeint ist der gesamte PC) unter Windows knapp vor dem Referenzdesign mit 139 Watt, während die Asus GeForce GTX 285 TOP mit 141 Watt minimal mehr Leistung aus der Steckdose benötigt. Unter Last ist die Standard-Karte mit 326 Watt am genügsamsten, die Zotac-Adaption folgt mit 328 Watt aber nur knapp dahinter. Die Top-Variante von Asus verlangt mit 334 Watt nach etwas mehr Leistung.
Temperatur
Angaben in °C
|
Auch bei den Temperaturen halten sich die Differenzen in Grenzen. Unter Windows schafft es das Referenzdesign auf 40 Grad Celsius, während das Zotac-Exemplar mit 38 Grad gar noch kühler ist. Die Asus-Karte bewegt sich mit 41 Grad Celsius aber auf demselben Niveau. Unter Last schafft es die Standard-Karte mit den gemessenen 81 Grad Celsius dann auf den ersten Platz. Die Asus GeForce GTX 285 TOP sowie die Zotac GeForce GTX 285 AMP! folgen mit 84 Grad Celsius in einem kurzen Abstand. Allesamt Unterschiede, die zu vernachlässigen sind und eher der Serienstreuung als Produktunterschieden unterliegen.
Übertakten
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
|
Unsere eigenen Übertaktungstests zeigen, dass die GeForce GTX 285 anscheinend bereits mit den Standard-Frequenzen nahe am maximal möglichen agiert. Denn beide von Haus aus übertakteten Karten heben die Frequenzen nicht nur ab Werk kaum an, sie lassen sich auch nur sehr schlecht übertakten. Beide Karten kommen mit 720 MHz (TMU-Domäne) beziehungsweise 1.548 MHz (Shaderdomäne) auf dieselben Werte. Der 1.024 MB große GDDR3-Speicher lässt sich auf der Zotac-Karte mit 1.404 MHz etwas besser als auf dem Asus-Exemplar übertakten. Dieses schafft nur 1.350 MHz. Damit können wir die Performance auf beiden 3D-Beschleunigern um etwa fünf Prozent steigern.
Fazit
Mit der GeForce GTX 285 hat Nvidia eine solide Grafikkarte auf den Markt gebracht, die die GeForce GTX 280 zwar nicht deutlich übertrumpfen kann, aber in vielen Belangen etwas besser dasteht. Die Karte ist schneller, benötigt weniger Leistung und bleibt gleichzeitig leiser als das alte Single-GPU-Flaggschiff. Einzig das Spulenfiepen und der nach Vorstellung klar höhere Preis stoßen auf. Sind die von Haus aus übertakteten Exemplare von Asus sowie Zotac ebenso gelungen?
Viel falsch machen können die Hersteller zur Zeit kaum, da einzig der Referenzkühler auf dem Referenz-PCB verbaut wird. Nur bezüglich der Taktraten unterscheiden sich die Karten und genau das ist das Problem: Denn das Taktpotenzial der GT200b-GPU scheint nicht so hoch zu sein wie Anfangs von vielen erhofft. Denn die Asus GeForce GTX 285 TOP ist im Durchschnitt gerade einmal drei Prozent schneller als das Referenzdesign, während die Zotac GeForce GTX 285 AMP! auf immerhin fünf Prozent kommt – dennoch wird man in der Praxis davon kaum etwas spüren.
Bei der Leistungsaufnahme, der Lautstärke sowie den Temperaturen gibt sich keiner der beiden Konkurrenten die Blöße. Beide Hersteller scheinen die Spannungen gleich belassen zu haben und die Temperaturen sind kaum gegenüber dem Standard-Modell gestiegen. Auch die Leistungsaufnahme und die Lautstärke sind beinahe identisch und im Betrieb ohne Messgeräte nicht vom Standardmodell zu unterscheiden. Aktuell kostet die Zotac GeForce GTX 285 AMP! mit 370 Euro genau 30 Euro mehr als die herkömmliche Version, während die Asus GeForce GTX 285 TOP noch gar nicht in Deutschland zu haben ist.
Aufgrund der geringen Unterschiede zwischen den Karten und einem doch immerhin um 30 Euro höheren Preis, raten wir aktuell dazu, zum Referenzdesign zu greifen. Wobei uns bei der Asus-Karte der Marktpreis noch fehlt und das Urteil bei Verfügbarkeit der Karte also noch anders ausfallen kann; wovon wir allerdings nicht ausgehen.
Will man doch unbedingt eine der schnelleren Probanden haben, fällt unsere Empfehlung – und auch hier kann der Preis der Asus-Karte noch einen Einfluss haben – zu Gunsten der Zotac GeForce GTX 285 AMP! aus. Die Karte ist schneller als die von Asus und hat zudem mit Race Driver Grid ein hochwertiges Spiel im Lieferumfang dabei.
Aktuelle Preise:



