Einleitung
ATi führte mit der Radeon HD 4770 [1] ein richtiges Preis-Leistung-Monster ein. Die Grafikkarte kostete zum Launch etwa 80 Euro und bot die Leistung einer Radeon HD 4850. Damit schien es, dass eben genau jene Karte für preisbewusste Käufer optimal sein würde. Doch es kam alles anders: TSMC hat große Schwierigkeiten mit dem eigenen 40-nm-Prozess und somit kommen zu wenig funktionierende RV740-GPUs zurück zu ATi.
Und dies hat zwei schwerwiegende Konsequenzen: Die Preise der Radeon HD 4770 liegen derzeit bei zu teuren 100 Euro und zudem sind zu wenige Exemplare lieferbar. Aber TSMC verspricht demnächst Besserung und dann könnte der 3D-Beschleuniger für Schnäppchenjäger wieder richtig interessant werden. Aus diesem Grund haben wir nun eine gewöhnliche Radeon HD 4770 von Sapphire ins Testlabor eingeladen, die anders als das Pressemuster beim Launch dem wirklichen Referenzdesign entspricht, das auf beinahe allen anderen Vertretern zu finden ist.
Darüber hinaus hat auch ein etwas kurioser Vertreter seiner Art den Weg zu uns gefunden. Die Radeon HD 4770 Formula von Asus, die optisch sehr an einen Formel-Rennwagen erinnert. Aber wie schlagen sich nun beide Probanden gegen die Konkurrenz und vor allem gegen das nicht erhältliche Dual-Slot-Design? Dies klären wir auf den folgenden Seiten.
Asus Radeon HD 4770 Formula
Asus ist einer der ersten Hersteller, die eine modifizierte Radeon HD 4770 in die Händlerregale legen. Da es in der 100-Euro-Preisklasse logischerweise keine allzu großen Experimente seitens der Boardpartner geben kann, fallen die Änderungen der „Radeon HD 4770 Formula“ auch nicht allzu groß aus. Aktuell ist der 3D-Beschleuniger noch nicht lieferbar. Wahrscheinlich wartet Asus auf eine bessere Verfügbarkeit der RV740-GPU.
Das PCB der Asus Radeon HD 4770 Formula kommt in einer roten Farbe daher und misst eine Länge von nicht ganz 21 cm, womit die Karte gleich lang wie das Standard-Modell ist. Die Platine ist jedoch eine vollständige Eigenentwicklung, die anscheinend primär auf einen niedrigen Produktionspreis ausgelegt ist. Viele Bauteile sind zumindest nicht vorhanden, vor allem die Rückseite wirkt sehr leer. Für einen ordnungsgemäßen Betrieb muss man einen Sechs-Pin-Stromstecker mit dem 3D-Beschleuniger verbinden.



Der Kühler besteht einzig aus weniger effektivem, dafür aber kostengünstigem Aluminium. Die GPU hat direkten Kontakt mit einem Kühlblock, der über einige grobe Kühllamellen verfügt. Diese sollen die Wärme schneller abgeben können. Auf dem Kühlblock ist eine Plastikform angebracht, die an einen Formel-Rennwagen erinnert. Diese soll laut Asus nicht nur die Optik, sondern ebenso die Kühlleistung verbessern.



Genau in der Mitte des Kühlsystems ist ein 75 mm großer Axiallüfter platziert. Dieser saugt die kühle Luft aus dem Gehäuse an, bläst diese auf den Kühlkörper und wirbelt die erhitzte Luft gleichzeitig wieder in das Gehäuse hinein. Dabei wird der Lüfter von einer Lüftersteuerung geregelt, die ihre Arbeit sehr gut erledigt und keinen Grund zum Meckern gibt – mehr dazu im Abschnitt der „Sonstigen Messungen“.



Unter Windows taktet sich die GPU der Asus Radeon HD 4770 Formula auf 250 MHz herunter, während der 512 MB große GDDR5-Speicher, der von Qimonda produziert wird, weiterhin mit den vollen 1.600 MHz arbeitet. Unter Last taktet sich dann der Rechenkern auf 750 MHz hoch, der Speicher arbeitet unverändert. Damit ist die Grafikkarte exakt auf Niveau des Referenzdesigns. Warum Asus nicht ein wenig an den Frequenzen gedreht hat, ist unklar.
Auf dem Slotblech findet der Käufer der Radeon HD 4770 Formula einen D-SUB- sowie einen DVI-Ausgang vor. Als kleines Highlight stattet Asus die Karte noch mit einem HDMI-Anschluss aus, sodass ein DVI-auf-HDMI-Adapter nicht notwendig ist. Über die Ausstattung können wir leider keinerlei Aussagen machen, da uns nur die reine Hardware, nicht aber der finale Verkaufskarton vorlag.
Sapphire Radeon HD 4770
Dass Sapphire bei der Radeon HD 4770 wieder mit von der Partie ist, wundert wohl niemanden. Bis jetzt gibt es allerdings nur das Referenzdesign des ATi-Premium-Herstellers, was jedoch für diesen Kurztest sehr interessant ist. Denn das von ATi zum Launch verschickte Muster der Radeon HD 4770 entspricht einer Version, die so nicht im Handel zu finden ist. Die Sapphire-Variante ist dagegen mit allen anderen Radeon-HD-4770-Versionen identisch. Die Karte ist derzeit ab etwa 90 bis 100 Euro [2] lieferbar. Viele Online-Shops haben die Karte aber nicht auf Lager – gelistet wird sie sogar schon ab 78 Euro.
Die Radeon HD 4770 entspricht sogar so sehr dem Referenzdesign, dass Sapphire nichtmal die Farbe des PCBs geändert hat. Denn dieses ist ATi-rot und nicht Sapphire-blau. Die Länge beträgt nicht ganz 21 cm, weswegen der Einbau in ein handelsübliches Gehäuse keinerlei Problem sein sollte. Die Platine ist, anders als bei der Asus Radeon HD 4770 Formula, mit recht vielen Bauteilen bestückt. Ein Sechs-Pin-Stromstecker ist für die Inbetriebnahme notwendig.
Das Kühlsystem besteht aus einem eingefärbten Kühlblock aus günstigem Aluminium, der direkt auf der GPU angebracht ist. Auf diesem gibt es noch einige große Lamellen, die die Wärme besser ableiten sollen. Abgesehen von der Farbe ist der Kühler also identisch mit dem der Asus-Karte. Das Lüfter ist aber ein anderer, wenn auch die Größe mit 75 mm sowie die Bauform (Axial) identisch ist. Die Anzahl sowie die Position der Flügelblätter sind aber unterschiedlich.



Die Lüftersteuerung scheint dagegen identisch zu sein, denn die Sapphire Radeon HD 4770 wird zu keiner Zeit unangenehm laut. Das Kühlsystem bearbeitet direkt nur die GPU, da der GDDR5-Speicher nur vom Luftzug gekühlt wird. Auf den Spannungswandlern ist zusätzlich ein kleiner Kühlkörper angebracht.



Unter Windows taktet sich die RV740-GPU der Sapphire Radeon HD 4770 auf 250 MHz herunter, während der 512 MB große GDDR5-Speicher, der von Qimonda hergestellt wird, bei den vollen 1.600 MHz verbleibt. Unter Last taktet sich der Rechenkern auf 750 MHz hoch. Damit entsprechen die Frequenzen denen der Karte, die wir zum Lauch der Radeon HD 4770 getestet haben.


Auf dem Slotblech findet der Käufer der Radeon HD 4770 die zwei üblichen Dual-Link-DVI- sowie einen S-Video-Eingang vor. Die Ausstattung der Karte ist durchschnittlich. Das Kabelzubehör besteht aus einem DVI-auf-HDMI-, einem Stromadapter sowie einer CrossFire-Bridge. Als Software gibt es den 3DMark Vantage in der „Professional-Edition“ und die „DVD Suite“ von CyberLink dazu.
Benchmarks
Die folgenden Benchmarks wurden mit dem aktuellen Grafikkarten-Testsystem [3] auf Basis eines Intel Core 2 Extreme QX9770 ermittelt. Dieser wird mit einem Takt von 4 GHz betrieben, um die Karten nicht unnötig auszubremsen. Als Treiber kam für alle Messungen (einschließlich Leistungsaufnahme und Lautstärke) der Catalyst 9.5 beziehungsweise der GeForce 185.85 zum Einsatz.
1680x1050
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
|
Da weder die Radeon HD 4770 von Sapphire noch die Radeon HD 4770 Formula von Asus von Haus aus übertaktet sind, gibt es natürlich auch in der Performance keinerlei Unterschiede zum Referenzdesign, weswegen wir an dieser Stelle nur ein Standard-Modell auflisten. In den ausgesuchten Spielen rendert die Radeon HD 4770 auf ein und demselben Niveau wie die Radeon HD 4850, die sich nur um drei Prozent vor die Mid-Range-Karte setzen kann. Die GeForce 9800 GT hält die Grafikkarte um 14 Prozent in Schach, während man sich der GeForce 9800 GTX+ um acht Prozent geschlagen geben muss.
Performancerating
Angaben in Prozent
|
Sonstige Messungen
Lautstärke
Angaben in Dezibel
|
Bereits das von ATi der Presse ausgelieferte Muster der Radeon HD 4770 weiß in der Disziplin der Lautstärke zu gefallen. Das erhältliche Referenzdesign in Form der Sapphire-Karte setzt aber noch eins drauf: Unter Windows messen wir gute 44 Dezibel, noch ein Dezibel leiser als die Dual-Slot-Version. Damit ist die Karte so gut wie nicht von den restlichen Komponenten aus einem geschlossenen Gehäuse zu unterscheiden, weswegen ein ruhiges Arbeiten problemlos möglich ist. Die Asus Radeon HD 4770 Formula kommt auf denselben Wert.
Unter Last setzt die Sapphire Radeon HD 4770 gar noch eins drauf. Lauter als 46 Dezibel wird der Lüfter zu keiner Zeit, immerhin zwei Dezibel weniger als bei der nicht erhältlichen Version. Der König ist jedoch die Asus Radeon HD 4770 Formula, die auf sehr gute 44 Dezibel kommt und somit unter Last nicht lauter als unter Windows ist! Mit beiden Grafikkarten kann man problemlos Spielen, ohne dass die Lüfter auch nur ansatzweise aufdringlich werden.
Leistungsaufnahme
Angaben in Watt (W)
|
Bei der Leistungsaufnahme unter Windows schenken sich die drei Radeon-HD-4770-Karten nichts. Die Dual-Slot-Variante kommt auf 149 Watt (gemeint ist der gesamte PC), das Sapphire-Derivat auf 145 Watt und die Asus Radeon HD 4770 Formula auf 146 Watt. Unter Last ist die Sapphire Radeon HD 4770 mit 235 Watt dann fünf Watt hungriger als die Dual-Slot-Karte, was sich aber noch in Grenzen hält. Auftrumpfen kann erneut die Asus Radeon HD 4770 Formula, die auf sehr gute 215 Watt kommt. Dies sind satte 20 Watt weniger als bei dem neuen Referenzdesign! Warum der Bedarf an Energie bei der Asus-Produktion so gering ausfällt, ist unklar. Wahrscheinlich liegt es an dem optimierten PCB.
Temperatur
Angaben in °C
|
Asus schafft es mit der Radeon HD 4770 Formula die kühlste GPU unter Windows in unserem Testfeld zu stellen. Mehr als 37 Grad Celsius erreichen wir nicht, wobei auch die Sapphire Radeon HD 4770 auf gute 41 Grad kommt. Die Dual-Slot-Variante wird trotz des größeren Lüfters mit 50 Grad Celsius wärmer. Unter Last kann die Asus Radeon HD 4770 Formula dann noch besser auftrumpfen. 55 Grad Celsius ist ein sehr gutes Ergebnis, wobei auch die Sapphire Radeon HD 4770 mit 65 Grad keine Schwächen zeigt. Das Launch-Sample ist mit 70 Grad noch etwas wärmer. Auf der Chiprückseite messen wir 50 Grad Celsius (Sapphire) beziehungsweise 58 Grad (Asus).
Übertakten
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
|
Die Asus Radeon HD 4770 Formula zeigt sich bei den Übertaktungstests etwas störrig. Selbst mit dem integrierten Tool im Catalyst Control Center konnten wir die Karte nicht übertakten. Eventuell gibt es diesbezüglich eine BIOS-Sperre. Die Sapphire Radeon HD 4770 lässt dagegen eine Erhöhung der GPU-Frequenz von 750 MHz auf 830 MHz zu. Der 512 MB große GDDR5-Speicher arbeitet sogar mit 1.950 MHz noch einwandfrei, was einem Plus von 350 MHz entspricht. Somit arbeitet die Grafikkarte je nach Anwendung um fünf bis 15 Prozent schneller.
Fazit
Bereits das Dual-Slot-Design der Radeon HD 4770 macht einen guten Eindruck, ist aber nicht für den Verkauf gedacht, was im ersten Augenblick durchaus schade ist. ATi hat mit dem neuen Referenzdesign aber einen mehr als guten Ersatz geliefert, der sogar noch besser als die Dual-Slot-Karte ist. Und Asus setzt mit der Radeon HD 4770 Formula sogar noch einen drauf!
Über die Performance der beiden Testprobanden von Asus und Sapphire gibt es an dieser Stelle nicht viel zu sagen. Beide 3D-Beschleuniger sind mit den Taktraten des Referenzdesigns ausgestattet und somit gleich schnell wie unser Testexemplar zum Launch. An der Leistung hat sich durch das neue Design demnach nichts geändert. Damit bieten die Karten die Geschwindigkeit einer Radeon HD 4850 und lassen die GeForce 9800 GT von Nvidia problemlos hinter sich. Der GeForce 9800 GTX+ beziehungsweise GeForce GTS 250 mit 512 MB muss man sich aber geschlagen geben.
Bei der Lautstärke macht das neue Referenzdesign auf der Sapphire Radeon HD 4770 eine sehr gute Figur und schlägt gar noch die Ergebnisse der Dual-Slot-Variante. Asus liefert mit der Radeon HD 4770 Formula gar ein noch besseres Ergebnis ab und lässt den Lüfter unter Last nicht lauter als unter Windows drehen. Dasselbe gilt für die Temperaturen: Die Dual-Slot-Karte ist gut, die Sapphire Radeon HD 4770 besser und die Asus Radeon HD 4770 Formula noch einen Tick besser.
Bei der Leistungsaufnahme schenkt sich das Launch-Muster und das Referenzdesign (Sapphire) nichts. Beide Karten liegen mehr oder weniger auf demselben Niveau. Dasselbe gilt für die Formula-Karte von Asus unter Windows, die dafür unter Last aber 20 Watt weniger verbraucht.
Die Sapphire Radeon HD 4770 beziehungsweise das neue Referenzdesign der Radeon HD 4770 ist sehr gut und in allen Belangen besser als das Dual-Slot-Modell. Dass dieses nicht in den Handel gekommen ist, ist für den Kunden somit gleichgültig. Allerdings gibt es bei der Karte große Lieferschwierigkeiten, weswegen der Preis auf zu hohe 95 Euro gedrückt wird. Eine Radeon HD 4850 ist günstiger. Wenn die Kosten auf dasselbe Niveau fallen, ist die Sapphire Radeon HD 4770 vorzuziehen.
Obwohl das Kühlsystem auf der Asus Radeon HD 4770 Formula eher etwas „billig“ aussieht, ist dieses in der Wirkung tatsächlich sehr gut und dem Referenzdesign überlegen. Die Karte bleibt trotz desselben Kühlkörpers (nur der Lüfter und die Plastikhülle sind anders) vor allem unter Last kühler als das Referenzdesign und ist zudem leiser. Als kleines Schmankerl zieht die Karte darüber hinaus unter Last noch 20 Watt weniger aus der Steckdose. Dementsprechend handelt es sich bei der Asus-Karte also durchaus um einen Formel-1-Wagen in ihrer Leistungsklasse. Jedoch ist der 3D-Beschleuniger derzeit noch nicht in Online-Shops gelistet. Liegt der Preis in etwa gleich auf mit dem Referenzdesign, ist die Asus Radeon HD 4770 Formula die bessere Wahl.
- Schnell genug für 1680x1050
- Manchmal AA/AF möglich
- Direct3D 10.1
- Sehr leise im Betrieb
- Geringe Leistungsaufnahme unter Last
- Schlechte Verfügbarkeit
- Deswegen zu hoher Preis
- Schnell genug für 1680x1050
- Manchmal AA/AF möglich
- Direct3D 10.1
- Leiseste Radeon HD 4770
- Sehr geringe Leistungsaufnahme unter Last
- Derzeit noch nicht lieferbar



