Einleitung
Nach unserer Gegenüberstellung zweier Herstellerkreationen der ATi Radeon HD 5670 [1] nehmen wir nun zwei fernab vom Referenzdesign angesiedelte Radeon HD 5850 unter die Lupe. Bis jetzt hatte die Radeon HD 5850 den großen Haken, dass einzig und allein das Referenzdesign erworben werden konnte. Und das ist zwar solide und hinterlässt im Endeffekt einen brauchbaren Eindruck, vom Non-Plus-Ultra ist aber insbesondere das eingesetzte Kühlsystem noch weit entfernt.
Sowohl PowerColor als auch Sapphire bringen nun die ersten Varianten abseits des Standarddesigns heraus, die nicht nur auf ein anderes Kühlsystem setzen, sondern auch mit höheren Taktraten ausgestattet sind. PowerColor schickt die Radeon HD 5850 PCS+ ins Rennen, während Sapphire mit der Radeon HD 5850 Toxic in diesem Test vertreten ist.
PowerColor Radeon HD 5850 PCS+
Die PowerColor Radeon HD 5850 PCS+ ist derzeit ab 290 Euro [2] in den ersten Online-Shops zu haben, womit die Karte gerade einmal zehn Euro teurer als die aktuell günstigste Radeon HD 5850 im Referenzdesign ist.
Das PCB der PowerColor Radeon HD 5850 PCS+ ist in Rot gehalten und misst eine Länge von nicht ganz 26 cm, womit es sichtbar länger als das Standard-Modell ist. Auch die Anordnung der Teile auf dem PCB hat sich damit geändert. Für den Betrieb sind zwei Sechs-Pin-Stromstecker zu verwenden.



Das Kühlsystem umfasst die gesamte Vorderseite der Grafikkarte, wobei die Rückseite ohne jegliche Kühlung auskommen muss. Der Eindruck, den man vom Kühler erhält, ist vor allem aufgrund des klobigen Plastikmantels wuchtig. Der Aufbau ist nichts neues. Ein eingelassener Kühlblock aus Kupfer ist direkt über der GPU montiert. Über diesen sind zahlreiche Lamellen aus Aluminium angebracht.



Gleich vier Heatpipes setzt PowerColor zum Wärmetransport ein. Ein im Durchmesser 90 mm großer Axiallüfter, der genau über der GPU montiert ist, hält diese auf niedrigen Temperaturen. Die aktive Regelung des Lüfters hinterlässt einen guten Eindruck – später dazu mehr.



Unter Windows taktet sich die RV870-GPU der PowerColor Radeon HD 5850 PCS+ auf 157 MHz herunter. Ähnliches gilt für den 1.024 MB großen GDDR5-Speicher, der im Leerlauf noch mit 600 MHz betrieben wird. Unter Last taktet sich der Rechenkern auf 760 MHz hoch, womit er 35 MHz schneller als der beim Standard-Modell läuft. Der Speicher agiert dann mit 2.100 MHz, 100 MHz mehr als gewöhnlich.
Auf dem Slotblech verbaut der Hersteller zwei Dual-Link-DVI-, einen HDMI- sowie einen DisplayPort-Ausgang. Somit ist Eyefinity mit bis zu drei Monitoren problemlos möglich. Die Kabelausstattung der Radeon HD 5850 PCS+ ist mager: Mehr als einen DVI-auf-D-SUB-Adapter und eine CrossFire-Bridge gibt es nicht. Dafür legt PowerColor dem Karton aber das DirectX-11-Spiel Colin McRae Dirt 2 bei, was das Manko mehr als nur ausgleicht. Eine Treiber-CD ist ebenfalls vorhanden.
Sapphire Radeon HD 5850 Toxic
Die Sapphire Radeon HD 5850 Toxic ist derzeit ab 300 Euro [3] gelistet (der finale Marktpreis könnte etwas niedriger sein), aber noch nicht lieferbar. Dies sollte sich in den nächsten Tagen aber ändern.
Das PCB der Karte hat nicht mehr viel mit dem Derivat des Referenzdesigns gemeinsam und kommt in einer für den Hersteller typischen Farbe daher. Auch diese Platine ist 26 cm lang und damit ein gutes Stück länger als das Pendant eines herkömmlichen Modells, das auf etwa 24 cm kommt. Für einen ordnungsgemäßen Betrieb sind weiterhin zwei Sechs-Pin-Stromstecker notwendig.



Das Kühlsystem auf der Radeon HD 5850 Toxic macht einen mächtigen Eindruck. Es bedeckt die gesamte Vorderseite der Karte, während die Rückseite gänzlich ohne eine Kühlung auskommen muss. Das Herzstück besteht aus einer Alu-Platte, in der ein Block aus Kupfer eingelassen ist, der direkt auf der RV870-GPU platziert wurde. Darüber hinaus sorgen drei Heatpipes sowie die von Sapphire bekannte Vapor-Chamber für den Wärmeabtransport.



Ein im Durchmesser 90 mm großer Axiallüfter sorgt für die nötige Frischluft. Abschließend ist über alle Elemente, wie mittlerweile üblich, noch ein Plastikmantel angebracht, der verhindern soll, dass die erhitzte Luft in das Gehäuse entweichen kann.


Unter Windows taktet sich der RV870-Chip auf der Radeon HD 5850 auf 157 MHz herunter, während der 1.024 MB große GDDR5-Speicher dann noch mit 600 MHz angesteuert wird. Unter Last arbeitet der Rechenkern mit einer Frequenz von 765 MHz und somit 40 MHz mehr als das Referenzdesign. Der Speicher taktet um 250 MHZ höher, was in 2.250 MHz resultiert.
Auf dem Slotblech verbaut der Hersteller zwei Dual-Link-DVI-, einen HDMI- sowie einen DisplayPort-Ausgang. Damit ist Eyefinity mit der möglichen Nutzung von drei Monitoren gleichzeitig möglich. In der Full-Retail-Variante legt Sapphire der Radeon HD 5850 einen DVI-auf-D-SUB, zwei Stromadapter, eine CrossFire-Bridge, eine Treiber-CD sowie die Software „SimHD“ von ArcSoft bei. Ein Spiel ist leider nicht vorhanden.
Benchmarks
Die folgenden Benchmarks wurden mit dem aktuellen Grafikkarten-Testsystem [4] auf Basis eines Intel Core i7 965 ermittelt. Dieser wird mit einem Takt von 3,87 GHz betrieben, um die Karten nicht unnötig auszubremsen. Als Treiber kam für alle Messungen (einschließlich Leistungsaufnahme und Lautstärke) der Catalyst 9.11 (Dirt-2-Hotfix) beziehungsweise der GeForce 195.62 zum Einsatz.
1920x1200
Angaben in Bilder pro Sekunde (FPS)
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Sowohl auf der PowerColor Radeon HD 5850 PCS+ als auch auf der Sapphire Radeon HD 5850 Toxic wurden die Taktraten nur leicht gegenüber dem Referenzdesign angehoben, weswegen die Leistung nur marginal über der des Standard-Modells liegt. So kann sich die PowerColor-Karte unter 1920x1200 im Durchschnitt um drei Prozent von einem gewöhnlichen Exemplar absetzen, das Sapphire-Derivat liegt um fünf Prozent darüber.
Die größte Differenz kann die Radeon HD 5850 Toxic in Battleforge inklusive Anti-Aliasing sowie der anisotropen Filterung erkämpfen. Dort liegt der 3D-Beschleuniger acht Prozent vor dem Referenzdesign. Die Radeon HD 5850 PCS+ muss dagegen in Stalker – Call of Pripyat ohne die beiden qualitätssteigernden Features das schlechteste Ergebnis über sich ergehen lassen: Nur zwei Prozent mehr Leistung können wir dort messen. An der Rangfolge der Grafikkarten-Serien ändert sich unterm Strich wenig. Die Radeon HD 5870 ist immer noch klar vorne, während Radeon HD 4890 sowie GeForce GTX 285 deutlich das Nachsehen haben.
Performancerating
Angaben in Prozent
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Sonstige Messungen
Lautstärke
Angaben in Dezibel
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Das Kühlsystem auf der Referenzfassung der Radeon HD 5850 weist zweifelsohne das größte Optimierungspotenzial auf – und beide Hersteller haben es genutzt. Die Sapphire Radeon HD 5850 Toxic kommt unter Windows auf sehr gute 41,5 Dezibel. Die Karte ist somit sehr leise und nicht aus einem geschlossenen Gehäuse von den restlichen Komponenten zu unterscheiden. Die PowerColor Radeon HD 5850 PCS+ kommt auf nochmals bessere 40,5 dB.
Richtig punkten können die Kühlsysteme aber erst unter Last. Dort kommt das Standard-Modell auf deutlich zu hohe 54 Dezibel. Der Vertreter aus dem Hause Sapphire erzielt dagegen bessere 49,5 Dezibel, was zwar noch kein sehr gutes Ergebnis, aber hörbar besser als das Referenzdesign ist. Einzig in leisen Passagen eines Spiels kann auch das es etwas störend sein. Das PowerColor-Produkt setzt allerdings noch einen drauf: Mit 46,5 Dezibel ist die Grafikkarte selbst in Spielen angenehm ruhig – sehr gut!
Leistungsaufnahme
Angaben in Watt (W)
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Offensichtlich laufen die von Haus aus übertakteten Modelle mit einer etwas höheren Spannung unter Windows, denn dort sind die Ergebnisse in der Disziplin der Leistungsaufnahme zwar immer noch gut, kommen aber nicht an das Niveau des Referenzdesigns heran, das mit 165 Watt (der gesamte PC) messbar an erster Position liegt.
Unter Last ist die Differenz noch etwas größer. Die Standard-Karte erreicht dort höchstens 279 Watt. Bei der von Haus aus übertakteten Sapphire-Karte messen wir dagegen gleich 304 Watt, PowerColor kommt gar auf 308 Watt. Die höheren Frequenzen scheinen dort schlicht und ergreifend ihren Tribut zu zollen.
Temperatur
Angaben in °C
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Obwohl die Kühlsysteme der beiden Testprobanden prinzipiell stärker als das des Referenzdesigns sind, liegen die Temperaturen unter Windows auf ein und demselben Niveau. Der Grund darin ist in den langsamer drehenden Lüfter zu finden. Das Referenzdesign schafft es unter Windows auf 35 Grad Celsius, die beiden modifizierten Karten liegen beide bei 36 Grad.
Unter Last schafft es eine gewöhnliche Radeon HD 5850 auf 71 Grad, während die Sapphire Radeon HD 5850 Toxic auf etwas besser 68 Grad kommt. Bei der PowerColor Radeon HD 5850 PCS+ messen wir etwas schlechtere 72 Grad Celsius.
Übertakten
Angaben in Bilder pro Sekunde (FPS)
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Die RV870-GPU der PowerColor Radeon HD 5850 PCS+ lässt sich sehr gut übertakten. Gute 165 MHz mehr Takt und somit 925 MHz sind möglich, bevor es zu ersten Abstürzen kommt. Die Sapphire Radeon HD 5850 Toxic ist etwas gemächlicher und schafft es „nur“ auf 875 MHz, immerhin noch ein Plus von 110 MHz. Dafür ist der Speicher dort mit 2.400 MHz (+150 MHz) übertaktungsfreudiger als der auf der PowerColor-Karte, der sich gar nicht übertakten lässt. Somit können wir je nach Applikation die Performance zwischen vier Prozent und zwölf Prozent (PowerColor) beziehungsweise zwischen sechs Prozent und elf Prozent (Sapphire) steigern.
Fazit
Nach einer schieren Ewigkeit kommen nun endlich die ersten Modelle der Radeon HD 5850 abseits des zwar annehmbaren aber lange nicht optimalen Referenzdesigns auf den Markt. Mit der Sapphire Radeon HD 5850 Toxic sowie der PowerColor Radeon HD 5850 PCS+ haben wir gleich zwei der interessantesten Vertreter ihrer Art in unser Testlabor eingeladen.
Bezüglich der Performance gibt es keine allzu großen Wunder zu erwarten. Die Frequenzen wurden auf beiden Modellen gering angehoben, sodass nur ein kaum spürbarer Unterschied zum Referenzdesign vorhanden ist. So rendert die PowerColor-Adaption im Durchschnitt um drei Prozent flotter als eine Standard-Karte, beim Sapphire-Produkt sind es immerhin fünf Prozent.
Deutlich interessanter wird es dagegen bei den Kühlsystemen. So hinterlässt schon der Dual-Slot-Kühler auf der Toxic-Version von Sapphire einen guten Eindruck. Das war PowerColor anscheinend aber noch zu wenig, da der Kühler bei vergleichbaren Temperaturen nochmals leiser zu Werke geht.
Etwas Federn lassen müssen die zwei Vertreter dagegen bei der Leistungsaufnahme. Unter Windows ist sie zwar nur gering höher als bei dem Standard-Modell, unter Last ziehen beide 3D-Beschleuniger aber schon gute 25 Watt mehr aus der Leitung. Ordentlich.
Beide Partnerkarten sind somit insgesamt ohne Zweifel besser als das Referenzdesign. Die Sapphire Radeon HD 5850 Toxic ist dabei minimal flotter als die PowerColor Radeon HD 5850 PCS+, dafür kann letztere mit dem leiseren Lüfter aufwarten. Wenn eine Radeon HD 5850 erworben werden soll, ist die Radeon HD 5850 PCS+ deshalb aus unserer Sicht genau die richtige Wahl.
- Schnelle Single-GPU-Karte
- Meistens AA/AF möglich
- DirectX 11
- Durchgängig sehr leises Kühlsystem
- Super-Sampling-AA
- Eyefinity in Spielen möglich
- Vollversion von Dirt 2
- Leistungsaufnahme höher als beim Referenzdesign
- Höhere Taktraten nur bedingt hilfreich
- Schnelle Single-GPU-Karte
- Meistens AA/AF möglich
- DirectX 11
- Durchgängig leises Kühlsystem
- Super-Sampling-AA
- Eyefinity in Spielen möglich
- Leistungsaufnahme höher als beim Referenzdesign
- Höhere Taktraten nur bedingt hilfreich





