Einleitung
Nvidias GeForce GTX 480, GeForce GTX 470 und GeForce GTX 465 haben unter anderem mit dem Problem zu kämpfen, dass das verbaute Kühlsystem unter Last durchweg sehr laut wird. Nur die erst kürzlich vorgestellte GeForce GTX 460 macht hiervon eine (große!) Ausnahme, sie kann GTX 480 und GTX 470 allerdings nicht das Wasser in Sachen Leistung reichen. Abhilfe können hier nur modifizierte Karten der Boardpartner verschaffen, die die Höchstleistungen der schnellsten Nvidia-Karten leiser zur Verfügung stellen.
Wir hatten uns vor einigen Wochen bereits die Zotac GeForce GTX 470 AMP! (ComputerBase-Test [1]) angeschaut, die in der Disziplin der Lautstärke in der Tat glänzen konnte, zugleich aber sehr teuer ist. Nun werfen wir einen Blick auf die Gainward GeForce GTX 470 Golden Sample, einen weiteren Vertreter dieser Art.
Ob die Gainward-Karte an die Ergebnisse der Zotac-Karte anknüpfen kann, untersuchen wir auf den nächsten Seiten.
Gainward GeForce GTX 470 GS
Gainward hält neben dem Referenzdesign der GeForce GTX 470 auch eine „Golden Sample“-Variante im eigenen Portfolio, die mit dem Referenzdesign nicht mehr viel gemein hat. Das Produkt hat derzeit allerdings noch einen gravierenden Nachteil: Es ist in Deutschland schlicht und ergreifend nicht lieferbar. Laut Hersteller hat sich die Auslieferung verzögert und soll nun Mitte August von statten gehen.
Die Gainward GeForce GTX 470 GS kommt mit einem selbst entwickelten PCB in roter Farbe daher, das sich stark vom Referenzdesign unterscheidet. Denn die Platine ist mit 27 cm deutlich länger als gewöhnlich, zugleich aber um einiges aufgeräumter. Vor dem Kauf sollte also auf jeden Fall ein Blick in das eigenen Gehäuse geworfen werden. Für den ordnungsgemäßen Betrieb müssen wie gewohnt zwei Sechs-Pin-Stromstecker mit der Karte verbunden werden.
Das Dual-Slot-Kühlsystem der Gainward GeForce GTX 470 GS macht einen massiven Eindruck. Ein Block aus Kupfer ist direkt über der GF100-GPU platziert. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Lamellen, die die Wärme schneller abführen sollen. Sie sind mittels Heatpipes mit dem Kühlblock über der GPU verbunden. Die Stromversorgung wird von einem weiteren passiven Kühlkörper auf niedrigen Temperaturen gehalten.
Gleich zwei Axiallüfter kümmern sich auf der Gainward-Grafikkarte um die nötige Frischluft. Sie fallen mit einem Durchmesser von 75 mm aber nicht allzu groß aus. Die Lüfter werden wie gewohnt von einer Lüftersteuerung auf Touren gehalten, die in der Praxis aber nur bedingt zu gefallen weiß – später dazu mehr. Die Rückseite bleibt von jeglichen Kühlmaßnahmen verschont.
Die TMU-Domäne der Gainward GeForce GTX 470 GS taktet sich unter Windows auf 51 MHz herunter, um so Strom sparen zu können. Die Shadereinheiten arbeiten dann noch mit 101 MHz und der 1.280 MB große GDDR5-Speicher, der von Samsung hergestellt wird, mit 135 MHz. Unter Last taktet sich die TMU-Domäne auf 650 MHz hoch, 42 MHz höher als das Referenzdesign. Die Shadereinheiten agieren mit 1.300 MHz um 85 MHz flotter und der Speicher mit 1.700 MHz um 26 MHz.
Erfreulich sind die Anschlussmöglichkeiten der GeForce GTX 470 GS, die Gainward gegenüber dem Referenzdesign massiv geändert hat. Denn nun kann die Karte mittels zweier Dual-Link-DVI-, einem HDMI- und gar einem DisplayPort-Anschluss mit der Außenwelt kommunizieren, was vielfältiger als normal ist. Die Kabelausstattung fällt mit einem DVI-auf-D-SUB- sowie einem Stromadapter hingegen mager aus. Dasselbe gilt für die hinzu gelegte Software: Mehr als eine Treiber-CD inklusive der Gainward-eigenen Tools und einem Datenträger mit einigen GF100-Techdemos gibt es nicht. Da tröstet auch kaum ein Gutschein darüber hinweg, der das CUDA-Programm „Super Loiloscope“ um 25 Prozent im Kaufpreis verringert.
Benchmarks
Die folgenden Benchmarks wurden mit dem alten Grafikkarten-Testsystem [2] auf Basis eines Intel Core i7 965 ermittelt. Dieser wird mit einem Takt von 3,87 GHz betrieben, um die Karten nicht unnötig auszubremsen. Als Treiber kamen für alle Messungen (einschließlich Leistungsaufnahme und Lautstärke) der Catalyst 10.3a Preview beziehungsweise der GeForce 197.17 zum Einsatz.
1920x1200
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
|
Bei der Performance macht die Gainward GeForce GTX 470 GS keine allzu großen Sprünge. Im Durchschnitt rendert der 3D-Beschleuniger unter 1920x1200 genau fünf Prozent schneller als das Referenzdesign und schafft es so nicht ganz an das Niveau der Zotac GeForce GTX 470 AMP! heran zu kommen, die nochmals drei Prozent flotter ihren Dienst verrichtet. Damit kommt die Gainward-Karte auf bis zu sechs Prozent an die ATi Radeon HD 5870 heran, während die Radeon HD 5850 um elf Prozent hinter sich gelassen wird.
Den größten Vorsprung gegenüber der Standard-Karte kann sich die Gainward GeForce GTX 470 Golden Sample in Battleforge ohne Anti-Aliasing sowie die anisotrope Filterung erkämpfen. Dort liegt das eigene Design um sieben Prozent vorne. Den schlechtesten Wert messen wir dagegen in Call of Duty: World at War mit den beiden qualitätssteigernden Features. Dort liegt die Differenz nur bei drei Prozent.
Performancerating
Angaben in Prozent
|
Sonstige Messungen
Lautstärke
Angaben in Dezibel
|
Unter Windows erreicht die Gainward GeForce GTX 470 GS nicht das Ergebnis, das sich der Käufer des 3D-Beschleunigers wünscht. Mit 50 Dezibel ist die Grafikkarte mehr als nur etwas lauter als das Referenzdesign und so ohne weiteres von den restlichen Komponenten zu unterscheiden und durchaus störend beim Arbeiten. Immerhin ist es möglich, den Geräuschpegel mittels externer Tools wie dem Afterburner zu reduzieren – eine gute Lösung ist das aber sicherlich nicht.
Unter Last schlägt sich das Produkt dann besser, wobei die Karte immer noch laut ist. Mit 58 Dezibel bleibt sie allerdings hörbar leiser als das Referenzdesign, kann mit der GeForce GTX 470 AMP! von Zotac aber nicht annähernd mithalten. Immerhin gibt es eine Verbesserung gegenüber dem Standard-Modell.
Temperatur
Angaben in °C
|
Die Temperaturen der Gainward GeForce GTX 470 GS liegen durch die Bank im grünen Bereich. Unter Windows wird die GF100-GPU genau 40 Grad Celsius warm und bleibt dabei vier Grad unter den Werten des Referenzdesign. Unter Last messen wir maximal 80 Grad, elf Grad weniger als bei einem Standard-Modell. Einzig auf der Chiprückseite wird das Produkt wärmer und kommt dort auf 71 Grad Celsius. Ein wirkliches Problem ist das aber nicht.
Leistungsaufnahme
Angaben in Watt (W)
|
In Sachen Leistungsaufnahme orientiert sich die Gainward GeForce GTX 470 GS – wenig überraschend – stark am Referenzdesign. So zieht die Karte unter Windows 175 Watt (gemeint ist der gesamte PC) aus der Leitung und liegt somit exakt gleich auf mit der Standard-Karte. Unter Last steigt der Verbrauch auf 371 Watt an, fünf Watt unter der normalen Karte – trotz gesteigerter Taktraten.
Übertakten
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
|
Die TMU-Domäne der Gainward GeForce GTX 470 GS lässt sich um weitere 75 MHz übertakten, was in 725 MHz resultiert. Die Shadereinheiten arbeiten dann mit 1.450 MHz, 150 MHz höher als normal. Das ist sicherlich kein neuer Rekordwert, aber man darf nicht vergessen, dass der 3D-Beschleuniger bereits von Haus aus mit höheren Taktraten daher kommt. Der 1.280 MB große GDDR5-Speicher macht eine Steigerung von geringen 50 MHz und somit einem Ergebnis von 1.750 MHz ohne Fehler mit. Je nach Applikation steigt so die Leistung zwischen neun und zehn Prozent.
Fazit
Mit der Gainward GeForce GTX 470 Golden Sample haben wir nun die zweite GeForce GTX 470 in unserem Testlabor gehabt, die vom Referenzdesign abweicht. Keine Frage: Der Hersteller hat sich viel Mühe gegeben, um vom Referenzdesign abzuweichen. Die Lautstärke der Karte lag dabei allerdings offensichtlich nicht im Fokus, wie unser Test zeigt.
In Sachen Performance macht die GeForce GTX 470 GS nur einen kleinen Sprung nach vorne, da Gainward die Frequenzen nur gering angehoben hat. So messen wir im Durchschnitt unter 1920x1200 einen Vorsprung von fünf Prozent, was in der Praxis wohl zu keiner Zeit wirklich zu spüren ist.
Stärker verändert hat sich das Kühlsystem, überzeugen kann es allerdings nicht. Unter Windows ist der neue Kühler unverständlich laut und die Karte aus einem geschlossenen Gehäuse ohne weiteres heraus zu hören. Unter Last schlägt sich der Kühler dann etwas besser als das Referenzdesign und ist immerhin vier Dezibel leiser. Damit ist die Karte aber immer noch laut unter Last – hier hat Zotac eindeutig den besseren Job gemacht [3].
Unser Fazit: Wenn man bereit ist, mittels „Afterburner“ die Lüfterdrehzahl unter Windows zu reduzieren, ist die Karte durchaus eine Überlegung wert – aber nur dann. Wer das nicht möchte, der sollte sich definitiv nach einem anderen Modell umsehen.
- Schnell genug für 1920x1200
- Meistens AA/AF möglich
- Sehr schnelles DirectX 11
- SSAA in allen APIs möglich
- CUDA/PhysX
- Niedrigere Temperaturen als Referenzdesign
- Zu hohe Leistungsaufnahme unter Last
- Laut unter Windows (aber immerhin mit dem Afterburner zu beheben)
- Laut unter Last
- Höhere Taktraten nur bedingt hilfreich












