Vorwort
Der Trend hin zum Einheitsgerät hält unvermindert an: Handy, MP3-Player und Notebook verschmelzen zusehends, was sich unter anderem darin äußert, dass die Gattung der sogenannten Smartphones immer größer wird. Ein wachsendes Angebot bedeutet natürlich ein deutliches Mehr an Konkurrenz, was auch der BlackBerry-Hersteller Research in Motion (RIM) zu spüren kriegt: Ob Nokia und Apple oder Samsung und LG – der Wettbewerb hat es in sich und wer bestehen will, muss anhaltend gute Produkte liefern.
Zwar hält sich RIM trotz der rauen See im Segment mit Blick auf relativ konstante Marktanteile weiterhin wacker, doch hat vor dem geschilderten Hintergrund auch ein Umdenken stattgefunden. Statt nur noch den potenten aber wankelmütigen Geschäftskunden-Bereich zu bedienen, soll der BlackBerry mittelfristig massentauglicher werden. Das neueste Modell, der Bold 9700, ist hierfür allerdings wahrscheinlich kein allzu gutes Beispiel, gestaltet es sich als kleiner Bruder des Bold 9000 doch als Ableger eines der aktuell beliebtesten Smartphones unter Business-Kunden.
Da ohnehin durchaus kontrovers diskutiert werden kann, ob RIM mit einem Schwenk hin zu den klassischen Privatkunden gut fahren würde, soll dieser Aspekt im folgenden bis zum Fazit außen vor gelassen werden. Stattdessen soll unvoreingenommen geklärt werden, ob und in welcher Hinsicht das Gerät überzeugen kann.
Spezifikationen
| Komponente | Ausstattung |
|---|---|
| Typ | Barren |
| Prozessor | 624 MHz |
| Arbeitsspeicher | RAM: 256 MB |
| Betriebssystem | BlackBerry OS 5.0 |
| Akku | Lithium, 1.500 mAh |
| Speicherplatz | 256 MByte intern (via Speicherkarte erweiterbar, max. 32 GB) |
| Größe | 109 x 60 x 14 (L x B x H in mm) |
| Gewicht | 125 Gramm (inklusive Akku) |
| Display | 2,44 Zoll (diagonal) (Auflösung: 480 x 360) |
| Bedienung | Trackpad, vollwertige Qwertz-Tastatur (35 Tasten und Hintergrundbeleuchtung) |
| Kommunikation | Quadband GSM/GPRS/EDGE, UMTS (HSPA), WLAN (IEEE 802.11 b/g), Bluetooth 2.0 EDR & A2DP, GPS |
| Kamera | 3,2 Megapixel mit Auto-Fokus und Blitz |
| Audio-Unterstützung | .3gp, MP3, WMA9 (.wma/.asf), WMA9 Pro/WMA 10, MIDI, AMR-NB, Professional AAC/AAC+/eAAC+ |
| Video-Unterstützung | XviD teilweise unterstützt, H.263, H.264, WMV3, MPEG4, Sorenson Spark & On2 VP6 (Flash-Unterstützung) |
Bold 9700 im Überblick
Optik & Verarbeitung
Der Lieferumfang des Bold 9700 fällt konventionell aus. Neben Akku, Ladegerät, USB-Datenkabel, Kunstlederhülle, Software und der Bedienungsanleitung sticht das qualitativ annehmbare Stereo-Kabel-Headset heraus – eine Beigabe, die man heutzutage nicht immer vorfindet. Die Inbetriebnahme erfolgt in wenigen Sekunden: Die rückwärtige Schale lässt sich ohne Probleme aufschieben; die SIM-Karte und der separat gelieferte Akku sind mit wenigen Handgriffen installiert. Da das Gerät über zarte 256 MByte internen Speicher verfügt, sollte gleich eine Speicherkarte eingebaut werden (maximal 32 GByte).
Visuell macht der Bold 9700 wenig überraschend einen hervorragenden Eindruck. Die Verarbeitung wirkt solide und robust; dennoch ist das Gerät alles andere als klobig. Im Gegenteil: Mit Maßen von 109 x 60 x 14 (L x B x H in mm) und einem Gewicht von rund 125 Gramm fällt das 9700 leichter und kleiner aus als der große Bruder, was sich allerdings auch auf den Schreibkomfort auswirkt (siehe dazu Abschnitt „Bedienung & Oberfläche“). Hier wie dort findet sich auf der rückwärtigen Schale ein aufgeklebter Kunstlederüberzug, dessen Fläche beim 9700 kleiner ausfällt und nach wie vor lässt sich auch vorzüglich über die Ästhetik des Chromrahmens streiten. Wirklich bemerkenswert ist die hochwertige, direkt auf das LC-Display aufgebrachte Glasscheibe, die zwar das Gewicht in die Höhe treibt, dafür aber den vollwertigen Verarbeitungs- und Materialcharakter unterstreicht.
Alles in allem bietet der Bold 9700 also die gewohnt gute RIM-Kost, sodass an dieser Stelle keinerlei Kritikpunkte zu verbuchen sind.
Bedienung & Oberfläche
Größentechnisch nähert sich das 9700 im direkten Vergleich mit dem schwergewichtigen Bruder also deutlich einem konventionellen Handy an. So schön dies aus einer ästhetischen Perspektive ist, so fragwürdig ist es aus einer rein praktischen. Denn wer von seinem Smartphone maximalen, gar einhändigen Schreibkomfort erwartet, könnte von den 5 x 5 mm kleinen (dafür aber leicht schrägen und qualitativ hochwertigen) Tasten enttäuscht werden, da selbst BlackBerry-Veteranen einige Zeit brauchen, um auf dem kleinen Layout schnell und fehlerfrei zu schreiben. Dafür kann die Tastatur aber mit einem ziemlich soliden Druckpunkt und der von RIM gewohnten sinnvollen Aufteilung – Sonderzeichen werden über die Kombination mit Alt eingefügt – überzeugen.
Ein weiteres Plus in der Bedienung ist im äußerst gelungenen, in dieser Form vom Curve 8520 bekannten Trackpad zu finden. Aufgrund der vorzüglichen Funktionalität mutet der Verzicht auf ein Touch-Display in Zeiten, in denen nahezu alle Hersteller mit höchst unterschiedlichem Erfolg auf eine solche Bedienung setzen, nahezu befreiend an. Prinzipiell ersetzt das Trackpad dabei schlicht die Funktionalität des altbewährten BlackBerry-Rädchens: Mit Daumenbewegungen über das zwischen Display und Tastatur zentral befindliche Pad wird der Cursor wahlweise durch Menüs oder aber frei über den 2,44 Zoll großen, mit 480 x 360 Pixeln brillant darstellenden TFT bewegt. Im Zusammenspiel mit der BlackBerry- und Return-Taste lässt sich so wunderbar einfach und schnell durch alle relevanten Bereiche navigieren.
Als Betriebssystem kommt das neue BlackBerry OS 5.0 zum Einsatz, das auf dem BlackBerry Storm sein Debüt feierte und mit einer aufgeräumtem, gut strukturierten Oberfläche aufwartet. So finden sich auf dem Standard-Bildschirm von der Netzverfügbarkeit über Profile, Datum, Uhrzeit, E-Mail, SMS/MMS, Browser, Anrufe, Kalender und Kontakte alle wichtigen Rubriken auf einen Blick. Dort wie auch innerhalb der einzelnen Bereiche gilt wie gewohnt, dass weitere umfassende Optionen als das An- und Auswählen über die BlackBerry-Taste aufgerufen werden können. Auf die Neuerungen und Vorteile, die das neue OS mit sich bringt, kann an dieser Stelle leider nicht explizit näher eingegangen werden, da dies einen Artikel-Beitrag für sich bedeuten würde.
Kommunikation
In Sachen Kommunikation gibt RIM dem Bold 9700 die gängige Ausstattung mit auf den Weg. Neben Quadband GSM/GPRS und EDGE bietet das Gerät UMTS inklusive HSDPA, WLAN (802.11 b/g) und Bluetooth 2.0, sodass es in dieser Hinsicht keinerlei Grund zur Beanstandung gibt.
Multimedia & Office
Um bis zu 50 Prozent schneller soll der Bold 9700 im Vergleich zu seinem großen Bruder ins Internet gehen. Ohne einen direkten Vergleich durchgeführt zu haben, lässt sich sagen, dass die Zeit, in der Webseiten sowohl über WLAN als auch über UMTS im T-Mobile-Netz aufgebaut wurden, in der Regel im annehmbaren Bereich von rund 15 Sekunden lagen. Allerdings gab es insbesondere beim Zugang über UMTS ab und an Aussetzer zu beklagen, bei denen der Ladevorgang für einige Sekunden einfach hing. Ob dies an der Konzeption des Gerätes oder am Netz liegt (getestet wurde in der Innenstadt von Berlin), lässt sich an dieser Stelle nicht mit letzter Gewissheit sagen.
Der im Rahmen der Einführung von OS 5.0 verbesserte Browser lässt sich grundsätzlich dank Trackpad und BlackBerry- bzw. Return-Taste hervorragend bedienen. Zusätzlich vereinfacht wird die Navigation durchs Web durch diverse Hotkeys und den Umstand, dass die Breite der Seiten auf das Display angepasst wird. Allerdings gibt es nur zwei Zoom-Stufen, von denen man sich gerade bei längeren Aufenthalten im Web ein paar mehr wünscht. Problematisch ist auch, dass der neue Bold nicht mehrere Webseiten gleichzeitig verwalten kann und das obwohl das Gerät prinzipiell multitaskingfähig ist. Und auch die Wiedergabe von Videos weiß nicht komplett zu überzeugen: Während manche Inhalte von Nachrichtenseiten bzw. -agenturen nicht dargestellt werden, zeigt der Browser YouTube-Inhalte in annehmbarer aber keineswegs herausragender Qualität.
Die 3,2-MP-Kamera nimmt bei Bedarf Bilder mit Autofokus, Bildstabilisator und Blitzlicht auf. Ersterer braucht zum Scharfstellen bis zu drei Sekunden. Außerdem kann auf fünf unterschiedliche, lichtbedingte Voreinstellungen zurückgegriffen werden. Die Qualität bewegt sich auch hier in annehmbaren aber nicht grandiosen Gefilden. Auch die Aufnahme von Videos ist in einer Auflösung von 480 x 352 bei 30 Bildern pro Sekunde möglich.
Letztlich verfügt der Bold 9700 auch über GPS und damit prinzipiell über die Möglichkeit der Positionsbestimmung. Eine vollwertige Navigationslösung wird allerdings auch hier nicht mitgeliefert, sodass die Funktion rudimentär mit BlackBerry Maps, dem RIM-Pendant zum Google-Produkt, erfolgen muss.
Im Office-Bereich gibt es entsprechend der gängigen Erwartungen an einen BlackBerry nichts zu meckern. Via Documents To Go lassen sich Word-, Excel- und Powerpoint-Dokumente öffnen und bearbeiten und auch die Verbindung mit bis zu zehn E-Mail-Konten über einen pushfähigen Dienst geht wie gewohnt kinderleicht von der Hand. Neben der Blackberry Professional Software werden auch die Blackberry Enterprise Server für Microsoft Exchange, Novell Groupwise und IBM Lotus Domino unterstützt – Einzelpersonen können sich ihre E-Mails über den Blackberry Internet Service und ihren Netzprovider in Echtzeit zustellen lassen.
Apps & Synchronisation
Seit Sommer dieses Jahres führt RIM mit der App World [1] ein eigenes online-basiertes Software-Portal nach dem Vorbild der App-Store-Konkurrenz von Apple. Natürlich kann man auch mit dem Bold 9700 auf die rund 2000 Programme zugreifen, die in Preiskategorien von 0 bis über 100 Euro (bezahlt wird über Paypal) geführt werden und neben jeder Menge Schnickschnack einige sehr sinnvolle Erweiterungen bieten.
Die Synchronisation des Bold 9700 läuft ohne Probleme ab. Über Micro-USB wird der Bold 9700 an einen PC oder Mac angeschlossen, wo dann über die BlackBerry-Software Daten und Kontakte aktualisiert werden können. Wer nur Daten austauschen will, kann das Gerät auch einfach als Massenspeicher erkennen lassen, um dann per Drag & Drop die gewünschten Dateien verschieben.
Laufzeiten
Gute Leistung, viele Features und eine Nutzung, die weit über das bloße Telefonieren hinausgeht – kein Wunder, dass viele Smartphones in puncto Laufzeiten mit mäßigen Ergebnissen zu kämpfen haben. Nicht so der Bold 9700, dessen Lithium-Akku mit 1500 mAh in unserem Test bei konventioneller Nutzung bis zu eine Arbeitswoche lang standhielt. Ohne die Laufzeit auf ein exzessives Nutzerverhalten wie beispielsweise bei einer längeren Zug- oder Autofahrt getestet zu haben, sei hier die Behauptung gewagt, dass selbst Poweruser locker über die 24 Stunden Grenze hinwegkommen werden.
Akku-Laufzeiten (Herstellerangaben)
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Fazit
Wer sich als Smartphone einen ultimativen Multimedia-Überflieger wünscht, könnte vom Bold 9700 enttäuscht werden. Dafür entpuppt sich das Gerät in dieser Hinsicht an zu vielen Stellen als zu konventionell. Wenn man also regelmäßig Bilder, Filme und Musik aufrufen bzw. selbst erstellen möchte, sollte man sich eher nach einem Konkurrenzgerät umsehen, das neben einer hochkarätigen Funktionalität in diesem Bereich vielleicht auch noch über ein größeres Display verfügt.
In Erinnerung an das Vorwort und die Frage nach der Zielgruppe für das RIM-Top-Produkt BlackBerry kann diese Feststellung zu der Vermutung verleiten, dass die Verantwortlichen vielleicht doch besser daran tun, sich weiterhin auf eine professionelle Kundenschaft zu spezialisieren. Genau dies gelingt – ob explizit gewollt oder nicht, sei dahingestellt – mit dem Bold 9700: Der Nutzer bekommt ein ansehnliches Stück BlackBerry in die Hand. Dazu gehört neben einer wirklich angenehmen, flüssigen Bedienung, die ohne Touch-Display auskommt, eine vorzügliche Office-Funktionalität, die nach wie vor herausragende Behandlung von E-Mails samt Anhängen und ein schlichtes aber dennoch elegantes Äußeres.
Sieht man von dem für einen BlackBerry eher nachrangigen Multimedia-Aspekt ab, so gibt es eigentlich nur eine Sache, die je nach individuellen Ansprüchen zu kritisieren ist: Die Größe. Hier lässt sich einmal mehr das Spannungsfeld von „kompakt“ und „benutzerfreundlich“ erkennen. Sicher, der Bold 9700 ist, um abermals den Vergleich mit dem großen Bruder, dem Bold 9000, zu bedienen, angenehm geschrumpft und liegt dadurch besser in der Hand und vor allem in der Hosentasche; dafür aber macht das Schreiben von E-Mails auf der selbstredend ebenfalls geschrumpften Tastatur auch nach einer Einarbeitungszeit längst nicht so viel Spaß wie auf dem großeren Layout des 9000.
Diesem subjektiven Empfinden soll jedoch nicht Allgemeingültigkeit unterstellt werden. Vielmehr findet sich hier ein maßgebliches Entscheidungskriterium. Grundsätzlich gilt zunächst: Für E-Mail-Junkies ohne extravagante zusätzliche Ansprüche bleibt der BlackBerry das Non-Plus-Ultra. Nun muss nur noch entschieden werden, ob man der Größe oder dem Komfort Vorrang einräumt. Falls die Entscheidung zu Gunsten der Größe ausfällt, ist der Bold 9700 eine vorzügliche Wahl.
Verfügbarkeit & Preise
Der BlackBerry Bold 9700 ist seit Mitte Oktober erhältlich und kann bei den üblichen Providern im Rahmen von unterschiedlichen Tarifen zu dementsprechend variierenden Preisen erworben werden. In der freien Variante muss mit einem Preis von aktuell rund 430 Euro aufwärts gerechnet werden (aktueller Preisvergleich [2]).






