Vorwort
Bei der Betrachtung von Mobiltelefonen ist es nicht nur in der Fachpresse zur Mode verkommen, alle möglichen Produktveröffentlichungen auf das iPhone zu beziehen. Ob „iPhone-Killer“ oder „die ultimative Antwort auf das iPhone“ – nahezu jedes Gerät mit Touch-Display und bestimmten Features lässt sich in das „vs. iPhone“-Korsett zwingen. Dieser Umstand scheint auf der einen Seite durchaus gerechtfertigt, denn immerhin handelt es sich hierbei um den direkten Vergleich mit der Produktlinie, die von allen Seiten – zurecht – äußerst viel Beachtung erfährt. Auf der anderen Seite besteht dabei jedoch die Gefahr, dass die Betrachtung des eigentlichen Testkandidaten eher oberflächlich ausfällt. Vor diesem Hintergrund soll das iPhone in diesem Test nach Möglichkeit außen vor gelassen werden.
Denn über das hier zu betrachtende LG Arena lässt sich auch ohne den stetigen Rekurs auf das Apple-Produkt ausreichend viel erzählen. So zum Beispiel zur LG-Produktstrategie, die mit der Einführung des Arena ein klein wenig revolutioniert wird: Bisher versteckte sich das Unternehmen mit seinen Mobiltelefonen in der Regel in der Style-Ecke, für die es neben einem einigermaßen hippen Äußeren nicht allzu ausgeprägter Merkmale bedarf. Spätestens mit der Veröffentlichung des Arena hat sich dies geändert, denn neben Style wird nunmehr auch zumindest auf dem Papier eine ansehnliche Ausstattung geboten. Ob das Multimedia-Gerät auch im Alltag überzeugen kann, soll im Folgenden geklärt werden.
Spezifikationen
| Komponente | LG Arena Ausstattung |
|---|---|
| Betriebssystem | S-Class (proprietär) |
| Akku | Li-Ion 3,7V / 1000 mAh |
| Speicherplatz | 8 GB (nutzbar: ~ 7,2 GB / via SD erweiterbar, max. 32 GB) |
| Größe | 105.9 x 55.3 x 11,95 (L x B x H in mm) |
| Display | 3 Zoll WVGA (Auflösung: 480 x 800 ) |
| Gewicht | 105 Gramm (inklusive Akku) |
| Bedienung | Multitouch-Display |
| Typ | Bartype mit Touchdisplay |
| Kommunikation | Triband GSM/GPRS/EDGE, UMTS (HSDPA), WLAN, Bluetooth |
| Kamera | 5 Megapixel, Auto-Fokus und LED-Blitz |
KM900 im Überblick
Maße & Optik
Das Arena kommt in einem kleinen, leichten Karton daher, der die branchenüblichen Merkmale aufweist: Der zur Seite herausschiebbare feste Teil zeichnet sich durch einen komfortabel zu öffnenden Mechanismus aus und beinhaltet zu oberst das Gerät, während sich darunter die weitere Ausstattung befindet. Auch diese fällt konventionell aus. Neben dem Handbuch findet der geneigte neue Besitzer ein USB-Kabel, ein Netzteil und mittelmäßige aber für eine Beilage akzeptable In-Ear-Kopfhörer vor.
Die Inbetriebnahme erfolgt erwartungsgemäß einfach: Da das Arena über 8 GByte internen Speicher verfügt (davon nutzbar: 7,2 GByte) muss nicht einmal eine SD-Karte eingesteckt werden. Stattdessen kann das Gerät nach dem problemlosen Einlegen der SIM-Karte sofort genutzt werden.
In Sachen Optik und Maße weiß das Arena ohne Abstriche zu überzeugen: Mit rund 100 Gramm Gewicht und einer Abmessung von 106 x 55 x 12 mm (L x B x H) gehört das Gerät zu den kleineren aber vor allem auch leichteren Multimedia-Mobiltelefonen, die aktuell erhältlich sind. Diese schlanken Eckdaten führen aber auch zu konkreten Abstrichen: Das Display des Arena ist mit drei Zoll etwas kleiner als bei der direkten Konkurrenz und auch das geringe Gewicht, das aus der Verwendung eines vergleichsweise kleinen 1000 mAh Akkus resultiert, führt zu handfesten Nachteilen (siehe Abschnitt „Laufzeiten“).
Während die Frontseite nahezu komplett vom Multitouch-Display eingenommen wird, zeugt die Rückseite mit einer matten Aluminium-Fläche von einer guten und hochwertigen Verarbeitungsqualität – hier hat das Gerät im direkten Vergleich mit der Konkurrenz, beispielsweise mit dem Plastik-Gewand des i900 Omnia von Samsung, die Nase vorne (siehe Bild oben). Besonders löblich ist auch, dass die Verantwortlichen vom sonst üblichen anfälligen Gummipropfen-Verschluss für den USB-Eingang abgesehen haben und stattdessen eine solidere Plastikverriegelung verbauen.
Oberfläche & Bedienung
LG setzt beim Arena auf ein proprietäres Betriebssystem mit Namen „S-Class“, dessen Bewertung eine durchaus zwiespältige, aber überwiegend positive Angelegenheit darstellt. So weiß das Benutzer-Interface mit Blick auf die Gestaltung der Oberfläche nicht zuletzt dank des mit 16 Millionen Farben hervorragend darstellenden Displays durchaus zu überzeugen. Während bei manchem Produkt aus der Konkurrenz eher Unübersichtlichkeit überwiegt, wartet S-Class mit einer wunderbar strukturierten Menüführung, höchst personalisierbaren Oberflächen und ansehnlichen, flüssigen 3D-Animationen auf. Dazu kommen neben einem sinnvoll in die Rubriken „Communication“, „Multimedia“, „Utilities“ und „Settings“ unterteilten Übersichtsscreen vier über Würfelseiten visualisierte, frei anpassbare Desktops zum Einsatz, die mit den Kategorien „Shortcuts“, „Multimedia“, „Widgets“ und „Contacts“ übersichtliche Schnellzugriffe auf die wichtigsten Rubriken in der alltäglichen Nutzung bieten. Löblich ist hierbei auch, dass die Würfelansicht jederzeit über einen zwischen der Ab- und Aufleg-Taste befindlichen Touch-Button aufgerufen werden kann. An dieser Stelle macht S-Class also richtig Spaß.
Ein wenig anders sieht es bei der Bedienung aus. Diese erfolgt wie erwähnt über ein drei Zoll großes Multi-Touch-Display, das sich mit Blick auf die Features grob am großen Konkurrenten – hier darf das iPhone kurz erwähnt werden – aus dem Hause Apple orientiert. Bei der alltäglichen Bedienung zeigen sich kleinere Schwächen, die ihre Ursachen in der technischen Ausstattung, wohl aber auch bei der Konzeption von S-Class haben: Zwar verfügt das Arena über eine ansehnliche, wohlstrukturierte Oberfläche, doch erfolgt die Reaktion auf die Eingabe durch den Nutzer manchmal unpräzise oder träge. Während Ersteres selbstredend besonders bei kleinteiligen Aufgaben und hier vor allem bei der Nutzung des sogleich zu erwähnenden Browsers geschieht, tritt Letzteres besonders dann auf, wenn mehrere Anwendungen parallel genutzt werden. Dies stellt allerdings keinen allzu großen Kritikpunkt dar, da die zu bemängelnde Präzision mit der längeren Nutzung und damit einhergehenden Übung wie so oft immer weiter zunimmt, während der konventionelle, also nicht bewusst anwendungsintensive Umgang mit dem Arena höchst flüssig abläuft.
Ein je nach persönlichem Anspruch nennenswerter Schwachpunkt ist dagegen in der Software-Ausstattung des Arena zu finden. Diese fällt mit einer E-Mail-Anwendung (POP3, IMAP, SMTP), einem Browser, einem Document Viewer für Excel, Word und PDF, ein paar Spielen und den üblichen „Widgets“ wie Taschenrechner, Voicerecorder, World Clock, Kalender und Notizen zwar alles in allem angemessen aus, doch fehlt es aufgrund des abgeschlossenen S-Class an Kompatibilität. Auch dies würde zunächst nicht allzu schwer wiegen, wenn LG über einen eigenen App Store verfügen würde. Da dieser jedoch zur Gänze fehlt, ist der Arena-Besitzer einzig und alleine auf die Anwendungen angewiesen, die von Werk aus aufgespielt werden, was sich selbst für dahingehend weniger anspruchsvolle Benutzer aufgrund des schwachen Browser durchaus bemerkbar macht.
Bei letzterem setzt LG offenbar einmal mehr auf die aktuelle Variante aus dem Hause Obigo, was das Surfen nicht unbedingt zum Hochgenuss macht. Dies hat unterschiedliche Ursachen: Zum Einen gestaltete sich der Datenverkehr im Rahmen dieses Tests sowohl via UMTS als auch WLAN als zu langsam, denn bis zu 40 Sekunden Ladezeit für die mobile Variante der ComputerBase-Webseite ist schlicht zu lang. Zum anderen konnte der Arena-Browser auch aufgrund der fehlenden Flash-Unterstützung und wegen der teils hakeligen Bedienung nicht vollends überzeugen. Die kleinteilige Navigation und das über Multi-Touch mögliche Zoomen funktionierten leider nicht immer flüssig – allzu oft war eine erneute Eingabe von Seiten des Nutzers notwendig, um zum Ziel zu gelangen. In puncto Browser ist also ein deutlicher Minuspunkt zu vermerken.
Kommunikation & Multimedia
In diesem Abschnitt kann das Arena seine wahren, auf einer ansehnlichen Ausstattung fußenden Stärken ausspielen, wobei es tatsächlich diskussionswürdig erscheint, ob ein größeres Display für ein Multimedia-Gerät heutzutage nicht angebracht gewesen wäre. Abseits davon finden sich hier allerdings nur positive Aspekte. Musikdateien werden beispielsweise über einen glücklicherweise vorhandenen 3,5-mm-Klinkenanschluss abgespielt, wobei eine breite Formatunterstützung (MP3, WMA, AMR, MIDI, AAC, AAC+, e-AAC+, AC3, WAV, 3GP) und eine wie erwähnt wunderbar übersichtliche und flüssige Darstellung vorliegen. Auch der Videobereich lässt mit einem gelungenen, schlanken Player und einer ebenso breiten Unterstützung (H.263, H.264, MPEG4, WMV, AVI, DIVX, XVID, D1 en-/decoding, MP4, 3GP) keinerlei Wünsche offen.
Erwähnenswert ist auch die Kamera-Ausstattung. Mit fünf Megapixeln, Autofokus, einem LED-Blitz und 8-fachem Zoom können Fotos mit einer Auflösung von bis zu 2592 x 1944 Pixel aufgenommen werden. Dazu kann der Freizeitfotograf auf ein gutes Dutzend mehr oder minder relevanter Einstellungen (z.B. Weißabgleich) zurückgreifen, die allerdings ein wenig unübersichtlich angeordnet sind. Auch bei der Videoaufzeichnung weiß das Arena mit stabilen, flüssigen Bildraten und mit einer überraschend guten Auflösung von 720 x 480 Pixeln ohne Abstriche zu überzeugen, zumal das Handling auch hier dank schlanker Oberflächen flüssig verläuft.
Außerdem integriert ist ein GPS-Modul, das entgegen erster Ankündigungen allerdings leider nicht mit einer vollwertigen Software verbunden ist. Stattdessen liefert das Arena nur Ortsbestimmungen über Google Maps, was für den Standard-Nutzer sicher annehmbar, für ambitioniertere Anwender aber möglicherweise ein Kritikpunkt ist. Dolby Mobile Surround Sound und ein FM-Transmitter sowie die recht außergewöhnliche Möglichkeit, das Arena über ein zusätzliches Kabel und TV-Out-Funktion an ein externes Gerät anzuschließen, beschließen den Reigen der Multimedia-Funktionen.
Auch in Sachen Kommunikation lässt LG mit UMTS/HSDPA, WLAN (802.11 b/g), Bluetooth und echter Videotelefonie keine Wünsche offen, wenngleich das Surfen wie im vorherigen Abschnitt erwähnt auch geschwindigkeitstechnisch nicht zu den Stärken des Arena gehört.
Laufzeiten
Während bisher einzig der Browser als echter Schwachpunkt des Arena identifiziert wurde, fand sich bei der Ermittlung der Laufzeiten der zweite zu bemängelnde Umstand. Mit zarten drei Stunden unter Volllast – d.h. bei durchgängiger Nutzung durch Abspielen von Musikdateien, Aufnahme von Videos, Verfassen von Textnachrichten, Surfen, Telefonieren – hielt der 1000 mAh Akku deutlich zu kurz. Da hilft es auch nicht viel, dass LG eine Standby-Zeit von bis zu 300 Stunden und Sprechzeiten von immerhin noch 230 Minuten verspricht. Auf der anderen Seite ermöglicht der Einsatz eines vergleichsweise kleinen Akkus das durchaus angenehme Gewicht von nur 105 Gramm; ein Kompromiss, den man eingehen kann, wobei ein Mehr an Laufzeit gegenüber einem Mehr an Gewicht ungleich höher zu bewerten ist. Hier kann also ein – allerdings diskussionswürdiger – zweiter Kritikpunkt festgehalten werden.
Synchronisation
Die Synchronisation des Arena verläuft erwartungsgemäß problemfrei. Nachdem das Gerät via mitgeliefertem USB-Kabel mit dem PC verbunden ist, wird es sofort als externer Massenspeicher erkannt und kann dementsprechend per Drag&Drop behandelt werden. Der Datentransfer läuft auf einem angenehm schnellen Niveau ab: Eine drei Megabyte große Videodatei braucht weniger als zwei Sekunden, um vom Arena auf den Desktop zu gelangen.
Verfügbarkeit & Preise
Das LG Arena ist bereits seit einiger Zeit verfügbar und kann bei diversen Providern in Verbindung mit unterschiedlichen Tarifen erworben werden. In der freien Variante muss allerdings auch aktuell noch mit einem Preis im Bereich der 300 Euro gerechnet werden.
Preisvergleich zum LG Arena [1]
Fazit
LG wagt sich mit dem Arena in gekonnter Weise aus der Style-Ecke heraus und präsentiert ein insgesamt ansprechendes Gerät, das sich vor der Konkurrenz nicht verstecken muss. Gerade bei den gängigen Multimedia-Tätigkeiten weiß der Kandidat nicht zuletzt dank einer stattlichen Ausstattungen zu überzeugen: Musik und Videos machen mit dem Arena einfach Spaß, obwohl das Display mit drei Zoll gerade für dieses Segment heutzutage eigentlich fast schon etwas zu klein ausfällt. Dies ist aber insofern akzeptabel, weil die Macher in dieser Hinsicht einen annehmbaren Kompromiss zwischen Größe und Bedienkomfort eingehen. Genau dies gelang bei der Wahl des Akkus allerdings nicht: Dieser ist klein dimensioniert, was sich zwar äußerst positiv auf das Gewicht, dafür aber katastrophal auf die Laufzeiten auswirkt – für Power-User, die längere Zeit keinen Zugriff auf eine Steckdose haben, findet sich hier das ultimative KO-Kriterium.
Einen größtenteils positiven Eindruck hinterlässt dagegen auch das proprietäre Benutzer-Interface S-Class, das mit flüssigen 3D-Animationen und einer guten Struktur abgesehen von einigen während des Multi-Taskings auftretenden Hängern über weite Strecken zu überzeugen weiß. Doch findet sich bei der Betrachtung der Software-Ausstattung, trotz des insgesamt gelungenen S-Class und auch wenn eine angemessene Ausstattung vorhanden ist, der zweite Kritikpunkt: Der Browser des Arena bewegt sich trotz Multi-Touch-Bedienung einfach nicht auf der Höhe der Zeit – schade, dass LG hier auch mit Blick auf die Vorgänger keine Konsequenzen gezogen hat.
Vor diesem Hintergrund ist die potentielle Zielgruppe für das LG Arena somit schnell ausgemacht: Freunde mobiler Multimedia-Unterhaltung dürften trotz der eingeschränkten Eignung des Browsers ihre Freude haben, während man das mobile Büro lieber bei einem echten Smartphone aus der Konkurrenz suchen sollte.










