Vorwort
Abwechslung stärkt den Appetit! Zwischen den vielen konventionellen Smartphones muss deshalb zwischendurch auch Platz für etwas Exotisches auf ComputerBase sein. Mit dem BL40 newchocolate von LG hat ein eben solcher Bewerber den Weg zu uns gefunden, denn das Gerät ist tatsächlich genau das: Ziemlich ungewöhnlich. Dies lässt sich bereits mit dem außerordentlichen Äußeren belegen, das einige Vor- und Nachteile für so handfeste Aspekte wie die Bedienung und Benutzerfreundlichkeit mit sich bringt.
Wir sind gespannt, wie sich das Handy in Schokoladenform in der folgenden Betrachtung schlagen wird. Ist der Ausbruch aus den herkömmlichen Gefilden tatsächlich geglückt?
Spezifikationen
| Komponente | Ausstattung |
|---|---|
| Typ | Candybar |
| Prozessor | ARM, Modell unbekannt |
| Arbeitsspeicher | Unbekannt |
| Betriebssystem | S-Class UI |
| Akku | Lithium, 1.000 mAh |
| Speicherplatz | ca. 1 GByte intern (via Speicherkarte erweiterbar, max. 32 GB) |
| Größe | 128 x 51 x 11 (L x B x H in mm) |
| Gewicht | 127 Gramm (inklusive Akku) |
| Display | 4 Zoll (21:9 / Auflösung: 345 x 800 Pixel) |
| Bedienung | Touchdisplay |
| Kommunikation | Quadband GSM/GPRS/EDGE, UMTS (HSDPA 7.2), WLAN (IEEE 802.11 b/g), Bluetooth 2.1 EDR & A2DP, GPS |
| Kamera | 5 Megapixel |
| Audio-Unterstützung | MP3, WMA, AMR, MIDI, AAC, AAC+, e-AAC+, AC3, WAV, 3GP |
| Video-Unterstützung | 3GP, AVI, DivX, H263, H264, MP4, WMV |
BL40 im Überblick
Optik & Verarbeitung
Zwar lässt es sich vortrefflich über das Äußere des BL40 streiten, feststeht aber in jedem Fall, dass das Gerät ein echter Blickfänger ist. Dazu tragen natürlich insbesondere die ungewöhnlichen Maße von 128 x 51 x 11 mm (L x B x H) bei, die dem „newchocolate“ tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Schokoladentafel verleihen. Das Ziel, dem Mainstream zu entrinnen, ist den Machern (an dieser Stelle noch ohne weitere Wertung) bei LG also durchaus gelungen.
Wer aufgrund der Maße größere Einschnitte in der Portabilität erwartet, dürfte vom BL40 übrigens positiv überrascht werden: Trotz der Länge bzw. Breite und trotz eines Gewichts von rund 127 Gramm liegt das Gerät erstaunlich gut in der Tasche – die nötige Tiefe vorausgesetzt.
Auch an der Verarbeitung gibt es nichts zu meckern. Die Vorderseite wird fast zur Gänze vom vier Zoll großen Display eingenommen, während die Rückseite mit Klavierlack glänzt, was ziemlich gut aussieht, dafür aber auch sehr anfällig für Fingerabdrücke und Staub ist. Alles in allem wirkt das BL40 jedoch sehr gut verarbeitet und gleichermaßen robust wie auch elegant.
Bedienung & Oberfläche
Der im wahrsten Sinne des Wortes größte Trumpf des BL40 ist das kapazitive Multi-Touchdisplay. Mit riesigen 4 Zoll, 16 Millionen Farben und einer Auflösung von 345 x 800 Pixeln unterstreichen die Verantwortlichen den Multimedia-Anspruch des Gerätes. Auch die Darstellungsqualität, die in puncto Helligkeit und Kontrast einem subjektiven Empfinden nach keinerlei Wünsche offen lässt, fällt hervorragend aus. Interessant ist dabei auch das ungewöhnliche, ultra breite Seitenverhältnis von 21:9, das eine Vielzahl positiver Implikationen mit sich bringt: So entfallen lästige Rahmen beim Abspielen von Video-Dateien, während Webseiten beim Surfen in ganzer Breite dargestellt werden. Auch das Spielen und insbesondere das Tippen sind von dieser Perspektive aus eine kleine Wonne. Diese positive Aspekten gelten jedoch nur, wenn man das BL40 quer hält. Im Hochformat bietet das Gerät aufgrund der Seitenverhältnisse einen nur geringen Bedienkomfort, da beispielsweise Webseiten extrem schmal dargestellt werden und das QWERTZ-Layout extrem gequetscht wird.
Eingeschränkt wird dieses große Plus jedoch von einigen Rucklern. Auf den ersten Blick scheint es so, als ob die Verzögerungen in der Bedienung vom Display ausgeht. Da derlei Probleme aber bei der Nutzung der Multi-Tasking-Fähigkeit zunehmen, ist davon auszugehen, dass de facto vor allem der offensichtlich zu schwache ARM-Prozessor bremst, zu dessen genauen Spezifikationen sich LG allerdings bedeckt hält. Unbestätigten Gerüchten zufolge handelt es sich dabei um einen Cortex-Prozessor, der schwächer sein soll als der des iPhone 3GS, was für einen A5 mit 480 MHz sprechen würde. In jedem Fall hat das BL40 in der Bedienung mit einigen Verzögerungen und Rucklern zu kämpfen, was insbesondere deswegen schade ist, weil dies auch Auswirkungen auf die eigentlich ordentliche Präzision hat.
Als Betriebssystem kommt LG-typisch beim BL40 das proprietäre „S-Class“ zum Einsatz. Auch in diesem Fall weiß das Benutzer-Interface mit Blick auf die Gestaltung der Oberfläche nicht zuletzt dank des ordentlich darstellenden Displays und einer durchdachten, nochmals leicht überarbeiteten Struktur durchaus zu überzeugen. Dazu kommen neben einem sinnvoll in die Rubriken „Communication“, „Multimedia“, „Utilities“ und „Settings“ unterteilten Übersichtsscreen nach wie vor vier über Würfelseiten visualisierte, frei anpassbare Desktops zum Einsatz, die mit den Kategorien „Shortcuts“, „Multimedia“, „Widgets“ und „Contacts“ übersichtliche Schnellzugriffe auf die wichtigsten Rubriken in der alltäglichen Nutzung bieten. Es gilt jedoch auch weiterhin, dass man das abgeschlossene S-Class nicht ohne Weiteres mit zusätzlichen Applikationen versorgen kann, zumal auch in diesen Tagen kein Service à la App Store existiert.
Kommunikation
Die Ausstattung des BL40 lässt in Sachen Kommunikation keinerlei Wünsche offen. Neben Quadband GSM/GPRS und EDGE kann je nach Örtlichkeit und Netzbetreiber auf UMTS-Kommunikation via HSDPA zurückgegriffen werden, was zumindest theoretische Downloadraten von bis zu 7,2 MBit/s ermöglicht. Auf den schnellen Upload via HSUPA muss allerdings verzichtet werden. Auch WLAN (802.11 b/g) und Bluetooth 2.1 mit EDR und A2DP für den drahtlosen Stereo-Musikgenuss werden unterstützt.
Multimedia & Office
Dass das BL40 ob seiner Maße gewisse Stärken im Multimedia-Bereich aufweist, steht außer Frage. Vor allem für Nutzer, die unterwegs häufig Videos anschauen, stellt das Gerät aufgrund der extravaganten Seitenverhältnisse sowie des großen und zudem hervorragend darstellenden Displays eine gute Option dar, zumal eigentlich alle gängigen Codecs unterstützt werden (bei Bedarf kann das BL40 per optional erhältlichem TV-Kabel an einen Fernseher angeschlossen werden). Auch die Qualität der Wiedergabe von Musikdateien oder FM-Radio inklusive RDS-Funktionalität weiß selbst mit den mitgelieferten Standardkopfhörern zu überzeugen. Angenehm ist dabei, dass der Anschluss über eine 3,5-mm-Audiobuchse erfolgt und mit MP3, WMA, AMR, MIDI, AAC, AAC+, e-AAC+, AC3, WAV, 3GP auch hier die volle Codec-Palette abgedeckt wird.
Zu den weiteren Schmankerl in der Ausstattung gehört die 5-Megapixel-Kamera (max. 2.592 x 1.944 Pixel), die mit einem Objektiv der Firma Schneider Kreuznach bei guten Beleuchtungsverhältnissen überraschend gute Fotos liefert (leider ist es uns dieser Stelle aufgrund eines Versäumnisses unsererseits nicht möglich, mit dem BL40 aufgenommene Fotos zu zeigen) und über einige Spielereien wie einen Panorama-Modus verfügt. Bei schlechter Ausleuchtung tut der LED-Blitz allerdings nur einen mäßigen Dienst, sodass solche Fotos den ein oder anderen Bildfehler aufweisen können. Auch die Aufnahme und rudimentäre Bearbeitung von Videos ist im VGA-Modus bei maximal 30 Bildern pro Sekunde möglich, was allerdings zum aktuellen Standard gehört.
In puncto Browser zeigt sich leider auch beim BL40, dass LG der Konkurrenz mit der zum Einsatz kommenden Lösung hinterherhinkt. Trotz der angenehmen Ansicht im Querformat und trotz Multitouch-Unterstützung macht das Surfen auf dem Gerät nicht so richtig Spaß, was neben einer hakeligen Bedienung auch an ziemlich langen Ladezeiten liegt – via UMTS brauchte das Gerät in einem Ballungsgebiet satte 24 Sekunden, um die ComputerBase-Mobi-Seite zu laden.
Auch die Ortsbestimmung per GPS ist möglich. Allerdings gilt auch beim BL40 wie so oft, dass keine vollwertige Routenlösung mitgeliefert wird. Wer die Demoversion der verfügbaren Software ausgereizt hat und sich gegen den Kauf entscheidet, kann jedoch auf Applikationen à la Google Maps zurückgreifen.
Die Office-Ausstattung rangiert unter „angemessen“. So können E-Mail-Konten via POP3, SMTP und IMAP4 empfangen sowie Word-, Excel- und PDF-Dateien geöffnet, nicht aber editiert werden. Wer sich das ultimative mobile Büro wünscht, dürfte also nicht glücklich werden – für den Standardnutzer reicht die Funktionalität aber aus.
Laufzeiten
Für die Laufzeiten des mit 1.000 mAh recht klein bemessenen Akkus weist LG eine Standby-Zeit von 350 Stunden sowie eine Sprechzeit von 350 Minuten aus. Natürlich sind diese Angaben wie immer nur ein ungefährer Richtwert, der von Faktoren wie dem Netz und besonders der Art der Nutzung abhängt. Im Rahmen unseres Praxistests bewies das Gerät bei einer konventionellen Nutzung mit rund anderthalb Tagen am Ende mehr Stehvermögen als gedacht. Dennoch müssen wir sagen, dass die Laufzeiten gerade vor dem Hintergrund der Multimedia-Ansprüche etwas dürftig ausfallen. Für längere Nutzungszeiten abseits von Steckdosen sollten vom BL40 also keine Wunder erwartet werden.
Fazit
Man mag vom Aussehen und Ansatz des BL40 halten, was man will: für Aufsehen sorgt es aufgrund von Form und Farbe auf jeden Fall. Führt man sich dies vor Augen, so lässt sich ohne weiteres feststellen, dass LG der Ausbruch aus den konventionellen Handy- und Smartphone-Gefilden gut gelungen ist. Löblich ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Verantwortlichen es nicht bei einem ungewöhnlichen Aussehen belassen, sondern es auch mit handfesten Features verbinden: Gemeint ist natürlich das 4 Zoll große Multi-Touchdisplay, das mit seinem ultra breiten Seitenverhältnis das Highlight des „newchocolate“ darstellt.
Vor diesem Hintergrund ist die Stoßrichtung des BL40 klar gesetzt, sodass es nicht verwundert, dass LG das Gerät als Multimedia-Handy anpreist. Genau dies vermag das BL40 aufgrund der besagten Komponente und mit einer insgesamt soliden Ausstattung auch zu leisten. Wer also tatsächlich häufig mobil auf Video- und Audio-Dateien zugreifen und sich nicht der iPhone-Uniformisierung unterwerfen möchte, könnte mit dem BL40 glücklich werden. Das einzige wirkliche Manko stellen in diesem Fall die etwas schwachbrüstige Akku-Kapazität und der offenbar unterdimensionierte Prozessor dar, wobei letzterer je nach Anzahl der Tasks für einige ebenso empfindliche wie ärgerliche Ruckler sorgen kann.
Für Nutzer ohne starken Fokus auf Multimedia ist das Gerät aber nur bedingt empfehlenswert. Wer auf seinem mobilen Begleiter primär surft oder Bürotätigkeiten nachgeht, wird sich über den unzureichenden Browser und die nur durchschnittlichen Office-Funktionen ärgern. Dies sorgt in Kombination mit den genannten Einschränkungen (Laufzeit, Ruckler) dafür, dass für solcherlei Nutzer die Nachteile eher überwiegen. In diesem Fall hilft dann auch kein extravagantes Äußeres mehr.
Verfügbarkeit & Preise
Das BL40 ist bereits seit September erhältlich und kann bei den üblichen Providern im Rahmen von unterschiedlichen Tarifen zu entsprechend variierenden Preisen erworben werden. In der freien Variante kann mit einem verhältnismäßig günstigen Preis von aktuell rund 265 Euro aufwärts gerechnet werden (aktueller Preisvergleich [1]).




