ComputerBase

Test: Sony Ericsson Xperia X10

von Benjamin Beckmann

Einleitung

Das Apple iPhone erwischte die meisten Smartphone-Hersteller auf dem falschen Fuß. Dem plötzlichen Boom in diesem Segment waren viele Mobiltelefonhersteller schlicht noch nicht gewachsen. So erging es auch Sony Ericsson, dem Joint Venture des japanischen Konzerns für Unterhaltungselektronik Sony und des Mobilfunkausrüsters Ericsson aus Schweden.

Die Xperia-Serie stellt die Oberklasse der Sony-Ericsson-Geräte dar und machte vor allem mit dem hochwertigen Windows-Mobile-Gerät Xperia X1 von sich reden. Doch neben dem genannten Microsoft-Betriebssystem sowie einer Software-Eigenentwicklung Sony Ericssons setzt der Hersteller große Hoffnungen in das Google-Betriebssystem Android.

Xperia X10 frontal
Xperia X10 frontal

Das Xperia X10 soll den Einstieg in die Android-Oberklasse markieren und das Portfolio von Sony Ericsson um ein weiteres Spitzengerät erweitern. Ob das X10 tatsächlich mit der Konkurrenz mithalten oder sie gar übertreffen kann, werden wir auf den folgenden Seiten herausfinden.

Lieferumfang

Keine Überraschung im Pappkarton: Wie auf dem Foto zu sehen, liegen dem Gerät lediglich ein AC-Adapter, das dazugehörige USB-Kabel, eine Kurzanleitung sowie ein Ohrhörer-Headset von Sony bei.

Lieferumfang des Xperia X10
Lieferumfang des Xperia X10

Eigenschaften

Mit dem Snapdragon-Chipsatz von Qualcomm und der integrierten 1-GHz-CPU namens „Scorpion“ steht dem Xperia X10 viel Leistung zur Verfügung. Vor allem die im Chipsatz verbaute Grafikeinheit gehört zu den schnellsten der aktuellen Smartphone-Generation.

Darüber hinaus ist das Gerät mit einem in der Diagonale 4 Zoll messenden TFT-Bildschirm unter spiegelndem Glas ausgestattet. Der Bildschirm stellt insgesamt 854 × 480 Pixel dar, was einem Seitenverhältnis von 16:9 entspricht.

Neben einem Gigabyte integriertem Flash-Speicher stehen dem Nutzer auch acht Gigabyte Speicherplatz auf dem mitgelieferten microSDHC-Medium zur Verfügung.

Alles Weitere lässt sich der ausführlichen Spezifikation entnehmen:

Technische Daten
Sony Ericsson Xperia X10
Typ: Barren
Bildschirm: TFT-LCD mit 4,0" Diagonale (10,3 cm),
854 × 480 Pixel (FWVGA mit 16:9)
Prozessor: Qualcomm Snapdragon QSD8250 [1] („Scorpion“-CPU, 1 GHz Taktfrequenz, 65-nm-Strukturen, DSP mit 600 MHz eingebettet)
Arbeitsspeicher: 384 MB RAM
Speicherplatz: 1 GB integriert + 8 GB microSDHC-Karte (bis zu 32 GB)
Betriebssystem: Android in der Version 1.6
mit Erweiterung „UX“ von Sony Ericsson
Radio: kein FM-Empfänger vorhanden
Codecs: Audio-Wiedergabe: WMA, AAC+, EAAC+, AMR-NB, AMR-WB, MIDI, Ogg Vorbis, PCM/WAVE;
Video-Wiedergabe: H.263, H.264 AVC, MPEG-4 SP, DivX;
Audio-Aufnahme: AAC, AMR-NB, WMV;
Video-Aufnahme: H.263, H.264
Kommunikation: WLAN 802.11b/g, Bluetooth 2.1+EDR, A-GPS
Quadband GSM/GPRS, Triband 3G (UMTS/HSPA)
Kamera: 8 Megapixel mit Autofokus, LED-Blitz, Gesichtserkennung, Bildstabilisator, Touch-Fokus, Geo-Tagging
Eingabe: kapazitiver Touchscreen ohne Multi-Touch-Unterstützung
Sensoren: Beschleunigungssensor, Magnetometer
Anschlüsse: 3,5 mm Klinke (Audio), 5-poliger Micro-USB-Anschluss
Akku: Lithium-Polymer-Akku mit einer Kapazität von 1500 mAh
Abmessungen: 63 mm × 119 mm × 13 mm
Gewicht: mit Akku 135 g

Design und Verarbeitung

Wie üblich für Geräte, welche den Markennamen „Sony“ tragen, wurde vom Hersteller viel Zeit in das Design investiert. Das Xperia X10 wirkt schick, folgt dem Trend der klaren Linien und Kanten, zeigt allerdings auch dezente Kurven.

Zu hochwertigem Aussehen gehört unserer Meinung nach allerdings auch entsprechendes Material. Zwar verziert der Hersteller die Tasten mit einem edlen Chrom-Effekt und lässt den Rahmen in mattem Silber schimmern, doch die Basis nahezu aller verbauten Gehäuseteile ist leider Kunststoff.

Besonders schick ist unseres Erachtens allerdings die Rückseite. Die ist – zumindest beim gezeigten „Sensuous Black“-Modell – Mattschwarz und leicht gummiert. Diese Beschichtung und die zu den Kanten leicht abgerundete Form lassen das schwarze Xperia X10 gut in der Hand liegen – das Highlight hinsichtlich des Designs.

Das weiße „Luster White“-Modell hat auf der Rückseite eine Hochglanz-Oberfläche und ist daher etwas rutschig, unterscheidet sich abgesehen von der Farbe aber nicht weiter von dem uns vorliegenden schwarzen Exemplar.

Xperia X10 von der rechten Seite
Xperia X10 von der rechten Seite

Xperia X10 schräg von der rechten Seite
Xperia X10 schräg von der rechten Seite
Xperia X10 schräg von oben
Xperia X10 schräg von oben
Xperia X10 Rückseite schräg
Xperia X10 Rückseite schräg

Großes hat Sony Ericsson auch bei der Verarbeitung geleistet. So sehr die Kunststoff-Optik auch schmerzen mag: Jedes Teil ist fast nahtlos mit seinem Nachbarn verbunden. Die Abdeckung der Rückseite lässt sich entsprechend nur mit etwas Kraftaufwand entfernen, ebenso wie der Akku.

An der Oberseite wurde der USB-Anschluss, welcher auch mit zusätzlichem Adapter für das Laden des Akkus am Stromnetz genutzt werden muss, mit einem kleinen Deckel versehen. Das erfordert manchmal ein wenig Fummelei, schützt aber vor Schmutz und Feuchtigkeit.

Display und Kamera

Das Display des Sony Ericsson Xperia X10 besteht aus kratzfestem Mineralglas. Mit den meisten Smartphones hat es allerdings auch die spiegelnde Bildschirmoberfläche gemeinsam. Die Auflösung von 854 × 480 Pixel sorgt auf dem 4"-Display für eine nahezu gestochen scharfe Darstellung.

Zwar kann der TFT-Bildschirm des X10 in Sachen Kontrast und Brillanz der Farben nicht mit der aktuellen AMOLED-Konkurrenz mithalten, dafür ist der Bildschirminhalt allerdings auch im Freien sehr gut erkennbar. Das Display des Xperia X10 gehört daher letztendlich zu den wirklich guten.

Xperia X10 frontal
Xperia X10 frontal

Mit 8,1 Megapixel hat Sony Ericsson der Optik seines ersten Android-Sprösslings gleich eine Menge möglicher Foto-Pixel spendiert. Aber auch der dazugehörige Chip bewältigt seine Aufgabe zumindest standesgemäß. Einen Eindruck davon vermitteln die beiden Testaufnahmen, welche ohne zusätzliche Einstellungen im automatischen Modus entstanden sind.

Das Geo-Tagging der Fotos ist leider unvollständig, weshalb die Daten nur vom X10 selbst verwertet werden können. Viele andere Online-Dienste und Anwendungen können nur vollständig eingetragene Koordinaten-Informationen verarbeiten.

Kamera
Kamera

Beispielfoto 2
Beispielfoto 2
Beispielfoto 1
Beispielfoto 1

Die Fotos sind zumindest für Social Networks durchaus zu gebrauchen. Wer wirklich scharfe Fotos in hoher Auflösung möchte, sollte sich auf das Xperia X10 – wie auch auf die gesamte Smartphone-Konkurrenz – nicht verlassen.

Videos zeichnet die Kamera des X10 in VGA- (640 × 480 px) oder WVGA-Auflösung (800 × 480 px) auf. Ein Ruckeln ist dabei nicht zu erkennen, für YouTube reichen Qualität und Bildrate (dauerhaft über 20 Frames pro Sekunde, im Schnitt etwa 28) allemal. Unser Beispielvideo wurde im 4:3-Format aufgenommen.

Video abspielen

Grundlegendes und Eingabe

Xperia X10 Tasten
Xperia X10 Tasten

Abgesehen vom kapazitiven Touchscreen lässt sich das Xperia X10 auch noch mithilfe der Tasten am Gehäuse bedienen. Am unteren Rand der Front befinden sich 3 schmale und quer verlaufende Tasten, deren Beschriftung in Form von Symbolen sehr stark an das Design angepasst und ihre Funktion daher nicht sofort ersichtlich ist. Neben der gut erkennbaren „Zurück“-Taste befindet sich in der Mitte die Taste für den Aufruf des Hauptbildschirms und wiederum links davon die entsprechende Menü-Taste.

Einen Trackball oder ein Navigations-Pad wurde dem X10 leider nicht spendiert. Wer spezielle Textstellen markieren will oder die Bedienung auf eine dieser Arten gewohnt war, muss sich daran gewöhnen, dass es mitunter einige Versuche braucht, um die richtige Stelle zwischen zwei Buchstaben zu treffen. Eine kleine Hilfe sind allerdings zwei Pfeiltasten (nach links oder rechts) auf der virtuellen Tastatur.

Der Standby-Knopf an der Oberseite wurde gut umgesetzt – weder ragt er heraus, noch ist ist er schwer zu ertasten. Das gilt auch für das an der Seite platzierte und gut ins Design eingefügte Tastenpaar für den Zoom und die Lautstärke sowie den Kamera-Auslöser. Letzterer war in unserem Test etwas schwergängig und erforderte einen sehr präzisen, senkrechten Druck.

Wie bei fast allen Android-Smartphones dieser Tage fehlen auch diesem Exemplar eine echte Rufannahme- sowie eine Auflegen-Taste. Vieltelefonierer sollten sich daher vorher überlegen, ob sie Anrufe gern ausschließlich über den Touchscreen entgegen nehmen und beenden wollen. Außerdem gibt es keine intelligente Schnellwahl, wie sie HTC beispielsweise mit „Sense“ bietet. Die Eingabe von Ziffern bewirkt leider keine gleichzeitige Suche nach Buchstaben-Entsprechungen im Hintergrund (zum Beispiel „26“ für „AM“).

Darüber hinaus bietet das Xperia allerdings eine solide Klangqualität während des Telefonierens und auch die Empfänger unserer Testanrufe haben sich nie über die Güte des X10-Mikrofons beklagt.

Tastatur
Tastatur

Korrekturvorschlag der Bildschirmtastatur
Korrekturvorschlag der Bildschirmtastatur
Zahlen und Bindestrich in zweiter Tastatur-Ebene
Zahlen und Bindestrich in zweiter Tastatur-Ebene
Alternative Tastatur-Software von HTC Sense
Alternative Tastatur-Software von HTC Sense

Obwohl Sony Ericsson sich alle Mühe gegeben hat, die Benutzeroberfläche von Android im eigenen Look zu gestalten, wurde die Tastatur abgesehen von einem leicht veränderten Skin nicht verbessert. Die Standard-Bildschirmtastatur von Android ist vielen ein Dorn im Auge, da man die Zahlen sowie wichtige Sondertasten (zum Beispiel das „@“ oder das Minus-Symbol) nicht ohne Wechsel zum nächsten Tastenblatt eintippen kann. Doch die Android-Community – genauer gesagt: die Riege der Xperia-X10-Besitzer – hat bereits Mittel und Wege gefunden, die viel Lob erntende HTC-Sense-Tastatur auf das X10 zu bringen [2].

Software

Soweit, so gut. Das Xperia X10 schneidet in nahezu allen Kategorien gut bis sehr gut ab – wäre da nicht die Software „UX“, welche das Android-Betriebssystem erweitern soll.

Dies sorgt in mehrfacher Hinsicht für Frust. Zunächst ist UX mit seinen Applikationen wie „TimeScape“ und „MediaScape“ wie auch bei HTC („Sense“), Samsung („Touchwiz“) und Co. der primäre Grund für die Verzögerung von Android-Updates. Das Betriebssystem lag zum Zeitpunkt unseres Tests bereits in der Version 2.1 vor, mittlerweile hat Google mit langem Anlauf auch „Froyo“ veröffentlicht [3].

Android-Version
Android-Version

Android 2.0 wurde im Oktober 2009 veröffentlicht, im Januar dieses Jahres folgte der Sprung zur Version 2.1. Das Xperia X10 setzt auf Android 1.6 aus dem vergangenen September – immerhin wurden einige Fehler behoben und der Linux-Kernel auf einen neueren Stand gebracht.

Das bringt verschiedene Nachteile mit sich: Zunächst existieren mittlerweile sehr viele Apps, die ausschließlich für Android 2 konzipiert wurden. Zum anderen wurden in den letzten Versionen viele Optimierungen zu Gunsten der Geschwindigkeit vorgenommen.

Ob man diesen Umstand nun Sony Ericsson ankreidet, oder ob man Google für seine Update-Politik den Schwarzen Peter zuschiebt, ist letztendlich unerheblich – der Schwachpunkt bleibt.

Ein Update auf Android 2.1 ist zwar geplant und wurde kürzlich in den Frühherbst 2010 vorgezogen [4], bis dahin wird Google aber sicher bereits mit neuen Android-Meilensteinen aufwarten können. Für Kunden, die ihr Smartphone lange nutzen wollen, mag dies ein Trost sein. Wer hingegen immer auf dem aktuellsten Stand bleiben möchte, wird mit dem Xperia X10 sicher nicht mehr glücklich.

Ungeachtet der Querelen um den Stand der verwendeten Software darf man nicht vergessen, dass Android auch in der Version 1.6 durchaus ein gewaltiges Potenzial mitbringt. Trotz einiger Einschränkungen sind zigtausende verfügbare Apps ein klarer Pluspunkt.

Noch besser wäre es allerdings, wenn das X10 durch eine flüssige Bedienung der Oberfläche die Wartezeit bis zur Android-Aktualisierung zum Teil vergessen machen würde. Dies ist allerdings nicht der Fall. Trotz potenter Hardware laufen beispielsweise die Animationen zwischen den Bildschirmen oft nicht reibungslos. Bleibt zu hoffen, dass sich dieser Umstand vor Weihnachten ändert.

Gemischter Stream in TimeScape (zugeschnitten)
Gemischter Stream in TimeScape (zugeschnitten)

Facebook-Stream in TimeScape
Facebook-Stream in TimeScape
Desktop mit TimeScape
Desktop mit TimeScape
StudiVZ-Fehler
StudiVZ-Fehler

Mit der Anwendung „TimeScape“ und den dazugehörigen Widgets lassen sich Soziale Netzwerke zusammen mit Kurznachrichten sowie E-Mails übersichtlich zusammenfassen. Das klappte mit unserem Testgerät allerdings nicht fehlerfrei. Die Implementierung der deutschen Community studiVZ sorgte während des Abrufs neuer Beiträge jedes Mal für einen Absturz des Hintergrundprozesses. Abgesehen von der oben gezeigten Fehlermeldung hatte dies zwar keine Auswirkungen, nervte aber bei entsprechend kurz gesetztem Update-Intervall um so mehr.

MediaScape
MediaScape
MediaScape
MediaScape

Die Multimedia-Jukebox „MediaScape“ bereitete hingegen keine Probleme. Musik, Fotos und bewegte Bilder lassen sich abspielen, verwalten und durchstöbern. Durch das ansprechende Design und die gelungene Bedienung macht das sogar viel Spaß.

Mit Diashows, guten Alben-Übersichten inklusive Darstellung der Cover und der Möglichkeit, eine Vielzahl von Audio- und Videoformaten abzuspielen, kann sich Sony Ericsson für das Xperia X10 zumindest in Sachen Multimedia auf die Schulter klopfen.

Liste der Apps (Raster)
Liste der Apps (Raster)
Sony Ericsson PC-Companion
Sony Ericsson PC-Companion

Darüber hinaus wird eine Reihe von „Moxier“ genannten Anwendungen zur Synchronisierung mit Exchange-Servern mitgeliefert. Im Zusammenspiel mit dem PC oder Laptop bewältigt die modular aufgebaute Software „Sony Ericsson PC Companion“ alle erdenklichen Aufgaben.

YouTube-Videos lassen sich über die vorinstallierte App anschauen, Unterstützung für Adobe bietet das Xperia X10 aber nicht – der Akku wird sich während der Browser-Nutzung dafür bedanken.

Im Alltag

Leistung und Akku

Abgesehen von der bereits erwähnten Problematik nicht-flüssiger Animationen hakt es auch an der einen oder anderen Stelle, beispielsweise beim Tippen unter entsprechender Rechenlast. Obwohl es mit einem überaus leistungsfähigen Prozessor ausgestattet ist, kann das Xperia X10 in der alltäglichen Bedienung offenbar nicht den vollen Nutzen daraus ziehen. Der integrierte Grafikchip gehört allerdings zu den derzeit besten und beweist dies auch in Benchmarks.

In den meisten Apps und in Spielen kann das Xperia X10 demnach mit guten Werten punkten. Dies verdeutlicht die Aufstellung unserer Testergebnisse:

Prozessorleistung

 GLBenchmark: CPU Performance Integer:
HTC Desire
19.801
Sony Ericsson Xperia X10
14.880
Motorola Milestone
13.840
Angaben in Punkten
 GLBenchmark: CPU Performance Float:
Sony Ericsson Xperia X10
3.164
HTC Desire
3.086
Motorola Milestone
2.136
Angaben in Punkten
 CPU Benchmark:
HTC Desire
1.041
Sony Ericsson Xperia X10
1.416
Motorola Milestone
2.340
Angaben in Millisekunden
 Linpack for Android:
HTC Desire
7.012
Motorola Milestone
4.541
Sony Ericsson Xperia X10
4.174
HTC Hero
1.816
Angaben in MFLOPS

Grafikleistung

 GLBenchmark PRO ES 1.1:
Motorola Milestone
222,0
Sony Ericsson Xperia X10
182,0
HTC Desire
173,0
 GLBenchmark HD ES 1.1:
Motorola Milestone
1.290,0
HTC Desire
1.047,0
Sony Ericsson Xperia X10
940,0

In der Gesamtwertung muss sich das Xperia X10 knapp dem Motorola Milestone geschlagen geben und wird vom HTC Desire recht deutlich abhängt:

Performance-Rating CPU

HTC Desire
86
Sony Ericsson Xperia X10
65
Motorola Milestone
52
Angaben in Prozent

Performance-Rating GPU

Motorola Milestone
100,0
HTC Desire
79,5
Sony Ericsson Xperia X10
77,4
Angaben in Prozent

Performance-Rating Gesamt

HTC Desire
91
Motorola Milestone
80
Sony Ericsson Xperia X10
78
Angaben in Prozent

Die Akkulaufzeit des Sony Ericsson Xperia X10 wird vom Hersteller leider noch in den Uralt-Kategorien Dauer-Telefonie (8 bis 10 Stunden) und -Standby (etwa 17 Tage) gemessen, was keinen Aufschluss über die Laufzeit bei angemessener Nutzung gibt.

Man sollte sich darauf einrichten, das Smartphone nächtlich, aber mindestens jede zweite Nacht vollständig laden zu müssen. Wer zum Beispiel auf einer langen Zugfahrt mit viel Langeweile rechnet, sollte sich dort nach einer Steckdose umsehen. Bei intensivem Video- und Spielekonsum verkürzt sich die Zeit bis zur Warnmeldung auf 4 bis 5 Stunden.

In Relation zu anderen Smartphones dieser Preisklasse liegt das X10 damit im Mittelfeld. Es ist kein Netz-Junkie, aber leider auch kein Konditionswunder.

Fahrradtour

Unsere „Tour“ zum Berliner Imbiss „Burger Meister“ hat das Xperia X10 gemeinsam mit dem Motorola Milestone [5] zurückgelegt. Die meiste Zeit befand es sich dabei ebenfalls in einer Tasche meines Rucksacks. Eine Weile verbrachte es allerdings auch in der Hosentasche, wo es sich trotz seiner Größe kaum negativ bemerkbar machte. Für die kleinen Taschen einer engen Jeans ist das X10 selbstverständlich viel zu sperrig. Sobald etwas Luft vorhanden ist, sollte aber auch genug Platz für das Xperia X10 da sein.

Die Aufzeichnung der GPS-Daten [6] mithilfe der Applikation „SportyPal“ lief fast reibungslos. In einem rund 1000 Meter langen Streckenabschnitt wich die angeblich gefahrene Strecke allerdings von den tatsächlich durchquerten Straßen ab. Da das gleichzeitig mitgeführte Motorola Milestone diese Probleme unter Verwendung der gleichen Software nicht zeigte, lässt dies auf einen Zufall oder möglicherweise auf ein Problem des GPS-Moduls schließen. Reproduzieren ließ sich das Verhalten im Testzeitraum jedenfalls nicht.

Brandenburger Tor
Brandenburger Tor

SportyPal-Strecke
SportyPal-Strecke
GPS-Ungenauigkeit
GPS-Ungenauigkeit

Am Brandenburger Tor wurde unter Verwendung der Standardeinstellungen ein Foto des weltbekannten Denkmals aufgenommen. Das X10 schlug sich dabei im Vergleich zum Motorola Milestone recht wacker und gibt die Szenerie in etwa so wieder, wie ich sie dort vorgefunden hatte – wirklich gut für ein Smartphone, mehr aber auch nicht.

Fazit

Im Februar 2009 testeten wir das T-Mobile G1 [7] und schrieben dazu: „Außen pfui, innen hui“. Heute, rund 15 Monate später, liegt das Sony Xperia X10 vor uns und dreht diese Redewendung wieder in ihre ursprüngliche Form. Äußerlich mag das Xperia X10 anspruchsvoll sein, es mag vielen auf den ersten Blick gefallen. Doch den Einstieg in den Markt Android-basierender Mobilgeräte hat der Hersteller Sony Ericsson in mancher Hinsicht ziemlich vergeigt.

An diesem Umstand ist in erster Linie die Software schuld: Die UX-Oberfläche scheint noch nicht ausgereift zu sein, bei unserem Testgerät stürzte die studiVZ-Implementierung in „TimeScape“ reproduzierbar ab, sobald man den Buschfunk aus dem Netz abrufen wollte.

Darüber hinaus darf es unserer Meinung nach kein „High-end-Gerät“ geben, das anno 2010 noch auf Android 1.6 setzt. Sony Ericsson veröffentlicht sein sogenanntes Android-Flaggschiff tatsächlich mit einer von zwei Nachfolgern (2.0, 2.1) abgelösten Version des Google-Betriebssystems, mittlerweile hat sich sogar 2.2 dazugesellt. Das Unternehmen lässt sich aufgrund der Anpassungen, die für die UX-Oberfläche nötig waren, entschuldigen. Dies entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn man sich die Kinderkrankheiten des GUI-Aufsatzes vor Augen führt. In Sachen Software besteht noch viel Nachholbedarf.

Ein Smartphone in dieser Preisklasse sollte außerdem Gesten mit zwei Fingern unterstützen. Dass man im Falle des Xperia X10 bei Google Maps und in der Bildansicht auf „Pinch-To-Zoom“ verzichten muss, ist äußerst schade.

Das Xperia X10 hat in unserem Test enttäuscht
Das Xperia X10 hat in unserem Test enttäuscht

Positiv zu bewerten sind die Multimediafunktionen des Xperia X10. Wer sein nächstes Smartphone in erster Linie für Musik- und Videowiedergabe nutzen und die separate Digitalkamera gerne auch einmal zu Hause lassen möchte, kann den Kauf des Xperia X10 in Erwägung ziehen. In diesen Kategorien gehörten die Mobiltelefone aus dem Sony-Ericsson-Portfolio schon seit jeher zu den besten.

Sony Ericsson Xperia X10
Positive Eigenschaften
  • Kamera erzeugt verhältnismäßig gute Aufnahmen
  • hohe Rechenleistung
  • kratzfestes Display aus Mineralglas
  • Multimedia-Leistung (gute Audioqualität, flüssige 720p-Videowiedergabe)
Negative Eigenschaften
  • studiVZ-Implementierung instabil
  • UX-Oberfläche viel zu träge
  • Android 1.6 nicht mehr zeitgemäß
  • Bildschirmtastatur etwas umständlich
  • kein Multitouch bzw. Pinch-to-Zoom


Doch aus dem weiterhin hohen Preis von über 430 Euro sollte sich für das Xperia X10 ein gewisser Anspruch ableiten. Es sollte mit der Konkurrenz in dieser Preisregion auf Augenhöhe liegen. Davon kann beim X10 allerdings nicht die Rede sein. Für eine ähnliche Summe erhält man bei der Konkurrenz inzwischen Android 2.2, ein AMOLED-Display und mindestens gleichwertige Rechenleistung. Und auch die nicht-androide Konkurrenz hat hier Vergleichbares zu bieten. Darüber können auch eine für Smartphone-Verhältnisse sehr gute Kamera, die gelungene MediaScape-Software und eine gute Klangqualität über den Klinken-Ausgang nicht hinweg trösten.

Preise und Verfügbarkeit

Das Sony Ericsson Xperia X10 ist seit einigen Monaten in Schwarz oder Weiß ab rund 430 Euro bei verschiedenen Händlern erhältlich [8]. Außerdem kann es bei den meisten Mobilfunkanbietern zu verschiedenen Verträgen und zu subventionierten Konditionen gewählt werden.

URL-Liste:

  1. http://www.qualcomm.de/news/releases/2007/071114_Qualcomm_Snapdragon.html
  2. http://www.handy-faq.de/forum/sony_ericsson_xperia_x10_forum/135965-sony_ericsson_x10_htc_ime_htc_tastatur_installieren.html
  3. http://www.computerbase.de/news/consumer_electronics/kommunikation/2010/juni/google_quelltext_android_froyo/
  4. http://blogs.sonyericsson.com/products/2010/06/16/x8-announcement-and-xperia-updates/
  5. http://www.computerbase.de/artikel/handys/2010/test_motorola_milestone/8/#abschnitt_fahrradtour
  6. http://sportypal.com/Workouts/Details/337685
  7. http://www.computerbase.de/artikel/handys/2009/test_google_android_smartphone_g1/
  8. http://www.computerbase.de/preisvergleich/?cat=umtsover&asuch=Sony%20Ericsson%20Xperia%20X10&xf=152_4
Copyright © 1999–2012 ComputerBase GmbH