Vorwort
Smartphones sind längst nicht mehr nur noch Mittel zum Zweck, sondern häufig auch Statussymbol und Ausdruck von Lebensstil und Präferenzen. Galt ein teures Mobiltelefon lange Zeit nur als Gegenstand für technikaffine und irgendwie skurrile „Firstmover“, ist ein schickes Smartphone dieser Tage auch für Otto-Normal-Verbraucher zum Glaubensbekenntnis geworden.
Diese Entwicklung ermöglichte es den Herstellern in den vergangenen Jahren nicht nur die Produktionszahlen, sondern auch die Verkaufspreise in die Höhe zu treiben. Wo teils mehr bzw. potentere Technik drin steckt als in manchem heimischen Computer und wo Design und Markenname nicht zuletzt zum „Image“ des Käufers beitragen sollen, ist es längst gang und gäbe, Preise von deutlich jenseits der 300, 400 Euro zu verlangen.
Dabei kommt – zumindest aus einer rationale Perspektive – immer wieder die Frage auf, ob man wirklich einen solchen Preis bezahlen muss. Dass es in jedem Fall auch günstiger geht, zeigen Einsteigergeräte wie beispielsweise das HTC Desire C [1], das derzeit für Preise ab 150 Euro [2] angeboten wird. Gleiches gilt auch für das Huawei Ascend G300 [3], das nach einem Update [4] nun auch unter Android 4.0 läuft und dabei mit 200 Euro zu Buche [5] schlägt.
Doch wo nach oben kaum Grenzen gesetzt sind, ist theoretisch auch nach unten alles möglich. Bester Beweis hierfür ist das Huawei Ascend Y201 Pro, dass dieser Tage bei Lidl zum Preis von 99,99 Euro erhältlich ist – und dabei ebenfalls Android 4.0 bietet.
Super-günstig und gut – geht das? Diese Frage steht im Folgenden im Vordergrund.
Spezifikationen & Lieferumfang
| Huawei Ascend Y201 Pro | |
|---|---|
| Typ: | Bartype |
| OS: | Android 4.0.3 |
| Display: (Auflösung) |
3,5", IPS 320 x 480 Pixel (165 ppi) |
| Display-Art: | Touchscreen, kapazitiv |
| Bedienung: | Touch, Knopfreihe |
| CPU / Chip: | 800 MHz |
| Arbeitsspeicher: | 512 MByte |
| Speicher: | 4 GByte, per microSD-Karte erweiterbar (max. 32 GByte) |
| Verbindungen: | GPRS/EDGE/UMTS/HSPA/WLAN/Bluetooth |
| Standards / Besonderheiten: | HSDPA (7,2 Mbit/s im Download), WLAN 802.11 b/g/n, Bluetooth 2.1, DLNA |
| Kamera: | 3,2 Megapixel, Videoaufnahme in VGA-Qualität |
| Akku (mAh): | 1.400 |
| Abmessung: | 117 x 61,5 x 11,7 mm |
| Gewicht: | 140 Gramm |
| SAR-Wert: | Unbekannt |
| Lieferumfang: | USB-Kabel, Ladegerät, Dokumentationen |
Y201 Pro im Überblick
Design & Verarbeitung
Das „Y“ im Namen des Y201 Pro steht für „Youth“ und soll dem geneigten Kunden über den Verkaufspreis hinausgehend andeuten, dass man es hier mit einem Einsteigergerät zu tun hat. Diesen Umstand sollte man tatsächlich immer im Hinterkopf behalten, da ein 100-Euro-Smartphone natürlicherweise nicht direkt mit einem hochpreisigen Konkurrenten verglichen werden kann. Will heißen, dass man bei einem solchen Testkandidaten unter Umständen immer wieder Abstriche machen muss. Die Frage lautet unterm Strich also nicht, ob das Y201 Pro mit Problemen zu kämpfen hat, sondern ob diese sich als frappierend und nervig entpuppen. Letztlich steht also bei einem solchen Gerät noch stärker als bei anderen vor allem das Preis-/Leistungsverhältnis im Zentrum des Interesses.
Besonders deutlich wird dieses Spannungsfeld schon beim Blick auf das Design und die Verarbeitung, wobei man es hier mit einem Punkt zu tun hat, der beim Y201 Pro vor einem Preis-/Leistungshintergrund wiederum voll in Ordnung geht.
Nicht nur auf den ersten Blick wirkt das Y201 Pro wie der kleinere Bruder des G300. So wird auch bei diesem das – mit 3,5 Zoll allerdings merklich kleinere – LC-Display von einem Klavierlackrahmen eingerahmt, der oberhalb ein dezentes Herstellerlogo und unterhalb die gängige Knopfreihe im Softtouch-Format beherbergt. Auch die leicht abgerundeten Ecken und der insgesamt kompakte Eindruck erinnern stark an den größeren und etwas älteren Bruder.
Etwas anders sieht es auf der Rückseite aus. An dieser Stelle kommt im Vergleich zum G300 zwar eine qualitativ nicht merklich schwächere Schale zum Einsatz, die ebenfalls aus Kunststoff ist. Dafür fällt die Aufteilung etwas anders aus, sodass der für die Kameralinse reservierte obere Bereich der Rückseite von einem robusten Kunststoffstreifen verstärkt wird, was auch zur Folge hat, dass die Schale komplett nach unten weg abnehmbar ist. Dabei verfügt die Schale über eine angenehme Riffelung, die das Gerät gut in der Hand liegen lässt. Zudem verwenden die Produktdesigner vergleichsweise dickes Material, was das Vertrauen in den Testkandidaten bestärkt.
An dieser Stelle findet sich ein kleiner Kritikpunkt: Auch wenn die Schale in der Vertikalen fast zu hundert Prozent Plan aufliegt (die Kameralinse steht kaum merklich ab), kann es bei eifrigen Eingaben im liegenden Zustand zu einigen Kipplern kommen. Dies ist auf die leicht bauchige Form der Rückseite zurückzuführen, die dazu führt, dass das Gerät in der Horizontalen nicht absolut gleichmäßig aufliegt, was beispielsweise Vieltipper stören dürfte, sofern sie das Gerät häufiger liegend bedienen möchten.
Abnehmbar ist die Schale, weil löblicherweise der Akku wechselbar ist. So positiv dies für ambitioniertere Anwender ist, bringt eine solche Konzeption auch in diesem Fall einige Spalten mit sich. Bei genauerer Betrachtung springen diese auf der Rückseite vor allem beim Übergang von Schale auf Kunststoff-Verstrebung durchaus ins Auge; von echten Problemzonen kann aber noch längst keine Rede sein.
Stattdessen lässt sich festhalten, dass die Verarbeitung insgesamt überzeugt – wir haben schon deutlich teurere Geräte gesehen, an denen sich mehr herummäkeln ließ. Und so lässt sich der Eindruck für den Bereich „Design & Verarbeitung“ dann auch wie folgt zusammenfassen: Zu einem nüchternen aber soliden Design gesellt sich eine ebenfalls überwiegend solide Verarbeitung, sodass es an dieser Stelle auch ohne den Blick auf das Preisgefüge keinen Grund zur Kritik gibt.
Display
Huawei spendiert dem Y201 Pro gegen den aktuellen Trend ein mit 3,5 Zoll verhältnismäßig kleines Display. Dadurch wirkt das Gerät im Vergleich zu manchem fast schon tabletartigen, hochpreisigen Konkurrenten zwar ziemlich kompakt, doch macht die übersichtliche Display-Diagonale gerade bei Nutzern, die mehr gewöhnt sind, eine Umgewöhnungs- bzw. Eingewöhnungsphase notwendig. In dieser muss man sich mit Dingen wie dem engen Tastatur-Layout zurechtfinden, dass uns beispielsweise – trotz eher dünner Finger – dazu veranlasst hat, E-Mails und Co. überwiegend im Landscape-Format zu verfassen.
Ihr Übriges tut dabei die mäßige Auflösung von 320 x 480 Pixeln, die zwar auf 3,5 Zoll für eine noch akzeptable Pixeldichte von 165 ppi sorgen, dabei allerdings auch nicht sonderlich zur Übersicht beitragen, sodass man sich beispielsweise beim Surfen im Web häufiger als gewöhnlich beim Rein- und Rauszoomen ertappen wird. Zum Vergleich: Apples erstes iPhone, das iPhone 3G und das iPhone 3GS boten übrigens identische Auflösung bei identischer Diagonale und gleichem Seitenverhältnis.
Abseits dieser Einschränkungen lässt sich aber festhalten, dass das Y201 Pro über ein überraschend gutes Display verfügt. Zwar zaubert das IPS-Panel auf der genannten Basis keine grandiose Darstellung herbei, doch überzeugen Farbgebung und Blickwinkelstabilität, was in Kombination mit einer ausreichenden Helligkeit überrascht, da es häufig gerade das Display ist, bei dem die „Optimierungsmöglichkeiten“ in puncto Preis gerne maximal ausgereizt werden.
Display-Helligkeit
Angaben in Leuchtdichte (cd/m²)
|
Display-Kontrast
Angaben in Kontrast
|
Als optimalen Weißpunkt sehen wir D65 an, also eine Farbtemperatur von 6.500 Kelvin (K). Dies entspricht nach gängiger Definition einem mittlerem Tageslicht und ist der Weißpunkt der gängigen Farbräume sRGB und AdobeRGB. Eine Abweichung von einigen hundert bis etwa 1000 K ist bei Mobiltelefonen als noch akzeptabel anzusehen, einige Displays – bauartbedingt vor allem OLED-Modelle – liegen allerdings beim Weiß und noch mehr bei Grautönen oft im Bereich um 10.000 K, was bereits als deutlicher Blaustich wahrnehmbar ist. Sehr viele Displays von Smartphones und Notebooks treffen zwar den Weißpunkt von 6.500 K relativ genau, weichen aber bei Grautönen und anderen mittleren Farbtönen deutlich mit einem Blaustich ab. Vor allem bei gleichzeitigem Auftreten von Grau und Weiß ist diese ungleichmäßige Graubalance wahrnehmbar.
Gegenüber der LCD-Technik weisen OLED-Bildschirme einige Besonderheiten auf, die sich teilweise in unseren Messungen niederschlagen und erklärungsbedürftig sind. Zum einen ist das der bekanntermaßen hohe Kontrast, der bei OLED durch die selbstleuchtenden Pixel möglich ist – es gibt hier kein Backlight, welches durch das Panel mehr oder weniger stark abgedunkelt wird, sondern ein schwarz angesteuerter Pixel ist tatsächlich komplett schwarz und leuchtet nicht. Da das Kontrastverhältnis den Quotienten zwischen der Helligkeit von Weiß und Schwarz angibt, ergibt die Kontrastmessung bei OLED-Displays theoretisch eine Division durch Null und damit ein nicht definiertes Ergebnis – in der Praxis gibt es bei der Schwarzmessung immer eine gewisse Resthelligkeit durch Streulicht und ein Signalrauschen beim Messgerät, sodass Kontrastergebnisse im fünfstelligen Bereich entstehen. Da die Darstellung dieser Kontrastwerte im Balkendiagramm den irreführenden Eindruck erzeugen, der Kontrast wäre bei OLED sichtbar um viele Größenordnungen besser, haben wir uns entschieden als Kontrast maximal 5000:1 darzustellen und auf diese Erklärung zu verweisen. Im Alltag ist der Unterschied allenfalls in sehr dunklen Umgebungen deutlich wahrnehmbar, bei Tageslicht sind Faktoren wie die Reflexionen der Displayoberfläche wesentlich wichtiger.
Die zweite Besonderheit ist die beim derzeitigen Stand der Technik verhältnismäßig geringe Lebensdauer der blauen Leuchtelemente bei OLED-Displays. Dies veranlasst die Hersteller dazu, zur Steigerung der Lebensdauer bei einigen Displays die klassische RGB-Subpixelmatrix durch alternative Anordnungen abzulösen. Bekannt ist dabei beispielsweise Samsungs „PenTile“-Matrix, deren Hauptmerkmal die Vergrößerung der blauen und roten Subpixel ist – allerdings bei gleichzeitiger Halbierung ihrer Anzahl. Das bedeutet, dass bei gleicher Nennauflösung diese Displays eine geringere Anzahl von Subpixeln aufweisen als Displays mit der bewährten RGB-Matrix. Jeder Pixel verfügt weiterhin über seinen eigenen grünen Subpixel, teilt sich aber den jeweiligen roten und blauen Subpixel mit seinem Nachbarpixel. Das ganze führt bei gleicher Nennauflösung zu einer geringeren tatsächlichen Auflösung und an Kontrastkanten zu Farbsäumen, die vor allem die Lesbarkeit von Text deutlich verringern können.
Dass das Display nicht zum Schlechtesten seiner Art gehört, wird auch beim Blick auf die ermittelten Werte deutlich, für die auch jene vom Desire C und dem Ascend G300 separat markiert wurden, da sie weitere Android-ICS-Alternativen im eher günstigen Segment darstellen. Auch wenn erwartungsgemäß keine Spitzenplätze erreicht werden, platziert sich der Testkandidat doch solide im unteren Mittelfeld – und lässt dabei manchen hochpreisigen Konkurrenten hinter sich.
Performance & Oberfläche
Ein in 45 nm gefertigter, betagter SoC (Snapdragon S1, MSM7225A) mit einer 800 MHz Single-Core-CPU sowie zarte 512 Megabyte Arbeitsspeicher: Sucht man nach den Gründen für den günstigen Preis, ist die Kern-Hardware des Testkandidaten eine der ersten Anlaufstellen.
Allerdings muss eine auf dem Papier schwache Hardware einem Angebot nicht zwingend das Genick brechen. Dementsprechend existieren einige Beispiele, die zeigen, dass nach wie vor moderate Rechenkraft ausreicht, um ein modernes mobiles Betriebssystem anzutreiben. Dies gilt – und hier findet sich eine wichtige Erkenntnis – grundlegend auch für das neue Y201. So läuft selbst die Android-Version 4.0.3 auf dem Gerät überwiegend flüssig. Allerdings bedeutet „überwiegend flüssig“, dass sich insbesondere die schwachbrüstige CPU immer wieder bemerkbar macht. Zwar lässt sich weitgehend ruckelfrei durch die Menüs und Arbeitsplätze scrollen; startet man aber nacheinander und in höherer Geschwindigkeit unterschiedliche Apps, geht die Leistung doch sofort merklich in den Keller, sodass es immer wieder zuckelt und ruckelt und man dem Gerät die ein oder andere Verschnaufpause gönnen muss.
An dieser Stelle sollte man die Eingangs angeführten Gedanken aus dem Hinterkopf wieder hervorkramen: Ja, im Vergleich zur sehr flüssigen Konkurrenz hat das Y201 durchaus mit den Anforderungen von Android 4.0 zu kämpfen. Führt man sich jedoch abermals das Segment des Testkandidaten vor Augen, lässt sich sagen: Vor einem Preis-/Leistungshintergrund geht das Gebotene in Ordnung.
Smartbench 2011 (Produktiv)
Angaben in Punkten
|
Smartbench 2011 (Games)
Angaben in Punkten
|
Linpack for Android (Single)
Angaben in MFLOPS
|
Linpack for Android (Multi)
Angaben in MFLOPS
|
CF-Benchmark
Angaben in Punkten
|
GLBenchmark
Angaben in Bilder pro Sekunde (FPS)
|
Grundsätzlich sei dazu auch in diesem Fall zunächst vermerkt, dass wir dem Thema „Benchmarks“ im Bereich der Smartphones mit Skepsis gegenüberstehen und das nicht nur, weil die Aussagekraft von (synthetischen) Benchmarks selbst in einer homogenen Geräte-Gruppe mit gleichem Betriebssystem zumindest diskussionswürdig ist. Hinzu kommt, dass eine effektive Messung über die unterschiedlichen Plattformen methodisch schwierig ist – ein weiterer Faktor, der verstärkend zu der Feststellung beiträgt, dass die hier wie anderswo präsentierten Ergebnisse nur als Richtwert, nicht aber als ultimativ-objektive Darstellung der Realität angesehen werden müssen.
Die Auswahl der Benchmarks leitet sich wie gewohnt nicht nur von der Beliebtheit, sondern auch von den Schwerpunkten ab: Während Smartbench und CF-Bench auf die Gesamt- und GLBenchmark auf die GPU-Performance abzielen, ermittelt Linpack die pure Rechenpower und SunSpider und BrowserMark zielen auf die Performance des Browsers ab, sodass alle relevanten Aspekte abgedeckt werden. Gelistet werden fast ausschließlich Geräte, die einem Test unterzogen wurden.
Gemessen wurde gleich nach der ersten Geräte-Einrichtung, wobei aus jeweils drei Messungen je Benchmark der schnellste Wert in die Wertung einfließt. Nach der Installation der Benchmarks wurde das Gerät neugestartet und für einige Minuten im Idle belassen; zwischen den Durchläufen je Benchmark wurde das Gerät ebenfalls jeweils neugestartet.
Dass die Performance dennoch die Achillesferse des Testkandidaten darstellt, wird auch beim Blick auf die Benchmark-Werte deutlich. Hier belegt das Y201 Pro durchweg Plätze im unteren Bereich des umfangreichen Testfeldes, was unsere Erfahrungen aus der Praxis unterstreicht.
Softwareseitig kommt Huawei-typisch ein nahezu unberührtes Android ICS zum Einsatz. Zu den dezent gesetzten Änderungen gehören vor allem ein angepasster Sperrbildschirm und einige Anpassungen an der Icon-Optik und den Farben, die alles in allem trotz des in unseren Augen etwas zu bunten, knubbeligen Charakters tatsächlich einen nur minimalen Eingriff darstellen. Für Nutzer, die ab Werk eine Quasi-Stock-ROM haben möchten, findet sich hier ein kleiner Pluspunkt.
Multimedia
Es liegt auf der Hand, dass sich ein günstiges Preisgefüge auch auf die Multimedia-Eigenschaften eines Smartphones auswirken muss. Dies gilt allen voran für die Kamera, wobei das Y201 Pro hier nicht aus der Reihe tanzt. Wer seinen mobilen Begleiter als potentiellen Ersatz für die Digitalkamera ansieht, wird deswegen vom Testkandidaten enttäuscht sein, denn mit dessen 3,2-Megapixel-Kamera sind erwartungsgemäß nur Ergebnisse möglich, die Schnappschuss-Qualität haben. Doch auch hier muss wieder ganz deutlich darauf verwiesen werden, dass das Gebotene angesichts des Preises wirklich in Ordnung ist – „unterirdisch“ sieht jedenfalls anders aus.



Gleiches gilt auch für die Videos. Die Aufnahme von diesen macht aber letztlich doch deutlich weniger Freude, weil hier nur VGA-Qualität drin ist, sodass nur die direkte Wiedergabe über das Display des Y201 Pro akzeptabel ist. Wer seine Werke dagegen auf besser aufgelösten Geräten abspielt, wird mit Pixelbrei konfrontiert werden.
Insofern ist es dann auch nicht weiter tragisch, dass man das Gerät aufgrund von fehlenden Anschlüssen nicht direkt an einen Monitor oder einen Fernseher anschließen kann. Allerdings kann im Falle des Falls dank DLNA-Zertifizierung auf das kabellose Streamen zurückgegriffen werden, was sich zumindest für Fotos anbieten könnte.
Dass die Video-Wiedergabe wenig attraktiv ist, ist auch deswegen der Fall, weil hoher aufgelöstes Videomaterial das Y201 Pro kräftig ins Schwitzen bringt: 720p-Material ruckelt die ersten Minuten durchgängig, wobei auch die lokale Wiedergabe nicht nur wegen der schwachen nativen Auflösung, sondern auch wegen des im Vergleich mittlerweile eher kleinen Displays keine echte Freude bereitet.
Auch in puncto Sound muss man Abstriche machen. So liegen dem Y210 Pro zum einen keine Kopfhörer bei; zum anderen macht auch die Ausgabe über die integrierten Lautsprecher nur wenig Spaß.
Kommunikation
Auch bei der Kommunikationsausstattung macht sich das Segment, das das Y201 Pro bedienen soll, bemerkbar. Dementsprechend verfügt das Gerät zwar über WLAN-n, in puncto Bluetooth kommt dafür aber die ältere Version 2.1 samt A2DP zur drahtlosen Übertragung von Stereosignalen zum Einsatz. Komplettiert wird die Ausstattung von UMTS inklusive HSDPA, sodass auch mobil theoretisch mit bis zu 7,2 Mbit/s gearbeitet werden kann. Auch Tethering ist androidtypisch möglich.
Die Qualität der Telefonie fällt direkt am Ohr gut aus, wobei Gesprächspartner auf eine erhöhte, etwas blecherne Lautstärke der Stimme ihres Gegenübers hinwiesen.
Laufzeiten
Ein angestaubter SoC, ein mäßig helles Display und ein Akku mit 1.400 mAh: So richtig eindeutig ließ sich vorab nicht einschätzen, wie sich das Y201 Pro bei den Laufzeiten schlagen würde.
Nach gut zwei Wochen mit dem Gerät steht für uns fest: Eher schlecht als recht. Auch wenn das Gebotene auch in diesem Fall nicht für das Negativ-Prädikat „unterirdisch“ reicht, hätten wir uns doch etwas mehr erhofft. Zwar gehört es auch bei manchem Konkurrenten längst zum normalen Ton, dass ein Smartphone schon nach einem Arbeitstag nach der nächsten Steckdose lechzt – begeisternd ist ein solches Verhalten aber nach wie vor nicht.
Dabei gehen wir davon aus, dass die in dieser Hinsicht gerade noch so „durchschnittliche“ Performance des Testkandidaten vor allem von der Kombination von Hard- und Software herrührt: Eine veraltete Ausstattung buckelt ein top-aktuelles Betriebssystem – klar, dass erstere hier mächtig ins Schwitzen kommt und ihren Tribut fordert.
Video-Dauertest
Angaben in Stunden, Minuten
|
Auch bei den von uns ermittelten Akku-Laufzeiten gilt, dass diese nur als Richtwert angesehen werden sollten. Zudem darf nicht vergessen werden, dass sich die hier präsentierten Geräte teils deutlich unterscheiden. Ob bei der Größe und Helligkeit des Displays oder bei der Größe des Akkus: Es handelt sich um heterogenes Testfeld, sodass eine direkte Vergleichbarkeit nur selten möglich ist.
Zur Methode: Die Werte wurden bei maximaler Display-Helligkeit und aktiviertem WLAN ermittelt. Bluetooth und GPS waren deaktiviert. Sofern das Gerät über 3G verfügte (Smartphones, Tablets in der 3G-Version), war die entsprechende Verbindung aktiviert.
Insofern ist auch der 720p-Dauertest in diesem Fall mit besonderer Vorsicht zu genießen. YouTube-Videos mit Standard-Qualität wird man sicher deutlich länger abspielen können, als forderndes HQ-Material. Hier hat der Testkandidat einen komparativen Nachteil, der bei der Betrachtung der Werte unbedingt im Hinterkopf behalten werden muss, allerdings nichts daran ändert, dass die Laufzeiten auch in der täglichen Nutzung nicht berauschen.
Fazit
Nein, auch Huawei kann nicht zaubern: Ein Android-4.0-Smartphone für 99 Euro? Klar, dass ein solches Angebot mit Abstrichen verbunden ist. Die Frage lautete also nicht, ob sich Probleme identifizieren lassen würden, sondern wie gravierend diese zu Buche schlagen würden.
Vor diesem Hintergrund hat uns das Ascend Y201 Pro überzeugt, denn setzt man einen Strich unter die Rechnung, bleibt am Ende trotz mancher Kritikpunkte die Feststellung, dass das Angebot angesichts des Preises in hohem Maße überzeugt.
Zu einer guten Verarbeitung gesellt sich ein passables Display, wobei die angestaubte Hardware-Ausstattung immer wieder merklich mit dem Betriebssystem zu kämpfen hat. Die Multimedia- und Kommunikationsausstattung berauscht ebenfalls nicht, bewegt sich aber mit Blick auf den Preis locker auf dem Niveau, das man erwarten darf. Etwas enttäuscht hat uns letztlich deswegen nur die Laufzeit: Schade, dass hier nicht etwas mehr drin gewesen ist.
Dennoch beweist der Testkandidat, dass ein Smartphone wirklich nicht so viel kosten muss, wie ein alter, heruntergefahrener Gebrauchtwagen. Aus diesem Grund steht am Ende folgende Empfehlung: Wer mit einigen Abstrichen leben kann, erhält mit dem Huawei Ascend Y201 Pro ein Smartphone, das im Preis-/Leistungsverhältnis kaum zu übertreffen ist und dabei mit Komforteinschränkungen nahezu alle gängigen mobilen Tätigkeiten ermöglicht.
- sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis
- ordentliche Verarbeitung
- passables Display
- Akku wechselbar
- Speicher erweiterbar
- angestaubte Ausstattung...
- ...die mit Android 4.0 zu kämpfen hat
- schwache Kamera
- geringe Speicherkapazität
- mäßige Laufzeit
- Ab € 89,- im Preisvergleich
- € 99 UVP
Verfügbarkeit & Preise
Das Huawei Y 201 Pro ist seit dem 26. November zum Preis von 99,99 Euro bei Lidl erhältlich [6]. Neben dem Gerät liegt der Verpackung auch eine Lidl-SIM-Karte (Fonic / o2) mit 9,95 Euro Startguthaben bei (kein SIM-Lock, kein Vertrag). Abseits davon wird das Gerät auch von einigen anderen Händlern angeboten; auch hier liegt der Verkaufspreis bei rund 100 Euro (aktueller Preisvergleich [7]).





