Vor zwei, drei Jahren war die Welt noch einfach gestrickt. Corsair, Vorreiter auf dem Gebiet der taktfreudigen „Overclocking-Speicher“, drehte auf dem Markt einsame Runden und erste Versuche der Konkurrenz waren meist weniger von Erfolg gekrönt. Doch mit der Zeit wuchs die Erfahrung und so haben sich gerade in den letzten Monaten potente Mitbewerber gefunden, unter denen insbesondere OCZ in unseren vergangenen Reviews punkten konnte. Die Firma hat sich voll und ganz den Speichermodulen in allen erdenklichen Arten verschrieben. Zuletzt konnten wir auf der CeBIT ein interessantes Gespräch mit den Verantwortlichen führen. Dabei ging es in erster Linie um die aktuelle Produktpalette, Neuvorstellungen und ein wenig mehr darüber hinaus.
Der Blickfänger am OCZ-Stand waren mit Sicherheit die ersten DDR600-Module, welche aber so nicht auf den Markt kommen werden. Uns gegenüber erklärte man zudem, dass man im Labor die Module schon bis DDR650 getrieben hat, in diesem Bereich jedoch die restliche Hardware, in diesem Fall die Mainboards, nicht mehr mitspielt. So konzentriert man sich momentan auf die zuletzt veröffentlichten Produkte, die da heißen DDR550 und DDR400 Enhanced Bandwidth. Letztere werden wir uns in einem noch folgenden Test genauer anssehen, heute geht es erst einmal um die derzeit besten Module im OCZ-Sortiment, die DDR550-Speicherriegel.
Wie üblich präsentiert man die OCZ PC4400, die der Performance-Serie angehören, paarweise im sogenannten Dual-Channel-Kit. Geschmückt werden die zwei 512 MB großen Module dieses Mal von einem kupferfarbenen Heatspreader. Freigegeben ist das Paket für einen Front-Side Bus von 275 MHz bei Timings von 3-4-4-8. Als Spannung kommt bei derart hoher Geschwindigkeit nur 2,8 Volt zum Einsatz; OCZ gibt aber Garantie für 2,9 Volt, inklusive fünf Prozent Abweichung nach oben bzw. unten. Die sogenannte Extended Voltage Protection (EVP) ermöglicht so einen Betrieb von bis zu 3 Volt unter voller, lebenslanger Garantie. Auf unserem Testmainboard, einem Abit IC7, testen wir bei der genannten Frequenz mit den vorgegebenen 2,8 Volt.
Wie immer verlief der Einbau und das Booten des Rechners ohne Probleme. Ein Check der Programmierung des SPDs führt zu einer kleinen Ernüchterung. Es gibt keine genauen Informationen, so dass die Module als DDR400 erkannt werden. Auch die externe Prüfung mittels Madex Memory Finder kommt zu keinem Ergebnis. Eine fehlerhafte Programmierung ist ja schon öfter einmal dagewesen, also setzen wir die praktischen Tests fort.
Nach einigen Tests kommt man, wie mittlerweile bei den High-End-Modulen üblich, die nicht auf Timings sondern auf Megahertz ausgelegt sind, auf Spitzenwerte von 2-3-3-5 bei einem FSB von 200 MHz, sprich DDR400. Da wir in vergangenen Tests aber schon herausgestellt haben, dass die Timings gerade auf Pentium-4-Platinen keine sonderlich große Rolle spielen, haben sich die Hersteller immer mehr dazu verleiten lassen, hochgezüchtete Module mit relativ schlechten Timings zu präsentieren. Nach und nach bietet aber jeder Hersteller wieder Module mit besseren Timings an, die in der Regel dann aber „nur“ als DDR400 unterwegs sind. Bei Corsair beispielsweise umfasst dies die „LL Pro“-Serie, bei OCZ gibt es die Enhanced Latency Module. Doch genug des Geschwafels, Zahlen und Bilder sagen mehr als tausend Worte.
Wie beim Test vor einer guten Woche, verwenden wir unseren aufgewerteten Benchmarkparcour. Wie immer kommt das Abit IC7 auf Basis des i875 zum Einsatz. Als Grafikkarte wird eine FX 5900 verwendet, die aber in den Tests nicht wirklich von Nutzen ist, da auch die Spielebenchmarks im relativ, von der Grafikkarte unabhängigen Softwaremodus durchgeführt werden. Dementsprechen kommen bei den syntetischen Benchmarks wie 3DMark03 und PCMark04 nur die betreffenden CPU- bzw. Memory-Benchmarks zum Einsatz. Das Testsystem ist, wie nachfolgend aufgelistet, zusammengebaut.
SiSoft Sandra 2004 SP1 Speicherdurchsatz
Angaben in Megabyte pro Sekunde (MB/s)
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Als direkter Vergleichskandidat kommen die Kingston-Module mit der Spezifikation „DDR533“ zum Einsatz. Da beide Hersteller auf die gleichen Speicherchips der Marke Hynix setzen, gibt es in den Regionen bis hin zu DDR540 keine Unterschiede. Letztendlich schaffen die OCZ das, wozu sie hergestellt wurden: DDR550 und eine Speicherbandbreite von 6,5 GB/s.
AIDA32 Schreibgeschwindigkeit
Angaben in Megabyte pro Sekunde (MB/s)
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Das gleiche Bild präsentiert sich natürlich auch bei AIDA32. Minimale Abweichungen - mal führt der eine, mal der andere Hersteller. Anzumerken sei aber, dass die OCZ-Module von Beginn an nur mit 2,8 Volt richtig stabil ihren Dienst verrichten wollten, während sich die Kingston Module anfangs noch mit 2,65 Volt begnügten.
3DMark03 CPU-Test
Angaben in Punkten
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Auch hier ist es wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Unterschiede, falls man sie überhaupt so nennen kann, sind eher kleine Messungenauigkeiten als wirkliche Performanceunterschiede. Letztendlich auch kein Wunder: Gleiche Timings bei gleicher Frequenz während des gesamten Parcours lassen kaum Spielraum für Unterschiede.
PCMark04 - Memory Test
Angaben in Punkten
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Der erste neue Test in unserem Parcours ist PCMark04. Im Memory-Test werden 16 Einzeltests durchgeführt, die unterschiedliche Belastungen der Speichermodule simulieren. Die Kingston-Module haben letztes Mal ein gutes Ergebnis vorgelegt, welches durch die Ergebnisse der OCZ-Module bestätigt wird.
Quake 3 Arena 1.32 - Demo four
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
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Der Klassiker unter den Benchmarks. Quake 3 Arena und alle darauf basierenden Spiele teilen eine ganz besondere Eigenschaft: Kleinste Veränderungen an den Speichertimings und in der Taktfrequenz schlagen sich in der Performance des Spiels nieder. Zwar sind 20 Frames mehr oder weniger in einem Bereich von 300 bis 350 Frames pro Sekunde nicht sonderlich wichtig, aber es veranschaulicht doch gut die Leistungsfähigkeit eines jeweiligen Systems. Und so ist auch hier wieder ein Formationsflug der Module in allen Lagen zu beobachten.
Unreal Tournament 2004
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
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Als zweiten Spielebenchmark haben wir mit dem letzten Test die Demo von Unreal Tournament 2004 integriert. Die Kollegen von HardwareOC haben ein kleines Tool kreiert, welches, ähnlich wie Q3Bench, alle Einstellungsmöglichkeiten zum Testen eines Systemes in nur einem übersichtlichen Menü verwirklicht. So kann man eine Vielzahl der Tests ohne Unterstützung der Grafikkarte durchführen lassen, was wir uns im Falle von Speichertests natürlich auch wünschen, da der Grafikkarte sonst zu viel Gewicht zufallen würde. Auch hier sind wieder so gut wie keine Unterschiede zu beobachten, jedoch entspricht der Anstieg von 27 auf 36,4 Frames pro Sekunde einer Zuwachsrate von rund 35 Prozent.
Wie immer ist es eine erfreuliche Arbeit, solche Modulen zu testen. Die OCZ PC4400 Performance Serie im Dual-Channel-Kit machen mit, was man auch will; so macht es auch dem geschundenen Hardwaretester Spaß. Aber so sollte es schließlich auch sein. Erst bei DDR560 stößt man an die Grenze des Belastbaren, was aber eher auf das Mainboard und die integrierte Hardware zurückzuführen ist, als auf die Module selbst. Denn ein passendes Mainboard und die richtige CPU für diese Taktfrequenzen zu besitzen, ist nicht nur ein Glücksgriff, sondern auch eine Kostenfrage. Mit den besten Modulen von OCZ, die man zur Zeit käuflich erwerben kann, macht der Kunde also garantiert nichts falsch; man sollte jedoch die Randbedingungen und die „Kosten/Nutzen-Frage“ deutlich durchleuchtet haben. Nach wie vor sind die extravaganten Module ein teurer Spaß, denn knappe 400 Euro stehen beispielsweise bei OC-Wear [15], dem offiziellen Vertreiber der OCZ-Module, in der Preisliste. Dafür bieten die Module aber auch Leistung satt.
Hinweis:
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die von uns auf einem IC7 der Firma Abit erreichten Ergebnisse nicht ohne weiteres auf andere Platinen übertragen werden können. Darüber hinaus kann nicht garantiert werden, dass die im Handel erhältlichen Module ebenfalls die Leistung der Module bieten, die uns zum Test von den Herstellern zur Verfügung gestellt wurden. Das Übertakten von Komponenten kann außerdem zu Fehlern oder gar zur Beschädigung von Bauteilen führen.