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Test: Corsair XMS XPERT

von Volker Rißka

Einleitung

Zugegeben, eine gewisse Voreingenommenheit lag zu Beginn dieses Test doch vor. Angefangen hat es, als die riesige Verpackung, die in Arbeitsspeicher-Kreisen sicherlich seines Gleichen sucht, in unseren Räumlichkeiten eintraf und sich kurze Zeit später herausstellte, was sich darin verborgen hielt: Nüchtern betrachtet auch nur ein Gigabyte RAM. Doch diese Module hier sind anders. Nicht von hier. Nein, aus den USA. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist man auf die Idee gekommen, eine halbe Reklame-Laufschrift-Anzeige auf ein Speicherriegel zu pappen. Dass uns in Zukunft gar Pepsi-Werbung auf dem Arbeitsspeicher bevorsteht ist zwar nicht anzunehmen. Aber was nicht ist, das kann ja noch werden.

Corsair XMS xpert

Nachdem das erste Staunen vorbei und die wildesten Gedanken um mögliche Einsatzgebiete der Anzeigen verdrängt sind, betrachten wir das ganze doch wieder mit der gewohnten Professionalität. So liegt vor uns nun ein Paar Corsair-Speicher, welcher mit den Timings 2-2-2-5 zu dem besten gehört, was derzeit auf dem Markt zu finden ist.

Haben wir vor kurzem bereits einen Blick auf die Corsair-Riegel der XL Pro-Reihe [1] mit identischen Timings, die „nur“ über LEDs verfügen, welche die Auslastung anzeigen, geworfen, ist der Schritt zur XPERT-Serie doch ein deutlich größerer. Wir wollen nachfolgend klären, was man mit dem Display alles anstellen kann und was die nackten Speichermodule überhaupt leisten.

Corsair XPERT [2]

Lesezeichen

Da sich im Laufe der Zeit eine Menge Artikel zum Thema Arbeitsspeicher angesammelt haben, wollen wir diese noch einmal in Erinnerung rufen. Da es mitunter vorkommt, dass im heutigen Artikel auf bestehendes Wissen aus älteren Tests von Speichermodulen zurückgegriffen wird, ist es für alle, die etwas „mehr“ wissen möchten, keinesfalls verkehrt, auch einen Blick in unsere älteren Berichte zu werfen. Dabei haben wir unsere Auswahl auf neuere Artikel, die sich mit Arbeitsspeicher vom Typ DDR400 und darüber beschäftigen, begrenzt.

Corsair TwinXP1024-3200XL

Die Module

Schmuck verpackt in einem großen, blau-schwarzen Karton versteckt sich das besagte Gigabyte RAM. Die Verpackung macht augenscheinlich auf jeden Fall eine Menge her und neugierig darauf, was denn neben zwei Speichermodulen noch im Lieferumfang enthalten ist. Der Blick führt unweigerlich auf die zwei steckbaren, alphanumerischen Displays. Diese schwarz eingerahmten, zehn Zeichen starken Display sind die neueste Entwicklung aus dem Hause Corsair, welche neben der angelegten Spannung auch Temperatur und Frequenz der Speichermodule direkt auslesen kann. Neben dem Display findet man aber auch die bekannten Activity-LEDs wieder, dessen Anzahl von 18 auf 24 gestiegen ist. Zusammen ergibt dies das aufsteckbare Zusatzstück.

Corsair XPERT Vorne Corsair XPERT Hinten

Natürlich hat das ganze Paket Auswirkungen auf die Abmaße der Module. Insgesamt ist das Speichermodul der XPERT-Serie mit aufgesetztem Display nun knappe 5,4 cm hoch. Damit wird ein normaler Speicherriegel um rund 2 cm überboten. Der Gedanke, dass vor allem das aufgesteckte Display, das mit einer Breite von zwei Zentimetern fernab jeglicher Standards liegt, für Probleme sorgen könnte, liegt hier quasi auf der Hand. Normale Module inklusive Heatspreader kommen auf rund 0,7 cm. Doch für diese Problematik hat man sich bei Corsair eine pfiffige Lösung einfallen lassen. Das ansteckbare Display kann auf zwei Arten auf dem Modul befestigt werden. Dafür wurde das steckbare Oberteil an beiden Längs-Seiten mit den gleichen Kontaktflächen ausgestattet, welche es erlauben, das Display sowohl rechts- als auch linksseitig zu positionieren. So ist der Einsatz sowohl bei engen Verhältnissen um die RAM-Slots, falls beispielsweise der CPU-Lüfter im Weg sein sollte, oder beim Einsatz weitere Speicherriegel gewährleistet. Damit sind die vermeintlichen Kompatibilitätsprobleme vorerst aus der Welt geschafft.

Steckmöglichkeiten Steckmöglichkeiten Steckmöglichkeiten

Unter der Haube verbergen sich bei der XPERT-Serie die gleichen Speicherchips, die bei der XL Pro-Familie verbaut werden. Diese gewährleisten Timings von 2-2-2-5 bei hohen 2,8 Volt. Den leistungstechnischen Daten in der Praxis werden wir uns später widmen, erst einmal werfen wir einen Blick auf die Programmierung der LEDs und die mitgelieferte Software.

Im Einsatz

Um den reibungslosen Ablauf zu garantieren und die Anzeige des Displays auf den Modulen ändern zu können, liegt die „Memory Dashboard“-Software im Lieferumfang bei. Unter Windows lassen sich damit beispielsweise die Anzeigen ändern, ein eigener Text verfassen und die Laufschrift zur festen Anzeige degradieren. Dank sechssprachigem Quick Installation Guide dürfte dies niemanden vor allzu große Probleme stellen.

Im Hauptmenü der Software werden die installierten Module in den vorhandenen DIMM-Slots auf dem Mainboard angezeigt. Im dargestellten Fall sind die Module , wie es für den Dual-Channel-Betrieb üblich ist, im Slot 1 und 3 platziert. Wählt man einen bestimmten Slot aus, werden ausführliche Informationen rund um das Speichermodul präsentiert. Dank den XPERT-Modulen werden neben der SPD-Programmierung, die in jedem (guten) Modul zu finden ist, nun auch die Spannung, die Frequenz und die Chip-Temperatur angegeben - inklusive History-Funktion für die Zeit, in der der PC mit dieser Software arbeitet. Wer dem Braten, den die Corsair-Software einem hier auftischt, nicht traut, der kann sich von der Korrektheit der Daten darüber hinaus mit Hilfe des Systemanalyse-Tools Everest überzeugen, welches Corsair gleich im Lieferumfang auf CD bereithält.

Dashboard Software Dashboard Software

Hinter den Optionen der Memory Dashboard-Software verbergen sich die Einstellungen, die bestimmen, welche Informationen die LEDs der XPERT-Serie zum Leuchten bringen. Im Hauptmenü werden allgemeine Optionen festgelegt. So kann die Speichergeschwindigkeit (in unserem Fall) entweder mit PC3200, DDR400 oder in MHz angegeben werden. Ans Eingemachte geht es dann, wenn man den Bereich der Speicherriegel betritt. Hier stehen nun zwölf Zeilen pro Modul zur Verfügung, die bestückt werden können und dann nacheinander in einstellbarem Tempo abgespielt werden. Dafür stehen zehn Kategorien zur Verfügung, welche aus neun vorgefertigten und einer „Custom Message“ bestehen. Mit dieser kann wirklich alles auf das LED eines Moduls gesetzt werden - nur die Begrenzung auf 23 Ziffern beschränkt den Käufer in seiner Kreativität.

Dashboard Software Dashboard Software Dashboard Software Dashboard Software

Es werde Licht

Nachdem die Einstell-Orgie hinter sich gebracht wurde, sollte nun etwas zu sehen sein, was den eigenen Geschmack am besten trifft. Hervorzuheben braucht man an der Stelle wohl kaum, dass man ohne ein Windows-Kit nur ins Staunen geraten kann, wenn das Gehäuse offen und dazu noch auf dem Tisch steht. Da ein Gehäuse mit Plexiglas-Scheibe derzeit aber so gut wie von jeder Firma angeboten wird und auf einer LAN-Party ja schon fast zum guten Ton gehört, dürfte in der Hinsicht alles geklärt sein. In einem dunklen Gehäuse, welches nicht zu stark von einem halben Dutzend Kaltlichtkathoden ausgeleuchtet wird, kommen die Module dann gut zur Geltung. Die blaue leuchtenden Corsair-Logos, die jedes LED einschließen, ziehen den Blick sofort auf die Module. Die Anzeige der Auslastung des Speicher über die 24 kleinen LEDS am rechten Rand ist ein wenig fragwürdig, leuchtete sie doch im Test stetig von grün bis hinauf ins rote. Angezeigt wird die Aktivität der Module auch in der Dashboard-Software, welche sich dort stetig zwischen 4 und 12 bewegte. Um dem ganzen Paket die Krone aufzusetzen, lässt sich die Laufschrift auf dem LED auch komplett umdrehen, so dass auch dort kein Kritikpunkt gefunden werden kann.

Benchmarks

Neben den farblichen Darstellungsmöglichkeiten sollen die Module natürlich auch ihre alltägliche Arbeit verrichten. Dank TCCD-Speicherchips, die wir im großen DDR400-Round-Up [2] schon bei vielen Herstellern gesehen haben, sind Timings von 2-2-2-5 bei DDR400 kein Problem. Auch in Sachen Overclocking liegt man bei bei den neuen Corsair-Modulen der XPERT-Reihe auf ungefähr dem Niveau, das die XL Pro-Serie [15] vorgemacht hat. Bei DDR500 war das System allerdings selbst bei 2,8 Volt und Timings von 3-4-4-8 nicht mehr zu 100 Prozent stabil. Bis DDR490, sprich 245 MHz Speichertakt, sind hingegen alle Anwendungen und Benchmarks fehlerfrei durchgelaufen.

Dashboard Software CpuZ SPD CpuZ Memory

Zum Einsatz kam noch einmal das altbekannte Testsystem [16] bestehend aus einem 2,4 GHz schnellen Intel Pentium 4 auf einem Abit IC7, welches auch bei den letzten DDR-Speichertests Verwendung fand. Allerdings haben wir uns dies Mal auf zwei theoretische Werte beschränkt, liegen die Speichermodule doch zu sehr im Rahmen der Konkurrenz.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Module immer ein wenig schlechter abschneiden als die Corsair XL Pro-Serie [17]. Die Abstände sind jedoch minimaler Natur (unter einem Prozent), wohl eher den Fertigungstoleranzen zuzuschreiben und somit quasi vernachlässigbar.

Corsair XPERT
Taktrate
Timings /
Spannung
Sandra 2004
AIDA32
3DMark03
PCMark04
Quake 3
UT 2004
400 MHz DDR
2-2-2-5
2,7 Volt
4852 MB/s
1762 MB/s
329
4307
319,3 FPS
27,35 FPS
433 MHz DDR
2-3-2-5
2,75 Volt
5210 MB/s
1892 MB/s
340
4586
331,4 FPS
29,22 FPS
466 MHz DDR
2,5-3-3-5
2,8 Volt
5559 MB/s
2009 MB/s
353
4992
340,4 FPS
31,41 FPS
500 MHz DDR
3-4-4-8
2,8 Volt
5976 MB/s
2163 MB/s
N/A
5282
N/A
N/A

Bei der Standard-Taktung von 200 MHz liegen die Corsair XPERT mit anderen DDR400-Modulen in etwa gleich auf. Schwächen zeigen sich bei der recht hohen Versorgungsspanunnung von 2,7 Volt und bei der Übertaktbarkeit. Alle anderen, bisher getesteten Module dieser Klasse verlangen bei einem Takt von 200 MHz nur 2,6 Volt.

Beim Übertakten können die XPERT-Module nicht mithalten. Trotz erhöhter Spannung und stark entschärfter Timings ist ein stabiler Betrieb nur bis etwa 245 MHz (DDR490) möglich. Die XMS 3200 XL Pro-Module [18] schaffen locker bis zu 250 MHz Takt (DDR500) und das mit Timings von 2,5-3-3-7.

Fazit

Mit den XMS XPERT TwinXP1024-3200XL-Modulen hat Corsair echte Strahlemänner in sein Programm aufgenommen. Der Speicher selber besteht aus handelsüblichen Modulen, denen quasi nur die LEDs aufgesteckt werden. Selbstverständlich sind diese (mehr oder weniger) informativen Aufsätze nur zu sehen, wenn der PC auch so aufgestellt ist, dass man gut in das Gehäuse blicken kann.

Corsair XMS xpert

Leistungsmässig liegen die XPERT-Module fast gleichauf mit ihren Geschwistern, bieten allerdings eine etwas schlechtere Übertaktbarkeit. Corsair hat als Klientel eindeutig Hardware-Hersteller und Enthusiasten im Blick, die ihre PCs und deren Innenleben auf Messen und anderen Veranstaltungen präsentieren und mit den XPERT-Modulen einen weiteren Blickfang verpassen wollen.

Der Mehrpreis [19] von rund 80 Euro gegenüber den Standard-Modulen [20] ohne jede Anzeige erscheint allerdings deutlich zu hoch.

Wer das Letzte an Geschwindigkeit aus seinem Rechner holen möchte, der wird bestimmt zu anderen Riegeln greifen, die 250 MHz und mehr an Takt vertragen. PC-Individualisten und Enthusiasten haben in den Corsair XPERT-Modulen sicherlich ein weiteres Stück Hardware gefunden, um ihren PC aufzuwerten. Weitere XPERT-Module sind unter der Bezeichnung TWINXP1024-3200C2 mit den Timings 2-3-3-6 für ca. 185 Euro erhältlich.

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher/2004/das_ddr400-round-up/3/#abschnitt_corsair_twinx1024_3200_xl_pro
  2. http://www.corsairmemory.com
  3. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher/2004/das_ddr400-round-up/
  4. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher_chips/ddr500roundup/
  5. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher_chips/ocz_ddr550/
  6. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher_chips/kingston_hyperx_pc4300/
  7. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher_chips/ddr500_corsair_ocz/
  8. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher_chips/fuer_overclocker_zwei_ddr466_module_vergleich/
  9. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher_chips/crucial_ddr400_doppelpack/
  10. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher_chips/twinmos_dreierpack/
  11. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher_chips/14_ddr400_speichermodule_vergleich/
  12. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher_chips/sechs_ddr400_module_dual_channel_vergleich/
  13. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher_chips/arbeitsspeicher_athlon_64_fx_opteron/
  14. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher_chips/512mb_1gb_2gb/
  15. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher/2004/das_ddr400-round-up/3/#abschnitt_corsair_twinx1024_3200_xl_pro
  16. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher/2004/das_ddr400-round-up/2/#abschnitt_testsystem
  17. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher/2004/das_ddr400-round-up/3/#abschnitt_corsair_twinx1024_3200_xl_pro
  18. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/arbeitsspeicher/2004/das_ddr400-round-up/3/#abschnitt_corsair_twinx1024_3200_xl_pro
  19. http://www.geizhals.at/deutschland/a137290.html
  20. http://www.geizhals.at/deutschland/a104419.html
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