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Test: Aspire X-Navigator

von Arne Müller

Einleitung

Viele beleuchtete Elemente und ein Seitenfenster aus Acrylglas – dies sind die Kennzeichen, an denen man ein sogenanntes Modding-Gehäuse erkennt. Während solche „Kaufmods“ unter Case-Moddern vor Jahren noch verpönt waren und nur Selbstgebautes zählte, haben sie sich schon seit Längerem auf breiter Front durchgesetzt. Deshalb haben wir uns mit dem X-Navigator der US-amerikanischen Firma Aspire [1] nach einiger Zeit wieder einen bunteren Vertreter der Gattung PC-Gehäuse zur Brust genommen.

Aspire X-Navigator

Lieferumfang

Das Aspire X-Navigator erreichte uns in einem Karton mit praktischem Griff, der Produktfotos und Informationen über das enthaltene Netzteil bietet. Geschützt wurde das Gehäuse mit den üblichen Schaumstoffformteilen, darüber hinaus waren alle Frontblenden, das Sichtfenster des Netzteils und beide Seiten des Plexiglasfensters in der Seitenwand sehr vorbildlich durch Folien vor Kratzern geschützt.

„Alle Frontblenden“? Eines der wichtigsten Features des X-Navigator sind die austauschbaren Frontblenden. Das Gehäuse selbst gibt es in den Grundfarben Schwarz und Silber, entscheidet man sich für Schwarz, kann man in Sachen Frontblende zwischen Schwarz, Silber, Blau, Grün, Gelb oder Rot wählen. Das silberne Gehäuse wird immer mit einer silbernen Frontblende beworben, allerdings legt Aspire jedem Gehäuse noch zwei weitere Blenden hinzu, wobei es sich immer um schwarze, silberne oder blaue Blenden handelt. Unser Testgehäuse ist mit schwarzen, blauen und silbernen Austauschfronten ausgestattet.

Ein weiteres Extra ist das mitgelieferte Netzteil, das mit 500 Watt spezifiziert ist und über ein Sichtfenster, zwei blau beleuchtete 80 mm-Lüfter, eine Lüftersteuerung und grüne, UV-reaktive Stecker verfügt. Für den Test haben wir allerdings das altgediente be quiet! 400 Watt-Netzteil benutzt.

Die technischen Daten des Aspire X-Navigator:

Die Lüfter sind allesamt UV-reaktiv und blau beleuchtet. Der 120 mm-Lüfter befindet sich im Plexiglasfenster der Seitenwand, zwei 80 mm-Lüfter sind an der Rückseite verbaut und je ein weiterer im Dach und hinter der Front. Zusätzlich befindet sich im mittleren der drei Festplattenkäfige eine Halterung für einen weiteren, nicht mitgelieferten 80 mm-Lüfter.

Ausstattung außen

Die komplett aus Kunststoff bestehende Front besteht aus einem oberen Teil mit den externen Laufwerksschächten und den beiden Tastern, die hinter einer Klappe verborgen sind, und dem unteren Teil mit den Power-/HDD-LEDs, den Lüftungsschlitzen und der verchromten Einheit aus Display, Lüfterregler und Portkit. Auf dem Display werden ständig die Messwerte der beiden Temperaturfühler angezeigt. Die Frontblenden sind sehr einfach auswechselbar, die untere Hälfte muss dabei nur mit einem Clip befestigt werden, während die obere zusätzlich mit zwei kleinen Schrauben befestigt wird. Weiterhin sind die transparenten Ecken der Front mit blauen Leuchtdioden illuminiert. Ein wenig Sicherheit soll ein kleines Schloss für die Frontklappe bieten.

Front mit blauer Blende Front mit silberner Blende Front mit schwarzer Blende
Frontklappe geöffnet Rückseite

Gehäusedeckel und -boden haben außer einer vergitterten Lüfteröffnung bzw. den drehbaren Kunststoffstandfüßen keine Auffälligkeiten zu bieten. Die Rückseite ist mit ihren beiden 80 mm-Lüftern ebenfalls nichts Besonderes, nur das Netzteil kann man mit der symmetrischen Blende auch kopfüber montieren, wenn das sinnvoll erscheint.

oberes Lüftergitter seitliches Lüftergitter

Die linke Seitenwand ist mit einem großflächigen Acrylglasfenster versehen, das links unten einen mit einem Lüftergitter versehenen 120 mm-Lüfter aufweist. Die rechte Wand ist mit zwei normalen Schrauben befestigt und braucht für die Montage der Hardware auch nicht abgenommen werden, während die linke neben der Kunststoffverriegelung mit zwei Rändelschrauben befestigt wird. Beide werden nicht nach hinten abgezogen, sondern wie Türen hinten aufgeklappt.

Ausstattung innen

Festplattenkäfig Auch im Inneren des Gehäuses offenbart sich nichts, was wir nicht schon bei anderen Gehäusen gesehen hätten. Ganz klassisch müssen Steckkarten verschraubt werden, ebenso die Festplatten in ihren Käfigen. Davon sind drei Stück vorhanden, in die jeweils zwei Geräte passen. Der unterste wird vom Frontlüfter belüftet, der mittlere besitzt eine Halterung für einen optionalen 80 mm-Lüfter, sodass diese beiden Käfige prädestiniert für die Aufnahme von bis zu vier Festplatten sind. Der obere Käfig bedient die beiden Frontöffnungen für zwei 3,5"-Laufwerke, sodass hier beispielsweise ein Diskettenlaufwerk und ein Kartenleser montiert werden können – eine Möglichkeit, die in vielen Gehäusen mit nur einem entsprechenden Schacht außen vor bleibt.

Innenraum hinten Innenraum vorn Innenraum

Die optischen Laufwerke in den 5 1/4"-Schächten werden mit Schienen befestigt, die wiederum an die Laufwerke geschraubt werden müssen. Dabei nutzen sie sowohl die unteren, als auch die oberen Gewinde der Laufwerke, sodass auch Lüftersteuerungen montiert werden können, die nicht weit ins Gehäuse hineinragen, wie etwa das von uns verwendete Zalman-Modell.

Modding

Schon von Haus aus bunt beleuchtet und auffällig gestaltet, lädt dieses Gehäuse dazu ein, es noch mehr den eigenen Wünschen anzupassen. Ob es diverse zusätzliche Beleuchtungseffekte sind, die durch das Fenster gut zur Geltung kommen würden, oder eine Wasserkühlung – das Aspire X-Navigator bietet viele Möglichkeiten. Wenn man etwas handwerkliches Geschick besitzt und für den Radiator auf einen oder zwei 5 1/4"-Schächte und für die Pumpe auf einen Festplattenkäfig verzichten kann, stellt der Einbau einer Wasserkühlung mit einem 240 mm-Wärmetauscher überhaupt kein Problem dar.

Erfahrungen

Der Einbau unseres Testsystems ging sehr einfach von der Hand, auf größere Probleme sind wir hier nicht gestoßen. Im Vergleich zu anderen Gehäusen musste viel geschraubt werden, aber wer nicht tagtäglich sein Hardwaresetup ändert, wird das kaum stören. Der Einbau von Laufwerken gestaltet sich sehr einfach, die entsprechenden Konstruktionen sind sehr sicher und stabil – nur die Festplattenkäfige sind beim Herausziehen aus ihren Führungen etwas widerspenstig; dem kann man aber mit einem Tropfen Öl abhelfen.

Display und Portkit Beleuchtungseffekte

Die Verkabelung der Leuchtdioden, Lüfter, des Displays und Lüfterreglers gestaltet sich über normale Vier-Pin-Anschlüsse recht einfach, da fast alle Anschlüsse durchgeschleift sind, gehen auch kaum Netzteilanschlüsse verloren. Alle fünf Lüfter konnten zugleich an die Lüftersteuerung angeschlossen werden, sodass im Auslieferungszustand auf eine zusätzliche Lüftersteuerung verzichtet werden kann. Die beiden Temperaturfühler, die im Display mit „CPU“ und „HDD“ beschriftet sind, sind lang genug, um jeden relevanten Punkt im Gehäuse erreichen zu können. An dieser Stelle möchten wir darauf hinweisen, dass das Befestigen eines Temperaturfühlers direkt zwischen einem Chip (beispielsweise der CPU) und dessen Kühlkörper zu einem starken Temperaturanstieg und somit auch zur Zerstörung des Chips führen kann.

Auf die etwas ungünstige Anordnung der Lüfter im Fabrikzustand und das damit einhergehende Lautstärkeverhalten gehen wir auf der nächsten Seite noch genauer ein.

Testsystem

Als Referenzen wurden der Silverstone Temjin TJ06 [2]-Tower und das zuletzt getestete Antec P180 verwendet. Das Innenleben des Testsystems bestand aus folgenden Komponenten:

Die Zalman-Lüftersteuerung, die zur Herunterregelung der Gehäuselüfter verwendet wurde, stellt 5-11 Volt zur Verfügung. Um die Möglichkeiten des Gehäuses auszureizen, wurde in die Halterung des mittleren Festplattenkäfigs ein Noiseblocker S2-Lüfter eingesetzt.

Die Temperaturen wurden gemessen, während das System den 3DMark03 als Dauerschleife ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden mit einem „Voltcraft Digitales Schallpegelmessgerät 320“ durchgeführt, das Schallpegel im Bereich von 30 bis 120 Dezibel misst. Die Grundlautstärke des Messraumes lag bei subjektiv empfundener Stille unterhalb des Messbereiches, also bei weniger als 30 Dezibel.

Messungen

Kommen wir nun zu den Messergebnissen:

Lautstärke

 Temjin SST-TJ06 normal:
Vorne
48
Hinten
53
Oben
47
Links
48
Rechts
50
 Antec P180 normal:
Vorne
45
Hinten
51
Oben
50
Links
49
Rechts
50
 Aspire X-Navigator normal:
Vorne
51
Hinten
52
Oben
49
Links
58
Rechts
49
 Temjin SST-TJ06 silent:
Vorne
35
Hinten
38
Oben
35
Links
34
Rechts
35
 Antec P180 silent:
Vorne
35
Hinten
39
Oben
36
Links
36
Rechts
36
 Aspire X-Navigator silent:
Vorne
41
Hinten
42
Oben
40
Links
46
Rechts
39
Angaben in Dezibel

Die Messwerte sprechen für sich: Das X-Navigator kann in Sachen Betriebsgeräusch nicht mit den Referenzgehäusen, vor allem nicht mit dem sehr guten Antec P180 mithalten. Der Krachmacher ist eindeutig der 120 mm-Lüfter in der Seitenwand – leider muss man sich hier entscheiden ob man den Lüfter wie in der Werkseinstellung hinausblasend montiert, was zu geringer Lautstärke, aber ineffizienter Lüftung führt, oder ob man ihn, wie hier geschehen, umdreht, um der Grafikkarte etwas Luft zuzufächeln, was aber wesentlich lauter geschieht. Schaltet man den Lüfter ab, ist augenblicklich Ruhe. Verursacht wird der Lärm durch die nur etwa zwei Millimeter vom Lüftergitter im Plexiglas entfernt rotierenden Lüfterblätter. Würde Aspire diese ohnehin nicht sehr sinnvollen Streben in der Fensterscheibe weglassen, wäre dieses Gehäuse lautstärketechnisch durchaus konkurrenzfähig.

Systemtemperaturen

 Temjin SST-TJ06 normal:
CPU
55
Mainboard
30
Festplatte 1
41
Festplatte 2
41
GPU
81
GPU-Umgebung
51
 Antec P180 normal:
CPU
48
Mainboard
28
Festplatte 1
30
Festplatte 2
30
GPU
58
GPU-Umgebung
46
 Aspire X-Navigator normal:
CPU
56
Mainboard
32
Festplatte 1
30
Festplatte 2
29
GPU
58
GPU-Umgebung
45
 Temjin SST-TJ06 silent:
CPU
58
Mainboard
42
Festplatte 1
46
Festplatte 2
46
GPU
87
GPU-Umgebung
56
 Antec P180 silent:
CPU
51
Mainboard
33
Festplatte 1
32
Festplatte 2
32
GPU
61
GPU-Umgebung
50
 Aspire X-Navigator silent:
CPU
59
Mainboard
37
Festplatte 1
32
Festplatte 2
30
GPU
60
GPU-Umgebung
48
Angaben in °C

Bei den Temperaturmessungen sieht wesentlich es besser aus: Hier liegt der Proband aus dem Hause Aspire meist näher am kühlen Antec-Gehäuse als am hitzigen Silverstone TJ-06, auch wenn es nicht ganz an die Klasse des P180 herankommt. Mit den erwähnten nötigen Anpassungen funktioniert die Belüftung recht gut.

Fazit

Das Aspire X-Navigator hinterließ einen etwas durchwachsenen Eindruck. Der Aufbau ist nichts besonderes, dementsprechend liegen auch die Temperaturmesswerte im Mittelfeld. Mit dem 120 mm-Lüfter und insbesondere dessen zweiten Lüftergitter aus Acrylglas hat Aspire dieses Gehäuse leider sehr laut werden lassen – silent-PC-tauglich wird es nur, wenn man selbst Hand anlegt und das Seitenfenster entsprechend bearbeitet. Weiterhin mussten die rückwärtigen und seitlichen Lüfter erst gedreht werden, um eine effiziente Lüftung zu ermöglichen.

Aspire X-Navigator

Gut gefallen hat uns jedoch unter Anderem die gute Verarbeitung des Gehäuses und das Prinzip der auswechselbaren Frontblenden, das ein wenig Abwechslung verspricht. Wer also das Design mag und bereit ist, das Gehäuse ein wenig zu bearbeiten, der bekommt ein leichtes aber stabiles Gehäuse, das auf jeder LAN-Party ein Hingucker ist, aber auch zuhause eine gute Figur macht.

URL-Liste:

  1. http://www.aspireusa.net/default.php
  2. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2004/test_silverstone_sst-tj06/
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