ComputerBase

Test: Cool-Scraper, Vanessa-L & Big Typhoon

von Martin Eckardt

Einleitung

Seit ComputerBase im Januar das letzte 120-mm-Kühltrio durch den Testparcours jagte, hat sich einiges am Markt getan. Unseren Erwartungen und Aussichten des Berichtes, in dem sich der Thermalright XP-120 gegen die Zwillings-Konkurrenz von Zalman und NorthQ durchsetzen konnte und sich seither - selbst vom Hersteller unerwartet - riesengroßer Beliebtheit erfreut, folgend, erblickten mittlerweile einige 120-mm-Pendants im Tower-Format das Licht der Welt; angetreten, um den XP-120 zu entthronen, nicht um zu verlieren.

Cool-Scraper, Vanessa-L und Big Typhoon

Den Anfang macht dabei der Thermaltake Big Typhoon. Schon häufig gelang es der taiwanesischen Zubehörschmiede, sich mit fragwürdigen Produktkreationen ins Rampenlicht zu rücken. Und auch diesmal mutet die asiatische Entwicklung alles andere als konventionell an. Der Kühlkörper schwebt, gehalten von einem Heatpipe-Sixpack, in luftiger Höhe über der Wärmeaufnahme. Mit diesem Stelzendesign wirkt man geschickt Inkompatibilitäten entgegen, macht sich Vorteile der Tower-Bauweise zunutze, versäumt es aber dennoch nicht, periphere Zusatzventilierung elektronischer Bauteile zu offerieren. Die serienmäßige Bestückung mit einem hochwertigen Silent-Lüfter, der diesen Titel auch verdient, scheint das vollkommene Thermaltake-Glück perfekt zu machen.

Auch Titan will der langen Zeit der Abstinenz von Spitzenplatzierungen im Retail-Markt ein Ende bereiten und vertraut auf mystischen Beistand. Mit der Vanessa L-Type holt sich der Hersteller einen aufreizenden Sympathieträger ins Boot, der zumindest zwei gute Argumente für die männliche Käuferschaft bereit hält. Aller Freizügigkeit zum Trotz will man mit dem Tower-Kühler natürlich professionell auftreten und die Konkurrenz eher durch satte Performance als durch faulen Elfenzauber ausstechen.

Zu guter letzt erhofft sich auch der deutsche Low-Noise-Spezialist Noiseblocker ein gutes Stück vom Erfolgskuchen abbekommen zu dürfen und sattelt den Coolink Fledermauskühlkörper BAT1 mit dem leisesten 120-mm-Lüfter des Hauses. Der daraus kreierte Cool-Scraper SX1 basiert ebenfalls auf einem extrem leistungsfähigen Conductor-Towerdesign und gilt seit langem als echter Geheimtipp in Sachen Luftkühlhochgenuss. Wie er sich allerdings gegen die aufstrebende Konkurrenz von Thermaltake und Titan behaupten kann, werden wir im Folgenden diskutieren.

Thermaltake Big Typhoon

Lieferumfang

Die gewohnt ungeliebte Blisterverpackung sichert folgenden Inhalt:

TT Big Typhoon Lieferumfang

Steckbrief

Kühler im Detail

Der Big Typhoon ist eine Mischung aus Tower- und konventioneller Bauart und gehört somit wohl zu den interessantesten Konzepten am Markt. Charakteristisch ist dabei die räumliche Trennung von Wärmeaufnahme über die Kupferbodenplatte und Wärmeabgabe über die "schwebenden" Aluminiumkühlkörper mit extrem eng zusammenstehenden Lamellen. Als Bindeglied dieser beiden Einheiten dienen sechs Heatpipes nach bekanntem Funktionsprinzip, sodass sich insgesamt eine Art Stelzen-Design ergibt.

TT Big Typhoon TT Big Typhoon TT Big Typhoon

Lobenswert zu erwähnen - das ist nicht selbstverständlich für die Mannen aus Taiwan - ist dieses Mal die Qualität des Gebotenen. Keine verbogenen Lamellen, keine scharfen Kanten und keine unsauberen Verarbeitungsspuren ließen sich am Typhoon ausmachen. Stattdessen erfreut sich der Käufer an einem durchdachten Dual-Kühlkörper-Layout mit ansprechend aggressiver Optik.

TT Big Typhoon TT Big Typhoon TT Big Typhoon

Dabei verkörpert der 120-mm-Lüfter des Big Typhoon aber eher ein Schaf im Wolfspelz, denn entgegen der sonst bei TT-Produkten anzutreffenden Krachmacher ist der verwendete Gleitlager-Ventilator wirklich lammfromm. Bereits mit 12-Volt bei 1.300 U/Minute wird der Taiwanese nur die wenigsten stören. Ein leiser Luftumschlag gepaart mit leicht säuselnden Lagergeräuschen ist im geschlossenen Gehäuse kaum noch zu vernehmen. Die sprichwörtliche Mucksmäuschenstille stellt sich dann im 7- bis 5-Volt-Modus ein: Mit minimal 700 Umrunden in der Minute kann und wird sich niemand über einen zu lauten Lüfter beschweren - super, Thermaltake!

TT Big Typhoon TT Big Typhoon TT Big Typhoon

Montage

Die Installation gehörte bis dato immer zu den Wackeldisziplinen der TT-Probanden. Entweder ist sie zu fummelig, zu zeitintensiv, zu unkomfortabel oder einfach zu unsicher. Leider macht auch der große Typhoon hier keine Ausnahme und erfreut uns mit einer sockelübergreifend schlechten Arretierungsprozedur.

TT Big Typhoon Montagezubehör

Mit Hilfe der oben abgebildeten H-Platten aus Metall zur Fixierung bzw. aus Schaumgummi zur Isolierung wird der Stelzenkühler mit der Hauptplatine verschraubt. Da der Typhoon alle aktuellen Plattformen - auch den Sockel A - unterstützt, bedarf es ohne Einschränkungen dem Ausbau der Hauptplatine und dem langwierigen Festdrehen der zwei respektive vier Montageschrauben. Das macht zwar nicht wirklich Spaß und ruft unter Umständen Inkompatibilitäten hervor, ist aber insgesamt eine doch recht sichere Angelegenheit trotz über 800 Gramm Kampfgewicht und aufgrund ihrer Einmaligkeit mit Knausern zu verschmerzen. Wir würden uns dennoch wünschen, dass Thermaltake zukünftig wieder verstärkt auf benutzerfreundlichere Installationsmodi setzt - beim Fanless 103 bekam man es ja schließlich auch hin.

Titan Vanessa L-Type

Lieferumfang

Die große Elfe kann mit einem ausgesprochen professionellen Auftritt glänzen, denn die Lieferung erfolgt im gut gesicherten, entsprechend gestalteten Papp-Karton.

Titan Vanessa L-Type Lieferumfang

Steckbrief

Kühler im Detail

Titan Vanessa L-Type Titan Vanessa L-Type Titan Vanessa L-Type

Wie ihre kleine Schwester zeichnet sich die Vanessa L-Type vorrangig durch eine sehr auffällige und extravagante Lamellen-Formgebung aus. Aus Sicht optimaler Leistungsentfaltung ist dieses Schmetterlings-Design sicher nicht ganz optimal. Allerdings geht man bei Titan diesen Makel gerne ein, da die Käuferschaft durch die ausgewogene Kombination aus eigenständiger, exquisiter Optik und durchaus ansprechender Gesamtperformance gewonnen wird. Auffällig ist allerdings auch, dass die Aluminium-Finnen mit ca. drei Millimeter für einen gut belüfteten Kühlkörper recht weit voneinander entfernt stehen und mit ca. einem Millimeter extrem dick geschnitten sind. Das verleiht dem gesamten Aufbau ein eindrucksvolles Gewicht und eine vergleichsweise hohe Stabilität. Als stilechtes Gimmick verziert der Hersteller die oberste Lamelle mit einem Vanessa-3D-Sticker.

Titan Vanessa L-Type Titan Vanessa L-Type Titan Vanessa L-Type

Als Wärmeleit-Medium setzt Titan auf eine Superconductor Heatpipe mit 25 mm Durchmesser, auf welche die 34 Leichtmetall-Kühleinheiten aufgesteckt wurden. Zu den größten Vorteilen der linearen Conductor-Pipes zählt neben dem Verzicht auf leistungsmindernde Krümmungen die weitgehend lageunabhängige Arbeitsweise. Damit ist der bestmöglicher Hitzeabtransport vom Prozessorkern in der Regel nicht so stark systemabhängig wie bei Konzepten, die auf normale Heatpipes setzen.

Titan Vanessa L-Type Titan Vanessa L-Type Titan Vanessa L-Type

Die Befestigung des 120-mm-Lüfters erfolgt bei der L-Type Vanessa geschraubt über zwei Kunststoff-Schienen, welche an entsprechender Stelle an den Lamellen eingehängt werden. Dadurch ist es problemlos möglich, auch einen anderen Ventilator mit 120 mm Kantenlänge einzusetzen. Der von Titan angedachte Lüfter mit glänzendem, blauen Rahmen und silbergrauen Rotorblättern ist für Silent-Freunde sicher nicht die beste Wahl. Über die beigelegte Potentiometer-Steuerung, welche sich wahlweise im 3,5"-Schacht oder im PCI-Slot installieren lässt, kann die Drehzahl zwischen 1.100 und 2.100 Umdrehungen pro Minute variiert werden. Dabei mutet der höchste Drehbereich schon etwas unangenehm an, während sich im 5-Volt-Lauf eine - für das Gros der Anwender - akzeptable Arbeitsatmosphäre schaffen lässt. Trotzdem scheint der Lüfter wie so häufig der Schwachpunkt der ansonsten sehr hochwertig verarbeiteten Vanessa-Konstruktion zu sein.

Montage

Trotz der enormen Größe und des stattlichen Gewichtes jenseits jeglicher Spezifikationen offeriert die sympathische Elfe eine leichtgängige Montage auf allen gängigen Plattformen inklusive Sockel A. Bis auf Sockel 775-Besitzer wird nicht einmal der nervige Ausbau der Hauptplatine vorausgesetzt, sodass die Arretierung in den meisten Fällen sehr schnell von der Hand gehen sollte.

Titan Vanessa L-Type Titan Vanessa L-Type Titan Vanessa L-Type

Speziell die Montage auf Sockel 478-Boards erweist sich als besonders leichtgängig: Nachdem die CPU-Oberfläche dünn mit Wärmeleitpaste bestrichen wurde, setzt man die sockelspezifische Montageplatte in das Retention-Modul. Nun können die zwei Stütz-Bügel in die Ösen des Moduls eingerastet werden. Die Vanessa wird im Folgenden auf diese Konstruktion aufgesetzt und kann dank runder Auflagefläche beliebig ausgerichtet werden, sodass in jedem Fall die optimalste Luftstromausnutzung gewährleistet wird. Abschließend werden die Arretierungsschrauben mit dem beigelegten Dreher durch den gesamten Kühlkörper hindurch festgezogen - ungewöhnlich, aber extrem einfach!

Titan Vanessa L-Type

Die Lamellen beginnen bei der Titan-Elfe erst in einer Höhe von gut 30 mm, sodass alle elektronischen Bauteile sicher übergangen werden. Mit Inkompatibilitäten sollte daher nicht zu rechnen sein, wobei die ausladende Lamellenführung unter Umständen bei ungünstiger Ausrichtung mit hoch aufgeschossenen Northbridge-Coolern kollidieren könnte. Insgesamt empfiehlt sich trotz sicherem Halt eine Demontage angesichts der hohen Hebelkräfte beim Transport.

NB Cool-Scraper SX1

Lieferumfang

Auch der Noiseblocker Vorzeigekühler kommt in einer aufgeräumten und adäquat gestalteten Kartonage daher.

NB Cool-Scraper SX1 Lieferumfang

Steckbrief

Kühler im Detail

Für viele Silent-Freaks zählt der Cool-Scraper in Verbindung mit einem schleichenden Lautlos-Lüfter schon seit längerem zu den Geheimtipps am Markt. Bis dato war er allerdings serienmäßig nur in der SX2-Variante zu erstehen, welche mit minimal 1.100 U/min für einige Leidgeplagte noch zu laut agierte. Aus diesem Grund nahm sich Noiseblocker ein Herz und sattelte den beliebten Kühlkörper aus der Coollink-Schmiede auch mit seinem leisesten 120-mm-Lüfter.

NB Cool-Scraper SX1 NB Cool-Scraper SX1 NB Cool-Scraper SX1

Insgesamt wirkt der Scraper wesentlich filigraner und nicht ganz so schwerfällig wie sein großer Elfen-Kontrahent. Ebenfalls mit einer 25-mm-Heatpipe ausgestattet, verwendet der Hersteller wesentlich dünnere und schmalere Aluminium-Kühlflächen mit optisch angepasster Formgebung und drei Millimetern Abstand. Daraus ergibt sich ein deutlich niedrigeres Gesamtgewicht, welches sich beinahe noch im Rahmen der gängigen Spezifikationen bewegt.

Zur weiteren Verstärkung des AHA-Effekts liefert man bei Noiseblocker ein LED-Paar mit, welches sich optional in die untersten Lamellen einsetzen und den Kühlkörper so in einem sanften Blau erstrahlen lässt. Die sehr durchdachte und piekfein verarbeitete Konstruktion wird so stilgerecht ins passende Licht gerückt.

NB Cool-Scraper SX1 NB Cool-Scraper SX1 NB Cool-Scraper SX1

Die Lüfterbefestigung wird über eine eingehangene Drahtbügel-Konstruktion völlig schraubenlos realisiert. Dies ermöglicht einen sehr unkomplizierten und schnellen Austausch des Ventilators. In den meisten Fällen wird dies allerdings nicht von Nöten sein, denn mit dem SX1 Ultra Silent Fan ist der Cool-Scraper bereits mit einem extrem zuverlässigen, optisch ansprechenden und sehr leisen Qualitäts-Modell mit angenehmer Laufkultur ausgestattet. Für Freunde der leisen Töne beginnt der SX1 unter 12 Volt da, wo der Titan Vanessa L unter 5 Volt aufhört - bei einem ansprechenden, geringfügig wahrnehmbaren Betrieb, geprägt von leichten Umlaufgeräuschen. Im - beispielsweise mit dem beigelegten Drehpotentiometer - maximal getrimmten Modus überzeugt der SX1 mit nicht mehr zu vernehmenden 650 U/min.

Montage

Montierbar ist der Cool-Scraper leider nicht auf Sockel A-Plattformen. Für alle anderen Konfigurationen von AMD und Intel liegen entsprechende Vier- bzw. Zwei-Punkt-Motherboard-Verschraubungen bei, die den ungeliebten Ausbau der Hauptplatine erfordern.

NB Cool-Scraper SX1 NB Cool-Scraper SX1 NB Cool-Scraper SX1

Zunächst ist die entsprechende Arretierungsplatte mit den sockelspezifischen Lochabständen mit der frei beweglichen Halterung am Kühlkörper zu verschrauben. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass der Conductor-Zylinder minimal aus der Aussparung der Metallplatte herausschaut, da hier der Kontakt zwischen Kühlkörper und CPU-Oberfläche entsteht. Bei 478- und K8-Systemen ist das serienmäßige Retention-Modul zu entfernen und die gut isolierte „Backplate“ gemäß den Instruktionen der deutschsprachigen Anleitung mit dem Motherboard zu verschrauben. Jetzt kann der Scraper auf den Prozessor aufgesetzt und an der installierten Haltevorrichtung fixiert werden.

NB Cool-Scraper SX1

Damit lässt sich auch der Noiseblocker Cool-Scraper wie gewünscht im System ausrichten. Eine transportbedingte Deinstallation ist angesichts der sicheren Verschraubung und des vergleichsweise geringen Gewichts nicht zwingend nötig.

Lärmmessungen

Unsere vergleichenden Messungen im Einzelbetrieb des Kühlers erfolgen mit einem Voltcraft 320-Schallpegelmessgerät nach den bekannten Methoden [4] in 0,5 Meter Abstand und Höhe. Dabei erfasst das Messgerät Lärmemissionen ab 30 dB(A). Darunter liegende Schalldrücke werden von uns als „super-silent“ angegeben, da sie von den normalen Raumgeräuschen unter Nicht-Laborbedingungen nicht mehr unterscheidbar zu vernehmen sind. Zur weiteren Orientierung können - je nach subjektiven Empfinden - Werte bis 38 dB(A) als „leise“ angenommen werden. Bis 45 dB(A) würden wir nach unserer Prozedur als „mittellaut“ betiteln, während Resultate über 45 dB(A) als „laut bis extrem“ für 99 Prozent der Anwender ohnehin nicht mehr in Frage kommen sollten.

Lärmmessungen

 maximale Drehzahl:
NB Cool-Scraper SX1 [120]
33,1
TT Big-Typhoon [120]
36,5
AeroCool GT-1000 [92]
38,4
TR XP-120 SX2 Blue [120]
39,4
NQ 3312 Giant UFO [120]
42,2
Zalman CNPS7000B Cu [92]
42,4
Zalman CNPS7700Cu [120]
42,6
Titan Vanessa S-Type [92]
44,5
Titan Vanessa L-Type [120]
48,7
TT Beetle [92]
58,8
Asus Star-ICE [80]
62,3
 minimale Drehzahl:
NB Cool-Scraper SX1 [120]
25,0
TT Big-Typhoon [120]
25,0
TT Beetle [92]
30,9
AeroCool GT-1000 [92]
31,0
TR XP-120 SX2 Blue [120]
31,1
Titan Vanessa S-Type [92]
31,1
NQ 3312 Giant UFO [120]
31,3
Zalman CNPS7000B Cu [92]
31,3
Zalman CNPS7700Cu [120]
31,7
Titan Vanessa L-Type [120]
32,5
Asus Star-ICE [80]
43,1
Angaben in Dezibel

Bei minimaler Drehzahl bewegten sich Thermaltake Big-Typhoon
und Noiseblocker Cool-Scraper SX1 unter der Grundlautstärke.

Der Noiseblocker Cool-Scraper mit SX1 Silent-Ventilierung kann sich unangefochten an die Spitze unserer Lärm-Charts setzen. Seine Lüfterbestückung steht stellvertretend für alle Aufbauten, die im weiteren Verlauf den SX1 verwenden. Auch der Big Typhoon überzeugt mit sehr angenehmen Tönen - hier hört man wie beim SX1 im getrimmten Betrieb fast gar nichts mehr. Die Titan Vanessa L-Type ist mit dem Serienlüfter dagegen nur bedingt low-noise-fähig.

Testsetup

Da wir es im minimalen Drehbereich mit Kühlkombinationen zu tun haben, die mit extrem geringen Luftfördervolumina arbeiten, verzichten wir auf das Übertakten unserer Plattform und verwenden stattdessen unseren ohnehin sehr hitzköpfigen Prescott auf 2,8 GHz Standardtakt. Schließlich ist mit wärmebedingten Systemabstürzen aus Sicht der Vergleichbarkeit nur den wenigsten geholfen. Alle übrigen Faktoren der Testplattform bleiben allerdings unangetastet.


Bevor wir die Temperaturtests starten, sieht der Ablaufplan zunächst je eine zweistündige Gehäuseaufwärmphase vor, die mit allerlei auslastenden Applikationen (Aquamark3, Toaster etc.) gespickt ist. Daran schließt sich eine 30-minütige Lastphase mit dem Tweakers4u Toaster 3 mit aktivierter HT-Funktion an, deren Temperaturverlauf per MotherBoard-Monitor dokumentiert wird.

Eine wichtige Anmerkung sollte beim Genießen der folgenden Temperaturwerte nicht vergessen werden: Unser Testsystem reflektiert weitestgehend reale Testbedingungen in geschlossener und unventilierter Konfiguration, woraus auf den ersten Blick sehr hohe Kern-Temperaturen resultieren. Allerdings spielen sowohl Sockelausrichtung als auch Gehäuselayout gängigen Tower-Kühlern sehr stark in die Karten, da die erwärmte Luft nicht nur im Gehäuse verwirbelt, sondern zum Teil auch gleich abtransportiert wird, sodass die hier aufgezeigten Relationen in ausgeglicheneren Aufbauten mitunter deutlich divergieren können. Des Weiteren gilt: Je besser ein System belüftet ist, desto geringer fallen die Unterschiede zwischen den verschiedenen Konstruktionen aus und desto niedriger sind natürlich die entscheidenden Extremtemperaturen. Eine generelle, unbedingte Übertragung der hier ermittelten Ergebnisse auf eine beliebige andere Plattform wäre daher fatal.

Temperaturvergleich

Last - Temperaturvergleich

 12 Volt [NB SX1: 1200 U/min]:
TT Big Typhoon [Serie]
62,5
Noiseblocker Cool-Scraper [NB SX1]
64,0
Titan Vanessa L-Type [Serie]
64,0
TT Big Typhoon [NB SX1]
64,5
TT Sonic-Tower [mittig NB SX1]
65,5
Titan Vanessa L-Type [NB SX1]
67,0
Thermalright XP-120 [NB SX1]
71,5
 5 Volt [NB SX1: 650 U/min]:
Titan Vanessa L-Type [Serie]
67,5
Noiseblocker Cool-Scraper [NB SX1]
73,0
TT Big Typhoon [Serie]
73,5
TT Big Typhoon [NB SX1]
74,5
Titan Vanessa L-Type [NB SX1]
75,0
TT Sonic-Tower [mittig NB SX1]
76,5
Thermalright XP-120 [NB SX1]
81,5
Angaben in °C

Thermaltake Big Typhoon wurde real mit 1400 U/min und
700 U/min betrieben. Beim Titan Vanessa waren es mit
Serienlüfter 2200 U/min bzw. 1100 U/min.

Der Noiseblocker Cool-Scraper zeigt in Kombination mit dem SX1 Ultra Silent Lüfter eine absolut bestechende Leistung und setzt sich trotz niedrigster Drehzahl an Rang zwei unseres Rankings. Im direkten Vergleich zur 120-mm-Konkurenz mit gleicher Ventilator-Bestückung erobert sich das Coollink-Fabrikat die unangefochtene Spitzenplatzierung. Die Vanessa L ist mit lautem Serienlüfter ähnlich stark wie der Scraper, verliert aber mit niedertourigem SX1 geringfügig an Boden. Den ähnlich gebauten Thermalright XP-120 deutlich deklassierend, kann der Big Typhoon die Performance des Cool-Scrapers bei gleicher Ventilierung erstaunlicherweise mitgehen und gehört damit zu den großen Überraschungen des Vergleiches. Für den Thermaltake-Exoten spricht zudem im Gegensatz zu den gängigen Tower-Kühlern die bauartbedingte Zusatzkühlung der sockelnahen, stabilitätssensitiven elektronischen Bauteile.

Fazit und Empfehlungen

Unsere Prophezeiung aus dem letzten 120-mm-Vergleich [5], kommende Tower-Kühler könnten mit gleichem Lüftersetup die vom XP-120 aufgestellten Messlatten noch deutlich verschieben, haben sich denkbar vorbildlich bewahrheitet. Allen drei Probanden gelang es bravourös, den von Presse und Publikum gekrönten Thermalright-König vom Performance-Thron zu schubsen und zum Teil deutlich davon zu ziehen. Grundlegend gilt daher: Für welchen der drei man sich auch entscheidet, große Fehler begeht man dabei nicht. Allerdings unterscheiden sich die hier aufgezeigten 120-mm-Kontrahenten mitunter deutlich in Preis, Lautstärke und Komfort.

Thermaltake Big Typhoon

Der Thermaltake Big Typhoon stellt sowohl für Kühl- als auch für Silentfetischisten einen echten Leckerbissen dar. Keinem anderen Kühler am Markt gelingt ein derart harmonischer Spagat zwischen angenehmer Laufruhe, reserventrächtiger Kühlleistung und sockelübergreifender Montierbarkeit bei gleichzeitig konventioneller, vorteilsbehafteter Bauweise mit „Nebenkühleffekt“. Die Qualität ist in Ordnung und der Lieferumfang nur um eine Potiregelung ergänzungswürdig. Insgesamt überwiegen unsere positiven Eindrücke vom ungewöhnlichen Taiwanesen, sodass wir trotz grauenhaftem Montagekomforts und angesichts geringster Kosten (ca. 39 Euro [6]) unsere uneingeschränkte Empfehlung aussprechen.

Titan Vanessa L-Type

Titan liefert mit der großen L-Type Vanessa ein professionelles und gutes Produkt, das sich allerdings trotz markanter optischer Auslegung stets im Schatten des Cool-Scrapers bewegte. Ein großes Lob muss man dem Hersteller für die komplette Ausstattung und die hohe Güte, sowie die vergleichsweise annehmliche Montageprozedur aussprechen. Die Kühlleistung kann ebenfalls überzeugen, liegt sie doch - speziell auf minimierter Lüfterdrehzahl - auf einem Niveau mit unseren bisherigen Empfehlungen. Nicht ganz so gefallen hat uns wiederum die Serienbelüftung: Der eingesetzte 120-mm-Vertreter ist einfach zu laut - das hat die hübsche Elfe eigentlich nicht nötig. Scheinbar erwischten wir allerdings ein sehr hochtouriges Modell, denn laut Serienspezifikationen liegen die Nenndrehzahlen des Ventilators mit 900 bis 1.800 U/min deutlich unter den hier gezeigten. Insgesamt ist uns also auch die Vanessa L-Type zum Preis von knapp 50 Euro [7] eine Empfehlung wert, wenngleich hier speziell Sockel A-Besitzer aufgrund mangelnder Alternativen hellhörig werden dürften.

Noiseblocker Cool-Scraper

Leistung ComputerBase darf mit dem Noiseblocker Cool-Scraper ganz klar einen neuen Klassenprimus bejubeln. Der Kühler bietet alles, was man sich von einem echten Top-Produkt wünscht, in perfektionierter Vollendung. Die Performance ist sagenhaft und in Kombination mit dem hochwertigen SX1 ergibt sich ein sauber abgestimmtes Silent-Paket. Die Verarbeitung ist erstklassig, der Lieferumfang komplett und die Optik bei Bedarf auch ausgelassen. Im direkten Vergleich zum Vanessa L-Type gibt es nur leichte Abstriche im Montagekomfort und in der Kompatibilität zum Sockel A. Da die Wenigsten allerdings tägliche Umbaumaßnahmen am PC vornehmen, fallen diese Punkte weniger ins Gewicht, sodass wir unseren Award für bestechende Leistungsfähigkeit bei niedrigster Lautstärke mit großer Entschlossenheit vergeben dürfen. Glückwunsch an den knapp 58 Euro [8] teuren Luxuskühler!

Aussichten

Was kann nun noch kommen? Im Grunde nicht wirklich viel. Nimmt man die auf der CeBIT gezeigten Produktneuheiten als Anhaltspunkt, so scheint der Zenit der Luftkühltechnik langsam aber sicher erreicht. Viel größer geht kaum mehr - nur leiser sollte es immer gehen. Verheißungsvolles vermag vielleicht noch Zalman mit dem CNPS8000 [9] bereit halten, doch fehlende Kompatibilität zu Sockel A und Sockel 478 bei fast dreistelliger Preisgestaltung könnte der erfolgsverwöhnten koreanischen Silent-Schmiede einen Strich durch die Rechnung machen. Immerhin: Zalman proklamiert sechs Kelvin Temperaturgewinn zum CNPS7700Cu - damit wären wir ebenfalls auf Cool-Scraper-Niveau.

Auch Cooler-Master hält mit dem Hyper 6+ derzeit noch ein heißes Eisen im Feuer, allerdings wohl kaum für Freunde des leisen PCs, denn der 100-x-100-mm-Serienlüfter wird sich bei minimal 1.800 U/min nicht mit einem leichten Säuseln begnügen. Und Nachrüstexemplare mit dieser exotischen Kantenlänge werden wohl nur schwer aufzutreiben sein.

Will man als Hersteller also noch deutliche Schübe erzielen, muss man sich alternativer Techniken bedienen und das ständige Material- und Heatpipe-Geplänkel, mit dem man sich auf kurz oder lang nur im Kreis dreht, ablegen. Erste, interessante Ansätze wie beispielsweise die Flüssigmetallkühlung stecken dazu bereits in der Entwicklungsphase.

[Artikel in Teilen bereits auf tweakers4u.de [10] erschienen]

URL-Liste:

  1. http://www.thermaltake.com/coolers/4in1heatpipe/cl-p0114bigtyphoon/cl-p0114.htm
  2. http://www.titan-cd.com/english/vanessa_l.asp
  3. http://noiseblocker.de/shop/de_DE/produkt/id_is_73279_and_Noiseblocker-Cool_Scraper_SX1.html
  4. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2005/test_thermaltake_beetle_asus_star-ice/4/#abschnitt_lautstaerkemessungen
  5. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2005/test_120-mm-kuehler_vergleich/
  6. http://www.caseking.de/shop/catalog/product_info.php?cPath=25_277_348&products_id=3045&ref=35
  7. http://www.caseking.de/shop/catalog/product_info.php?cPath=25_277_580&products_id=2945&ref=35
  8. http://blacknoise.de/shop/de_DE/produkt/id_is_73279_and_neuheit.html
  9. http://www.computerbase.de/news/hardware/gehaeuse_kuehlung/2005/maerz/cebit05_zalman_cnps8000a/
  10. http://tweakers4u.de
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