Desktop-Gehäuse erleben, lange nach ihrer Blütezeit als graue Bürorechner, derzeit einen deutlichen Aufschwung. Das haben sie in erster Linie dem Trend zum Home Theater PC zu verdanken, für den sie denkbar gut geeignet sind: In den passenden Farben können die meisten elegant in einem HiFi-Rack mit 43 cm Breite untergebracht werden. Im Zuge dieser Entwicklung hat sich im Marktsegment der Desktops einiges bewegt, vor allem der taiwanesische Hersteller Silverstone [1] hat sich hier durch seine La Scala-Serie, aus der auch unser Testgehäuse stammt, hervorgetan.
Während sich das La Scala SST-LC03 [2] beim Test vor über einem Jahr noch nicht allzu sehr von anderen Gehäusen abhob, hat Silverstone mit dem SST-LC10B-M inklusive Display, Infrarotempfänger und Fernbedienung ein ganz besonderes Schmankerl ins Rennen gebracht, das die Integration eines PCs ins Wohnzimmer in einem neuen Licht erscheinen lässt. Dementsprechend dreht sich dieses Review nicht nur um die üblichen Funktionen des Gehäuses, sondern insbesondere auch um dessen Home Theater-Fähigkeiten.
Angeliefert wurde das Gehäuse in einem schlichten, weitestgehend unbedruckten Karton, der nur den Silverstone-Schriftzug und einen Aufkleber mit der Modellnummer und dem Paketgewicht trägt. Für die Polsterung waren eine Kunststoffhülle sowie die obligatorischen Schaumstoffformteile zuständig. Neben dem Gehäuse waren eine Infrarot-Fernbedienung samt Batterien, Schrauben, Abstandhalter für das Mainboard, eine selbstklebende Stealth-Blende für ein optisches Laufwerk und eine bebilderte, recht brauchbare Bedienungsanleitung in der Packung zu finden.
Die technischen Daten:
Die rückseitig verbauten 60-mm-Gehäuselüfter drehen laut Silverstone mit 3.600 U/Min bei einem Schallpegel von 25 Dezibel, während der 80-mm-Lüfter in der Frontpartie 21 Dezibel bei 2050 U/Min erzeugt. Neben der getesteten schwarzen Variante ist das Gehäuse auch als silberfarbene Version erhältlich, die technischen Daten sind bei beiden Varianten identisch.
Die Front aus gebürstetem Aluminium und der Korpus aus Stahl sind sehr gut verarbeitet und matt schwarz lackiert, Kunststoffteile sucht man an diesem Gehäuse fast vergeblich. Nur der Übergang von der Frontblende zur U-förmigen Haube besteht aus Kunststoff, der aber als solcher nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Dementsprechend ist das Gehäuse sehr stabil. Es ist kein Problem, einen schweren Monitor, oder, was dem Konzept der La Scala-Reihe eher entsprechen würde, HiFi-Geräte in einem Rack darauf zu stellen. Die Frontblende enthält den An/Aus-Taster, den Reset-Taster, zwei blaue Leuchtdioden zur Anzeige des Betriebszustandes und Festplattenaktivität, die Öffnung für die Schublade eines optischen Laufwerks, vier USB-Anschlüsse und zu guter Letzt das Display mit Infrarot-Empfänger, das durch eine transparente Kunststoffabdeckung geschützt ist. In der linken oberen Ecke hat ein „Silverstone“-Schriftzug samt Logo Platz gefunden. Zwecks Montage eines 5 1/4"-Laufwerks lässt sich der mit zwei Schrauben gesicherte rechte Teil der Frontblende abnehmen.
Die komplett abnehmbare Haube bietet außer Belüftungslöchern an beiden Seiten nichts Besonderes. Auch die Rückseite bietet von Desktop-Gehäusen altbewährtes: Links befindet sich die Öffnung für das auf der Seite liegende Netzteil, rechts daneben finden sich die ATX-Blende des Mainboards, die beiden Gitter für die 60-mm-Lüfter sowie die sieben Slots für Erweiterungssteckkarten. An der Unterseite sind verchromte Standfüße angebracht, wie man sie von HiFi-Komponenten her kennt.
Auch im Inneren bietet sich ein Bild, wie man es schon seit Jahren von Desktop-Gehäusen gewohnt ist. Hinter der Frontblende befinden sich rechts die beiden festen 5 ¼“-Slots, von denen allerdings nur der untere nach außen geführt ist. Es ist folgerichtig nur der Einbau eines einzigen optischen Laufwerks möglich, der andere Schacht kann nur für entkoppelte Festplatten oder ähnliches verwendet werden. Unter diesen Schächten hängt ein kleiner Käfig für eine Festplatte, den man zur Montage herausnehmen kann. Ein weiterer, komplett herausnehmbarer Käfig für drei weitere 3 ½“-Laufwerke befindet sich zentral hinter der Front, leider sind alle drei auch nur für Festplatten zu verwenden, da sie nicht nach außen geführt sind.
Ganz links befindet sich der 80-mm-Gehäuselüfter, der von einem Kunststoffrahmen in Position gehalten wird und über einen 4-poligen Netzteilanschluss mit Strom versorgt werden kann. Darunter werden sämliche Kabel der Bedienelemente und des Portkits in den Innenraum geführt. Sie sind alle lang genug, um jede denkbare Position der dazugehörigen Anschlüsse zu erreichen. Das USB-Kabel des Displays ist sogar lang genug, um an einen der hinteren externen USB-Ports angeschlossen zu werden, falls die internen Header für das Portkit benutzt werden sollen.
Auf dem Gehäuseboden sind die entsprechenden Bohrungen vorhanden, die benötigt werden, um mittels Abstandshaltern normale ATX-, aber auch Micro-ATX-Mainboards zu verbauen. Die sieben Slots für Erweiterungskarten sind durch spiegelblanke Blenden verschlossen, die beim Einbau einer Karte nur abgeschraubt und nicht wie bei vielen Billigheimern herausgebrochen werden müssen. Über der ATX-Blende befinden sich, sehr vorbildlich mit Schutzgittern versehen, zwei 60-mm-Lüfter, die mittels 3-Pin-Anschluss mit Drehzahlüberwachung an das Mainboard angeschlossen werden können und zusammen mit dem Netzteil die gesamte rückwärtige Gehäuseventilation übernehmen. Lüftungstechnisch sinnvollerweise ist das Netzteil so untergebracht, dass ein eventuell vorhandener – und bei diesem Gehäuse ausdrücklich zu empfehlender – Lüfter an der Unterseite direkt die heiße Abluft des Prozessorkühlers absaugen kann.
Leider ist in diesem Gehäuse nicht eine einzige Komponente ohne Werkzeug zu befestigen, denn ganz klassisch wurde überall auf Schrauben gesetzt. Bei der für Desktop-Gehäuse normalen Enge ist dies den Silverstone-Ingenieuren jedoch sicher zu verzeihen.
Die beiden Begriffe „Desktop-Gehäuse“ und „Modding“ schließen sich beinahe gegenseitig aus – Es wäre eine Sünde, an einem Gehäuse mit solch edlem Finish, es das Silverstone La Scala LC10B-M besitzt, herumzusägen, zumal in dieser Hinsicht auch nicht wirklich viel machbar ist. Eine Unterbodenbeleuchtung oder auch ein Acrylglasfenster im Deckel – viel mehr ist einfach nicht drin, da man in einem HiFi-Rack, dem Lieblingsort dieses Gehäuses, außer der Front nicht mehr viel sieht und im Innern sowieso nicht viel Platz für extravagante Spielereien bleibt.
Wer mit dem Gedanken spielt, in das Gehäuse ob der doch eher mittelmäßigen Belüftung eine Wasserkühlung einzubauen, der wird um externe Modelle wie den Zalman Reserator nicht herum kommen – Eine komplett interne Wasserkühlung ist als nahezu unmöglich zu betrachten.
Der Einbau unseres Testsystems verlief zwar problemlos, allerdings sind einige potenzielle Problemquellen deutlich zu erkennen. Auf Grund der Nähe der beiden Laufwerkskäfige zum Mainboard ist nicht auszuschließen, dass ein eingebautes Laufwerk mit hohen Bauteilen auf dem Mainboard, zum Beispiel einem in der Ecke des Mainboards lokalisierten ATX-Stromstecker, zusammenstößt. Aus dem gleichen Grund kann eine mittig eingebaute Festplatte mit Grafikkarten kollidieren, deren Platine länger als etwa 19 cm ist und die einen oder gar zwei Stecker zur externen Stromversorgung besitzen. In unserem Fall hätte eine Asus GeForce FX 5900 auf einem AGP-Mainboard schon nicht mehr gepasst, während der Betrieb von kürzeren Grafikkarten wie quasi allen ATi-Karten, einer GeForce FX 5900 XT oder einer GeForce 6600 GT relativ problemlos möglich ist.
Weiterhin beträgt der Abstand unseres Testmainboards zum be quiet!-Netzteil nur knapp einen Zentimeter, sodass die Verwendung von großen Kühlern mit 92- oder gar 120-mm-Lüftern auf Mainboards mit randnahen Sockeln ein Glücksspiel werden kann. Ein weiteres Problem, das bei anderen Desktop-Gehäusen häufig besteht, bleibt dem geneigten Käufer allerdings erspart: Der Abstand des Netzteils zum optischen Laufwerk ist groß genug, um auch bei sehr langen CD- oder DVD-Brennern keine Probleme zu verursachen. Die Auswurftaste des Laufwerks jedoch könnte bei exotischen Modellen etwas daneben liegen. Beim verwendeten, zugegebenermaßen nicht sehr verbreiteten Waitec Storm 40 sieht das schon recht knapp aus.
Die Verarbeitung des Gehäuses ist an der Front hervorragend und sehr edel, im Innenraum hingegen gibt es leider einige scharfe Kanten, die allerdings kein allzu großes Sicherheitsrisiko darstellen. Ansonsten gibt es in Sachen Verarbeitung nichts zu beanstanden.
Kommen wir nun zu dem, was dieses Gehäuse von den meisten anderen Desktops unterscheidet - die Rede ist vom fest eingebauten Display mit Infrarotempfänger für die Fernbedienung. Das Ganze hört auf den Namen iMON Home Theatre VFD und stammt ursprünglich von der Firma Soundgraph.
Das Display ist ein Vacuum Fluorescent Display (VFD), das zwei Zeilen mit jeweils 16 Zeichen darstellen kann und sich durch scharfe Darstellung, hohe Leuchtkraft und einen nahezu unbegrenzten Blickwinkel auszeichnet. Die Display-/Empfängereinheit kommuniziert per USB mit dem Rest des Rechners und wird wahlweise über einen Floppy-Stromstecker oder mittels Abgriff der +5V-VSB-Schiene an der mitgelieferten, 20/24-poligen ATX-Verlängerung mit Strom versorgt. Allerdings ist nur bei der zweiten Methode ein Anschalten des Rechners mit der Fernbedienung möglich, da nur an der +5V-VSB-Leitung auch bei ausgeschaltetem Rechner eine Spannung anliegt.
Will man die Fernbedienung benutzen, muss man die iMON-Software und den Gerätetreiber installieren und schon kann es losgehen. Das Softwarepaket besteht aus genannter Software mit mehreren Konfigurationstools und dem Player namens Multi-Median, der tatsächlich sehr viele Medienformate, darunter alle wichtigen Audio-, Video- und Bildformate, wiedergeben kann. Leider steht die Software nicht auf Deutsch, sondern nur auf Englisch, Japanisch und Koreanisch zur Verfügung.
Die Einstellungen, die für Display und Fernbedienung möglich sind, sind äußerst vielfältig. Praktisch jede Funktion, jeder Hotkey oder auch Tastenkombination kann einer Taste auf der Fernbedienung zugeordnet werden. Auf dem Display können unter anderem Informationen über das gerade wiedergegebene Medium, aber auch Systeminformationen, oder über das Internet ständig aktualisierte Wettermeldungen oder Nachrichten angezeigt werden. Zusätzlich ist es sogar möglich festzulegen, was auf dem Display angezeigt wird, wenn der Rechner gerade ausgeschaltet ist. Die Fernbedienung bietet neben normalen Tasten für die Mediensteuerung, Programmauswahl und dergleichen auch einen Mausersatz mit Joystickqualitäten - damit lässt sich der Cursor sehr einfach und intuitiv steuern, da sich die Mauszeigergeschwindigkeit dem Druck auf die Bewegungstasten anpasst.
Die Playersoftware funktioniert ebenfalls einwandfrei. Es ist sehr schnell und komfortabel möglich, auch ohne Cursoreinsatz beliebige Medien wiederzugeben. Sämtliche Bedienabläufe sind optimal auf das iMON Pad abgestimmt und gut durchdacht. Andere Funktionen wie ein frei wählbarer Programmhintergrund oder die (wenn sich der Player nicht im Vollbildmodus befindet) extra groß angezeigten Laufzeitanzeigen runden das positive Gesamtbild ab.
Das System ist auch für die Montage in einem externen Laufwerkschacht zu haben, womit sich auch andere Gehäuse mit den Fähigkeiten des iMON VFD ausstatten lassen - das Ganze ist dann natürlich nicht so perfekt ins Gehäuse integriert wie beim LC10B-M und hat auch als Bausatz seinen Preis, es kostet im Handel etwa 120 Euro.
Als Referenz wurde der Silverstone Temjin TJ06 [3]-Tower verwendet, der auch schon als Gegenüber des Thermaltake Kandalf [4] diente. Das Innenleben des Testsystems musste hingegen neuerer Technik weichen. Eingesetzt wurden:
Da nur ein einziger 5 1/4"-Schacht zur Verfügung steht, ist der Einbau einer Lüftersteuerung nicht vernünftig möglich. Die drei Gehäuselüfter wurden daher im Silent-Modus an die temperaturgeregelten Lüfteranschlüsse des be quiet!-Netzteils angeschlossen, dass die Lüfter erfahrungsgemäß mit einer Spannung zwischen etwa 6,0 und 8,5 Volt versorgt. Die Zalman-Lüftersteuerung, die im Referenzgehäuse verwendet wird, stellt 5-11 Volt zur Verfügung.
Die Temperaturen wurden gemessen, während das System den 3DMark03 als Dauerschleife ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden mit einem „Voltcraft Digitales Schallpegelmessgerät 320“ durchgeführt, dass Schallpegel im Bereich von 30 bis 120 Dezibel misst. Die Grundlautstärke des Messraumes lag bei subjektiv empfundener Stille unterhalb des Messbereiches, also bei weniger als 30 Dezibel.
Systemtemperaturen
Angaben in °C
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Unser Testsystem trieb das Belüftungssystem des Silverstone La Scala LC10B-M an seine Grenzen. 60 °C bei der CPU und mehr als 40 °C bei der Festplatte, die unter dem CD-Brenner montiert und somit fast gar nicht ventiliert wurde, sind schon recht ungemütlich. An heißen Sommertagen kann das durchaus zum Heruntertakten des Prozessors führen. Auf eine Herunterregelung der Lüfter sollte man bei derart hitziger Hardware lieber verzichten, wie auch die Messwerte im Silent-Modus zeigen, die nochmals ein paar Grad Celsius höher liegen. Im Vergleich zum Silverstone Temjin TJ06, das die CPU und die Northbridge zwar sehr gut, aber alles andere nur sehr schlecht kühlt, werden die Kernkomponenten CPU und Mainboard zwar etwas wärmer, jedoch haben die Festplatten und die Grafikkarte nicht unter streng abgetrennten Kühlzonen zu leiden. An die Ergebnisse von ausgeklügelten Towern wie dem Thermaltake Kandalf reicht das HTPC-Gehäuse trotzdem nicht heran.
Lautstärke
Angaben in Dezibel
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Bei der Lautstärke bietet sich aufgrund des temperaturgeregelten CPU-Kühlers ein entsprechendes Bild: Während dieser im Silent-Modus, als das System im Leerlauf betrieben wurde, noch mit relativ ruhigen 1.800 U/Min rotierte, musste er, um die CPU auch bei aufgedrehten Gehäuselüftern nicht wesentlich heißer als 60°C werden zu lassen, auf 3.600 U/Min hochgeregelt werden. Bei den Messungen im Normal-Modus, die unter Last ausgeführt wurden, führte das zu, vor allem bei wohnzimmertauglichen PCs, völlig inakzeptablen Schallpegeln von teilweise über 50 Dezibel. Zudem erzeugten die kleinen, schnelldrehenden 60-mm-Lüfter des LC10B-M ein höherfrequentes und daher subjektiv wesentlich unangenehmeres Geräusch als die großen 120-mm-Gebläse des Vergleichstowers.
Das Silverstone La Scala LC10B-M ist ein recht gelungenes Rundum-Sorglos-Paket für den Heimkino-Fan. Es gibt einige Schwachstellen, beispielsweise die im Fabrikzustand viel zu lauten Lüfter und die bei heruntergeregelten Lüftern für High-End-Hardware viel zu geringe Kühlleistung. Außerdem gibt es, wie in wohl fast jedem Desktop-Gehäuse, ein paar mögliche Problemstellen in Sachen Kompatibilität. Wer also auf stromfressende Hardware verzichten kann – es gibt schließlich leistungsstarke Alternativen wie den Pentium M [5] – und seine Hardware nicht ständig ein- und ausbaut, findet im LC10B-M ein voll HTPC-taugliches Gehäuse, das sehr gut ins Wohnzimmer integriert werden kann.
Das Gehäuse ist in der vollausgestatteten Variante [6] für etwa 170 Euro, ohne Display- und Fernbedienungseinheit [7] für etwa 100 Euro in diversen Internetshops erhältlich.