Prozessorkühler vom japanischen Hersteller Scythe haben längst ihren Geheimtipp-Status abgelegt und rangieren nunmehr als preiswerte und leise Hochleistungsprodukte in der Top-Liga des Retail-Marktes. Dies gilt insbesondere für den Ninja, der zwar schon seit gut einem Jahr in den Händlerregalen liegt, sich aber sowohl belüftet als auch passiv ventiliert nach wie vor gegen die Neuvorstellungen der namhaften Hersteller beweisen kann. Nichts desto trotz arbeiten die Ingenieure aus dem Land der aufgehenden Sonne an neuen Kühlern, die auf der Woge des Erfolges mitschwimmen und die Messlatte für die Konkurrenz weiter anheben sollen.
Für den etwas kleineren Geldbeutel bietet Scythe aktuell mit dem „Mine Cooler“ einen interessanten und vergleichsweise kompakten Prozessorkühler für alle gängigen Plattformen an, der – im 100-mm-Towerformat daherkommend – versucht, Glanzpunkte vor allem im ergonomischen Bereich zu setzen: Ein geniales Montagesystem, ein leiser Lüfter, hohe Kühlleistung und ein geringer Preis stehen als Eckpfeiler für ein erfolgreiches Komplettpaket.
Scythe verpackt den Mine in einer für den japanischen Hersteller typisch gestalteten Retail-Kartonage. Neben dem vormontierten Kühler-Lüfter-Gespann wird der Lieferumfang dabei von den drei Montageclips für die unterstützen Plattformen, einer Tube silikonbasierender Wärmeleitpaste sowie einer mehrsprachigen Installationsanleitung komplettiert und von einem durchgeschleiften 3-Pin-4-Pin-Stromadapter mit separat abgeführtem Drehzahlsignal abgerundet.
Im Gegensatz zum Ninja steckt Scythe beim Mine den Lüfter zwischen zwei Lamellentürme und erinnert damit stark an den erfolgreichen Sonic-Tower aus dem Hause Thermaltake, der im „Sandwich-Modus“ schon hervorragende Leistungswerte aufweisen konnte. Dabei setzt man auch beim Mine auf das mittlerweile etablierte Hybrid-Konzept mit kupferner Wärmeaufnahme, Aluminiumlamellen und Dreifach-Heatpipe. Als Besonderheit ist beim Japaner die gezackte Lamellenform zu nennen, die der Hersteller als „Advanced Wave Stack Fin“ bezeichnet und durch die eine bessere Luftstromnutzung erhofft wird. Der Lamellenabstand der 46 aufgesteckten Leichtmetallfinnen ist mit 2,5 mm unterdessen sehr gering gewählt, sodass Betriebsformen mit geringem Luftstrom oder gar passiver Art wohl nicht zu den Steckenpferden des Mine gehören werden.
Die Qualität des Gebotenen ist ohne Abstriche als ausgezeichnet zu beschreiben, was angesichts des geringen Preises keine Selbstverständlichkeit ist und daher umso mehr erfreut.
Pfiffig haben die Scythe-Entwickler die Lüfterhalterung gelöst. Der zentrale Ventilator wird einfach über zwei Schraubklemmen am Kühlkörperboden fixiert und hält bombenfest, ohne durch etwaige Berührungen mit den Lamellentürmen unschöne Störgeräusche zu erzeugen. Serienmäßig setzen die Japaner dabei auf ein hauseigenes 100-mm-Modell, das sich mit maximal 1500 U/min bei Bedarf auch auf ein absolut nicht mehr wahrnehmbares Betriebsgeräusch deutlich unterhalb der magischen 1000 U/min-Marke trimmen lässt. Möglichen Bedenken über die Austauschbarkeit bzw. Nachrüstbarkeit des immer noch recht selten am Markt vorhandenen Lüfterformates kann unterdessen in zweierlei Hinsicht entgegen gewirkt werden: Zunächst bietet Scythe selbst 100-mm-Lüfter der „Kaze Jyu“-Serie in drei verschiedenen Leistungsklassen von 1000 bis 2000 U/min zum moderaten Preis von knapp 8 Euro [3] an. Zum Zweiten lässt das Haltesystem auch prima die Verwendung handelsüblicher 120-mm-Boliden zu, deren Einsatz auch im Hinblick auf die Kühlleistungscharakteristik nicht unempfehlenswert ist.
Leichtgängige Montage auf allen unterstützen Sockeln - wie oft haben wir diese Eigenschaft in den verschiedenen Kühlertests gefordert. Scythe kommt diesem bis dato viel zu häufig stiefmütterlich behandelten Verlangen mit dem Mine Cooler wie bisher kein anderer Hersteller nach und präsentiert mit dem patentierten „Versatile Tool-free Multiplattform System“ eine übergreifend absolut durchdachte Lösung, die Maßstäbe setzt.
Je nach zu kühlender Plattform rastet man dazu einfach die dem Lieferumfang beiliegenden Montageklammern in die dafür vorgesehenen Schienen am Kühlkörper ein und kann dann im Prinzip schon mit der Installation auf dem Sockel beginnen. Ein Mainboardausbau wird in keinem Fall bedingt, ist aber aus Platzgründen speziell bei der Montage mit den störrigen Sockel-775-Push-Pins zu empfehlen, denn auch der Mine ist mit seinem 100-mm-Layout kein Kühlerzwerg. Wichtig für alle Anwärter auf den neuen AMD Sockel AM2: Der Scythe Mine unterstützt die neue Systemform erst ab der Kühlerrevision 2.
In Anbetracht der ständig wachsenden thermischen Ansprüche aktueller Prozessoren haben wir unsere Testplattform mit der Zielstellung darauf ausgerichtet, dem allgemeinen Trend folgend eine möglichst leise aber dennoch stark skalierende Komposition zu wählen. Doppelherzstück ist daher ein 3,2 GHz starker Pentium XE 840 mit einer von Intel spezifizierten TDP von 135 Watt. Als weitere Schlüsselkomponente vertrauen wir beim Netzteil auf ein 600 Watt starkes Silverstone Strider ST06F. Für einen unbeeinflussten Testverlauf unter Silent-System-Bedingungen musste allerdings dessen temperaturgeregelter 120-mm-Bodenventilator der Serie einem laufruhigen und leisen Papst F2GLL weichen, der mit konstanten 1200 U/min rotiert. Ein eben solcher werkelt auch ausblasend als einziger Gehäuselüfter im komplett schallgedämmten Thermaltake Shark Fullsize-Aluminiumtower. Alle übrigen Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:
Zur Bestimmung der jeweiligen Kühlerleistungen wird das System in der Aufwärmphase zunächst zwei Stunden im 3D-Mark-05-Loop ausgelastet. Daran schließt sich eine einstündige Beanspruchungsphase an, in der mit dem in vier Instanzen laufenden Tweakers4u-Toaster besonderes Augenmerk auf die konstant maximale Prozessorauslastung gelegt wird. Die weiterhin zugeschalteten 3D-Mark-05-Gametest-Durchläufe sichern unterdessen eine gleichbleibene Hochbelastung für das komplette System. Zum Abschluss gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während dieser Szenarien werden die Temperaturverläufe mit der SpeedFan-Software dokumentiert und die Maxima entsprechend von uns zur Bewertung herangezogen. Im Volllastbetrieb verbraucht das System dabei etwa 260 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 140 Watt zu verbuchen ist.
Die Messung der Lautstärke erfolgt derweil im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft 320 Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Scala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich. Zur besseren Übersichtlichkeit fließen die Angaben zur Lüfterlautstärke nun mit in die Temperaturdiagramme ein. Zu beachten gilt, dass die aufgeführten Temperaturen und Verhältnisse lediglich als Richtwert dienen und je nach Systemsetup teils deutlich variieren können.
CPU-Kühler im Performancevergleich
Angaben in °C
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Wir haben den Scythe Mine neben der 100-mm-Serienkonfiguration auch mit unserem 120-mm-Papst-F2GLL-Referenzlüfter antreten lassen, um eine bessere Vergleichsebene zu den bisherigen Testkandidaten zu schaffen. Dabei war auffällig, dass die Leistung mit dem größeren Papstlüfter trotz geringeren Betriebsgeräusches höher war als mit dem japanischen 100-mm-Exemplar. Insgesamt findet sich der Mine Cooler mit dem Seriensetup bei einem beispielhaften Geräuschniveau von leicht wahrnehmbar bis silent-tauglich im Mittelfeld der Kühlliga wieder, während die Combo mit 120-mm-Ventilator im Vorderfeld der Hitliste rangieren kann. Zum Klassiker aus dem eigenen Hause - dem Scythe Ninja - fehlen allerdings speziell im niedrigen Drehbereich noch einige Körner.
Scythe hält mit dem Mine eine attraktive Kühleralternative zur teuren Edelkonkurrenz im Portfolio. Dabei besticht der Sandwich-Tower nicht nur durch die gute Kühlperformance, die auch für aktuelle Doppelherz-Chips noch genügend Reserven bereit hält, sondern primär durch das geniale „Versatile Tool-free Multiplattform Montagesystem“, das die Anbringung des Kühlers zum echten Kinderspiel avancieren lässt. Es bleibt daher zu hoffen, dass Scythe dieses auch bei zukünftigen Kühlern beibehält und auch andere Hersteller nachziehen, um dem Endkunden das Leben bei der Kühlerinstallation nicht unnötig zu erschweren.
Nicht sonderlich erwähnt werden muss der obligatorisch komplette Lieferumfang, die Scythe-typisch gut umgesetzte Auslegung auf ein möglichst leises Betriebsgeräusch durch die Wahl eines großformatigen, laufruhigen und recht langsam drehenden Lüfters sowie die tadellose Verarbeitungsqualität des Aufbaus. Bei einem Preis von knapp unter 30 Euro (Caseking [4]) darf der Scythe Mine für den preisbewussten Kühlerinteressenten also in die nähere Auswahl rücken.