ComputerBase

Test: Thermalright SI-128

von Martin Eckardt

Einleitung

Überaus eindrucksvoll gelang es Intel mit der jüngsten Vorstellung der Core-2-Duo-Prozessoren (ComputerBase-Test [1]) sich am CPU-Markt zurückzumelden, nachdem sich über Monate hinweg die AMD-Athlon-64-Riege Schritt für Schritt an den Pentiums dieser Welt vorbei schlich. Selten zuvor war ein Leistungssprung durch eine neue Chiparchitektur derart eklatant, wie der aktuell vom Branchenprimus vollzogene. Als entsprechend riesig ist daher das Interesse der Nutzer zu bezeichnen, mit einem solch potenten Core-2-Duo-Silizium den heimischen Rechenknechten ordentlich die Sporen zu geben. Doch in den meisten Fällen ist der Aufrüst-Akt mit dem Erwerb der neuen CPU nicht getan, denn zumindest das Mainboard und der Prozessorkühler müssen an die Anforderungen der neuen Recheneinheit angepasst sein. Grund genug, in einer Serie von Einzeltests den derzeitigen Kühlermarkt zu durchforsten und zu beobachten, welcher Hersteller das geeignetste Pendant für Intels neue Überflieger-Chips bereithält. Als Test-Prozessor dient uns ein Pentium XE 840, denn ein Kühler der diesen Hitzkopf kühlt, hält einen Core 2 Duo mit Leichtigkeit auf Temperaturen. Und wir können gleichzeitig auch Besitzern eines High-End-Boliden der Pentium-Ära möglicherweise noch einen Kühler ans Herz legen.

Den Auftakt bestreiten wir dabei mit dem Thermalright SI-128 gleich in absolut hochkarätiger und titelverdächtiger Manier. Blickten wir bereits beim Vorgänger SI-120 auf allerhöchste Kühlkünste, so erwartet uns mit dem SI-128 ein in vielen Punkten verfeinertes, an die aktuellen Bedürfnisse und Plattformen angepasstes Konzept, das der Konkurrenz gleich eine hohe Messlatte setzen will. Die Ziele sind also klar gesteckt und wollen angesichts eines Anschaffungspreises von über 50 Euro für den reinen Thermalright-Kühlkörper auch entsprechend finanziert werden. Ob wir letztendlich eine Empfehlung aussprechen dürfen, wird sich im Verlauf des Tests zeigen.

Lieferumfang

Thermalright SI-128 Lieferumfang

Thermalright-typisch wird der lüfterlose Kühler gut gesichert in einer Kartonage geliefert. Mit an Board sind eine schematisch bebilderte Anleitung in englischer Sprache, die Montageclips für AMDs Sockel 939 sowie Intels Sockel 775 und eine große Spritze Wärmeleitpaste auf Silikonbasis. Des Weiteren finden wir die obligatorischen Drahtbügel für die Lüfterarretierung und zwei selbstklebende Gummistreifen zur optionalen Lüfterentkopplung in der Packung wieder.

Technische Eckdaten

Kühler im Detail

Qualitativ war Thermalright dem Preis entsprechend schon immer hitverdächtig und auch der SI-128 reiht sich nahtlos in die firmeneigene Güteklasse ein. Dabei setzt der komplett vernickelte Hybrid-Bolide auf die etablierte Kombination aus massiver Kupfer-Wärmeaufnahme und leichter Aluminium-Lamellenstruktur und erreicht damit trotz satter Ausmaße einen vergleichsweise moderaten Gesamtgewichtscharakter.

Thermalright SI-128 Thermalright SI-128 Thermalright SI-128 mit Papst-Lüfter-Setup

Sich von den filligranen, schwungvollen Formen des SI-120 distanzierend, haben die Thermalright-Ingenieure bei der Entwicklung des SI-128 doch deutlich rustikalere Wege eingeschlagen. Das insgesamt wuchtige Erscheinungsbild des neuen Flaggschiffes wird maßgeblich von den vier erstmalig eingesetzten 8-mm-Heatpipes geprägt. Auch der Lamellenkörper ist im Vergleich zum Wegbereiter deutlich angewachsen und besteht nun aus 78 statt bisher 52 Finnen, die im 1-Millimeter-Abstand (SI-120: 1,5 Millimeter) zusammengefügt wurden. Theoretisch sollte die mehr als verdoppelte Kühlfläche dem Neuling also spürbar beflügeln. Dass praktisch allerdings die Kombination aus gesteigerter Lamellenanzahl bei gleichzeitiger Senkung deren Abstands nicht immer der Weißheit letzter Schluss ist, mussten wir bereits im Test [4] des Noiseblocker Cool-Scraper Rev.2 feststellen und blicken daher gespannt auf die Kühlcharaktere der Thermalright-Sprosse.

Drahtbügelhalterung für 120-mm-Lüfter Deutlich wuchtiger im Vergleich zum Vorgänger (SI-120 rechts) 4-fach 8-mm-Heatpipe statt 5-fach 6-mm-Aufbau

Zur Lüfterbefestigung greift auch der SI-128 auf das seit Jahren etablierte Drahtbügel-Konzept zurück, womit sich der separat erworbene 120-mm-Ventilator schraubenfrei und in Windeseile aufspannen lässt. Für eine erhöhte Spannkraft und minimale Entkopplungswirkung können zudem die zwei im Lieferumfang enthaltenen Hartgummistreifen zwischen Lamellen und Lüfter angebracht werden. Unbedingt darauf zu achten ist, dass bei der Auswahl des passenden Lüfters nicht auf Modelle zurückgegriffen wird, deren gegenüberliegene Rahmenbohrungen jeweils miteinander verbunden sind. Dies ist insbesondere bei sehr günstigen Modellen mitunter der Fall.

Montagebesonderheiten

Thermalright zeichnete sich in der Vergangenheit immer durch die Entwicklung leichter und bequemer Montagesysteme für ihre Prozessorkühler aus. Auch beim SI-128 lag das Augenmerk auf einer möglichst unkomplizierten Installationsprozedur für die unterstützten AMD- sowie Intel-Plattformen. So finden sich im Lieferumfang zwei Arretierungsbügel, die das Montieren des Kühlkolosses auf den jeweiligen Sockeln ohne Mainboardausbau schnell und einfach sowie frei drehbar gewährleisten sollen.

Stabile Montagebügel für AMD und Intel

Soviel zur sonnigen Theorie. Praktisch lässt sich der SI-128 zumindest auf Intels Sockel 775 leider nicht sorgenfrei montieren. Schuld daran ist allerdings primär Intels völlig fehlkonzeptioniertes Push-Pin-System, welches die Anbringung jedes größeren Kühlers zum Alptraum avancieren lässt. Beim Thermalright-Zögling gesellt sich zu den vom Lamellenaufbau verdeckten Pins erschwerend noch ein wahnwitziger Anpressdruck hinzu, der zum wechselseitigen Einrasten der Haltestifte überwunden werden muss und im Ergebnis sogar die Hauptplatine deutlich verbiegt. Diesen schweißtreibenden Akt mit eingebautem Mainboard im Gehäuse zu vollziehen, ist aufgrund des eingeschränkten Handlungsspielraumes kaum denkbar.

Kompatibilitätsprobleme nicht auszumachen Wuchtiger Anpressdruck biegt Mainboard Fast unzumutbar: Montageakt für Intel Sockel 775

Deutlich einfacher hat es da die AMD-Brigade, der mit dem serienmäßigen Retention-Modul eine sinnvolle und montageerleichternde Basis zur Verfügung steht. Der von Thermalright entworfene Haltebügel greift dabei die Nasenhalterung an zwei Punkten auf und lässt sich nach der Platzierung relativ bequem über einen Federmechanismus fixieren. Abgesehen von der obligatorischen Platzenge kann für die gängigen AMD-Plattformen also von einer durchaus gelungenen Montageform gesprochen werden.

Testsystem

In Anbetracht der ständig wachsenden thermischen Ansprüche aktueller Prozessoren haben wir unsere Testplattform mit der Zielstellung, dem allgemeinen Trend folgend eine möglichst leise aber dennoch stark skalierende Komposition zu wählen, von Grund auf neu gestaltet. Doppelherzstück ist nun ein 3,2 GHz starker Pentium XE 840 mit einer von Intel spezifizierten TDP von 135 Watt. Als weitere Schlüsselkomponente vertrauen wir beim Netzteil auf ein 600 Watt starkes Silverstone Strider ST06F. Für einen unbeeinflussten Testverlauf unter Silent-System-Bedingungen musste allerdings der temperaturgeregelte 120-mm-Bodenventilator der Serie einem laufruhigen und leisen Papst F2GLL weichen, der mit konstanten 1200 U/min rotiert. Ein eben solcher werkelt auch ausblasend als einziger Gehäuselüfter im komplett schallgedämmten Thermaltake Shark Fullsize-Aluminiumtower. Alle übrigen Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:

Kühlertestsystem im TT Shark Dual-Core Heizkraftwerk Pentium XE 840 auf Intel D955XBK Intel Referenzkühler

Zur Bestimmung der jeweiligen Kühlerleistungen wird das System in der Aufwärmphase zunächst zwei Stunden im 3D-Mark-05-Loop ausgelastet. Daran schließt sich eine einstündige Beanspruchungsphase an, in der mit dem in vier Instanzen laufenden Tweakers4u-Toaster besonderes Augenmerk auf die konstant maximale Prozessorauslastung gelegt wird. Die weiterhin zugeschalteten 3D-Mark-05-Gametest-Durchläufe sichern unterdessen eine gleichbleibene Hochbelastung für das komplette System. Zum Abschluss gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während dieser Szenarien werden die Temperaturverläufe mit der SpeedFan-Software dokumentiert und die Maxima entsprechend von uns zur Bewertung herangezogen. Im Volllastbetrieb verbraucht das System dabei etwa 260 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 140 Watt zu verbuchen ist.

Die Messung der Lautstärke erfolgt derweil im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft 320 Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Scala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich. Zur besseren Übersichtlichkeit fließen die Angaben zur Lüfterlautstärke nun mit in die Temperaturdiagramme ein. Zu beachten gilt, dass die aufgeführten Temperaturen und Verhältnisse lediglich als Richtwert dienen und je nach Systemsetup teils deutlich variieren können.

Performancevergleich

CPU-Kühler im Performancevergleich

  •  Lasttemperaturen
  •  Leerlauftemperaturen
  •  Lautstärke in dB(A)
Scythe Ninja
[Coolink 1556 U/min]
63,0
40,0
44,2
Scythe Ninja
[Papst 1187 U/min]
66,0
41,0
36,7
Thermalright SI-128
[Coolink 1532 U/min]
66,0
41,0
44,1
Scythe Ninja
[Papst 542 U/min]
68,0
43,0
30,8
Thermalright SI-120
[Coolink 1532 U/min]
70,0
41,0
44,1
Zalman CNPS 9500 LED
[2451 U/min]
70,0
41,0
52,9
Thermalright SI-128
[Papst 1145 U/min]
70,0
42,0
36,6
Zalman CNPS 9500 LED
[1365 U/min]
72,0
44,0
36,2
Thermalright SI-120
[Papst 1145 U/min]
74,0
43,0
36,6
Thermalright SI-128
[Papst 496 U/min]
76,0
45,0
30,7
Intel Boxed ohne PWM
[2325 U/min]
77,0
46,0
49,5
Thermalright SI-120
[Papst 496 U/min]
78,0
47,0
30,7
Intel Boxed ohne PWM
[1604 U/min]
84,0
50,0
37,9
Angaben in °C

Dem Thermalright SI-128 gelingt es, sich vor seinem Vorgänger SI-120 zu platzieren. Zur absoluten Spitze, die nach wie vor vom Scythe Ninja gehalten wird, fehlt aber speziell im niedertourigen Drehbereich noch etwas die Puste. Nichts desto trotz ist die gebotene Leistung auch mit leiser Lüfterbestückung absolut ausreichend zur Kühlung aktuellen High-End-Siliziums und bestechend für einen Prozessorkühler der konventionellen Bauart.

Fazit

Thermalright gelingt mit dem SI-128 eine durchaus überzeugende Frischzellenkur des bereits seit einigen Produktlinien etablierten Grundkonzeptes. Der Hybrid-Bolide vermag zwar keine ganz neuen Glanzpunkte in Sachen Leistungsfähigkeit zu setzen, ist aber im Hinblick auf das jeweilig angedachte Kühlkonzept im System - sollte beispielsweise ein performanter Tower-Kühler aufgrund der Platzverhältnisse im Gehäuse oder des schwächeren Nebenkühleffektes für Chipsatz und Spannungswandler nicht einzusetzen sein - durchaus zu berücksichtigen.

Drahtbügelhalterung für 120-mm-Lüfter

Die Thermalright-typische Unanfechtbarkeit der Materialgüte und Verarbeitungsqualität gilt ebenso für den SI-128 wie die Stimmigkeit des Gesamtkonzeptes inklusive Lieferumfang und Dokumentation. Beim Montagecharakter ist die Einschätzung allerdings deutlich zu separieren: Auf den gängigen AMD-Plattformen gelingt das Anbringen trotz der wuchtigen Abmessungen blitzschnell und einfach. Sockel-775-Anhänger haben dagegen hart mit dem von Intel vorgegebenen Push-Pin-System zu kämpfen und werden unter Umständen an die Grenze ihrer Strapazierfähigkeit getrieben. Getreu dem Motto „Nichts ist unmöglich“ müsste daher vor dem Kauf unbedingt hinterfragt werden, wie essentiell eine leichtgängige Montage ist und ob der Kühler häufiger de- bzw. installiert werden soll.

Insgesamt stellt der Thermalright SI-128 also mit leichten Abstrichen in der Handhabung eine empfehlenswerte Kühllösung als Basis für leise und/oder leistungsstarke Systemzusammenstellungen dar. Mit einem Preis von knapp 55 Euro ist der Fernöstler allerdings nicht gerade Schnäppchen-tauglich, zumal ein entsprechender Lüfter noch zusätzlich mit einkalkuliert werden muss. Im Online-Shop von PC-Cooling [2] werden daher entsprechend vergünstigte SI-128-Lüfter-Kombinationen für jeden Anspruch angeboten.

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/prozessoren/2006/test_intel_core_2_extreme_x6800/
  2. http://thermalright.com/
  3. http://www.pc-cooling.de/de/Kuehler/AMD+Athlon+64/Thermalright/100700710/Kombinationen/Thermalright+SI+128+Heatsink.html
  4. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2006/test_noiseblocker_cool-scraper_120_rev_2/
Copyright © 1999–2008 ComputerBase Medien GbR