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Test: AC Accelero S1 & ZEROtherm GX810

von Martin Eckardt

Einleitung

Seit unserem letzten VGA-Kühler-Vergleich [1] ist mittlerweile über ein Jahr ins Land gegangen – eine Zeit, in der einige interessante Produkte das Licht der Welt erblickten und die thermischen Anforderungen an die Grafikkartenkühler noch weiter gestiegen sind. Allerhöchste Zeit also, das Thema wieder aufzugreifen und den neuen Kühlermachwerken in einem kurzen Leistungscheck auf den Zahn zu fühlen.

AC Accelero S1 & ZEROtherm GX810

Den Anfang machen dabei zwei VGA-Kühler, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Zunächst der Accelero S1 von Arctic-Cooling – ein Kühler, der mit einer imposanten Größe und einem günstigen Anschaffungspreis, aber auch mit etwas weniger hochwertigen Materialien und einer geringeren Qualität aufwartet, eigentlich für den passiven Betrieb ausgelegt ist, bei Bedarf allerdings auch mit einem Doppel-Lüfter-Modul aufgestockt werden kann. Auf der anderen Seite der Zerotherm GX810 – ein sehr kompakter Kühler im Stile unserer ehemaligen Zalman-VF-900-Referenz. Hochwertiges Kupfer glänzt an allen Ecken und Enden und ein integrierter Thermosensor reguliert die Drehzahl des radialen Lüfters in Abhängigkeit zur GPU-Temperatur. Wir werden sehen, wer als Sieger aus diesem ungleichen Duell hervorgehen kann.

AC Accelero S1

Eckdaten

Liste kompatibler Grafikkarten

Kurzbeschreibung

Die Schweizer von Arctic-Cooling sind bekannt für ihr phänomenales Preis-Leistungsverhältnis, für ihre Geradlinigkeit beim Entwurf enorm leiser Kühlprodukte und für ihren Mut, mitunter etwas unorthodoxe Designideen zu verwirklichen. Der aktuelle Accelero S1 passt exakt in dieses Schema und gehört gerade daher zu den interessantesten Nachrüst-Kühlern für Grafikkarten.

Reichhaltiges Lieferangebot beim S1 Wärmeleitpaste bereits voraufgeragen Optionales Turbo-Modul unbedingt empfehlenswert

Bereits beim Lieferumfang des lediglich 15 Euro teuren S1 wurde an nahezu alles gedacht. Neben dem riesigen Chipkühler befinden sich noch acht kleine, mit selbstklebenden Wärmeleitpads ausgestattete RAM-Kühlbausteine sowie entsprechende Pendants für die Spannungswandler mit im Paket. Eine gelochte Slotblende zur erweiterten Frischluftzufuhr bei Single-Slot-Grafikkarten, eine mehrsprachige Montageanleitung, Kunststoffhalterungen zur Stabilisierung des Kühlers an der Grafikkartenplatine und ein obligatorischer Arctic-Cooling-Sticker runden den Lieferumfang ab. Hochwertige Wärmeleitpaste ist für die erste Anwendung bereits am Kühler aufgetragen, weitere Paste liegt leider nicht bei. Wir empfehlen zum S1 noch das optionale Turbo-Modul, das mit etwa sieben Euro zu Buche schlägt. Dabei handelt es sich um ein rahmenloses 80-mm-Lüfterduo, das einfach in die Lamellenstruktur des Passivkühlers eingeklickt werden kann. Im Allgemeinen raten wir vom komplett passiven Kühlbetrieb bei so sensiblen und leistungsintensiven Komponenten wie Grafikkarte und CPU ab. Selbst ein leiser, langsam drehender Zusatzlüfter, und sei er nur mit 300 U/min betrieben, sorgt für deutlich geringere Temperaturen, mehr Stabilität und höhere Lebenserwartung der Hardware.

Arctic-Cooling Kühlkoloss Accelero S1

Der Accelero S1 ist ein absolut imposanter Kühlkoloss, der selbst aktuelle Großformatgrafikkarten locker unter sich begräbt. Dabei arbeitet der Schweizer mit einer Kombination aus einer kupfernen Bodenplatte, vier wärmeverteilenden Heatpipes und einem großzügigen Lamellenkörper aus Aluminium. Der Abstand zwischen den einzelnen Kühllamellen ist dabei vergleichsweise großzügig gewählt, sodass auch bei geringer Luftbewegung noch genügend Zirkulation entstehen kann. Qualitativ macht der Kühlriese keinen brillianten, in Anbetracht des Preises aber einen durchaus fairen Eindruck.

Acht Speicherkühler sind mit an Board Passiver Betrieb für aktuelle Grafikkarten nicht zu empfehlen Begraben: Mammutdimension lässt atemberaubende Performance vermuten

Die Montage des lediglich 290 Gramm schweren Kühlers gestaltet sich trotz der Mammutabmessungen einfach. So wird der Accelero, nachdem die RAM- und Spannungswandlerbausteine angebracht wurden, lediglich entsprechend der Bohrlöcher der Grafikkartenplatine auf dem 3D-Beschleuniger ausgerichtet und rückseitig mit Hilfe von vier kleinen Schrauben fixiert. Dies erfolgt ohne einen Federmechanismus, aber mit kleinen Unterlegscheiben zur sichernden Isolierung. Wer möchte, kann zudem durch beiliegende Kunststoff-Clips die Position und Stabilität des Kühlers sichern, um etwaigen Kipp- oder Verkantungsgefahren bei unvorsichtigem Umgang vorzubeugen.

Aus ergonomischer Sicht ist der S1 sicher nicht der unproblematischste Zeitgenosse. Zunächst sind Kompatibilitätsprobleme mit der Grafikkarte, sofern das Design vom Standard abweichen sollte, oder mit dem Gehäuse nicht ausgeschlossen. Weiterhin nimmt der mit Turbo-Modul ausgestattete Kühler zu viel Platz in Anspruch, als dass man an einen SLI- oder Crossfire-Verbund denken könnte. Ohne Zusatzlüfter wäre der Platz ausreichend, doch aufgrund des möglichem Luftstaus zwischen den Grafikkarten ist dieser Modus kaum zu empfehlen. Weiterhin bieten viele PCI-Express-Steckplätze Einrastsicherungen, die das Entfernen der Grafikkarte aus dem Steckplatz nur über das Zurücklegen eines kleinen Hebels am Steckplatz zulassen. Diesen Hebel bei aufgebautem Accelero S1 ohne Mainboardausbau mit dem Finger zu erreichen, oder gar zu bedienen, ist nahezu unmöglich. Ein einfacher Grafikkartenausbau wird somit zur quälenden Geduldsprobe.

ZEROtherm GX810

Eckdaten

Liste kompatibler Grafikkarten

Kurzbeschreibung

Der Apack ZEROtherm GX810 ist ein moderner Grafikkartenkühler, der im Kompaktformat im Stile eines Zalman VF-900 [4] daherkommt und auf keinen Fall für den passiven Betrieb ausgelegt ist. Der GX810 entstammt der neuen VGA-Kühlerserie des Herstellers und ist, genau wie der mit einem etwas schnelleren Lüfter ausgestattete GX815, für die aktuellere Generation an Pixelbeschleunigern vorgesehen und serienmäßig mit einer Temperaturregulierung ausgestattet.

Ordentlich verpackt: Apack ZEROtherm GX810 mit Zubehör Spitzenqualität zum fairen Preis Ähnlicher Kompaktbau wie beim Zalman VF-900

Dem etwa 27 Euro [5] teuren GX810 liegt eine mehrsprachige, etwas schlecht bebilderte Montageanleitung bei. Acht kleine passiv-RAM-Kühler wirken überhitztem Grafikspeicher entgegen – zusätzliche Spannungswandlerkühler sind nicht vorgesehen. Dafür gibt es eine Tube Wärmeleitpaste auf Silikonbasis sowie daumenschraubenes Montagematerial für die werkzeuglose Installation des Kühlers. Ergänzend gibt es auch kleinere Schrauben, die beim Einsatz eines Crossfire- oder SLI-Verbundes verwendet werden können.

Auch der GX810 kommt mit Speicherkühlern daher

Beim Kühler selbst vertraut man auf ein ausgezeichnet verarbeitetes, hochwertiges Vollkupferdesign mit blitzblanker Basis und einer einzelnen 6-mm-Heatpipe, die von der Wärmeaufnahme rundumlaufend einen Fächer aus vergleichsweise kleinen, aber vielzahligen Lamellen ausbreitet. Zentral ist, im Gegensatz zum Zalman VF-900, ein radialer, mit roten LEDs beleuchteter 70-mm-Ventilator eingelassen, dessen Luftblaßrichtung nach unten hin durch eine Kunststoffplatte abgedichtet ist. Der Lüfter rotiert mit angepasster Drehzahl zwischen 900 und 2500 U/min – ein Thermosensor ist in Bodennähe eingelassen – und wird per 3-Pin-Anschluss mit Strom betrieben.

Eingelassener Temperaturfühler, fertig zur Montage Radialer Zentrallüfter sorgt für frischen Wind Genügend Platz, um auch höhere Speicherkühler zu überbauen

Auch die Montage des GX810 ist ein Kinderspiel. Nachdem die Speicherkühler aufgeklebt wurden, bestückt man den Chipkühler entsprechend der auf der Grafikplatine vorhandenen Bohrungen mit den Gewindebolzen, benetzt die GPU-Oberfläche mit etwas Wärmeleitpaste, platziert den Kühler auf dem Grafikchip und fixiert den GX810 rückseitig mit den alternierend anzuziehenden Daumenschrauben, die bis zum Anschlag eingedreht werden.

Kompatibilitätsprobleme sollten aufgrund der Kompaktheit der Konstruktion weitgehend ausbleiben, ein SLI- oder Crossfireverbund mit dem GX810 ist möglich.

Testsystem

Kühlertestsystem im TT Shark Asus Radeon X1900XTX

Am Testsystem wurde im Gegensatz zu unseren Prozessorkühler-Tests bis auf die Grafikkarte nichts geändert. Dafür produziert nun mit der Radeon X1900XTX von Asus eine der verlustleistungsstärksten Grafikkarten des vergangenen Jahres genügend Abwärme, um ein gut selektiertes Testfeld aufzustellen. Das Testverfahren sieht unterdessen einen 30-maligen 3D-Mark-06-Loop vor, durch den das System und im Speziellen die Grafikkarte beansprucht und entsprechend aufgewärmt wird. Während dieser Periode werden alle wichtigen Sensor-Parameter (Temperaturen, Drehzahlen etc.) mit dem Tool Everest [6] dokumentiert. Die Maximalwerte aus diesen Messungen ziehen wir zum Vergleich der Produkte heran.

Die Messung der Lautstärke erfolgt, sofern möglich, im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft 320 Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich.

Leistungscheck

Kühler
[Spannung]
Drehzahl
[U/min]
Leerlauf
[°C]
Auslastung
[°C]
Lärm
[dB(A)]
AC Accelero S1
[12 Volt]
1850GPU: 35
Umg: 33
VRM: 52
GPU: 53
Umg: 44
VRM: 74
35,4
AC Accelero S1
[5 Volt]
750GPU: 37
Umg: 36
VRM: 60
GPU: 58
Umg: 49
VRM: 90
30,6
Zalman VF-900
[12 Volt]
2470GPU: 38
Umg: 32
VRM: 52
GPU: 74
Umg: 46
VRM: 77
48,2
ZEROtherm GX810
[thermogeregelt]
800 -
1950
GPU: 40
Umg: 36
VRM: 59
GPU: 75
Umg: 51
VRM: 78
35,1 –
50,3
Zalman VF-900
[5 Volt]
1350GPU: 39
Umg: 35
VRM: 55
GPU: 85
Umg: 54
VRM: 86
34,1
Standardkühler
[thermogeregelt]
N.A.GPU: 50
Umg: 44
VRM: 63
GPU: 89
Umg: 64
VRM: 92
N.A.

„GPU“: Chiptemperatur | „Umg“: Umgebungssensor auf Platine | „VRM“: Spannungswandlertemperatur

Demnach ist die Performance des Arctic-Cooling Accelero ob seiner gigantischen Ausmaße als überragend zu bezeichnen. Egal ob die beiden Lüfter des Turbo-Moduls mit leisen 12 Volt oder kaum mehr wahrnehmbaren 5 Volt betrieben werden, die kompakte Konkurrenz hat deutlich das Nachsehen. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass mit dem Accelero S1 bei niedriger Drehzahl sehr hohe Spannungswandlertemperaturen auftreten können, da der Kühler die Bausteine vom Gehäuseluftstrom abschottet. So lange diese Marke allerdings die 100°C nicht überschreitet, besteht kein Grund zur Sorge.

Der ZEROtherm GX810 schlägt sich in etwa auf Höhe des Zalman VF-900. Hier fällt es aufgrund der Thermoregulierung allerdings schwer, die Resultate exakt einzuordnen. Aber sowohl in der Lautstärke als auch in der Leistung lassen sich deutliche Parallelen zum Zalman-Spross ziehen – der Abstand zum Accelero S1 ist allerdings beachtlich. Etwas unschön ist der Klangcharakter des GX810, der in allen Lebenslagen etwas rau ratternd daher kommt. Der Lüfter des VF-900 dreht dagegen deutlich weicher und heller als der des GX810 und wird daher, trotz leicht höherer Drehzahlen, etwas leiser bewertet. Die maximale Drehzahl des GX810 zur Lautstärkeermittlung im Einzelbetrieb wurde im Übrigen durch Herdplatten-Hitzezufuhr realisiert. Im Praxistext erreichte der Kühler diese Drehzahlen nicht.

Kühler, leiser und attraktiver als der Serienkühler sind beide Nachkauf-Modelle aber allemal.

Fazit

Arctic-Coolings Accelero S1 hat sich in Verbindung mit dem optionalen Turbo-Modul als klarer Leistungssieger aus unserem ungleichen Duell heraus kristallisieren können. Zwar ist der Schweizer qualitativ kein Meisterstück, ob seiner imposanten Ausmaße eine ergonomische Katastrophe und daher sicher nicht für jeden Einsatzzweck uneingeschränkt empfehlenswert. Wer seine Hochleistungsgrafikkarte allerdings gut und vor allem sehr leise gekühlt wissen will, dabei nicht so tief in die Tasche greifen möchte und sich mit den gegebenen Schwierigkeiten des Kühlkolosses arrangieren kann, der ist mit dem Accelero S1 für die aktuelle Beschleunigergeneration respektive dem S2 für etwas ältere Modelle bestens beraten. Wir empfehlen zusätzlich das Turbo-Modul aufzuschnallen, um die Arbeitstemperaturen der sensiblen 3D-Karte auf einem moderaten Niveau zu halten. Summa summarum erhält man aber auch ohne mit dem Accelero S1 für deutlich unter 20 Euro [7] einen erstklassigen Kühler im Gesamtpaket mit RAM- und Spannungswandler-Kühlbausteinen, einer guten Dokumentation und einer überraschend einfachen Montage – einfach ein stimmiges und faires Produkt, das sich überdies mit einer sechsjährigen Herstellergarantie schmückt.

Klarer Leistungssieg für den S1 – der GX810 ist unter Last zu laut

Ebenfalls ordentlich weiß sich der ZEROtherm GX810 – stellvertretend für die neue Kühlerserie des Herstellers – zu verkaufen. Zwar ist die Performance des Kompaktkühlers deutlich entfernt von der des Accelero S1, dafür erhält der Käufer einen schicken und hochwertigen Kupfer-Grafikkartenkühler (ebenfalls im Kombipaket mit zusätzlichen RAM-Passivkühlern), der sich leicht montieren lässt, SLI respektive Crossfire geeignet ist und aufgrund seiner integrierten Temperaturregulierung adaptiv arbeitet. Hinsichtlich der Lautstärke kann der Spross leider nicht ganz den Anforderungen eines Silent-Produktes nachkommen, eine bessere und leisere Alternative zum Serienkühler stellt aber auch er dar. Der ZEROtherm GX810 kostet etwa 27 Euro und ist beispielsweise bei Caseking [8] erhältlich.

Damit sind die ersten Messlatten gesetzt, an denen sich in Kürze weitere aktuelle VGA-Kühler-Modelle der namhaften, aber auch der unbekannteren Marken messen lassen müssen.

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2006/test_fuenf_vga-kuehler_vergleich/1/
  2. http://arctic-cooling.de
  3. http://www.zerotherm.de/
  4. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2006/test_fuenf_vga-kuehler_vergleich/5/
  5. http://www.caseking.de/shop/catalog/default.php?cPath=975_1318&osCsid=dab05d87f1c7f78cd718f10152f3d5f0
  6. http://www.computerbase.de/downloads/software/systemueberwachung/everest/
  7. http://www.caseking.de/shop/catalog/product_info.php?cPath=975_982&products_id=6772&osCsid=fa02050810fccd0a8cb2d6786a668f48
  8. http://www.caseking.de/shop/catalog/product_info.php?cPath=975_1318&products_id=6305&osCsid=fa02050810fccd0a8cb2d6786a668f48
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