Vor wenigen Wochen testete ComputerBase den HDT-S963 [1] des bis dato noch wenig bekannten Herstellers Xigmatek [2]. Der kompakte 92-mm-Towerkühler wusste sofort zu gefallen und ist seither in aller Munde. Besonderheit des starken Kühlers, der auf den ersten Blick nicht wirklich extravagant erscheint, ist das Heatpipe-Direct-Touch-System (kurz „H.D.T.“), bei dem die abgeflachten Wärmeleitkapillaren ohne zwischengeschaltete Bodenplatte direkt auf der CPU-Oberfläche aufliegen und so die thermische Energie ohne widerstandssteigernden Materialübergang aufnehmen können.
Das erfolgreiche Abschneiden des „kleinen“ Kühlers ließ schnell das Verlangen nach einer entsprechenden 120-mm-Schwester aufsteigen, die wohl ohne Probleme den aktuellen Referenzen Paroli bieten können sollte. Und tatsächlich legte Xigmatek bereitwillig nach und präsentiert nun mit dem HDT-S1283 das vergrößerte Pendant zum 92-mm-Spross, das zu allem Überfluss mit imposanten 8-mm-Heatpipes ausgestattet daher kommt, die im Vergleich zur gewöhnlichen 6-mm-Pipe erhebliche Leistungsgewinne versprechen. ComputerBase testet in gewohnter Manier, wie sich der neue Xigmatek-Proband gegen die etablierte Konkurrenz zu schlagen weiß.
Geliefert wird der Xigmatek HDT-S1283 in Einzelteilen in einer knappen, schick gestalteten Retail-Kartonage. Er will vom Käufer noch zusammengefügt werden. Nebst Kühlkörper und 120-mm-PWM-Lüfter finden wir die mehrsprachige, Schemata-unterstützte Produktanleitung sowie das obligatorische Montagematerial. Ein Tütchen Silikon-Wärmeleitpaste, ein 3-Pin-auf-4-Pin-Stromadapter sowie ein Luftleitspoiler zur Zusatzkühlung sind ebenfalls mit von der Partie.
Der Xigmatek HDT-S1283 ist seiner kleineren S963-Schwester wie aus dem Gesicht geschnitten. Bis auf den Größenunterschied bei Lamellenkörper und Heatpipes gib es keinerlei Veränderungen am Erfolgskonzept. So verfügt der komplett knapp 700 Gramm schwere 120-mm-Bolide über einen vergleichsweise schmalen Wärmetauscher aus insgesamt 55 Aluminiumlamellen, die qualitativ ordentlich zusammengefügt, allerdings nicht sehr verformungsrobust daher kommen. Ein kleiner Luftleitspoiler kann optional rückseitig in beliebiger Höhe an den Lamellen befestigt werden und sorgt für eine geringe Nebenbelüftung der sockelnahen Mainboard-Peripherie.
Absolutes Highlight sind beim Xigmatek HDT-S1283 Art und Verwendung der Heatpipes. Zum Einen kommen drei imposante, U-förmig aufgebogene Heatpipes mit jeweils 8 mm Durchmesser zum Einsatz – die Konkurrenz arbeitet bisweilen größtenteils noch mit dünneren 6-mm-Kapillaren mit deutlich geringerer Wärmetransportleistung. Zum Anderen liegen die Heatpipes, einseitig abgeflacht, direkt auf der Prozessoroberfläche auf, wodurch der thermische Widerstand der gesamten Konstruktion entscheidend gesenkt werden kann. Xigmatek nennt dieses Feature „Heatpipe-Direct-Touch“ („H.D.T.“), wonach alle Kühler der Serie benannt werden.
Die Lüfterbefestigung erfolgt lobenswerterweise per Gummientkoppler, welche zur verminderten Vibrationsübertragung zwischen Kühlkörper und Lüfter dienen – und damit gleichzeitig vollkommen schrauben- oder klemmenfrei. Beim Lüfter selbst entscheidet sich Xigmatek für ein einfaches 120-mm-Modell mit 4-Pin-PWM-Funktion und bei Bedarf breitem Drehzahlspektrum von weit unter 1000 U/min bis deutlich über 1500 U/min. Somit dürfte sich für jeden Anspruch der passende Betriebsmodus realisieren lassen. Das Betriebsgeräusch variiert dabei zwischen aufdringlich laut über nebengeräuschfrei leise bis hin zu flüsterleise mit hörbaren Schleifgeräuschen.
Zur Montage des Kühlers müssen eigentlich keine großen Worte verloren werden. Will man ihn auf Intels Sockel 775 installieren, fixiert man zunächst die beiden Clipbügel am Kühlerboden und arretiert den Xigmatek-Spross standesgemäß in bekannter Manier per 4-Punkt-Push-Pin-Methode auf der CPU. Dabei ist darauf zu achten, dass das viel kritisierte Push-Pin-System nur dann brilliant funktioniert, wenn man die Pin-Stifte vor dem Eindrücken entgegen der aufgedruckten Pfeilrichtung „öffnet“. Dann rasten sie beim Fixieren mit einem deutlich hörbaren Klickgeräusch ein und halten den knapp 700 Gramm schweren Xigamtek-Tower problemlos und zuverlässig.
AMD-Besitzer legen derweil nur die entsprechende Halteklammer in die Führungsschlitze der Bodenplatte ein und befestigen den Kühler schnell und einfach am Retentionmodul des Mainboards. Trotz des montierten Lüfters gehen beide Akte unkompliziert und ohne nervigen Mainboardausbau mit Hilfe der Standardkomponenten von Statten. Platzprobleme beim Installieren sollte es bei etwas feinfühligerer Fingerarbeit nicht geben.
Inkompatibilitäten sind bei flachen Gehäusen zu erwarten, die den HDT-S1283 mit seiner üppigen Bauhöhe von 159 mm nicht aufnehmen können. Hier sollte man sich auf jeden Fall vor dem Kauf informieren und gegebenenfalls ausmessen, ob das eigene Gehäuse für einen Kühler dieser Bauhöhe geeignet ist. Eine freie Ausrichtung des Kühlers in alle Himmelsrichtungen ist aus Symmetriegründen Intel-Systemen vorbehalten, während sich die möglichen Ausrichtungen im AMD-System nach der Platzierung des Sockels richten.
Auch im Jahr 2007 bleibt unser Kühlertestsystem zunächst unangetastet, denn trotz neuer Core-2-Duo-Prozessoren hat sich der 3,2 GHz starke Pentium XE 840 mit einer von Intel spezifizierten TDP von 135 Watt als gut skalierende Doppelherz-CPU etabliert. Als weitere Schlüsselkomponente unseres auf den möglichst leisen, aber dennoch gut gekühlten Betrieb ausgerichteten Systems vertrauen wir beim Netzteil auf ein 600 Watt starkes Silverstone Strider ST06F. Für einen unbeeinflussten Testverlauf unter Silent-System-Bedingungen musste allerdings dessen temperaturgeregelter 120-mm-Bodenventilator der Serie einem laufruhigen und leisen Papst F2GLL weichen, der mit konstanten 1200 U/min rotiert. Ein eben solcher werkelt auch ausblasend als einziger Gehäuselüfter im komplett schallgedämmten Thermaltake Shark Fullsize-Aluminiumtower. Alle übrigen Komponenten sind folgender Zusammenstellung zu entnehmen:
Zur Bestimmung der jeweiligen Kühlerleistungen wird das System in der Aufwärmphase zunächst zwei Stunden im 3DMark05-Loop ausgelastet. Daran schließt sich eine einstündige Beanspruchungsphase an, in der mit dem in vier Instanzen laufenden Tweakers4u-Toaster besonderes Augenmerk auf die konstant maximale Prozessorauslastung gelegt wird. Die weiterhin zugeschalteten 3DMark05-Gametest-Durchläufe sichern unterdessen eine gleich bleibende Hochbelastung für das komplette System. Zum Abschluss gewähren wir jedem Kühler noch eine Leerlaufphase von einer halben Stunde. Während dieser Szenarien werden die Temperaturverläufe mit der SpeedFan-Software dokumentiert und die Maxima entsprechend von uns zur Bewertung herangezogen. Im Volllastbetrieb verbraucht das System dabei etwa 260 Watt, während im Leerlauf noch eine Leistungsaufnahme von 140 Watt zu verbuchen ist.
Achtung! Die Temperatur-Messergebnisse sind mitunter recht stark an die verwendete Testplattform geknüpft und können je nach Konfiguration erheblich abweichen. Sie sollten nur als Orientierung und grobe Tendenz, nicht allerdings als absolut angesehen werden.
Die Messung der Lautstärke erfolgt derweil im Einzelbetrieb des jeweiligen Kühlers mit einem Voltcraft 320 Schallpegelmessgerät, das die Geräuschemission nach den bekannten A-Bewertungskurven in einem Bereich von 30 bis 130 Dezibel interpretiert. Die Grundlautstärke des Messraumes bei subjektiv empfundener Stille beträgt 30,4 dB(A). Bis etwa 35 dB(A) kann je nach Sensibilität des Anwenders und Frequenzcharakter des Tons davon ausgegangen werden, dass die Lüftergeräusche bei geschlossenem Gehäuse nicht mehr wahrzunehmen sind. Ab 40 dB(A) unserer Skala sind die Geräusche deutlich zu hören, ab 50 dB(A) beginnt der störende Bereich. Zur besseren Übersichtlichkeit fließen die Angaben zur Lüfterlautstärke mit in die Temperaturdiagramme ein.
Die Performance des Xigmatek-Sprosses ist in allen Lebenslagen außerordentlich gut. Bei maximaler Drehzahl und recht aufdringlichem Betriebsgeräusch zieht er mit der bisherigen Scythe-Referenz gleich und bricht auch bei moderat gedrosselten Drehzahlen nur geringfügig ein. Gerade im von uns gewählten Modus mit leicht unter 1000 U/min agiert die Combo angenehm laufruhig und leise, liefert aber dennoch beachtlich gute Leistungswerte ab. Erst im minimalen Drehzahlbereich, der hier mit unter 300 U/min extrem niedrig ausfällt, stürzt man mit dem HDT-S1283 in kritische Temperaturbereiche ab. Auch hat man verstärkt mit schleifenden Rotornebengeräuschen zu kämpfen, die bei PWM-fähigen Lüftern im unteren Grenzspektrum keine Seltenheit sind.
CPU-Kühler im Performancevergleich
Angaben in °C
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Xigmatek hat es geschafft. Innerhalb kürzester Zeit hat man sich vom Nobody zur neuen Referenz im Prozessorkühler-Segment gemausert und hält mit dem HDT-S963 sowie dem heute getesteten HDT-S1283 zwei Produkte in der Hand, die der etablierten Konkurrenz den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Lediglich die Namensgebung der Produkte könnte etwas kundenfreundlicher ausfallen; ein klangvoller Produktname prägt sich einfach besser ein und erhöht den Wiedererkennungsfaktor, was nicht zuletzt die Verkaufszahlen ankurbeln dürfte.
Konkret schafft es der Xigmatek HDT-S1283 – dank ausgereifter, schnörkelloser Towerbauweise, qualitativ akzeptabler Umsetzung und imposantem 8-mm-Heatpipe-Einsatz – dem langjährigen Spitzenreiter in der 120-mm-Disziplin, dem Scythe Infinity, zumindest aktiv ventiliert das Wasser zu reichen. Das clevere Heatpipe-Direct-Touch-System trägt sein Übriges dazu bei. Die Dokumentation ist ausreichend, die Montage auf allen Plattformen selbsterklärend und kinderleicht. Ob man sich an der Push-Pin-Installation für die Intel-Sockel aufreiben möchte, bleibt Geschmackssache.
Abgerundet wird das überaus stimmige Gesamtpaket, bei dem sogar an die serienmäßig gummientkoppelte Lüfteraufhängung sowie an einen Leitspoiler für zusätzliche Spannungswandlermitbelüftung gedacht wurde, durch den verbauten, durchaus brauchbaren 120-mm-Ventilator mit PWM-Unterstützung und breitem Drehzahlspektrum. Der Anwender kann selbst entscheiden, ob es mit dem Xigmatek-Flaggschiff etwas lärmintensiver oder doch flüsterleise zur Sache gehen soll – die Reserven für beide Modi sind üppig. Lediglich absolut penible Silent-Fetischisten werden sich am leichten Schleifgeräusch im Drehzahlbereich von unter 500 U/min stören und den Serienlüfter unter Umständen gegen ein besseres Modell austauschen. Für das Gros der Anwenderschaft sollte die getroffene Combo aber nahezu ideal ausfallen.
Glücklich kann sich also jeder schätzen, der genügend Platz im Gehäuse für einen solchen Tower-Riesen bereitstellen kann, denn ab sofort gibt es zum Scythe Infinity wieder eine interessante Alternative. Mit einem Anschaffungspreis von gerade einmal 35 Euro (erhältlich bei Caseking [4]) ist der HDT-S1283 zudem äußerst portemonnaieschonend und verdient unterm Strich unsere seltene ComputerBase-Hardware-Hammer-Auszeichnung.