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Test: Silverstone SG03-Sugo, NT06-Lite und ST50EF-SC

von Martin Eckardt

Einleitung

Die konsequente Einhaltung festgelegter Standards ist die Grundlage des einfachen Baukastenprinzips heutiger PC-Systeme. Die in den meisten Fällen vorhandene, übergreifende Kompatibilität der Produkte verschiedener Hersteller lässt die Wahl der richtigen Komponenten zur Sympathiefrage avancieren. Nicht selten entstehen dabei wahre Patchworksysteme mit Hardware der verschiedensten Fabrikate. Vor allem im Bereich von Gehäuse und Kühlung scheint die Auswahl und Kombinationsvielfalt des Marktes grenzenlos zu sein.

Silvertone Traumtrio für Mini-PCs?

Manchmal bieten Hersteller aber auch speziell aufeinander abgestimmte Produkte an, die durch ihr angepasstes Design wertvolle Vorteile an den Kunden weitergeben können. Silverstone [1] schickt beispielsweise mit dem schicken, ideenreichen Aluminiumgehäuse SG03 ihr aktuelles Micro-ATX-Aushängeschild ins Rennen, auf dessen Basis wir exemplarisch zusammen mit dem Silverstone NT06-Lite Passiv-CPU-Kühler und dem effizienten ST50EF-Plus-SC Netzteil mit extra kurzen Kabeln ein superleises System aufbauen wollen. Wir fragen deshalb nach – liefert uns Silverstone das Traumtrio für die Realisierung eines leisen Mini-PCs?

SG03 Gehäuse

Mit dem SG03 geht Silverstone in die dritte Runde der Sugo-Gehäuseserie. Nach den beiden sehr erfolgreichen Vorgängern im Mini-Cube-Stil geht das SG03 etwas andere Wege und wirkt wie ein geschrumpfter Midi-Tower. Dabei soll der leichte Aluminiumspross seiner ausgewachsenen Verwandtschaft in nichts nachstehen und durch viele clevere Ideen zum Raumwunder avancieren, in dem auch gut aber leise gekühlte High-End-Systeme mit SLI-Konfiguration Platz finden können. So viel Flexibilität lässt sich Silverstone allerdings auch gut bezahlen, denn mit über 100 Euro [2] ist das kleine SG03, das in schwarzer oder silberner Ausführung erhältlich ist, kein Schnäppchen.

Wabengitterfront und Aluminiumlook beim SG03 Gelochte Seitenwand zur besseren Kühlung Geschlossene rechte Seitenwand Heckansicht mit vielen Lüftungslöchern und fünftem Erweiterungsslot im oberen Bereich

Im Lieferumfang des Gehäuses enthalten ist eine Anleitung mit deutschem Sprachteil und vielen Schemazeichnungen. Weiterhin liegen ein Tütchen mit reichlich Schrauben und Abstandhaltern, zwei selbstklebende Kabelbinder sowie vier Montageschienen für zwei 3,5"-Festplatten bei.

Das SG03 macht Dank des gebürsteten Aluminiumgewandes und der Wabengitter einen sehr harmonischen und hochwertigen Eindruck. Nachteil der Leichtbauweise und der sehr dünnen Außenwände ist allerdings eine verringerte Verwindungssteifigkeit und Robustheit. Als Hocker für zwischendurch sollte man das Sugo also lieber nicht verwenden. Im Inneren des Gehäuses trüben die vielen sichtbaren Niete etwas den qualitativen Eindruck.

Die Frontpartie des Gehäuses ist geprägt vom einheitlichen Lüftungsgitterlook. Hinter dem leicht abnehmbaren Teil lassen sich wahlweise bis zu zwei 120-mm-Lüfter montieren. Verwendet man nur ein Exemplar, ist dieses höhenvariabel postierbar, sodass der Luftstrom zielgerichtet ins Gehäuse gelenkt werden kann. Hinter dem bei Draufsicht linkem Seitenflügel verbergen sich die Frontanschlüsse und der vertikale, externe 3,5" Laufwerkschacht, während sich hinter dem rechten Flügel lediglich die Status-LEDs für Power (weiß) und HDD (blau) sowie ein kleiner Reset-Knopf wiederfinden. Die Idee mit den leicht zu öffnenden Frontklappen ist sehr clever gelöst, da so die funktionellen Frontelemente nicht die Gesamtoptik zerstören.

Oben platzierter Powerbutton Versteckt: Die Frontanschlüsse befinden sich hinter einer Vertikalklappe Darunter wurde der externe 3,5" Schacht positioniert Hinter der Wabengitterfront lassen sich bis zu zwei 120-mm-Lüfter anbringen

Der Powerbutton wurde, auf einer senkrecht zu den übrigen Aluminiumteilen gebürsteten Fläche, oben am Gehäuse angebracht und weist einen angenehmen Druckwiderstand auf. Während die rechte Seitenwand geschlossen und einheitlich ist, wird beim linken Seitenteil die Wabengitteroptik der Front wieder aufgegriffen. Die Öffnung hat durchaus Sinn, denn je nach angedachtem Kühlkonzept kann das Netzteil beim SG03 so eingesetzt werden, dass der Netzteilbodenlüfter direkt zum Seitenteil zeigt und somit nur frische, kühle Luft von außen anzieht. Die Seitenteile werden zeitgemäß mit Daumenschrauben am Gehäuse fixiert.

Die Rückansicht verdeutlicht gut die Komponentenaufteilung im Gehäuses. Das Netzteil sitzt auf CPU-Höhe direkt über dem Mainboard und schränkt damit die Wahl der möglichen Prozessorkühler auf jene Modelle mit einer maximalen Höhe von 78 mm ein. Die Rückseite bietet darüber hinaus keine weiteren, herkömmlichen Belüftungsmöglichkeiten. Silverstone versucht diesem Umstand aber mit vielen Öffnungen beizukommen. Das SG03 bietet vier Slot-Öffnungen für Steckkarten. Ein weiterer Slot sitzt allerdings im oberen Rückwandbereich und kann beispielsweise für die USB- oder eSATA-Erweiterungen des Mainboards genutzt werden.

Innenraumeinblick Metallverstrebung zur Floppymontage (demontierbar) sowie zur Erhöhung der Gehäusesteifigkeit und Blick auf die Festplattenpositionen am Boden Die internen 3,5"-Schächte erreicht man clevererweise von unten Netzteilhalterung und der externe 5,25" Einschub

Eine weitere gute Umsetzung findet sich unter dem Gehäuse. Von hier lassen sich nämlich die beiden internen 3,5"-Schächte der am Boden platzierten Festplatten erreichen. Vor allem im Mini-Gehäuse, in denen die Festplattenkäfige meist durch andere Komponenten zugebaut werden, steigert diese Konstruktion den Bedienkomfort enorm. Einen rutschfreien Stand des Leichtgewichtes sichern die zwei breiten, gummierten Füße.

ST50EF-Plus-SC Netzteil

Mit dem schwarzen ST50EF-Plus-SC hält Silverstone ein 500 Watt Netzteil im Portfolio, das speziell für Mini-PCs konzipiert wurde. Das „EF“ im Namen steht dabei für enorme Effizienz. Silverstone gibt in allen Arbeitsbereichen einen Wirkungsgrad von etwa 85 Prozent an. Ein hoher Wirkungsgrad, also eine geringe Verlustwärmeentwicklung, ist die Grundlage eines kühlen und stromsparend arbeitenden Computer. Hinter dem Kürzel „SC“ verbirgt sich die „Short-Cable-Version“ des Netzteiles, um den Kabelsalat im kleinen Gehäuse so gering wie möglich zu halten, ohne auf ein teures Kabelmanagement zu setzen. Dennoch kostet das hier vorgestellte ST50EF-PLUS-SC stolze 70 Euro [4] im Handel, die Variante mit normalen Kabellängen ist ebenfalls in dieser Preisregion [5] anzutreffen.

Silverstone ST50EF Plus SC Lieferumfang

Der Lieferumfang des ATX 2.2-Netzteiles beschränkt sich auf die üblichen Beigaben. Neben dem Netzteil finden sich in der Verpackungskartonage vier Montageschrauben, ein Kaltgerätenetzkabel sowie eine Anleitung mit Deutscher Sprachausgabe.

Eckdaten

Silverstone ST50EF Plus SC Extra kurze Kabel für Mini-Gehäuse Leistungsverteilung der einzelnen Spannungsstränge

Das hochwertig anmutende Silverstone Netzteil kommt in matter Schwarzlackierung daher und sollte ob seiner gewöhnlichen ATX-Abmessungen keinerlei Platzprobleme verursachen. Das Netzteilgehäuse verfügt über eine komplett gewabte Außenseite zur besseren Zirkulation, während für die aktive Ventilation ein 120-mm-Lüfter der Firma ADDA sorgt. Der hinter einem Lüftergitter angebrachte Fan mit der Modellnummer AD1212MS-A71GL arbeitet laut Datenblatt mit maximalen 2050 U/min und fördert dabei 137m³/h. Im Zuge minimaler Geräuschkulisse, die neben einer stabilen Stromversorgung des PCs zur wichtigsten Eigenschaft eines Netzteiles zu zählen ist, kann man nur hoffen, dass die verbaute Silverstone-Thermoregelung gut arbeitet und die Maximalwerte nie erreicht werden. Im Notfall lässt sich der Lüfter unter Garantieverlust aber auch gegen ein beliebig leises Modell austauschen, denn er bezieht seinen Strom nur über eine Steckverbindung auf der Netzteilplatine. Weiteres zum Thema Lautstärke wird im Abschnitt Alltagstest aufgegriffen.

Kabelummantelung als Qualitätsmerkmal Aufgeräumtes Innere und kleine Kühlkörper Gesteckte Lüfterverbindung ermöglicht einfachen Lüftertausch

Hinsichtlich der Verkabelung bietet das ST50EF-Plus-SC eine an seinen Anwendungsbereich angepasste Ausstattung. Die einzelnen Stränge, die aufgrund ihrer Ummantelung etwas starr und unbeweglich sind, kommen im Vergleich zur normalen Netzteilverkabelung enorm kurz daher. Das Netzteil ist bereit für SLI- oder Crossfire-Konfigurationen, bietet unter anderem sechs 4-Pin und zwei 2-Pin-Anschlüsse. Darüber hinaus kann der ATX-Hauptstrang sowohl als 20-Pol- als auch als 24-Pol-Variante eingesetzt werden. Die konkrete Belegung lässt sich dabei der obigen Auflistung entnehmen.

NT06 Lite Prozessorkühler

Mit der Lite-Version des Nitrogen NT06 liefert Silverstone ein lüfterloses Top-Flow-Pendant, das bei allen Gehäusen der Sugo-Reihe als semi-passiver Prozessorkühler eingesetzt werden kann, wobei der nötige Luftstrom vom knapp darüber installiertem Netzteillüfter erzeugt wird. Der NT06 kostet in der Lite-Version etwa 35 Euro [7] und kann bei Bedarf mit einem beliebigen 120-mm-Lüfter ausgestattet werden.

Lieferumfang des NT06 mit reichlich Montagematerial

Sein Lieferumfang in der Blisterverpackung beschränkt sich auf das nötige Montagematerial für AMD und Intel, eine ausführliche Anleitung, vier Schrauben zur optionalen Lüfterfixierung und eine Spritze Wärmeleitpaste.

Eckdaten

Besonderheiten

Der NT06 ist kein Neuling am Kühlermarkt, sondern liegt bereits seit 2006 in den Händlerregalen. Damals wurde er noch mit einem knackig-kraftvollen und wahnsinnig lauten 120-mm-Everflow-Lüfter ausgeliefert und musste sich gegen den seinerzeit aktuellen Thermalright SI-120 mit vergleichbarer Bauweise durchsetzen. Mittlerweile verzichtet man glücklicherweise auf die Beilage des Lüfterungetüms und liefert den Nitrogen 06, der aufgrund seiner moderaten Höhe von unter acht Zentimetern prädestiniert für den Passiv-Einsatz in kleinen Gehäusen mit Netzteillüfterabsaugung scheint, lüfterlos und etwas günstiger aus.

Top-Flow-Bauweise mit Dreifach-Heatpipe Vormontierte Montagebügel für AMD und Intel – nur bei Platzproblemen muss getauscht werden Mächtig: Die 6-mm-Kupferbodenplatte als Wärmeaufnahme Lüfterhaube abnehmbar – eng gestaffelte Lamellen sind nicht ganz ideal für passiven Betrieb

Als einer der ersten Hersteller etablierte Silverstone beim NT06 die Verwendung von 8-mm-Heatpipes im High-End-Bereich. Die Wärmeaufnahme wird unterdessen von einer wuchtigen 6-mm-Kupferbodenplatte übernommen, wie sie in Zeiten der Heatpipe-Direct-Touch-Technologie nur noch selten zu sehen ist. Als Radiator dient ein ordentlich gearbeiteter Aluminiumlamellenkörper mit eng gestaffelten Leichtmetallparts. Die metallene Ummantelung, die zur Fixierung eines optionalen Lüfters dient, darf bei passiver Verwendung des Kühlers getrost entfernt werden.

Rückseitige Motherboardverschraubung Backplatte mit guter Isolierung Kühlerinstallation mit vier Federmuttern Kühlertestsystem: Wir testen den NT06 in gewohnter Manier mit Referenzlüftern

Bei der Installationsform setzt Silverstone auf eine sichere Schraub-Arretierung und setzt somit den Motherboardausbau voraus. Eine isoliertes, rückplattenähnliches Metall bildet dabei die Basis der Montagekonstruktion des Nitrogens. Die mainboardrückseitig durchgesteckten Schrauben (zwei bei AMD, vier bei Intel) werden vorderseitig mit Isolierringen versehen und per Sechskant-Abstandhalter fixiert. Nun kann bereits der mit einem Multisockel-Montagebügel ausgestattete Kühler auf die mit Wärmeleitpaste benetzte CPU aufgesetzt und mit den Daumenschrauben bequem alternierend fixiert werden. Federn unterstützen dabei die gleichmäßige Verteilung des Anpressdruckes. Sollte es bei den vorinstallierten Montagebügeln für AMD und Intel zu Kollisionen mit Mainboardbauteilen kommen, liegen dem Silverstone-Kühler auch noch spezifische AMD- respektive Intel-Metalle bei, die weniger Platz in Anspruch nehmen. Weiterhin bietet der NT06 die Option der um 90° versetzten Anbringung, sodass je nach Wunsch die optimale Ausrichtung gefunden werden kann.

NT06 Lite im Performancevergleich

Als Test im Test wollen wir den NT06 in unsere aktuellen Charts einordnen. Dazu statten wir den Silverstone-Kühler mit unseren drei Referenzlüftern aus und vergleichen ihn gewohnter Manier auf unserer Kühlertestplattform. Alle nötigen Informationen zur Plattform und zum Testverfahren für Prozessorkühler finden sich im Klapptext. Die technischen Daten der verwendeten Referenzlüfter sind der Tabelle zu entnehmen.

Testsystem und -Hinweise

Referenzlüfter

Scythe S-FlexPapst F2GLLSharkoon Power
120-mm-Referenzlüfter mit niedriger Drehzahl: Scythe S-Flex SFF21D mit ~ 750 U/min
120-mm-Referenzlüfter mit mittlerer Drehzahl: Papst F2GLL mit ~ 1140 U/min
120-mm-Referenzlüfter mit hoher Drehzahl: Sharkoon Power mit ~ 2100 U/min
750 U/min (12 Volt)1150 U/min (12 Volt)2100 U/min (12 Volt)
v(max)Luft = 4,7 km/hv(max)Luft = 8,1 km/hv(max)Luft = 17,3 km/h
unhörbarminimal wahrnehmbaraufdringlich laut
< 30,4 dB(A)31,5 dB(A)49,3 dB(A)
mp3-Hörprobemp3-Hörprobemp3-Hörprobe
Download: Lüfterhörprobe als mp3-Datei [13]
Download: Lüfterhörprobe als mp3-Datei [12]
Download: Lüfterhörprobe als mp3-Datei [12]

Der Silverstone Nitrogen tut sich sichtlich schwer, der jungen Konkurrenz Paroli zu bieten. Sein geringer Lamellenabstand und im Vergleich zu den meisten anderen 120-mm-Riesen des Vergleiches kleiner Wärmetauscher verhindern bessere Platzierungen in unseren High-End-Charts. Erst bei höheren Drehzahlen löst er sich vom letzten Tabellenplatz und beweist damit, dass die Voraussetzungen für einen Semi-Passivbetrieb des Nitrogens im Minisystem nicht ganz ideal sind. Für Prozessoren mit thermisch moderateren Ansprüchen als unser Quad-Core-Exemplar sollte der NT06 Lite jedoch auch mit geringer Belüftung durchaus genügen.

Kühlervergleich mit gleichen Lüftern

 Silent: Scythe S-Flex:
Scythe Orochi
68,75
Thermalright IFX-14
69,00
Scythe Ninja Cu
70,75
Noctua NH-U12P
71,25
Thermalright Ultra-120 eXtr.
72,25
Xigmatek HDT-S1283
72,50
Scythe Ninja Rev. A/B
73,00
Scythe Mugen
73,50
Xigmatek Red Scorpion
73,50
Scythe Zipang
74,00
Enzotech Ultra-X
74,25
Scythe Andy Samurai
74,75
Xigmatek HDT-D1284
76,50
Silverstone Nitrogen NT06
78,75
 Normal: Papst F2GLL:
Thermalright IFX-14
65,50
Scythe Orochi
65,75
Noctua NH-U12P
66,75
Thermalright Ultra-120 eXtr.
67,00
Xigmatek HDT-S1283
67,25
Scythe Ninja Cu
67,75
Xigmatek Red Scorpion
68,00
Scythe Mugen
68,50
Scythe Zipang
69,25
Scythe Ninja Rev. A/B
69,50
Enzotech Ultra-X
69,50
Scythe Andy Samurai
71,75
Xigmatek HDT-D1284
73,50
Silverstone Nitrogen NT06
74,75
 Power: Sharkoon Power:
Scythe Orochi
62,00
Thermalright IFX-14
62,25
Noctua NH-U12P
62,25
Thermalright Ultra-120 eXtr.
62,50
Xigmatek HDT-S1283
63,00
Scythe Ninja Cu
63,25
Scythe Mugen
63,75
Xigmatek Red Scorpion
64,00
Scythe Ninja Rev. A/B
66,00
Scythe Andy Samurai
66,25
Enzotech Ultra-X
66,50
Scythe Zipang
67,00
Silverstone Nitrogen NT06
68,50
Xigmatek HDT-D1284
71,50
Angaben in °C

Zusammenbau und Alltagstest

Hardwareeinbau

Der Zusammenbau eines Mini-PCs gestaltet sich aufgrund der gegebenen Platzverhältnisse meist als besondere Schwierigkeit. Beim SG03 wird der Einbau durch die modulare Bauart weitgehend erleichtert, da die meisten Parts einfach demontiert werden können.

Beginnen sollte man mit dem Einsetzen der Laufwerke. Der externe 5,25"-Schacht wird dabei in herkömmlicher Manier von außen bedient und das Laufwerk von beiden Seiten festgeschraubt. Das Modul für den externen 3,5"-Schacht kann beispielsweise mit einem Katenlesegerät oder einer Lüftersteuerung (genügend Platz für die Poti-Drehknöpfe ist vorhanden) besetzt werden, wenn kein Floppy mehr zum Einsatz kommen soll. Die Festplattenkäfige sind mit zwei Schrauben am Gehäuseboden fixiert, klappen nach deren Lösen scharnierartig auf und lassen sich natürlich auch abnehmen. Mit Hilfe der Kunststoffschienen werden die HDDs schraubenlos einfach in die Rahmen eingeschoben und eingerastet. Die Käfige sind im Vergleich zum Rest des Gehäuses sehr massiv und zur besseren Kühlung nach unten oberflächenvergrößert.

Massenspeicher-Befestigung per Clip-Schienen Massive Einbaurahmen für die HDDs sind gleichzeitig Gehäuseboden Versteckter 3,5"-Schacht zur Unterbringung von Floppy, Lüftersteuerung oder Cardreader Einfaches Einschieben des optischen Laufwerkes

Sind die Laufwerke verstaut, kann bereits das Motherboard inklusive des vorinstallierten Prozessorkühlers eingesetzt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass die entsprechende Verkabelung der Frontanschlüsse, LEDs und Buttons, gegebenenfalls auch der Netzteilverbindungen und Lüfterstromanschlüsse vor dem Verpflanzen in das Mini-Gehäuse vorgenommen wird. Außerdem müssen beim SG03 noch die Abstandhalter an den entsprechenden Positionen eingeschraubt werden, da dies nicht ab Werk erledigt wurde.

Ist das Motherboard platziert, verschraubt und verkabelt, können die Steckkarten installiert werden. Das Sugo setzt für Grafikkarte und Co. auf herkömmliche Schraubfixerung. Bei der Wahl der Grafikkarte ist darauf zu achten, dass es zwar grundlegend zu keinen Längenproblemen kommen sollte – das SG03 ist für die Verwendung von überlangen High-End-Karten konzipiert – der verwendete VGA-Kühler aber durchaus mit dem Netzteil kollidieren könnte, sofern er grafikboardrückseitig mehr als 1,5 cm vom Pixelbeschleuniger absteht. Unser Versuch, eine passiv gekühlte Grafikkarte zu verbauen, schlug aus Platzproblemen daher fehl.

Lüfterlos: Allerdings ist der EInsatz passiver Grafikkartenkühler aus Platzgründen kaum möglich Blick auf die eingebauen Komponenten ohne Netzteil Alle Komponenten sicher verstaut Passgenau: Die Höhe des NT06 wurde direkt auf den Einsatz im SG03 abgestimmt

Beim finalen Einbau des Netzteiles wird es dann noch einmal kniffelig. Trotz der extra kurzen Kabel des ST50EF-Plus-SC nehmen die überflüssigen Stränge den spärlichen Restplatz in Anspruch. Ferner fällt das Verkabeln in der Enge nicht ganz leicht. Auffällig ist, dass der Kabelstrang mit den SATA-Stromanschlüssen für die am Boden platzierten HDDs sogar etwas zu kurz ist, um sinnvoll verlegt zu werden. Außerdem sind die Abstände zwischen den beiden Stromanschlüssen zu kurz, um zwei Festplatten nebeneinander im SG03 zu versorgen. Das Netzteil kann im Übrigen auch so montiert werden, dass der Netzteillüfter zur Seitenwand schaut – im Falle unseres Kühlkonzeptes ist dies allerdings nicht sinnvoll, denn der Netzteillüfter fungiert gleichzeitig als CPU-Lüfter. Wie auf dem Bild oben rechts deutlich zu erkennen ist, verbleibt zwischen Power-Supply und Nitrogen-Kühler nur ein minimaler Spalt.

Lautstärkebetrachtung

Die Lautstärkeeigenschaften gehören unserer Meinung nach zu den wichtigsten Charakteristika aktueller Kühlhardware. Ein leises, möglichst nicht wahrnehmbares System hoher Leistungsfähigkeit sollte daher als Ziel definiert werden. Unser Silverstone-Trio beinhaltet serienmäßig zwei aktive Lärmverursacher – den 120-mm-Gehäuselüfter mit durchgeschleiftem 4-Pin-Anschluss und konstanten 1300 U/min und den geregelten Netzteillüfter.

Der Gehäuselüfter zeigt sich entsprechend seiner Drehzahl nur bedingt geeignet zum Einsatz im Silent-System. Bei voller Drehzahl erzeugt der frontal hinter dem Gitter platzierte 120-mm-Lüfter sehr starke Strömungsgeräusche. Eine Drehzahlregulierung ist ohne Modifikationen nicht vorgesehen. Macht man sich dennoch die Mühe und betreibt den Silverstone-Lüfter mit 5 Volt, wird man mit einem sehr passablen Minimalgeräuschpegel bei lediglich leisem Motorschleifen belohnt.

Beim Netzteillüfter hat der Anwender hingegen weniger Handlungsspielraum, will er die Gewährleistung nicht verlieren. Im ST50-EF Plus arbeitet der 120-mm-Ventilator mit angenehm leisem Betriebsgeräusch im 2D-Betrieb und wird sich bei einem Großteil der Nutzer deutlich hinter den übrigen Lärmfaktoren verbergen. Trimmt man das komplette System aber auf einen nahezu lautlosen Grundpegel, kann der geringfügig brummige, leicht säuselnde Charakter des Serienlüfters als letzter Störenfried verbleiben. Speziell unter thermisch beanspruchender Dauerlast legt der Lüfter im akzeptablen Rahmen etwas an Drehzahl und Auffälligkeit zu. Wer auf der Suche nach einem akustisch nicht wahrnehmbaren Netzteil ist, muss daher entweder selber Hand anlegen und den Lüfter auswechseln (das ist beim ST50-EF Plus aufgrund der gesteckten Stromanschlussverbindung sehr leicht möglich) oder sich anderweitig umschauen.

Optionales Netzteilkabel, um eventuelle Pfeifgeräusche zu eleminieren

Das Netzteil besitzt allerdings noch eine weitere Eigenart. Je nach verwendetem Motherboard und darauf basierenden Lasten kann das ST50-EF Plus zum deutlichen, störenden Pfeifen neigen. Sollte dies eintreten, hilft Silverstone mit einem speziellen Kabel aus, das zwischen Netzteil und Mainboardhauptanschluss gesteckt wird. In unserem Fall konnte damit dem permanenten Pfeifen beigekommen werden, das speziell bei niedriger Belastung auftrat.

Ein wichtiger Aspekt betrifft die Festplatten, die sich meist erst auf den zweiten Blick als ungeahnte Störenfriede outen. Daher ist eine sinnvolle Aufhängung der Massenspeicher, die das Betriebsgeräusch deutlich mindern kann, von hoher Bedeutung. Da beim SG03 lediglich ein 5,25"-Schacht zur Verfügung steht, fällt die attraktive Lösung einer Entkopplung oder Dämmbox in diesem Format leider aus. Das schienenbasierende Standardsystem der Festplattenhalterung im 3,5"-Bodenschacht des Silverstone-Minigehäuses ist nur bei sehr vibrationsarmen Festplatten zufriedenstellend. Allerdings kann man sich hier sehr einfach selbst behelfen und ersetzt die Schienen einfach durch federndes Material, etwa Schaumstofflagen, und klemmt die Festplatte damit einfach in die Halterung ein. Dies funktioniert erstaunlich gut und lindert mögliche Vibrationsgeräusche deutlich.

Ansonsten bietet das sehr dünnwandige, leichte SG03 naturgemäß nicht die allerbeste Grundlage für ein leises System. Auch für das nachträgliche Auskleiden mit schallschluckenden Dämmmatten ist das Silverstone-Gehäuse nicht unbedingt prädestiniert, da teilweise die Zwischenräume recht eng (beispielsweise zwischen der rechten, geschlossenen Seitenwand und der Motherboard-Grundplatte), teilweise einfach zu viele Öffnungen vorhanden sind (Gehäusefront und linke Seitenwand). Wer also ein sehr leises System realisieren möchte, sollte bereits bei der Komponentenauswahl auf entsprechende Hardware setzen.

Temperaturbetrachtung

Weiterhin wagen wir einen kleinen Blick auf die Temperaturentwicklung unseres auf geringe Lautstärke getrimmten Beispielsystems, basierend auf dem Silverstone-Trio. Hierzu verwendeten wir des weiteren folgendes Setup (nicht mit den vorherigen Fotos übereinstimmend):

Zur Auslastung des Systems wurd je ein zweistündiger 3D-Mark05-Loop genutzt. Im daran anschließendem Leerlaufbetrieb ist die Energiesparfunktion Cool'n'Quiet aktiv, wodurch der Prozessor in einem Leistungsfenster von 1 GHz (1,1 Volt VCore) bis 3 GHz (1,3 Volt VCore) betrieben wird. Der Temperaturverlauf dokumentiert das beliebte Diagnosetool Everest.

Im System agieren dabei drei Lüfter: Der automatisch geregelte des Netzteiles, welcher gleichzeitig zur Abfuhr der CPU-Wärme zuständig ist. Der des Grafikkartenkühlers, welcher bei etwa 4 Volt und 1050 U/min konstant arbeitet sowie der Gehäuselüfter im Frontbereich, den wir als veränderliche Komponente einmal mit etwa 1200 U/min und einmal mit etwa 600 U/min testen.

Frontlüfter: 600 U/minFrontlüfter: 1200 U/min
[°C]LastIdleLastIdle
Chipsatz65396034
CPU64335827
CPU 1. Kern61345730
CPU 2. Kern60365632
GPU72416938
GPU Umgebung68446442
Festplatte46414640

Demnach erreicht unser Dreilüfter-System im Lastbetrieb und angenehm niedriger Gehäuselüfterdrehzahl bereits erhöhte Temperaturen. Vor allem der Mainboardchipsatz leidet unter der geringen Frischluftzufuhr. Auch die CPU und die Festplatte könnten etwas kühler sein. Diese Situation wird durch das Erhöhen der Gehäuselüfter-Drehzahl nur im gewissen Rahmen entschärft. Das stichprobenartige Nachmessen mit einem Infrarot-Thermometer im laufenden Lastbetrieb und niedriger Gehäuselüfterdrehzahl ergab ca. 50°C Kühlertemperatur an den Lamellen des NT-06 und etwa 45°C im Abluftbereich des Netzteiles. Bei niedrigen Auslastungen im 2D-Betrieb muss man sich allerdings keine Sorgen machen – schnell kühlt das System auf ein angenehmes Maß herab.

Wer sich also daran wagt, thermisch anspruchsvollere Komponenten auf engem Raum mit der hier vorgestellten Silverstone-Hardware zusammen zu bringen und ein niedriges Betriebsgeräusch des Computers fordert, sollte zumindest für lange auslastende Anwendungen, etwa 3D-Spiele, vorsorgen und eine manuelle oder automatische Lüftersteuerung integrieren, um bei Bedarf die Lüfterdrehzahlen etwas erhöhen zu können und keine Temperaturrisiken einzugehen.

Leistungsaufnahme

Final interessieren wir uns noch für den Stromverbrauch des Gesamtsystems, um einen Anhaltspunkt für die Effizienz des Netzteiles zu gewinnen. Dazu schalten wir ein Voltcraft Energie Check 3000 zwischen Steckdosenverteiler und das Kaltgerätenetzkabel des Mini-PCs und lesen die Werte in den angegebenen Situationen aus.

Stromverbrauch Gesamtsystem

PC ausgeschaltet
1,4
Standby
1,5
Windows Leerlauf
69,1
Boot-Maximum
138,0
3DMark Maximum
182,4
Angaben in Watt (W)

Die Werte präsentieren sich allesamt auf niedrigem Niveau. Speziell der niedrige Verbrauch im Standby und bei ausgeschaltetem PC (üblich sind hier je drei bis fünf Watt) sprechen für das ST50EF-Plus.

Fazit

Silverstone hält mit dem hier vorgestellten Trio eine interessante Kombination aus Small-Formfaktor-Gehäuse, passendem Prozessorkühler und leisem Netzteil bereit. Dabei zeigen sich die Komponenten überwiegend gut aufeinander abgestimmt. Lediglich bei der Kabelausstattung des Netzteiles hätte man auf die nebeneinander angeordnete Bodenplatzierung der Festplatten eingehen und die SATA-Stromanschlüsse entsprechend konfigurieren können.

Silverstone Traumtrio für leisen Mini-PC

Das Highlight des Tests stellt ohne Zweifel das SG03 dar. Das Aluminium-Leichtgewicht erweist sich als ideenreiches, piekfein gearbeitetes Minigehäuse, das sich für fast jede Art von Systemverwirklichung eignet und in allen Lebenslagen eine gute Figur macht. Ob als Basis für den leisen Wohnzimmer-PC oder als Herberge für ein bärenstarkes SLI-Gespann – dank des ordentlichen Belüftungsprinzipes und der cleveren Raumaufteilung bleiben kaum Wünsche offen. Hinsichtlich der Ausstattung hätte man sich sicher noch über einen internen 5,25"-Schach gefreut, um beispielsweise eine wirkungsvolle Festplattenentkopplung zu realisieren. Insgesamt hat sich das SG03 aber unsere ComputerBase-Empfehlung verdient, wenngleich es mit einem Anschaffungspreis von ca. 120 Euro [14] nicht zu den Schnäppchen zu zählen ist.

Empfehlung (04/08)

Das Fazit des NT06-Lite Prozessorkühlers fällt nicht ganz so eindeutig aus. In Kombination mit dem SG03 (oder dem SG01/02) spielt der Top-Flow-Kühler von Silverstone im hier vorgestellten Semi-Passivbetrieb seine angepassten Abmessungen voll aus. Möchte der Anwender ein ähnliches Kühlkonzept umsetzen, führt kaum ein Weg am NT06 vorbei. Konkurrenzkühler gleicher Bauart sind da tendenziell etwas zu hochbauend. Nüchtern betrachtet liegt die reine Kühlperformance des Hybrid-Sprosses allerdings nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit, sodass man hier keine Wunder erwarten und bei der Prozessorwahl auch die thermischen Aspekte beachten sollte. Insgesamt ist der Preis von rund 40 Euro [15] für den NT06 Lite für unseren Geschmack etwas zu hoch angesetzt.

Den Abschluss bildet das ST50EF-Plus in der Kurzkabel-Variante. Zwar fehlt uns entsprechendes Messgerät für eine fundierte Einschätzung der Leistungsdaten des Stromlieferanten, auf eine Beurteilung aus ergonomischer Sicht wollen wir dennoch nicht verzichten. So wurde die Anschlussausstattung für einen Mini-PC ausreichend dimensioniert. Die ummantelten Kabelstränge hätten dabei allerdings etwas flexibler gestaltet werden können, um das Verlegen zu vereinfachen. Ferner weiß das ST50EF mit einem leisen Betriebsgeräusch zu punkten. Trotz der im Testlauf generierten thermischen Zusatzbelastung durch die Prozessorabwärme arbeitet das Silverstone-Netzteil zuverlässig mit geringem Lautstärkepegel. Für die super-silent-Tauglichkeit fehlt allerdings der letzte Schritt. Insgesamt ist das ST50EF mit einem Anschaffungspreis von ca. 70 Euro [16] durchaus eine Überlegung wert.

URL-Liste:

  1. http://www.silverstonetek.de
  2. http://www.computerbase.de/preisvergleich/?fs=SG03&x=0&y=0&in=
  3. http://www.silverstonetek.com/products/p_contents.php?pno=sg03&area=de
  4. http://www.computerbase.de/preisvergleich/a228632.html
  5. http://www.computerbase.de/preisvergleich/a228631.html
  6. http://www.silverstonetek.com/products/p_spec.php?pno=st50ef-plus-sc&area=de
  7. http://www.computerbase.de/preisvergleich/a262651.html
  8. http://www.silverstonetek.com/products/p_contents.php?pno=nt06-lite&area=de
  9. http://www.be-quiet.net/
  10. http://www.caseking.de/shop/catalog/product_info.php?cPath=30_164&products_id=4823
  11. http://www.caseking.de
  12. http://www.withopf.com/tools/cputempwatch/
  13. http://www.computerbase.de/downloads/software/benchmarks/cpu-kuehler_hoerproben/
  14. http://www.caseking.de/shop/catalog/Gehaeuse/Silverstone/SST-SG03-Serie:::29_398_1387.html
  15. http://www.caseking.de/shop/catalog/CPU-Kuehler/Sockel-478-Intel/Silverstone/Silverstone-Nitrogon-SST-NT06-Lite-CPU-Cooler::6002.html
  16. http://www.computerbase.de/preisvergleich/?fs=ST50EF+Plus&x=0&y=0&in=
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