Der kalifornische Hersteller NZXT hat sich mit dem Whisper das ehrgeizige Ziel gesetzt, ein Gehäuse zu entwickeln, bei dem sowohl Geräuschdämmung als auch Lüftungsleistung nicht zu kurz kommen. Während der Löwenanteil des NZXT-Portfolios mit ausgefallenem Äußeren und möglichst viel Beleuchtung um die Gunst der geneigten Käufer buhlt, versucht sich das Whisper eher mit schlichtem Auftreten und überzeugenden inneren Werten. Wie überzeugend diese allerdings wirklich sind, werden wir im Folgenden klären.
An dieser Stelle geht unser Dank an Caseking aus Berlin für die Bereitstellung des Samples. Dort kann das Gehäuse auch für etwa 130 Euro [1] erworben werden.
Die technischen Daten des Gehäuses im kompakten Überblick:
Im Paket befindet sich neben dem Gehäuse selbst auch eine Tüte mit allen benötigten Schrauben, Abstandshaltern und einer Anleitung in englischer Sprache. Das ist zwar nicht allzu reichhaltig, aber neben der Schalldämmung der Vollausstattung mit Lüftern durchaus als komplett zu bezeichnen.
Das Äußere des NZXT Whisper ist insgesamt sehr schlicht gehalten, dominiert wird das Gehäuse von einer dreieckigen etwa vier Millimeter starken Aluminiumplatte, die zusammen mit der Klappe aus Kunststoff die Gehäusefront bildet. Nahezu mittig in dieser Platte ist ein Schlitz eingelassen, der von zwei blauen Leuchtdioden illuminiert wird. Hinter der Frontklappe versteckt sich die eigentliche Front des Gehäuses, die aus nichts weiter als glattem Kunststoff besteht und die sieben externen 5,25“-Schächte sowie im unteren Bereich das Metallgitter für den 120-mm-Frontlüfter beherbergt. Oben finden sich noch die Bedienelemente, welche mit Ausnahme des Reset-Tasters auch bei geschlossener Frontblende bedienbar bleiben. Auch wenn Front und Frontklappe weitgehend aus Kunststoff bestehen, handelt es sich bei den Scharnieren erfreulicherweise zumindest teilweise um Metall, was der Haltbarkeit der Mechanik sehr zugute kommt.
Das im Deckel eingelassene Portkit mit eSATA, 2x USB sowie 2x Audio ist aufklappbar und lässt die Stecker und Geräte im flachen Winkel vom Gehäusedeckel abstehen. Leider sieht und fühlt man hier sofort, dass es sich nur um Kunststoff handelt. Die Seitenwände sind hinter der Front eingehakt und werden dann aufgeklappt, gesichert sind sie mit Schrauben. Da normalerweise die rechte Seitenwand für die Montage keiner Komponente entfernt werden muss, wurde hier im Gegensatz zur linken Seite auf Rändelschrauben verzichtet.
Der Innenraum des Whisper ist grundsätzlich zweigeteilt, im unteren Bereich befinden sich hinten unten das Netzteil, bis zu neun Festplatten der Baugrößen 2,5 oder 3,5“ und – zu unserem Erstaunen – die meisten Gehäuselüfter. Der hereinblasende 120-mm-Lüfter in der Front sowie zwei 80-mm-Lüfter im Heck sowie das Netzteil sorgen hier für Durchzug, während die Kernkomponenten auf dem Mainboard – die normalerweise deutlich mehr Abwärme erzeugen als die Festplatten - im oberen Teil des Gehäuses nur einen absaugenden 120-mm-Lüfter im Heck zur Seite gestellt bekommen. Die neun Einbauschächte für Festplatten sind aufgeteilt auf drei Käfige, einen großen, fest installierten direkt hinter dem Frontlüfter, welcher fünf Laufwerken Platz bietet, sowie zwei kleinere Käfige für jeweils zwei Festplatten, die von unten an der Trennwand festgeschraubt sind und somit zugunsten von Modifikationen leicht ausgebaut werden können. Die Festplatten selbst werden von unten in ihre Träger montiert, wo sie mit sehr weichen Gummipolstern recht gut entkoppelt sind, und dann in den Käfig eingeschoben. Sowohl normale 3,5"-Festplatten als auch SSDs oder Notebookfestplatten im 2,5"-Format können hier montiert werden.
Oberhalb des Zwischenbodens, in dem nur wenige Öffnungen als Kabeldurchführungen vorhanden sind, findet sich der große Mainboardtray, der sogar Extended-ATX-Boards aufnimmt. Die für den jeweiligen Formfaktor notwendigen Abstandshalter sind als Aufkleber auf dem Tray aufgelistet. Zwei Öffnungen ermöglichen ein rudimentäres Kabelmanagement, was mit Hilfe von mitgelieferten Kabelclips noch verbessert werden kann. Den vorderen Bereich des Gehäuses nimmt der Käfig für 5,25"-Geräte ein, welcher über sieben Einbauplätze verfügt. Den obersten belegt im Lieferzustand ein Einbaurahmen für ein externes 3,5"-Laufwerk, der unterste ist mit einem verschraubten Blech, welches auch als Kabeldurchführung für die LEDs und Taster dient, blockiert. Auch die werkzeuglose Halterung ist hier durch den umgebogenen Rand des Zwischenbodens nicht so einfach verwendbar wie bei den anderen Schächten. Offenbar ist es vom Hersteller hier gar nicht vorgesehen, etwas einzubauen, sodass NZXT sogar offiziell nur von sechs 5,25"-Schächten spricht. Auf der Innenseite ist der Schacht mit Kunststoff praktisch ausgekleidet, sodass kein direkter Kontakt zwischen Laufwerken und Metallteilen des Gehäuses besteht und die Laufwerke wenig bis kein Spiel mehr haben. Fixiert werden die Laufwerke über einsteck- und verriegelbare Clips, allerdings können sie auch konventionell beidseitig verschraubt werden.
Ebenfalls verschraubt werden die Erweiterungssteckkarten, auf eine werkzeuglose Halterung wurde hier leider verzichtet, obwohl soetwas in dieser Preisklasse eigentlich üblich ist. Für lange Grafikkarten eignet sich das Whisper aufgrund seiner E-ATX-Möglichkeiten prinzipiell sehr gut, allerdings kann es mit der geringen Breite des Gehäuses und der Dämmung der Seitenteile zu Platzproblemen bei sehr hohen Towerkühlern kommen. Kühler über 165 mm Höhe sind hier also nicht zu empfehlen.
Beim Einbau der Testhardware fällt auf, dass die Kunststoff-Frontblenden absolut minderwertig verarbeitet sind und sich nur mit erheblichem Krafteinsatz lösen lassen. Auch das Material der Frontklappe und des Portkits im Deckel hinterlässt nicht gerade den Eindruck von hochwertigem Material, und auch die Tatsache, dass es sich beim Korpus um Stahl handelt – gut verarbeiteten Stahl, aber eben kein Aluminium – unterstreicht dies. Ansonsten gab es beim Einbau der Hardware keinerlei Probleme, auch wenn sich der Einbau durch die nötigen Verschraubungen von Festplatten und Erweiterungskarten besonders bei gut ausgestatteten Systemen etwas langwieriger gestaltet als durchschnittlich.
All' das wäre noch akzeptabel, wenn sich NZXT nicht einen ziemlich großen Patzer bei der Belüftung geleistet hätte. Wenn man sich das Lüftungskonzept genauer anschaut, fällt auf, dass drei der vier Lüfter im unteren, abgetrennten Bereich der Festplatten befinden und oben nur ein einzelner 120-mm-Lüfter für die Entlüftung der heißeren Kernkomponenten zuständig ist. Der wesentliche Fehler ist, dass es in diesem oberen Bereich nicht einen einzigen Lufteinlass gibt – abgesehen von kleineren Öffnungen für Kabel im Zwischenboden, die allerdings nicht weiter relevant sind. Das führte dazu, dass selbst unser Testsystem, welches im Vergleich zu heute üblichen Quad-Core-Systemen nur recht wenig Hitze erzeugt, bei einer CPU-Temperatur von über 80°c den Dienst quittierte, sobald wir die Lüfter nicht bei voller Drehzahl betrieben. Wenn man die Slotblenden in der Front entfernt, bessert sich die Situation deutlich – allerdings sind die Temperaturen dann immer noch sehr hoch und die dämmende Wirkung der Seitenwände wird durch die offene Front konterkariert, was sicher nicht im Sinne der Entwickler ist. Für Systeme, die nicht mit zwei sparsamen CPU-Kernen und Onboard-Grafik auskommen, sind hier definitiv Modifikationen notwendig, um einen stabilen und leisen Betrieb zu ermöglichen.
Das Testsystem im Detail:
Die Temperaturen wurden gemessen, während das System den 3DMark05 als Dauerschleife ausführte. Die Lautstärkemessungen wurden mit einem „Voltcraft Digitales Schallpegelmessgerät 320“ durchgeführt, das Schallpegel im Bereich von 30 bis 120 Dezibel misst. Die Grundlautstärke des Messraumes lag bei subjektiv empfundener Stille unterhalb des Messbereiches, also bei weniger als 30 Dezibel. Als Referenzen wurden verschiedene bisher getestete Gehäuse verwendet.
Für die Regelung der Lüfter wurde eine Scythe Kaze Master 5,25" genutzt, die einen Regelbereich von etwa 3,7 bis 12 Volt aufweist.
Die 120- und 80-mm-Lüfter, die standardmäßig im NZXT Whisper verbaut sind, zählen mit etwa 1000 bzw. 1500 U/min nicht unbedingt zu den langsam drehenden Vertretern ihrer Zunft, daher sind sie beim Betrieb mit vollen 12 Volt auch gut hörbar. Anders sieht es allerdings aus, wenn man die Spannung der Lüfter senkt – beim Betrieb im Bereich von unter 7 Volt ist von den Lüftern nichts mehr zu hören. Zusammen mit der Dämmung und der Festplattenentkopplung, wodurch auch die Geräusche der restlichen Komponenten gedämpft werden, ergibt dies ein außerordentlich leises System, welches bei geschickter Auswahl der Komponenten quasi unhörbar wird. Zumindest in diesem Bereich leistet das NZXT Whisper gute Arbeit.
Lautstärke
Angaben in Dezibel
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Ganz anders sieht es leider bei den Temperaturen aus, die durch die bereits erwähnten Fehler bei der Konstruktion nur als katastrophal beschrieben werden können. Selbst bei voller Spannung sind die Temperaturen von CPU und Mainboard unangenehm hoch, bei heruntergeregelten Lüftern schaltete sich unser Testsystem sogar ab, als die CPU-Temperatur 80 °C überstieg. Mit entfernten Frontblenden lief das System zwar die Benchmarks durch, allerdings kann es nicht das Ziel eines gedämmten Gehäuses sein, mit offener Front betrieben zu werden.
Systemtemperaturen
Angaben in °C
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Achtung: Die Messungen einiger anderer Gehäuse erfolgten noch mit der GeForce 6600 GT!
Das NZXT Whisper ist für etwa 120 Euro eine willkommene Abwechslung im Marktsegment der schlicht gestalteten gedämmten Gehäuse, in dem es nicht allzu viele günstige Produkte gibt. Leider hat sich auch gezeigt, dass zu diesem Preis dann auch alles andere als perfekte Leistung zu erwarten ist. Zwar ist der Aufbau eines sehr leisen Systems mit diesem Gehäuse gut möglich, allerdings sind im Lieferzustand die Temperaturen viel zu schlecht.
Von einer allgemeinen Empfehlung ist das NZXT Whisper daher weiter weg als jedes andere bisher von uns getestete Gehäuse, ohne Modifikationen können wir nur davor warnen, Hardware mit hoher Verlustleitung in diesem Gehäuse zu betreiben. Allerdings kann man mit etwas bastlerischem Geschick auch die signifikanten Nachteile bei der Kühlung beispielsweise durch Entfernung des Zwischenbodens korrigieren. Damit wäre das Whisper dann zumindest für ein leises Mittelklassesystem tauglich.
Tagesaktuelle Preise und Verfügbarkeiten: