Nachdem es in den vergangenen Monaten heiß her gegangen ist im Grafikkartenmarkt, hat sich die Situation langsam wieder etwas beruhigt. Zahlreiche Neuvorstellungen, inklusive der GeForce-GTX-200- und der Radeon-HD-4000-Serie, haben die Karten mittlerweile neu gemischt und den Zweikampf zwischen ATi und Nvidia endlich wieder spannend gemacht, nachdem er mit der „alten“ Generation für eine längere Zeit ziemlich eindeutig zu Gunsten Nvidias ausgegangen war.
Gerade erst vor einigen Tagen hat ATi die Radeon HD 4550 (ComputerBase-Test [1]) sowie die Radeon HD 4350 der Öffentlichkeit präsentiert, womit man nun auch den Low-End-Markt mit der Radeon-4000-Serie beliefert. Nichtsdestotrotz stellen die Bordpartner von Zeit zu Zeit immer noch neue Varianten in den höherpreisigen Segmenten vor. So auch Sapphire, die sich nach der Radeon HD 4850 Toxic (ComputerBase-Test [2]) nun an eine „giftige“ Version der schnelleren Radeon HD 4870 Toxic getraut haben.
Sapphire setzt bei der Radeon HD 4870 Toxic auf die alten Tugenden: Das schicke blaue PCB soll es mit Hilfe der höheren Taktraten, einem anderen Kühlsystem sowie einer reichhaltigen Ausstattung schaffen, den Blick der Kunden auf sich zu ziehen. Mit dem Referenzdesign hat die Toxic-Karte optisch wahrlich nichts mehr am Hut. Ob aber auch abseits der Optik eine gute Karte herausgekommen ist, klären wir auf den nächsten Seiten.
Mit der Radeon HD 4870 Toxic steigt Sapphire in den Markt der Radeon-HD-4870-Modelle mit einem größtenteils eigenen Design ein. Das ganze hat seinen Preis: So ist das Modell ab 260 Euro gelistet, während das Referenzdesign von Sapphire für nur etwa 210 Euro den Besitzer wechselt. Die Sapphire Radeon HD 4870 Toxic ist aktuell noch nicht lieferbar. In den nächsten Tagen sollte sich die Situation aber ändern.
Die Platine in der für Sapphire typischen Farbe ist ansonsten identisch mit dem Referenzdesigns einer Radeon HD 4870. Jedes Bauteil sitzt an derselben Stelle. Die Platine misst eine Länge von 24 cm, was in modernen Gehäusen jedoch nur selten ein Problem sein sollte. Einzig mit den SATA-Anschlüssen von Festplatten kann es je nach Modell etwas eng werden, da die Stromanschlüsse der Grafikkarte nach hinten ausgerichtet sind.
Beim Kühlsystem geht man auf der Radeon HD 4870 Toxic eigene Wege. Es handelt sich ebenfalls um ein Dual-Slot-Kühlsystem, womit der nächstgelegene PCI- oder PCIe-Slot blockiert ist. Ein massiver Kühlkörper bildet die Basis des Kühlers, der größtenteils aus Aluminium besteht.
Einzig ein eingelassener Kühlblock direkt auf der GPU besteht aus teurem, aber effektiverem Kupfer. Darüber hinaus verfügt das Kühlsystem über gleich drei Heatpipes, die über den Rand der Grafikkarte hinaus ragen. Das Kühlsystem gehört der Vapor-X-Serie an und soll effektiver als die Konkurrenzprodukte arbeiten. Ein großer, regelbarer 80-mm-Axiallüfter sitzt genau über der GPU auf der Mitte des Kühlers. Die Lüftersteuerung kann im Betrieb allerdings nur bedingt überzeugen – mehr dazu auf den folgenden Seiten.
Für eine erfolgreiche Inbetriebnahme müssen zwei Sechs-Pin-Stromstecker mit der Grafikkarte verbunden werden. Sapphire hebt bei der Radeon HD 4870 Toxic leicht die Taktraten gegenüber dem Referenzdesign an. Während dieses mit einer GPU-Frequenz von 750 MHz daher kommt, erhöht Sapphire die Taktrate auf 780 MHz. Ein Plus von 200 MHz gönnt man dem 512 MB großen GDDR5-Speicher, der von Qimonda hergestellt wird. Anstatt mit 1.800 MHz wird dieser mit 2.000 MHz angesteuert.
Am Slotblech wurde dagegen nichts verändert. So kommt der 3D-Beschleuniger mit den gewöhnlichen zwei Dual-Link-DVI- sowie einem S-Video-Anschluss daher. Die Ausstattung der Radeon HD 4870 Toxic ist in der Full-Retail-Version Sapphire-typisch wieder sehr umfangreich. Zwei Stromkabel, eine CrossFire-Bridge, ein DVI-auf-D-SUB-, ein DVI-auf-HDMI-, ein S-Video-auf-Composite- sowie ein S-Video-auf-YUV-Adapter liegen dem Karton bei – mehr braucht wohl keiner. Die Softwarebeilagen können ebenso überzeugen. Neben einer Treiber-CD gibt es den 3DMark Vantage in der Advanced Edition, PowerDVD 7 von CyberLink, die DVD Suite desselben Herstellers sowie eine DVD mit einigen Spieledemos.
Die folgenden Benchmarks wurden mit unserem neuen Testsystem [3] auf Basis eines Intel Core 2 Extreme QX9770 ermittelt. Dieser wird mit einem Takt von 4 GHz betrieben, um die Karten nicht unnötig auszubremsen. Als Treiber kam für alle Messungen (einschließlich Leistungsaufnahme und Lautstärke) der ForceWare 177.39/177.34 beziehungsweise der Catalyst 8.6 (spezielle Presse-Version) zum Einsatz.
1600x1200
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
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Da die Taktraten der Sapphire Radeon HD 4870 Toxic identisch mit der der MSI Radeon HD 4870 OC sind, fallen auch die Performancemessungen gleich aus. Da wir nicht davon ausgehen, dass die beiden Testprobanden mit unterschiedlichen Speichertimings ausgestattet sind, kann man die minimal (und unspürbar) unterschiedlichen Ergebnisse mit der Messungenauigkeit begründen.
Durchschnittlich platziert sich die Radeon HD 4870 etwa fünf Prozent vor der Radeon HD 4870 im Referenzdesign. Von der Performance einer GeForce GTX 280 ist man somit noch ein gutes Stückchen entfernt. Von Anwendung zu Anwendungen fallen die Vorteile der höheren Taktraten unterschiedlich aus. Je nach Qualitätseinstellung ist die Skalierung des Sapphire-Produktes in Crysis sowie Stalker mit acht bis neun Prozent am besten. Ohne die beiden qualitätssteigernden Features kann sich die Radeon HD 4870 Toxic dagegen erneut in Stalker mit einer Performancesteigerung von nur marginalen zwei Prozent am geringsten absetzen.
Performancerating
Angaben in Prozent
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Lautstärke
Angaben in Dezibel
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Unter Windows weiß die Sapphire Radeon HD 4870 Toxic in der Disziplin der Lautstärke mit dem finalen Verkaufs-BIOS zu gefallen. Mit den gemessenen 43,5 Dezibel liegt die Grafikkarte gleich auf mit dem Referenzdesign der Radeon HD 4870, was bedeutet, dass einzig eine vollkommen lüfterlose Grafikkarte noch leiser ist – sehr gut!
Weniger gut ist dagegen das Verhalten der Lüftersteuerung unter Last. Dann dreht die Radeon HD 4870 Toxic hörbar auf und agiert mit 54,5 Dezibel genau 3,5 Dezibel lauter als das ohnehin nicht gerade leise Referenzdesign. Zwar ist die Art des Geräusches ein recht angenehmes Brummen, für einen Silent-PC eignet sich die Sapphire Radeon HD 4870 Toxic damit aber leider nicht.
Temperatur
Angaben in °C
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Das Kühlsystem der Sapphire Radeon HD 4870 Toxic macht nicht nur optisch einen soliden Eindruck und unter Last jede Menge Krach, auch die Temperaturwerte wissen zu überzeugen. Unter Windows wird die RV770-GPU nicht wärmer als 53 Grad Celsius, was ein gutes Stück unter den Werten einer herkömmlichen ATi Radeon HD 4870 liegt, die mehr als 20 Grad wärmer wird. Unter Last rücken die Testkandidaten etwas näher zusammen, doch auch hier arbeitet die Sapphire-Karte besser als das Referenzdesign: 70 Grad Celsius zu 84 Grad Celsius lautet das Ergebnis. Auf der Chiprückseite messen wir maximal 71 Grad.
Leistungsaufnahme
Angaben in Watt (W)
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Bei der Leistungsaufnahme wusste bereits eine normale ATi Radeon HD 4870 trotz des (wenig effektiven) PowerPlay-2.0-Mechanismus' nicht zu gefallen, was sich bei der Sapphire Radeon HD 4870 Toxic auch nicht ändert. Unter Windows messen wir eine Leistungsaufnahme von 197 Watt, was exakt derselbe Wert wie der auf einer gewöhnlichen Grafikkarte ist. Unter Windows zieht die „giftige“ Karte dann mit 339 Watt etwas mehr aus der Steckdose. Dennoch zeigen andere übertaktete 3D-Beschleuniger, dass es besser geht.
Übertakten
Angaben in Bildern pro Sekunde (FPS)
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Die Sapphire Radeon HD 4870 Toxic kommt bereits von Haus aus mit höheren Taktraten daher, was der Übertaktbarkeit logischerweise nicht unbedingt zu Gute kommt. Und so konnten wir die GPU-Frequenz auch nur um geringe 21 MHz von 780 MHz auf 801 MHz anheben. Der 512 MB große GDDR5-Speicher zeigte dagegen einen etwas größeren Übertaktungsspielraum, da dieser ein Plus von 200 MHz zuließ. 2.200 lautete das Maximalergebnis. Dadurch konnten wir die Performance der Grafikkarte um etwa drei Prozent erhöhen.
Sapphire startet mit der Radeon HD 4870 Toxic einen weiteren Angriff auf die Riege der modifizierten Radeon-HD-4870-Karten der Konkurrenz und macht dabei prinzipiell vieles richtig. So übertaktet man nicht nur wie die meisten anderen Mitbewerber die Grafikkarte, sondern stattet sie auch mit einem anderen Kühlsystem aus. Doch genau an diesem Punkt gib es bei der Radeon HD 4870 noch etwas zu verbessern. Denn während der 3D-Beschleuniger unter Windows angenehm leise ist, dreht der Lüfter unter Last ordentlich auf. Zu ordentlich, meinen wir.
An diesem Punkt scheitert die Radeon HD 4870 Toxic. Unter Windows zeigt die Sapphire-Karte noch eine sehr gute Figur, da die Grafikkarte absolut unhörbar ist und damit dem deutlich wärmeren Referenzdesign in nichts nach steht. Doch unter Last wird die Karte hörbar lauter, gar lauter als die Standard-Version. Das Geräusch ist zwar ein „angenehmes“, tiefes Brummen und kein Kreischen. Aber Tonlage hin und her, es ist zu laut.
Bei der Geschwindigkeit gibt es hingegen nichts zu meckern. Durch die Übertaktung macht die Karte zwar keine Riesensprünge, doch das Plus an Performance nimmt preisbereinigt sicherlich jeder gerne mit. Zudem erhält der Käufer eine sehr umfangreiche Ausstattung, bei der sich so mancher Konkurrent noch einiges abschauen könnte. Mit einem Preis von angesetzten 260 Euro ist die Sapphire Radeon HD 4870 Toxic allerdings gut 50 bis 60 Euro teurer als das Referenzdesign.