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6. Januar 2006

Bericht: Intels „Core Solo“ und „Core Duo“ (6/6)

Ein Neuanfang?
Autoren: Frank Hüber, Jan-Frederik Timm, Simon Knappe und Thomas Hübner

Desktop

Außerdem wird der „Core Duo“ (Codename Yonah DC) in Verbindung mit dem eigens dafür entwickelten Chipsatz „i945GT“ oder einem der passenden Notebook-Chipsätze unter dem „Viiv“-Label (gesprochen: Vive) als Symbol für „Digital Home/Office“ auf Desktop-Plattformen – insbesondere HTPCs (Multimedia) – zu finden sein und stellt damit keinen reinen Mobil-Prozessor mehr dar. Ein erstes System kündigt AOpen mit dem miniPC MP945 an, das einem Apple Mac mini zum verwechseln ähnlich sieht. In diesem System arbeitet neben einem Core-Prozessor der i945GM-Chipsatz mit integrierter Grafik samt ICH7M-DH-Southbridge. Das System bietet einen freien DDR2-SO-DIMM-Slot für einen maximalen Speicherausbau von 1 GB. Erste Exemplare des miniPC MP945 werden Ende des ersten Quartals verfügbar sein.

Aopen miniPC MP945 mit Napa-Komponenten

Vor wenigen Tagen ist mit dem AOpen i975Xa-YDG sogar ein erstes echtes Desktop-Mainboard auf Basis des i975X Chipsatzes im ATX-Formfaktor aufgetaucht. Auch Gigabyte schickt mit dem „GA-8I945GTMF-Y-RH“ ein Desktop-taugliches Micro-ATX-Mainboard basierend auf dem i945GT-Chipsatz ins Rennen.

Im Gegensatz zu den Desktop-Prozessoren hält die „Extended Memory 64 Technology“ bei Intel erst mit dem Merom, dem Nachfolger des heute offiziell vorgestellten Yonah, Einzug in den mobilen Sektor. Die Unterstützung für die Virtualisierungstechnologie „Vanderpool“ wird ebenfalls erst in einem späteren Stepping des Yonah nachgereicht.

Bis es soweit ist, müssen sich die Intel-Freunde oder diejenigen, die es werden wollen, noch etwas gedulden. Intel hat die neuen und letzten Prozessoren aus der Netburst-Familie in Form der Pentium D 9xx und Pentium XE 955 erst gerade frisch aus dem Ei gepellt. Mit dem Conroe steht darüber hinaus bereits eine neue Architektur in den Startlöchern, die die Vorteile der Mobil- und aktuellen Desktop-Prozessoren des Halbleiter-Riesens vereinigen soll. Der Conroe stammt dabei vom Merom ab, der Mitte 2006 den Yonah ablösen wird. Conroe und Merom wurden ebenfalls in Haifa, Israel, und zunächst nur für den mobilen Sektor entwickelt. Rückblickend sah es vor drei Jahren noch ganz anders aus. Hatte man damals noch die 10-GHz-Marke vor Augen, musste man mit der Einführung des „Prescott“-Kerns nach langer Verzögerung jedoch feststellen, dass dieses Vorhaben (vorerst mit dieser Architektur) nicht zu realisieren ist. Plan B musste her und so entschied man sich schließlich dazu, das Merom-Design auch für die Varianten im Desktop- und Server-Bereich zu nutzen. Neben dem Conroe wird Mitte 2006 der „Woodcrest“ Netburst auch im Server-Bereich ablösen.

War bei den 90-nm-Prescotts/Smithfields respektive den neuen, in 65 nm gefertigten Nachfolgern Cedar Mill und Presler noch nicht viel davon zu spüren, läuft die „Next-Gen-CPU-Architecture“ unter der Prämisse, „Performance pro Watt“ zu maximieren.

Leistungsexplosion pro Watt im Desktopsegment mit der Mitte 2006 erscheinenden neuen Prozessorarchitektur
Die Entwicklung geht weiter: Auch Merom (H2. 2006) "passt" auf Napa Mit Woodcrest hält die Pentium M-Idee auch bei Servern Einzug

Ein kurzer Blick auf die (bisher im Bezug auf den Conroe noch rein spekulativen) Spezifikationen sollte Aufschluss geben:

Pentium 4Pentium DPentium EECore Duo?Core Duo
P-Rating6xx8x0/9x0840/955Exxxx?T2xxx
CodenamePrescott /
Cedar Mill
Smithfield/
Presler
Smithfield/
Presler
ConroeYonah DC
Prozess90/65 nm90/65 nm90/65 nm65 nm65 nm
SockelSockel 775Sockel 775Sockel 775Sockel 775Sockel 479
Takt (max)bis 3,8 GHz3,2/
3,4 GHz
bis 3,2/
3,46 GHz
2,4 bis 3,2*GHzbis 2,16/
2,33 GHz
FSB800 MHz800 MHz800/1066 MHz1066 MHz667/533 MHz
Dual-CoreNeinJaJaJaJa
L2 Cache2 MB2x1/2x2 MB2x1/2x2 MB2/4 MB2 MB
ALU3-fach skalar3-fach skalar3-fach skalar4-fach skalar3-fach skalar
Pipeline31-Stufen31-Stufen31-Stufen14-Stufen12-Stufen*
Hyper-ThreadingJaNeinJaNeinNein
EM64TJaJaJaJaNein
VanderpoolJa / NeinJaJaJaNein***
La GrandeNeinNeinNeinJaNein
Chipsatzi915/i925/i945/i955i945/i955i955/i975X**i965
Broadwater
i945PM/GM/
i945GT
TDP84-115 Watt95-130 Watt130 Watt65 Watt<= 31 Watt
Sonstiges-ViivViivNext-Gen
Architektur
Viiv
Releaseverf. / Q1.06verf. / Q1.06verf. / Q1.06H2.06Q1.06
* inoffizielle Angabe ** nur Pentium XE 955 *** erst mit späterem Stepping


In der Tat ändert sich so Einiges. So wird die Thermal Design Power von bis 130 Watt beim Pentium D mit dem Conroe auf 65 Watt praktisch halbiert – trotz in etwa gleich bleibender Taktraten. Darüber hinaus verabschiedet man sich von der elend langen Pipeline, welche mit 14 Stufen nicht einmal halb so lang ausfallen wird wie bei der Netburst-Architektur. Der Frontside-Bus wird auf 1066 MHz angehoben, die Gerüchteküche spricht teilweise sogar von 1333 MHz („quad pumped“, reale 333 MHz). Mit der i965-Chipsatz-Serie (Broadwater) erscheint zudem eine neue Chipsatz-Generation, die unter anderem mit DDR2-800-Support und einer neuen Southbridge (ICH8-xx) aufwarten kann.

Fazit

Kurzum: Durchaus positive Nachrichten, die aus dem Hause Intel schallen. Die Namensänderung wird sich Intel gut überlegt haben, denn in einem Geschäft, in dem jährlich Milliarden umgesetzt werden, neigt man nicht zu Schnellschüssen. Kompanien von Marktforschern werden ihre Arbeit getan und analysiert haben, wie die Chancen für ein „neues Produkt“ stehen und wie gut es vermarktet werden kann. Mit dem Core Duo/Solo-Prozessor „Yonah“ zeigt das Entwicklungsteam aus dem nahen Osten abermals, dass viel Leistung bei wenig Stromverbrauch auch (und gerade) bei Intel zu haben ist und präsentiert mit „Napa“ eine solide Plattform unter dem bekannten Label „Centrino (Duo)“, bevor mit Merom, Conroe und Woodcrest in gut einem halben Jahr drei neue Probanden in den Startlöchern stehen, deren Veröffentlichung den Prozessor-Markt sicher gehörig aufwirbeln wird.

Centrino und Centrino Duo

In Kooperation mit Lycos Europe Network