Rund 13 Jahre sind vergangen, seit im Frühjahr 1993 [1] das erste Mal ein Silizium-Baby unter dem Namen „Pentium“ das Licht der Welt erblickte und die alte Namensgebung – bestehend aus der Kombination von Generation und Architektur – abgelöst wurde. Eine neue Ära brach an. Und was für eine! Mit der Zeit hat sich der Name „Pentium“ etabliert wie kaum ein anderer. Zu Recht lässt sich behaupten, dass „Pentium“ eine ähnlich starke Assoziation zur Firma Intel hervorruft, wie es bei „Windows“ und Microsoft der Fall ist.
Es bedarf schon einer gehörigen Portion Mut und Selbstbewußtsein sich von so einem starken Markennamen zu trennen, der dazu beigetraten hat, dass Intel Studien zufolge auf Platz fünf der weltweit stärksten Marken liegt und seit Jahren „für Innovation und Qualität“ steht – auch wenn Intel diesem Ruf gerade in letzter Zeit nicht immer gerecht geworden ist. Nicht zuletzt durch aggressive Marketing-Politik aus eigenem Budget, ein gewichtiger Teil der „Intel inside“-Kampagne [2], und PC-Herstellern wie z.B. Dell wurde Pentium dennoch zu einem Gütesiegel eines qualitativ guten PCs oder Notebooks geformt.
Und dies soll nun vorbei sein? Es scheint so, denn unter dem Namen „Core Solo“ und „Core Duo“ erscheinen erstmals seit dem Sorgenkind „Itanium“ für Server oder der Value-Linie „Celeron“ neue Prozessoren für den Massenmarkt, welche nicht mehr auf den Namen Pentium (in diesem Fall Pentium M) hören. Zunächst wird es nur den mobilen Sektor treffen, doch Mitte 2006 wird auch die Desktop-Linie aller Voraussicht nach dasselbe Schicksal ereilen. Doch immer der Reihe nach.
Den Anfang machen die neuen Mobilprozessoren mit dem Codenamen „Yonah“, bei denen sowohl die 2-Kern- als auch die 1-Kern-Variante betroffen ist. Der Yonah ist der unmittelbare Nachfolger des Dothans, welcher unter dem Namen „Pentium M“ seit rund zwei Jahren fester Bestandteil der Intel Centrino Mobil-Technologie ist und zur Einführung seinen Vorgänger unter dem Codenamen „Banias“ abgelöst hat. Durch mehr oder weniger gelungene Portationen auf den Desktop-Sektor [3] fristet der Pentium M „Dothan“ aufgrund seiner sehr guten Performance bei geringem Stromverbrauch seit gut einem Jahr auch dort ein kleines Nischendasein. Besonders bei den Freunden des Übertaktens konnte der Pentium M zahlreiche Käufer gewinnen, ist man mit gesteigertem Takt doch problemlos in der Lage, Prozessoren mit einem Endkundenpreis von über 1000 Euro, wie z.B. den Pentium 4 Extreme Edition oder den AMD Athlon FX, gefährlich nahe zu kommen und in vielen Belangen sogar zu überrunden [4].
Doch genug der Geschichten. Konkret verbergen sich hinter dem Dual-Core Prozessor „Yonah“ mehr oder weniger zwei zusammen geschaltete Dothan-Kerne [5], denn die Architektur hat sich nicht großartig verändert. Wer jedoch glaubt, Intel hätte beim Yonah wie beim Smithfield oder Presler, welche getarnt als Pentium D und Pentium Extreme Edition [6] ihr Unwesen auf dem Desktop-Markt treiben, einfach nur zwei Kerne samt Cache miteinander verbunden, irrt gewaltig. Anders als bei den großen Brüdern besitzt nicht jeder Kern seinen eigenen Second-Level-Cache, sondern beide Kerne greifen auf einen gemeinsamen L2-Cache zurück – Intels „Smart-Cache“ ward geboren. Im ersten Moment erscheint diese Lösung womöglich als die „schlechtere“, bei genauerer Betrachtung kristallisieren sich jedoch einige Vorteile heraus, die für einen gemeinsamen Cache von derzeit 2 MB gegenüber einer Lösung mit zwei Mal einem Megabyte sprechen:
Zum Einen kann dieser Cache dynamisch verwaltet werden, was im Klartext nichts anderes bedeutet, als dass jede Recheneinheit immer das Maximum an gerade verfügbarem Cache (in diesem Fall maximal 2 MByte) erhält. Liegt ein Kern ohne Arbeit brach, kann der zweite Kern im optimalen Fall über die vollen 2 MB verfügen. „Single threaded“ Anwendungen, welche nur eine CPU belasten, werden dadurch natürlich beschleunigt. Darüber hinaus unterstützt der Smart-Cache mit „Data Sharing“ eine Funktion, die es den beiden ausführenden Recheneinheiten erlaubt, auf Daten des jeweils anderen Kerns zurückzugreifen, um somit unnötige Duplikate im Cache zu vermeiden.
Zum Anderen vereinfacht sich auch das Power-Management ungemein. Womit wir auch beim nächsten interessanten Thema wären: Stromverbrauch. Dual-Core schön und gut, aber bitte bei gleichbleibender Akkulaufzeit! Eines vorweg: Man hat es fast erreicht. So liegt die Thermal Design Power (TDP) des Intel Core Duo bei 31 Watt (normal voltage) und damit nur vier Watt höher als beim Single-Core Pentium M Dothan, welcher seinerseits mit 27 Watt TDP angegeben ist. Verantwortlich für diesen moderaten Anstieg ist maßgeblich die Verfeinerung des Fertigungsprozesses von 90 auf nunmehr nur noch 65 Nanometer [7], wodurch die Leckströme weiter minimiert und die Kernspannung gesenkt werden konnte, um die maximale bzw. typische Stromaufnahme in einem für den Mobil-Bereich erträglichen Rahmen zu halten. Die Low-Voltage-Variante des Core Duo mit 1,66 GHz soll sich sogar mit lediglich 15 Watt begnügen. Zum Vergleich: Ein Intel Pentium D mit 3,2 GHz verbraucht laut Datenblatt satte 130 Watt unter Last – mehr als das Achtfache.
Nachfolgend eine kurze Auflistung über die Thermal Design Power der aktuellen und kommenden Generationen:
| Prozessor ** | PR | Codename | Prozess | Kerne | L2 | FSB | TDP |
| Core Duo (NV) | N/A | Merom*** | 65 nm | 2 | (4 MB) | 667 | 34 W |
| Core Duo (NV) | T2xxx | Yonah DC | 65 nm | 2 | 2 MB | 667 | 31 W |
| Core Duo (LV) | L2xxx | Yonah DC | 65 nm | 2 | 2 MB | 667 | 15 W |
| Core Duo (ULV) | U2xxx | Yonah DC | 65 nm | 2 | 2 MB | 533 | 9 W |
| Core Solo (NV) | T1xxx | Yonah SC | 65 nm | 1 | 2 MB | 667 | 27 W |
| Core Solo (ULV) | U1xxx | Yonah SC | 65 nm | 1 | 2 MB | 533 | 5,5 W |
| Pentium M (NV) | 7x0 | Dothan | 90 nm | 1 | 2 MB | 533 | 27 W |
| Pentium M (NV) | 7x5 | Dothan | 90 nm | 1 | 2 MB | 400 | 21 W |
| Pentium M (LV) | 7x8 | Dothan | 90 nm | 1 | 2 MB | 400 | 10 W |
| Pentium M (ULV) | 7x3 | Dothan | 90 nm | 1 | 2 MB | 400 | 5,5 W |
| Celeron M (NV) | 4x0 | Yonah SC | 65 nm | 1 | 1 MB | 533 | 27 W |
| Celeron M (ULV) | 4x3 | Yonah SC | 65 nm | 1 | 1 MB | 533 | 5,5 W |
| Celeron M (NV) | 3x0 | Dothan | 90 nm | 1 | 1 MB | 400 | 21 W |
| Celeron M (ULV) | 3x3 | Dothan* | 90 nm | 1 | 1 MB | 400 | 5,5 W |
| *auch Banias 130 nm / 512 kByte L2 **NV = Normal Voltage, LV = Low Voltage, ULV = Ultra-Low Voltage ***Next-Gen-CPU-Architektur (Conroe, Woodcrest) | |||||||
Was passiert aber, wenn beide Kerne tatsächlich einmal rein gar nichts zu tun haben? Auch an diesen Fall hat man natürlich im Entwicklerteam in Haifa, Israel, gedacht und mit dem „Enhanced Deeper Sleep“ einen weiteren Status für den Tiefschlaf hinzugefügt, in welchem die Daten aus dem Cache in den Arbeitsspeicher geladen werden, um die Spannung für diesen Bereich noch weiter absenken zu können. Nebenbei wird mittels „Dynamic Cache Sizing“ die Größe des L2-Cache dynamisch der Auslastung angepasst und damit nicht genutzte Bereiche abgeschaltet. Schlussendlich sorgt der neue „Advanced Thermal Manager“ für eine digitale und exaktere Erfassung der jeweiligen Prozessortemperatur, um die Lüftersteuerung weiter zu optimieren. Verpackt ist all' dies weiterhin im mFCPGA478 (Sockel 479M) Package, welches jedoch nicht Pin-kompatibel mit dem bisherigen Sockel 479M sein wird. Ein paar kleinere Änderungen im Pin-Layout sorgen dafür, dass der Core Duo z.B. nicht auf dem Sockel-478-zu-Sockel-479M-Adapter CT-479 von Asus lauffähig sein wird.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist zweifelsohne die Performance. Zwar muss man sich im Mobil-Bereich nicht mit den Desktop Boliden wie Athlon 64/X2/FX von AMD oder den hauseigenen Pentium 4/D oder gar der Extreme Edition messen, allerdings schläft die Konkurrenz nicht und kündigte ihrerseits eine Dual-Core-Variante des Turion 64 an, die nur darauf warten wird, dem Core Duo von Intel mächtig einzuheizen und den ein oder anderen Marktanteil-Prozentpunkt abluchsen zu können.
Um so mehr war man bei Intel darum bemüht, mit dem Yonah ein kleines Stück voraus zu sein und taktete das zum Start schnellste Modell „T2600“ mit immerhin 2,16 GHz, womit man nur 110 MHz unter der bisherigen Marke von 2,26 GHz des Pentium M 780 (Single-Core) landet. Ein kleiner Rückschritt, was aufgrund des Stromverbrauches jedoch zu erwarten war. Für das dritte Quartal 2006 ist noch eine beschleunigte Variante (T2700) mit 2,33 GHz geplant. In „single threaded“-Anwendungen ist man aufgrund der geringeren Taktfrequenz dem derzeit schnellsten Pentium M 780 somit aber derzeit vermeintlich unterlegen.
Allerdings hat man unter dem Namen „Digital Media Boost“ zahlreiche Verbesserungen in der Ausführungseinheit des Yonah vorgenommen. Darunter fallen unter Anderem die Implementation des „Streaming SIMD Extensions (SSE) 3“-Befehlssatzes, die Beschleunigung der SSE/SSE2-Einheiten, optimierte Floating-Point-Operationen sowie ein leicht verbessertes Prefetch. Im Detail ausgedrückt können beim Yonah nun alle drei Decoder-Einheiten aus der modifizierten P6-Architektur mit 128-bit langen SSE2-Befehlen umgehen. Die Option „Micro-OP Fusion“ wurde ebenfalls auf SSE2-Befehle erweitert, welche kurz gefasst das Verbinden von Instruktionen erlaubt, welche dann in einem Taktzyklus verarbeitet werden können. Bei der Befehlsverarbeitung konnte man neben der Division von Integer-Daten auch hier wieder die Verarbeitung von SSE2-Shuffle und Unpack-Befehlen um ca. 30 Prozent beschleunigen. Die zehn neuen SSE3-Instruktionen teilen sich in fünf für komplexe Arithmetik, vier für grafische Berechnungen und eine für Video-Encoding auf. Darüber hinaus vermeiden CPUs auf Yonah-Basis bei Integer-Divisionen unnötige Iterationen, sofern Dividend und Divisor nahe beieinander liegen. Die Latenzen werden so deutlich verkürzt. Eine kleine Überarbeitung der Register sowie zusätzliche Write-Output-Buffer finden sich neben weiteren kleinen Details ebenfalls in der Liste der Verbesserungen wieder.
| Größe des Dividenden (Bits) | Größe des Divisors (Bits) | Dothan | Yonah |
| 1 bis 16 | 17 bis 24 | 12 Taktzyklen | 4 Taktzyklen |
| 17 bis 24 | 17 bis 24 | 20 Taktzyklen | 12 Taktzyklen |
Wie man schön an der Tabelle erkennen kann, konnte Intel die Anzahl der für eine Integer-Division benötigten Taktzyklen deutlich senken, sofern Dividend und Divisor in gleichen Größenordnungen vorliegen. Im Beispiel wurden zwei 32-Bit-Ganzzahlen unterschiedlicher länge miteinander dividiert. Beim Core Duo „Yonah“ wurde die Ausführung bei kleinem Dividenden um den Faktor drei von zwölf auf nunmehr nur noch vier Taktzyklen verringert. Bei der Bearbeitung von 17-24 Bit langen Dividenden und 17-24 Bit lange Teiler wurde die Verzögerung immerhin noch von 20 auf zwölf Taktzyklen gegenüber dem Dothan gesenkt, was beinahe einer Halbierung entspricht.
Der Frontside-Bus wurde gegenüber dem Dothan von 533 MHz auf 667 MHz beschleunigt, was pro Kern eine maximale Bandbreite von 2,7 GB/s bei gleicher Auslastung ergibt. Mit dem Smart-Cache musste man jedoch einen kleinen Einschnitt in der L2-Performance in Kauf nehmen. Die L2-Cache-Latenz stieg im Vergleich zum Dothan von 10 auf 14 Taktzyklen. Nach den ersten Erkenntnissen liegt die Pro-Takt-Leistung eines Yonah-Kerns quasi auf gleicher Höhe mit der eines Dothan-Kerns. Anscheinend konnte man durch die zahlreichen internen Verbesserungen den kleinen Nachteil beim L2-Cache wieder wettmachen.
Detaillierte, unabhängige Benchmarks werden in der Zukunft zeigen, was wirklich in der CPU steckt.
Ein weiteres Novum ist das neue Modellnummern-Schema, welches beim Core Solo/Duo erstmals zum Einsatz kommt. Somit verabschiedet man sich nach relativ kurzer Zeit wieder von den dreistelligen Modellnummern, die mit 3xx, 5xx, 6xx und 7xx leichte Ähnlichkeiten mit der Bezeichnung der Modelle eines Automobil-Herstellers hatten. Die neuen Modellnummern setzen sich aus einem Anfangsbuchstaben, der den ungefähren Stromverbrauch angibt und vier Ziffern zusammen, die für Performance-Relevante-Features stehen.
Von den vier Ziffern steht die erste für eine Prozessorklasse, die zweite steigt mit dem Produktangebot innerhalb einer Klasse. Innerhalb einer Stromverbrauchsklasse bedeutet eine höhere Zahl eine höhere Performance bzw. zusätzliche Features die ebenfalls Einfluss auf die Performance haben wie z.B. ein zusätzlicher Befehlssatz. Die letzten zwei Ziffern scheinen derzeit noch keinen Zweck zu erfüllen, wie man leicht am aktuellen Produktangebot in der Tabelle sieht.
Das neue Topmodell heißt also neuerdings nicht mehr Pentium M 780 sondern Core Duo T2600. Das „T“ steht dabei für eine TDP zwischen 25 und 49 Watt, die „2“ für die Prozessorklasse „Yonah Dual Core“ und die 600 für das 2,16 GHz Modell innerhalb der Produktfamilie „T2“. Über das neue Schema und die Preise wurde bereits in der Vergangenheit ausführlich berichtet [8].
| Modell- nummer | Takt | FSB | Cache | DC | VT | EIST | XD | Launch | Preis |
| Core Duo, Dual Core Yonah, 65 nm | |||||||||
| T2700 | 2,33 GHz | 667 MHz | 2 MB L2 | √ | √ | √ | √ | Q3'06 | ? |
| T2600 | 2,16 GHz | 667 MHz | 2 MB L2 | √ | X | √ | √ | 6. Jan | $637 |
| T2500 | 2,00 GHz | 667 MHz | 2 MB L2 | √ | X | √ | √ | 6. Jan | $423 |
| T2400 | 1,83 GHz | 667 MHz | 2 MB L2 | √ | X | √ | √ | 6. Jan | $294 |
| T2300 | 1,66 GHz | 667 MHz | 2 MB L2 | √ | X | √ | √ | 6. Jan | $241 |
| Core Duo, Dual Core Low Voltage Yonah, 65 nm | |||||||||
| L2500 | 1,83 GHz | 667 MHz | 2 MB L2 | √ | √ | √ | √ | 2H’06 | ? |
| L2400 | 1,66 GHz | 667 MHz | 2 MB L2 | √ | X | √ | √ | 6. Jan | $316 |
| L2300 | 1,50 GHz | 667 MHz | 2 MB L2 | √ | X | √ | √ | 6. Jan | $284 |
| Core Duo, Dual Core Ultra Low Voltage Yonah, 65 nm | |||||||||
| U2500 | 1,06 GHz | 533 MHz | 2 MB L2 | √ | √ | √ | √ | 2H’06 | ? |
| Core Solo, Single Core Yonah, 65 nm | |||||||||
| T1400 | 1,83 GHz | 667 MHz | 2 MB L2 | X | X | √ | √ | 2H’06 | ? |
| T1300 | 1,66 GHz | 667 MHz | 2 MB L2 | X | X | √ | √ | 6. Jan | $209 |
| Core Solo, Single Core Ultra Low Voltage Yonah, 65 nm | |||||||||
| U1200 | 1,20 GHz | 533 MHz | 2 MB L2 | X | X | √ | √ | 6. Jan | $262 |
| U1100 | 1,06 GHz | 533 MHz | 2 MB L2 | X | X | √ | √ | 6. Jan | $241 |
| Celeron M, Single Core Yonah, 65 nm | |||||||||
| 430 | ? | 533 MHz | 1 MB L2 | X | X | X | √ | 2H’06 | ? |
| 420 | ? | 533 MHz | 1 MB L2 | X | X | X | √ | Q2’06 | ? |
| 410 | ? | 533 MHz | 1 MB L2 | X | X | X | √ | 2H’06 | ? |
| Celeron M, Single Core Ultra Low Voltage Yonah, 65 nm | |||||||||
| 413 | ? | 533 MHz | 1 MB L2 | X | X | X | √ | Q2’06 | ? |
Folgende Buchstaben zur Klassifizierung des Stromverbrauchs der jeweiligen Prozessoren hat Intel vorgesehen, von denen bis auf das „E“ alle Varianten bei den neuen Core-Duo- und Solo-Prozessoren zum Einsatz kommen:
Allein die Präsenz des „E“ macht deutlich, dass Intel mit dem neuen Bennungsschema mehr vor hat, als dieses nur bei Mobilprozessoren einzusetzen, die weit von einem Verbrauch über 50 Watt entfernt sind. Wie Intel im Rahmen seines letzten Entwicklerforums im Herbst letzten Jahres bekannt gab [9], wird die nächste Generation der Desktop-Prozessoren, die im zweiten Halbjahr 2006 erwartet werden, mit einem typischen Stromverbrauch von 65 Watt daher kommen und würden somit in die „E“-Klassifizierung fallen.
Da die Modellnummern zum Einstieg sehr niedrig gehalten sind, werden sie uns eine ganze Weile begleiten können. Darüber hinaus können die neuen Produktnamen Core Solo und Core Duo beliebig für eine größere Anzahl an Prozessorkernen fortgesetzt werden.
Neue Prozessoren bedingen traditionell auch neue Chipsätze. Um die Centrino-Plattform Dual-Core-tauglich zu machen, bedarf es gleich einer ganzen Reihe davon. Darüber hinaus hält auch ein neues WLAN-Modul unter dem Codename „Golan“ Einzug, das wie die PRO/Wireless-2915ABG-Erweiterung alle drei aktuellen WLAN-Standards unterstützt.
| Plattform | Carmel | Sonoma | Napa |
| Northbridge | i855PM/GM + Value Derivate | i915PM/GM/GMS + Value Derivate | i945PM/GM/GMS + Value Derivate |
| Southbridge | ICH4-M | ICH6-M | ICH7-M/ICH7-M-DH |
| CPUs | Pentium M „Banias“ „Dothan“ | Pentium M „Banias“ „Dothan“ | Core Solo/Duo „Yonah SC/DC“ „Merom“ |
| FSB | 400 MHz | 533/400 MHz | 667/533 MHz |
| RAM | Single-Channel DDR333 | Single-Channel DDR333 oder Dual-Channel DDR2-400/533 | Dual-Channel DDR2-667(533) |
| Grafik* | Ja, Intel Extreme Graphics 2 | Ja, Intel GMA900 | Ja, Intel GMA950 |
| Vista-Support [10] | Nein ** | Nein ** | Ja |
| WLAN | PRO/Wireless 2100B/2200BG | PRO/Wireless 2100B/ 2200BG/2915ABG | PRO/Wireless 3945ABG |
| * nur GM-Varianten der Chipsätze ** Oberfläche im „Windows-XP-Look-and-Feel“ | |||
Der neue Mobile-i945-Express-Chipsatz (Codename: Calistoga) ist der mobile Abkömmling des normalen i945-Express-Chipsatzes und verfügt optional über eine integrierte Grafikeinheit (GM-Version), die weiterentwickelte GMA950. Mit der „GMA950 Mobile“ schickt Intel eine überarbeitete Version der GMA900 (i915GM) ins Rennen, welche im Vergleich zum Vorgänger einen 50 MHz höheren Kern-Takt besitzt und das „Intermediate Z“ beherrscht, welches es ermöglicht, Polygon-Berechnungen auszulassen, wenn diese nicht für den finalen Bildaufbau von Belang sind.
Bei der Video-Wiedergabe setzt man bei Intel auf eine Hardware-Beschleunigung von High-Definition-Inhalten, womit man zum Beispiel das gleichzeitige Abspielen und Aufnehmen von HD-Videos unterstützt. Darüber hinaus bietet man mit „Adaptive De-Interlacing“ eine Funktion an, die bei der Konvertierung von Interlaced-Videos auf Abspielgeräten mit progressivem Bildaufbau (z.B. TFTs) helfen soll, unschöne Artefakte zu vermeiden.
In Verbindung mit der ICH7-M können bis zu sechs PCIe-x1-Geräte, zwei S-ATA-Kanäle, ein P-ATA-Kanal und insgesamt acht USB-2.0-Ports angesteuert werden. Intels High-Definition-7.1-Audio fehlt ebenso wenig wie ein DDR2-Memory-Controller, welcher maximal 4 Gigabyte DDR2-667-RAM im Dual-Channel-Modus ansprechen kann. Die Version ohne integrierte Grafik-Einheit (i945PM) besitzt zudem eine PCI-Express [11]-x16-Schnittstelle, über die eine externe, leistungsfähigere Grafiklösung angebunden werden kann.
Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum neuen WLAN-Modul „PRO/Wireless 3945ABG“. Auch hier führt man die Entwicklung konsequent fort und bindet die Erweiterung ebenfalls fortschrittlich im Mini-PCI-Express-Formfaktor ein. Des Weiteren unterstützt man neben den gängigen WLAN-Standards 802.11b und 802.11g auch den 5-GHz-Standard 802.11a, um sich mit möglichst vielen Access Points verbinden zu können. Eine verbesserte Anwahl von Hot-Spots mit der Cisco Business Class Wireless Suite und eine verbesserte Version (10.0) der PRO/Wireless-Software gehören wie 802.11i (WPA2) und QoS-Paketplanung nach 802.11e-Standard zum guten Ton. Alles gut verpackt im „Napa“-Gewand.
Von der ICH7-M wird es zwei verschiedene Ausführungen geben. Zum Einen die Standardversion der ICH7-M, welche maximal vier PCIe-x1-Anschlüsse unterstützt, zum Anderen die Variante ICH7-M-DH mit maximal 6x PCIe x1. Darüber hinaus bietet die ICH7-M-DH auch native RAID-Unterstützung für die Level 0 und 1 sowie für Intels Matrix Storage Technologie [12], welche eine Kombination der beiden RAID Level 0+1 mit nur zwei statt vier Festplatten ermöglicht.
Haben Desktop-Chipsätze beim Stromverbrauch mittlerweile selbst schon Werte von rund 20 Watt erreicht, kann man sich solche Hitzköpfe im mobilen Bereich natürlich nicht erlauben. Hier zählt jedes Watt. Intels Dual-Frequency Graphics Technology (Anpassung der Taktrate an die Auslastung), Display Power Saving Technology 2.0 (Reduzierung der Display-Helligkeit ohne großen Einfluss für den Betrachter), Smart 2D Display Technology (Minimierung von Display-Auffrischungen), Rapid Memory Power Management (Idle-States für Chipsatz und Speicher bei Einsatz von DDR2-RAM) und Automatik Display Brightness (Anpassung der Bildhelligkeit nach äußeren Gegebenheiten) sollen dafür sorgen, dass nicht nur der Prozessor sondern auch das Chipsatz-Subsystem so wenig Strom wie möglich verbraucht, was sich letztendlich nur positiv auf die Akkulaufzeit auswirken kann.
Außerdem wird der „Core Duo“ (Codename Yonah DC) in Verbindung mit dem eigens dafür entwickelten Chipsatz „i945GT“ oder einem der passenden Notebook-Chipsätze unter dem „Viiv“-Label (gesprochen: Vive) als Symbol für „Digital Home/Office“ auf Desktop-Plattformen – insbesondere HTPCs (Multimedia) – zu finden sein und stellt damit keinen reinen Mobil-Prozessor mehr dar. Ein erstes System kündigt AOpen mit dem miniPC MP945 an, das einem Apple Mac mini zum verwechseln ähnlich sieht. In diesem System arbeitet neben einem Core-Prozessor der i945GM-Chipsatz mit integrierter Grafik samt ICH7M-DH-Southbridge. Das System bietet einen freien DDR2-SO-DIMM-Slot für einen maximalen Speicherausbau von 1 GB. Erste Exemplare des miniPC MP945 werden Ende des ersten Quartals verfügbar sein.
Vor wenigen Tagen ist mit dem AOpen i975Xa-YDG [13] sogar ein erstes echtes Desktop-Mainboard auf Basis des i975X Chipsatzes im ATX-Formfaktor aufgetaucht. Auch Gigabyte schickt mit dem „GA-8I945GTMF-Y-RH“ ein Desktop-taugliches Micro-ATX-Mainboard basierend auf dem i945GT-Chipsatz ins Rennen.
Im Gegensatz zu den Desktop-Prozessoren hält die „Extended Memory 64 Technology“ bei Intel erst mit dem Merom, dem Nachfolger des heute offiziell vorgestellten Yonah, Einzug in den mobilen Sektor. Die Unterstützung für die Virtualisierungstechnologie „Vanderpool“ wird ebenfalls erst in einem späteren Stepping des Yonah nachgereicht.
Bis es soweit ist, müssen sich die Intel-Freunde oder diejenigen, die es werden wollen, noch etwas gedulden. Intel hat die neuen und letzten Prozessoren aus der Netburst-Familie in Form der Pentium D 9xx und Pentium XE 955 erst gerade frisch aus dem Ei gepellt [14]. Mit dem Conroe steht darüber hinaus bereits eine neue Architektur in den Startlöchern [15], die die Vorteile der Mobil- und aktuellen Desktop-Prozessoren des Halbleiter-Riesens vereinigen soll. Der Conroe stammt dabei vom Merom ab, der Mitte 2006 den Yonah ablösen wird. Conroe und Merom wurden ebenfalls in Haifa, Israel, und zunächst nur für den mobilen Sektor entwickelt. Rückblickend sah es vor drei Jahren noch ganz anders aus [16]. Hatte man damals noch die 10-GHz-Marke vor Augen, musste man mit der Einführung des „Prescott“-Kerns [17] nach langer Verzögerung jedoch feststellen, dass dieses Vorhaben (vorerst mit dieser Architektur) nicht zu realisieren ist. Plan B musste her und so entschied man sich schließlich dazu, das Merom-Design auch für die Varianten im Desktop- und Server-Bereich zu nutzen. Neben dem Conroe wird Mitte 2006 der „Woodcrest“ [18] Netburst auch im Server-Bereich ablösen.
War bei den 90-nm-Prescotts/Smithfields respektive den neuen, in 65 nm gefertigten Nachfolgern Cedar Mill und Presler noch nicht viel davon zu spüren, läuft die „Next-Gen-CPU-Architecture“ unter der Prämisse, „Performance pro Watt“ zu maximieren.
Ein kurzer Blick auf die (bisher im Bezug auf den Conroe noch rein spekulativen) Spezifikationen sollte Aufschluss geben:
| Pentium 4 | Pentium D | Pentium EE | Core Duo? | Core Duo | |
| P-Rating | 6xx | 8x0/9x0 | 840/955 | Exxxx? | T2xxx |
| Codename | Prescott / Cedar Mill | Smithfield/ Presler | Smithfield/ Presler | Conroe | Yonah DC |
| Prozess | 90/65 nm | 90/65 nm | 90/65 nm | 65 nm | 65 nm |
| Sockel | Sockel 775 | Sockel 775 | Sockel 775 | Sockel 775 | Sockel 479 |
| Takt (max) | bis 3,8 GHz | 3,2/ 3,4 GHz | bis 3,2/ 3,46 GHz | 2,4 bis 3,2*GHz | bis 2,16/ 2,33 GHz |
| FSB | 800 MHz | 800 MHz | 800/1066 MHz | 1066 MHz | 667/533 MHz |
| Dual-Core | Nein | Ja | Ja | Ja | Ja |
| L2 Cache | 2 MB | 2x1/2x2 MB | 2x1/2x2 MB | 2/4 MB | 2 MB |
| ALU | 3-fach skalar | 3-fach skalar | 3-fach skalar | 4-fach skalar | 3-fach skalar |
| Pipeline | 31-Stufen | 31-Stufen | 31-Stufen | 14-Stufen | 12-Stufen* |
| Hyper-Threading | Ja | Nein | Ja | Nein | Nein |
| EM64T | Ja | Ja | Ja | Ja | Nein |
| Vanderpool | Ja / Nein | Ja | Ja | Ja | Nein*** |
| La Grande | Nein | Nein | Nein | Ja | Nein |
| Chipsatz | i915/i925/i945/i955 | i945/i955 | i955/i975X** | i965 Broadwater | i945PM/GM/ i945GT |
| TDP | 84-115 Watt | 95-130 Watt | 130 Watt | 65 Watt | <= 31 Watt |
| Sonstiges | - | Viiv | Viiv | Next-Gen Architektur | Viiv |
| Release | verf. / Q1.06 | verf. / Q1.06 | verf. / Q1.06 | H2.06 | Q1.06 |
| * inoffizielle Angabe ** nur Pentium XE 955 *** erst mit späterem Stepping | |||||
In der Tat ändert sich so Einiges. So wird die Thermal Design Power von bis 130 Watt beim Pentium D mit dem Conroe auf 65 Watt praktisch halbiert – trotz in etwa gleich bleibender Taktraten. Darüber hinaus verabschiedet man sich von der elend langen Pipeline, welche mit 14 Stufen nicht einmal halb so lang ausfallen wird wie bei der Netburst-Architektur. Der Frontside-Bus wird auf 1066 MHz angehoben, die Gerüchteküche spricht teilweise sogar von 1333 MHz („quad pumped“, reale 333 MHz). Mit der i965-Chipsatz-Serie (Broadwater) [19] erscheint zudem eine neue Chipsatz-Generation, die unter anderem mit DDR2-800-Support und einer neuen Southbridge (ICH8-xx) aufwarten kann.
Kurzum: Durchaus positive Nachrichten, die aus dem Hause Intel schallen. Die Namensänderung wird sich Intel gut überlegt haben, denn in einem Geschäft, in dem jährlich Milliarden umgesetzt werden, neigt man nicht zu Schnellschüssen. Kompanien von Marktforschern werden ihre Arbeit getan und analysiert haben, wie die Chancen für ein „neues Produkt“ stehen und wie gut es vermarktet werden kann. Mit dem Core Duo/Solo-Prozessor „Yonah“ zeigt das Entwicklungsteam aus dem nahen Osten abermals, dass viel Leistung bei wenig Stromverbrauch auch (und gerade) bei Intel zu haben ist und präsentiert mit „Napa“ eine solide Plattform unter dem bekannten Label „Centrino (Duo)“, bevor mit Merom, Conroe und Woodcrest in gut einem halben Jahr drei neue Probanden in den Startlöchern stehen, deren Veröffentlichung den Prozessor-Markt sicher gehörig aufwirbeln wird.