Einleitung
Das Label „HyperX“ verpasst Kingston traditionell jenen Produkten, die sich durch eine hohe Leistung von der Masse der Produkte abheben sollen. Nach einer Vielzahl von Speichermodulen sowie einem externen [1] und einem internen Solid State Drive (ComputerBase-Test [2]) hat das Unternehmen kürzlich erstmals einen USB-3.0-Stick vorgestellt [3], der als würdig erachtet wird das HyperX-Logo zu tragen. Die Angaben, die Kingston zu den maximalen Transferraten des DataTraveler HyperX 3.0 macht, klingen mit bis zu 225 MB/s beim Lesen und bis zu 135 MB/s beim Schreiben vielversprechend. Wie es in der Praxis aussieht, sehen wir gleich.
Der Testkandidat
Kingston DataTraveler HyperX 3.0 64 GB
Technisches Highlight des neuen USB-Sticks von Kingston ist der Controller, der wie die Controller in den meisten SSDs über acht Speicherkanäle verfügt. Um welches Modell es sich dabei handelt, wollte Kingston uns nicht verraten. Dass es sich dabei aber nicht um einen SSD-Controller handelt, wie er in einigen USB-Sticks zum Einsatz kommt, sondern ebenso wie bei Sharkoons Flexi-Drive Ultimate (ComputerBase-Test [4]) ein USB-Controller zum Einsatz kommt, werden wir gleich bei den Benchmarks sehen. Denkbar wäre, dass wie im Flexi-Drive Ultimate der PS2251-01 [5] von Phison eingesetzt wird, der laut Hersteller Transferraten von bis zu 245 MB/s beim Lesen und bis zu 145 MB/s beim Schreiben erreichen soll. Dies entspricht auch ungefähr dem, was Kingston für den DataTraveler HyperX verspricht (225/135 MB/s).
Kombiniert wird der 8-Kanal-Controller mit 64, 128 oder 256 Gigabyte MLC-NAND-Flash. Als Testmuster wurde uns von Kingston die kleinste Variante mit 64 GB Speicherplatz zur Verfügung gestellt. Eine Unterscheidung der Leistung der verschiedenen Kapazitäten nimmt Kingston nicht vor, auch auf der Verpackung der 64-GB-Variante werden bis zu 225 MB/s beim Lesen und bis zu 135 MB/s beim Schreiben genannt. Ob dies wirklich zutrifft, werden wir gleich sehen. Die Erfahrung mit anderen USB-Sticks und SSDs sagt einem eigentlich, dass die Kapazität sehr wohl einen Einfluss auf die Transferraten hat und geringere Speicherkapazitäten nicht ganz so hohe Schreibraten erreichen, da die Speicherkanäle nicht voll ausgelastet werden.
Untergebracht ist die Elektronik in einem relativ dicken, 74,99 × 23,29 × 15,9 Millimeter großen Aluminiumgehäuse mit schwarzer Gummierung. Versteckt unter dem Kingston-Logo verbirgt sich außerdem eine blaue Aktivitäts-LED. Die Garantiezeit beträgt, wie bei Kingstons USB-Sticks üblich, fünf Jahre.
Testsystem
Testsystem:
- Prozessor
- AMD Phenom II X2 550 Black Edition
- Motherboard
- Gigabyte GA-890GPA-UD3H, Sockel AM3, 890GX + SB850 (AHCI-Modus)
- Arbeitsspeicher
- 2x 1.024 MB G.Skill DDR3-1600 (7-7-7-18) @ 1.333 MHz
- 2x 1.024 MB Patriot DDR3-1600 (7-7-7-18) @ 1.333 MHz
- Grafikkarte
- Radeon HD 4290, IGP, 128 MB Sideport + 512 MB Shared
- Netzteil
- Corsair HX620W
- USB-Sticks (sofern nicht anders vermerkt alle FAT32 formatiert)
- Adata Nobility N005 Pro, 64 GB
- Kingston DataTraveler HyperX 3.0, 64 GB
- Mach Xtreme MX-FX, 128 GB
- Mach Xtreme MX-GX, 16 GB
- Sharkoon Flexi-Drive Accelerate Duo, 64 GB
- Sharkoon Flexi-Drive Extreme Duo USB 3.0, 16 GB
- Sharkoon Flexi-Drive Ultimate, 64 GB
- Super Talent Supercrypt, 32 GB
- Winkom USB-3.0 Pendrive, 16 GB SLC-DDR
- Winkom USB-3.0 Pendrive, 32 GB SLC-DDR
- Systemplatte
- Western Digital VelociRaptor, 300 GB
- Laufwerke
- Super Talent Ultradrive GX2 (Micron), 128 GB
- Samsung 830 Serie, 256 GB
- Betriebssystem
- Microsoft Windows 7 Home Premium (64-Bit)
- AHCI-Treiber: 1.2.1.269 (AMD)
- USB-3.0-Controller: NEC
- Treiber: 2.0.32.0
- Firmware: 3.0.2.7
- USB-2.0-Controller: AMD SB850
- Benchmarks
- SiSoftware Sandra 2012.SP1c (18.26) Engineer
Hinweis: Aufgrund der hohen Leseleistung des DataTraveler HyperX 3.0, die sich in Sandra abzeichnete, kam zur Vermeidung eines Flaschenhalses in den Praxistests statt dem sonst genutzten Ultradrive GX2 ein schnelleres Solid State Drive von Samsung zum Einsatz, das sequenzielle Schreibraten von fast 400 MB/s erreicht. Zudem haben wir die Lesetests mit dem Supercrypt wiederholt, da sich hier bereits in der Vergangenheit gezeigt hatte, dass mit einem schnelleren Solid State Drive höhere Transferraten möglich sein könnten.
Benchmarks
Praxis
Um die Sticks im praktischen Einsatz zu testen, haben wir verschiedene Dateitypen und -größen auf den Stick übertragen, von ihm gelesen und die benötigte Zeit mit einer Stoppuhr festgehalten. Für den Test mit der 4,29 GB großen Linux-ISO wurden die Sticks mit dem NTFS-Dateisystem formatiert. Die Ergebnisse sind das Mittel aus drei Messungen.
Dateitransfer Lesen (MB/s)
Angaben in Megabyte pro Sekunde (MB/s)
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Ohne Wenn und Aber: Beim Lesen macht dem HyperX 3.0 keiner der von uns getesteten USB-Sticks etwas vor. In allen vier Lesetests mit großen, mittleren und kleinen Dateien ist Kingstons neuer Stick mit Abstand am schnellsten. Selbst der nun ebenfalls mit einem schnelleren Solid State Drive getestete Supercrypt ist elf bis zwölf Prozent langsamer. Zwar werden die auf der Verpackung genannten 225 MB/s nicht ganz erreicht, die fast 208 MB/s im NTFS-Test sind aber dennoch ein Spitzenwert.
Dateitransfer Schreiben (MB/s)
Angaben in Megabyte pro Sekunde (MB/s)
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Ganz so triumphal sehen die Ergebnisse der Schreibtests nicht aus, doch auch hier kann sich der DT HyperX 3.0 bei großen und mittleren Dateien zumindest in der Spitzengruppe positionieren. Im Optimalfall erreichte der Stick gut 119 MB/s, was zwar unterhalb der Vorgabe von 135 MB/s liegt, aber nicht dem befürchteten Einbruch durch die geringere Kapazität entspricht. Wie wir es bereits von den anderen USB-3.0-Sticks ohne SSD-Controller kennen, ist die Leistung beim Schreiben von nur ein paar Megabyte großen Dateien mit rund 37 MB/s deutlich geringer und sinkt beim Programmordner mit vielen noch kleineren Dateien auf Unter 7 MB/s ab. Dies betrifft allerdings alle USB-Sticks, die mit einem nativen Controller ausgestattet sind. Viel schneller ist kein Modell.
Synthetische
Sandra Wechseldatenträger
Der Wechseldatenträger-Test in Sandra 2012 misst den Datendurchsatz, den die Sticks beim Lesen und Schreiben verschiedener Dateigrößen erreichen. Dabei handelt es sich um einen gemittelten Wert, in den sowohl Leistungsspitzen als auch Einbrüche einfließen.
Die Durchsatzraten des DT HyperX 3.0 und des Supercrypt sind in Sandra etwas niedriger, als wir es in unseren Praxistests gemessen haben. Der Leistungsunterschied ist aber auch hier sichtbar.
Im Schreibtest ist der Kingston-Stick abermals langsamer als in der Praxis, während der Supercrypt zumindest bei kleinen Dateien ein ganzes Stück besser abschneidet.
Windows ReadyBoost
Beim Test der Eignung für das ReadyBoost-Feature von Windows Vista und Windows 7 wird die Leistung bei zufälligen Schreib- (512-KB-Blöcke) und Lesezugriffen (4-KB-Blöcke) mit dem im Betriebssystem enthaltenen Programm WinSAT getestet. Unter Windows Vista ließen sich maximal 4 GB nutzen, unter Windows 7 wurde dieses Limit auf 256 GB, verteilt auf bis zu acht Geräte, erhöht. Verglichen mit den auf unserem alten Testsystem unter Vista erzielten Ergebnissen scheinen die Transferraten unter Windows 7 durchweg niedriger zu sein. Über die Gründe können wir derzeit nur spekulieren, zur Sicherheit haben wir die Ergebnisse jedoch stichprobenartig an den USB-Ports der SB850 des Testsystems und auf einem zweiten Rechner mit einer anderen Version von Windows 7 überprüft und kamen dabei zu ähnlichen Ergebnissen.
ReadyBoost-Eignung Lesen
Angaben in Megabyte pro Sekunde (MB/s)
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8,3 Megabyte pro Sekunde sind das beste Ergebnis, dass ein Stick ohne SSD-Controller oder SLC-Speicher erzielen konnte.
ReadyBoost-Eignung Schreiben
Angaben in Megabyte pro Sekunde (MB/s)
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Beim zufälligen Schreiben sind lediglich die Sticks mit SSD-Controller besser, das ebenfalls mit einem 8-Kanal-Controller ausgestattete Flexi-Drive Ultimate ist ungefähr gleich schnell.
Fazit
Kingstons DataTraveler HyperX 3.0 paart eine für USB-Sticks überragende Leistung beim Lesen verschiedenster Dateien mit der für schnelle USB-Sticks ohne „Exoten“-Komponenten wie SSD-Controller oder SLC-Speicher typischen Leistung beim Schreiben. In Zahlen bedeutet dies Leseraten von bis zu knapp 208 MB/s und Schreibraten bis rund 119 MB/s. Doch während die Transferraten beim Lesen auch bei kleineren Dateien relativ gut skalieren und sehr ordentlich sind, werden beim Schreiben nur mit großen Dateien hohe Transferraten erzielt. In unserem Test mit Musik-Dateien bedeutete dies rund 37 MB/s, beim Schreiben des Programmordners im Schnitt 6,37 MB/s. Zu viel mehr scheinen die derzeit am Markt erhältlichen Controller für USB-Sticks nicht fähig.
Die hohe Leistung lässt Kingston sich allerdings auch ein paar Euro kosten. Verglichen mit den Produkten der Konkurrenz ist der 64 Gigabyte große DataTraveler HyperX 3.0 von Kingston mit einem Preis ab 115,10 Euro [6] derzeit der teuerste Stick ohne SSD-Controller. Man erhält für die rund 18 Euro Aufpreis, die man beispielsweise zu einem Flexi-Drive Ultimate zahlt, allerdings auch einen echten Mehrwert bei der Leseleistung, sofern man sie denn benötigt. Ebenso zählen die 128 und 256 GB großen Varianten von Kingstons USB-3.0-Stick mit 227,68 Euro [7] und 550,18 Euro [8] zu den teuersten Modellen auf dem Markt. Zumal ab 128 GB Speicherkapazität der zugegeben sehr klobige Supercrypt von Super Talent sogar günstiger ist und verglichen mit unserem 32-GB-Modell nochmal deutlich höhere Schreibraten bieten sollte.
Unter dem Strich bleibt ein beim Lesen extrem schneller und recht kostspieliger USB-Stick, der beim Schreiben mit den Schwächen der aktuellen Flash-Controller für USB-Sticks zu kämpfen hat, die nur bei großen Dateien wirklich hohe Transferraten erreichen. Wer die hohen Leseraten benötigt, mit den im Vergleich nicht ganz so hohen Schreibraten leben kann und auch bereit ist, für einen USB-Stick eine dreistellige Summe auszugeben, kann beim Kingston DataTraveler HyperX 3.0 getrost zugreifen. Die einzige wirkliche Alternative ist der Super Talent Supercrypt, der jedoch deutlich klobiger ist und in puncto Kompaktheit nicht wirklich einen Vorteil gegenüber SSDs mit USB-3.0-Gehäuse bietet.


