Einleitung
Bereits Mitte 2004 hatte nVidia die SLI-Technik [1] mit dem nForce 4-Chipsatz [2] wieder ins Leben gerufen, ATi folgte Ende Mai 2005 mit seiner CrossFire-Technik [3] auf den Chipsätzen RD400 (Intel) und RD480 [4] (AMD) und auch Intel lies sich seinen i955X [5] für ATIs CrossFire-Technik lizenzieren und schickte vergangene Woche ohne große Aufsehen den i975X-Chipsatz [6] ins Rennen, der nun elegant über die Northbridge zwei Grafikkarten ansteuern kann.
Und VIA?
Bereits im Januar stellte der taiwanesische Konzern mit dem PT894Pro [7] einen Chipsatz für Intel-Prozessoren vor, der seinerzeit für die Intel-Plattform der erste war, der mehr als eine PCI Express-Grafikkarte betreiben konnte. Die Technik hörte auf die Bezeichnung „VIA DualGFX Express Graphics“. Fehlt nur noch ein Pendant für den Sockel 939 aus dem Hause VIA. Aktuell bietet das Unternehmen für diesen Sockel nur den K8T890-Chipsatz [8] mit PCI Express-Support an, der aufgrund der inzwischen veralteten Southbridge (VT8237) aber nur SATA 150 im Angebot hat.

Das soll sich ab heute alles ändern, denn VIA präsentiert für den Sockel 939 den K8T900 Chipsatz mit der neuen MultiChrome-Technologie. Dazu gesellt sich die lang erwartete Southbridge VT8251, die einiges an Neuerungen zu bieten hat. Wir stellen den neuen Chipsatz in diesem Artikel vor. Natürlich wird ein Mainboard-Test folgen, sobald erste Probanden mit dem neuen Chipsatz unser Labor erreichen.
Die Northbridge
Ein wichtiges Merkmal des neuen K8T900-Chipsatzes ist die Pinkompatibilität der Northbridge zu der des älteren VIA K8T890. Damit sparen die Mainboard-Hersteller Entwicklungskosten, können sie doch Teile des Layout übernehmen. Dazu unterstützt der K8T900 alle aktuellen AMD-Prozessoren für den Sockel 939, im Einzelnen den Athlon 64, den Athlon 64 X2, den Athlon 64 FX, den AMD Opteron und den AMD Sempron. Natürlich sind Prozessor und Northbridge über einen 16-Bit breiten und mit 1 GHz getakteten HyperTransport-Link miteinander verbunden.
Die Northbridge verfügt über 20 PCIe-Lanes, die auf fünf Controller verteilt sind. So können neben dem x16-Anschluss für eine PCIe-Grafikkarte noch weitere vier x1-Lanes einzeln angesprochen werden. Dies bietet sich für Onboard-Komponenten wie zusätzliche RAID- oder Netzwerk-Controller an. Zusätzlich zu der x16-Konfiguration lassen sich die Lanes auch auf zweimal x8-Lanes aufteilen, um so den gleichzeitigen Betrieb von zwei PCIe-Grafikkarten zu ermöglichen.
VIA hat mit dem eigenen Tochter-Unternehmen S3 Graphics [9] hierfür die MultiChrome-Technologie samt des passenden Grafik-Prozessors Anfang des Monats vorgestellt [10]. Aus rein technischer Sicht unterstützt der K8T900 auch ATis CrossFire- oder nVidias SLi-Technologie. Einzig die Grafikkarten-Treibern der beiden Hersteller stehen dem erfolgreichen Einsatz im Wege und Besserung ist leider nicht in Sicht.
Um die höchste Leistung mit den beiden Grafikkarten zu erreichen, hat VIA die RapidFire-Technologie entwickelt, die bei hoher Bandbreite trotzdem energiesparend arbeiten soll.
Wie gewohnt stellt VIA auch Benchmark-Ergebnisse zur Verfügung. Nun sollte man diese mit einer gesunden Portion Skepsis betrachten, kennt man doch den genauen Benchmark-Ablauf und die eingesetzten Treiber nicht. Die Ergebnisse sind viel versprechend, müssen sich allerdings erst in der Praxis bestätigen.
Die Southbridge
Kommen wir zur lang ersehnten neuen Southbridge von VIA, der VT8251. Eine der interessantesten Neuerungen ist sicher das Implementieren von zwei PCIe x1-Lanes, die selbstverständlich auch zu einer x2-Lane zusammengefasst werden können. Somit stehen insgesamt 22 PCIe-Lanes verteilt auf sieben Controller von North- und Southbridge zur Verfügung. Als Bandbreite entstehen so pro Richtung 5 GB/s bei der North- und 0,5 GB/s bei der Southbridge.
Die North - und Southbridge interagieren wieder mit der bekannten Ultra-V-Link-Verbindung, ein 16-Bit breiter und mit 66 MHz getakteter Bus, der eine Bandbreite von 1066 MB/s zur Verfügung stellt. VIA setzt hier auf bewährte Technik und wechselt nicht auf eine HyperTransport-Link-Verbindung, wie nVidia sie bei der nForce-Familie verwendet.
Die „Drive Station“ wurde komplett überarbeitet. Sie bietet jetzt SATA II mit 300 GBit/s, beherrscht Native Command Queuing (NCQ) und staggered Spin-up. In wie fern der SATA-Controller von Windows XP auch ohne Treiber angesprochen werden kann, und so eine Betriebssystem-Installation ohne Diskette möglich ist, können wir derzeit noch nicht mit Bestimmtheit sagen.
Ebenfalls hinzugekommen ist die komplette RAID-Unterstützung der Modi 0, 1, 0+1, 5 und JBOD. Um höchste Leistung zu garantieren, hat VIA vier unabhängige Controller integriert. Damit sind problemlos auch Mischbestückungen von SATA I- und SATA II- Geräten möglich. Unter Windows steht das VIA RAID-Tool zur Verfügung, mit der RAID-Verbände erstellt oder auch ohne Datenverlust transformiert werden können. Natürlich stehen auch weiterhin vier Anschlüsse für PATA-Geräte mit bis zu 133 MB/s bereit.
Die VT8251 kann bis zu sieben PCI-Slots verwalten und auch die Unterstützung für LAN-Verbindungen mit bis zu 1 GBit/s ist gegeben. In Sachen USB stehen acht USB 2.0-Ports bereit. Ein Pluspunkt ist sicherlich die HD-Audio-Unterstützung der VT8251. Mit Vinyl-Audio sind hier verschiedene Onboard-Sound-Lösungen für die Mainboardhersteller möglich. Angefangen beim rudimentären AC97, über VIA Vinyl HD Audio mit 7.1 Sound und 32 Bit, 192 KHz Unterstützung bis hin zu VIA Vinyl Gold mit Envy 24 PT.
Fazit
Der VIA K8T900 macht einen soliden Eindruck. Sowohl die North- als auch die Southbridge sind sehr flexibel was die Anschlüsse angeht. Eine weitgehend freie Konfiguration der PCIe-Lanes in beiden Teilen des Chipsatzes sprechen für sich. Die lang ersehnte VT8251-Southbridge hält hoffentlich das was sie verspricht. Auch hier ist Flexibilität das Stichwort: LAN-Anschlüsse von 10 Mbit/s bis zu einem GBit/s sind möglich und auch beim Onboard-Sound hat der Mainboardhersteller die Wahl.

VIA ist der letzte im Boot der Multi-GPU-Chipsätze für den Sockel 939. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass man die Zeit in den Labors genutzt hat, um einen ausgereiften und leistungsfähigen Chipsatz zu entwickeln. Die von VIA präsentierten Benchmarks lassen auf Einiges hoffen. Auch der Zusammenschluss von zwei S3 Chrome-Grafikkarten muss seine Leistungsfähigkeit noch unter Beweis stellen. Hier sind ebenfalls unabhängige Messungen abzuwarten.
Hoffen wir, dass der ehemalige Marktführer für AMD-Chipsätze in diesem Segment verlorenen Boden wieder gut machen kann. Doch eins dürfte klar sein: Auch die Konkurrenz schläft nicht. Während nVidia mit dem nForce 4 SLI x16 bereits ein wenig enteilt zu sein scheint, greifen ULI und SIS aus der zweiten Reihe mit neuen Produkten an.







