Einleitung
Mit dem heutigen Tag stellt nVidia zwei neue nForce4-Chipsätze vor, die die Zahl der für den Sockel 775 verfügbaren nVidia-Lösungen mit den bereits erhältlichen Versionen nForce4 SLI (ComputerBase-Test [1]) und nForce4 SLI X16 kurzfristig auf vier verdoppeln (bzw. langfristig auf drei erweitern, denn der nForce4 SLI läuft aus). „nForce4 SLI XE“ und „nForce4 Ultra“ stellen ab sofort den Einstieg in die Welt des nForce4 auf Intel-Systemen dar, was sich speziell in einer günstigen Preisgestaltung, aber auch leicht abgespeckten Features äußert. Neben diesen erwarteten Änderungen im Vergleich zur ersten „Intel Edition“ eines nForce4-Chipsatzes, dem nVidia nForce 4 SLI (X16), hielten jedoch auch neue Funktionen Einzug in das Repertoire der beiden Probanden. So wurden kleine - aber durchaus nervige - Unzulänglichkeiten ausgemerzt und einzelne technische Lösungen durch bessere ersetzt. Es wurde aber auch vieles beibehalten, was bei den ausgewachsenen nForce4-Chipsätzen angepriesen wird.
Auf den folgenden Seiten soll im Rahmen einer Produkt-Vorschau geklärt werden, für welchen Anspruch die zwei nVidia-Chipsätze vorgesehen sind, was sie von den "Großen" unterscheidet und wieviel man aus den bekannten Fehlern gelernt hat.
Überblick
Wer die neuen nVidia Mainboards mit „nForce4 Ultra“- oder „nForce4 SLI XE“-MCP das erste Mal im Vergleich betrachtet, dem fällt der fehlende zweite Grafikkarten-Steckplatz (PCIe x16) auf der Ultra-Variante auf. nVidia sieht bei dieser Version (wie auf dem AMD-Pendant [2]) in der Tat keine Dual-GPU-Fähigkeiten vor. Ein Umstand, der zweierlei Faktoren geschuldet ist: Einerseits bietet man mit dem „Ur-nForce4“ in der SLI (Intel Edition) sowie dem neueren nForce4 SLI X16 und dem jetzt präsentierten nForce4 SLI XE bereits drei Chipsätze für den Sockel 775 an, die SLI-fähig sind. Andererseits ist der mit Ultra bezeichnete Abkömmling des nForce4 im unteren Preissegment angesiedelt und liegt damit auf Sparkurs.






Die beiden Chipsätze lediglich als abgespeckte Varianten des nForce4 zu sehen, würde diesen jedoch nicht gerecht werden. nVidia nutzte nämlich die Zeit, um ihnen weitere Features zu spendieren, die seinerzeit in Teilen sogar den teureren High-Performance-Versionen verwehrt blieben. So setzt man bei den neuen Chipsätzen auf eine HD-Audio-Lösung in Form des bekannten Azalia-Codecs. Außerdem können die beiden Neuen mit allen aktuellen Intel-Prozessoren umgehen. Explizit eingeschlossen wurde in dieser Aussage Intels Pentium D 820, das Sorgenkind aller Mainboards, die mit nVidias „nForce4 SLI“-Chipsatz (der nForce4 SLI X16 kann mit diesem laut Datenblatt umgehen) bestückt sind. Dieser Schritt erscheint auch notwendig, werden doch günstige Mainboards oft auch mit günstigen Prozessoren bestückt, zu denen eben auch Intels Einsteiger-Dual-Core-CPU gehören kann.


Features
Die Feature-Liste der beiden neuen nForce4-Vertreter liest sich wie ein bekannter Einkaufszettel, bei dem an der einen Stelle etwas Neues versucht und an anderer Stelle etwas Altes vergessen wurde. nVidia hat natürlich nichts vergessen, doch gibt es bekannte Ausstattungsmerkmale des nForce4 SLI oder nForce4 SLI X16, die bei den Einsteiger-Chipsätzen nicht mehr vorhanden sind. Am meisten betroffen ist hier der „nForce4 Ultra“-Chipsatz, dem alle SLI-Fähigkeiten abgesprochen wurden. Ebenso nicht existent ist nVidias ActiveArmor Secure Networking Engine. Diese fehlt auf beiden Probanden.
Anhand des günstigen Preises für Mainboards mit den beiden Chipsätzen (angepeilt sind hier weniger als 99 US-Dollar für den nForce4 SLI XE und weniger als 89 US-Dollar für den nForce4 Ultra) erklärt sich auch der Umstand, dass das immerhin noch SLI-fähige nForce4 SLI XE nicht über die neueste Errungenschaft in Sachen Dual-GPU-Lösung verfügt: Die zwei mit voller Bandbreite angesprochenen PCIe-x16-Grafiksteckplätzen. Dieser theoretische Luxus bleibt vorerst nur dem nForce4 SLI X16 und muss dessen fast doppelt so hohen Preis rechtfertigen. Was bleibt im Falle des nForce4 SLI XE? Ein SLI-fähiges Mainboard für schätzungsweise etwas unter 100 US-Dollar, das im Falle eines Single-GPU-Einsatzes seinen zweiten PCIe-x16-Steckplatz auch gerne für normale PCIe-Karten bereitstellt.
Die beiden neuen Chipsätze verfügen allerdings auch über einen Vorteil gegenüber ihren älteren Kollegen. Statt auf den AC97-Audio-Codec setzt man bei diesen Mainboards auf eine HD-Audio-Lösung, die von Intels eigenen Mainboards bereits bekannt ist: „Azalia“. Der Azalia-Codec, der in bisherigen Tests durchgehend bessere Ergebnisse zu liefern wusste als der mehrmals verbesserte und dennoch angestaubte AC97-Chip, ist auf beiden neuen Chipsätzen zu finden. Das Gesamtpaket wird an dieser Stelle also verbessert und wirkt, sofern sich die neue Sound-Lösung von bisherigen nForce4-Platinen abheben kann, ausgereifter.
Einen kleinen und doch einflussreichen Pluspunkt heimst der in der Feature-Tabelle noch zierliche, auf einer weiteren Seite dann aber große Verweis ein, dass die neuen Probanden nun alle Sockel-775-Intel-CPUs unterstützen. Auf dem älteren Chipsatz (nForce 4 SLI) konnte (und kann) man keinen Pentium D 820 mit 2,8 GHz betreiben, es wurden und werden schlicht nicht beide Kerne der Dual-Core-CPU [3] angesprochen. Zwar ist der Betrieb mit den höher getakteten Dual-Core-Prozessoren möglich, doch bleibt dieser Makel ein nerviges Laster der nVidia-gestützten Mainboards. XE- und Ultra-Variante unterstützen den Pentium D 820 nun ebenso, wie es der nForce 4 SLI X16 schon einige Monate tut. Darüber hinaus unterstützen die beiden nVidia-Chipsätze auch den Pentium XE 955 sowie weitere „Pentium D 9xx“-Modelle. Bisher konnte sich nur Intels i975X-Chipsatz als für diese gewappnet erweisen. Alle anderen Chipsätze für den Sockel 775 [4] waren bis dato nicht fähig, die neuen Prozessoren zu unterstützen - oder es wurde zumindest nicht bekannt gegeben.
Auf Nachfrage bei nVidia teilte man uns mit, dass demnächst auch alle weiteren nForce4-Mainboards mit den neuen „Pentium D 9xx“-CPUs sowie dem Pentium XE 955 umgehen können werden, sofern man ein neues BIOS aufspielte. Wann dieses BIOS erscheint, ist uns unterdes nicht bekannt. Der Pentium D 820 wird vermutlich aber auch dann nicht vom nForce4 SLI unterstützt werden, da dieser Chipsatz zwar noch am Markt erhältlich sein wird, dessen Zukunft aber vom Wohlwollen der Hersteller abhängt. Seitens nVidia wurde er jedenfalls durch die zwei neuen nForce4-Platinen ersetzt.
| Prozessor | ATi | Intel | nVidia | SiS | ULi | VIA |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Logo | ![]() |
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|||
| Pentium XE 955 | ? | 975X | nForce4 Ultra nForce4 SLI XE nForce 4 SLI nForce 4 SLI x16 |
? | ? | ? |
| Pentium D 9xx | ? | i945-Familie i955X i975X |
nForce4 Ultra nForce4 SLI XE nForce 4 SLI (ohne 920) nForce 4 SLI x16 |
? | ? | ? |
| Pentium XE 840 | ? | i955X i975X |
nForce 4 SLI nForce 4 SLI x16 nForce 4 SLI nForce 4 SLI x16 |
? | ? | ? |
| Pentium D 8xx | RS400 RD400 |
i945-Familie i955X i975X |
nForce4 Ultra nForce4 SLI XE nForce 4 SLI (Ohne 820) nForce 4 SLI x16 |
SiS656FX SiS649FX SiS656 SiS649 |
? | ? |
| Pentium 4 Extreme Edition |
RS400 RD400 |
i925X/XE i945-Familie i955X i975X |
nForce4 Ultra nForce4 SLI XE nForce 4 SLI nForce 4 SLI x16 |
SiS656FX SiS649FX |
? | PT880 Ultra PT894 PT894 Pro |
| Pentium 4 6xx/5xx | RS400 RD400 |
i915-Familie i925X/XE i945-Familie i955X i975X |
nForce4 Ultra nForce4 SLI XE nForce 4 SLI nForce 4 SLI x16 |
SiS656FX SiS649FX SiS656 SiS649 |
M1685 | PT880 PT880 Ultra PT894 PT894 Pro |
| RS400 = Radeon Xpress 200 RD400 = Radeon Xpress 200 CrossFire |
||||||
Eine letzte, verschmerzbare Änderungen liegt noch in der Zahl der USB2.0-Steckplätze vor, die maximal von den Chipsätzen bereitgestellt werden können. Statt bisher zehn sind dies nur noch acht; aber auch diese Zahl sollte für den Durchschnittsbedarf an Anschlussmöglichkeiten ausreichen.
Performance
Zu guter Letzt steht die Performance der beiden neuen Chipsätze auf dem Programm. Diese lässt sich unsererseits, das sei vorweg bemerkt, nur an den Datenblättern und Diagrammen festmachen, die nVidia bereitgestellt hat. Dass an dieser Stelle zwar vermeintlich umfangreich gebencht wurde und das Ergebnis eindeutig ausfällt, ist unter dem Gesichtspunkt zu betrachten, dass einmal mehr genaue Angaben zum Testsystem und den Testbedingungen fehlen. Die getätigten Benchmarks sind also noch mit Vorsicht zu genießen, wobei die Gegenüberstellung der beiden neuen nForce4-Mainboards mit Intels i945P-Chipsatz realistisch erscheint.
Eindeutig zu sehen ist anhand des Liniendiagramms, dass sowohl nForce4 Ultra als auch nForce4 SLI XE in allen Belangen dem i945P überlegen sein sollen. Speziell die Speicherbandbreite käme besonders dem nVidia-Chipsatz zu Gute, die Spiele-Performance läge immerhin um 11 % über dem Niveau des Intel-Gegenstücks. Da ferner SLI-Fähigkeiten beim nForce4 SLI XE gegeben sind, ließe sich hier mitunter noch einer weiterer Vorsprung herausholen. Intel-Mainboards wurden vor kurzem zwar für CrossFire fit gemacht [5], ganz ausgereift scheint die nachträgliche Erweiterung der Spezifikationen jedoch nicht zu sein – zumindest noch nicht.
Die Präsentation der beiden neuen nForce4-Chipsätze beinhaltet auch eine Folie, die die Geschwindigkeit des nForce4 SLI X16 mit dem neuen Intel 975X-Chipsatz vergleicht. Diese sei an dieser Stelle als Ergänzung eingefügt:
Auch hier scheint nVidia der Konkurrenz aus dem Hause Intel in allen Belangen überlegen zu sein. Die Speicherbandbreite sei auch in diesem Vergleich das den nForce 4 SLI X16 bevorteilende Element. Erinnert werden muss in diesem Zusammenhang aber wieder daran, dass es sich einerseits um nVidia-eigene Tests handelt und andererseits die von uns getesteten Referenz-Mainboards des nForce4 SLI (Intel Edition) [6] ebenfalls ein gutes Stück schneller waren, als die damals verfügbaren Intel-Probanden, dieser Vorsprung bei den finalen Umsetzungen durch die verschiedenen Hersteller aber nicht gehalten werden konnte [7] (und zudem einige unliebsame Schwierigkeiten wie hitzköpfige Northbridge-Chips auftraten).
Fazit
Das, was nVidia mit dem nForce4 Ultra und dem nForce4 SLI XE präsentiert, macht allgemein einen guten und ausgereiften Eindruck. Es ist jener Eindruck, den frühere nForce4-Mainboards für Intel-Prozessoren vermissen ließen, eben weil es störende Fehler gab, deren größter die fehlende „Pentium D 820“-Unterstützung war. Inwiefern die kommenden Mainboards, die auf den neuen Chipsätzen basieren, am Markt Fuß fassen können, scheint indes schwer abzuschätzen. Zwar erscheint der Preis für die neuen Platinen realistisch und die Features kommen auch dem nahe, was man heute durchschnittlich braucht, vielmehr wird einem jedoch nicht geboten. Vieles ist schon durch andere Hersteller am Markt vertreten, ein Preisverfall bei aktuellen Intel-Chipsätzen ist zudem zu erwarten, wo doch Intels i975X in den Startlöchern steht. Die beiden günstigen nVidia-Platinen müssen sich also gegen bereits am Markt etablierte Ware durchsetzen.
Was bleibt ist die Tatsache, dass der nForce4 für Intel-CPUs weiter gereift ist. Das muss er auch, da der bisherige nForce4 SLI durch die überarbeiteten Versionen quasi ersetzt wird. Inwiefern dieses neue Line-Up bestehend aus nForce4 Ultra, nForce4 SLI XE und nForce4 SLI X16 angenommen werden wird, wird die Zukunft zeigen. Entsprechende Umsetzungen des rundum erneuerten Chipsatzes wird man jedenfalls schon in Kürze von mehreren Herstellern erwerben können.











