Einleitung
Mit der x5x-Chipsatzserie läutete Intel am Jahresende 2008 eine neue Ära ein. Als erster Vertreter startete der X58-Chipsatz für die Bloomfield-Prozessoren. Als einziger Chipsatz der Serie verfügt der X58 (Codename: Tylersburg) noch über ein Drei-Chip-Design aus Prozessor, Northbridge und Southbridge. Im September 2009 kamen mit dem P55-Chipsatz und dem Sockel LGA1156 die Produkte für die breite Masse. Im Laufe des ersten Quartals 2010 wird die Liste der Chipsätze mit H55, H57 und Q57 sowie P57 vervollständigt.
Beim neuen Zwei-Chip-Design wandert die Northbridge in den Prozessor und überträgt ihm die Aufgabe der Speicheranbindung und der PCI-Express-Ansteuerung, wodurch die Datenwege deutlich kürzer werden. Den übrigen I/O-Part übernimmt der eigentliche Chip des Chipsatzes, dieser wird als Platform Controller Hub (PCH) bezeichnet und ähnelt von Aufbau und Funktionalität der bekannten ICH-Southbridge.
Die Anbindung des PCH erfolgt per Direct-Media-Interface (DMI) mit 2 GByte/s. Vom PCH aus können bis zu 14 USB-Ports, acht PCI-Express-x1-Schnittstellen, sechs SATA-Ports sowie HD-Audio und Gigabit-LAN angesprochen werden. Damit steht es seitens des Chipsatzes nicht optimal um die Zukunftssicherheit, denn neuere Schnittstellen wie USB 3.0 oder SATA mit 6 Gbit/s müssen durch extra Chips von den Mainboardherstellern realisiert werden.
Die Probanden
Zu Beginn ein kleiner Überblick über die Ausstattung der drei getesteten Mainboards.
| Asus P7P55D | Intel DP55KG | MSI P55-GD65 | |
|---|---|---|---|
| Bild | |||
| Format, Sockel | ATX, Sockel 1156 | ATX, Sockel 1156 | ATX, Sockel 1156 |
| Chipsatz | P55 | P55 | P55 |
| Ausbaufähigkeit für Prozessoren |
Core i5 750 Core i7 860 Core i7 870 |
Core i5 750 Core i7 860 Core i7 870 |
Core i5 750 Core i7 860 Core i7 870 |
| Speicher | 4 Slots max. 16 GByte DDR3 Dual-Channel (2133), 1600, 1333, 1066 |
4 Slots max. 16 GByte DDR3 Dual-Channel 1600, 1333, 1066 |
4 Slots max. 16 GByte DDR3 Dual-Channel (2133), (2000), (1600), 1333, 1066 |
| PCI-Erweiterungsslots | 2x PCIe 2.0 x16 2x PCIe 2.0 x1 3x PCI |
1x PCIe 2.0 x16 1x PCIe 2.0 x4 2x PCIe 2.0 x1 2x PCI |
2x PCIe 2.0 x16 1x PCIe 2.0 x4 1x PCIe 2.0 x1 2x PCI |
| interne Peripherie- anschlüsse |
3x USB 1x IDE 7x SATA II 1x IEEE 1394a |
2x USB 6x SATA II 1x IEEE 1394a |
3x USB 1x IDE 1x Floppy 7x SATA II 1x IEEE 1394a |
| Audio | VIA VT1828S 8-Channel HD Audio | Realtec ALC 889 Codec (HD-Audio) | Realtec ALC 889 Codec (HD-Audio) |
| Backpanel | 8x USB 2.0 2x PS/2 (Maus, Tastatur) 1x IEEE 1394a 1x LAN 1x eSATA S/PDIF 6x Audio |
8x USB 2.0 1x IEEE 1394a 1x LAN 2x eSATA S/PDIF 6x Audio |
7x USB 2.0 2x PS/2 (Maus, Tastatur) 1x IEEE 1394a 2x LAN 1x eSATA-USB-Combo optischer und koaxialer S/PDIF 6x Audio |
| Lüfter | 1x CPU-Fan 2x Chassis Fan 1x Power Fan |
1x CPU-Fan 3x Chassis Fan |
1x CPU-Fan 3x Chassis Fan |
| Stromversorgung | 24 Pin ATX 8 Pin für CPU |
24 Pin ATX 8 Pin für CPU |
24 Pin ATX 8 Pin für CPU optional SATA zur Verstärkung des PCI |
| Sonstiges | POST-Code LED-Display Bluetooth |
Base-Clock-Control-Buttons |
Insgesamt bieten alle Boards den aktuell üblichen Standard, allerdings setzten sie mit USB 2.0 und SATA II auch auf langsam aussterbende Anschlussversionen. Fraglich ist ebenso, ob Intel mit dem Verzicht auf IDE und PS/2-Anschlüsse nicht bereits einen Schritt zu weit in der Zukunft ist. Lobenswert bei allen ist dafür die Unterstützung von eSATA.
Asus P7P55D
Zu Beginn kommt das Asus P7P55D [1] auf den Prüfstand. Mit einem Preis von gut 100 Euro [2] zählt es insgesamt eher zu den günstigeren Mainboards.
- Lieferumfang
- Treiber-DVD
- Handbuch
- I/O-Blende
- 4x SATA-Kabel
- 1x Ultra-DMA-Kabel
- Steckerkit
Layout
Auch bei Asus ist man auf den Zug der größtenteils in Blau und Schwarz eingefärbten Mainboards aufgesprungen. Dementsprechend sieht das P7P55D auf den ersten Blick auch recht schick aus. Rund um den Platz für den Prozessor sind hellblau-silberne Kühlkörper mit recht breiten Lamellen angebracht. Der PCH hat einen flachen Kühler, welcher durch seine schicke Form direkt ins Auge fällt. Sehr auffällig sind auch die 14 VRMs rund um den Prozessorsteckplatz.


Das gesamte Layout des Mainboards ist sehr klassisch, Asus geht beim Aufbau kaum neue Wege. Dennoch weiß das P7P55D durch einige Kleinigkeiten zu überraschen. Üblicherweise werden Speicher-Riegel durch zwei Clips fixiert. Von diesen lässt Asus einen wegfallen, sodass RAM nur noch am oberen Rand manuell eingeklickt werden muss.




Auf Seiten der Anschlussmöglichkeiten bietet das Asus-Board alle derzeitigen Standards – nicht mehr und nicht weniger. Interessant ist der sogenannte MemOK! switch. Sollte das System aufgrund eines Speicherfehlers oder durch eigentlich inkompatiblen Speicher nicht booten können, leuchtet eine Status-LED auf und der MemOK!-Knopf muss für einige Sekunden gedrückt werden. Im Folgenden versucht das Mainboard automatisch die Speichereinstellungen anzupassen, um das System ordnungsgemäß hochfahren zu können. Beim Testsystem konnte die Funktion allerdings auch nach drei Minuten keinen Erfolg verzeichnen und den nicht funktionierenden RAM durch andere Einstellungen zum Laufen bringen. Erst nachdem die beiden Riegel statt in den schwarzen in den blauen Slots installiert wurden, fuhr das System ordnungsgemäß hoch.


Erwähnenswert ist auch die Anordnung der sieben SATA-Ports, von denen einer per JMicron JMB363 angesteuert wird. Dieser und zwei weitere liegen am rechten Rand des Mainboards. Die übrigen vier liegen paarweise im rechten Winkel zu diesen, wobei ein Paar um 180° gedreht ist. Dies mag zwar gedacht sein um Kabelwirrwarr zu vermeiden, allerdings scheint es im Alltag eher das Gegenteil zu bewirken, da Kabel schlechter gebündelt werden können.
Unlogisch erscheint die Platzierung der VGA-LED, welche bei einem Problem mit der Grafikkarte rot aufleuchtet. Jene LED sitzt aber am linken Rand des PCIe-Slots und wird bei eingebauter Grafikkarte somit vollends versteckt. Weitere LEDs leuchten bei Bootfehlern durch CPU, RAM oder HDD auf – diese befinden jeweils nahe des entsprechenden Bauteils. Eine große grüne LED informiert zudem über die aktive Stromversorgung des Boards.


Im Lieferumfang des Boards befindet sich ein Adapter für die Anschlüsse des System-Panels (also Power-Button, Reset-Button, HDD-LED & Co), auf welchen die 2-Pin-Stecker des Gehäuses gesteckt werden. Der gesamte Stecker findet dann seinen Platz auf dem Mainboard. Dies stellt eine recht gute Alternative zur sonst gewohnt fummeligen Angelegenheit mit diesen Anschlüssen dar.
Software
Auf der beiliegenden Software-CD stellt Asus einen Assistenten namens InstAll bereit, welcher alle nötigen Treiber und einiges an hauseigener Software installiert. Nennenswert sind dabei TurboV Evo und EPU-6 Engine.
Hinter der sogenannten EPU-6 Engine verbirgt sich ein Programm, welches den Stromverbrauch des gesamten Systems durch Anpassung von Lüfterdrehzahlen, Taktraten und Voltage regulieren bzw. senken soll. Während des Tests konnte die Leistungsaufnahme im Idle durch die Einstellung Max. Power Saving um etwa 3 Watt gesenkt werden. Es ist fraglich, inwiefern das Programm eigenständig agiert, oder sich nur vorhandene Stromsparfunktionen wie EIST zu Nutze macht. Mit schicker Oberfläche und einer Anzeige des gesparten CO2-Ausstoßes ist das Programm sicherlich eine nette Dreingabe, aber unbedingt notwendig scheint es nicht.




Die Anwendung Tool TurboV Evo dient dem Übertakten des Systems. Diverse Spannungen, Busgeschwindigkeiten und Frequenzen können recht einfach eingestellt werden. Interessant ist der Menüpunkt Auto Tuning, welcher den Prozessor automatisch übertaktet und auch kurze Stabilitätstests durchführt. Zudem lässt sich eine Tastenkombination als Turbo Key festlegen, was eine kurzzeitige Übertaktung mit sich bringt. Im Easy Mode muss der Nutzer nur die BCLK-Frequenz erhöhen, die sonstigen Einstellungen (wie CPU Voltage) passt das Programm automatisch an. Dabei ist also vorsichtig vorzugehen um den Komponenten keinen Schaden zuzufügen. Insgesamt ist das Programm schön aufgemacht, übersichtlich und kann mit kleinen – aber interessanten – Funktionen aufwarten.
BIOS
Wie viele Asus-Mainboards der letzten Generationen verfügt auch das P7P55D über Asus ExpressGate, ein recht einfach gehaltenes Linux-Betriebssystem, welches dem Nutzer Internetzugang oder Chat-Möglichkeiten bietet, ohne dass erst das primäre Betriebssystem geladen werden muss. Da man bei diesem System aber mit einigen Einschränkungen zu kämpfen hat, wird es wohl eher selten Verwendung finden. Beispielsweise werden USB-WLAN-Sticks nicht ohne Weiteres erkannt, was den schnellen Weg ins Internet natürlich erschwert.
Zu Beginn der Betrachtungen wurde das BIOS auf die Version 0606 aktualisiert. Wenn auch die Umstellung der Sprache im BIOS, wo ohnehin fast alles aus englischen Fachbegriffen besteht, wenig Sinn macht, ist es trotzdem lobenswert, dass Deutsch als Sprache gewählt werden kann.








Insgesamt ist das BIOS des Asus logisch gegliedert und gut aufgebaut, allerdings in recht viele Unterpunkte verschachtelt. Eine Übersicht der aktuellen Lüfterdrehzahlen, Temperaturen und Spannungen bietet das BIOS ebenso wie einen automatisch agierenden OC Tuner, der das System eigenständig per BCLK übertaktet. Wer manuell vorgeht, hat dabei allerdings mehr Anpassungsmöglichkeiten. Zudem lassen sich acht verschiedene OC-Profile im BIOS ablegen.
Intel DP55KG
Mit dem DP55KG [3] richtet sich Intel eher an die professionellen Anwender des Mainstream-Segments, was sich auch am Preis von wenigstens 160 Euro [4] zeigt.
- Lieferumfang
- Treiber-DVD
- Handbuch
- I/O-Blende
- Bluetooth-Antenne
- SLI-Bridge
Layout
Bereits beim ersten Betrachten des Mainboards fällt auf, dass Intel einige Schnittstellen endgültig abgeschrieben hat. So verzichtet der Hersteller vollkommen auf IDE und PS/2. Beide Anschlussarten befinden sich mittelfristig sicherlich auf dem sterbenden Ast, aber aktuell verfügen noch viele über Laufwerke oder Peripherie, die diese Schnittstellen benötigt – hieraus sollte beim Kauf geachtet werden!
Lobenswert hingegen ist der integrierte Bluetooth-Empfänger, wenngleich WLAN nicht weniger sinnvoll gewesen wäre. Immerhin hat das DP55KG einen normalen internen USB-Port, so kann beispielsweise der WLAN-Stick im Inneren des Rechners angeschlossen werden. Die Verwendung des internen Bluetooth klappte im Test einwandfrei, auch ohne die extra Antenne anzubringen wurden Geräte in der Nähe des Computers gefunden.
Beim Installieren der Grafikkarte fällt auf, dass sie Klemmen der RAM-Slots bei bereits eingebauten Arbeitsspeicher der Grafikkarte recht nahe kommen. Ein paar Millimeter mehr Platz wären an dieser Stelle lobenswert.
Ansonsten weist das Layout des Boards keine großartigen Absonderlichkeiten auf. Lediglich der interne Audio-Header ist nahe den PCI-Steckplätzen wohl etwas ungünstig platziert. Die übliche Postion in der Nähe des Front-Panel-Anschlusses erscheint da sinnvoller.
Eine zweistellige LED-Anzeige auf dem Mainboard zeigt die POST-Codes an. Damit lassen sich Fehler, die während des Bootvorgangs auftauchen, recht einfach identifizieren. Um zu wissen, welcher Code welchen Fehlerquelle impliziert, ist allerdings ein Blick ins Handbuch nötig. Im normalen Betrieb zeigt die Anzeige stets 00 an. Zusätzlich gibt es zwei LEDs, die im Falle einer zu hohen Spannung oder eines zu heißen Prozessors rot aufleuchten. Außerdem leuchten die roten Augen eines Totenkopfes unten links auf dem Board bei Festplattenaktivität auf. Wem diese Spielereien nicht zusagen, kann sie im BIOS deaktivieren.


Einen kleinen Button zum Einschalten hat Intel dem Mainboard spendiert. Am Backpanel ist ein kleiner Button, der im Großen und Ganzen den BIOS-Jumper ersetzt – er kann allerdings nicht verwendet werden um das BIOS zurückzusetzen.







Mit großartigen Kühllösungen trumpft Intel beim DP55KG nicht auf. Nahe des Prozessors sind zwei Kühler angebracht, diese sind allerdings nicht mit einer Heatpipe verbunden. Zur Verstärkung der Stromversorgung für die Grafikkarte kann optional ein SATA-Stromkabel beim untersten PCI-Anschluss angebracht werden. Bei modernen Netzteilen, die genügend Leistung bereitstellen, ist dies aber unnötig.
Software
An Software sendet Intel als Hauptanwendung das Desktop Control Center sowie einige Standardprogramme, welche teilweise aber auch nur als 90-Tage-Testversion zur Verfügung stehen – wie Norton Internet Security.
Das Desktop Control Center ist ein sehr übersichtliches Programm, welches Prozessorauslastung, Temperaturen, Busgeschwindigkeiten, Speicherauslastung und Weiteres anzeigt. Einige Optionen bezüglich des Übertaktens können mit der Anwendung ebenfalls eingestellt werden, beispielsweise die Voltage oder die Host Clock Frequency. Zudem können Lüfterdrehzahlen manuell festgelegt und RAM-Timings geändert werden. Auch wenn es sicherlich sehr komfortabel ist, all' diese Anpassungen nicht im BIOS vornehmen zu müssen, macht der nach fast jeder Änderung nötige Neustart des Rechners die Optimierung eher zu einer zeitraubenden Aktion.




Praktisch ist noch die Möglichkeit drei verschiedene Profile anlegen zu können. Somit lässt sich beispielsweise ein Profil mit Einstellungen zum Spielen und ein weiteres mit stromsparenden Optionen für die Office-Arbeit anlegen. Auch hier sind allerdings Reboots notwendig.
BIOS
Das BIOS des Testmainboards wurde auf die Version 3878 aktualisiert, der Updatevorgang mit einer normal ausführbaren exe-Datei geschieht nahezu von alleine, alternativ kann natürlich auch auf herkömmlichen Weg aktualisiert werden. Insgesamt ist das BIOS durchaus logisch gegliedert und übersichtlich. Wie üblich sind einige Menüpunkte in einer Spalte kurz erklärt.
Als mehr oder weniger nennenswertes Schmankerl bietet es die bereits erwähnte Einstellmöglichkeiten des Totenkopfes mit seinen LEDs. Sinnvoller erscheint da der Punkt Real-Time Hardware Monitoring, welcher Lüfterdrehzahlen, Temperaturen und Spannungen anzeigt.









Sehr ansehnlich ist auch die Übersicht im Performance-Menü, man hat die Werte der aktiven-, der gerade angepassten- und der Standardkonfiguration übersichtlich nebeneinander. So lassen sich eigene Änderungen an Prozessorgeschwindigkeit, TurboBoost oder an Speicher oder Voltage sehr einfach ansehen. Zudem lassen sich auch für Neulinge im Bereich des Übertakten die Auswirkungen der Host Clock Frequency auf Prozessor oder Arbeitsspeicher leicht nachverfolgen.
Allerdings fragt man sich, warum sich unter dem Punkt „On-Board Devices“ unter Configuration hinter der Ebene USB nur eine Einstellmöglichkeit befindet. Hätte man sich da nicht eine Ebene sparen können?
MSI P55-GD65
Das MSI P55-GD65 [5] liegt preislich mit etwa 120 Euro [6] genau zwischen den beiden vorigen Kandidaten.
- Lieferumfang
- Treiber-DVD
- Handbuch
- I/O-Blende
- 4x SATA-Kabel
- 2x 4-Pin SATA-Stromkabel
- 1x IDE-Kabel
- 1x FDD-Kabel
- USB-Brücke mit zwei Ausgängen
- CrossFireX Link
- SLI Link
Layout
Ähnlich wie die ersten beiden Kandidaten kommt auch das MSI P55-GD65 mit schwarzem PCB her, in Verbindung mit einigen blauen Elementen. Das Layout des Mainboards wirkt auf den ersten Blick recht aufgeräumt und übersichtlich, bei der Platzierung der einzelnen Elemente geht MSI keine neuen Wege.
Auffällig sind die beiden Kühlkörper neben dem Prozessorsteckplatz, da sie vergleichsweise hoch sind und erfreulicherweise auch mit einem Heatpipe verbunden. Der Kühler des PCH ist auch bei MSI recht flach.



Bei einigen Anschlussmöglichkeiten geht MSI dann allerdings unübliche Wege. So ist am Backpanel ein kombinierter eSATA-USB-Port zu finden. Dadurch stehen entweder acht USB-Eingänge oder sieben USB- und ein eSATA-Eingang zur Verfügung. Sehr selten in dieser Preisklasse sind des Weiteren die beiden LAN-Anschlüsse.



Bei der Platzierung einiger Elemente wären durchaus bessere Lösungen zu finden. So befindet sich der 24-Pin-Stromanschluss weiter innen als der ohnehin kaum noch genutzte FDD-Anschluss – genau andersherum wäre gerade in Hinblick auf die Kabelverlegung praktischer gewesen. Kurios ist auch, dass der IDE-Eingang und sechs der SATA-Ports im rechten Winkel zum Mainboard stehen, der FDD-Anschluss aber wiederum nicht. Der siebte interne SATA-Port wird von einem extra JMicron-Controller versorgt.
Ähnlich dem Intel DP55KG bietet auch das MSI-Board eine visuelle Anzeige der Prozessorauslastung, allerdings nicht in Form eines Totenkopfes, sondern in Form einer blauen Laufleiste aus sechs LEDs – je stärker die CPU ausgelastet ist, umso mehr LEDs leuchten auf.


An weiteren Buttons bietet das MSI einen extra Einschalter, zwei Knöpfe zur Anpassung des BCKL-Taktes „on-the-fly“ um je ein MHz in Plus- oder Minus-Richtung sowie einen Button OC Genie. Die Taktanpassung funktioniert in der Praxis recht gut, allerdings sollten die Werte und natürlich auch die Stabilität des Systems entsprechend geprüft werden. Denn man hat ohne extra Programme keine Kontrolle über den aktuellen Takt. Der OC-Genie-Button übertaktet das System durch einen Neustart automatisch, im Falle des Testsystems wurde der BCKL-Takt auf respektable 157 MHz angehoben. Nach einem erneuten Drücken des Buttons mit anschließendem Neustart sind wieder die Standardwerte aktiviert.
Die sonstigen Positionen der einzelnen Elemente auf dem Mainboard lassen kaum Grund zur Beanstandung.
Software
Auf der beiliegenden DVD hat MSI sämtliche benötigte Treiber und einige extra Anwendungen, beispielsweise zum Übertakten, verpackt. Auch die sonst üblichen Dreingaben wie eine Testversion eines Antivirenprogramms sind mit von der Partie. Auf einer weiteren CD befindet sich noch das Programm MSIFlash zum Aktualisieren der BIOS-Version. Das recht praktische Programm MSI Live Update, welches automatisch nach Updates für BIOS und installierte Anwendungen des Herstellers sucht, ist leider nicht auf einer der beiliegenden Datenträger enthalten.
Die Installation von Treibern und Anwendungen klappte problemlos. Zu Problemen kam es hingegen bei der Ausführung der Software. So verursachte das MSI Control Center einen Laufzeitfehler auf dem neu aufgesetzten Testsystem. Auch die aktuellste Version aus dem Internet rief das Problem hervor. Sollte die Anwendung funktionieren, erlaubt sie das Übertakten des Systems und die Steuerung des Green-Power-Modus, welcher das Stromsparen mit aktiver Phasenumschaltung erlaubt. Bei uns tat sie es leider nicht.
BIOS
Auf dem MSI P55 GD-65 wurde das BIOS der Version 1.50 installiert. Wie auch bei den beiden Mainboards zuvor gibt es an diesem BIOS nicht viel auszusetzen. Alle Einstellungen sind an ihren typischen Plätzen.








Als interessantes Feature können direkt im BIOS Overclocking-Profile abgelegt werden, welche die jeweiligen Einstellungen auf einem der acht Speicherplätze ablegen. Ein Hardware-Monitor findet sich auch bei MSI wieder. Im Vergleich zu den anderen beiden Testkandidaten ist bei diesem Board die Turbo-Boost-Funktion des Prozessors bei den Werkseinstellungen deaktiviert. Anwendern, die keinen Blick ins BIOS wagen, bleibt dieses Feature leider verborgen.
Testsystem
Testsystem
- Prozessor
- Intel Core i7-870 (4x 2.93 GHz, 4x 256 kByte L2-Cache, 8 MByte L3-Cache)
- CPU-Kühler
- Boxed
- Arbeitsspeicher
- 2x 2.048 MB Corsair XMS3 Dominator DDR3-1600 (8-8-8-24)
- Grafikkarte
- ATi Radeon HD 3870 (777/1.124), 512 MB
- Netzteil
- Silverstone ST60F (600 Watt)
- Peripherie
- LG GH22NS50 DVD-Laufwerk
- Super Talent Ultradrive GX MLC (SSD mit 128 GB Kapazität und 64 MB Cache)
- Gehäuse
- Lancool Metal-Boned K7 Gold
- Treiberversionen
- ATi Catalyst 9.11
- Software
- Microsoft Windows 7 x64
Benchmarks
Die Einstellungen innerhalb des Grafiktreibers wurden auf den normalen Default-Settings belassen. Für den Prozessor wurde im BIOS sowohl EIST als auch SMT aktiviert, da dies wohl auch bei den meisten Käufern so eingestellt wird oder bereits werksseitig aktiviert ist. Dadurch fließt einerseits das Takt-Handling der Mainboards mit in die Ergebnisse ein, was auch zu hohen Unterschieden bei den Benchmarkresultaten führen kann und man erhält andererseits auch praxisnahe Ergebnisse, was der Vergleichbarkeit zu Gute kommt.
Als Software wurde PC Mark Vantage, SiSoftware Sandra Lite 2010.1.16.11, Cinebench R10 und ATTO Disk Benchmark v2.41 verwendet. Die Überwachung der Bootzeiten erfolgte mit der Ereignisanzeige eventvwr von Windows selbst. Die Leistungsaufnahme wurde mit einem handelsüblichen Strommessgerät überprüft, dadurch erhält man also den Stromverbrauch des kompletten Systems als Wert.
PCMark Vantage
PCMark Vantage
Angaben in Punkten
|
Cinebench
Maxon Cinebench R10
Angaben in Punkten
|
SiSoft Sandra 2010
Prozessor (Arithmetik)
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Prozessor (Multimedia)
Angaben in Megapixel pro Sekunde (MPix/s)
|
Speicherbandbreite
Angaben in Megabyte pro Sekunde (MB/s)
|
Bei den Prozessortests sind alle Kandidaten etwa auf einer Höhe. Bei den Speichertests driftete das MSI P55 GD-65 zu erst sehr weit nach hinten ab. Mit sämtlichen möglichen Konfigurationen wurden nur Werte erreicht, die etwa halb so groß sind wie jene der Konkurrenz – was angesichts der Tatsache, dass der Speichercontroller bei P55 nicht mehr auf dem Mainboard sitzt, sehr skurril erschien.
Auf Anfrage bei MSI schickte uns der Hersteller ein aktuelles Beta-BIOS der Version 1.63 (die aktuellste Version auf den Servern ist die finale Version 1.50). Mit der Beta-Version des BIOS konnten in den Speichertests von Sandra ähnliche Werte wie bei den anderen beiden Mainboards erreicht werden. Daraufhin wurden sämtliche speicherrelevante Tests erneut mit dem Beta-BIOS durchgeführt. Die übrigen Tests wurden weiterhin mit offiziellen BIOS-Version ausgeführt, da Endkunden die Beta-Version offiziell noch nicht zur Verfügung steht.
Schnittstellen
Bei den Schnittstellen, insbesonders bei USB, wird das MSI-Board von der Konkurrenz erneut in kein gutes Licht gestellt. Hier war mit keiner uns zur Verfügung stehenden BIOS-Version Abhilfe zu schaffen.
Bootzeit
Bootzeit
Angaben in Sekunden
|
Leistungsaufnahme
Leistungsaufnahme
Angaben in Watt (W)
|
Anhand der Leistungsaufnahme lassen sich die Unterschiede bei der Ansteuerung des Turbo-Modus' recht gut ausmachen. Das Mainboard von Asus nutzt diese Funktion recht stark aus, was sich an der großen Bandbreite zwischen Verbrauch im Idle und unter Volllast erkennen lässt. Daher erreicht das P7P55D auch gerade in den Prozessortests gute Werte. Während beispielsweise das Intel DP55KG nicht längerfristig im Turbo-Modus verharrt, lässt gerade Asus den Prozessor auch über längere Zeiträume übertaktet und nutzt dessen Leistungsfähigkeit daher besser aus. Die Leistungsaufnahme steigt allerdings auch.
Fazit
Meistens scheint sich am Ende eines Tests kein eindeutiger Sieger herauszukristallieren, doch in diesem Fall lässt sich ganz klar eine Empfehlung aussprechen.
Das Intel DP55KG schneidet in diesem Test insgesamt am schlechtesten ab. Der Verzicht auf PS/2- und IDE-Anschluss ist für viele Kunden immer noch verfrüht, das macht auch ein integriertes Bluetooth-Modul nicht wieder wett. Die Sinnhaftigkeit eines leuchtenden Totenkopfes, welcher die Festplattenaktivität anzeigt, muss hingegen jeder für sich selbst bewerten. Doch wenn solche Spielereien zu Ungunsten des Platzes gehen und dadurch die RAM-Klemmen an der Grafikkarte kratzen, sollte sich man wohl eher für andere Lösungen entscheiden.
Mit einem sehr guten Lieferumfang und umfangreichen Anschlussmöglichkeiten schickt MSI das P55-GD65 ins Rennen. Mit größtenteils sinnvollem Layout und Zusatzfunktionen, die für den ein oder anderen Nutzer recht interessant sind (genannt seien an dieser Stelle nochmals die beiden Buttons zur Variation des BCKL-Taktes), kann das MSI insgesamt überzeugen. Einbußen musste das Board vorerst aber bei den Benchmarks verkraften, denn nur mit einem Beta-BIOS vom Hersteller konnten bei den Speichertests akzeptable Werte erreicht werden. Die aktuelle finale BIOS-Version auf den Servern von MSI scheint hingegen noch nicht vollkommen ausgereift. Da ein BIOS für den Betrieb der Platine aber elementar wichtig ist und die meisten Käufer eines Mainboards ihr BIOS nicht updaten und es im ursprünglichen Kaufzustand belassen, ist dies ein deutlicher Minuspunkt, der dem P55-GD65 letztlich den Gesamtsieg kostet.
Bleibt das Asus P7P55D. Es bietet eine solide Grundausstattung, die zwar nicht sehr viel mehr als unbedingt nötig bietet (so sucht man Indikatoren für die aktuelle Prozessorauslastung beim Asus vergeblich), aber die wichtigsten Dinge mitbringt. Den Turbo-Modus des Prozessors nutzt das P7P55D stark aus, was sich natürlich auch im Stromverbrauch widerspiegelt. In den sonstigen Benchmarks behauptet das Mainboard seine gute Position und geht als Sieger aus diesem Vergleich.






