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Test: Lenovo L220x

von Jirko Alex

Einleitung

Man sollte meinen, dass der Markt für 22-Zoll-Bildschirme gesättigt und die technischen Spezifikationen den Kundenwünschen angepasst worden seien. Lenovo bietet mit dem L220x dennoch einen Monitor an, der so gänzlich anders als die Konkurrenz sein will – ja, quasi eine Revolution auf dem Papier anzettelt – und trotzdem preislich noch gerade so in das Beuteschema des Massenmarktes passen könnte. Dass der Revoluzzer dabei gar nicht so sehr auffällt, liegt an seinem unauffälligem Äußeren, das nur allzu sehr an die schlichte Funktionalität der Lenovo-Notebooks erinnert. Diese gelten unter Kennern dennoch zweifellos als zuverlässige Arbeitstiere höchster Güte. Fragt sich also, ob es sich hierbei um eine Eigenschaft handelt, die auch der ferne Verwandte an der Monitorfront teilt.

Die harten Fakten sprechen jedenfalls für den chinesischen Alleskönner. Trotz seiner 22-Zoll-Bildschirmdiagonale bietet er eine Auflösung von 1920 x 1200 Pixeln – derart viele Bildpunkte findet man eigentlich erst in der 24"+-Klasse. Die Auflösung genügt, um Full-HD-Videomaterial in voller Auflösung auf dem Bildschirm zu betrachten, was in dieser Größenklasse eine Seltenheit ist. Hinzu kommt ein sehr rares Gut in Form des verwendeten Panels, das, statt auf der TN-Technik zu basieren, als S-PVA-Panel ausgeführt ist. Damit einher gehen brillantere Farben sowie größere Blickwinkel von allen Seiten, die den Monitor von der Konkurrenz abheben sollen.

Frontale
Frontale

Hinter der unscheinbaren Fassade steckt also mehr als man erwartet könnte. Folgt daraus aber auch, dass das Gerät für Grafiker, Filmliebhaber am heimischen PC und auch für Spieler gleichermaßen geeignet ist? Der ComputerBase-Test soll genau dies mit dem bekannten Parcours aus Alltags- sowie Messtests zeigen.

Ausstattung

Technische Daten

Der Lenovo L220x glänzt im Detail; offensichtliche Stärken fehlen hingegen. So kommt der Monitor mit nur zwei Eingängen für Bildsignale daher und verzichtet auf werbewirksamen dynamischen Kontrast, besonders geringe Reaktionszeiten oder ein auffälliges Design. Nichtsdestotrotz sind die Eckdaten des Displays durchaus als solide zu bezeichnen. Die Reaktionszeit von sechs Millisekunden dürfte jedenfalls für Spieler genügen, der statische Kontrast ist ziemlich gut und auch die Helligkeit genügt für die Bildschirmgröße vollends – so denn alle Herstellerangaben in der Praxis auch eingehalten werden.

Technische Daten
Dell UltraSharp2408WFP Lenovo L220x
Dell UltraSharp WFP2408
Dell UltraSharp WFP2408
Frontale
Frontale
Display-Größe 24 Zoll 22 Zoll
Paneltyp S-PVA S-PVA
Auflösung (nativ) 1920 x 1200 Pixel 1920 x 1200 Pixel
Blickwinkel 178° (horizontal)
178° (vertikal)
178° (horizontal)
178° (vertikal)
Kontrastverhältnis 1300:1 (statisch)
3000:1 (dynamisch)
1200:1 (statisch)
maximale Helligkeit 400 cd/m² 325 cd/m²
Reaktionszeit
(Grey-to-Grey)
6 Millisekunden 6 Millisekunden
Abdeckung des
NTSC-Farbraums
102 Prozent 92 Prozent
Besondere Eigenschaften Pivotfunktion
45° seitlich drehbar
Bild-in-Bild-Funktion
4x USB-Anschlüsse
9-in-2-Kartenleser
Pivotfunktion
45° seitlich drehbar
4x USB-Anschlüsse
Anschlussmöglichkeiten 1x DisplayPort
1x HDMI
2x DVI
1x VGA
1x Composite-Video
1x S-Video
1x Component-Video
1x DVI
1x VGA

Optik und Mechanik

Der Lenovo L220x kommt in einem sehr schlichten Design daher. Das gesamte Gehäuse ist in dunklem Grau-Schwarz gehalten und besteht aus Hartplastik. Der Monitor ist sehr funktional gestaltet, was sich bereits an dem schlichten Standfuß zeigt, der nur aus einer halbrunden Röhre und einer am Fuß angesetzten Halbkreisform, die zum Betrachter zeigt, besteht. Die einzige, nicht mit dem Lineal gezeichnete Auffälligkeit des Monitors ist die Gestaltung der Bedienelemente an der Gehäusefront. Diese beschreiben eine Wellenform am unteren rechten Rand, wobei dies angesichts des restlichen Designs eher deplatziert wirkt.

Nichtsdestotrotz gibt es an der Verarbeitung und der Mechanik nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Der Lenovo L220x bietet – auf den zweiten Blick – viele nützliche Eigenschaften. Neben einem praktischen Kanal auf der Rückseite nebst Clip zur besseren Führung der Kabel des Monitors birgt die Oberseite des L220x einen Tragegriff, der in die Gehäuseform eingelassen ist.

Standfuß
Standfuß
Kabelführung
Kabelführung

Kabelkanal im Standfuß
Kabelkanal im Standfuß
Gelenk
Gelenk

Steht der Lenovo-Bildschirm einmal am richtigen Ort, bietet er viele ergonomische Funktionen, die es erlauben, ihn ideal an den Arbeitsplatz anzupassen. So ist der Monitor um 13 cm in der Höhe verstell- sowie nach hinten neigbar. Der maximale Winkel beträgt hierbei 30 Grad. Der mögliche Höhenunterschied des Displays ist auch notwendig, damit der Monitor um 90 Grad in den Pivot-Modus gedreht werden kann. Nach links oder rechts lässt sich der Monitor um jeweils 45 Grad drehen.

Frontale bei geringster Höheneinstellung
Frontale bei geringster Höheneinstellung
Frontale
Frontale
Seitliche Drehung des Monitores
Seitliche Drehung des Monitores
Pivot
Pivot
Rückansicht
Rückansicht
Monitoranschlüsse
Monitoranschlüsse
USB-Anschlüsse
USB-Anschlüsse
Neigfähigkeit nach hinten
Neigfähigkeit nach hinten

All' diese Verstellmöglichkeiten erleichtern auch die Erreichbarkeit der Monitorein- und ausgänge. So befinden sich an der unteren Rückseite des Bildschirms jeweils ein VGA- sowie ein DVI-Eingang. Auch ein USB-Upstream-Anschluss befindet sich dort. Dieser versorgt insgesamt vier USB-Ports, von denen sich wiederum zwei an der Unterseite und zwei an der linken Seite des Bildschirms befinden. Ein Kartenleser sowie ein mittlerweile ebenso nicht selten zu sehender HDMI-Eingang fehlen allerdings, wobei dies angesichts der formalen Ausrichtung des Monitors an Bedürfnissen der Büroarbeit aber auch nicht weiter verwunderlich ist.

Bildqualität

Die Bildqualität sollte eines der Hauptkriterien sein, die für den Lenovo L220x sprechen. Schließlich ist das verwendete Panel beinahe einzigartig in der Größen- und Preisklasse; ein Vorteil gegenüber den üblichen Monitoren mit TN-Panel ist also zwingend vorauszusetzen.

Zumindest auf dem Papier erreicht der Lenovo-Bildschirm gute Werte. So sind nicht nur die Blickwinkel mit 178 Grad in jede Richtung optimal, auch der statische Kontrast, der bei 1200:1 liegen soll, weiß zu gefallen.

Onscreen-Display

Bevor es an die Bildbetrachtung unter Realbedingungen geht, steht ein kurzer Exkurs ins Onscreen-Menü an. Die Betrachtung desselben kann aber nur sehr mager ausfallen, da die Einstellungen, die am Monitor selbst vorgenommen werden können, geradezu minimalistisch sind. Neben der Helligkeits- und Kontrastverstellung bietet das Monitormenü lediglich die Möglichkeit, die Intensität der drei Grundfarben selbständig anzupassen. Wird der Bildschirm darüber hinaus noch analog mit dem PC verbunden, stehen die obligatorischen Optionen zur Positions- und Größenanpassung ebenfalls bereit.

Für mehr Einstellungsmöglichkeiten liegt dem Bildschirm eine Software bei, die etwas mehr Tiefe bei der Verstellung der Farben bietet und zusätzliche Informationen des Monitors auslesen kann, etwa die bisherige Betriebszeit oder die Seriennummer des Gerätes.

Kalibrierung

Trotz des mageren Onscreen-Menüs keimt weiter Hoffnung auf ein frisches, farbechtes Bild. Diese Hoffnung wird auch keinesfalls enttäuscht, betrachtet man die ersten Bilder, die einem der Lenovo L220x entgegenwirft. Der Betrachter sieht sofort, dass es sich nicht um ein TN-Panel handelt. Die Farben wirken knackig, die Ausleuchtung gleichmäßig und die Farbtreue verändert sich auch nicht bei Bewegungen vor dem Bildschirm.

Auf den zweiten Blick fällt jedoch auf, dass der Monitor ab Werk viel zu hell eingestellt ist. Eine erste Messung zur Helligkeit bestätigte den Eindruck sofort: die maximal angegebenen 325 cd/m² erwarten den Betrachter quasi nach dem Auspacken des Gerätes. Gemessen ergab sich nämlich eine Helligkeit von 348 cd/m² – mehr, als der Monitor können sollte und wesentlich mehr als140 cd/m², was für die Arbeit am Monitor zu empfehlen wäre.

Für die Kalibrierung mittels Colorimeter gab es also bereits hier das erste Ziel, das sogleich auch in einer ersten Messung ohne Kalibrierung messtechnisch erfasst wurde:

Messung unkalibriert
Messung unkalibriert

Ziel für die Kalibrierung sind eine Farbtemperatur von 6500 Kelvin, eine Helligkeit von 140 cd/m² sowie ein Gamma-Wert von 2.2. Erreicht wurden alle diese Werte, bis auf die Helligkeit, welche selbst bei einem Wert von Null im OSD noch bei über 160 cd/m² lag. Dieser Wert ist zwar noch über die Verringerung der einzelnen Farbtemperaturen für rot, blau und grün reduzierbar, die optimale Farbtreue konnten wir so allerdings nicht erreichen. Nach der Kalibrierung wies das Gerät gemäß Messung einen leicht verringerten Kontrast auf. Unkalibriert lag dieser bei etwa 870:1 (maximale Helligkeit: 348 cd/m²; Schwarzpunkt bei 0,4 cd/m²), nach der Kalibrierung betrug der Kontrast noch etwa 827:1 (maximale Helligkeit laut Colorimeter: 165,4 cd/m²; Schwarzpunkt bei 0,2 cd/m²). Der Schwarzwert des Lenovo L220x ist damit – aufgrund der verminderten Gesamthelligkeit – verbessert worden. Allerdings gereichte er bereits von Anfang an zu einem subjektiv guten Schwarzton.

Messung nach Kalibrierung
Messung nach Kalibrierung

Nach der Kalibrierung wird ebenfalls deutlich, was sich unkalibriert nur leicht zeigte: Für eine optimale Farbdarstellung auf dem Lenovo-Bildschirm müssen speziell Blautöne verworfen werden. Dies zeigt sich an der Abweichung der drei RGB-Linien im linken Raster. Ein Verlauf der Linien entlang der 45-Grad-Achse ist erstrebenswert, alle Abweichungen müssen von der Grafikkarte korrigiert werden und bedeuten, dass die Farben nur eingeschränkt wiedergegeben werden können, da einige Akzente verworfen werden müssen. Dies kann beispielsweise zu Absätzen bei Farbverläufen führen.

Interpolation

Die Interpolation ist auf dem Lenovo L220x von spezieller Bedeutung: Dadurch, dass der Bildschirm auf vergleichsweise wenig Raum eine sehr hohe Auflösung bietet, kann es – je nach Einsatzgebiet – notwendig werden, eine andere als die native Auflösung zu nutzen. Dies könnte beispielsweise dann der Fall sein, wenn die Grafikkarte nicht für die Darstellung aktueller Spiele in 1920 x 1200 Pixeln genügt. Leider ist für derartige Zwecke die Monitorinterpolation gänzlich unbrauchbar. Die Ergebnisse sind durch die Bank weg als bestenfalls akzeptabel zu bezeichnen. Vor allem Schrift wirkt sehr unscharf und verwaschen, was sich mehr oder minder stark bemerkbar macht. Obwohl nämlich die Qualität der Interpolation durchweg ähnlich schlecht ist, fällt sie bei besonders geringen Auflösung noch vergleichsweise harmlos aus, da hier Schrift ohnehin so groß ist, dass man sie trotz des „Verwascheffektes“ noch entziffern kann.

Interpolation auf dem Lenovo L220x beginnend mit der nativen Auflösung (links). Die Bilder sind nicht verwackelt, was unter anderem daran zu sehen ist, dass die Pixelstruktur des Bildschirms einwandfrei zu erkennen ist.
native Auflösung
native Auflösung
Interpolation auf 1680x1050
Interpolation auf 1680x1050
Interpolation auf 1440x900
Interpolation auf 1440x900
Interpolation auf 1280x1024
Interpolation auf 1280x1024
Interpolation auf 1024x768
Interpolation auf 1024x768

Besitzer des Lenovo L220x sollten auf die Interpolation der Grafikkarte zurückgreifen.

Blickwinkel und Helligkeit

Lenovo gibt die Blickwinkel des L220x mit 178° in jede Richtung an. Tatsächlich ergibt sich ein recht gutes Bild auch bei extrem schräger Draufsicht von oben, unten oder den Seiten. Die Farben scheinen zum dem Betrachter gegenüberliegenden Rand hin leicht blasser zu werden. Die Farbtöne sind jedoch weiterhin gut und korrekt erkennbar. Der Dell UltraSharp 2408WFP litt bei diesem Test stärker unter einer Farbverfälschung ins Gelbliche.

Blickwinkel
Blickwinkel

Rein subjektiv ist die Ausleuchtung des Monitors als gleichmäßig konstant zu bezeichnen. Die Messung zeigt jedoch ein anderes Bild. So fluktuiert auch die Helligkeit an verschiedenen Messpunkten des Lenovo L220x teilweise deutlich. Als Zielwert ist hierbei eine Helligkeit von 160 cd/m² anzusehen, die im Zentrum des Bildschirms gemessen wurde. Zum Rand hin nimmt dieser Wert immer weiter ab, sodass speziell an der rechten und unteren Seite ein deutlicher Helligkeitsabfall messbar ist. Den gröbsten Ausreißer leistet sich dabei auch sogleich die untere rechte Ecke des Monitors, die um über 23 Prozent von der Helligkeitsvorgabe abweicht.

Helligkeitsmessungen
Helligkeitsmessungen

Die durchschnittliche Abweichung der Helligkeit beträgt etwa 12,5 cd/m², was akzeptabel ist.

Alltagstest

Als Alltagstest für Lenovo-Produkte wäre eigentlich ein Einsatz unter Office-Bedingungen naheliegend. Da der Lenovo L220x jedoch besondere Eigenschaften besitzt, unter anderem eine Auflösung von 1920 x 1200 Bildpunkten sowie eine Reaktionszeit – laut Hersteller – von sechs Millisekunden, darf auch ein prüfender Blick aus den Augen eines Filmliebhabers und eines Spielers nicht fehlen. Da die geringe Reaktionszeit durch Overdrive erkauft wird, muss auch an dieser Stelle der Inputlag untersucht werden, der den aktuellen 24-Zöller von Dell [1] letztendlich in Abseits bugsierte.

Im Office-Betrieb punktet der Monitor vor allem durch die hohe Auflösung, die beispielsweise den Videoschnitt und die Fotobearbeitung erleichtert, da mehr Raum für Werkzeuge zur Verfügung steht. Auch im Internetbetrieb gefällt die hohe Auflösung, obgleich der Abstand zum Monitor nicht zu groß ausfallen darf, um bei der Standardschriftgröße noch bequem lesen zu können. Letztendlich bietet der Lenovo L220x jedoch die Möglichkeit, wahlweise viel Bildschirmfläche (in Pixeln) mit – wenn nötig – vergrößerter Schriftart zu paaren. Aus diesem Grund lässt sich für beinahe jeden Einsatz eine passende Einstellung treffen. Die höhere Auflösung des Bildschirms weiß hier situationsabhängig mal mehr und mal weniger zu überzeugen – ein Nachteil gegenüber der kleineren Auflösung von 1680 x 1050 Pixeln ergibt sich jedoch nicht.

Reaktionszeit und Inputlag

Die Reaktionszeit des Lenovo L220x kann an dieser Stelle nicht messtechnisch überprüft werden. Stattdessen sollen Augenmaß und das eigene Empfinden die Messgrößen sein, die an dieser Stelle zum Tragen kommen. Dabei zeigt sich: Der Lenovo L220x macht hierbei keine Probleme. Es sind zwar sehr leichte Corona-Effekte erkennbar, dies jedoch nur bei einem sehr nahen Abstand zum Monitor. Der Bildschirm dürfte auch Spieler weitgehend zufriedenstellen und kann unter dem Gesichtspunkt der Reaktionszeit durchaus empfohlen werden.

Der Inputlag wurde einmal mehr mittels einer geklonten Bildschirmausgabe gemessen. Als Referenzmonitor kam dabei ein Samsung SyncMaster 226BW zum Einsatz, der eine maximale Eingangsverzögerung von zwei Millisekunden aufweist und sich deshalb ähnlich gut wie ein CRT-Monitor für den Vergleichstest eignet. Bei der Messreihe wurden Verzögerungen von bis zu 47 Millisekunden gemessen, wobei dieser Wert einen Extremfall darstellt. Durchschnittlich ergaben sich Latenzen von 25 bis 35 ms, was als durchaus gut zu bezeichnen ist. Dieser Wert dürfte, anders als die über 60 Millisekunden des Dell Ultrasharp 2408WFP, die wenigsten Nutzer wirklich stören.

Inputlag von 47 ms
Inputlag von 47 ms
Inputlag von 28 ms
Inputlag von 28 ms
Inputlag von 30 ms
Inputlag von 30 ms

Filmtest

Ein großer Vorteil des Lenovo L220x ist seine native Auflösung von 1920 x 1200 Pixeln. Diese erlaubt es, Full-HD-Material unkomprimiert wiederzugeben, was theoretisch der Bildwiedergabe zugute kommt. Der 22-Zoll-Monitor ist damit ein seltenes Stück in seiner Größenklasse, aber taugt er auch wirklich zum Betrachten von Filmen? Auf dem Papier stehen diesem Einsatzgebiet auch technische Daten entgegen: So bietet der Monitor nur einen VGA- und einen DVI, jedoch keinen HDMI-Eingang. Zwar unterstützt auch der DVI-Eingang den HDCP-Kopierschutz, womit hochauflösendes Filmmaterial problemlos betrachtet werden kann, die meisten Zuspieler im Heimkinobereich verfügen jedoch nicht direkt über einen DVI-Ausgang. Der Monitor ist also definitiv für den Einsatz am PC geschaffen.

Filmaufnahme
Filmaufnahme

Setzt man diesen als Zuspieler ein, funktioniert die Wiedergabe von HD-Videos problemlos. Die maximale Filmauflösung von 1920 x 1080 Pixeln wird korrekt, also mit kleinen Balken am oberen und unteren Ende, dargestellt. Die Bildwiedergabe entspricht dabei qualitativ den Erwartungen, die sich aus der hohen Auflösung und dem verwendeten Panel ergeben: Das Bild ist sehr fein und die Farben überzeugen. Allerdings stört hier die hohe Helligkeit des Bildschirms. Nutzt man die Werkseinstellungen, die dem Nutzer eine Helligkeit von weit über 300 cd/m² bescheren, so gehen viele Details durch Überblendungen in weißen Sequenzen verloren. Optimalen Kontrast erreicht man nur bei einer Helligkeit von null Prozent im Onscreen-Menü.

Die Auflösung des Bildschirms weiß natürlich auch beim Filmeinsatz zu gefallen. Einen Unterschied zu üblichen 22-Zoll-Monitoren sieht man bereits aus normaler Arbeitsentfernung jedoch nicht mehr. Die hohe native Pixeldichte des Lenovo-Monitors fällt damit eher beim Arbeiten und beim Spielen positiv auf.

Fazit

Es mag ungehobelt erscheinen, mit den Nachteilen des Lenovo L220x ins Fazit einsteigen zu wollen, in diesem Fall kann man es aber auch wieder als Lob auffassen: Die einzigen, wirklichen Kritikpunkte des Bildschirms sind nämlich die sehr hohe Helligkeit, die sich kaum zügeln lässt, sowie das schlechte Interpolationsverhalten. Zwar kann man auch bei einer Helligkeit von 160 cd/m² noch arbeiten, ohne sich die Pupillen wegzubrennen, weshalb es aber nicht weniger sein darf, bleibt wohl Lenovos Geheimnis. Immerhin leidet der Schwarzwert nicht unter diesem Beleuchtungswahn, wenngleich Filmfreunde unter Umständen Abstriche bei der Tiefenauflösung und dem allgemeinen Kontrast in Filmen hinnehmen müssen.

Leidvoller ergeht es da eher Betrachtern, die eine geringere als die native Auflösung auf dem L220x fahren möchten. Die Wiedergabe wird hierbei nämlich sehr unscharf, was vor allem beim Lesen von Text auffällt. In Spielen und Filmen ist die Qualität der Interpolation mitunter vertretbar. Ratsam ist es dennoch in jedem Fall, nicht von der nativen Auflösung abzuweichen. Dem Gesamteindruck des Monitors schadet das in diesem speziellen Fall eher wenig. Es muss nämlich davon ausgegangen werden, dass man sich den Lenovo L220x gerade wegen seiner hohen nativen Auflösung anschafft, weshalb geringere Auflösungen Seltenheitscharakter genießen sollten. Im Individualfall ist das Problem aber zu bedenken.

Die Fraktion der Filmfreunde wird mit einer in der Größenklasse seltenen Auflösung von 1920 x 1200 Pixeln belohnt, die es erlaubt, auch Full-HD-Videomaterial in voller Auflösung wiederzugeben. Da der Monitor neben einem VGA- auch einen DVI-Eingang besitzt, unterstützt er auch die Wiedergabe von HDCP-geschützten Filmen. Ein HDMI-Eingang wäre wünschenswert gewesen, auch und vor allem, um andere Zuspieler als den PC mit dem Monitor zu verbinden. Es stellt sich bei diesem Wunsch allerdings auch die Frage, ob der Lenovo L220x überhaupt für die Filmwiedergabe gedacht ist. Letztendlich handelt es sich auch „nur“ um einen 22-Zoll-Bildschirm, dessen Größe für den heimischen Filmabend dann vielleicht doch zu klein ist.

Frontale
Frontale

Ganz groß ist jedoch die Arbeitsfläche des L220x. Die im Vergleich mit anderen Monitoren dieser Größe erhöhte Auflösung sorgt für viel Platz auf dem Desktop, was vor allem das Arbeiten mit mehreren Anwendungen erleichtert. Sowohl bei der Tabellenkalkulation als auch bei Photoshop oder dem Windows-Explorer ergibt sich eine größere Übersicht, die der geneigte Käufer sicher schätzen wird. Die bei der hohen Auflösung kleinere Schrift kann gegebenenfalls vergrößert werden, in jedem Fall überzeugt die Darstellung jedoch durch ihre Feinheit, die sich aus der hohen Pixeldichte ergibt.

Apropos überzeugend: Das kann man auch von der Bildqualität behaupten. Das S-PVA-Panel verrichtet einen sehr soliden Job und stellt Farben getreu dar. Leichte Schwächen ergeben sich messtechnisch im Blau-Bereich, rein subjektiv gefällt der Monitor jedoch auch dort. Das Gleiche gilt für die Blickwinkel. Tatsächlich werden die Farben nämlich aus allen Richtungen nur minimal verfälscht, was sich speziell in einer zum Rand hin trüberen Darstellung bemerkbar macht. Ein Übergleiten von einem Farbton in den anderen ist jedoch nicht auszumachen. Weiß bleibt weiß und wird nicht etwa gelblich, wenngleich der Kontrast leicht abnimmt.

Auch die Mechanik des Monitors verdient Lob: Der Bildschirm ist dreh und neigbar und kann in der Höhe verstellt werden. Hinzu kommt die Möglichkeit, den Monitor um 90° zu drehen, sodass besonders hohe Dokumente im Pivot-Modus betrachtet werden können. Zugleich überzeugen die durchdachten Systeme zum Kabelmanagement auf der Rückseite des Monitors. Zwei Anschlüsse an der Seite sorgen für einen schnellen Zugang zu den USB-Ports, zwei weitere befinden sich auf der Unterseite. Die Mechanik des Monitors reagiert dabei nicht so leichtgängig wie bei Dell, ist aber durchaus zu bändigen.

Zu guter Letzt bereitet auch die Reaktionszeit sowie der Inputlag keine Probleme. Die per Overdrive erreichten sechs Millisekunden beim Wechsel von Grau zu Grau wissen in der Praxis zu gefallen. Es zeigen sich nur minimale Schlieren, die auch nur in schnellen Spielen auftreten. Der Inputlag dürfte die allermeisten Nutzer mit einer gemessenen Verzögerung von durchschnittlich etwa 30 Millisekunden nicht stören.

Empfehlung (09/08)
Empfehlung (09/08)

Insgesamt hat Lenovo mit dem L220x ein gelungenes Paket geschürt. Bei einem Preis von rund 360 Euro [2] verdient der Monitor den einen oder anderen ernsthaften Blick. Sollte dieser nicht vom Design abgeschreckt werden – hier dürften sich die meisten Geister scheiden – erhält der geneigte Käufer ein solides Stück Technik ohne allzu große Nachteile – sieht man von der Interpolation und der hohen Helligkeit ab. Die hohe Auflösung und das S-PVA-Panel machen den Lenovo L220x in jedem Fall zu etwas Besonderem – einer Empfehlung von ComputerBase.

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/monitore_displays/2008/test_dell_ultrasharp_2408wfp/
  2. http://www.computerbase.de/preisvergleich/a291194.html
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