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Test: Wazabee 3D Display

von Jirko Alex

Einleitung

Dem Wazabee 3D Display [1] von Spatial View soll gelingen, was unmöglich scheint: Auf einer zweidimensionalen Bildfläche soll eine Ausgabe erfolgen, die einen dreidimensionalen Eindruck ergibt. Dabei benötigt man für die Betrachtung keine störende Shutter- oder Anaglyphenbrille. Zudem soll sich der 3D-Effekt auch bei mehreren Betrachtern einstellen, allerdings nur in unterstützten Spielen. Die Liste dieser Spiele will der Hersteller in regelmäßigen Abständen erweitern, was bei einem Gerätepreis von 880 Euro auch erwartet werden kann. Auf Updates angewiesen ist man aber schon jetzt nicht unbedingt, finden sich doch einige bekannte Titel im Wazabee-Treiber wieder. Darunter nehmen auch beliebte Spiele wie etwa „World of Warcraft“, „Call of Duty 4“, „Counterstrike (Source)“ oder „Unreal Tournament“ in der 2003er und 2004er Version einen Platz ein. Ein guter Ansatz für die Zukunft also?

Wazabee 3D Display

Dass bei dem voran schreitenden Grad der Technik irgendwann auch echte 3D-Darstellung durch Displays Einzug halten wird, galt seit Jahren als gesetzt. Prototypen waren schon auf vielen Messen zu bewundern. Fraglich ist, inwieweit erste Geräte im Handel bereits heute ein überzeugendes Ergebnis abliefern können und wo noch Schwächen in Kauf genommen werden müssen. Um diesen Fragen auf den Grund gehen zu können, wird das 3D-Display von Wazabee auf den folgenden Seiten genauer unter die Lupe genommen. Dass hierbei nicht nur der übliche Testparcours genutzt werden kann, liegt dabei in der Natur des Gerätes, wie sich ebenfalls auf den folgenden Seiten zeigen wird.

Wazabee 3D Display

Bei dem Wazabee 3D Display handelt es sich im Wesentlichen um einen NEC AccuSync 19WMGX, der um einen passiven Filter ergänzt wurde. Änderungen an der Elektronik wurden nicht vorgenommen. Für den 3D-Effekt sorgen einzig der Wazabee-Treiber sowie eine Barrieremaske, die vor dem Panel montiert wurde. Über deren Funktionsweise soll ein eigenständiges Kapitel Auskunft geben.

Techniküberblick

Bei den technischen Daten des Wazabee 3D Displays handelt es sich um diejenigen des zugrunde liegenden NEC-TFTs. Die technischen Daten allein geben hier jedoch keinen Aufschluss über die eigentlichen Qualitäten des Bildschirms. So stört in diesem Fall weder, dass ein TN-Panel für eine theoretisch nur mäßige Farbdarstellung sorgt, noch, dass die Blickwinkel nicht zu allen Seiten maximal sind. So ist beispielsweise der Bereich, in dem sich für den Nutzer ein 3D-Effekt ergeben soll, wesentlich interessanter, weswegen unter anderem auch dieser Eckpunkt in der nachfolgenden Tabelle aufgelistet ist.

Technische Daten
Wazabee 3D-Display
Wazabee 3D Display
Display-Größe 19 Zoll
Paneltyp TN
Auflösung (nativ) 1440 x 900 Pixel
Blickwinkel 170° (horizontal)
160° (vertikal)
Kontrastverhältnis 1000:1 (statisch)
maximale Helligkeit 380 cd/m²*
Reaktionszeit
(Grey-to-Grey)
5 Millisekunden
Anschlussmöglichkeiten 1x DVI (mit HDCP)
1x D-Sub
1x Audio-In
maximaler 3D-Blickwinkel 120°
empfohlene Entfernung
zum Display
50 Zentimeter bis zwei Meter
* Die maximale Helligkeit des verwendeten NEC AccuSync 19WMGX
wird nicht mehr erreicht, da die vorgeschaltete Barrieremaske
den Wert verringert.

Detailbetrachtung

Da das Wazabee 3D Display auf dem NEC AccuSync 19WMGX basiert, lässt sich über die grundsätzliche Qualität nicht viel Schlechtes sagen. Das 19"-Display ist solide verarbeitet, weist einheitliche Spaltmaße sowie eine gute Oberflächenqualität und einen festen Stand auf. Ergonomiefunktionen finden sich allerdings, bis auf eine leichte Neigbarkeit des Bildschirms nach vorne oder hinten, nicht. Auch auf eine große Anschlussvielfalt muss verzichtet werden: Neben einem Klinkeneingang für Stereosignale sowie einem DVI-Anschluss steht einzig eine D-Sub-Verbindungsmöglichkeit zur Verfügung. Der D-Sub-Eingang ist allerdings eher dem Basis-NEC-Modell geschuldet denn sinnvoll: Für eine scharfe 3D-Darstellung ist der Anschluss an den DVI-Eingang notwendig. Wünschenswert wäre hingegen ein zusätzlicher HDMI-Eingang gewesen; auch hierfür kann man Spatial View aber nur begrenzt verantwortlich machen.

Insgesamt sind viele Features, die man bei einem normalen Bildschirm vermissen würde, bei diesem 3D-Monitor von geringem Interesse. Das Gerät sollte, wie sich noch herausstellen wird, ohnehin nur als Zweitmonitor eingesetzt werden, was etwaige Verluste bei der Ausstattung kompensiert.

Frontale Gesamtansicht Seitenansicht Rückansicht

Detailansicht Lautsprecherleiste und Standfuß Detailverarbeitung des Rahmens Monitoranschlüsse

Das Wazabee 3D Display kommt ganz in Schwarz daher und setzt auf der Vorderseite auf ein mattes, anthrazitfarbendes Klavierlack-Finish. Die Oberfläche wirkt sehr hochwertig und robust, mehr noch als die übliche Kost in dieser Größenklasse: Nichts wackelt, knarzt oder hat zu viel Spiel. Alles sitzt bombenfest und unterstreicht damit, dass der Monitor zwar physisch klein ist, technisch aber ein ganz Großer sein will. Dieser Eindruck wird auch durch die Glasfront unterstrichen, die vor der Barrieremaske und dem Panel platziert wurde. Sie bildet zusammen mit dem „Wazabee“-Logo sowie den neu eingefärbten Bedienelementen den optisch wohl einzigen Unterschied zum Basisdisplay von NEC.

Tatsächlich unterscheiden sich die Standardversion des Monitors und das 3D-Display auf der technischen Seite nur in der Barrieremaske. Das neue Element verrichtet dabei völlig passiv seinen Dienst: der Monitor allein erzeugt also kein 3D-Bild. Auch die Software kann, nur für sich genommen, keinen handelsüblichen Monitor in einen 3D-Bildschirm verwandeln. Den Mehrwert des Wazabee 3D Displays sucht man also nicht in der Hardware allein – und schon gar nicht in den Kosten ihrer Komponenten. Zu einem großen Teil ist es die Entwicklungsarbeit, die hier das Preisschild diktiert. Gut, dass dies nicht zu Lasten der Verarbeitungsqualität geht.

Funktionsweise

Damit der Betrachter denkt, er habe ein wahrhaftiges 3D-Bild vor sich, müssen linkes und rechtes Auge unterschiedliche Informationen erhalten. Dies ist bei einem 3D-Display auf verschiedene Arten – etwa durch vorgeschaltete Linsen oder eine Barrieremaske – möglich. Das Wazabee 3D Display von Spatial View setzt auf eine solche Barrieremaske, eine Art gerasterte Folie, die sich vor dem Panel befindet. Dabei verdecken horizontale und vertikale Linien einen Teil der Pixel gerade so, dass nur das jeweils linke oder rechte Auge die Bildausgabe dieser Pixel sehen kann. Im einfachsten Fall müssen hierbei zwei verschiedene Bilder ausgegeben werden, die dann durch die Barrieremaske für das jeweilige Auge geblockt werden oder passieren können. Um den Effekt wahrnehmen zu können, muss man sich in einer bestimmten Entfernung vor dem Monitor aufhalten. Spatial View gibt hier einen Sitzabstand von 0,5 bis 2 Metern an, was einer üblichen Schreibtischposition gleich kommen sollte. Natürlich muss auch das Ausgangsmaterial mindestens zwei verschiedene Blickwinkelinformationen enthalten. Während die Grafikkarte diese Informationen bei Spielen selbst berechnet und verschiedene Bilder ausgeben kann, müssten Filme für 3D-Effekte mit mehreren Kameras aufgenommen werden und auch mehrfach auf dem Quellmedium vorliegen. Das ist bisher in der Regel nicht der Fall. Es gibt zwar spezielle 3D-DVDs mit doppelt vorhandener Videospur, das Wazabee 3D Display benötigt aber fünf verschiedene Bilder, um eine 3D-Ansicht erzeugen zu können. Spatial View arbeite aber an dieser Einschränkung.

2-Sichten-Barrieremaske
Schematische Darstellung einer 2-Sichten-Barriere. Das Wazabee 3D Display funktioniert
prinzipiell ähnlich, erlaubt aber fünf Sichten und ist schräg angeordnet!

Als Betrachtungswinkel für den 3D-Effekt kommen vergleichsweise hohe 120° in Betracht. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass es sich bei dem Wazabee 3D Display um ein Multi-User-Gerät handelt. Es werden nicht nur zwei Bilder gleichzeitig dargestellt, sondern fünf, was bei entsprechender Filterung durch die Barrieremaske einen hohen Blickwinkel ermöglicht. Die Darstellung des Bildschirminhaltes hängt jedoch nicht von der Position des Kopfes ab, diese stellt der Monitor nämlich nicht fest. Wer also glaubt, sich vor dem Bildschirm bewegen zu können und dabei eine fließende Veränderung der 3D-Darstellung zu beobachten, der irrt. Die Ansicht verändert sich allerdings stufenweise, was abermals mit der Barrieremaske zusammenhängt, die nur in bestimmten Winkeln zwei versetzte Bilder gerade so bricht, dass der Betrachter sie korrekt wahrnimmt. Erst wenn man spezifische Winkelgrenzen – ausgehend von einer frontalen Draufsicht – überschreitet, verändert sich auch die 3D-Darstellung hin zu einem anderen Blickwinkel.

Barrieremaske bei 2D-Bildern Kopie

Die Barrieremaske des Bildschirms bedingt jedoch auch Risiken und Nebenwirkungen. So ist das dünne Raster stets sichtbar – aus beinahe jeder Entfernung. Bei einer rein statischen Darstellung – etwa Bildern oder gar Text – kann man die Barrieremaske beinahe unmöglich übersehen oder gar ignorieren. Vor allem Text wird so stark gerastert, dass Buchstaben weithin unleserlich sind. Erst bei hoher Schriftgröße ist an Lesefluss überhaupt zu denken. Bilder sind hingegen prinzipbedingt nicht detailliert zu betrachten. Bei Bewegtbild stört die Maske hingegen weniger, bei dreidimensionalem Ausgangsmaterial obsiegt letztendlich der Tiefeneffekt über die Rasterung, weshalb die Barrieremaske beim Spielen quasi nicht wahrgenommen wird. Für den Alltagseinsatz ist das Gerät aber nicht vorgesehen: es kann quasi nur als Zweitmonitor verwendet werden. Zudem muss man sich erst an die 3D-Darstellung auf dem Monitor gewöhnen. Das liegt vor allem daran, dass die Augen des Betrachters nicht mehr so fokussieren können, wie man es gewohnt ist – es wird ja nicht wirklich eine 3D-Umgebung dargestellt. Deshalb ist es in Spielen nicht möglich, auf „entfernte“ Objekte zu fokussieren. Scharf stellen müssen die Augen nämlich die Bildschirmoberfläche, was erst nach einer gewissen Eingewöhnungsphase gut funktioniert.

Der Monitor allein (der für sich genommen völlig passiv arbeitet) erzeugt noch kein 3D-Bild. Erst der mitgelieferte Wazabee-Treiber greift so in die unterstützten Spiele ein, dass fünf Teilbilder erzeugt werden. Die native Auflösung des TFTs kann dabei nicht umgangen werden, weshalb sich eine real um den Faktor fünf geringere Auflösung bei 3D-Darstellung ergibt. Da die Grafikkarte die Szenerie zudem aus fünf leicht versetzten Blickwinkeln berechnen muss, wächst auch der Anspruch der Spiele an die Hardware, was im schlimmsten Fall zu einem schlechteren Spielfluss führen kann. Das ist zudem einer der Gründe (aber nicht der alleinige), weshalb Spatial View bisher nur ein 19"-Display für den Heimgebrauch vorsieht – größere Bildschirme benötigen ein potentes Zuspieler-System. Zudem ist fraglich, ob die aktuelle grafische Krönung der Spieleindustrie für das 3D-Display umgesetzt werden kann. Der Wazabee-Treiber kann nicht beliebig in die Engine der Software eingreifen, weshalb die Anpassung der 3D-Darstellungsqualität und -geschwindigkeit nur bedingt möglich ist. Der Hersteller befinde sich aber aktuell in Gesprächen mit Engine-Entwicklern und Spieleherstellern, um die native Unterstützung von 3D-Displays zu fördern.

Wazabee Treiber

Bis dahin wird es auch weiterhin notwendig sein, eine spezifische Unterstützung einzelner Spiele durch einen neuen Treiber zu realisieren. Bisher finden sich ein paar Dutzend Titel in der Liste derjenigen Spiele, die auf dem Wazabee 3D-Display dargestellt werden können. In einem etwa sechswöchigen Zyklus sollen stets neue Spiele folgen, was für manche vielleicht nicht schnell genug ist. Der realisierbare 3D-Effekt ist zudem nicht immer von gleicher Qualität. So hängt es zum einen vom verwendeten PC ab, wie viel Grafikpracht zusätzlich zur hinzugewonnenen Tiefe dargestellt werden kann. Zum anderen unterscheidet sich der 3D-Eindruck von Spiel zu Spiel.

Damit ein 3D-Effekt gut zu erkennen ist, kann der „Fixpunkt“ der Darstellung sowie die „Trennung“ des Bildes für rechtes und linkes Auge während des Spiels eingestellt werden. Auf diese Art lässt sich beispielsweise in Need for Speed definieren, ob eher das Auto scharf gestellt werden soll, oder die – näher oder entfernter – vor einem liegende Strecke. Wie gut das gelingt, soll im nächsten Abschnitt detailliert betrachtet werden.

3D-Eindruck

Aus offensichtlichen Gründen ist es nicht möglich, den sich ergebenden 3D-Effekt in irgendeiner Weise abzubilden und hier darzustellen. Stets würde das 3D-Bild erneut in die Ebene gezwängt werden. Die folgenden Fotos sollten daher mit Vorsicht genossen werden!

Die abfotografierte Tiefenwirkung kommt dem realen Eindruck nämlich nicht ansatzweise nahe. Allerdings sind einige der Eigenheiten der 3D-Darstellung erkennbar. Getestet wurde die Tiefenwirkung des Wazabee 3D Displays mithilfe von „Call of Duty 2“ und „Call of Duty 4“ (Demo), „Quake 3“, „Unreal Tournament 2004“ (Demo) sowie „Need for Speed: Most Wanted“. Alle Spiele werden im Treiber mit einer Voreinstellung für den Fixpunkt sowie die Streuung der Bilder versehen; beide Optionen lassen sich jedoch auch während des Spielens anpassen.

Generell fällt auf, dass der 3D-Eindruck in vollem Umfang nicht sofort ersichtlich ist. Zwar wirkt alles ungewohnt, für das aufkommende Mittendrin-Gefühl bedarf es jedoch einer Eingewöhnungsphase. Wohl als erstes sticht ins Auge, dass in sämtlichen Spielen das Head-Up-Display (HUD) auf der Bildoberfläche festgenagelt zu sein scheint, während die 3D-Umgebung dahinter beginnt. Dieser Eindruck lässt sich in etwa mit einem Blick aus dem Fenster beschreiben: Würde man auf der Glasfront Aufkleber (die dem HUD entsprechen) anbringen und in die Landschaft sehen, so ergäbe sich wohl ein ähnlicher Eindruck. Bereits hier zeigt sich, dass das Wazabee 3D Display durchaus die gewünschte Wirkung zeigt.

Ein Videobeispiel soll das verdeutlichen: Gefilmt wurde das Tuning-Menü aus „Need for Speed: Most Wanted“, wobei der Blickwinkel auf die Darstellung verändert wird. Zu sehen ist, dass sich in bestimmten Abständen auch die Darstellung dem Blickwinkel anpasst. Achtet man zudem auf die Menüpunkte am unteren Bildschirmrand, so sieht man, dass sich die 3D-Umgebung relativ zu diesen verändert. Der wahre Tiefeneffekt ist so natürlich nicht zu sehen.

Sieht man sich dann genauer in der Spielwelt um – und passt gegebenenfalls Fixpunkt und Separation an den persönlichen Geschmack an –, so ergibt sich eine zum Teil sehr überzeugende Tiefenwirkung. In Need for Speed hebt sich das Auto beispielsweise deutlich von der Straße ab. Der über dem Vehikel schwebende Pfeil, der bei einer Stadtrundfahrt die Richtung anzeigt, hängt tatsächlich mitten in der Luft. Obwohl in einem Rennen die Tiefenwirkung der Umgebung kaum richtig wahrgenommen wird, weil man sich letztendlich doch nur auf den Verlauf der Rennstrecke konzentriert, erwischte sich der Redakteur tatsächlich dabei, einer umgefahrenen Laterne auszuweichen, die bedrohlich aus dem Bildschirm zu fliegen drohte. Ziel erreicht! Das Display erzeugt ein imaginäres 3D-Bild, das wirkt. Auch wenn man es nicht immer mitbekommt.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Shootern: Unter Zuhilfenahme des 3D-Modus' wirkt die Szenerie glaubhaft plastisch und räumlich. Besonders bei weiten Arealen wie in Unreal Tournament 2004 fällt aber auch ein Nachteil der Technik auf: Die Entfernung muss per Hand bestimmt werden, was über die Veränderung der Fixpunkt-Einstellung geschieht. Will man weit entfernte Dinge wirklich scharf stellen, so verwischen Körperkanten, die sich unmittelbar vor einem befinden. Gleiches gilt natürlich auch in der anderen Richtung. Mehr noch: Die Waffen des Spielcharakters sind immer unscharf und werden doppelt dargestellt. Das bereitet Kopfschmerzen, wenn man sich auf seinen Schießprügel konzentriert – in diesem Ausmaß fällt es aber auch nur hier auf.

COD 4 2D-Ansicht

Das erste Bild zeigt die übliche 2D-Ansicht, das zweite die Darstellung im 3D-Modus.
Bei der 3D-Ansicht werden Gegenstände, die nicht (per Software) fixiert wurden,
deutlich polarisiert. Auf dem zweiten Bild ist dies an entfernten Gebäude- oder Fahrzeugkanten zu sehen.

Das Spielen ohne die ständige Anpassung des Fixpunktes ist natürlich auch möglich und auch nötig – wer hat im Gefecht schon eine Hand frei, um auf dem Nummernblock, auf dem die Treibereinstellungen im Spiel angepasst werden, nachzujustieren? Überhaupt sind unscharfe Körperkanten in schnellen Spielen wie Shootern nur bedingt störend. So ist eine durchweg scharfe Darstellung zwar wünschenswert, letztendlich ist es aber egal, ob die Umgebung aufgrund von Bewegungsunschärfe oder durch einen suboptimal gewählten Fixpunkt leicht verwischt. Besser als die gängige 2D-Darstellung sieht es in jedem Fall aus!

Performance-Messung

Als erster und wohl einziger Monitor wird das Wazabee 3D Display auch einer kleinen Geschwindigkeitsmessung unterzogen. Interessant ist hierbei jedoch nicht die Reaktionszeit oder der Inputlag, sondern die Performance der unterstützten Spiele im 3D-Modus. Da für eine 3D-Darstellung mehrere Bilder gleichzeitig ausgegeben werden müssen, steigt auch die Last für das gesamte System. Um davon zumindest ansatzweise einen Eindruck zu erhalten, wurden verschiedene Szenen in „Need for Speed: Most Wanted“ (Intro bei Karrierebeginn) sowie in der „Unreal Tournament 2004“-Demo getestet. Einen unterstützenden Vergleich erlaubte auch „Call of Duty 4“, allerdings auf indirekte Weise: So gestattet die dem Treiber beiliegende Lizenz das Spielen des EgoShooters nur im Demo-Modus, wobei in kurzen Abständen zwischen der 2D-Darstellung und der 3D-Darstellung umgeschaltet wird. Im Verlaufsdiagramm ist dies deutlich zu sehen – Täler entsprechen einer 3D-Darstellung, Kuppen einer gängigen 2D-Darstellung.

Die Eckpunkte des Testsystems sind die folgenden:

Need for Speed: Most Wanted

  •  2D-Modus
  •  3D-Modus
minimale FPS
48,0
28,0
durchschnittliche FPS
74,9
48,0
maximale FPS
90,0
80,0
Angaben in Punkten

Unreal Tournament 2004

  •  2D-Modus
  •  3D-Modus
minimale FPS
74
27
durchschnittliche FPS
149,1
80,8
maximale FPS
240
156
Call of Duty 4

Im Verlaufsdiagramm ist zu sehen, wie der Treiber etwa im 6-Sekunden-Takt zwischen normaler 2D-Ansicht und einer 3D-Darstellung umschaltet. Die 3D-Berechnung wirkt sich dabei Performance-mindernd aus, was gut an den Tälern zu sehen ist. Insgesamt lässt sich feststellen, dass selbst für betagte Titel ein relativ potentes System benötigt wird. Call of Duty 4, das auf dem Testsystem üblicherweise problemlos und flüssig läuft, rutscht im 3D-Modus teilweise in einen kritischen Bereich ab.

Alltagstest

Um den Bericht nicht unvollständig zu Ende zu führen, muss auch der übliche Alltagstest durch das Wazabee 3D Display bestritten werden. Das an dem Gerät so gar nichts alltäglich ist, schlägt sich im Office-Parcours allerdings mehr als deutlich nieder. Alles steht und fällt in diesem Fall mit der Barrieremaske, die, wie bereits beschrieben, zu deutlichen Einschränkungen vor allem bei der Lesbarkeit führt. Aber auch die Farbwiedergabe und vor allem die Helligkeit des Displays entsprechen mit vorgeschaltetem Raster nicht mehr den ursprünglichen Werten des NEC-Bildschirms. Wer ernsthaft versucht, das Geräte auf Farbtreue zu kalibrieren, kann nur scheitern, wie die Messung mit dem Colorimeter zeigt:

Messung mit Colorimeter nach Kalibrierung

So ist der Monitor ab Werk mit einem deutlichen Grünstich versehen, der jedoch bei vielen Displays mit TN-Panel auffällt. Eine Hardware-Korrektur ist nur begrenzt möglich, die heißen Eisen würde erst ein Monitorprofil aus dem Feuer holen, wie es durch die Pantone-Software angelegt werden würde. Theoretisch geht die Farbkorrektur dabei jedoch auch mit Farbverlusten daher, da verschiedene Töne verworfen werden müssten. Dies hat in der Regel stufige Übergänge bei der Farbdarstellung zur Folge. In diesem Fall ist das jedoch nur von geringem Interesse: Ob das Bild nun durchgestuft ist, kann man durch das Raster kaum im Detail erkennen. Die Bildbetrachtung kann so ohnehin nicht gerettet werden.

Viel heller kann man den Bildschirm auch nicht machen. Die Barrieremaske schluckt derart viel Licht, dass die eigentlich anvisierten 140 cd/m² selbst bei voller Helligkeit nicht mehr erreicht werden können. Stattdessen sinkt die gemessene Helligkeit auf durchschnittlich 45 (!) cd/m². Der Schein trügt aber zumindest etwas: Der gemessene Wert ist ein Durchschnitt über eine bestimmte Teilfläche des Displays. Diese Teilfläche ist natürlich auch durch die Barrieremaske durchzogen, sodass kein Licht durch das Raster hindurch kommt. Die sichtbaren Pixel sind deutlich heller, weshalb subjektiv zwar ein dunkles, aber nicht völlig kraftloses Bild angezeigt wird. Positiver Nebeneffekt: Auch Lichthöfe werden so geschluckt, was dem subjektiven Kontrasteindruck und dem Schwarzwert entgegenkommt. Auch gemessen ergibt sich daher ein Schwarzpunkt von 0,1 cd/m² und ein rechnerischer Kontrastumfang von 450:1, was angesichts der geringen Helligkeit sehr gut ist.

Helligkeitsmessung des Wazabee 3D Displays

Die Helligkeitsverteilung auf dem Display ist subjektiv gut. Von großartiger Helligkeit kann aber auch nicht wirklich die Rede sein. In einer Ecke des Bildschirms ergibt sich eine messtechnisch festgestellte Abweichung von beinahe zehn cd/m² – was, ausgehend vom Mittelpunkt, etwa einen 20-prozentigen Helligkeitsverlust bedeutet. Sichtbar ist das aber nicht.

Die Blickwinkel im 2D-Betrieb sind – wen wundert's – auch kein Maßstab. Die Barrieremaske trübt die Sicht von der Seite oder aus der vertikalen Achse zusätzlich. Farbverfälschungen interessieren dabei kaum noch, sind aber größtenteils erstaunlich gering. Tatsächlich ergibt sich nur aus der krassen Sicht von unten auf den Bildschirm ein sehr deutliches Abdriften weißer Töne ins Rote. Da der 3D-Eindruck laut Spatial View aber ohnehin nur aus einem Winkel von 120° betrachtet werden sollte, sind richtig schräge Ansichten eher irrelevant.

Das Interpolationsverhalten ist beim Wazabee 3D Display schlussendlich vollkommen abnormal: Es gibt faktisch keines. Jedes Programm, das über den Treiber gestartet wird, wird in der nativen Auflösung des Monitors ausgeführt. Dass muss auch so sein, damit die nicht veränderbare Barrieremaske ihren Dienst verrichten kann – diese funktioniert nämlich nur bei der nativen Auflösung korrekt. Im 2D-Betrieb kann die Auflösung natürlich variiert werden. Das Ziel einer solchen Handlung kann aber nur sein, etwaige Verfransungen, die durch die Barrieremaske bedingt werden, mit einer größeren Darstellung auszugleichen. Dass auch das Bild in geringerer als der nativen Auflösung dabei nicht durch Schärfe brilliert, sollte einleuchten.

Fazit

Was kann man zu einem Monitor sagen, der quasi nichts kann, was seit Adams Zeiten bei der Bildschirmausgabe möglich ist? Eigentlich nur eines: Das ist Wurst! Spatial Views 3D-Display bietet zwar auf dem Papier einen sensationell paradoxen Mix, der jedwedes Preis-Leistungs-Verhältnis über den Haufen wirft, in natura zählen aber ganz andere Qualitäten. Natürlich ist der Bildschirm viel zu klein gemessen am Preis von beinahe 900 Euro, natürlich ist das Panel kein Grafikwunder, die Ausstattung nicht überragend oder der Rahmen aus Gold. Für den Heimanwender bietet das Display aber ganz neue Welten, die man erfahren haben muss, um sie zu schätzen: Ein echter 3D-Eindruck ohne entsprechende Brille ist sein Geld wert. Dass hierbei prinzipbedingt Abstriche hingenommen werden müssen, sollte vor dem Kauf klar sein: Das Wundermittel heißt Barrieremaske und es birgt Risiken und Nebenwirkungen.

Diese erstrecken sich nicht nur auf den Einsatz am Arbeitsplatz (daran sollte man nicht einmal denken), auch in Spielen ist mit einer gewissen Umsicht mit dem Bildschirm umzugehen. So empfiehlt der Treiber etwa bei World of Warcraft, gegebenenfalls ein neues Schriftpaket zu installieren, um Texte im Spiel noch lesen zu können. Überdies weist nicht jedes Spiel den gleichen Grad an 3D-Qualität auf. Schlecht sieht es natürlich niemals aus und stets erhält man mehr als bei einem reinen 2D-Abbild. Die perfekte Illusion ist jedoch spieleabhängig.

Der dauerhafte Erfolg hängt überdies von der Regelmäßigkeit ab, mit der der Wazabee-Treiber erneuert wird und weitere Spiele unterstützt. Aber auch hier muss man Einschränkungen hinnehmen: Die Leistungsfähigkeit des eigenen PCs wird enorm strapaziert, weswegen auch nicht an die Portierung aktuellster, grafikaufwendiger Titel zu denken ist. Das heißt zwar nicht, dass auf ewig nur betagte und mittelmäßig aussehende Titel umgesetzt werden. Solange aber keine native 3D-Unterstützung in Spielen Einzug hält, sind die Entwickler auf die Machbarkeit der 3D-Umsetzung mittels Treiber angewiesen. In gewisser Weise lohnt sich der Monitor also eher für diejenigen, deren Spielgeschmack mit dem bisherigen Treiberangebot übereinstimmt. Dass vermutlich für jeden ein Titel dabei ist (immerhin werden vom Rennspiel über Strategiespiele oder Egoshooter bereits viele Genregrößen unterstützt), ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Nutzen durch ein oder zwei unterstützte Spiele den hohen Preis wohl nicht rechtfertigt.

So bleibt das Wazabee 3D Display letztendlich wohl ein exklusiver Spaß. Die Umsetzung – wenngleich sie prinzipbedingte Schwächen aufweist – überzeugt jedoch und überhaupt ist der Vorstoß eines solchen Displays in den Markt für Endverbraucher sehr wünschenswert. Der Monitor ist als Zweitgerät zu empfehlen, wenn man es sich denn leisten kann und will. Er macht Spaß – in einer Art und Weise, die den Preis rechtfertigt.

Empfehlung (11/08)

Aus diesem Grunde gibt es auch die ComputerBase-Empfehlung. Nicht für eine eierlegende Wollmilchsau, sondern für einen exotischen Spezialisten, der (nur!) kann, was er verspricht.

URL-Liste:

  1. http://www.wazabee.net/
  2. http://www.computerbase.de/downloads/software/benchmarks/videobeispiel_3d-monitor/
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