ComputerBase

Beratung: Was gehört zum guten Ton?

von Jirko Alex

Einleitung

Leicht ist eine gestellt, schwer ist es, sie adäquat zu beantworten: Fragen zu Lautsprechern, Soundkarten und allem, was dazwischen so stattfinden kann, häufen sich immer wieder in Hilfeforen wie dem zu ComputerBase gehörigen. Dabei scheint das Ausgangsproblem zunächst simpel: Brauche ich eine Soundkarte oder nicht? Welche Lautsprecher sollte ich mir für mein Geld kaufen? Ist ein Mehrkanalsystem den Stereolautsprechern vorzuziehen? Und was für Kabel brauche ich überhaupt? Anders als in vielen anderen Gebieten gibt es auf diese Fragen aber nicht die eine Antwort, die alle Probleme löst. Vielfach ist eine Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung von mehreren Rahmenbedingungen abhängig, etwa den Hörgewohnheiten, den räumlichen Gegebenheiten, dem Anspruch an Qualität, Verarbeitung, Ausstattung und den Klang sowie natürlich dem Budget.

Oft zeigt sich aber auch, dass so mancher potenzielle Käufer gar nicht um seine Möglichkeiten weiß. Wenn es eine neue Soundkarte sein soll, kennen viele nur Creatives X-Fi, die das Maß der Dinge darstellen soll. Onboardsound „kann das gar nicht“. Angeschlossen werden natürlich auch nur Systeme, die sich seit Jahren weithin einen Namen gemacht haben – etwa jene aus der Peripherieabteilung von Logitech, Creative und Co. Nicht, dass dies per se eine schlechte Wahl wäre – aber eine Wahl muss man auch erst einmal haben.

Lautsprechermembran
Lautsprechermembran

Um dem geneigten Käufer Optionen aufzuzeigen, sollen auf den folgenden Seiten typische Probleme aus unserem Sound- und Multimediaforum aufgegriffen und beantwortet werden. Neben der Wahl der geeigneten Lautsprecher über die möglichen Anbindungen an die Soundkarte – oder einen Receiver – bis hin zu der Richtigstellung einiger Irrglauben und Marketingfloskeln soll ein kleines Repertoire gängiger Problemstellungen abgearbeitet werden.

Das Ziel kann hierbei letztendlich keine Empfehlung sein, denn jeder Bedarf muss individuell gedeckelt werden. Vielmehr geht es darum, den Zusammenhang zwischen dem sich ergebenden Problem und möglichen Lösungen verstehen zu können.

Innerhalb des PCs

Was bringt eine Soundkarte?

Ein vielfach diskutiertes Thema unter PC-Besitzern ist, ob sich eine Soundkarte lohnt. Im gleichen Atemzug wird hinterfragt, ob der Onboardsound für die entsprechenden Anwendungsgebiete ausreicht. Antworten auf diese Fragen zu finden, ist in der Tat schwierig, was an den zahlreichen Faktoren liegt, die bedacht werden müssen und hier der Reihe nach erläutert werden sollen.

Zum einen muss beachtet werden, dass auch die beste Soundkarte nicht über Unzulänglichkeiten bei den Lautsprechern hinwegtrösten kann. Denn, wie so oft, macht der Ton die Musik. Scheitert es letztendlich an der Umwandlung der elektrischen Signale in Hörbares, nützt auch die beste Signalverarbeitung nichts. Aber selbst mit Hinblick auf diese Erkenntnis fällt es schwer, klare Linien zwischen dem Für und Wider einer Soundkarte zu ziehen. Wichtig ist auch die persönliche Klangerfahrung. Was gut klingt oder nicht, kann nämlich so nicht festgelegt werden. Für die einen sind Mehrkanalboxen aus der PC-Abteilung des nächsten Fachmarktes die Erfüllung aller Wünsche, für andere müssen es schon ausgewachsene Boxentürme sein, ehe sich das Herz regt. Je nach Anspruch ergeben sich daher unterschiedliche Meinungen zur Notwendigkeit einer Soundkarte.

Festhalten kann man, dass es wohl wahrscheinlich ist, dass die Klangcharakteristik mit wechselnden Soundkarten ebenfalls variiert – wenn auch nicht immer in großem Umfang. Selbst Treiberwechsel können die Wiedergabe beeinflussen, weshalb man oft von einem satteren Bass oder einer feineren Auflösung bei der Verwendung von anderen Soundkarten oder Treibern liest. Diese Effekte können jeden Hörer mehr oder minder begeistern, weshalb sich bereits hier die Frage nach einer Soundkarte entscheiden kann. Allgemein gilt jedoch, dass aus rein klanglicher Perspektive zuerst die Lautsprecher und dann die Soundkarte verbessert werden sollten. Aktueller Onboardsound ist nämlich durchaus dazu in der Lage, ruckel-, rausch- und knisterfrei Ton wiederzugeben. Er genügt weithin selbst für den Anschluss besserer Boxen (im Verhältnis zu dem, was ein üblicher PC-Nutzer so an seinem Computer anschließt.)

Überhaupt ist wohl das wichtigste Argument für einen Onboardsound, dass er schon in jedem PC vorhanden ist. Bevor über ein Upgrade nachgedacht werden sollte, schadet es also nicht, das bereits Vorhandene ausgiebig zu testen. Eine Soundkarte sollte schließlich nicht des Namens wegen installiert werden, sondern weil sie effektiv für besseren Klang sorgt oder Features bietet, die man vermisst.

Zweifelsohne ist nämlich auch das möglich: Viele – vor allem günstige – Mainboards sind in ihrer Anschlussvielfalt und ihren Features beschränkt, nicht zuletzt deshalb, weil beispielsweise EAX, ein proprietäres System von Creative, nicht in der neuesten Version für alle Soundchips freigegeben ist (Tatsächlich unterstützen nur X-Fi-Soundchips sowie – nach einem Treiber-Update – angeblich auch Asus' Xonar-Soundkarten EAX Advanced HD.). Gleichwohl sind bei Ein- oder Zwei-Slot-Soundkarten mehr Anschlüsse realisierbar als auf dem Slotblech eines Mainboards; externe Erweiterungen zu Soundkarten spielen gar in einer eigenen Klasse. Dass zudem die Signalverarbeitung auf einem dafür vorgesehenen Chip nebst adäquater Schirmung besser sein würde, als dies durch einen Codec und die CPU gelingen könnte, steht außer Frage.

Zu guter Letzt sollte auch bedacht werden, wie das Soundsystem mit dem PC verbunden wird. Verfügt dieses etwa über einen integrierten Decoder nebst digitalem Eingang und soll es auch auf diese Weise verbunden werden, sind die Abläufe in einem PC weithin uninteressant. Die Rechenarbeit übernimmt hierbei der Decoder des Lautsprechersystems. Mehr noch: Die meisten Soundkarten – auch viele Creative-Soundkarten* – unterstützen keine Hardware-Encodierung von Dolby Digital und DTS, weshalb hier auf einen Software-Encoder zurückgegriffen werden muss. Das heißt, dass Mehrkanalton – wenn er nicht bereits komprimiert vorliegt, was etwa bei DVDs der Fall ist – über einen SPDIF-Ausgang nur in Stereo weitergegeben werden kann. Nur sehr wenige Soundkarten können Mehrkanalton in Echtzeit komprimieren (encodieren) und digital für Mehrkanalsysteme ausgeben. SPDIF-Verbindungen waren ursprünglich nicht für Mehrkanalton vorgesehen, weshalb über diese Anschlüsse - bis auf exotische Ausnahmen – nur Stereoton übertragen wird. Viele Soundkarten haben bei digitaler Anschlussweise also keinen Vorteil gegenüber Onboardsound! Nvidias Soundstorm konnte in diesem Punkt sogar mehr als die meisten Soundkarten: Er besaß einen Hardwareencoder für die Echtzeit-Encodierung von Dolby-Digital-5.1-Signalen. Inwiefern EAX bei der Stereoausgabe noch sinnvoll ist, muss ebenfalls abgewogen werden. Prinzipiell funktioniert das Feature zwar, ohne echten Mehrkanalton leidet aber auch der simulierte und verbesserte Raumeffekt von EAX.

* Creative-Soundkarten können mit einem kostenpflichtigen Plugin des Herstellers [1] zu Echtzeitenkodierung gebracht werden. Zudem sind die PCIe-Modelle der X-Fi-Titanium-Serie dazu in der Lage, Dolby Digital in Hardware zu encodieren. Inoffizielle Treiber von Daniel_K sollen die Ausgabe von Dolby-Digital-Bitstreams über einen digitalen Ausgang ebenso ermöglichen.

Vor dem Kauf einer Soundkarte sollten also vor allem folgende Punkte beantwortet werden: Bin ich mit der aktuellen Wiedergabe unzufrieden und ist dies auf die Soundkarte zurückzuführen? Fehlen mir Features oder Anschlüsse? Wie viel Geld möchte ich ausgeben? Für welchen Einsatzbereich benötige ich eine Soundkarte? Wie will ich meine Lautsprecher anschließen?

ESI Juli
ESI Juli

Abhängig davon, kann es auch mal eine Soundkarte abseits des Mainstreams sein – oder eben der Onboardsound. Für die meisten alltäglichen Aufgaben – wobei das nicht abwertend verstanden werden soll – genügen etwa Modelle von Terratec völlig. Dies gilt vor allem dann, wenn auf höhere EAX-Versionen verzichtet werden kann. Alternativen zur X-Fi-Serie, die ebenfalls voll EAX-fähig sind, finden sich in Asus' Xonar-Serie oder Auzentechs X-Fi Prelude, die ebenfalls auf den Soundchip aus Creatives Labor setzt, aber eigene Treiber und andere Software mitbringt. Für Musiker und Musikliebhaber könnte gar eine ganz andere Klasse von Soundkarten in Frage kommen, die abseits der Gamer-Orientierung von Creative und Co. angesiedelt ist. Einige Schlagworte für eine Suche in diese Richtung sind etwa RME, ESI, M-Audio oder E-MU. Auch Soundkarten dieser Hersteller sind zu einem teilweise moderaten Preis zu haben und durch ihre (semi-)professionelle Ausrichtung wahrscheinlich viel besser für die Wiedergabe und auch Aufnahme von Ton geeignet.

Virtueller vs. echter Surroundsound

Bei vielen Nutzern steht der Einsatz technischer Hilfsmittel ganz oben auf der Liste, wenn die Wiedergabe von Musik-, Film- oder Spieleton aufgepeppt werden soll. Ob hierbei jedoch wirklich der Klang verbessert wird, oder durch zu viele Eingriffe eher Verschlimmbesserungen vorgenommen werden, ist stets fraglich. Interessant für Besitzer von Mehrkanalsystemen ist dabei vor allem, Stereo-Quellen auf alle Lautsprecher zu verteilen. Dieser Ansatz existiert nicht erst, seit Creative das hauseigene CMSS-Feature anbietet, es findet bei PC-Nutzern aber am häufigsten Einsatz. Ist dieses Feature aber tatsächlich mit echtem Surroundsound vergleichbar und wann sollte es idealerweise eingesetzt werden?

Creatives CMSS-Feature, das Stereoton auf mehrere Kanäle verteilen soll, heißt CMSS-3D Surround. Dieses Feature berechnet aus zwei Kanälen eine Ausgabe auch für die rückwärtigen Lautsprecher sowie den Center-Speaker. Dabei unterscheidet man zwischen einem eher authentischen Modus – Stereo Surround – sowie einer Variante, die mehr Eingriffe in die Klangcharakteristik vornimmt – Stereo Xpand. Bei Stereo Surround werden die beiden Front-Kanäle lediglich auf die Surround-Lautsprecher gespiegelt, so dass sie das gleiche Tonmaterial wiedergeben. Mit dieser Einstellung wird der Klang nicht beeinflusst, das Mittendrin-Gefühl stellt sich so aber auch nur beschränkt ein, da vor und hinter dem Hörer das gleiche ausgegeben wird.

Mit Stereo Xpand könnte dies anders sein. Mit dieser Einstellung berechnet die Soundkarte eine eigene Wiedergabe für die rückwärtigen Kanäle. Dabei versucht sie, Hauptgeräusche von nebensächlichen Quellen zu unterscheiden. Der hauptsächliche Inhalt einer Wiedergabe soll dann auf den vorderen Lautsprecher und dem Center wiedergegeben, Nebensächliches – wie etwa Applaus oder Hall – soll auf die Rear-Speaker verteilt werden.

Creative CMSS-3D Surround
Creative CMSS-3D Surround

Diesem Mechanismus liegt eine Analyse des Frequenzbandes der Wiedergabequelle zu Grunde. Da die Soundkarte jedoch nicht weiß, welches Instrument oder welche Stimme sie dabei gerade analysiert, kann die Verteilung auf mehrere Boxen auch mal daneben gehen. Der Klang könnte diffus werden, womit das klare Bühnenbild vor dem geistigen Auge verschwimmt. Je nach Quelle kann virtueller Surroundsound also gefallen – mit echtem Raumklang kann das Feature aber nicht konkurrieren. Immerhin ist es bei vollwertig abgemischtem Mehrkanalsound nicht das Ziel, auf möglichst allen Kanälen eine gleichmäßig fließende Wiedergabe zu erreichen, sondern verschiedene Akzente passend zu setzen oder eine glaubhafte Bühne rückwärtig durch Ambience-Sound zu erweitern.

Bei der Verwendung künstlicher – also nicht vom zuständigen Toningenieur eingebrachter – Features sollte daher immer im Hinterkopf behalten werden, dass eine authentische Wiedergabe vor allem von Musik so nicht erreicht werden kann. Bei Spielen oder Filmen kann der gewonnene Effekt hingegen überzeugen und ein besseres Mittendringefühl vermitteln. Wie überall sollte auch hier das eigene Gehör entscheiden. Den Blick für den Originalklang sollte man dabei aber nicht verlieren, was insbesondere dann gilt, wenn neben einem Upmix-Modus auch noch andere Eingriffe in die Sound-Wiedergabe vorgenommen werden.

Equalizer im Einsatz

Ein Equalizer ist ein Filter zur Korrektur des Frequenzbandes. Bei PC-Nutzern sind vor allem grafische Equalizer häufig vertreten. Diese bieten – je nach Umfang – die Möglichkeit, einzelne Frequenzbereiche in ihrer Lautstärke nach zu justieren. Prinzipiell ist dieser Gedanke nicht falsch, kann die Aufnahme doch unter Umständen zu schwache Mitten, unterbetonte Höhen oder einen zu zarten Bass – oder auch die entsprechenden Gegenteile – aufweisen. Ohnehin dient der Equalizer im Privatbereich meist dazu, die Wiedergabe den eigenen Wünschen anzupassen. Die korrekte Anwendung kann also sowohl dem Klang, als auch dem persönlichen Geschmack entgegen kommen.

Equalizer
Equalizer

Leider birgt ein unbedarft eingesetzter Equalizer auch die Gefahr der Verschlimmbesserung. Auf schlechten Soundsystemen, deren Mitten- und Höhendarstellung nur mittelmäßig ist und die den Bass gerne von sich aus schon dick auftragen, kommen viele Nutzer in die Versuchung, per Equalizer nachbessern zu wollen. Um den dumpfen Klang dabei zu verändern, werden zumeist die Höhen angehoben und da der Bass immer gerne gehört wird, wird auch dieser zusätzlich per Software betont. Die sich ergebende „Badewannen“-Stellung ist ein häufiges Ergebnis dieser Spielerein. Durch sie werden gerade die mittleren Frequenzen, die sehr wichtig für eine warme Wiedergabe sind, ausgegrenzt. Die ohnehin mitteltonschwachen Otto-Normalverbaucher-Systeme kränkeln dann objektiv noch mehr als vorher. Dies fällt vielen allerdings nicht auf, da spitze Höhen gerne auch als klare Wiedergabe missverstanden und laute Bässe als Maß der Dinge angesehen werden.

Tatsächlich sind es gerade diese beiden Frequenzbereiche (die Höhen und die Bässe), die weithin als erste auffallen, wenn sie verändert werden. Beide Frequenzbänder sind besonders effektvoll und mit jeder kleinen Veränderung kann man Gefallen an dem neuen Klangcharakter finden. Allerdings kann man sich in Kombination mit Upmix-Modi sowie womöglich noch dem Creative-Crystalizer (er erweitert das Klangspektrum und soll dieses dynamischer machen) als Laie kaum weiter von dem Klang entfernen, wie er ursprünglich gedacht war. Zwar steht auch hierbei stets der persönliche Geschmack im Vordergrund, schlechte Lautsprecher können durch Software-Tricks aber nicht lauter, voluminöser oder klarer aufspielen. Es geht bei all' den Hilfsmitteln um kosmetische Änderungen in kleinem Rahmen, sodass eine für den persönlichen Geschmack vielleicht zu spitze Wiedergabe wärmer oder eventuell vorhandenes Dröhnen minimiert wird.

Versuchen sollte sich jeder einmal an den Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen. Der Blick sollte aber die Standardeinstellungen nie aus den Augen verlieren, damit das persönliche Empfinden nicht völlig verzerrt wird.

Außerhalb des PCs

Stereo oder Mehrkanal?

Die Frage, ob für den eigenen Anspruch eher ein Mehrkanal- oder ein Stereo-System (wahlweise mit Subwoofer-Unterstützung) zu empfehlen ist, ist nicht leicht zu beantworten. Hierzu sollte als erstes festgehalten werden, dass gewisses Tonmaterial nur im Zweikanalformat vorliegt. Verzichtet man also auf einen Stereo-Upmix (was aus beschriebenen Gründen der Wiedergabetreue zu Gute kommen kann), so lägen alle Lautsprecher eines Mehrkanalsystems brach, wenn es sich nicht um die vorderen beiden handelt. Zum zweiten muss bedacht werden, dass bei einem gewissen Preisrahmen qualitative Unterschiede zwischen Lautsprechersystemen zu erwarten sind, die aus unterschiedlich vielen Lautsprechern bestehen. So dürfte einleuchten, dass bei einem 5.1-System, welches also aus insgesamt sechs Lautsprechern besteht, mit simpler Milchmädchenrechnung nur halb so viel Geld pro Box investiert wird wie bei einem 2.1-System mit drei verschiedenen Lautsprechern. Ganz so einfach ist das Verhältnis zwar nicht zu bestimmen, die Tendenz ist aber klar: Bei gleichem Preis sollte ein Stereosystem qualitativ, klanglich oder ausstattungstechnisch einem Lautsprechersystem mit zahlenmäßig umfangreicherer Bestückung überlegen sein. Zum dritten ist es wichtig, Lautsprecher korrekt aufzustellen. Während dies mit der Ausrichtung als Stereodreieck bei entsprechenden Systemen noch relativ leicht ist, müssen Mehrkanalsysteme aufwendig vor und hinter dem Hörplatz platziert werden. Hierzu soll ein weiteres Kapitel gesondert Aufschluss geben.

Die Wahl des entsprechenden Soundsystems hängt also in erster Linie vom Einsatzgebiet ab. Hierbei gilt, dass Film- und Spielton heutzutage beinahe immer für mehr als zwei Kanäle vorliegt und dementsprechend ein Mehrkanalsystem effektiv überzeugen kann. Für Musik eignen sich größtenteils Stereo-Systeme besser, da sie vielfach nur in diesem Format vorliegt und jeder Versuch, sie per Software-Tricks auf mehrere Kanäle zu verteilen, qualitative Einbußen nach sich ziehen kann. Nichtsdestotrotz gibt es aber auch Musik, die beispielsweise auf Audio- aber auch Video-DVDs in Dolby Digital oder DTS vorhanden ist. Eine gute Abmischung durch den Toningenieur kann in dem Fall auf einem Mehrkanalsystem besser gefallen als auf einem klassischen Stereosystem.

Stereosysteme sind Mehrkanal-Boxen bei gleichem Preis oft überlegen
Stereosysteme sind Mehrkanal-Boxen bei gleichem Preis oft überlegen

Für wirklich authentische Musikwiedergabe ist ferner über eine weitere Komponente nachzudenken: Der Subwoofer kann die Wiedergabe negativ beeinflussen. Ist er nicht richtig eingepegelt und spielt er deshalb beispielsweise schon zu früh mit, kann er den Klang im Mittelton- oder Oberbassbereich verfälschen. Musik hört sich dann sehr basslastig an. Die Trennung zwischen den Kanälen ist überhaupt eines der Hauptprobleme der meisten günstigeren PC-Systeme: Dadurch, dass zumeist Satelliten mit kleinflächigen Chassis verwendet werden, muss der Subwoofer statt des Tiefbassbereiches oft auch den Oberbass und den unteren Mitteltonbereich mit übernehmen, da sich hier sonst ein Frequenzloch ergäbe. Dies gelingt zumeist nicht nur nicht, oft wird der Subwoofer dadurch auch ortbar und beginnt zu wummern. Durch die vergleichsweise große Membranfläche besitzt er ohnehin den Nachteil, nur langsam antreten zu können, weshalb überdies Dynamik im wichtigen Mitteltonbereich verloren gehen kann.

Die Musikwiedergabe ist daher auf 2.0-Systemen prinzipiell eher besser als auf solchen mit Subwoofer-Unterstützung. Auf der anderen Seite kann ein gut abgestimmter Tieftöner den Klangeindruck nach unten abrunden. Allerdings birgt das einen gewissen Aufwand beim Einpegeln.

Der Entscheidung für oder gegen ein Mehrkanalsystem sollte folglich folgende Fragen voran gehen: Nutze ich hauptsächlich Mehrkanalmedien? Kann ich die Lautsprecher korrekt aufstellen (siehe dazu das Kapitel zur Lautsprecherpositionierung)? Welcher Preisrahmen kommt in Frage und welche anderen (Stereo-)Systeme kommen daher in die Alternativauswahl?

Die korrekte Ausrichtung

Die korrekte Ausrichtung und Aufstellung aller Lautsprecher ist sehr wichtig und nimmt an Relevanz zu, je mehr Boxen im Raum verteilt werden soll. Ein paar prinzipielle Faustregeln gelten für alle Aufstellungen – ob es sich um ein Stereo-, 5.1- oder 7.1-System handelt, spielt bei den folgenden Ratschlägen also keine Rolle. Allgemein gilt, dass die Lautsprecher idealerweise dort aufgestellt werden, wo sich der Hörplatz befindet. Handelt es sich bei dem zu beschallenden Raum also etwa um einen solchen in L-Form, sollte der Hörplatz konkret festgelegt werden – das blinde Verteilen aller vorhandenen Lautsprecher im Raum ist hingegen nicht förderlich. Die Boxen sollten zudem in etwa den gleichen Abstand zum Hörplatz aufweisen. Ist dies nicht der Fall, können je nach Entfernung unterschiedliche Lautstärken sowie Laufzeitunterschiede das Resultat sein. Beides kann gegebenenfalls durch die Software der Soundkarte ausgeglichen werden. Wichtig und immer beachtet werden sollte auch, dass die Lautsprecher auch auf die Hörposition ausgerichtet, also gegebenenfalls angewinkelt werden können. Das gilt auch in der Höhe! Idealerweise befinden sich alle Boxen auf Ohrhöhe des Hörplatzes – bei einer Sitzgelegenheit also etwa auf 1,20 Metern Höhe. Kleinere Abweichung von bis zu 40 cm sind vertretbar, mit angewinkelten Lautsprechern lassen sich aber auch hier gegebenenfalls bessere Ergebnisse erzielen.

Abgewinkelte Lautsprecher können für ein „direkteren Ton“ sorgen. Zudem kann es passieren, dass die verwendeten Lautsprecher verzerren, befindet man sich auf einem Hörplatz, von dem aus man nicht direkt auf die Chassis blicken kann. Andererseits ergibt sich durch nicht angewinkelte Lautsprecher unter Umständen ein breiteres Bühnenbild, das ebenso gefallen kann. Speziell bei Mehrkanalsystemen kann auch eine Mischkonstellation sinnvoll sein: Nicht angewinkelt Front-Lautsprecher können für ein breites Bühnenbild sorgen, angewinkelte Effektlautsprecher (so es sich um Direktstrahler handelt) könnten für einen präziseren Surroundeindruck sorgen. Der Hörer sollte hier nach seinem eigenen Geschmack walten und schalten.

Aufstellung von Stereo-Systemen
Bei Stereosystemen gilt die Grundregel, dass die optimale Position der Lautsprecher anhand eines Stereodreiecks bestimmt werden sollte. Bei einem Stereodreieck handelt es sich um ein gleichseitiges Dreieck, dessen Katheten die Entfernung vom Hörplatz zu den Lautsprechern sind. Diese Distanz sollte jeweils etwa gleich lang sein, damit keine Laufzeitunterschiede und Lautstärkeunterschiede den Hörgenuss beeinflussen. Ausprobiert werden sollte, ob die Lautsprecher auf den Hörplatz angewinkelt werden sollten oder nicht. Der Abstand zwischen den Boxen selbst sollte – damit das Dreieck tatsächlich gleichseitig ist – in etwa so lang sein wie der Abstand des Hörer zu jeder Box. Bei dieser Aufstellung ergibt sich bei Stereoton ein realistischer Höreindruck und die Phantomschallquelle kann zwischen den Lautsprechern korrekt wandern.

Aufstellung als Stereodreieck
Aufstellung als Stereodreieck

Wird zudem ein Subwoofer benutzt, so sollte sich dieser idealerweise auf der geraden Linie zwischen den vorderen beiden Lautsprechern befinden. Ist dies nicht möglich, so kann er auch außerhalb dieses Bereiches platziert werden. In der Regel ist so ein Aufbau relativ unkritisch. Der Tieftöner kann aber prinzipiell zu einem Problem werden, wie in einem extra Absatz zu der Komponente geklärt wird.

Die korrekte Ausrichtung (Fortsetzung)

Aufstellung von 5.1-Systemen
5.1-Systeme werden bezüglich der Komponenten, die sie mit einem Stereosystem gemein haben, ebenfalls im Stereodreieck aufgestellt. Das heißt, dass die vorderen beiden Lautsprecher in etwa den gleichen Abstand zueinander und zum Hörer haben sollten und gegebenenfalls auf den Hörplatz angewinkelt sind. Die optimale Position des Subwoofers befindet sich auch hier auf gerader Linie zwischen den Frontlautsprechern. Ebenfalls auf dieser, allerdings etwas höher, befindet sich der Center-Lautsprecher. Dieser ist für die Stimmenausgabe in Filmen zuständig und sollte daher möglichst nahe bei der Bildausgabe aufgestellt werden. Idealerweise befindet er sich direkt hinter dem Filmbild auf Ohrhöhe. Hierfür ist es aber notwendig, beispielsweise eine akustisch durchlässige Leinwand zu nutzen. Monitore oder Fernseher stören hingegen das Klangbild, würde der Center-Speaker tatsächlich direkt hinter diesen Geräten aufgestellt werden. Aus diesem Grunde findet er seine Position zumeist über oder unterhalb des Bildschirms. In den meisten Fällen ist ein solcher Aufbau aus akustischer Sicht ausreichend; es lohnt sich auch hier, den Lautsprecher gegebenenfalls auf den Hörplatz anzuwinkeln.

Aufstellung eines 5.1-Systems
Aufstellung eines 5.1-Systems

Die Surroundlautsprecher sind quasi spiegelverkehrt zu den Front-Lautsprechern anzubringen. Sie sollten einen ähnlichen Abstand zum Hörplatz aufweisen wie der vordere linke und rechte Kanal. Aus mehreren Gründen kann eine Aufstellung nach diesem Muster nicht möglich sein. Befinden sich hinter dem Hörplatz beispielsweise keine Möglichkeiten, die Lautsprecher zu positionieren, können diese auch weiter auseinander gestellt werden oder nach vorne wandern. In ersterem Fall sollten jedoch Korrekturen in der Software der Soundkarte oder am Receiver vorgenommen werden, damit die Laufzeitunterschiede und Abweichungen in der Lautstärke korrigiert werden. In letzterem Fall kann das Bühnenbild deutlich leiden. Je weiter die Lautsprecher seitlich nach vorne wandern (der Extremfall wäre, dass sie auf Höhe des Hörers oder gar vor diesem angebracht werden), desto schlechter wird die virtuelle Klangbühne korrekt nach hinten erweitert. Befindet sich letztendlich kein eigentlicher Surround-Speaker mehr hinter dem Hörer, so muss in Frage gestellt werden, ob ein Mehrkanalsystem Sinn hat. Abhilfe können an dieser Stelle Lautsprecherständer schaffen, die frei im Raum platziert werden können.

Aufstellung von 6.1-Systemen
Bei einem 6.1-System handelt es sich um ein 5.1-System, das um einen rückwärtigen Center-Speaker erweitert wurde. Dieser findet idealerweise zwischen den Rearspeakern seinen Platz, sodass die drei vorderen Boxen – links, center und rechts – spiegelverkehrt hinter dem Hörplatz erneut aufgestellt werden. Die restliche Aufstellung entspricht der eines 5.1-Systems.

Aufstellung von 7.1-Systemen
Auch bei 7.1-Systemen handelt es sich im Grunde um einen erweiterten Ausbau eines 5.1-Mehrkanallautsprechersets. Statt, wie bei einem 6.1-System, nur einen Center-Speaker in der Mitte zwischen den Surround-Lautsprechern zu platzieren, rücken diese stattdessen nach vorne und werden durch zwei weitere Boxen rückwärtig ergänzt – die Rear-Speaker. Der Grundaufbau entspricht daher in einigen Grundzügen erneut dem eines 5.1-Systems: Die vorderen Kanäle – also der linke, recht sowie der zentrale Lautsprecher – behalten ihre Position inne. Auch der Subwoofer kann noch relativ frei platziert werden. Die Surround-Lautsprecher wandern hingegen auf die Höhe des Hörplatzes vor und befinden sich idealerweise rechts und links neben dem Hörplatz. Die Stelle der Surround-Lautsprecher eines 5.1-Systems nehmen bei einem 7.1-System die Rear-Speaker ein. Diese werden spiegelbildlich zu den beiden Front-Lautsprechern positioniert und, je nach Geschmack, angewinkelt.

Aufstellung als 7.1-System
Aufstellung als 7.1-System

Idealerweise haben alle Lautsprecher denselben Abstand zum Hörplatz. Das würde jedoch bedeuten, dass sie in Kreisform um das Zentrum – den Hörer – aufgebaut werden müssen. Das wäre tatsächlich ideal, kann aber an den Hörraum angepasst werden. Maßgeblich sollte das eigene Gehör sein. Software und Receiver – vorzugsweise mit Einmesssystem – können Abweichungen von der perfekten Positionierung ausgleichen.

Der Subwoofer – eine häufige Fehlerquelle
Der Subwoofer ist einerseits unkritischer aufzustellen als jeder andere Lautsprecher, andererseits birgt er neue Tücken, die bedacht werden müssen. So muss der Tieftöner nicht auf den Hörplatz ausgerichtet werden, da sich Bass in Kugelform von der Schallquelle ausbreitet. Tiefbass ist zudem so langwellig (bereits ein 100-Hertz-Ton hat bei einer Schallgeschwindigkeit von 343 m/s eine Wellenlänge von fast 3,5 Metern), dass Phasenunterschiede beim Auftreffen auf das jeweilige Ohr nicht so groß ausfallen, als dass unser Gehirn die Position des Subwoofers ausmachen könnte. Das ist im Übrigen auch ein Problem günstiger Lautsprechersysteme: Muss der Subwoofer höher aufspielen, weil er Teile des Mitteltonbereiches mit bedienen soll, verkürzt sich auch die Wellenlänge der wiedergegebenen Töne aufgrund der höheren Frequenzen und der Phasenunterschied der Schallwellen reicht sehr wohl, um die exakte Position eines Subwoofers bestimmen zu können.

Problematisch ist jedoch eher eine andere Eigenheit, die auf den Hörraum zurückzuführen ist. So besitzt jeder Wohnbereich eine ganz eigene Raumakustik, die zu schlechten Effekten führen kann. So bestimmt der Querschnitt des Hörraums, welcher Schall verstärkt wird, weil sich von der Wand reflektierter und direkt abgestrahlter Schall überlagern. Diese stehenden Wellen können dazu führen, dass bestimmte Frequenzen stark überhöht wiedergegeben (konstruktive Interferenzen) oder bis zur Unhörbarkeit abgeschwächt werden (destruktive Interferenzen). Beide Fälle stören den harmonischen Klangeindruck und können den Hörer zur Weißglut bringen.

Um den Subwoofer korrekt zu platzieren, gibt es daher einen Trick: Der Tieftonexperte sollte direkt auf den Hörplatz gestellt werden und dort seine Arbeit verrichten. Daraufhin muss der Hörer durch den Raum kriechen (und zwar auf der Höhe, auf der später der Subwoofer platziert wird) und eine Stelle ausfindig machen, an der sich der Bass angenehm anhört. Stellt er den Subwoofer nun dort hin, hört sich der Bass am Hörplatz so an wie an dem zuvor gefundenem schönen Fleckchen. Es ist dabei immer zu empfehlen, den Subwoofer nicht in Raumecken zu stellen und von jeder Wand etwa einen Meter entfernt zu positionieren.

Vom Kabelsalat

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Soundsysteme mit dem PC zu verbinden. Bei dem Einsatz eines Receivers kommt sogar noch eine Instanz hinzu, die sowohl mit dem PC als auch mit den Lautsprechern verbunden werden muss, was zu noch mehr Kabelmöglichkeiten führt. So verfügen moderne 5.1- oder 7.1-Soundkarte über Anschlussmöglichkeiten für sogenannte Klinkenstecker, die einen Durchmesser von 3,5 Millimetern aufweisen (Miniklinke). Jeder dieser Ausgänge leitet in der Regel ein Stereosignal weiter, weshalb man entsprechend viele Kabel für Mehrkanalsysteme verlegen muss. Die Kanäle, die paarweise übertragen werden, sind dabei die beiden vorderen, die rückwärtigen sowie der Center- und der Subwooferkanal. Bei 7.1-Systemen liefert ein vierter Ausgang auch noch die Signale für die hinteren seitlichen Lautsprecher. Alternativ werden auch bis zu drei Kanäle pro Klinkenausgang weitergeleitet, was bei allen 7.1-Soundkarten mit nur drei analogen Ausgängen der Fall ist. Details hierzu folgen im nächsten Kapitel.

Anschlüsse einer modernen Soundkarte
Anschlüsse einer modernen Soundkarte
Klinke-auf-Cinch-Kabel
Klinke-auf-Cinch-Kabel
Rückseite eines Subwoofers mit Klinken- und Cincheingängen
Rückseite eines Subwoofers mit Klinken- und Cincheingängen

Im einfachsten Fall werden die Lautsprecher ebenfalls analog über 3,5-mm-Klinke angeschlossen. Dann muss der entsprechende Ausgang der Soundkarte nur mit dem Eingang des Lautsprechersystems verbunden werden. Nicht selten – vor allem bei Heimkino-Systemen – verfügt das Soundsystem allerdings über Cinch-Eingänge. Bei dieser analogen Anschlussart verfügt jeder Kanal über einen eigenen Stecker. Form und Größe sind nicht kompatibel zum Klinkenausgang, weshalb die Verbindung zwischen Soundkartenausgang und Cincheingang über ein Y-Kabel mit unterschiedlichen Enden oder einen Adapter hergestellt wird.

Neben den üblichen analogen Anschlussmöglichkeiten stehen auch einige digitale bereit, deren hauptsächliche Vorteile darin liegen, dass mehrere Kanäle mit einem Kabel übertragen werden können und dass das Problem des Massebrummens ausgeschlossen wird. Übliche digitale Übertragungsarten nutzen entweder optische oder koaxiale Kabel entsprechend der SPDIF-Spezifikation oder den aktuelleren HDMI-Anschluss, der eine höhere Bandbreite bietet und Video- und Audiosignale überträgt. Obwohl Kabel, die sich für die digitale Übertragung eignen, mitunter optisch denen für die Analogübertragung gleichen (koaxiales Cinchkabel, optischer oder elektrischer digitaler Klinkenstecker), sind sie nicht kompatibel. So ist ein Soundsystem mit Cincheingängen in aller Regel nicht dafür ausgelegt, digital gespeist zu werden. Gleichwohl kann auch nicht jeder Klinkenausgang für die digitale Signalweiterleitung genutzt werden. (Bei Creatives Soundkarten liegt der digitale Klinkenausgang zumeist auf dem Mikrofoneingang der Soundkarte.)

optischer Toslink
optischer Toslink

Will man ein Lautsprechersystem digital mit dem PC verbinden, muss dieses über einen eingebauten Decoder verfügen, der die ankommenden Signale weiterverarbeitet. Analoge Soundsysteme lassen sich mittels eines AV-Receivers, der digital gefüttert wird, selbst Signale aber analog weitergibt, indirekt digital anschließen – mehrere Kabel pro Kanal müssen dann aber immer noch zwischen den Boxen und dem Receiver gelegt werden. Digitale SPDIF-Verbindungen sind nicht für die Übertragung von unkomprimiertem Mehrkanalton vorgesehen. Die SPDIF-Spezifikation erlaubt in der Regel die Übertragung von Stereo-PCM-Ton mit einer Abtastrate von 48 kHz bei 20 Bit oder 96 kHz bei 16 Bit. Theoretisch könnten auch mehr als zwei PCM-Kanäle über eine SPDIF-Verbindung geschleust werden (was Creative vor Jahren auch praktizierte, siehe weiter unten), tatsächlich gibt es jedoch kaum Geräte, die das unterstützen. Unkomprimiert können deshalb in aller Regel nur Stereo-PCM-Ton oder komprimierter Digitalton übertragen werden. Dieser liegt beispielsweise auf DVDs in Form von AC-3 (Dolby Digital) oder DTS vor. Damit er unbearbeitet weitergeleitet werden kann, muss er im Zielgerät dekodiert werden. Dieses einfache Durchschleifen des Mehrkanaltons wird als SPDIF-Passtrough bezeichnet.

Digital DIN bei einem Inspire 5.1 Digital 5700
Digital DIN bei einem Inspire 5.1 Digital 5700

Creatives Digital DIN bildet die wohl einzige Ausnahme bei Mehrkanal-Digitalton über den SPDIF-Ausgang. Die Soundkarten des Herstellers konnten bis zur Audigy 2 ZS theoretisch bis zu vier PCM-Stereo-Kanäle (also 7.1-Ton) über einen einzigen digitalen elektrischen Klinkenausgang weitergeben. Dieser lag – wie auch heute noch – auf dem Line-In beziehungsweise dem Mikrofon-Eingang. Der Anschluss an die Soundkarte erfolgte über einen vierpoligen Klinkenstecker, der heute eher rar ist. Am anderen Ende des Kabels war Creatives Digital-DIN-Anschluss aufgesetzt, der eigentlich nur an den hauseigenen Soundsystemen – etwa dem alten „INSPIRE 5.1 Digital 5700“ – angeschlossen werden konnte. Sowohl die Soundsysteme als auch das Kabel sind mittlerweile aus dem Portfolio von Creative verschwunden, weshalb dieser Ansatz, vor allem in Zeiten von HDMI, als ausgestorben bezeichnet werden dürfte.

Dem Anschluss an den Receiver wurde das folgende Kapitel gewidmet, das einige Eckpunkte noch einmal detaillierter beschreiben soll.

Anschluss an den Receiver

Es gibt gute Gründe, den PC zuerst mit einem Receiver und dann mit einem Lautsprechersystem zu verbinden. Zum einen bietet ein moderner AV-Receiver unzählige Anschlussmöglichkeiten, sodass auch mehrere Quellen mit einem Boxensystem verbunden werden können. Zum anderen erleichtert es ein Receiver mit HDMI-Anschluss, modernen Mehrkanalton wie DTS HD oder Dolby Digital Plus zu verarbeiten. Verfügen Receiver und PC über einen HDMI-1.3-Anschluss, so kann die Dekodierung von DD+ und DTS HD mit dem Receiver erfolgen. Ist bereits der Software-DVD-Player beziehungsweise die Soundkarte fähig, die neuen Tonformate zu dekodieren und als MPCM-Stream weiterzugeben, so genügt ein HDMI-Anschluss der ersten Generation. Aber auch gemäßigtere digitale Verbindungen über koaxiale oder optische Digitalkabel sind zumeist nur über einen Receiver realisierbar, wenn das Soundsystem nicht über diese Anschlüsse verfügt. Zu guter Letzt ist ein Receiver auch immer dann nötig, wenn man teilaktive oder passive Lautsprechersysteme – also solche, die nicht für jeden Lautsprecher eine eigene Endstufe mitbringen – mit dem PC verbinden will.

Den Receiver analog mit dem PC verbinden:
Soll der Receiver analog mit dem PC verbunden werden, so muss er über Cinch-Eingänge verfügen. Je nach Modell und Ausstattung können das etwa acht Cinch-Eingänge sein, über die entsprechend viele einzelne Kanäle (in diesem Fall für bis zu 7.1-Soundsysteme) eingespeist werden können. Üblicherweise besitzen Mainboards und Consumer-Soundkarten Miniklinken-Ausgänge. In diesem Fall müssen Adapterkabel von Klinke-auf-2x-Cinch genutzt werden, um aus einem Ausgang der Soundkarte zwei Enden für den Eingang des Receivers zu erhalten.

Klinke-auf-Cinch-Kabel
Klinke-auf-Cinch-Kabel
Receiver Cinch-Eingänge
Receiver Cinch-Eingänge

Die Cinch-Eingänge des Receivers sind farblich kodiert und sollten entsprechend der Farben mit den zumeist ebenfalls so kodierten Cinch-Kabeln verbunden werden. Bei einem Einsatz eines Klinke-Auf-2x-Cinch-Adapterkabels werden die zwei Kanäle dann korrekt auf die beiden Receiver-Eingänge verteilt. Oft sind die Eingänge für Center- und Subwoofer auch gelb und schwarz kodiert – an der Anschlussweise ändert sich nichts. Sollte man unsicher sein, welches Kabel wohin gehört, so kann man auch blind die Kabel in jeden Eingang einstecken und nach einem Test gegebenenfalls vertauschen.

Bei der analogen Anschlussweise dekodiert die Soundkarte jedes Signal. Das Betriebssystem sowie etwaige DVD-Abspielprogramme müssen auf entsprechend viele Lautsprecher eingestellt werden. Der Receiver verstärkt die eingehenden Signal nur.

Mehr als sechs Kanäle aus drei Analog-Ausgängen heraus zu bekommen, ist ebenfalls möglich und weithin auch nötig. Viele Creative-Soundkarten wie etwa die Audigy-Serie sowie Teile der X-Fi-Generation verfügen nur über drei analoge Sound-Ausgänge, die für bis zu 7.1-Soundsysteme geeignet sind. Schließt man maximal sechs Lautsprecher (5.1-Soundsystem) an die Ausgänge dieser Soundkarten an, verhält es sich wie beschrieben: Jeder Ausgang überträgt je zwei Kanäle zum Receiver. Die Belegung der Ausgänge ist dabei für jede Soundkarte beschrieben. Als farbliche Kodierung hat sich jedoch Grün für die vorderen Kanäle, Orange für den Center-Lautsprecher und den Subwoofer sowie Schwarz für die Surround-Lautsprecher eingebürgert. Ist ein zusätzlicher Anschluss für die Rear-Speaker vorhanden, so ist dieser meistens grau.

Klinke-auf-3x-Cinch
Klinke-auf-3x-Cinch

Bei 6.1- beziehungsweise 7.1-Lautsprechern werden Klinke-auf-3x-Cinch-Kabel benötigt. Entsprechende Soundkarten übertragen dann über je einen Ausgang drei Kanäle. Der Surround-Center eines 6.1-Systems wird über den orangen Center/Sub-Kanal mit ausgegeben. Bei 7.1-Systemen werden die zusätzlichen Side-Speaker über den Surround- beziehungsweise Center/Sub-Ausgang ähnlich realisiert. Der rechte Side-Surround-Lautsprecher wird dabei über den schwarzen Ausgang für die rückwärtigen Lautsprecher ausgegeben (weiß = Rear-Surround links; rot = Side-Surround rechts; gelb = Rear-Surround rechts). Der linke Side-Surround-Lautsprecher wird über den Center/Sub-Ausgang realisiert und liegt am roten Ende des Cinch-Ausgangs an (weiß = Center; rot = Side-Surround links; gelb = Subwoofer).

Anschluss an den Receiver (Fortsetzung)

Den Receiver digital mit dem PC verbinden:
Soll der Receiver digital mit dem PC verbunden werden, so geschieht dies auf einfache Weise entweder per optischem Toslink oder per koaxialem Cinch-Kabel. Beide Übertragungsarten arbeiten nach dem SPDIF-Protokoll und übertragen gemäß Spezifikation Stereo-PCM-Ton mit einer maximalen Abtastrate von 48 kHz bei 20 Bit oder 96 kHz bei 16 Bit. Mehrkanalton war bei Entstehung des Standards nicht vorgesehen und wird daher gemeinhin auch nicht per SPDIF übertragen.

Um den Receiver optisch oder koaxial mit der Soundkarte zu verbinden, muss diese natürlich über den entsprechenden Ausgang verfügen. Bei Creative-Soundkarten kommen häufig auch digitale elektrische Klinken-Ausgänge zum Einsatz, die als FlexiJack bezeichnet werden. Diese Anschlüsse können mehrere Funktionen erfüllen. Sie eignen sich als Mikrofoneingang, als Line-In sowie als besagter digitaler Klinkenausgang. Der Klinkenausgang muss dabei per Adapter, der am anderen Ende als koaxiales Cinch-Kabel ausgeführt ist, an den Receiver angeschlossen werden.

optische Digitaleingänge
optische Digitaleingänge
koaxiale Digitaleingänge
koaxiale Digitaleingänge

Damit die Tonausgabe digital funktioniert, muss dies bei den Soundeinstellungen noch definiert werden. Bei Creative finden sich die entsprechenden Einstellungen im Audio-HQ unter der Systemsteuerung. Überdies muss auch die DVD-Abspielsoftware so umgestellt werden, dass sie den Ton über SPDIF durchschleift. Komprimierter Mehrkanalton – also Dolby Digital oder DTS – wird dann von einem externen Decoder dekodiert und wiedergegeben. In allen anderen Fällen wird auf diese Art nur Stereoton übertragen. Ausnahmen bilden hier alle Soundkarten, die über einen integrierten Hardware-Encoder verfügen und somit als „Dolby Digital Live“-fähig markiert wurden. Diese Chips können Mehrkanalton in Echtzeit in einen Dolby-Digital-Stream umwandeln (encodieren) und ausgeben.

Creatives Audiokonsole muss für SPDIF-Passthrough konfiguriert werden
Creatives Audiokonsole muss für SPDIF-Passthrough konfiguriert werden

Der Anschluss über HDMI an den Receiver ist möglich, aber etwas aufwendiger, sofern man die neuesten Tonformate nutzen möchte. So gibt es zwar bereits seit über einem Jahr Grafikkarten, die einen HDMI-Anschluss aufweisen, die Ausgabe eines echten Dolby Digital Plus- oder DTS HD-Streams ist bisher aber nicht möglich. Neuere Grafikkarten können allerdings dekodierten Mehrkanalton als MPCM-Stream an den Receiver weiterleiten. Hierzu muss das Quellsignal allerdings in Software dekodiert werden, was unter anderem Power DVD in der aktuellen Ultra-Version leistet. Hierbei wird das Tonsignal jedoch heruntergesampelt. Vorreiter in dieser Disziplin sind ATis HD48x0-Modelle, die MPCM-Streams an den Receiver weiterleiten können, damit dieser – mehr oder minder direkt – die aktuellen Tonformate wiedergibt. Ältere Grafikkarten geben in der Regel nur Stereoton oder normale Dolby-Digital- oder DTS-Signale über HDMI aus, die entweder als alternative Spur auf dem Medium vorliegen, oder aber per Software erzeugt werden.

Asus Xonar HDAV 1.3 mit HDMI-Anschluss
Asus Xonar HDAV 1.3 mit HDMI-Anschluss
HDMI-Eingänge
HDMI-Eingänge

Soundkarten mit HDMI-Ausgang gibt es ebenfalls bereits seit Mitte des Jahres, diese müssen aber mit der Grafikkarte verbunden werden (und besitzen zu diesem Zweck einen HDMI-Eingang). Hervor tut sich hierbei Asus' neue Xonar HDAV 1.3 [2], die den HDMI-1.3a-Anschluss aufweist. Die Soundkarte kann als wohl einzige Lösung die aktuellen HD-Tonformate als Bitstream ausgeben, scheitert aber an der Darstellungsqualität der Videos. Das Eingangssignal der Grafikkarten wird durch den Videoprozessor der Asus-Soundkarte nämlich nachbearbeitet.

In jedem Fall erfolgt der Anschluss an den Receiver über die entsprechenden HDMI-Eingänge.

Der Anschluss der Boxen an den Receiver erfolgt entweder über einen Vorverstärkerausgang (Pre-Out) oder direkt über die Lautsprecherausgänge. Über den Vorverstärkerausgang werden dabei alle Boxen angeschlossen, die eigene Endstufen mitbringen. Der Pre-Out regelt hierbei nur den Pegel der Eingangssignale und verstärkt das Signal auf dem Weg hin zu den Lautsprecher nicht. Häufig wird auch nur ein aktiver Subwoofer an den Vorverstärkerausgang für den Tieftöner angeschlossen und die weiteren (passiven) Lautsprecher an die jeweiligen Ausgänge des Receivers. Gängige PC-Lautsprechersysteme bringen eigene Endstufen für jeden Kanal mit, die in den Subwoofer integriert sind, weshalb dieser alle Anschlüsse für die einzelnen Kanäle aufweist und dann mit den Satelliten verbunden wird. Diese Soundsysteme sind entweder via Pre-Out mit einem Receiver zu verbinden oder – wenn nur der Subwoofer aktiv betrieben werden soll – über die Lautsprecherausgänge am Receiver und den Pre-Out für den Subwoofer.

Lautsprecherausgänge
Lautsprecherausgänge

Die Pegelsteuerung funktioniert in allen Fällen über den Receiver, ob dieser also die Funktion eines Verstärkers übernimmt oder nicht, ist irrelevant.

Kopfhörer könnens besser

Kopfhörer sind eine sehr interessante Alternative zu Soundsystemen, die vielfach unterschätzt wird. Auch hier soll eine einfache Milchmädchenrechnung den Grundgedanken verdeutlichen: In einem üblichen Kopfhörer kommen zwei kleine Chassis, die eine relativ geringe Leistungsaufnahme aufweisen, in einem platzsparenden Gehäuse unter. Moderne Stereo- oder Mehrkanalsysteme setzen auf mindestens zwei, im üblichen Höchstfall sogar auf acht unterschiedliche Boxen nebst umfangreicher Verkabelung. Erscheint es dabei wahrscheinlich, dass die materialaufwendigeren Lautsprecher, die zudem wesentlich lauter aufspielen müssen, da sie nicht auf dem Ohr aufliegenden, bei gleichem Preis klanglich mit einem Kopfhörer mithalten können?

Lautsprecher müssen allein um ihrem Namen gerecht werden zu können vergleichsweise potente Endstufen einsetzen, um einen Raum zu beschallen. Kopfhörer können dagegen minimalistisch ausfallen und dem Hörer dennoch in ausreichender Lautstärke beglücken. Sie bieten zudem – je nach Bauform – ein nach außen hin abgeschlossenes Gehäuse, das Störschall dämpft. Jeder Kopfhörer ist zudem prinzipiell fähig, Raumklang zu simulieren – auch Stereokopfhörer! Möglich ist dies durch die Eigenschaft des menschlichen Gehörs, Schall anhand der Laufzeitunterschiede zwischen dem rechten und linken Ohr im Raum bestimmen zu können. Simuliert nun eine Software eben diese Laufzeitunterschiede, kann man auch mit einem Stereokopfhörer mehrdimensional hören oder glaubt dies zumindest. Überdies gibt es auch Kopfhörer, in denen mehr als zwei Chassis verbaut wurden, die die Funktion der Verteilung von mehreren Boxen im Raum übernehmen sollen. Hierbei bedingt das Prinzip jedoch, dass jedes Chassis für sich genommen kleiner ausfallen muss als bei einem Stereokopfhörer, was dem Klangspektrum nicht zu Gute kommen kann. Ob es den Träger stört, sei hier dahingestellt – es ist jedoch auffallend, dass hochwertige Kopfhörer von dieser Technik keinen Gebrauch machen.

hochwertiger Kopfhörer
hochwertiger Kopfhörer

Kopfhörer bieten zudem den Vorteil, nur einen Hörer zu beschallen und damit selbst bei voller Lautstärke keinen Nachbarschaftsstreit los zu treten. Dies ist gleichzeitig jedoch auch ein Nachteil eines Kopfhörers: Mehrere Personen können so nicht akustisch unterhalten werden. Auch der Tragekomfort spielt bei dieser Art des Hörens eine Rolle – ein Kriterium, das bei Lautsprechern offensichtlich nicht vorhanden ist. Unpassend geformte Kopfhörer können nach einer gewissen Zeit drücken und zu schmerzenden Ohren führen. Auch die Materialwahl (vor allem der Ohrmuscheln) ist wichtig: Insbesondere Leder oder Kunstleder weisen Feuchtigkeit ab und bedingen so schwitzende Ohren. Darüber hinaus fehlt die körperliche Komponente der Akustik: Der Bass wird mit einem Kopfhörer niemals ein Schlag in die Magengrube sein. Gute Kopfhörer können deshalb zwar zweifellos tiefe Frequenzen wiedergeben, wer jedoch auch physische Einwirkungen erwartet, kommt so nicht auf seine Kosten.

Dennoch sollte man – insbesondere bei relativ niedrigem Preisrahmen – Kopfhörer in Erwägung ziehen. Ein Lautsprechersystem für 200 Euro mag effektvoll aufspielen können, für High-End reicht eine solche Investition aber bei weitem nicht. Anders bei Kopfhörern, auch wenn hier das Ende der Preisspirale ebenfalls ins Unermessliche steigen kann: Ein Kopfhörer im dreistelligen Euro-Bereich zählt schnell zur gehobenen Klasse und bietet gewiss mehr Dynamik, einen höheren Frequenzumfang und daher wohl auch mehr Freude bei der Wiedergabe als vergleichbar teure Lautsprechersysteme.

Nicht zuletzt sollte bedacht werden, dass die Investition in guten Klang eine langfristige ist, die gut überlegt sein will. Überzeugender Klang ist ein Gut, das nicht an Wert verliert – anders als Komponenten, die nach wenigen Monaten nicht mehr zu den Leistungsträgern gehören.

Der gute Rat

Die Werbewelt hat es möglich gemacht, dass wahnsinnige Werte den Alltag vieler Hörer bestimmen. Geradezu exorbitante Leistungen sollen selbst günstigste Lautsprecher erbringen, dicke Kabel verbessern den Klang und was mehr kann, ist stets auch besser. Die gängigsten Irrglauben der PC-Lautsprecherwelt sollen abschließend im Folgenden entzaubert werden, denn Multimediasysteme bauen ihre brüchige Existenz zu gerne auf Scheindaten.

Kabelvodoo und Watt-Wahn

Ein weit verbreiteter Irrglaube betrifft die Watt-Angaben von Lautsprechern und Verstärkern. Nicht nur, dass mehrere Messverfahren zu nicht mehr vergleichbaren Ergebnissen führen, es herrscht zudem weithin Unkenntnis darüber, was mit einem Watt überhaupt bezeichnet wird. Ein Watt steht physikalisch für die Leistung. Bei elektrischen Geräten bezeichnet man so die (maximale) Leistungsaufnahme. Einer 60 Watt Glühbirne werden folglich 60 Watt elektrische Leistung zugeführt, Staubsauger werden gar mit tausenden Watt gefüttert – und Lautsprecher auch, glaubt man vielen Werbeversprechen. Dabei wird jedoch nichts darüber ausgesagt, wie viel Leistung nutzbringend abgegeben wird. Bei einer Glühbirne sind dies üblicherweise etwa fünf Prozent der zugeführten elektrischen Leistung, die tatsächlich in sichtbarem Licht wieder freigegeben werden. Der Rest wird in Wärmeenergie umgewandelt.

Ähnliches ist bei einem Lautsprecher zu beobachten: Die zugeführte Energie wird in mechanische Bewegung, in Wärme und zu einem Bruchteil auch in Schall umgewandelt. Die Leistungsaufnahme eines Lautsprechers wird zudem oft in Watt Sinus, Watt RMS oder Watt PMPO gemessen. Zwei dieser Messverfahren sind immerhin physikalisch erklärt, wenn auch von der tatsächlichen Nennleistung eines Lautsprechers entfernt, die dritte Angabe – PMPO – ist jedoch wahrlich eine Wunschzahl. Genauso wenig wie geklärt ist, was PMPO überhaupt beschreibt (mögliche Deutungen sind „Peak Music Power Output“, „Pulse Maximum Power Output“, „Peak Momentary Power Output“ oder „Peak Maximum Power Output“), ist ein technisch einheitliches Messverfahren für diese Leistungsaufnahme festgelegt worden.

Watt-Wahn bei Billig-Lautsprechern
Watt-Wahn bei Billig-Lautsprechern

Weithin wird die PMPO-Leistung als diejenige Leistungsaufnahme bezeichnet, die ein Lautsprecher maximal verträgt, ehe er zerstört wird. Wie lange er diese Leistungsspitze vertragen kann, ist nicht gesagt. Auch wird die Angabe gerne geschätzt (und das großzügig), sodass Abweichungen von der Nennleistung um den Faktor 50+ keine Seltenheit sind. Bei Mehrkanalsystemen wird die Leistungsaufnahme jedes Kanals gerne addiert, um die „Gesamtleistung“ des Systems anzugeben. PMPO-Werte sind kurzum übertriebene Schätzungen, die quasi ausschließlich auf minderwertigen Geräten zu finden sind, um die tatsächliche Leistungsaufnahme zu verschweigen.

Im Zusammenhang mit der Leistungsaufnahme interessant ist hingegen der Wirkungsgrad, wobei selbst dieser Begriff in der Akustik zumeist falsch verwendet wird. Statt des Wirkungsgrades in Prozent bezeichnet man bei Lautsprechern oft den Kennschalldruckpegel in dB/W/m als Wirkungsgrad. Der eigentliche Wirkungsgrad eines Lautsprechers gibt an, wie viel Prozent der zugeführten Leistung in akustische Energie umgewandelt wurden. Üblicherweise sind dies zwischen 0,2 und zwei Prozent! Der Kennschalldruckpegel unterscheidet sich bei einem um den Faktor 10 variierenden Wirkungsgrad um etwa 10 dB (85 dB Kennschalldruckpegel bei 0,2 Prozent Wirkungsgrad, 95 dB Kennschalldruckpegel bei zwei Prozent Wirkungsgrad). Ein Lautstärkeunterschied von 10 dB wird dabei psychoakustisch in etwa als Verdopplung beziehungsweise Halbierung der Lautstärke empfunden. Das heißt, dass in etwa gleiche Lautsprecher, die allerdings einen voneinander unterschiedlichen Wirkungsgrad und Kennschalldruckpegel aufweisen, als gleich laut empfunden werden können, obwohl der eine an einen Verstärker mit einer Nennausgangsleistung von zehn, der andere an einem solchen mit einer Nennausgangsleistung von 100 Watt angeschlossen ist!

Über die klanglichen Qualitäten von Lautsprechern kann mit all' den vorangegangenen Werten nichts ausgesagt werden. Hierfür sind der Frequenzgang sowie der Übertragungsbereich wichtiger. Angestrebt wird dabei ein linearer Frequenzgang über einen Übertragungsbereich, der möglichst mindestens der Hörgrenze des Menschen – also etwa 20 Hz bis 19 kHz – entspricht. Auch diese Angaben werden auf Lautsprechern zumeist gehörig gedehnt, weshalb nicht selten jedes PC-Lautsprechersystem Frequenzen zwischen 20 Hz und 25 kHz wiedergeben können soll. Besonders für die tiefen Frequenzen werden jedoch sehr leistungsfähige und große Subwoofer benötigt, weshalb dieser Wert mit durchschnittlichen Lautsprechern nicht bei adäquatem Pegel erreichbar ist. Frequenzen über 21 kHz werden als Ultraschall bezeichnet und sind eigentlich für den Klangeindruck unerheblich, weil für den Menschen unhörbar. Der Infraschall wiederum – also Frequenzen unter 16 Hz – können als Vibrationen wahrgenommen werden und durchaus ein gewolltes Produkt der Wiedergabe sein.

Auch die Wahl der Kabel scheint seit einigen Jahren immer wahnwitzigeren Trends zu folgen. Dutzende Euro werden mitunter für den laufenden Meter Kabel veranschlagt und auch bezahlt, obwohl jahrzehntelang jedes noch so dünne Kupferkabel ausreichte, um die niedrigen Stromstärken und die geringen Spannungen vom Verstärker zur Box zu leiten. Für diesen Trend bildete sich auf der einen Seite der Begriff „Kabel-Voodoo“, der die Kritik an der Entwicklung zusammenfasst: Die Wahl der Kabel ist – ab einem gewissen Punkt – weitgehend unbedeutend für den Klang. Auf der anderen Seite meinen Viele, mit immer dickeren und reineren Kabeln mehr Leistung aus den Lautsprechern holen zu können und „Qualitätsverluste“ so zu minimieren.

Tatsächlich entbehrt dieser Trend aber weitgehend jeder Grundlage. Bezogen auf den kompletten Weg, den ein Signal vom Verstärker zum Lautsprecher und in diesen zurücklegt, machen die verwendeten Lautsprecherkabel nur einen Bruchteil aus. Ein Großteil des Signalweges wird auf Leiterplatten und über hauchdünne Kabel zurückgelegt – zum Ende hin jedoch mit voller Verstärkerleistung! Weshalb außerhalb des Verstärkers fingerdicke Kabel nötig sein sollen, die mitunter sogar ausreichen würden, um einen Herd oder Haushalt mit Strom zu versorgen, kann objektiv wohl nicht begründet werden. Mehr noch: Allein mit Blick auf Relais, die vor den Lautsprecher-Terminals liegen und einen Stromstoß auf die Lautsprecher beim Einschalten des Verstärkers verhindern, indem sie erst kurze Zeit später geschlossen werden, muss klar werden, dass jedwede Aufregung über das verwendete Kabel unbegründet ist. Die Relais sind nämlich über nur millimetergroße Kontaktflächen mit dem Rest des Verstärkers verbunden und übertragen dennoch die volle Leistung.

Wichtig bei Kabeln ist hingegen eine gute Schirmung, sodass keine Störgeräusche bei der Wiedergabe auftreten. Insbesondere die bei schlechter Schirmung auftretende Eigenschaft als Antenne ist entsprechenden Billig-Kabeln anzulasten. Das Problem nimmt bei steigender Kabellänge zu und führt dazu, dass die Lautsprecher urplötzlich Radiosignale verstärken und somit wiedergeben. Dieses Phänomen sollte aber mit einem gesunden finanziellen Einsatz bekämpft werden, nicht mit Kabeln, die mit Gold aufgewogen werden können. Brummschleifen bei der Verbindung des PCs mit der Musikanlage lassen sich hingegen nicht durch bessere Kabel, sondern eher durch andersartige eliminieren. Bei einer optischen Verbindung entfällt das Problem nämlich, wobei diese in der Länge zumindest per Spezifikation auf 5 Meter begrenzt ist (auch wenn mitunter längere optische Verbindungen möglich sind). Koaxiale Kabel kennen keine Längengrenze, die übliche Raummaße unterschreitet, können bei ungünstiger Schaltung der Wiedergabegeräte aber ein Brummen verursachen.

Abschlussbemerkung

Dies ist die übliche Stelle für ein Fazit. Resümieren kann man nach der ganzen Theorie sicherlich so einiges, ein Ergebnis bliebe aber auch dann aus. Es ist schier unmöglich, alle denkbaren Kombinationen von Soundkarten, Lautsprechern, Receivern oder Kopfhörern hier aufzulisten und einzelnen Bereichen zuzuordnen. Stets wäre die Liste lückenhaft und ohnehin im Wandel der Zeit begriffen. Drum bleibt – trotz allen guten Willens – am Ende nur der Rat, bei offenen Fragen ins Forum zu schauen. [3]

Mehr über Lautsprecher, Soundkarten und Co. findet sich auf ComputerBase in der Artikelrubrik „Multimedia“ [4].

URL-Liste:

  1. http://buy.soundblaster.com/_creativelabsstore/cgi-bin/pd.cgi?page=product_detail&category=Software&pid=F2222DDN6Z2H2ADDEZD
  2. http://www.asus.com/news_show.aspx?id=11638
  3. http://www.computerbase.de/forum/
  4. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/multimedia/
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