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Test: Logitech Z Cinéma Advanced

von Jirko Alex

Einleitung

Logitech hat mit dem Z Cinéma Advanced ein delikates Stück Technik im Angebot. Das 2.1-System will nämlich vieles anders machen als die Konkurrenz und damit den Geist der Zeit treffen. Statt sich nur auf den Klang zu konzentrieren, sollen in dem Stereosystem Performance, Design, Ausstattung und Vielfältigkeit fließend ineinander übergehen. Zu diesem Zweck setzen die Schweizer auf eine moderne Optik mit Klavierlack-Finish, multimediale Qualitäten nebst umfangreicher Fernbedienung und virtuellen Surroundsound, der optional hinzu geschaltet werden kann.

Im Kern handelt es sich bei dem Z Cinéma Advanced jedoch um ein potentes Stereosystem, das zu einem gegebenen Straßenpreis von etwa 150 Euro durchaus auch passabel klingen sollte. Konkurrenz macht es dabei – ausgehend von den Abmessungen und Leistungsdaten – nicht nur Razer mit dem eigenwilligen, aber sehr soliden Mako [1], auch Teufel wird zum Duell gebeten. Dass die so vorsortierte Konkurrenz ungleich teurer ist, soll das Ergebnis dabei nicht vorweg nehmen. Im Gegenteil: Gerade weil das Logitech Z Cinéma Advanced für den Preis eines Mittelklasse-PC-Soundsystems technisch so vollendet scheint, könnte man dem Allrounder den einen oder anderen Haken verzeihen. Sollte es gar in allen Belangen überzeugen, könnte Logitech einen wahren Preis-Leistungs-Tipp im Portfolio halten.

Logitech Z Cinéma Advanced
Logitech Z Cinéma Advanced

Bis zum Fazit steht aber auch diesem Sproß der PC-Lautsprecherwelt der übliche Parcours entgegen. In diesem muss das 2.1-Soundsystem zeigen, dass auf das Technikfeuerwerk auf dem Papier ein weiteres im Hörtest folgt. Gute Vorsätze reichen hier nämlich nicht.

Vorbetrachtung

Testsystem

Alle getesteten Lautsprecher werden an eine Creative X-Fi Platinum angeschlossen; als Betriebssystem kommt Windows Vista zum Einsatz. Aufgrund der höheren Stabilität werden Youp-Pax-Treiber für die Soundkarte verwendet. Als Abspielsoftware wird auf PowerDVD 7 sowie den Windows Media Player zurückgegriffen. Equalizer-Einstellungen oder Upmix-Modi werden gänzlich deaktiviert, so nicht anders beschrieben!

Bisher getestete Lautsprechersysteme:

* Die markierten Lautsprecher standen auch für den aktuellen Test noch zur Verfügung. Auf einen direkten Vergleich mit den anderen aufgelisteten (und nicht mit einem * markierten) Lautsprechersystemen muss verzichtet werden.

Testumgebung

Beim Raum, in dem alle Tests stattgefunden haben, handelt es sich um einen etwa 25 m² großen und drei Meter hohen Raum im Dachgeschoss eines Zweifamilienhauses. Die Aufstellung der Boxen wurde entsprechend der üblichen Ausrichtung einer 5.1- beziehungsweise 2.1-Lautsprecherkombination vorgenommen. Der Subwoofer fand dabei rechts vom Hörer seinen Platz und besaß zu jeder Wand mindestens einen Meter Abstand. Die Satelliten wurden auf den Hörer ausgerichtet.

Um die Klangqualität umfangreich und nicht nur anhand einer eingeschränkten Anzahl von Quellen beurteilen zu können, kamen auch in diesem Test mehrere Stereo- und Surround-Medien aus den Bereichen Musik, Filme und PC-Spiele zum Einsatz. Einen Stammplatz in dieser Liste genießen die folgenden Tonträger:

Auflistung der verwendeten Tonträger
Film-DVDs
Film-DVDs
  • Film-DVDs
    • Krieg der Welten
    • Master and Commander
    • Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs
    • Last Samurai
    • House of the Flying Daggers
    • Mission Impossible 3
    • Matrix


Spiele-DVDs
Spiele-DVDs
  • PC-Spiele
    • World in Conflict
    • Call of Duty 2
    • Battlefield 2
    • Overlord
    • Half Life 2
    • Command & Conquer 3: Tiberium Wars
    • Crysis
    • Supreme Commander: Forged Alliance


Musik-DVDs
Musik-DVDs
  • Musik-DVDs
    • Queen – Greatest Video Hits 1 (dts 5.1, Stereo)
    • Queen – Greatest Video Hits 2 (dts 5.1, Stereo)
    • Eagles – hell freezes over (dts-5.1, DolbyDigital 5.1, Stereo)
    • Abba – 16 Hits (Dolby Digital-Tonspur – 2 Kanäle!)
    • Animusic 2 (Dolby Digital 5.1, Stereo)
      • Animusic-Beispiele können in voller Länge und in HD-Qualität von der offiziellen Internetseite [9] heruntergeladen werden!
    • Pink Floyd – Pulse (Dolby Digital 5.1, Stereo)
    • In Extremo – live 2002 (Dolby Digital 5.1, Stereo)
    • HIM – Love Metal Archives Vol. 1 (Stereo)
    • Apocalyptica – The Life Burns Tour (Dolby Digital 5.1, dts 5.1, Stereo)


Technische Daten

Der Vollständigkeit halber seien ein weiteres Mal die technischen Eckdaten des Testprobanden angeführt. Es ist zu beachten, dass diese zumeist sehr dehnbar sind und per se nicht viel über den Klangeindruck aussagen. Der persönliche Klangeindruck sollte stets entscheiden, nicht die größte Wunschzahl der Werbemaschinerie.

Technische Daten
Logitech Z
Cinéma Advanced
Teufel Motiv 2 Razer Mako
Logitech Z Cinéma Advanced
Logitech Z Cinéma Advanced
Teufel Motiv 2
Teufel Motiv 2
Razer Mako
Razer Mako
Ausgangsleistung 180 Watt RMS 200 Watt Sinus 300 Watt RMS
Kanäle 2.1
(virtuell 5.1)
2.1 2.1
Leistung
Satelliten
35 Watt RMS pro Kanal 50 Watt Sinus pro Kanal 100 Watt Sinus pro Kanal*
Leistung
Subwoofer
110 Watt RMS 100 Watt Sinus 100 Watt RMS*
Eingänge 1x USB
1x Line-In
2x Klinke
1x Stereo-Cinch
2x Klinke**
1x Stereo-Cinch
Pegelsteuerung Fernbedienung
Software
Fernbedienung
Software
via Subwoofer
Software
Kabelfernbedienung
Besonderheiten Design
Fernbedienung
SRS TruSurround HD
USB-Anschluss
Design
Fernbedienung
Design
Kabelfernbedienung
Class-HD-Verstärker
Groundslot Bauweise
Listenpreis ab rund 145 Euro [10] 299 Euro [11] ab rund 350,- Euro [12]
* Das Razer Mako besitzt streng genommen keine festgelegte Leistung für jeden Kanal. Die
eingebauten Endstufen können die bereitgestellte Leistung den gegebenen Anforderungen
(Art der Quelle, Lautstärke) anpassen.

Die Angaben beziehen sich auf den regulären Wert.
** Einer der beiden Klinkeneingänge befindet sich direkt am Controlpod. Dieser Eingang
wird immer wiedergegeben, wenn er belegt wird. Die restlichen Eingänge befinden
sich am Subwoofer.

Das Logitech Z Cinéma Advanced wird digital mit dem PC verbunden, wobei die USB-Schnittstelle zum Einsatz kommt. Diese überträgt nicht nur Audio-Signale in digitaler 24-Bit-Qualität, auch jedweder Befehl der Fernbedienung wird an den Computer weitergeleitet. Das 2.1-System wird unter Windows mit sechs Lautsprechern erkannt, was notwendig ist, damit Mehrkanalton korrekt per SRS TruSurround simuliert werden kann. Real verfügt das Lautsprechersystem aber nur über zwei getrennte Lautsprecher mit Subwoofer-Unterstützung. Die Gesamtleistung aller Lautsprecher soll bei 180 Watt RMS liegen, was selbst bei moderatem Wirkungsgrad für größere Räume genügen sollte.

Detailbetrachtung

Nicht nur der Klang eines Lautsprechersystems zählt, auch Optik, Verarbeitung und Ausstattung sollten stimmen, damit dem Klangvergnügen die optischen Reize beistehen. Auch das neue Logitech Z Cinéma Advanced muss sich in dieser Disziplin einer eingehenden Prüfung unterziehen.

Logitech Z Cinéma Advanced

Das Logitech Z Cinéma Advanced kommt mir zwei für ein PC-System recht hoch geschossenen Satelliten daher. Diese sind in aktuell oft gesehener Optik gehalten: eine mit schwarzem Klavierlack überzogene Front wird von einem Rahmen aus gebürstetem Aluminium umrandet. Im Zentrum der Satelliten befindet sich ein 76-mm-Mitteltonchassis, das an der Oberseite durch eine 25-mm-Kalotte ergänzt wird. Der vor allem für Gesang und Instrumente wichtige Mitteltöner ist somit etwas kleiner als der üblicher Teufel-Systeme der Concept- (80-mm-Mitteltöner) oder gar der Motiv-Serie (100-mm-Mitteltonchassis). Er bietet aber mehr Fläche als der des Razer Mako, das auf einen 70-mm-Mitteltonchassis setzte und dennoch überraschend viel Klang bot.

Gesamtansicht Satellit
Gesamtansicht Satellit
Rückansicht Satelliten
Rückansicht Satelliten
Größenvergelich Logitech- und Teufel-Satellit
Größenvergelich Logitech- und Teufel-Satellit
Hoch- und Mitteltöner der Satelliten
Hoch- und Mitteltöner der Satelliten
Detailansicht Satellit
Detailansicht Satellit
Verarbeitung der Kanten der Satelliten
Verarbeitung der Kanten der Satelliten
Aux-In und Kopfhörerausgang am Satelliten
Aux-In und Kopfhörerausgang am Satelliten
Befestigungsmöglichkeit der Satelliten
Befestigungsmöglichkeit der Satelliten

Die Detailverarbeitung der Satelliten ist gut, aber nicht perfekt. Am Rand steht mitunter etwas Plastik von der Rückseite des Gehäuses über – insgesamt ist hier aber auch der einzige Schwachpunkt in der Gehäusequalität zu suchen. Subwoofer, Satelliten und auch Fernbedienung geben sonst keinen Grund zum Tadel; die Verarbeitung entspricht dem gewohnt hohen Niveau von Logitech. Leider ebenfalls bekannt sind die speziellen Kabel, die ein solches PC-Komplettlautsprechersystem allzu oft verwendet: Der rechte Satellit, der auch über ein eingebautes Display sowie einen Kopfhörerausgang und einen Aux-In verfügt, wird mittels eines an ein VGA-Monitorkabel erinnernden Steckers mit dem Subwoofer verbunden. Der linke Satellit setzt hingegen auf einen Doppel-Cinch-Anschluss. Beide Kabel sind fest mit dem Korpus der Satelliten verbunden und können somit nicht ausgetauscht respektive verlängert (rechter Satellit) werden.

Bassreflex-Öffnung des Subwoofers
Bassreflex-Öffnung des Subwoofers
Gesamtansicht Subwoofer
Gesamtansicht Subwoofer
Rückseite des Subwoofers
Rückseite des Subwoofers

Der Subwoofer des aktiven Lautsprechersystems setzt auf einen langhubigen 20-cm-Treiber. Er wird digital per USB mit dem PC verbunden und umgeht somit jedwede integrierte Sound-Lösung des PCs oder Notebooks. Während dies positiv sein kann, wenn der verwendete Zuspieler ohnehin auf einen (minderwertige) Standard-Soundchip setzt, werden sehr gute PC-Soundkarte ad absurdum geführt. Auch EAX-Effekte sind auf diesem Wege beispielsweise nicht übertragbar. Dafür können aber bis zu sechs Kanäle über ein USB-Kabel an das System versendet werden. Dieses simuliert dann den Center-Lautsprecher sowie die rückwärtigen Kanäle mittels der beiden vorderen Lautsprecher. Überdies können das gesamte System sowie der PC mittels der beiliegenden Fernbedienung gesteuert werden.

Fernbedienung
Fernbedienung

Diese ist zu diesem Zweck auch üppig bestückt. Sie entspricht im Prinzip einer gängigen Fernbedienung für Windows-Media-Center-Software. Gesteuert werden kann so nicht nur das Media Center oder jede andere Abspielsoftware von Musik, Film oder Fernsehen, auch zusätzliche Funktionen des Lautsprechersystems lassen sich direkt steuern. Darunter fallen etwa die Lautstärke, die Höhen und Tiefen sowie die Intensität des simulierten Surround-Effektes. Auch kann zwischen einem angeschlossenen Kopfhörer sowie den zur Verfügung stehenden Quellen umgeschaltet werden. Dabei funktioniert jede Funktion tadellos und auf Anhieb. Voraussetzung hierfür ist eine beiliegende Software, in welcher die per Tastendruck aufgerufenen Applikationen festgelegt werden und weitere Bildschirmoptionen – etwa die Anzeige des abgespielten Titels – eingestellt werden können. Erfreulich ist vor allem, dass man mit der Fernbedienung nicht auf einen der Satelliten oder den Subwoofer zielen muss, damit das Logitech Z Cinéma Advanced auf die Eingabe reagiert. Vielmehr spricht das Lautsprechersystem quasi völlig frei auf Befehle der Fernbedienungen an, wohin man diese auch halten mag.

TruSurround HD

Mittels der TruSurround-HD-Technologie von SRS soll es möglich sein, einen räumlichen Eindruck aus zwei Lautsprechern zu zaubern. Das Feature ist dabei ein Konglomerat verschiedener Technologien, die auf ganz eigene Weise für einen Höreindruck sorgen sollen, der über einfachen Stereoton hinausgeht. Der Surround-Eindruck soll durch diese Technologie nicht durch Reflexionen beeinflusst werden, sondern durch psychoakustische Kniffe, die das Wissen um das menschliche Gehör mit einbeziehen. Im Detail sind mehrere Filter an dem Prozess beteiligt, der zu einer breiteren Stereobühne, besserer Dialogverständlichkeit, besserer Basswiedergabe und einem virtuellen Surroundeindruck führen soll. Viele dieser Features werden auf Basis von „Head Related Transfer Functions“ (HRTF) (im Deutschen Ohrsignale oder kopfbezogene Übertragungsfunktionen [13]) realisiert. Diese Funktionen beschreiben die Beeinflussung eines Tons auf dem Weg zur Ohrmuschel – inklusive aller möglichen Änderungen. Mit Hilfe entsprechender HRTF soll ein natürlicher Klangeindruck nachgebildet werden, indem Relfexionen, Laufzeitunterschiede, Pegeldiferenzen sowie Phasenverschiebungen bei der Wiedergabe bedacht werden.

SRS setzt für eine bessere Bühnenabbildung vor allem auf horizontale HRT-Funktionen. Dabei wird das Stereoquellsignal auf Pegelunterschiede im rechten und linken Kanal untersucht, um aus diesem Differenzsignal und entsprechenden HRTF eine neue Ausgabe zu generieren. Bei einer Mehrkanalquelle liegen bereits Informationen über die Richtung eines Tons vor, sodass diese nur in einem neuen Stereosignal vermischt werden müssen. Der Klangeindruck wird hierbei jedoch nur seitlich erweitert – das Ergebnis soll ein breiteres Bühnenabbild sein. Ein Surroundeindruck ergibt sich so nicht. Hierfür sind vertikale HRTF-Funktionen notwendig, die sich anderer Eigenarten des menschlichen Hörsystems bedienen.

So hängt die Richtungsbestimmung der Töne in der Medianebene von der Lautstärke der Frequenzen ab. Als Medianebene wird diejenige Ebene bezeichnet, die den Kopf von vorne gesehen in einen linken und rechten Bereich halbiert, auf der rechtes und linkes Ohr also senkrecht stehen. Die Anhebung bestimmter Frequenzbereiche wird dabei so interpretiert, als würde der Ton von vorne, oben oder hinten kommen – obwohl nur ein Lautsprecher eingesetzt wird, der sich ebenfalls in der Medianebene befindet, also beispielsweise frontal vor dem Hörer. Nicht immer kann dieser Eindruck hervorgerufen werden, in bestimmten Frequenzbereichen tritt er aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auf, weshalb das hörbare Frequenzband auch in sogenannte Blauertsche Bänder (richtungsbestimmende Frequenzbänder) eingeteilt werden kann. Eine Anhebung entsprechender Frequenzbereiche um wenige dB genügt, um den entsprechenden Ton dabei scheinbar aus einer anderen Richtung (innerhalb der Medianebene, also von vorne, oben oder hinten) ertönen zu lassen.

Darstellung der Richtungswahrnehmung bestimmter Frequenzbereiche. Die Linien bezeichnen dabei entsprechend ihrer Farben die Wahrscheinlichkeit einer Wahrnehmung von vorne, oben oder hinten. In den eingefärbten Bereichen ergibt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein entsprechender Höreindruck.
Darstellung der Richtungswahrnehmung bestimmter Frequenzbereiche. Die Linien bezeichnen dabei entsprechend ihrer Farben die Wahrscheinlichkeit einer Wahrnehmung von vorne, oben oder hinten. In den eingefärbten Bereichen ergibt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein entsprechender Höreindruck.

Dabei wird ein Lautstärkeunterschied von bis zu vier dB als weitgehend unhörbar angesehen, weshalb der Klang kaum verfärbt oder gar verfälscht wird. Für das Hörempfinden kann dies jedoch einen deutlichen Unterschied machen, da jede Wiedergabe durch den Filtereinsatz in ihrer psychoakustisch wahrgenommenen Richtung beeinflusst werden kann. Je nachdem, ob sich ein Geräusch also innerhalb eines Frequenzbandes befindet, das tendenziell eine Hörereignisrichtung von hinten impliziert, kann dieser Eindruck mit nur einem Lautsprecher hervorgerufen werden. Bei Stereolautsprechern ist dieser Effekt schwieriger zu erzielen, da hier für das Richtungsempfinden entscheidende Laufzeit- und Phasenunterschiede hinzukommen, die sich aus der unterschiedlichen Position der Lautsprecher ergeben. Im Allgemeinen wird hier nicht mehr von einer spezifischen Richtungswahrnehmung gesprochen, sondern von einem „präsenten“ oder „diffusen“ Klangeindruck. Diffus bedeutet hierbei, dass der Ton nicht direkt zugeordnet werden kann, oder aber von verschiedenen Personen als von oben oder hinten kommend beschrieben wird. Es kann prinzipiell also auch bei Stereosystemen Surroundsound simuliert werden – mit individuell abweichendem Ergebnis.

Aus dem Diagramm geht vor allem eines hervor: Will man ein diffuses Klangbild erzeugen, also eines, das mit gewisser Wahrscheinlichkeit zu einer Hörereigniswahrnehmung von hinten oder oder einem ähnlichen Eindruck führt, so ist vor allem das Frequenzband um 1.000 und ab 10.000 Hertz interessant. Für einen präsenteren Eindruck hingegen, der auch als klarere Wiedergabe aufgefasst werden kann, interessieren die Frequenzbänder um 300 und 3.000 Hertz. SRS TruSurround soll beides leisten: „SRS TruClarity“, ein Bestandteil der Technologie, soll für eine bessere Sprachverständlichkeit sorgen, was nahe legt, dass das entsprechende Frequenzband zwischen etwa 200 Hz und 5.000 Hz angehoben wird. Das wiederum führt aber zu einem Problem, da hierbei gleich drei Blauertsche Bänder angeschnitten weren, die unterschiedliche psychoakustische Effekte erzeugen. Soll nur die Lokalisation verbessert werden, empfiehlt sich also eine frequenzabhängige Anhebung bei etwa 300 Hertz und 3.000 Hertz. Hierbei würden Teile der Stimmenwiedergabe präsenter wirken. Zusätzliche Lautstärke bei Frequenzen um 1.000 Hertz würde hingegen zu einem diffuseren Eindruck führen. Für virtuelle Surroundeffekte bleiben daher nur jene Frequenzen oberhalb von 10.000 Hertz, also der Hochtonbereich. Theoretisch sollte sich also vor allem bei dessen Wiedergabe ein räumlicher, diffuser Eindruck ergeben.

Für einen besseren Basseindruck soll hingegen „SRS TruBass“ sorgen, eine Technik, die sich einen anderen Kniff zu Eigen macht. So besteht eine Note aus mehreren Tönen mit unterschiedlichen Frequenzen. Für das Bassempfinden wichtig sind dabei vor allem die tiefen Frequenzen. Psychoakustisch nachgewiesen ist jedoch, dass das menschliche Gehirn auch bei fehlender tiefer Frequenz dazu neigt, den Ton unverfälscht – also auch mit tieftonalem Anteil – zu hören (Prinzip der „missing fundamental“). Die gezielte, selektive Wiedergabe harmonischer Vielfacher einer bestimmten Frequenz kann unser Gehirn daher dazu verleiten, einen tieferen Ton zu hören, als er eigentlich wiedergegeben wird. Der Basseindruck verbessert sich, wobei auch das nicht auf jeden Hörer zutrifft. Jeder Mensch ist nämlich unterschiedlich anfällig für diesen akustischen Kniff, ebenso wie die Richtung gemäß der Blauertschen Bänder auch nur mit gewissen Wahrscheinlichkeiten wahrgenommen wird.

Logitech Z Cinema Advanced
Logitech Z Cinema Advanced

All' diese Effekte wirken bei SRS TruSurround HD zusammen, wobei der Surround-Eindruck insofern angepasst werden kann, als dass per Software ein Equalizer für Höhen, Tiefen und den simulierten Surround-Effekt bereitsteht. Die Mitte und die Intensität des Surround-Effektes können dabei jedoch nur dann angepasst werden, wenn als Quelle ein Mehrkanalmedium abgespielt wird. Prinzipiell ist SRS TruSurround HD zwar auch mit Stereoquellen zuschaltbar, hierbei stehen die entsprechenden Regler jedoch nicht zur Verfügung.

Das Ergebnis all' dieser Filter und Kniffe wirkt auf jeden Hörer unterschiedlich. Generell kann – je nach Abstimmung – eine Klangverfälschung auftreten, die von Person zu Person unterschiedlich beurteilt wird. Man sollte deshalb nicht mit der Erwartungshaltung an das Logitech-System herantreten, wirklichen Mehrkanalsound aus sechs oder mehr Lautsprechern ersetzen zu können. Es ist eine Option, die gefallen kann – aber nicht muss.

Klangeindrücke

Abermals sollen in diesem Test die persönlichen Eindrücke vom Klangcharakter des getesteten Soundsystems vermittelt werden. Dass dies niemals zu einhundert Prozent objektiv geschehen kann, sei vorweg gestellt; der geschilderte Klangeindruck spiegelt schließlich die Meinung des Testers wider. Er sollte nur als Empfehlung angesehen werden. Vorteilhaft ist es darüber hinaus in jedem Fall, sich die Lautsprecher stets selbst anzuhören, um ihren Klang mit den persönlichen Vorlieben abzugleichen.

Da jedoch nicht jeder die Zeit, das Geld oder die Muße hat, sich jedes interessante System selbst anzuhören, sollen in folgender Beurteilung auch Vergleiche mit bereits getesteten Boxensystemen, allen voran dem Teufel Motiv 2 sowie dem Razer Mako, gezogen werden. Jene Konkurrenzsysteme sind deutlich teurer als Logitechs Z Cinéma Advanced, was diesem jedoch zum Vorteil gereichen kann, wenn es eine solide Leistung im Hörraum abliefert.

Musik

Die Beurteilung der musikalischen Qualitäten des Logitech Z Cinéma Advanced ist gleich doppelt interessant: Zum einen interessieren die Standardqualitäten im – man möchte sagen – biederen Stereomodus. Das System soll hier ganz ohne Equalizer zeigen, was es kann. Zum anderen ist auch die Umsetzung der „SRS TruSurround HD“-Technologie wichtig genug, um sie ebenfalls durch den gleichen Parcours zu jagen. Theoretisch kann das 2.1-System daher doppelt Punkte absahnen – oder ebenso oft scheitern.

Praktisch ist beides nicht der Fall. So ergibt sich ohne SRS TruSurround HD ein recht solides Bild. Je nach gewählter Musikrichtung pendelt sich das 2.1-System zwischen noch gutem und sehr gutem Klang, bezogen auf die Preisklasse, ein. Vor allem eher unkritische Techno-Beats sind es, die von dem Subwoofer erstaunlich druckvoll wiedergegeben werden. Auch die Satelliten fallen hierbei nicht fernab vom Stamm, sodass sich ein stimmiges und solides Gesamtbild ergibt. Der erreichbare Pegel genügt übrigens vollends, mittelgroße Wohnräume zu beschallen.

Bei einem Querschnitt durch die Musikwelt ergibt sich hingegen das besagte, eher gemischte Bild: So fehlt dem Logitech Z Cinéma Advanced bei Johnny Cashs „God's Gonna Cut You Down“ die Tiefenstaffelung eines Motiv 2, überdies vermisst man Kraft und Volumen in der Stimme des bekannten Sängers. Das markante Klatschen und Aufstampfen in dem Song wirkt ebenfalls etwas kraftlos, wobei der Vergleich mit dem mehr als doppelt so teuren Teufeln per Definition unfair ist. Verglichen mit dem etwas teureren 5.1-System Concept E Magnum PE fallen die Unterschiede weniger stark aus. Überhaupt: Schon bei The Connells zeigt sich ein ganz anderes Bild: „'74 – '75“ macht auf dem Logitech-System Spaß, was aber vor allem daran liegen mag, dass der Gesang gleich eine gefühlte Oktave höher angesiedelt ist als noch bei Johnny Cash, womit die zwei Satelliten deutlich entspannter klarzukommen scheinen.

Der Subwoofer des Systems schwankt auf ähnliche Weise zwischen wohl dosiert und etwas zu aufmümpfig. Das ist aber vergleichsweise leicht mittels der beiliegenden Software kompensierbar. Erstaunlich ist eher, dass mitunter auch die Höhen angepasst werden müssen – und zwar nach oben. Ab und an klingt das Stereosystem nämlich einen Tick zu dumpf, was dem allgemeinen Trend widerspricht, Sub-Sat-Systeme eher per Badewannen-Equalizer im Hoch- und Tieftonbereich aufzublähen. Auch hier hilft ein beherzter Griff zur Software.

Diese muss ebenfalls bemüht werden, will man musikalisch auch bei zugeschaltetem virtuellen Surround-Effekt einen Blumentopf gewinnen. Während nämlich die psychoakustisch erzeugten Rear-Effekte noch durchaus wünschenswert sind, ist es die Dynamikabschwächung sicherlich keinesfalls mehr. Dabei scheint jede Komponente des Systems an Kraft zu verlieren: Der Subwoofer muss befeuert werden, um eine ähnliche Präsenz zu zeigen wie im reinen Stereomodus und die Satelliten wollen fortan auch nichts mehr von einem Mitteltonbereich wissen. Gesang wirkt wie aus der Bahnhoflautsprecheranlage – jede Charakterstimme verkommt leider zu einem älterlichen Hauchen. Der Hochtonbereich wirkt völlig übertrieben und fast zischend. Zwar war eine gleichgerichtete Entwicklung aufgrund des Prinzips des virtuellen Surround-Tons mittels Lautstärkeanpassung innerhalb des Hochtonbereichs (siehe Blauertsche Bänder) zu vermuten, das Ergebnis erscheint dennoch übertrieben – zumindest in der Standardeinstellung.

Die beiliegende Software kann das Kind zwar nicht mehr aus dem Brunnen holen, diesen aber gerade noch so gekonnt abdecken, dass man das Übel am Grund nicht erblicken – pardon, anhören – muss. Warum auch der Subwoofer seine Stärke versteckt, ist nicht ganz klar. „SRS TruBass“ scheint dem Tieftonexperten nicht sonderlich zu schmecken – per Software-Equalizer muss er um mindestens drei Stufen erhöht werden, um überhaupt ein solides Ergebnis abzuliefern.

Dass bei all' den Abstrichen das Endergebnis dann doch nicht mit echtem Mehrkanalton vergleichbar ist, sollte einleuchten. Es ist aber auch nicht von der Hand zu weisen, dass ein ums andere Mal eben doch ein sich vermeintlich seitlich vom oder hinter dem Hörer befindender Ton ertönt. Dass dies begeistern kann, soll nicht ausgeschlossen werden – und überhaupt handelt es sich ja um ein Feature und keine Vorgabe.

Filme und Spiele

Bei Film- und Spieleton ergibt sich ein ähnliches Bild: Im Stereomodus sind die Leistungen des Logitech Z Cinéma Advanced mehr als solide. Der Subwoofer ist trotz des vergleichsweise moderaten Chassis potent genug, die allermeisten Situationen tieftonal zu untermalen und die Satelliten spielen klar, ausgeglichen, aber nicht überragend auf. Mitunter gelingt die Ankopplung der Satelliten an den Subwoofer nicht ganz, sodass sich ein etwas hakeliger Übergang ergibt. Die Pegelreserven genügen auch einem gehobenen Heimkinoanspruch.

Bei Mehrkanalquellen fällt abermals ein brauchbarer Surround-Eindruck auf, der aber zu Lasten der Dynamik geht. Die gröbsten – aber nicht alle – Schnitzer kann man hier mit der Software ausbügeln, wobei der Surround-Level minimiert werden muss, was die TruSurround-Funktion in letzter Konsequenz in Frage stellt.

Fazit

Das Logitech Z Cinéma Advanced greift einen interessanten Ansatz auf und setzt diesen solide um. Das System kommt ohne eine im PC integrierte Soundkarte aus und bietet einen deutlich ausgewachseneren Funktionsumfang als viele andere Lautsprechersysteme. Hierbei gefällt vor allem das moderne Design, der gute Stereoklang sowie die exzellente Fernbedienung, die in jeder Höhen- und Schräglage jeden Befehl weiterleitet. Dass hierbei nicht nur das Soundsystem selbst, sondern auch der PC steuerbar ist, zeichnet das Logitech-System besonders aus. Wer ein Lautsprechersystem für den Wohnzimmer-PC sucht, das bezüglich Optik, Verarbeitung, Klang und Ausstattung auch dorthin passt, der könnte mit dem Z Cinéma Advanced den Wunschkandidaten gefunden haben.

Leider funktioniert dann aber doch nicht alles so einfach, wie die Installation des Soundsystems und dessen Steuerung mit der Fernbedienung. Die „SRS TruSurround HD“-Funktion verspricht auf dem Papier, eine sinnvolle Erweiterung für ein Stereo-Soundsystem zu sein. Tatsächlich funktioniert das Ganze allerdings nicht ohne Dynamikeinbußen, die so deutlich sind, dass sie auch einem Laien sofort auffallen. Damit ist zwar nicht ausgeschlossen, dass der effektiv schwächere Klang durch die zusätzlichen Surround-Effekte kompensiert wird, von einer Ideallösung ist man aber weit entfernt. Hier kann nur im Individualfall Zufriedenheit mit dem Gebotenen vorausgesetzt werden.

Logitech Z Cinéma Advanced
Logitech Z Cinéma Advanced

Insgesamt gehört das Logitech Z Cinéma Advanced damit weder zu den besten Stereosystemen, noch ersetzt es in etwa gleich teure Mehrkanalsysteme. Es fasziniert jedoch durch den wohl einzigartigen Mix, was als Daseinsberechtigung mehr als ausreicht.

Schlussbemerkung

Wir sind uns völlig darüber im Klaren, dass ohne hochwertige Messtechnik und schalloptimierte Räumlichkeiten, wie die großen Audio-Zeitschriften-Labore sie besitzen, keine absolut objektiven, messtechnisch optimierten Tests durchgeführt werden können, bilden uns aber ein, ein halbwegs geschultes Gehör zu besitzen, um ebenfalls aussagekräftig testen zu können. Unser Soundcheck soll dem geneigten PC-Audio-Freak dabei helfen, ein für Ihn geeignetes Lautsprecher-System zu finden und in dazu einladen, eine kleine Reise in die große Welt der audiophilen Genüsse zu unternehmen. Nicht mehr und nicht weniger.

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/multimedia/2008/test_razer_mako/
  2. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/multimedia/2008/test_teufel_motiv_5/#abschnitt_einleitung
  3. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/multimedia/2008/test_razer_mako/#abschnitt_einleitung
  4. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/multimedia/2008/test_teufel_concept_f/
  5. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/multimedia/2008/test_logitech_g51/
  6. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/multimedia/2007/test_teufel_motiv_2/
  7. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/multimedia/2007/test_teufel_cem_pe_logitech_z-5450_digital/3/#abschnitt_logitech_z%205450_digital
  8. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/multimedia/2007/test_teufel_cem_pe_logitech_z-5450_digital/4/#abschnitt_teufel_concept_e_magnum_pe
  9. http://animusic.com/downloads.html
  10. http://www.computerbase.de/preisvergleich/a298694.html
  11. http://www.teufel.de/de/iTeufel/Motiv-2.cfm
  12. http://www.computerbase.de/preisvergleich/a284213.html
  13. http://de.wikipedia.org/wiki/Ohrsignal
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