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Test: Gamerheadsets im Vergleich (Teil 1)

von Jirko Alex

Einleitung

Wenn es um guten Klang beim PC-Spielen geht, dann klingen Vielen die Namen bekannter Lautsprecherschmieden im Kopf. Dabei sind es nicht unbedingt die Lautsprechersysteme, die einen Vollblutspieler akustisch aufputschen, sondern Headsets, die nicht nur den Vorteil eines integrierten Mikrofons mitbringen. Die Kombination aus Kopfhörer und Mikrofon bietet darüber hinaus weitere Pluspunkte, die sich spätestens auf einer zünftigen LAN-Party bemerkbar machen: So beschallt der Träger in aller Regel nur sich selbst und das in einer zumeist besseren Qualität als mit günstigen Lautsprechern. Zudem bieten viele Geräte eine zusätzliche Dämpfung der Außengeräusche oder Features wie eine Vibrationsfunktion zur Bassuntermalung. Auch die Transportabilität eines Headsets ist weit größer als die eines Mehrkanalsoundsystems. Auf Rundumklang muss deswegen aber niemand verzichten, denn auch diesen gibt es in mehreren Variationen für den Kopf. Neben reinen Stereo-Headsets geben sich mittlerweile neben 5.1- auch 7.1-Surround-Headsets die Klinke in die Hand. Letztere versuchen durch eine geschickte Software-Emulation oder tatsächlich mehreren Chassis in den Ohrmuscheln eine glaubhafte Mehrkanalkulisse aufzubauen.

Übersicht Teil 1
Übersicht Teil 1

Die sprichwörtliche Qual der Wahl wird durch dieses enorme Angebot allerdings nicht leichter. Viele Headsets scheinen die Bedürfnisse der Spielerschaft bedienen zu können. Tatsächlich greifen einige Modelle gar auf gleiche Technikbaukästen zurück. Dennoch gibt es auch sehr deutliche Unterschiede zwischen den zahlreichen am Markt verfügbaren Headsets. Aus diesem Grunde haben wir uns zwei Hände voll Headsets geschnappt und genauer belauscht, was diese können und was sie nicht leisten. Um dabei in gewohnter Ausführlichkeit über die Testprobanden berichten zu können, sollen die ausgewählten Headsets in drei einzelnen Tests abgehandelt werden. Den Anfang machen dabei Vertreter aus dem Hause Logitech, Razer, Steelseries und eDimensional. Die zwei weiteren Headset-Tests mit abschließendem Gesamtüberblick erscheinen in den kommenden Wochen.

Testsystem

Die Headsets werden – sofern möglich – über Miniklinken- oder Klinken-Stecker mit einer Creative X-Fi Platinum verbunden oder aber per USB-Stecker an den PC angeschlossen. Auf die sich jeweils ergebenden Besonderheiten wird im entsprechenden Abschnitt zur Gerätebeschreibung hingewiesen. In aller Regel wird auf jedwede klangbeeinflussende Maßnahme beim Test verzichtet. Insbesondere Creatives CMSS-Funktionen oder Equalizer-Einstellungen sind deaktiviert, sofern nicht anders beschrieben. In der Geräteeinstellung der Creative-Konsole ist das angeschlossene Gerät als Kopfhörer deklariert.

Für den Test der Stereo- und Surround-Fähigkeiten der Headsets werden verschiedene PC-Spiele sowie Musik- und Film-DVDs genutzt. Als Abspielsoftware für die DVDs dient PowerDVD Ultra.

Technische Daten

Obwohl im ersten Teil des Headset-Tests nur vier Probanden genauer beleuchtet werden, sollen die anderen Vergleichskandidaten der späteren Teile an dieser Stelle bereits Erwähnung finden. Ihre technischen Daten sind im Klapptext enthalten und können so leicht mit den Geräten von Logitech, Razer, Steelseries und eDimensional verglichen werden.

Technische Daten der Headsets
Produktbild Bezeichnung Kanäle Frequenzgang Pegelsteuerung Anschlüsse Besonderheiten Preis
eDimensional AudioFX Pro 5.1
eDimensional AudioFX Pro 5.1
eDimensional
AudioFX Pro 5.1
5.1* 20Hz - 20.000Hz Soundkarte
USB-Fernbedienung
2x Miniklinke
USB
Force Feedback

LEDs in den
Ohrmuscheln
rund 60 Euro [1]
Loitech G35
Loitech G35
Logitech G35 7.1* 20Hz - 20.000Hz Soundkarte
Ohrmuschel
USB Stimmenverzerrung

Steuerelemente an
der Ohrmuschel
rund 87 Euro [2]
Raer Megalodon
Raer Megalodon
Razer Megalodon
7.1 Surround
7.1* 20Hz - 20.000Hz Soundkarte
USB-Fernbedienung
USB rund 138 Euro [3]
Steelseries 5H V2
Steelseries 5H V2
SteelSeries Gaming
Headset 5H V2 USB
7.1* 16Hz - 28.000Hz Soundkarte 2x Miniklinke
USB
rund 69 Euro [4]
*Bei diesen Surround-Headsets handelt es sich eigentlich um Stereo-Headsets, also solche mit nur zwei Chassis. Der Surroundeindruck wird über
die Software oder die USB-Soundkarte erzeugt.
+ Headsets zukünftiger Tests
Technische Daten der Headsets
Produktbild Bezeichnung Kanäle Frequenzgang Pegelsteuerung Anschlüsse Besonderheiten Preis
QPAD QH-1339
QPAD QH-1339
QPAD QH-1339 2.0 5Hz - 30.000Hz Soundkarte
USB-Konverter
2x Miniklinke
USB
rund 290 Euro [5]
Saitek Cyborg 5.1
Saitek Cyborg 5.1
Saitek Cyborg 5.1 5.1 keine Angaben Soundkarte
USB-Fernbedienung
2x Miniklinke
USB
rund 45 Euro [6]
Sennheiser PC161
Sennheiser PC161
Sennheiser PC161 2.0 15Hz - 23.000Hz Soundkarte 2x Miniklinke rund 60 Euro [7]
Sennheiser PC166 USB
Sennheiser PC166 USB
Sennheiser
PC166 USB
2.0 15Hz - 23.000Hz Sounkarte
USB-Fernbedienung
2x Miniklinke
USB
rund 80 Euro [8]
Sennheiser PC350
Sennheiser PC350
Sennheiser PC350 2.0 10Hz - 26.000Hz Soundkarte 2x Miniklinke
USB
rund 103 Euro [9]
Tritton
Tritton
Tritton AX Pro -
Dolby Digital 5.1
5.1 20Hz - 20.000Hz Soundkarte
Kabelfernbedienung
4x Miniklinke
SPDIF In

3x Miniklinke
(Ausgang)
mehrere Anschluss-
möglichkeiten

Mehrkanalausgang
noch nicht
verfügbar
*Bei diesen Surround-Headsets handelt es sich eigentlich um Stereo-Headsets, also solche mit nur zwei Chassis. Der Surroundeindruck wird über
die Software oder die USB-Soundkarte, sofern diese Teil der Ausstattung ist, erzeugt. Tatsächlich verfügen nur die Headsets von Tritton und von
Saitek über sechs Treiber in den Ohrmuscheln, die den Ton tatsächlich aus verschiedenen Richtungen abstrahlen.

Bei einem Blick über das Testfeld ergeben sich einige erstaunliche Dinge. So handelt es sich zwar dem Namen oder der Produktbeschreibung nach bei allen in diesem Test behandelten Headsets um Mehrkanalgeräte. Tatsächlich arbeiten sie alle jedoch mit Tricks. „Echte“ 5.1-Headsets entdeckt man erst im Klapptext in Form der Tritton- und Saitek-Produkte. Diese besitzen tatsächlich mehrere Chassis pro Ohrmuschel, um Mehrkanalsignale auch wirklich über verschiedene kleine Lautsprecher wiedergeben zu können. Bei diesen Modellen kommt der Ton also auch wirklich aus der entsprechenden Richtung, wenngleich der Abstand innerhalb der Ohrmuschel nur gering ist. Alle anderen Headsets bringen zumeist eine USB-Soundkarte mit sich. Diese berechnet aus den eingespeisten Signalen über Head Related Transfer Functions (HRTF) [10] eine Ausgabe, die den Hörer glauben lässt, der Ton käme aus Richtungen, die über einen Stereoeindruck hinaus gehen. Ähnlich agiert auch Creatives CMSS-3D Headphone, sodass man dies etwa mit einer X-Fi und einem beliebigen Stereo-Headset ebenfalls simulieren kann. Ob diese technischen Unterschiede im Endeffekt zu hörbaren Differenzen führen, steht damit an dieser Stelle jedoch noch nicht fest. Dies soll erst der Hörtest klären.

Bei dem hiesigen Testfeld, bestehend aus dem eDimensional AudioFX Pro 5.1, dem Logitech G35, dem Steelseries 5H V2 USB und dem Razer Megalodon, gibt es nicht ganz zufällig einige Überschneidungen, die genauer beleuchtet werden sollen. Diese vier Headsets sind nicht nur genau jene, die zu den oben erwähnten „unechten“ Mehrkanalgeräten gehören. Sie alle werden auch über USB angeschlossen – wenngleich im Falle der Produkte von eDimensional und Steelseries auch nur optional – und ihr Preis verhält sich quasi reziprok zu ihren Features. Das günstigste Headset mit einem schon recht ansehnlichen Preis von rund 60 Euro bietet nämlich nicht nur hörbare, sondern auch fühlbare und sichtbare Features. Auch das Steelseries-Produkt punktet mit ausfahrbarem Mikrofon und zerlegbarem Kopfhörer – also sehr handfesten Dingen. Beim Logitech G35, dem Mittelfeld dieses Tests in Personalunion, werden „nur“ noch eine eigenwillige Art der Steuerungsmöglichkeit sowie Software-Features geboten und das Razer-Headset als teuerstes Produkt im Test bietet nach Willen des Herstellers zwar die ausgefeilteste Technik, kann sich auf dem Papier aber kaum durch klangvolle Features absetzen. Ein Lehrbeispiel über den Trugschluss, dem man dank Werbetexterei gerne aufsitzt oder ein Sinnbild des Preisaufschlages für einen Markennamen? Die nächsten Seiten sollen auch diesen Gedanken nachgehen.

Detailbetrachtung

eDimensional AudioFX Pro 5.1

Das eDimensional AudioFX Pro 5.1 schimpft sich Mehrkanal-Headset, ist es aber – wie die anderen Probanden dieses Tests – eigentlich nicht. Im Grunde handelt es sich bei diesem Headset um ein reines Stereo-Headset mit jeweils einem 50-mm-Treiber in jeder Ohrmuschel. Der Surroundeindruck wird über die integrierte Soundkarte sowie die entsprechende Software erzeugt. Dies ist prinzipiell mit jedem Stereo-Kopfhörer möglich, sofern die Soundkarte entsprechende Funktionen aufweist. Eine X-Fi kann derartiges auch. Dass das eDimensional AudioFX Pro 5.1 jedoch kein natives Mehrkanal-Headset ist, muss auch kein Nachteil sein. Durch die größeren Chassis ist es prinzipiell leichter, Bass- und Mitteltonbereiche akkurat wiederzugeben. Bei einem Headset mit mehreren Chassis pro Ohrmuschel fallen diese natürlich kleiner aus, was der Wiedergabe per se nicht entgegen kommt. Zudem kann eine gute Surround-Emulation durchaus verblüffende Effekte erzeugen, sodass an dieser Stelle kein Vorab-Urteil gefällt werden soll.

Während auch die weiteren Headsets im Testfeld auf ähnliche Weise für Mehrkanalwiedergabe stehen wollen, hat das eDimensional-Gerät eine besondere Eigenschaft: Es besitzt eine Force-Feedback-Funktion, die bei Bass-Passagen einsetzt und den Kopfhörer vibrieren lässt. Dies soll den Bass-Eindruck verstärken und ihn so dem eines ausgewachsenen Lautsprechersystems angleichen. Statt des Hosenbeinflackerns schlackern also die Ohren, untermalt von zwei LED-Reihen auf der Außenseite der Ohrmuschel. Diese zeigen durch unterschiedlich zahlreiches LED-Leuchten an, wie stark der Bass und der damit verbundene Virbationseffekt ist. Als Hörer hat man davon natürlich nichts. Und wen die Vibration stört, der kann sie auch ausschalten. Darüber hinaus lässt sie sich in zwei Intensitätsstufen einstellen.

Optisch und haptisch hält sich die Faszination über das Headset hingegen in Grenzen. Der erste Eindruck des eDimensional AudioFX Pro 5.1 ist dabei durchaus gut und elegant, was sich vor allem durch die Wildlederoptik an den Ohrmuscheln und dem Kopfbügel ergibt. Auf den zweiten Blick sieht man jedoch, dass es sich (verschmerzbar) nur um ein Lederimitat handelt, das wiederum über eine recht simple Plastikkonstruktion gezogen wurde. Die Ohrmuscheln wirken zwar robust, aber nicht gerade wertig. Auch der Bügel wird nur durch ein billiges Y-Stück, das einseitig hohl ist, mit den Ohrmuscheln verbunden. Die Qualitätsanmutung wird auch mit dem Blick auf das Mikrofon sowie die Steuereinheit am Kabel nicht besser. Überall dominieren Plastikformen, die sich kaum unter einer Schicht Lack verbergen lassen. Damit steht das eDimensional-Headset zwar nicht alleine auf weiter Flur, dennoch gibt es aber Konkurrenzprodukte, die auch aus Kunststoff bestehen und dennoch hochwertiger verarbeitet wirken. Dass es zudem durchaus auch Headsets mit Stahlkomponenten gibt, kommt dem hiesigen Eindruck nicht unbeding entgegen. Selbst für einen Preis von etwa 60 Euro ist das zu wenig.

Logitech G35

Das Logitech G35 kann ausschließlich über USB mit dem PC verbunden werden. Bei anderen Probanden setzen die Hersteller oft auf eine Kombination aus Miniklinken-Stecker und optionaler USB-Soundkarte oder einem USB-Konverter. Im Falle des Logitech-Headsets kann man sich die Anschaffung einer Soundkarte also sparen, da man sie ohnehin umgeht, wenn man das Produkt nutzt. Das ist auch deshalb notwendig, weil Logitech dem Headset eine recht umfangreiche Software beilegt, mit der man etwa die Stimme verzerren kann.

Anders als bei allen anderen Headsets des Testfeldes sind bei Logitech sämtliche Steuerelemente sowohl für das Mikrofon als auch für die Kopfhörer auf der Außenseite der linken Ohrmuschel angebracht. In direkter Nähe befindet sich auch das ausklappbare Mikrofon, das auf den ersten Blick recht starr wirkt, tatsächlich aber einige elastische Fähigkeiten aufweist und sich so biegen und auch um die eigene Achse drehen lässt. Ebenfalls auf der linken Seite findet das USB-Kabel einen Anschluss an das Headset. Das Kabel selbst wird dabei von einer sehr soliden Stoffhülle geschützt, die wesentlich elastischer ist als ein üblicher Kabelüberzug. Das ist aber auch notwendig, da das Kabel fest mit dem Headset verbunden ist und im Schadensfall nicht einfach ausgetauscht werden kann.

Das Headset wirkt insgesamt sehr solide verarbeitet und ist mit einer robusten, gummiähnlichen Oberfläche überzogen. Weder das Ausziehen des Kopfbügels noch das Ausklappen des Mikrofons offenbart allzu schwache Komponenten. Auch die Stoffbespannungen mit Kunstleder sind sehr akkurat und größtenteils gleichmäßig. Einzig die Polsterung des Kopfbügels sieht wellig aus, was daran liegt, dass das Kopfpolster nicht am Rand des Kopfbügels befestigt wurde sondern weiter mittig. Es ergibt sich daher ein kleiner Spalt zwischen der Polsterung und dem Träger. Angesichts der Preisklasse ist der Gesamteindruck aber durchaus zufriedenstellend und dem des eDimenional AudioFX Pro 5.1 bereits deutlich überlegen.

Razer Megalodon 7.1 Surround

Das Razer Megalodon 7.1 Surround ist das mit Abstand teuerste Headset dieses Vergleichstests, wenngleich es unter den in späteren Teilen des Headset-Tests behandelten Kandidaten noch kostenintensivere Probanden geben wird. Der Preisunterschied zu Logitech, Steelseries und eDimensional ergibt sich allerdings bereits haptisch. Das Razer-Headset besteht zum Teil aus Metall, das sich etwa bei der Gitterverstrebung der beiden Ohrmuscheln sowie dem Kopfbügel zeigt. Gleichzeitig wirkt das Razer Megalodon 7.1 Surround auch filigraner als die Konkurrenz.

Die Verarbeitung des Headsets ist somit durchweg gut bis sehr gut. Das beginnt bereits bei den akkurat mit den Ohrmuscheln verbundenen Polstern sowie der Kopfpolsterung am Bügel. In beiden Fällen sind keine ungleichmäßigen Maße zwischen der Stoffpolsterung und den Kunststoffelementen auszumachen. Auch bei Materialwechseln, etwa zwischen der Kunststoffschale der Ohrmuscheln und dem feinmaschigen Metallgitter, ergeben sich keine Ungleichmäßigkeiten. Die Lackierung der Komponenten ist durchweg gleichmäßig und stets satt und tief. Das ist vor allem bei Klavierlack, der auch bei Razer zum Einsatz kommt, wichtig, da bei diesem Unregelmäßigkeiten schnell auffallen würden. Gleichzeitig wurde auf den großflächigen Einsatz der spiegelnden Oberfläche aber verzichtet. Weder der Kopfbügel noch das Gros der Ohrmuscheln glänzen in Schwarz, was dem Headset allgemein zugute kommt.

Abermals lobenswert ist, dass das Headset-Kabel einen Stoffmantel besitzt und dadurch sehr flexibel ist. Auch die Verbindung der Ohrmuscheln untereinander geschieht teilweise über frei liegende und ebenfalls stoffummantelte Kabel. Dies ist insbesondere deswegen notwendig, da die Ohrmuscheln selbst nur an zwei dünnen Metallstreben mit dem Kopfbügel verbunden werden. Eine Signalübertragung findet über diese Streben nicht statt, sodass dieser Weg durch Kabel überbrückt werden muss. Auch die Kabelfernbedienung wirkt sehr robust, ist technisch aber nicht ganz so elegant wie andere Razer-Produkte. So handelt es sich bei der Steuereinheit nicht um eine berührungsempfindliche Oberfläche sondern tatsächlich um einen gerasterten Drehregler, der allerdings sehr flach ausfällt. Es ist so nicht immer leicht möglich, die Lautstärke über den Drehregler zu variieren, da dieser gerne unter der Fingerkuppe wegrutscht. Ein deutlich herausstehender Regler wäre wohl die einfachere, wenngleich optisch nicht gleichwertige Alternative gewesen. Hinsichtlich der Verarbeitung gibt es auch bei der Kabelfernbedienung aber kaum Grund zum Tadel. Einzig der Klavierlack wirkt wenig durchdacht, sieht man die Fingerabdrücke so doch besonders gut auf der Steuerungseinheit.

Steelseries 5H V2 USB

Bei dem Steelseries 5H V2 USB handelt es sich um ein weiteres Headset, das den Mehrkanalton nur simuliert. Steelseries bedient sich dabei sehr einfacher Mittel und paart das hauseigene 5H V2 mit einem USB-Adapter, der im neuen Paket dann für virtuellen 7.1-Sound sorgen soll. Technische Unterschiede gibt es darüber hinaus keine zwischen den beiden Geräten. Hier entscheidet weitgehend der Wille des Benutzers, ob das Headset an eine Soundkarte angeschlossen werden soll, oder über die universale Schnittstelle Anschluss findet. Preislich schlägt sich diese Entscheidung mit einer Differenz von etwa 10 Euro nieder. Das Steelseries 5H V2 [11] kostet etwa 59, das Steelseries 5H V2 USB [12] etwa 69 Euro. Damit rangieren beide Produkte noch am unteren Rand der Preisspanne, die wir in diesem Teil der Artikelserie gewählt haben.

Anders als das eDimensional AudioFX Pro 5.1 wirkt das Steelseries-Headset aber nicht nur auf dem ersten Blick solide. Es besticht vielmehr durch eine auch im Detail sehr solide Verarbeitungsqualität. Das beginnt bei dem sehr sauber eingelassenen Kopfpolster und der ebenso akkurat befestigten Velourpolsterung an jeder Ohrmuscheln und endet beim sehr sauber geformten Gehäuse. Dieses besteht aus Kunststoff und wurde im Falle unseres Testobjektes anthrazit lackiert. Qualitativ ist das kein Quantensprung, angesichts der Preisklasse gibt es aber nichts zu meckern. Im Gegenteil: Im direkten Vergleich mit dem eDimensional AudioFX Pro 5.1 dominiert das Steelseries-Headset sogar überdeutlich. Neben der sehr guten Haptik sorgen auch einige pfiffige Details dafür, dass das Steelseries 5H V2 USB selbst etwas teureren Produkten nahe kommt.

Zu diesen pfiffigen Details gehört etwa, dass der Mikrofonarm komplett in der linken Ohrmuschel versenkbar ist. Komplett eingefahren sieht man nur noch die Mikrofonkapsel selbst, die dann in einer speziellen Nische der Ohrmuschel Platz findet. Dieses Feature hat den positiven Nebeneffekt, dass der Mikrofonarm sehr elastisch sein muss. Er ist in der Tat derart formbar, dass quasi jeder Wunsch nach Ergonomie mit ihm erfüllt werden kann. Ebenfalls sehr positiv fällt die Stoffummantelung des Kopfhörerkabels auf, die ebenso wie bei anderen Headsets mit dieser Eigenschaft für eine einfachere Handhabung des Kabels sorgt. Einfach ist auch der Transport des Headsets. Es lässt sich nämlich in drei Teile zerlegen: jeweils eine linke und rechte Ohrmuschel sowie den Kopfbügel. Trotz dieser Eigenschaft wirkt es im zusammengebauten Zustand nicht klapprig. In Relation zur Preisklasse ist die Verarbeitung sehr gut.

Software oder Windowssteuerung

Die umfangreichsten Steuerungsmöglichkeiten der drei Testprobanden bietet das Logitech G35. Dessen Software muss allerdings auch erst aus dem Internet herunter geladen werden, was automatisch innerhalb einer Installationsroutine geschieht, die startet, wenn man die beigelegte CD einlegt. Die Konfigurationssoftware des Logitech-Headsets erlaubt dann die Belegung der drei programmierbaren G-Tasten. Jeder Taste kann sowohl eine Anwendung als auch eine zugehörige Aktion zugewiesen werden. Hierbei stehen gängige Audio-Player (von Winamp über iTunes bis zu DVD-Abspielsoftware) zur Auswahl. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, zwei spezielle Headset-Features auf die G-Tasten zu legen. Hierzu gehören die Stimmenverzerrung sowie allgemeine Toneinstellungen wie die Bass-, Treble- oder Mikrofonlautstärke. Die drei Tastenbelegungen können in verschiedenen Profilen gespeichert werden, die allerdings nicht über das Headset sondern nur über die Software ausgewählt werden können.

Software zum Logitech G35
Software zum Logitech G35

Software zum Logitech G35
Software zum Logitech G35
Software zum Logitech G35

In einem weiteren Teilbereich des Logitech-Konfigurationsfensters gibt es eine Pegelsteuerung, die auch die Höhen- und Bass-Regelung dediziert zulässt. Die Lautstärke kann auch über einen Regler in der Ohrmuschel des Headsets angepasst werden, der Rest ist allerdings weitgehend nur in der Software konfigurierbar. Dazu zählt auch die Mikrofonlautstärke. Das Mikrofon kann allerdings über eine spezielle Taste in der Ohrmuschel stumm geschaltet werden, wobei in der Software festgelegt wird, ob und wie dieser Zustand durch eine LED im Mikrofonarm signalisiert wird.

Im dritten Konfigurationsbereich kann man die Art der Stimmenverzerrung festlegen, sofern diese gewünscht wird. Zur Auswahl stehen etwa eine Alien-, Cyborg- oder Troll-Stimme. Dabei muss die Stimmlage der eigenen Stimme festgelegt werden. Bei einer männlichen Stimme sollte daher die Vorauswahl „tief“ oder „sehr tief“ gewählt werden, damit die verzerrte Stimme nicht zu hoch oder zu tief wiedergegeben wird. Man kann sich seine Ansagen selbst anhören, damit die Einstellung überprüft werden kann.

Das große Dolby-Headphone-Logo ist hingegen nur noch eine reine Anzeige, die aufleuchtet, wenn man das Logitech G35 per Wählschalter in den Surround-Modus gebracht hat. Einen Surroundeffekt wird man allerdings auch dann erst hören, wenn das Quellmaterial ebenfalls über mehr als zwei dedizierte Kanäle verfügt. Ist dies der Fall, steht der Zeitpunkt der letzten Surroundsound-Wiedergabe inklusive Datum und Uhrzeit in der Logitech-Software.

Software des eDimensional-Headsets
Software des eDimensional-Headsets
Software des eDimensional-Headsets

Software des eDimensional-Headsets
Software des eDimensional-Headsets

Das eDimensional AudioFX Pro 5.1 sowie das Steelseries 5H V2 USB werden als CMedia-USB-Kopfhörer erkannt. Sie setzen beide auf eine Standardsoftware für CMedia-Geräte. Diese bietet neben diversen Equalizer-Effekten für die Tonwiedergabe und das Mikrofon auch die Möglichkeit, eine virtuelle Mehrkanalausgabe aus dem Quellmaterial zu erzeugen. Wirklich schön ist die Software nicht anzusehen, zumal sie nicht auf die Headsets zugeschnitten ist. Gerade das eDimensional-Produkt bietet mit Funktionen wie der LED-Beleuchtung oder der Bass-Vibrationsfunktion Spielraum für weitere Software-Optionen. Auf der anderen Seite werden recht umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten geboten, die es so etwa bei Logitechs Software nicht gibt.

Windowssteuerung für das Razer Megalodon 7.1 Surround
Windowssteuerung für das Razer Megalodon 7.1 Surround
Windowssteuerung für das Razer Megalodon 7.1 Surround

Noch weniger personalisierte Software wird bei Razer geboten, nämlich gar keine. Das Headset wird einfach nur mit dem PC verbunden und dort automatisch als „Razer Megalodon“ erkannt. Die Konfiguration ist daher auch nur über die Windows-Mittel möglich. Immerhin wird das Headset korrekt als 7.1-Headset erkannt. Zwar stehen zumindest unter Windows Vista einge Funktionen wie die Bassverwaltung, die Lautsprecherauffüllung oder eine Raumkorrektur zur Verfügung. Diese Erweiterungen sind allerdings auf die Verwendung mit einem Lautsprechersystem ausgelegt, weshalb sie bei einem Headset nichts bringen. Die Steuerung des Razer Megalodon erfolgt daher quasi ausschließlich über die Fernbedienung, die aus diesem Grunde auch mehr als nur Basis-Features bietet.

Tragekomfort

Der Tragekomfort von Headsets ist ein sehr wichtiges Kriterium bei der Entscheidung. Man könnte meinen, da entsprechende Produkte bereits seit Jahren verfügbar sind, würden die hier getesteten Probanden durchweg keine Schwächen aufweisen. Dem ist aber nicht so. So erfüllen sowohl das eDimensional AudioFX Pro 5.1 als auch das Steelseries 5H V2 USB noch am ehesten die Hauptkriterien. Sie bieten nicht nur auf dem Papier ohrumschließende Ohrmuscheln, sondern auch in der Realität; kein Polster liegt etwa auf den Ohrläppchen auf. Gleichzeitig lässt sich der Kopfbügel so einstellen, dass er den Kopf tatsächlich auch berührt, ohne dabei auf einen Punkt zu drücken. Das eDimensional AudioX Pro 5.1 ist insgesamt relativ leicht, was das Tragen angenehmer macht. Der Anpressdruck der Ohrmuscheln ist gut. Sie drücken nicht zu sehr und sitzen auch nicht locker. Allerdings merkt man dem Headset die Materialauswahl beim Auf- und Absetzen an. Es quittiert jede Strukturbelastung mit wahrnehmbarem Knarzen und Knacken. Das Steelseries-Headset kennt derlei Attitüden nicht. Trotz eines etwas höheren Gewichts sitzt das Headset sehr angenehm auf dem Kopf; auch der Anpressdruck stimmt. Hier fühlt man sich schnell wohl.

Von knarzigem Plastik ist beim Logitech G35 und beim Razer Megalodon 7.1 Surround nichts zu hören. Beide Headsets besitzen jedoch Nachteile bei den Kopfbügeln, wenn auch unterschiedlicher Art. Beim Razer-Headset besteht das Problem darin, dass der Kopfbügel selbst bei kleinster Einstellung keinen Kontakt zum Kopf hat, weshalb das Headset nur durch den aufgebauten Druck anliegt. Das mag kein Nachteil sein, wenn man es ohnehin so handhaben will. Wer jedoch ein Verrutschen in jedem Fall vermeiden will, wird sich sein Headset sicherlich gerne so einstellen wollen, dass es auch an mindestens drei Punkten am Kopf anliegt. Hinzu kommt, dass die Ohrmuscheln zwar oval geformt sind, dabei aber relativ rund ausfallen, sodass es passieren kann, dass sie nicht alle „Ohrtypen“ komplett umschließen. Teilweise lag die Polsterung auf den Ohrläppchen auf, was nicht direkt unangenehm war, aber besser geht. Dennoch stimmt der Anpressdruck auch auf Dauer.

Das Problem des Logitech G35 liegt – wie erwähnt – ebenfalls beim Kopfbügel. Dieser berührt den Kopf zwar, allerdings nur an einem sehr kleinen Fleck. Da der Bügel relativ gerade gebogen ist, kann es auch nicht anders sein. Besser wäre ein runderer Bügel, der die Last und den Druck gleichmäßiger auf den Schopf verteilt. Je nach gewählter Größe des Logitech G35 kann der Druck bereits beim Aufsetzen stören. Prinzipiell reicht es auch, den Kopfhörer so weit einzustellen, dass nur die Ohrmuscheln anliegen und durch Druck halten. Wer es anders aber lieber hat, muss fummeln und wird kaum einen gleichmäßigen Druck über den Kopf einstellen können. Die Größe und Form der Ohrmuscheln ist allerdings gut und der Anpressdruck insgesamt gut dosierbar.

Klangeindrücke

In diesem Test sollen die persönlichen Eindrücke vom Klangcharakter der getesteten Headsets vermittelt werden. Dass dies niemals zu einhundert Prozent objektiv geschehen kann, sei vorweg gestellt; der geschilderte Klangeindruck spiegelt schließlich die Meinung des Testers wider. Für eine möglichst umfangreiche Beurteilung, die auch das Ziel – den PC-Spieler – nicht aus den Augen verliert, wurde vor allem mit den PC-Spielen „Counterstrike“, „Battlefield 2142“, „Risen“ und „Pro Evolution Soccer 2010“ getestet. Hinzu kommen mehrere Filmtitel und Musikstücke, die im Einzelnen erwähnt werden.

eDimensional AudioFX Pro 5.1

Das eDimensional AudioFX 5.1 klingt relativ kräftig. Es besitzt einen recht guten Oberbassbereich, der mit dem notwendigen Druck zu Werke schreitet und sowohl Musik, Filmen als auch Spielen einen scheinbar satten Klang verleiht. Tatsächlich fehlt es dem Kopfhörer aber an hochwertigem Tiefbass. Weithin fällt das nicht auf, wenn man allerdings tatsächlich Musik oder Filme hat (Spiele leben oft auch vom effektvollen Oberbass), die Tiefbass benötigen, macht sich dieser Mangel bemerkbar. Er ist aber noch vertretbar. Etwas darüber hinweg tröstet die gute und relativ ausgewogene restliche Wiedergabe. Sowohl im Stereo-Modus als auch im simulierten Mehrkanalmodus bleibt das Headset auf einem klanglich guten Level. Es ist nicht so, dass bei einem Umschalten zwischen den Modi die komplette Klangcharakteristik verändert wird und das Material zwar dreidimensionaler, dafür aber auch hallend und blecherner klingt. Das Headset schafft hier einen recht guten Spagat. Stereoquellen werden nicht deutlich verzerrt, erhalten aber auch keine wirklich Raumaufwertung. Erst mit nativem Mehrkanalquellmaterial hört es sich etwas räumlicher an.

Der 5.1-Eindruck ist allerdings nur mittelmäßig. Er beschränkt sich im Wesentlichen darauf, dass rückwärtige Effekte eher etwas zwischen den Ohrmuscheln versetzt, aber immer noch auf der richtigen Seite, wahrgenommen werden. Wirklich rückwärtig hört man nichts. Auch die Front-Kanäle sind sehr seitenlastig und können sich nicht vor einem aufbauen. Da aber keine wirklichen Verschlimmbesserungen gegenüber der reinen Stereodarstellung festzustellen sind, ist der Modus immerhin nicht lästig.

Das Mikrofon hinterlässt einen sehr guten Eindruck. Die Stimmen wirken authentisch, es gibt keine Verzögerung und kein Rauschen.

Logitech G35

Beim Logitech G35 gefällt ebenfalls der kräftige, aber nicht ab Werk überbetonte Bass. Er reicht etwas tiefer als der des eDimensional AudioFX Pro 5.1 und erscheint auch eine Kontur knackiger. Schnell fällt auch der sehr detaillierte Hochtonbereich auf, der allerdings dem Mitteltonbereich deutlich überlegen ist. Langfristig ergibt sich daher ein relativ spitzer Eindruck. In Spielen – speziell Egoshootern, in denen es auf Klangdetails ankommt – mag das genau richtig sein. Bei Musik und Filmen kann langfristig aber genau diese Badewannenabstimmung stören. Interessanterweise ändert sich das Klangbild bei hinzugeschaltetem Dolby-Digital-Modus leicht zum Besseren. Der Bass wirkt noch eine Kontur knackiger – ist dabei aber auch präsenter – und die Wiedergabe fällt allgemein kräftiger aus. Auch hier gibt es gegenüber dem Stereo-Modus also keine Nachteile, sodass man das Headset wohl in den allermeisten Fällen im Surround-Modus belassen kann.

Der Surround-Eindruck ist dabei allerdings nicht perfekt und auf einem ähnlichen Level wie der des eDimensional AudioFX Pro 5.1. Dafür brilliert das Logitech G35 vor allem in Spielen durch einen hohen Detailreichtum. Auch der kräftige Bass dürfte Spielern gefallen. Mit einem echten Mehrkanalsystem ist der Raumklang aber nicht zu vergleichen. Dafür entsteht zuviel des Klangs im Kopf. Statt hinter einem wähnt man einen Großteil des Tons an der Rückseite des Headsets und damit noch im eigenen Kopf. Mindestens genauso gut klappt es mit einer X-Fi und CMSS.

Wesentlich mehr könnte man von dem Mikrofon des Logitech G35 erwarten. Auch mit deaktivierter Stimmenverzerrung wirken Aufnahmen sehr hoch und dadurch kraftlos und schwach. Das geht besser.

Razer Megalodon 7.1 Surround

Das Razer Megalodon 7.1 Surround bietet einen sehr ausgewogenen Klang im Stereo-Modus. Weder zu spitze Höhen noch ein dominanter Bass beherrschen das Klangbild per se. Von Letzterem könnte man sich aber auch etwas mehr erwarten. Verglichen mit dem Logitech G35 und dem eDimensional AudioFX Pro 5.1 bietet das Razer nämlich den zurückhaltensten Bass. Dies mag ein Stück weit der vergleichsweise neutralen Abstimmung geschuldet werden, für effektvolle Spiele hilft aber auch ein Nachregeln an der Kabelfernbedienung nicht viel, wenn man denn wirklich mehr Bass will. In der Regel sollte er aber ausreichen.

Anders als bei den anderen Headsets gilt, dass man beim Razer Megalodon 7.1 Surround sehr wohl auswählen sollte, welcher Art die Quelle ist. Bei nativen Mehrkanalmedien kann die 7.1-Soundsimulation auf dem Kopfhörer gut sein, bei Stereoquellen ist sie es in der Regel nicht. Der Bass dröhnt dann nämlich deutlich und alles wird mit einem störenden Blechklang überzogen. Da der Wechsel zwischen den Modi per Kabelfernbedienung geschieht, ist das verschmerzbar. Allerdings offenbart sich so ein Stück weit auch, dass selbst Surround-Material nicht mehr so natürlich klingt wie das Headset im Stereo-Modus. Der Raumklangeindruck ist zwar vergleichsweise gut (wohl der beste im Vergleich mit den anderen beiden Headsets), aber der Klangcharakter an sich ist nur noch mittelmäßig. Letztendlich ist es ein Kompromiss, eine Entscheidung also, die vom Spieler abhängt.

Das Mikrofon des Razer Megalodon 7.1 Surround ist in Ordnung. Es klingt nicht völlig glaubwürdig sondern etwas belegt, genügt aber in jedem Fall für eine gute Sprachverständlichkeit.

Steelseries 5H V2 USB

Steelseries verspricht beim 5H V2 USB [13] ein speziell auf Spiele abgestimmte akustische Wiedergabe. Diese soll es ermöglichen, Details wie Schritte oder das Nachladen von Waffen besser zu orten. Man könnte hierbei vermuten, dass dies einfach durch eine simple Anhebung der Höhendarstellung geschehen soll. Gleichwohl dürfte viele Spieler auch ein kräftiger – womöglich auch zu kräftiger – Bass erfreuen, sodass am Ende eine einwandfreie Badenwannen-Einstellung beim Equalizer provoziert wird. Erstaunlicherweise ist dem aber nicht so. Das Steelseries 5H V2 USB produziert ein sehr homogenes Klangbild im Rahmen seiner Möglichkeiten. Der Bass ist nicht übermäßig dominant, wenngleich vielleicht einen Tick zu präsent, und die Höhen klirren auch nicht derart hervor, dass es außerhalb von Egoshootern eine Qual ist, das Headset zu tragen. Eine leichte Höhenbetonung ist zwar herauszuhören, diese verschiebt den Gesamteindruck allerdings nur ins Analytische, keinesfalls ins Kreischende.

Verglichen mit den drei weiteren Protagonisten dieses Testfeldes serviert Steelseries das wohl ausgeglichenste Hörerlebnis. Steigerungen sind beim maximalen Tiefgang möglich, es wird aber auch dort eine solide Performance abgeliefert. Auch der Mitteltonbereich überzeugt mit einer guten Präsenz und Dynamik. Angesichts des Preises kann man hier nur Lob aussprechen. Das gilt auch für das Mikrofon, das eine sehr authentische Stimmenaufzeichnung erlaubt und weder am oberen noch am unteren Ende der Stimmenwiedergabe abfällt. Ähnlich wie beim eDimensional AudioFX Pro 5.1 vermögen die virtuell erzeugten Surroundeffekte allerdings nicht sonderlich zu überzeugen. Hier und da gibt es mit etwas gutem Willen einen räumlichen Klangeindruck, ein Kaufargument ist das aber nicht. Wer eine Soundkarte mit guter Mehrkanalsimulation besitzt, kann mit dieser meist mehr aus einem Stereokopfhörer herausholen.

Fazit

Das Logitech G35, das Razer Megalodon 7.1 Surround, das Steelseries 5H V2 USB und das eDimensional AudioFX Pro 5.1 haben eine gemeinsame Aufgabe, unterscheiden sich davon einmal abgesehen aber erstaunlich stark. Während die Headsets von eDimensional und Steelseries eher in einem erträglichen, wenn auch nicht übermäßig günstigen Preisrahmen rangieren, buhlen Logitech und Razer eher um zahlungskräftigere Kundschaft. Es stellte in diesem Tests daher die Frage, wie viel Gegenwert man bei jedem Hersteller bekommt. In der Summe kann man am Ende des Test nun sagen, dass man das nicht am Preis ablesen kann.

So bietet das Razer Megalodon 7.1 Surround zwar eine dem Preis angemessene Verarbeitungsqualität, allerdings keine überragende Ausstattung und die Kernkompetenz – die Audiowiedergabe und -aufnahme – gibt es auch für weniger Geld schon in ähnlicher Qualität. Der Surroundeindruck ist zwar gut, geht aber auf Kosten der Klangcharakteristik. Auch das Mikrofon ist kein Spitzenreiter unter Seinesgleichen. Für einen Preis von fast 140 Euro ist das zu wenig.

Razer Megalodon 7.1 Surround
Positive Eigenschaften
  • sehr gute Verarbeitung
  • umfangreiche Kabelfernbedienung
  • neutrales Klangbild im Stereo-Modus
  • gutes Mikrofon
  • guter Surroundeindruck
Negative Eigenschaften
  • Ohrmuscheln könnten größer sein
  • Surroundeindruck gut, aber klangverfälschend
  • relativ teuer
  • keine dedizierte Software


Preislich attraktiver könnte das eDimensional AudioFX Pro 5.1 sein. Es bietet einen guten Klang und auch das Mikrofon liefert sehr gute Ergebnisse ab. Der Surroundeindruck ist zumindest solide. Eigentlich ein guter Kauf für einen angemessenen Preis, wäre da nicht die billige Verarbeitungsqualität, die mit dem ersten Eindruck nicht viel gemein hat. Das Headset ist im Wesentlichen eine Plastiklandschaft, die sich nicht nur so anfühlt sondern auch so aussieht. Davon können auch die blinkenden LEDs und der Force-Feedback-Modus nicht ablenken. Ob man diese Features überhaupt braucht, sei einmal dahin gestellt. Vermutlich hätte dem Headset etwas mehr Verarbeitungsqualität und weniger Show gut gestanden. So ist es den Preis eher nicht wert, weil man sich der Haltbarkeit auf Dauer nicht sicher sein kann.

eDimensional AudioFX Pro 5.1
Positive Eigenschaften
  • kräftiger Klang
  • gutes Mikrofon
  • Force-Feedback und LEDs
Negative Eigenschaften
  • schlechte Verarbeitungsqualität
  • Surroundeindruck wenig glaubwürdig
  • nur Standardsoftware


Die Verarbeitung des Logitech G35 ist hingegen tadellos. Aufgrund des gummierten Kunststoffgehäuses kommt zwar kein Hochgefühl auf. Was man allerdings anfässt, droht auch nicht kaputt zu gehen. Das Headset bietet darüber hinaus einen hohen Detailgrad bei der Wiedergabe, den wohl spielertypischsten Bass und gute Funktionen, die über die etwas ungewöhnliche Steuerung abgerufen werden können. Das Mikrofon ist hingegen keine Offenbarung. Man möchte fast meinen, der Stimmenverzerrer solle im Wesentlichen darüber hinwegtäuschen. Auch ist das Headset für Musik etwas zu mitteltonschwach und wirkt vor allem dort sehr analytisch. Auf Dauer ist das störend. Für einen Preis von etwa 85 Euro stimmt das Gesamtpaket allerdings weitestgehend.

Logitech G35
Positive Eigenschaften
  • gute Verarbeitungsqualität
  • Ohrmuscheln ohrumschließend
  • kräftiger Bass
  • detaillierte Höhen
  • solider Surroundeindruck
  • umfangreiche, spezielle Software
Negative Eigenschaften
  • etwas mitteltonschwach
  • Kopfbügel passt sich der Kopfform kaum an
  • Mikrofon vergleichsweise steif
  • Mikrofonqualität nur mittelmäßig


Beinahe in allen Punkten tadellos agiert das Steelseries 5H V2 USB. Neben einer guten Bass- und Höhenwiedergabe wird auch der Mitteltonbereich nicht vernachlässigt. Zudem gibt es eine gute Verarbeitungsqualität inklusive vernünftig dimensionierter und exzellent gepolsterter Ohrmuscheln zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Pfiffige Features wie das einfahrbare Mikrofon und der zerlegbare Kopfhörer runden das Paket ab. Es wäre wohl ideal, wenn nicht der Aufdruck „virtueller 7.1-Surroundsound“ mehr verspräche als geliefert wird. Mit echtem Surroundsound hat das nämlich nichts zu tun. Praktisch tut es daher auch das Steelseries 5H V2 ohne USB-Soundkarte, sofern man denn nicht über die USB-Schnittstelle einen minderwertigen Onboardsound umgehen will. Oft findet man heutzutage allerdings durchaus hochwertige Soundchips in Desktop-PCs und Notebooks, sodass man sich die 10 Euro Aufschlag für das USB-Headset oft sparen kann.

Steelseries 5H V2 USB
Positive Eigenschaften
  • gute Verarbeitung
  • Kopfhörer ist in drei Teile zerlegbar
  • Mikrofonarm lässt sich komplett einfahren
  • Ohrmuscheln umschließen das Ohr
  • sehr homogener Klang
  • gutes Mikrofon
  • vergleichsweise geringer Preis
Negative Eigenschaften
  • Surroundeindruck ist nur spärlich vorhanden


Letztendlich demonstrieren die vier Testkandidaten vielerlei: Nicht immer erhält man für das meiste Geld auch das beste Produkt, denn das ist das Razer Megalodon nicht. Mitunter stimmt es aber, dass man lieber etwas mehr ausgeben sollte als die längste Feature-Liste für den kleinsten Geldbeutel zu kaufen. Auch das eDimensional-Headset ist nicht vollends empfehlenswert. Eine solide Mitte – wenngleich nicht frei von Tadel – findet lediglich Steelseries. Für alle Probanden gilt außerdem, dass der Surroundeindruck keinen Wow-Effekt erzeugen kann. Wer eine X-Fi besitzt und CMSS nutzt, wird zumeist bessere Ergebnisse geliefert bekommen. Andernfalls genügt auch ein detailreiches Stereo-Headset.

Für einen Award reicht es am Ende bei keinem der vier Probanden. Doch Teil 2 unserer Gamerheadset-Test-Serie wird nicht lange auf sich warten lassen.

Schlussbemerkung

Wir sind uns völlig darüber im Klaren, dass ohne hochwertige Messtechnik und schalloptimierte Räumlichkeiten, wie die großen Audio-Zeitschriften-Labore sie besitzen, keine absolut objektiven, messtechnisch optimierten Tests durchgeführt werden können, bilden uns aber ein, ein halbwegs geschultes Gehör zu besitzen, um ebenfalls aussagekräftig testen zu können. Unser Soundcheck soll dem geneigten PC-Audio-Freak dabei helfen, ein für ihn geeignetes Headset zu finden und ihn dazu einladen, eine kleine Reise in die große Welt der audiophilen Genüsse zu unternehmen. Nicht mehr und nicht weniger.

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