Einleitung
Der Name Scythe steht gewöhnlich für so ziemlich alles, was vor allem mit der Kühlung verschiedenster PC-Komponenten zu tun hat. Hier und heute wollen wir uns jedoch eines Exoten im Produktportfolio des Herstellers annehmen – einer Kombination aus winzigem Digitalverstärker und zwei passiven PC-Lautsprechern. Das getestete Bundle ist so noch nicht erhältlich, soll aber bereits im Laufe des Augusts den Handel für dann insgesamt unter 100 Euro erreichen. Dass das konzeptionell ungewöhnliche Gespann dabei in einer selbst geschaffenen Nische hockt, ist mindestens ebenso interessant wie der Preis, der je nach Leistungsfähigkeit des Scythe-Bündels überaus attraktiv sein kann.
Scythe bietet dabei mit dem Kama BayAMP [1] bereits seit einigen Monaten den Vorgänger zumindest eines Teils des heute vorgestellten Testsetups an: Einen handlichen Digitalverstärker, der für den Betrieb kompakter Lautsprecher ausreichen soll und bei Bedarf sogar in einem 5,25"-Schacht im PC-Gehäuse verbaut werden kann. Der nun getestete „Kama BayAMP Kro“ bietet einige Verbesserungen und wird zusammen mit den ebenfalls getesteten KroCraft Speakern in wenigen Wochen verfügbar sein. Das Paket aus beiden Teilen soll dabei unter 100 Euro kosten, womit bei einem aktuell gegebenen Marktpreis des Kama BayAMPs von etwas über 40 Euro nur etwa 50 Euro des Gesamtpreises für das passive Lautsprecherpaar übrig bleiben.
Interessanter aber als der monetäre Wert des Scythe-Bündels ist der Gegenwert, den man in Form akustischer Qualitäten geboten bekommt. Hier betritt der Kühler- und Gehäusespezialist Neuland. Umso erstaunlicher ist der selbst gewählte Eintritt in die Welt der PC-Lautsprecher zu werten: Statt eines von vielen vollaktiven PC-Systemen anzubieten, setzt Scythe auf passive Lautsprecher, die an jedwedem Verstärker betrieben werden können, sowie auf einen Digitalverstärker, der auch mit anderen als den hier gezeigten Lautsprechern umgehen kann. Mit einer derartigen Lösung steht der Hersteller – obwohl er einen insgesamt gut besetzten Markt betritt – relativ allein auf weiter Flur. Ob dieses Alleinstellungsmerkmal etwas nützt, ist damit natürlich noch nicht gesagt. Dies gilt es auf den folgenden Seiten zu klären.
Vorbetrachtung
Testsystem
Die Kombination aus Kama BayAMP Kro und KroCraft Speakern wird üblicherweise über die Stereo-Cinch-Eingänge und ein Y-Kabel mit dem Klinkenausgang der Soundkarte verbunden. Auch in diesem Test kam diese Anschlussart zum Einsatz, wobei einmal mehr eine Creative X-Fi Platinum Verwendung fand. Prinzipiell kann natürlich jeder analoge Zuspieler über Adapter mit dem Digitalverstärker verbunden werden. Dieser bietet allerdings weder mehrere noch digitale Eingänge.
Beim Hörtest wurde auf Equalizer-Einstellungen, Upmix-Modi und andere Zusatzprogramme verzichtet, um eine vergleichbare Plattform für alle Lautsprecher zu schaffen.
Bisher getestete Lautsprechersysteme:
- Edifier S530D [2]
- Edifier S330D [1]
- ESI nEar 08 eXperience [3]
- ESI nEar 05 eXperience [2]
- ESI nEar 04 [2]
- Nubert nuBox 311 [4]
- Edifier S2000 [5]
- Teufel Concept E 400 [6]
- Edifier S550 [7]
- Edifier S730 [8]
- Creative GigaWorks T3 [9]
- Creative GigaWorks T20 Series II [8]
- Creative GigaWorks T40 Series II [8]
- Logitech Z Cinéma Advanced [10]
- Teufel Motiv 5 [11]
- Razer Mako [12]
- Teufel Concept F [13]
- Logitech G51 [14]
- Teufel Motiv 2 [15]
- Logitech Z-5450 Digital [16]
- Teufel Concept E Magnum Power Edition [17]
Testumgebung
Beim Raum, in dem alle Tests stattgefunden haben, handelt es sich um einen etwa 25 m² großen und drei Meter hohen Raum im Dachgeschoss eines Zweifamilienhauses. Die Aufstellung der Boxen wurde entsprechend der üblichen Ausrichtung vorgenommen.
Um die Klangqualität umfangreich und nicht nur anhand einer eingeschränkten Anzahl von Quellen beurteilen zu können, kamen auch in diesem Test mehrere Stereo- und Surround-Medien aus den Bereichen Musik, Filme und PC-Spiele zum Einsatz. Neben den im Folgenden aufgelisteten Quellen werden auch Blu-ray-Disks und MP3-Dateien verschiedener Qualität verwendet. Auf eine Auflistung aller verwendeten Titel wird aus Platzgründen verzichtet.
Detailbetrachtung
Nicht nur der Klang eines Lautsprechersystems zählt, auch Optik, Verarbeitung und Ausstattung sollten stimmen, damit dem Klangvergnügen die optischen Reize beistehen. Auch das hier getestete Lautsprechersystem von Scythe muss sich einer genaueren optischen Überprüfung hingeben, wobei in diesem konkreten Fall sowohl der Verstärker als auch die passiven Lautsprecher untersucht werden.
Scythe BayAMP Kro
Scythes Kama BayAMP Kro genannter Digitalverstärker fällt überaus kompakt aus, weshalb er bedingt durch seine Höhe und Breite sogar in einem Laufwerksschacht für optische Laufwerke montiert werden kann. In puncto Gehäusetiefe unterbietet er gängige DVD- oder Blu-ray-Laufwerke sogar deutlich, weshalb er insgesamt eher an eine 5,25"-Lüftersteuerung erinnert. Nichtsdestotrotz liefert die verbaute Elektronik zwei Mal zehn Watt an Verstärkerleistung und das mit minimaler Verlustleistung und damit Abwärme – dem Class-D-Verstärker sei Dank. Dem Einbau des Kama BayAMPs Kro im PC-Gehäuse steht damit sowohl aus mechanischer als auch aus thermischer Sicht nichts im Wege.
Zu diesem Zweck können die durchaus hochwertig anmutenden Standfüße (die sich von denen des ersten Kama BayAMP unterscheiden) sowie die Seitenteile abmontiert werden. Diese verleihen dem Verstärker bei externem Einsatz ein stimmigeres Gesamtbild und lassen ihn auch optisch wie eine geschrumpfte, dennoch aber vollwertige Verstärkereinheit wirken. Statt des externen Netzteils kann man den Kama BayAMP Kro beim Verbauen im PC-Gehäuse auch direkt mit dem PC-Netzteil verbinden, weshalb ein Adapter für den Anschluss an eine vierpoligen Stromstecker beiliegt. Dies ist aber nicht unbedingt zu empfehlen, da so auch einige Störgeräusche bei der Audio-Wiedergabe auftreten können, etwa bei der Aktivität der internen Festplatten. Besser – und ebenfalls mit beiliegenden Mitteln möglich – ist der Anschluss des externen Netzteils über eine Slotblende, die das externe Netzteilkabel nach innen verlängert.
Seine Audiodaten bezieht der Digitalverstärker dabei weiterhin über die zwei Cinch-Eingänge, weshalb er mit den außenliegenden Klinkenanschlüssen der Soundkarte verbunden werden muss. Zu diesem Zweck – und auch, um die Lautsprecherkabel nach außen zu führen – liegt dem Verstärker eine weitere Slotblende bei.
Überaus interessant ist bei der gegebenen Möglichkeiten, den Kama BayAMP Kro auch im PC-Gehäuse zu verbauen, die Tatsache, dass er dennoch durch eine verblüffende Materialqualität besticht. Das Aluminiumgehäuse ist sehr gut verarbeitet und wirkt der Preisklasse entwachsen. Dieser Eindruck ergibt sich vor allem auch aufgrund der verbauten Schraubanschlüsse auf der Rückseite des Verstärkers sowie der vergoldeten Cinch-Eingänge. Dem tut es auch keinen Abbruch, dass die Seitenteile, die an das Gehäuse geschraubt werden, wenn dieses nicht in den PC-Tower eingebaut werden soll, nur aus Plastik bestehen.



Im Lieferumfang des Scythe Kama BayAMPs Kro sind zudem alle benötigten Kabel enthalten. Neben dem externen Netzteil sowie dem Adapter für den Stromanschluss bei interner Verbauung finden sich daher auch zwei jeweils zwei Meter lange Lautsprecherkabel sowie ein Klinke-auf-Cinch- und ein Cinch-auf-Cinch-Anschlusskabel im Paket wieder.
Scythe KroCraft Speaker
Die neuen KroCraft Speaker fanden sich bisher noch in keiner Form im Handel wieder. Scythe bietet mit ihnen alsbald in Kombination mit dem Kama BayAMP Kro ein vollwertiges PC-Lautsprechersystem an. Die zwei passiven Lautsprecher setzen dabei auf ein solides MDF-Gehäuse, das, vor allem bedingt durch eine nicht unerhebliche Tiefe, nicht gerade klein ausfällt. Als Chassis kommen dabei jeweils ein 10-cm-Tiefmitteltontreiber sowie ein 25-mm-Hochtonchassis zum Einsatz. Der Tiefmitteltöner wurde dabei in einem hellen Braunton eingefärbt, was dem sonst sehr schlichten Gehäuse einen gewissen Touch verleiht. Darüber hinaus handelt es sich allerdings um einen monotonen Block, der einzig durch eine zusätzliche Kante auf der rechten und linken Seite der Front auffällt.
Die Einpassung der Chassis und die gesamte Oberflächenqualität sind dennoch gut, wenngleich hier auch keine optischen Raffinessen zur besonderen Verarbeitungsqualität verpflichten. Die Fassung der Chassis erfolgt jedenfalls so, dass sie bündig mit dem Gehäuse abschließen und sich keine ungleichmäßigen Spaltmaße ergeben. Auch auf der Rückseite des Gehäuses gibt es diesbezüglich nichts zu meckern – und auch nichts zu entdecken. Besonders sind hierbei allerdings erneut die Schraubklemmen, die für einen qualitativ recht hochwertigen Kontakt auch zu dickeren Lautsprecherkabeln (deren Sinn allerdings in Frage stünde) sorgen. Im oberen Bereich der Rückseite befindet sich zudem ein Luftschlitz, der für die Beatmung des Gehäuses zuständig ist und als Eingang für den Bass-Reflex-Kanal fungiert, der die Tieftonwiedergabe der KroCraft Speaker verbessern soll.







Leider findet sich auf der Rückseite keine Befestigungsmöglichkeit für eine Wand- oder Ständermontage, weshalb die KroCraft Speaker zumeist auf dem Schreibtisch Platz finden dürften. Strittig dürfte auch das Fehlen jedweder Abdeckung für die Vorderseite sein. Diese wurde wohl dem Farbakzent des Tiefmitteltontreibers geopfert, der bei aufgesteckter Abdeckung nicht mehr zu sehen wäre. Ein Schutz der Chassis ist so aber nicht gewährleistet.
Insgesamt gibt es jedoch wenig Grund zur Klage. Es wird nicht viel geboten, das Wenige, das bleibt, dafür aber in grundsolider Qualität. Insbesondere fallen dabei die doch recht stattlichen Abmaße des MDF-Gehäuses sowie die Schraubverschlüsse für die Lautsprecherkabel positiv auf.
Technische Daten
Scythes Kama BayAMP Kro sowie die KroCraft Speaker bestechen nicht nur optisch durch einen wertigen Gesamteindruck. Im Inneren des Kama BayAMP Ko arbeitet Digitalverstärkerelektronik von Yamaha [18], die als gute Basis für Scythe genügen dürfte. Auch die passiven Lautsprecher machen mit Blick auf die technischen Daten nicht nur optisch einen soliden Eindruck. So überrascht der doch recht umfangreiche Frequenzgang, den die KroCraft Speaker laut Datenblatt stemmen können sollen. Scythe macht dabei allerdings keine Angaben zur Linearität, weshalb vor allem die untere Grenzfrequenz im Verdacht steht, nur mit deutlichen Pegeleinbußen realisiert werden zu können. Diese Vermutung soll jedoch im Hörtest überprüft werden.
| Kama BayAMP Kro | KroCraft Speaker | |||
|---|---|---|---|---|
| Abmaße | 152 x 41 x 113 mm (B x H x T) | Abmaße | 145 x 210 x 249 mm (B x H x T) | |
| Audio-Eingänge | 1x Stereo-Cinch | Anschlüsse | je 2x Schraubverschlüsse | |
| Audio-Ausgänge | 2x Lautsprecher 1x Kopfhörer |
Treiberbestückung | 25-mm-Hochtöner 100-mm-Tiefmitteltontreiber |
|
| Ausgangsleistung | 2x 10 Watt | max. Belastbarkeit | 2x 20 Watt | |
| Rauschabstand | 103 dB (Lautsprecher) 95 dB (Kopfhörer) |
Widerstand | 8 Ohm | |
| Frequenzgang | 58 Hz bis 20 kHz | |||
Auffälligkeiten
Die große Besonderheit des Kama BayAMP Kro wurde bereits beschrieben und liegt in der Möglichkeit begründet, den Digitalverstärker auch in ein PC-Gehäuse einbauen zu können. Interessant ist hingegen eine andere Eigenheit des Verstärkers, die auch in der beiliegenden Installationsanleitung erwähnt wird. Demnach ist es abhängig von den eingesetzten Lautsprechern nicht immer möglich, die Lautstärke komplett über den Drehregler herunterzuregeln. Diese Eigenschaft ist allerdings verschmerzbar, da Scythe zu diesem Zweck auch eine Stumm-Taste an der Vorderseite angebracht hat, die ihren Dienst immer verrichten können soll.
In Kombination mit den KroCraft Speakern konnte die Lautstärke darüber hinaus auch stets mit dem Drehregler komplett heruntergeregelt werden, sodass dieser Eigenschaft des Kama BayAMP Kro im Speziellen wie im Allgemeinen nicht zu viel beigemessen werden sollte.
Stromverbrauch
Da es sich beim Kama BayAMP Kro um einen Digitalverstärker handelt, der im Gegensatz zu den oft bei vollaktiven Lautsprechern verwendeten Klasse-AB-Verstärkern einen deutlich höheren Wirkungsgrad aufweist (Scythe spricht konkret von maximal 88 Prozent – AB-Verstärker kommen im Gegensatz nur auf einen Wirkungsgrad von meist unter 50 Prozent!), ist auch die Stromaufnahme des Scythe-Bundles durchaus positiv. So schlug die Anzeige des verwendeten Voltcraft Energy Check 3000 quasi nicht aus, als der Kama BayAMP Kro mitsamt Lautsprechern angeschlossen wurde. Konkret ergab sich ein Verbrauch von etwa 0,5 Watt im Betrieb bei Zimmerlautstärke und selbst bei stark erhöhter Lautstärke (etwa die Hälfte des Drehreglers) wurden kaum mehr 0,7 Watt erreicht.
Sowohl über die Mute-Taste als auch über den Power-Knopf kann man den Verbrauch des Gespanns dabei auf exakt 0,0 Watt drücken. Das Zusammenspiel aus Wirkungsgrad der Lautsprecher und des Digitalverstärkers funktioniert offensichtlich also sehr gut. Insgesamt spielen Kama BayAMP Kro und KroCraft Speaker damit bei Zimmerlautstärke bei einem deutlich geringeren Verbrauch als sich so manches PC-Set im Standby-Modus genehmigt!
Klangeindrücke
Abermals sollen in diesem Test die persönlichen Eindrücke vom Klangcharakter der getesteten Lautsprecher vermittelt werden. Dass dies niemals zu einhundert Prozent objektiv geschehen kann, sei vorweg gestellt; der geschilderte Klangeindruck spiegelt schließlich die Meinung des Testers wider. Daher sollten die folgenden Beschreibungen nur als Empfehlung angesehen werden. Vorteilhaft ist es darüber hinaus in jedem Fall, sich die Lautsprecher stets selbst anzuhören, um ihren Klang mit den persönlichen Vorlieben abzugleichen.
Da jedoch nicht jeder die Zeit, das Geld oder die Muße hat, sich jedes interessante System selbst anzuhören, sollen in folgender Beurteilung auch Vergleiche mit bereits getesteten Boxensystemen gezogen werden.
Scythe KroCraft Speaker
Es lässt sich zwar nie im Vornherein abschätzen, wie Lautsprecher klingen, angesichts des Preises, des Aufbaus und der Verarbeitung kann man oft jedoch Mutmaßungen anstellen, die sich mehr oder minder bestätigen. Im Fall der KroCraft Speaker von Scythe laufen diese Randdetails jedoch auseinander. So fällt der Preis der passiven Lautsprecher mit etwa 50 Euro sehr gering aus während das komplette Bundle aus Digitalverstärker und Lautsprechern mit insgesamt rund unter 100 Euro zwar nicht übermäßig günstig, aber auch nicht wirklich teuer ist. Die Verarbeitung und der Aufbau der Lautsprecher hingegen lassen auf mehr hoffen, als es ihr Preis direkt suggeriert. Auch der Verstärker setzt bei einigen Komponenten auf durchaus nicht minderwertige Yamaha-Technik, was zumindest der Befürchtung, ein blutiger Audio-Neuling versucht sich an höherer Kunst, vorbeugt.
Beim Hörtest selbst bestätigen sich dann weitgehend auch die guten Hoffnungen an das Gespann. Bereits im ersten Lied, dem Titelsong des vorletzten „James Bond“-Abenteuers „Casino Royale“ – „You know my Name“ von Chris Cornell – überzeugen die KroCraft Speaker durch eine überaus eindringliche instrumentale Einführung. Sowohl die E-Gitarre als auch das Schlagzeug klingen voluminöser als man es von den Lautsprechern vermuten könnte, wenngleich sich die Darstellung teilweise vermischt und differenzierter klingen könnte. Cornell selbst klingt darauffolgend, bei zurückhaltender instrumentaler Untermalung, sehr glaubwürdig und ganz und gar nicht blechern. Das ist durchaus überraschend angesichts der Preisklasse, in der sich das Scythe-Gespann bewegt, da in dieser zumeist eher ein vor allem bei Gesang nasaler, flacher oder blechener Klang dominiert. Es fällt bereits in diesem Titel aber auch auf, dass die Grenzen der Lautsprecher bei der Wiedergabe mehrerer zeitgleich auftretender Instrumente liegen. In dem Titelsong macht sich das dadurch bemerkbar, dass die instrumentale Darstellung neben dem Gesang zurückbleibt und wie eine recht einheitliche Masse im Hintergrund vor sich hin plätschert. Akzente sind nur dann herauszuhören, wenn etwa der recht gut auflösende Hochtonbereich hellere Gitarrengriffe abbildet oder eindeutige Punches mit dem Schlagzeug ausgeführt werden. Schon die mitunter vorkommenden Bläser sind kaum mehr aus der Gesamtheit der Instrumente herauszuhören und können teilweise überhaupt nicht mehr ausgemacht werden.
Recht beachtlich ist auch die Leistung im Tieftonbereich, die man den KroCraft Speakern so auch nicht zutraut. So bilden sie etwa die ersten drei Bassschläge in Kanye Wests „Love Lockdown“ recht zuverlässig und ohne deutlichen Pegelabfall ab – fühlbar sind sie aber nicht. Auch wirkt der Bass etwas „heiser“ und ist letztendlich natürlich nicht mit dem durchweg trockenen Auftritt eines hochwertigen Subwoofers vergleichbar. Der folgende vierte Schlag ist dann auch zu viel des Guten und wird – verständlicherweise – nur angedeutet. Im Vergleich mit etwa gleich großen oder teuren Lautsprechern – etwa den ESI nEar 04 [2] oder Creatives 2.0-Gigaworks-Systemen [8] – leistet sich Scythe aber keinen Tadel und schafft mitunter mehr als die erwähnten Nahfeldmonitore und erst recht als die 2.0-Lautsprecher von Creative. Ähnliches zeigt sich auch bei Paul Kalkbrenners bekanntem „Sky and Sand“, bei dem der Bass allerdings noch weicher und auch noch etwas undifferenzierter wirkt. Beide Titel sind aber auch eindeutig nicht dem zuzurechnen, was man von den KroCraft Speaker erwarten kann und dafür machen sie ihre Aufgabe wirklich gut.
Etwas aufpassen muss man allerdings im Hochtonbereich, der gerne auch mal eine schärfere Gangart einschlägt. So etwa im Gothic-Rock-Song „Eisblumen“ von „Subway to Sally“ (und auch im streitwürdigen Cover), bei dem das Klavierintro etwas überspitzt wirkt. Ähnliches ist auch immer wieder bei Liedern mit Schlagzeugunterstützung zu hören, bei denen der lange Ausklang der Becken etwas penetrant zischt. Gegebenenfalls sollte hier mit dem Equalizer eingegriffen werden, um dem Klang diese Schärfe zu nehmen. Was dann noch bleibt ist ein sehr detailreicher Hochtonbereich, der durchaus zu gefallen weiß.
Fazit
Scythe genießt einen respektablen Ruf als Hersteller von Kühl-Hardware und PC-Gehäusen und versucht mit diesem guten Namen nun also auch PC-Lautsprecher zu verkaufen. So sehr man bei diesem Ansinnen auch erstaunt die Augenbrauen heben könnte, so überzeugend erfolgt die Umsetzung in Form des Kama BayAMP Kro und der KroCraft Speaker. In beiden Fällen erhält der Käufer zwar kein High End und auch keine durchtrieben ausgestylten Objekte, wohl aber sehr solide Kost zu einem angenehmen Preis. Das Bundle aus Kama BayAMP Kro und KroCraft Speakern soll mit einem Verkaufspreis von 94,95 Euro laut UVP jedenfalls in gepflogenen monetären Gefilden verbleiben, schafft es dort aber, quasi alle 2.0-Systeme zu übertrumpfen.
Dies gelingt vor allem durch einen respektablen Materialeinsatz bei den Lautsprechern, die durch ein MDF-Gehäuse, nicht zu kleine Chassis und gute Schraubklemmen auffallen. Auch der Digitalverstärker verblüfft mit einer guten Qualitätsanmutung sowie einer hohen Leistungsfähigkeit. Zwar stünden dem kleinen Kasten zusätzliche analoge oder digitale Eingänge gut, angesichts des Preises dürfte das aber verschmerzbar sein.
Tröstend wirkt dabei nicht zuletzt die Leistungsfähigkeit des kompletten Sets bestehend aus Digitalverstärker und Lautsprechern. Dieses klingt nämlich erstaunlich souverän, dabei homogen und fülliger, als man es in dieser Preisklasse gewohnt ist. Dass dabei ein um's andere Mal der Bass zu weich ist und das Set irgendwann eben doch undifferenziert wirkt, ist ebenso zu verschmerzen wie der mitunter zu spitze Hochtonbereich. Trotz dieser Faktoren wirken die KroCraft Speaker nämlich musikalischer als so ziemlich alles, was man für unter und um 100 Euro kaufen kann, selbst wenn andere Sets hier mit einem Subwoofer bessere Bass-Leistungen erreichen. Vor allem die gute Stimmenwiedergabe trägt zu diesem Gesamteindruck bei und übertrifft die Konkurrenz, was bei aktuellem Pop oft auffällt. Kritische Musikliebhaber wird dann aber wohl doch stören, dass die Grenzen des Scythe-Sets immer dann ausgemacht sind, wenn zahlreiche Instrumente parallel aufspielen. Hier sollte man keine Wunder von dem Stereolautsprecherpaar erwarten, das letztendlich eben doch noch ein günstiges Set bleibt.
Ein kleines Wunder ist es jedoch, wie wenig Strom für den Betrieb der KroCraft Speaker in Kombination mit dem Kama BayAMP Kro gebraucht wird. Das Set ist aufgrund des Digitalverstärkers, der einen sehr hohen Wirkungsgrad besitzt, sowie der ebenfalls genügsamen Lautsprecher derart effizient, dass man mit ihm mit einer Leistungsaufnahme, die andere Sets noch im Standby-Modus überbieten, bei Zimmerlautstärke hören kann! Auch deshalb wird Scythe mit diesem Bundle alsbald also ein interessantes Gespann anbieten, das angesichts dessen, dass der Marktpreis wohl noch einmal unter der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers liegt, ein echter Preisbrecher werden könnte. Hut ab vor diesem Einstand!
Tagesaktuelle Preise:
- Edifier S530D [19]
- Edifier S330D [20]
- ESI nEar 08 eXperience [21]
- ESI nEar 05 eXperience [22]
- ESI nEar 04 [23]
- Nubert nuBox 311 [24]
- Edifier S2000 [25]
- Teufel Concept E 400 [26]
- Edifier S550 [27]
- Edifier S730 [28]
- Teufel Motiv 2 [29]
- Creative GigaWorks T3 [30]
- Logitech Z Cinéma Advanced [31]
- Razer Mako [32]
Schlussbemerkung
Wir sind uns völlig darüber im Klaren, dass ohne hochwertige Messtechnik und schalloptimierte Räumlichkeiten, wie die großen Audio-Zeitschriften-Labore sie besitzen, keine absolut objektiven, messtechnisch optimierten Tests durchgeführt werden können, bilden uns aber ein, ein halbwegs geschultes Gehör zu besitzen, um ebenfalls aussagekräftig testen zu können. Unser Soundcheck soll dem geneigten PC-Audio-Freak dabei helfen, ein für Ihn geeignetes Lautsprecher-System zu finden und in dazu einladen, eine kleine Reise in die große Welt der audiophilen Genüsse zu unternehmen. Nicht mehr und nicht weniger.





