Vorwort
Vor wenigen Jahren noch als notwendiges Arbeitstier im Dunkeln des Rechners völlig unbeachtet, ist heute ein hochwertiges Netzteil zum stabilen Betrieb des Rechners zwingend notwendig.
Vorbei die Zeit, als beim Netzteil von einzig entscheidender Bedeutung war, daß es über einen passenden Anschluß verfügt, um jedes beliebige System mit ausreichend Strom zu versorgen. Durch die gestiegenen Ansprüche der Systeme an die Stromversorgung war es also durchaus sinnvoll, daß Intel bei Einführung des Pentium 4 nach einem neuen Standard für Netzteile verlangte, um einen instabilen Betrieb mit alten Netzteilen zu vermeiden. Aber auch mit Einführung dieses neuen Standards wurden massive qualitative Unterschiede nicht unterbunden - das "NoName" Netzteil ist leider immer noch am häufigsten verbreitet und führt durch mangelhafte Stromversorgung nicht selten zu Problemen. Nicht immer sind Instabilitäten auf eine schlechte Konfiguration und/oder Kühlung zurückzuführen, denn ein Netzteil der bekannten Marke "300 W" garantiert noch keine einwandfreie Funktion des Rechners, dies ist wohl jedem bekannt, der öfter in Hardwareforen vorbeischaut.
Dass auch bei Markennetzteilen der Aufdruck "300 W" noch lange keine 300 W elektrische Leistung bedeutet, ist wohl den Meisten klar, aber wieviel Strom liefert das Netzteil denn nun an den einzelnen Spannungen tatsächlich?
Genau dieser Frage wollen wir in diesem Review nachgehen, und dabei Dinge wie Verarbeitungsqualität, Geräuschpegel, Signalqualität, Anschlussmöglichkeiten usw. nicht außen vor lassen.
Reviews, die sich mit Netzteilen beschäftigen, gibt es fast wie Sand am Meer, aber einfach ein Netzteil an einen Rechner hängen und zu sagen "Es läuft!" war uns zuwenig. Dabei widmen wir uns zunächst der Klasse zwischen 300 und 380 W vom Hersteller angegebener Leistung.
Die Testkandidaten, die uns freundlicherweise von Listan [1], Frozen-Silicon [2] und Low-Noise [3] zur Verfügung gestellt wurden, im Überblick :
| Hersteller / Typ | Preis |
|---|---|
| Antec Smart Power PP 352 XF | ca. 69 € |
| Antec True Power 380 P | ca. 110 € |
| Coba PS-350 S | ca. 56 € |
| Enermax EG 365 AX-VE | ca. 80 € |
| Sirtec HPC 340-201 | ca. 49 € |
| SILENTstar 340W US12 | ca. 75 € |
| Topower Top-320 P4 | ca. 56 € |
| Zalman ZM 300 A-APF | ca. 88 € |
Testmethoden
Um die Grenzen der Belastbarkeit der Netzteile auszuloten, haben wir sieben Hochlastdrahtwiderstände im Bereich von 0,22 - 0,68 Ohm und einer Belastbarkeit von je 50 W verwendet. Diese haben wir unter Zuhilfenahme von reichlich Wärmeleitpaste auf zwei massive Alukühlkörper geschraubt.
Während der Messungen wanderten diese in einen Behälter mit Wasser und Eiswürfeln, da eine Kühlung mittels Lüfter definitiv nicht möglich war. Dies wird auch durch die Tatsache belegt, daß das Wasser trotz einer Temperatur von 2,3°C unter Last um die Widerstände zu kochen begann - Allerdings sei hierbei angemerkt, daß diese deutlich höheren Temperaturen standhalten, als beispielsweise eine CPU.






Um zwischen verschiedenen Werten umschalten zu können, kamen entsprechend hoch belastbare Stecker und Buchsen (4mm) sowie Messleitungen mit einem Querschnitt von 2,5 mm² zum Einsatz. Um den Widerstand stufenlos verändern zu können, wurde zusätzlich ein Drahtpoti mit 10 Ohm und 40 W integriert.
Zur Prüfung der Signalqualität, sprich der Suche nach Unregelmässigkeiten und/oder Restwelligkeiten durch schlechte Siebung, kam ein etwas angegrautes Oszilloskop zum Einsatz, welches aber nach wie vor ordentlich seinen Dienst verrichtet.
Die Geräuschpegelmessung haben wir mittels eines empfindlichen Mikrophons samt Vorverstärker sowie der Sharewareversion der Messoftware "Hobbybox V4.0" von Gerald Matz durchgeführt. An dieser Stelle müssen wir zu unserem Bedauern darauf hinweisen, daß das verwendete Mikro nicht kalibriert ist, da dementsprechende Geräte exorbitant teuer sind und so den Rahmen des Reviews gesprengt hätten. Auch ist die Leitung vom Micro zum Vorverstärker aufgrund der hohen Empfindlichkeit mit etwa 10 cm sehr kurz, und trotz umfangreicher Abschirmung streute immer noch ein gewissen Maß an 50 Hz Netzbrummen ein, daß daher in den Diagrammen nicht berücksichtigt werden darf. Dieses hat seinen Ursprung offensichtlich in der verwendeten Soundkarte, da auch der Audio Analyzer [4] diese Störung darstellt. Dazu eine Spektralanalyse in (soweit möglich) lautloser Umgebung mit um 5 dB erhöhtem Pegel, sowie der Frequenzgang der Soundkarte mit per Kabel verbundenem Ein-/Ausgang (ohne Micro).


Dafür waren wir Dank eines "speziellen" Ofens der Firma Siemens in der Lage, alle Netzteile unter absolut identischen thermischen Bedingungen zu testen, um zu "hören", wie laut die Lüfter bei erhöhter Umgebungstemperatur arbeiten, da dies im PC schliesslich ihr Alltag ist.
Hierzu haben wir den Ofen auf 42,3°C aufgeheizt, und alle Kandidaten für 10 Minuten bei geschlossenem Ofen in Betrieb genommen. Die Pegelmessung fand auch bei Raumtemperatur innerhalb des Ofens statt, um die Vergleichbarkeit der Ergebnisse sicherzustellen.
Testfeld
Antec SmartPower PP 352 XF
Dieses Netzteil entspricht unter den Testkandidaten rein äußerlich (neben dem Sirtec) wohl am ehesten dem vielgescholtenen "NoName". Ohne Netzschalter, mit nur einem Lüfter und als einziges Feature mit einem Spannungswahlschalter für 115 und 230 V ausgestattet, ist es wahrhaft dürftig, zu dem Preis aber vertretbar.
Mitgeliefert werden sowohl ein Netzkabel als auch Befestigungsschrauben.
Die Lüftungsschlitze, welche die erwärmte Luft aus dem Gehäuse abführen sollen, fallen denkbar dürftig aus, zumal die unteren auch noch von einem innenliegenden Blech verdeckt werden. Damit dürfte dieses Netzteil nicht dem von AMD geforderten Airflow genügen.





Auch im Inneren setzt sich das äussere Erscheinungsbild fort, ein billiges Alublech als Kühlkörper erweckt nicht den Eindruck einer vertrauenswürdigen Stromversorgung. Das Befestigungsblech des Trafos ist dagegen sehr großzügig ausgefallen, obwohl uns der Sinn dieser Massnahme verschlossen bleibt



Immerhin verfügt das Antec PP 352 über einen geregelten 80mm Lüfter, der aber im warmen Zustand eine beachtliche Geräuschkulisse bietet.


Antec TruePower 380 P
Der "grosse Bruder" des Antec PP 352 XF ist lt. Hersteller mit 380 W das stärkste Netzteil im Test und schon deutlich hochwertiger ausgestattet und verarbeitet. Es verfügt über einen Netzschalter und besitzt ordentliche Lüftergitter, wovon das untere allerdings nur aufgeschraubt und nicht versenkt ist. Der Gewebeschlauch um den ATX-Kabelbaum sieht ziemlich edel aus, hat aber keinerlei praktischen Nutzen.
Auch hier müssen Netzkabel und Schrauben nicht extra besorgt werden.





Im Inneren setzt sich die gute Verarbeitung fort :
Ordentlich dimensionierte Kühlkörper und Kabelquerschnitte hinterlassen beim Betrachter ein zufriedenes Grinsen und der durchsichtige Lüfter (interessant für Case-Modder) an der Unterseite lässt sich problemlos abstöpseln, was durchaus keine Selbstverständlichkeit ist.



Leider ist das True Power im Laufe der Test nicht unspektakulär abgeraucht, weshalb wir keine Geräuschmessung mehr anbieten können, doch dazu später mehr.
Coba PS-350 S
In schickem Blau kommt das Coba daher, mit zwei geregelten 80er Lüftern bestückt und schnieken, goldfarbenen Lüftergittern, die im Gegensatz zu allen anderen Netzteilen sogar vollständig versenkt sind.
Ein Netzschalter ist ebenso vorhanden wie ein Schalter zur Spannungswahl, der von einem Aufkleber "230V" verdeckt ist.
Leider lag unserem Testexemplar kein Netzkabel bei, aber als mageren Trost muß man wenigstens auf die Schrauben nicht verzichten.





Nach dem Öffnen des Netzteils finden wir zwei mittelgrosse, schwarz eloxierte Kühlkörper vor, über deren schmuckes Aussehen man trefflich streiten kann, da wohl kaum jemand ein Netzteil offen betreiben wird.
Den einzigen Ansatz zur Kritik verdient das Kabel des zusätzlichen Lüfters, das nicht nur extrem kurzgehalten ist, sondern sich zudem auch nicht abstöpseln läßt.




Beeindruckend ist der Geräuschpegel des Coba : Im kalten Zustand kann man die Umdrehungen der Lüfter fast mitzählen und auch im warmen Zustand bleibt es subjektiv recht leise, erzeugt aber ein tieffrequentes Geräusch, das in der Messung klar zu erkennen ist.


Enermax EG365 AX-VE
Der Klassiker unter den einzeln erhältlichen Netzteilen ist wohl das Enermax, welches ebenfalls zwei Lüfter besitzt, von denen der äußere manuell regelbar ist und der Zusatzlüfter temperaturabhängig arbeitet. Das ist zwar ganz nett, aber es bleibt fraglich, ob nicht zwei geregelte Lüfter die bessere Alternative sind.
Wie beim Antec True Power ist auch hier der ATX-Kabelbaum mit Gewebeschlauch umhüllt, was ebenso nur rein optisch Punkte bringt. Auch hier findet sich ein durchsichtiger Lüfter, mit dem man schöne Spielereien durch Beleuchtung hervorrufen kann.
Netzkabel und Schrauben liegen auch hier bei - etwas anderes haben wir auch nicht erwartet.





Im Inneren präsentiert sich das Enermax erstaunlich aufgeräumt - es ist bei weitem nicht so "vollgestopft" mit Bauelementen wie die Konkurrenz. Auch hier finden sich zwei ausreichend dimensionierte Kühlkörper wieder. Auffallend ist hier noch, daß die Siebkapazitäten für ein Netzteil dieser Preisklasse recht mager ausfallen.



Die Geräuschentwicklung reicht von sehr leise bis hin zu einer unüberhörbaren, im Vergleich zur Konkurrenz geradezu infernalischen Lautstärke - je nach Temperatur und gewünschtem Luftdurchsatz.




Sirtec HPC 340-201
Dieses Netzteil wurde zwar nicht im Originalkarton angeliefert (falls es einen geben sollte), ein Netzkabel lag jedoch bei. Dafür fehlten die Befestigungsschrauben.
Es wird auch unter der Marke "Chieftec" vertrieben, über die wir wohl nicht viel sagen müssen - allein das CS 601 spricht Bände. Auffällig ist hier das direkt ins Gehäuse gestanzte Lüftergitter, das dem Luftstrom einiges an Widerstand entgegensetzen dürfte und obendrein noch billig aussieht. Auch dieses Netzteil verfügt über einen Netz- und einen Spannungswahlschalter. Die Lufteintrittslöcher fallen äußerst mager aus - wie schon beim Antec PP 352 XF ist auch hier keine gute Gehäuseentlüftung zu erwarten.



Um so überraschter waren wir, nachdem wir das Gehäuse öffneten :
Statt minderwertiger Bauteile gibt sich das Sirtec hier keine Blösse - ein großer Kühlkörper fehlt ebensowenig wie ein ordentlicher Trafo, Kabelquerschnitte und grosse Siebelkos.



Zur Geräuschkulisse bleibt nur zu sagen : Es gibt eigentlich keine. Im kalten Zustand bleibt das Netzteil praktisch lautlos und auch warm ist es nur durch Ohrauflegen zu vernehmen. Es hat in etwa den gleichen Maximalpegel, den das Enermax als Minimum bietet. Das gestanzte Lüftergitter scheint keine negativen Auswirkungen auf den Geräuschpegel zu haben.


SILENTstar 340W US12
Allzuviel Worte brauchen wir über dieses Netzteil nicht verlieren, da es abgesehen vom Lüfter absolut baugleich mit dem Sirtec ist.
Low-Noise [2] tauscht den Serienlüfter gegen ein Modell von Papst, womit die Liste der Änderungen auch schon erschöpft ist.
Der Vollständigkeit halber ein paar Bilder als Beweis :





Die Lautstärke unterscheidet sich trotz Papstlüfter nur unwesentlich von der des Sirtec. Ob hier ein Aufpreis von ca. 26 € gerechtfertigt ist, muß jeder für sich entscheiden. Wir sind der Meinung, daß das Sirtec auch mit Originallüfter schon leise genug ist.


Topower Top-320 P4
Das Topower ist mit zwei geregelten 80mm Lüftern, goldfarbenen Lüftergittern und Netzschalter ausgerüstet. Ein besonderes Feature ist der geschaltete Netzausgang, der über eine Steckdosenleiste Peripherie wie Wasserpumpe, Monitor etc. mit dem Rechner ein-/ausschalten kann.
Rein äusserlich stechen die nicht verschraubten Netzanschlüsse sofort negativ ins Auge - selbst der äusserst günstige Preis entschuldigt diese labbrige Befestigung per Snap-in nicht.
Netzkabel und Schrauben sind, wie es sein sollte, auch hier vorhanden.




] Innen finden sich wiederum zwei ausreichend bemessene Kühlkörper, einen gut zugänglichen Stecker für den Zusatzlüfter, der leider nicht selbstverständlich ist, sowie zufriedenstellende Siebkapazitäten und Kabelquerschnitte.



Der Geräuschpegel kann, besonders im warmen Zustand, nur als hoch bezeichnet werden - von dem Begriff "Silent" ist dieses Netzteil ähnlich weit entfernt, wie das Antec PP 352 und das Enermax.


Zalman ZM 300 A-APF
Beim Zalman, dem nominell schwächsten Netzteil im Testfeld, fallen sofort die grossen Lüftungsschlitze ins Auge. Abgesehen von dünnen Blechstegen ist das Netzteil fast offen. Es verfügt über einen Netzschalter und ist für eine Versorgungsspannung von 100 - 240 V ausgelegt, womit ein Schalter zur Wahl der Spannung natürlich entfallen kann - Respekt.
Ein geregelter 80mm Lüfter sorgt für den Luftaustausch. Ein besonders großer Netzschalter erleichtert die schnelle Abschaltung bei allzu optimistischen Experimenten ;-).
Als Beigabe gibt es auch hier ein Netzkabel, Schrauben und als Bonus einen Lüfteradapter, für den Betrieb von maximal 4 Lüftern auf 5 oder 12 V. Der unseres Erachtens nach beste Kompromiss zwischen Leistung und Lautstärke - nämlich 7 V - ist mit diesem Adapter nicht möglich.




Innen machen sich zwei "erwachsene" Kühlkörper breit, die die Sicht auf darunterliegende Bauteile fast komplett verdecken. Nichts fällt ins Auge, was irgendwelchen Anlaß zur Kritik gäbe - die Verarbeitung ist hervorragend.



Der Geräuschpegel ist auch im warmen Zustand sehr niedrig. Die in der Spektralanalyse sichtbaren Störungen im Bereich von 8,5 und 16 KHz sind nicht zu hören und möglicherweise auf elektromagnetische Einstreuungen zurückzuführen, da der Vorverstärker sehr dicht am Mikro und damit am Netzteil sitzt.


Die Ausstattung in der Übersicht
Um Euch die Übersicht zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Merkmale in Tabellen zusammengefasst.
Allgemeine Merkmale
| Netzteil | Leistung | Anschlüsse | Lüfter | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| lt. Hersteller | 3,5" | 5,25" | 12V | AUX | Tacho | Anzahl | Größe | |
| Antec PP 352 XF | 350 | 2 | 6 | 1 | 1 | - | 1 | 80mm |
| Antec True Power 380 P | 380 | 2 | 7/2* | 1 | 1 | 1 | 2 | 80/92mm |
| Coba PS-350 S | 350 | 2 | 6 | 1 | 1 | - | 2 | 80/80mm |
| Enermax EG 365 AX-VE | 353 | 2 | 9 | 1 | 1 | 1 | 2 | 80/92mm |
| Sirtec HPC 340-201 | 340 | 2 | 6 | 1 | 1 | 1 | 1 | 80mm |
| SILENTstar 340W US12 | 340 | 2 | 6 | 1 | 1 | 1 | 1 | 80mm |
| Topower Top-320 P4 | 320 | 2 | 8 | 1 | 1 | - | 2 | 80/80mm |
| Zalman ZM 300 A-APF | 300 | 2 | 7 | 1 | 1 | - | 1 | 80mm |
*Das Antec True Power verfügt zusätzlich über zwei 5,25" Anschlüsse, die nur mit der 12 V-Leitung belegt sind. Diese dienen ausschließlich der Stromversorgung von Lüftern.
Anschlusskabellänge
Ein nicht zu unterschätzendes Merkmal stellt die Länge der Anschlusskabel dar, da es gerade in großen Gehäusen bei sehr tief sitzenden Festplatten vorkommen kann, daß diese nicht mehr problemlos erreicht werden können.
Alle Angaben erfolgen hier in Zentimeter, wobei die Kabel nicht mit roher Gewalt in die Länge gezogen wurden.
| Netzteil | ATX | 3,5" | 5,25" |
|---|---|---|---|
| Antec PP 352 XF | 52 | 85 | 67 |
| Antec True Power 380 P | 57 | 85 | 85 |
| Coba PS-350 S | 47 | 73 | 59 |
| Enermax EG 365 AX-VE | 52 | 101 | 88 |
| Sirtec HPC 340-201 | 55 | 96 | 75 |
| SILENTstar 340W US12 | 55 | 96 | 75 |
| Topower Top-320 P4 | 47 | 94 | 75 |
| Zalman ZM 300 A-APF | 58 | 80 | 66 |
Messungen
Nachdem wir nun alle Testkandidaten einzeln vorgestellt haben, kommen wir zum interessantesten Teil des Reviews: Nun beschäftigen wir uns mit den von uns ermittelten Messdaten der einzelnen Netzteile.
Signalqualität
Da Schaltnetzteile die Netzspannung gleichrichten und sieben, um die so entstehende Gleichspannung von immerhin rund 325 V mit hoher Frequenz ein- und auszuschalten, kann es bei schlechter Siebung zu Rückständen dieser Schaltfrequenz auf den einzelnen Spannungen kommen, welche die auf dem Mainboard befindlichen Regler ausgleichen respektive filtern müssen. An sich keine große Sache, aber für eh schon gestresste Regler (z.B. K7S5A) bedeutet dies zusätzliche Arbeit, die in einer schwankenden Versorgungsspannung enden kann.
Erfreulich gut ist die Signalqualität ausnahmslos aller Netzteile im Test, keines gibt sich hier eine Blöße.
Da sich fast alle Messungen gleichen wie ein Ei dem anderen, wollen wir nur kurz die Netzteile bzw. Spannungen mit den größten "Verschmutzungen" vorstellen. Leider ist es nicht einfach, den kleinen Schirm des Oszilloskopes (ca. 4 Zoll) mit der Digicam ohne Blitz gestochen scharf festzuhalten. Wir möchten uns daher für die schlechte Qualität entschuldigen. Die 230 V / 50 Hz Versorgungsspannung kann schon deutlicher dargestellt werden, aber wir testen ja hier keine Energieversorger ;-).
Die Bilder zeigen (v. l. n. r.) die 230 V Netzspannung, die 5V des Enermax, die 12V des Zalman und die 3,3V des Antec PP 352. Hierbei muß man berücksichtigen, daß der Unterschied zwischen Minimal- und Maximalausschlag gerade 20 - 35 mV beträgt, also im Vergleich zur Grundspannung von 3,3/5/12 V verschwindend gering - die Netzspannung selbstverständlich ausgenommen.




Geräuschpegel
Wie eingangs schon erwähnt, verfügen wir nicht über ein kalibriertes Mikrophon, weshalb wir keine Aussagen zum absoluten Pegel machen können. Aber da alle Messungen unter identischen Bedingungen stattfanden, ist der Unterschied zwischen den Messungen in dB korrekt.
So beträgt der Unterschied zwischen der leisesten Messung (dem Sirtec im kalten Zustand) und der lautesten (dem Enermax im warmen Zustand mit Regler auf Maximum) immerhin 24 dB !
Daher haben wir die leiseste Messung auf 0 dB festgelegt und alle anderen mit der Differenz in dB angegeben. Das Enermax wurde je einmal auf minimal und auf maximal gemessen (Reglerposition des manuell regelbaren Lüfters).
Lautstärke
Angaben in Dezibel
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Die roten Balken geben den relativen Pegel im warmen Zustand an, welcher für uns während des Betriebes im PC entscheidend ist. Hier können sich das Sirtec, Silentstar und Zalman Kopf an Kopf von der Konkurrenz absetzen. Das Enermax (mit Lüfterregler auf minimal) ist durchaus noch erträglich, während das Antec PP352, das Topower, das Coba und das Enermax (mit maximaler Drehzahl) doch schon sehr laut sind. Besonders fällt der extreme Unterschied des Coba zwischen Warm- und Kaltmessung auf, der aber in der Praxis nicht derart deutlich wahrgenommen wird.
Leistung
Wie allgemein bekannt, erlaubt der ATX V2.03 Standard maximal 5% Abweichung für die 3,3- , 5- und 12 V-Leitung, also haben wir diese auch unseren Messungen zu Grunde gelegt. Daraus ergeben sich Minimalspannungen von 3,14V , 4,75V und 11,40V. Bei genau diesen Spannungen werden wir die Ströme messen. Da alle Netzteile dazu tendieren, bei steigender Belastung immer weniger Spannung zu liefern, kann es vorkommen, daß sie schlecht dastehen, obschon sie in der Lage wären, gigantische Ströme zu liefern. Dies ist aber nun einmal der Standard, und nach dem müssen wir uns richten, ebenso wie die Hersteller es tun sollten.
Da die -5 und die -12V Leitung für einen stabilen Betrieb nebensächlich sind, und ausserdem jedes noch so billige Netzteil diese in ausreichender Stärke zur Verfügung stellen kann, haben wir sie bei den Messungen nicht berücksichtigt.
Zunächst belasten wir die Netzteile auf der 5 V Leitung mit einem recht geringen Strom von 10,2 A, und beobachten die Spannung.
5V Leitung bei 10,2 A Belastung
Angaben in Volt
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Wie deutlich zu erkennen ist, liegen alle geringfügig unterhalb des Optimums von 5,00 V. Diese Messung dient der Vorbereitung auf die folgende Messung der 3,3 V Leitung, da einige Netzteile ohne Last auf der 5 V auf der 3,3 V Leitung zusammenbrechen, eine unangenehme Begleiterscheinung der gemeinsamen Leitung, auch "Combined Power" genannt. Hierbei teilen sich die 3,3 und 5 V Leitung eine gemeinsame Stromquelle. Einzige Ausnahme ist das True Power von Antec, das beide Leitungen strikt trennt.
Also haben wir für die Messung der 3,3 V Versorgung die 5 V Schiene mit 10,2 A belastet, im Idealfall also 51 W.
Strom bei 3,14 V
Angaben in Ampere
|
18,4 A sollten in den meisten Fällen ausreichend sein, aber das Zalman überragt hier die Konkurrenten bei weitem - 30,6 A bei gleichzeitiger Last von 10,2 A auf der 5V Leitung sind aller Ehren wert.
Damit gelangen wir zur wichtigsten Spannung der Stromversorgung, der 5 V Leitung.
Strom bei 4,75 V
Angaben in Ampere
|
Die mageren 18,1 A des Coba bedürfen wohl keines weiteren Kommentares mehr. Das True Power liefert mehr als doppelt soviel Strom (und damit Leistung), es liefert hier Ströme jenseits von gut und böse - rund 42% mehr als das Topower sind geradezu phänomenal. Enttäuschend auch die Leistung des Zalman, wenn diese auch noch deutlich besser ausfällt, als die des Coba.
Gerade für Intelsysteme ist die 12 V Leitung interessant, da der P4 seine Spannung aus dieser Leitung bezieht.
Strom bei 11,40 V
Angaben in Ampere
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Wiederum fällt das Coba hier negativ auf. Nicht, daß die 12 V Leitung hier tot wäre. Nein, das Coba kann aber nur im Leerlauf mehr als 11,4 V liefern und fällt damit klar aus der ATX-Spezifikation heraus. Auch das Silentstar und das Sirtec (die ja baugleich sind) bekleckern sich nicht mit Ruhm. Das Enermax, Antec True Power und das Zalman liefern hier Werte, die auch 420 W Netzteilen gut zu Gesicht ständen.
Wichtig ist hier noch die Tatsache, daß beim True Power noch 11,68 V bei 33,3 A anlagen, also wohl bis "runter" auf 11,4 V noch etwas drin gewesn wäre, wenn das Netzteil die Messung überstanden hätte.
Es schaltete wie die Konkurrenten bei Überlast korrekt ab, aber beim Einschalten ohne Last quittierte es den Dienst mit einem gelb-rötlichen Blitz und einer durchgeknallten 16 A Sicherung der Hausstromversorgung. Eine Erklärung für dieses Phänomen haben wir leider nicht, schliesslich hat es deutlich belastendere Test anstandslos überstanden, und auch der kleine Bruder überlebte die Tests. Wir werden uns diesbezüglich mit dem Hersteller in Verbindung setzen.
Besonders für Extrem-Overclocker und Case-Modder dürfte die 12 V Leitung auch für zusätzliche Verbraucher wie Lampen, Peltierelemente usw. interessant sein. Hierbei ist nicht nur die nackte Leistung an sich wichtig, sondern auch, daß sich das Netzteil unter Last auch einschalten lässt. Die Einhaltung der 11,4 V Grenze blieb hierbei unberücksichtigt, der maximale Strom wurde auf 16 A begrenzt.
max. Einschaltlast bei 12 V
Angaben in Watt (W)
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Das Coba und Antec PP liessen sich mit Last auf der 12 V Leitung nicht in Betrieb nehmen. Das Sirtec / Silentstar liefert einen ordentlichen Wert für diese Preisklasse und das Enermax steht mit immerhin 130 W nicht schlecht da. Aber daß es besser geht, belegen das Antec True Power, Topower und Zalman, die auch bei 192 W Last noch problemlos anspringen - es ist doch schön Reserven zu haben.
Dichtung und Wahrheit
Schauen wir uns nun an, welche Ströme die Hersteller auf den einzelnen Spannungen versprechen.
Herstellerangabe 3,3 V
Angaben in Ampere
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Herstellerangabe 5 V
Angaben in Ampere
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Herstellerangabe 12 V
Angaben in Ampere
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Vergleich zur Realität
Im Folgenden nun die Differenz zwischen tatsächlichem Wert und Herstellerangabe.
Zu unserem Bedauern erlaubt die Software von ComputerBase (noch) keine Darstellung von negativen und positiven Werten in einem Diagramm, also müssen wir auf aussagekräftige Balkenlängen hier verzichten.
Messung - Herstellerangabe 3,3 V
Angaben in Ampere
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Messung - Herstellerangabe 5 V
Angaben in Ampere
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Messung - Herstellerangabe 12 V
Angaben in Ampere
|
Wie deutlich zu erkennen ist, können einzig das Zalman auf der 3,3 bzw. das True Power auf der 5 V Leitung die Angaben des Herstellers erreichen und sogar übertreffen, alle anderen liegen zum Teil sehr deutlich darunter. Erfreulicher präsentiert sich hier schon die 12 V Leitung, wo die Herstellerangaben teilweise deutlich übertroffen werden, nur das Sirtec/Silentstar und das Coba fallen hier durch.
Die maximalen Ströme
Hier präsentieren wir Euch noch die maximalen Ausgangsströme, die auch unterhalb der ATX-Spezifikation mit teils deutlich zu geringen Spannungen von den Netzteilen noch abgegeben werden können.
| Netzteil | 12 V | 5 V | 3,3 V | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| max. Strom | eff. Spannung | max. Strom | eff. Spannung | max. Strom | eff. Spannung | |
| Antec PP | 31,5 | 10,96 | 46,0 | 4,47 | 36,0 | 2,79 |
| Antec True Power | 33,3 | 11,68 | 49,7 | 4,68 | 40,0 | 3,06 |
| Coba | 10,4 | 10,32 | 40,1 | 4,44 | 38,8 | 3,08 |
| Enermax | 40,3 | 8,05 | 31,0 | 4,68 | 39,6 | 3,05 |
| Silentstar | 15,5 | 11,09 | 37,8 | 4,55 | 35,8 | 2,76 |
| Sirtec | 15,8 | 11,12 | 37,9 | 4,53 | 35,6 | 2,75 |
| Topower | 24,2 | 11,39 | 46,2 | 4,48 | 38,0 | 3,01 |
| Zalman | 33,9 | 11,52 | 44,7 | 4,41 | 39,4 | 3,15 |
Da kaum ein Rechner mit z.B. 8,05 statt 12 V wie beim Enermax noch stabil laufen wird, fliessen diese Ergebnisse nicht in die Bewertung ein. Beim True Power war, wie bereits erwähnt, aufgrund vorzeitigen Ablebens keine Maximalbelastung der 12 V Leitung mehr möglich.
Fazit
Rufen wir uns zunächst die Preise in Erinnerung, welche natürlich zwischen verschiedenen Anbietern schwanken können.
Preise
Angaben in Euro
|
Das Sirtec bietet für einen äußerst attraktiven Preis ordentliche Leistungen und den niedrigsten Geräuschpegel im Testfeld. Empfehlenswert ist es für wassergekühlte AMD Systeme, da es nur wenig Luft aus dem Gehäuse fördert. Alternativ ist ein zusätzlicher, saugender Gehäuselüfter möglich, der unterhalb des Sirtec die warme Luft der CPU absaugt. Wir selbst haben ein solches Netzteil in einem Rechner mit Athlon 1333 und 5 Festplatten ohne die geringsten Probleme in Betrieb. Für Pentium4 Systeme ist das Sirtec nicht empfehlenswert, da die schwache 12 V Leitung zu Instabilitäten führen kann. Selbiges gilt auch für das technisch bis auf den Lüfter identische Silentstar, welches aber etwa 26 € teurer ist. Eine solch gute Verarbeitung in dieser Preisklasse hat uns besonders angenehm überrascht. Die unterschiedlichen Messergebnisse sind durch Fertigungstoleranzen leicht zu erklären.
Das Topower bietet eine ausreichende als auch ausgewogene Leistung auf allen Spannungen und eine solide Verarbeitung. Der zweite Lüfter sorgt für einen regen Luftaustausch, einzig der hohe Geräuschpegel fällt doch arg negativ ins Gewicht.
Über das Coba bleibt nur zu sagen: Finger weg ! Innerhalb der Spezifikation ist es einfach zu schwach, das können der günstige Preis und die gute Verabeitung nicht ausbügeln. Ein weitgehend stabiler Betrieb mit einem XP 1800+ war zwar möglich, aber die Aufrüstmöglichkeiten sind doch arg eingeschränkt.
Das Antec PP liegt leistungsmäßig etwa gleichauf mit Sirtec/Silentstar: Bei 3,3 und 5 V unterlegen kann es bei 12 V gehörig auftrumpfen, wodurch es für P4 Systeme besonders geeignet erscheint, zeigt aber enorme Schwächen beim Einschalten unter Last. Zudem ist es auch noch trotz eingeschränktem Luftdurchsatz unangenehm laut und denkbar schlecht verarbeitet.
Das Zalman bietet recht hohe Leistungen, von der 5 V Leitung mal abgesehen, auf der aber auch alle Konkurrenten außer dem True Power Probleme hatten, die Herstellerangaben zu erreichen. Dafür ist es auf der 3,3 V Leitung unschlagbar. Es ist sehr leise, standfest und bietet großzügige Lufteinlässe. Der Preis ist allerdings doch recht hoch. Empfehlenswert ist es dennoch für leistungshungrige Systeme, die zudem noch leise bleiben sollen.
Das Enermax bietet auf allen Spannungen sehr hohe Ströme - besonders auf 12 V. Allerdings sind die Angaben des Herstellers für die 3,3 und 5 V Leitung dann doch etwas arg hoch geschätzt worden. Der Geräuschpegel ist zwar regelbar aber dennoch zu hoch.
Obwohl das True Power die Tests nicht überlebt hat, ist es das leistungsfähigste Netzteil im Test. Das allerdings zu einem Preis, der eine Leistungsklasse höher angesiedelt ist. Die Verarbeitungsqualität ist ausgezeichnet. Eine Lautstärkemessung war leider nicht mehr möglich.
- Brauchbare Leistung
- Befriedigende Anschlußmöglichkeiten
- Schlechtes Einschaltverhalten
- Hohe Lautstärke
- Schlechte Verarbeitung
- Zweiter Lüfter
- Gute Verarbeitung
- Schwache Leistung
- Sehr hohe Leistung
- Top Verarbeitung
- Lautstärke nicht gemessen, da defekt
- Sehr hoher Preis
- Sehr leise
- Gute Leistung bei 3,3 und 5V
- Im Inneren gute Verarbeitung
- Gestanztes Lüftergitter
- Mässige Leistung bei 12V
- Hoher Preis
- Hohe Leistung
- Zweiter Lüfter
- Sehr gute Verarbeitung
- Hoher Preis
- Hohe Lautstärke
- Sehr leise
- Gute Leistung bei 3,3 und 5V
- Im Inneren gute Verarbeitung
- Sehr günstiger Preis
- Gestanztes Lüftergitter
- Mässige Leistung bei 12V
- Gute Leistung
- Top Verarbeitung
- Viele Anschlüsse
- Zu laut
- Sehr leise
- Top Verarbeitung
- Hohe Leistung
- Recht hoher Preis
Das Sirtec profitiert massiv von seinem günstigen Preis und der extrem niedrigen Lautstärke. Genau diese Eigenschaften werden den stärksten Netzteilen im Test, dem True Power und dem Enermax, zum Verhängnis. Dem Zalman kommen die ausgeglichene und sehr hohe Leistung und der niedrige Geräuschpegel zu Gute. Das Topower leistet sich kaum Schnitzer und ist zudem sehr günstig, aber etwas laut.
