Einleitung
Mit der „TruePower New Serie“ greift Antec, der größte Netzteil-Einzelhandelsverkäufer in den USA, im Mittelklassesegment an. Gleichzeitig soll mit diesem Modell die Aktivität in Deutschland gestärkt werden. Zu diesem Zweck wurde aus DC-DC-Technik, günstigem Preis sowie Seasonic-Qualität ein interessantes Paket geschnürt.
Zur Realisierung der DC-DC-Technik setzt Antec auf eine etwas angestaubte Topologie des beliebten Hersteller Seasonic, was die Frage aufwirft, ob diese im Vergleich zu aktuelleren DC-DC-Varianten Nachteile zeigt. Gegenüber der gruppenregulierten Konkurrenz ist sie jedoch auf jeden Fall im Vorteil und der Verkaufserfolg des Netzteils scheint zu suggerieren, dass den Kunden dies bewusst ist. Ob die bessere Technik dem neuesten Spross aus dem Hause Antec nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität Bestwerte im Mittelklassesegment beschert und wie es um andere Dinge wie der Lautstärke bestellt ist, werden wir auf den folgenden Seiten - erstmals auf einer Chroma-Teststation - klären.
Lieferumfang
Antec packt ein Handbuch, vier Befestigungsschrauben sowie ein Kaltgerätekabel mit in den Karton. Ein nicht gerade üppiger Lieferumfang.
Technische Eckpunkte
- 80Plus-Zertifikat: Bronze (bestätigt)
- Abmessungen: 150x 86x 150 cm (Bx Hx T)
- Garantie: 5 Jahre
Die Leistungsverteilung offenbart vier +12-V-Schienen, von denen die zwei stärkeren jeweils 25 A und die beiden schwächeren jeweils 22 A bereitstellen können. Laut Antec greift der Überstromschutz aber erst bei 40 A. Die +12-V-Gesamtleistung beträgt 648 W und entspricht damit erfreulicherweise fast genau der totalen Leistung von 650 W, was insbesondere bei modernen PCs, welche ihre Leistung zu 90 Prozent aus den +12-V-Leitungen beziehen, sehr wichtig ist. +3,3 V und +5 V können kombiniert mit 170 W belastet werden.
| Antec TP-650 | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| AC Input | 100~240VAC | |||||||
| DC Output | +3,3V | +5V | +12V1 | +12V2 | +12V3 | +12V4 | -12 V | +5Vsb |
| 25A | 25A | 22A | 22A | 25A | 25A | 0,8A | 3A | |
| Max Power | 170W | 648W | 9,6W | 15W | ||||
| 650W | ||||||||
Beim Betrachten der Schutzschaltungen sprang uns indes eines sofort ins Auge: Dem TP-650 fehlt ein Überhitzungsschutz. Ein Nachfragen bei Antec ergab jedoch, dass dieser vorhanden, aber fälschlicherweise nicht angegeben ist. Nachfolgend sind die vorhandenen Schutzschaltungen aufgelistet:
- Unterspannungsschutz (UVP)
- Überspannungsschutz (OVP)
- Kurzschlusssicherung (SCP)
- Überlastschutz (OPP)
- Überstromschutz (OCP)
- Überhitzungsschutz (OTP)
Netzteil im Detail
Das Antec kommt in einem matten, dunkelgrauen Finish daher und ist nur 150 mm lang, was den Einbau in die allermeisten Gehäuse problemlos ermöglichen sollte. Abgesehen von einem lila Label an der Seite macht das TP-650 einen schlichten und funktionalen Eindruck. Erfreuen konnten uns das bündig mit dem Gehäuse abschließende Lüftergitter sowie die recht kratzresistente, rauhe Lackierung.
An der Rückseite befinden sich die Anschlüsse der modularen Kabel, welche per Sticker die Angehörigkeit der einzelnen Buchsen zu den verschiedenen +12-V-Schienen signalisieren. Wie beispielsweise von Cougar bekannt, hat Antec sich dazu entschlossen, ein Hybrid-Kabelmanagement zu verwenden. Das bedeutet, dass neben dem ATX- und EPS-Kabel noch weitere Stränge fest angebracht sind. Unserer Meinung nach ist diese Lösung eine vorteilhafte Variante, da gewisse Stecker sowieso benutzt werden und Fehlerquellen, welche die Buchsen für die modularen Kabel darstellen, teilweise entfallen.



Unter der Haube des Netzteils werkelt ein altbekannter, kugelgelagerter und PWM-gesteuerter ADDA-Lüfter mit der Bezeichnung AD1212HB-A7BGL. Die Kugellagerung besitzt zwar einen Langzeitvorteil gegenüber einem Gleitlager, kann aber nichts daran ändern, dass das ADDA-Modell nicht gerade als Leisetreter bekannt ist.
Kabelausstattung
Die Kabelausstattung kann sich sehen lassen. Insgesamt jeweils neun SATA- und Molex-Stecker bietet das TP-650. Auch die Anzahl der PCIe-Stecker kann mit vier Stück überzeugen. Wir hätten uns lediglich ein teilbares 8-Pin-EPS-Kabel gewünscht, um so den Entfall des 4-Pin-EPS-Kabels zu ermöglichen.
| Anzahl | Kabeltyp | Länge in cm |
|---|---|---|
| fest | ||
| 1 | 24-Pin ATX | 53 |
| 1 | 8-Pin EPS | 65 |
| 1 | 4-Pin EPS | 56 |
| 1 | 6+2-Pin + 6-Pin PCIe | 56 – 65 |
| 1 | 3x Molex + 1x FDD | 53 – 67 – 83 – 98 |
| 1 | 3x SATA | 53 – 68 – 83 |
| modular | ||
| 2 | 3x Molex | 57 – 72 – 87 |
| 2 | 3x SATA | 55 – 70 – 85 |
| 1 | 6+2-Pin + 6-Pin PCIe | 56 – 68 |
Innenraum
Die Netzfilterung beginnt auf einer kleinen Zusatzplatine, die mit einer Spule, drei Y-Kondensatoren und einem X-Kondensator bereits eine ganze Fülle an Filterbausteinen beherbergt. Nicht zu vergessen ist der übliche, weiterhin zur Filterung dienende Ferritkern.
Im primären Bereich setzt sich die Filterung mit zwei durch Kabelbinder und Kleber fixierten Spulen fort. Die Fixierung dient nicht nur dazu, um Störgeräusche bei einer Ausdehnung des Kupfers durch Wärme zu verhindern, sondern soll auch Kontaktkurzschlüsse, die durch einen groben Transport entstehen können, vermeiden. Ferner sehen wir jeweils zwei weitere X- und Y-Kondensatoren sowie einen Metal-Oxid-Varistor (MOV), der als passiver Überspannungsschutz dient. Am Ende wird dem Kunden dieses Bauteil zwar wenig nützen, da nach getaner Arbeit des MOVs das Netzteil wie bei einer Überspannung ohne MOV nicht mehr funktionstüchtig ist, aber dem Hersteller wird es etwas niedrigere Reparaturkosten bescheren. Die Umwandlung von Wechselspannung in Gleichspannung übernehmen gleich zwei Gleichrichterbrücken, welche erfreulicher Weise einen eigenen Kühlkörper spendiert bekommen haben.
Die Platzierung des Primärkondensators in der Mitte des Netzteils neben dem Transformator ist etwas unüblich und wohl dem geringen Platzangabot im PFC-Bereich geschuldet. Antec beziehungsweise Seasonic setzt auf ein bis 85 °C spezifiziertes Modell aus den bekannten japanischen Fabrikhallen von Nippon-Chemicon. Die Spannungsfestigkeit liegt bei 420 V, als Kapazität sind 470 Mikrofarad angegeben. Hinter dem Primärkondensator zeigen sich zwei Zusatzplatinen für den PWM-Chip, ein CM6802BHG von Champion Micro, und den Sicherungschip, ein bekannter PS232S von SITI.
Das „Abknapsen“ der 3,3-V- und 5-V-Spannungen von 12 V findet nicht wie heute meistens üblich auf zwei getrennten Platinen statt, sondern ist auf einer Platine konzentriert. Die Wahl der Bauteile zum Durchführen dieser besser als DC-DC-Technik bekannten Gleichspannungswandlung entspricht dagegen wieder völlig der gängigen Wahl: ANPEC wohin das Auge reicht. Vorteilhafterweise wurde eine Metallplatte zur Kühlung der Komponenten an die Platine geschraubt.
Die Glättungskondensatoren im sekundären Bereich stammen allesamt von Nippon-Chemicon und sind bis zu 105 °C spezifiziert. Zusätzlich sind einige dieser Kondensatoren übrigens auf der Kabelmanagementplatine befestigt.
Alles in allem macht der Innenraum einen runden und hochwertigen Eindruck, wenngleich unserer Meinung nach ein bisschen weniger Gedränge und mehr Ordnung herrschen könnte.
Chroma-Teststation
Für unsere Netzteiltests setzen wir ab sofort auf eine vollautomatische „Chroma 6000 ATS“-Teststation. Diese muss lediglich programmiert werden und testet danach das Netzteil mit den eingegebenen Einstellungen und gewünschten Verfahren ohne weitere Bedienung. Somit können wir eine 100-prozentige Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Netzteilen herstellen, da bei jedem Testprobanden jede Messung zur exakt gleichen Zeit und in der exakt gleichen Länge durchgeführt wird. Zudem sind Messfehler durch menschliches Versagen ausgeschlossen. Die Teststation kann eine Last von insgesamt 3000 W erzeugen und damit jedes aktuell auf dem Markt befindliche Netzteil auslasten.
Da solch eine Last entsprechend lautstark gekühlt werden muss, ist eine Lautstärkemessung des Netzteils allerdings nicht möglich. Als Ersatz messen wir deshalb die Umdrehungsgeschwindigkeit des Lüfters mit einem Messinstrument von Shimpo.
Normalerweise würde die Chroma einen kompletten Testdurchlauf je nach Umfang in ca. 50 Sekunden durchlaufen. Da wir dabei jedoch zeitlich keine Chance hätten, die Umdrehungsgeschwindigkeit des Lüfters zu messen und der Lüfter in diesen wenigen Sekunden nicht einmal auf Touren kommt, lassen wir die Auslastungen unter 230 VAC für jeweils 15 Minuten laufen und beginnen am Ende dieser Zeitspanne mit der Messung.
Die Chroma 6000 ATS enthält fünf Hauptblöcke, die alle per PC gesteuert werden und synchronisiert sind:
- Zehn Switcher Analyzer 650 DC Loads [1] stellen eine programmierbare dynamische Last von jeweils 300 W dar.
- Da unser heimisches Stromnetz vielen Schwankungen unterliegt, ist eine programmierbare Wechselspannungsquelle zur 100-prozentigen Vergleichbarkeit der Netzteile untereinander und exakten Messung der Effizienz unabdingbar. Hierfür bedient sich die Teststation einer 6500 AC Source [2] (s. Bild). Diese stellt das aktuelle Topmodell der Wechselspannungsquellen dar und kann eine große Bandbreite an normalen/abnormalen Spannungsbedingungen simulieren. Somit können wir die Netzteile bei genau 115,00 oder 230,00 VAC, der entsprechenden Frequenz und unter einer perfekten Sinuskurve testen.
- Eine Kombination aus allen Standard-Messinstrumenten bietet der Power Analyzer.
- Für das Messen von Ripple & Noise und anderen speziellen Dingen ist eine erweitere Messeinheit zuständig, weshalb ein externes Oszilloskop überflüssig ist und wir keine gewohnten Ripple-&-Noise-Grafiken präsentieren.
- Zum Simulieren von Überspannungs- und Unterspannungstest ist eine Gleichspannungsquelle implementiert.
Insgesamt können wir mit der Teststation 41 verschiedene Elemente in unterschiedlichen Varianten vollautomatisch testen. Es sei noch erwähnt, dass wir bei Raumtemperatur messen.
Doch woher stammt die mehrere zehntausend Euro teure Chroma? Wir möchten an dieser Stelle offen darauf hinweisen, dass die Chroma-Teststation bei Listan (be quiet!) steht und wir als Gast darauf testen. Wir sind uns der Brisanz der Lage bewusst, können allerdings versichern, dass Listan unser vollstes Vertrauen genießt und dank folgenden Punkten schlicht kein Einfluss auf die Messergebnisse genommen werden kann: 1. Wir reisen mit unseren eigenen Testexemplaren an und lassen nicht, wie durchaus üblich, „remote testen“. 2. Die Lastberechnung, das Eingeben der Lasten und jegliche andere Vorarbeit wird vollständig von uns selbst erledigt. 3. Es handelt sich bei der verwendeten Chroma um ein vollautomatisches Modell, Manipulationen sind schlicht nicht möglich.
Sollten wir auch nur den geringsten Zweifel daran haben, keine absolut unabhängigen Ergebnisse mit der Teststation erzielen zu können, werden wir unverzüglich auf weitere Tests mit der Chroma verzichten.
Da wir immer auf der Suche nach Verbesserungen in unseren Testverfahren sind, werden unsere ausführlichen Testmethoden noch weiter ausgeweitet. Geplant sind unter anderem Auslastungen von 10, 80 und 110 Prozent, Crossload-Tests sowie eine Prüfung, die das Verhalten des Netzteiles bei problematischer Eingangsspannung zeigt.
Test
Die Lastverteilung wird streng nach den ATX-Vorgaben errechnet.
| +5 V | +12 V1 | -12 V | +3,3 V | +5 Vsb | +12 V2 | +12 V3 | +12 V4 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 20 % Last | 3,23 | 1,95 | 0,12 | 3,23 | 0,39 | 1,95 | 2,21 | 2,21 |
| 50 % Last | 8,07 | 4,87 | 0,31 | 8,07 | 0,96 | 4,87 | 5,53 | 5,53 |
| 100 % Last | 16,14 | 9,73 | 0,62 | 16,14 | 1,93 | 9,73 | 11,06 | 11,06 |
Effizienz
Die 80Plus-Initiative testet im amerikanischen 115-VAC-Netz, weshalb wir unsere Effizienz-Messungen zur Vergleichbarkeit ebenfalls bei diesem Input durchführen. Zusätzlich testen wir jedoch auch mit unserer heimischen Eingangsspannung von 230 VAC. An dieser Stelle möchten wir betonen, dass die Ergebnisse immer etwas von den Originalergebnissen der 80Plus-Initiative abweichen werden, da die Effizienz durch vielerlei Faktoren wie der Raumtemperatur, der Netzteiltemperatur etc. beeinflusst wird.
| 20 % Last | 50 % Last | 100 % Last | |
|---|---|---|---|
| 80Plus-Bronze | 82,00 | 85,00 | 82,00 |
| Antec TP-650 | 85,28 | 86,62 | 83,05 |
| 80Plus-Silber | 85,00 | 88,00 | 85,00 |
Effizienz-Durchschnitt, 115 VAC
Angaben in Prozent
|
Effizienz-Durchschnitt, 230 VAC
Angaben in Prozent
|
Das TP-650 hat keine Probleme damit, den 80Plus-Bronze-Standard zu erreichen und liegt bei einer Last von 20 Prozent sogar auf 80Plus-Silber-Niveau.
PFC
Die nicht sinusförmige Stromentnahme der Komponenten löst Komplikationen beim Stromversorger aus und lässt eine Blindleistung entstehen, welche eine unnötige Belastung der Bauteile darstellt. Als Gegenmaßnahme wirkt die Leistungsfaktorkorrektur (PFC), wobei ein Wert von 1,0 den Entfall der Blindleistung widerspiegelt.
Leider kann das Gerät in diesem Punkt nicht überzeugen und präsentiert mit einem Spitzenwert von 0,953 bei 230 VAC ein eher schwächliches Ergebnis.
Spannungsregulation
Alle Messungen auf den folgenden Seiten werden nun mit einer Eingangsspannung von 230 VAC durchgeführt.
Das TP650 zeigt eine sehr gute Spannungsregulation. Lediglich die +5Vsb-Spannung kommt mit 4,872 V recht nahe an den Grenzwert von 4,750 V.
Ripple & Noise
Die Ripple-&-Noise-Messungen zeigen die Qualität der ausgegebenen Spannungen, in dem nicht vollständig geglättete Wechselspannungsanteile in Spannungsspitzen sichtbar und erfasst werden. Dabei darf der Abstand zwischen dem unteren und oberen Punkt der Spannungsspitze (Peak-to-Peak) bei 12 V nicht höher als 120 mV sein. Die restlichen Spannungen müssen Werte unter 50 mV präsentieren.
In Sachen Ripple & Noise gibt es nichts zu bemängeln. Die Grenzwerte sind bei allen Spannungen weit entfernt.
Lautstärke
Unter 20-Prozent-Last ist das TP-650 kaum wahrnehmbar, erklimmt dann mit 960 U/min bei halber Auslastung ein hörbares Niveau und wird unter Volllast sehr deutlich hörbar.
Sonstige Messungen
Hold-Up-Time
Im Stromversorgungsnetz kommt es immer wieder zu Schwankungen und kurzzeitigen Stromausfällen, welche die Netzteile für eine gewisse Zeit überbrücken müssen. Der ATX-Standard gibt als Mindestzeit 16 Millisekunden vor.
Hold-Up-Time
Angaben in Millisekunden
|
Alle 12-V-Leitungen liegen unterhalb des Grenzwertes, was als Ursache eine zu kleine Dimensionierung des Primärkondensators haben könnte. Die Hold-Up-Time der +12-V-Schienen muss man im Gegensatz zur -12-V-Leitung sogar als sehr deutlich zu niedrig werten. Die Standby-Leitung (+5Vsb) liegt bei 919,181 Millisekunden Stützzeit.
Einschaltstrom
Beim Einschalten des PC-Systems entsteht ein sehr starker Strom, der das gesamte heimische Stromnetz kurzfristig belastet. Die ATX-Spezifikation sieht einen solchen Einschaltstrom von maximal 100 A bei unserem 230-V-Netz vor.
Einschaltstrom
Angaben in Ampere
|
Power-Good-Signal
Beim Einschalten braucht ein Netzteil einige Sekundenbruchteile, bis die Spannungen auf allen Leitungen ihren Nominalwert erreicht haben. Dauert der Vorgang zu lange oder läuft zu schnell ab, kann dies zu Problemen beim Start des Systems führen.
Power-Good
Angaben in Millisekunden
|
Zusammenfassung
Das Antec TruePower New kann überzeugen, was schon an Dingen wie dem vorteilhaften Hybrid-Kabelmanagement, der passenden Leistungsverteilung oder der stimmigen Kabelanzahl und -länge sichtbar wird. Auch im Innenraum weiß das Antec TP-650 zu gefallen und zeigt solide Seasonic-Qualität. Die Netzfilterung macht einen gut ausgestatteten Eindruck, alle Kondensatoren sind Markenware und dank den Gleichstromwandlern der DC-DC-Technik kann man das Netzteil sogar als einen Vorreiter im Mittelklassesegment bezeichnen.
In Sachen Effizienz erreicht das Gerät ohne Probleme den 80Plus-Bronze-Standard und liegt bei einer Auslastung von 20 Prozent sogar auf Silber-Niveau. Die Leistungsfaktorkorrektur (PFC) kann da leider nicht mithalten und präsentiert mit einem Spitzenwert von 0,953 bei 230 VAC ein eher schwächliches Ergebnis. Die Spannungsregulation liegt hingegen wieder voll im Soll, keine Spannung läuft akut Gefahr, den Grenzbereich zu verlassen. Lediglich die +5-Vsb-Leitung kommt unter 100 Prozent Last langsam in die Nähe des Grenzwertes. Fast noch besser sieht es bei Ripple & Noise aus: +12 V erreichen maximal 30 mV (Grenzwert: 120 mV), 3,3 V liegt unter voller Auslastung bei 18 mV (Grenzwert 50 mV) und 5 V stehen mit maximal 13 mV (Grenzwert 50 mV) ebenfalls sehr gut da.
Doch auch eindeutig negative Seiten haben unsere Messungen aufgedeckt: Die Lautstärke ist bei 20 und 50 Prozent Last zwar mehr als in Ordnung, steigert sich dann aber dank bis zu 1.915 U/min deutlich. Wir würden ANTEC raten, unter anderem über ein anderes Lüftermodell nachzudenken. Der verbaute ADDA-Lüfter ist zwar vorteilhafterweise kugelgelagert, war aber schon in der Corsair-HX-Serie nicht als Leisetreter bekannt. Und auch bei der Hold-Up-Time patzt der Aspirant: Die ATX-Spezifikation gibt als Minimalwert 17 ms vor, das TP-650 schafft auf +12 V lediglich 12–13 ms. Das ist schlicht gesagt deutlich zu wenig und übrigens nichts überraschendes, denn Seasonic hatte schon des Öfteren Probleme in diesem Bereich.
Fazit
Alles in allem wandert das Antec TruePower New auf Messers Schneide zwischen Empfehlung oder nicht. Auf der Haben-Seite stehen viele, meist sehr gute Ergebnisse von der Effizienz bis hin zur Spannungsregulation, auf der Kontra-Seite befinden sich jedoch mit der Leistungsfaktorkorrektur, der Hold-Up-Time und der Lautstärke unter hoher Last ganze drei Punkte. Doch der Preis von rund 92 Euro lässt diese Patzer schnell vergessen und setzt das gebotene in Relation: Das Antec TruePower New 650W ist ohne Frage eines der besten Netzteile im Mittelklassesegment. Wer mehr will, muss tiefer in die Tasche greifen und in den High-End-Bereich schauen.













