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Test: Asus WL-700gE

von Stephan Wied

Vorwort

Beim „Multifunctional Wireless Storage Router“ WL-700gE von Asus handelt es sich um ein klassisches Multifunktionsgerät. Es vereint DSL-Router, Switch sowie NAS in einem Produkt. Mit dem WL-700gE ist es dem Anwender nicht nur möglich, jederzeit von mehreren Rechnern per Kabel oder Funk ohne lästige Einwahl am Rechner online zu gehen. Das in die Kategorie Router eingestufte Produkt stellt darüber hinaus die Schaltzentrale in einem SOHO-Netzwerk (Small Office, Home Office) dar und hält auf der integrierten oder per USB-Port angeschlossenen Festplatte Daten für jeden berechtigten Teilnehmer im Netzwerk bereit. Downloads wickelt der WL-700gE selbstständig ab, ohne dass ein Rechner im Netzwerk aktiv sein muss.

Asus WL-700gE – Frontansicht
Asus WL-700gE – Frontansicht

Wir wollen die eierlegende Wollmilchsau auf den folgenden Seiten genau unter die Lupe nehmen.

Lieferumfang

Neben dem Gerät und der vom Käufer vor der Inbetriebnahme noch anzuschraubenden Antenne befinden sich ein Kabel für die Stromversorgung, ein 150 cm langes Cat5e–Patchkabel, ein Standfuß, eine Support-CD und eine Schnellanleitung im Lieferumfang. In der Anleitung wird in kurzen und gut bebilderten Schritten die Einrichtung des Routers und die Installation der Software dargestellt. Sie sollte auch für den wenig erfahrenen Anwender nachvollziehbar und interpretierbar sein, sofern er der englischen Sprache einigermaßen mächtig ist. In deutscher Sprache gibt es die Anleitung nicht.

Externe Zusatzantenne im Lieferumfang des WL-700gE
Externe Zusatzantenne im Lieferumfang des WL-700gE

Verarbeitung

Der WL-700gE ist in der von Asus gewohnten Qualität gefertigt. Die Teile sind passgenau verarbeitet und haben keine hervorstehenden oder scharfen Kanten. Auch wenn viele Komponenten aus Plastik gegossen sind, macht der Router einen stabilen Eindruck. Wird der Router hochkant im Standfuß aufgestellt, steht er fest und stabil. Die interne Festplatte sitzt in einem Metallrahmen über der Platine. Die Temperatur der Festplatte lässt sich nicht auslesen. Während des Betriebes wird das Gehäuse handwarm, wobei Löcher im Deckel dafür sorgen, dass die HDD Wärmeenergie an die Umgebung abgeben kann.

Sobald das Gerät eingeschaltet wird, erscheinen die Statusanzeigen auf der Vorderseite im freundlichen "Blau macht glücklich"-Design, während der Powerschalter mit einer gelben LED hinterlegt ist. Wer als Heimanwender empfindlich auf Geräusche und Lichtimpulse während des Schlafes reagiert, der sollte den WL-700gE in einem anderen Raum aufstellen oder das Gerät während der Nachtruhe ausschalten. Die Festplattenzugriffe können ebenso störend sein wie die hell leuchtenden und jeden Datenstrom protokollierenden Anzeigen auf der Vorderseite.

WL-700gE mit geöffnetem Deckel
WL-700gE mit geöffnetem Deckel
Asus WL-700gE – Geöffnetes Gehäuse
Asus WL-700gE – Geöffnetes Gehäuse
Ezsetup-Knopf und Möglichkeit den Deckel zu öffnen auf der Rückseite
Ezsetup-Knopf und Möglichkeit den Deckel zu öffnen auf der Rückseite

Technische Daten

Die Netzwerkanbindung an das Internet erfolgt über einen RJ45-WAN-Port, der direkt mit dem DSL-Modem verbunden wird. Das Routing erfolgt entweder über einen der vier kabelgebundenen RJ45-100-Mbit-LAN-Ports oder über Funk nach dem 802.11g- bzw. 802.11b-Standard. Zu diesem Zweck verfügt der WL-700gE über eine interne und eine externe Antenne, die mit bis zu 19 dBm senden. Im Konfigurationsmenü des Routers lässt sich die Sendeleistung noch nachregeln. Darüber hinaus verfügt das Gerät über insgesamt drei USB-2.0-Anschlüsse, wobei zwei auf der Rückseite und einer an der Front platziert sind. Letzter dient der einfachen Übertragung von Daten eines USB-Sticks auf die interne Festplatte, die durch einen Knopf neben dem Powerschalter initiiert wird.

Asus WL-700gE: Rückseite Totalansicht
Asus WL-700gE: Rückseite Totalansicht

Das technische Datenblatt liest sich wie folgt:

Netzwerk

HDD: Hitachi HDT722516DLAT80 PATA, 160 GB
Filesystem: reiserfs
Firmwareversion des Gerätes im Test: 1.0.4.6

Installation

Der WG-700gE kommt schon beeindruckend daher. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass dieses Gerät primär als Router beworben wird. In dieser Kategorie erwartet man nicht solche Dimensionen. Würde man das Pferd anders herum aufzäumen, dann wäre die Überraschung vielleicht nicht so groß: Als NAS (Network Attached Storage) mit integrierter Routerfunktion angeboten, würde sich wahrscheinlich niemand über die Maße und das Gewicht wundern. So wirkt der WL-700gE mit seinen 1,4 Kilogramm schon ziemlich wuchtig.

Zum waagerechten Aufstellen wird eine Fläche von 24 cm in der Breite und 19 cm in der Tiefe benötigt. Die Höhe beträgt 4,5 cm, wobei zu berücksichtigen ist, dass ausreichend Raum für die Luftzirkulation gegeben sein muss. Die Gehäuseober- und unterseite wird gerne etwas wärmer, was auf die im Router integrierte Festplatte zurückzuführen ist. Die verbaute Elektronik trägt ihr Übriges zur Wärmeentwicklung bei. Wird der mitgelieferte Standfuß benutzt, verringert sich die Grundfläche. 9 cm in der Breite stehen dann 20 cm in der Tiefe gegenüber. Die Höhe messen wir mit 26 cm. Die Antenne für die Funkübertragung muss gegebenenfalls mit weiteren 12 Zentimeter dazu gerechnet werden, falls es die Sendeleistung notwendig macht, sie senkrecht auszurichten.

Asus WL-700gE: Frontansicht
Asus WL-700gE: Frontansicht
Asus WL-700gE: Hochkant Fronatansicht
Asus WL-700gE: Hochkant Fronatansicht
Asus WL-700gE: Hochkant Seitenansicht
Asus WL-700gE: Hochkant Seitenansicht

Hat man sich für einen Standort entschieden, kann mit der Verlegung der Kabel fortgefahren werden. Zum Glück hat sich Asus beim Stromanschluss für ein handelsübliches Kabel entschieden. Andere Hersteller gehen leider dazu über, spezielle Kabel zu verwenden, die dann auch nur über diesen Hersteller zu beziehen sind. Nachdem die Stromversorgung gesichert ist, kann die Verbindung zum DSL-Modem hergestellt werden. Das mitgelieferte Netzwerkkabel wird im Anschluss mit einem PC verbunden, an dem die Netzwerkkarte so eingestellt werden sollte, dass die IP automatisch mittels DHCP bezogen wird. Um allen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, empfehlen wir zunächst eine Verbindung per Kabel, um den Router einzurichten. Grundsätzlich ist es – im Gegensatz zu vielen anderen Routern – jedoch möglich, die Funkverbindung von Anfang an zu nutzen.

Nachdem die CD eingelegt wurde und das darauf enthaltene Setup durchgelaufen ist, findet man eine von Asus neu angelegte Gruppe im Startmenü. Hieraus sollte man nun den EZSetup Wizard starten und wird dann durch die Installation und Einrichtung des W-700gE geführt. Sowohl die Installation, als auch das Setup und die Programme selbst sind allerdings nur in englischer oder chinesischer Sprache verfügbar, so dass man sich im schlimmsten Fall an die Bilder halten muss. Nach der Auswahl des Netzwerkadapters wird der Router gesucht und hoffentlich auch gefunden. Als Erstes wird das Funknetz eingerichtet und anschließend die Verbindung zum Provider konfiguriert. Hier ist man nicht alleine auf DSL-Anschlüsse beschränkt, bei denen man vom ISP eine dynamische IP zugewiesen bekommt. Verbindungen mit statischer IP werden ebenso unterstützt wie der Zugang über ein Kabel-Modem.

WLAN-Konfiguration des Asus WL-700gE:
WLAN-Konfiguration des Asus WL-700gE:

Bevor man sich nun aber endlich ins ungetrübte Internetleben stürzt, sollte man noch einige Einstellungen bezüglich der Sicherheit vornehmen. Im Anschluss kann dann eine Verbindung zum Internet hergestellt werden.

Software

Ein großes Manko stellt sicherlich die Tatsache dar, dass die mitgelieferte Software nur unter Windows läuft. Linux-Benutzer bleiben auf der Strecke oder müssen, wo es möglich ist, den Weg über das Webinterface gehen.

Ein erster Anlaufpunkt, falls der Router nicht gefunden wird, ist das Programm „Device Discovery“. Mit diesem ist es möglich nach dem Router zu suchen und direkt aus dem Programm die Weboberfläche aufzurufen. Mit dem „EZSetup Wizard“ wird die Erstkonfiguration des Routers durchgeführt. Der interaktive Ablauf lässt sich auch von Laien bewältigen. Ein Programm, um Firmwareupdates durchzuführen, darf natürlich genauso wenig fehlen wie ein Deinstallationsprogramm. Beides wird von Asus mitgeliefert.

Download Manager
Ein wichtiger Bestandteil des Softwarepaketes ist der „Download Manager“. Er ermöglicht das Herunterladen von Dateien, ohne dass ein PC im Netzwerk eingeschaltet ist. Einmal über den Download Master gestartet, führt der WL-700gE die Downloads zu Ende. Selbst BitTorrent-Dateien lassen sich so auf der eingebauten Festplatte des Gerätes speichern. Dieses Feature dürfte der interessanteste Teil für viele unserer Leser sein, weshalb wir ihm etwas mehr Aufmerksamkeit schenken.

Downloadmaster des Asus WL-700gE:
Downloadmaster des Asus WL-700gE:

Die Integration des Download Managers in den Standard-Webbrowser ist Asus gelungen und denkbar einfach umgesetzt. Im Internet Explorer findet sich nach einem Rechtsklick auf einen Downloadlink eine neue Option für den Download über den Router im Kontextmenü, mit der man dann entweder nur eine bestimmte Datei herunterladen kann, oder eine vordefinierte Gruppe von Dateitypen. So kann man zum Beispiel alle Bilder einer Internetseite in einem Rutsch auf die Festplatte des Routers verbannen. In Firefox bindet sich der Asus-Download-Manager in den Downloadassistenten ein. Natürlich können auch manuell Dateien mittels Weboberfläche hinzugefügt werden. Als Protokolle hierfür stehen FTP, HTTP und Torrent zur Verfügung. Der Download Manager wird als eigenständiges Programm installiert und ist auch über das Webinterface zu bedienen.

BitTorrent Downloadfenster im Browser
BitTorrent Downloadfenster im Browser

Wie nicht anders zu erwarten war, ist der BitTorrent Client sehr spartanisch ausgerüstet. So kann man weder die Downloadgeschwindigkeit noch den Upload begrenzen. Es wird immer die gesamte zur Verfügung stehende Bandbreite genutzt. Auch hat die Software Schwierigkeiten mit Trackern, bei denen man sich anmelden muss und eine ID mit übertragen wird. Ein bestimmtes System ist dabei nicht zu erkennen. Zu unserem Leidwesen mussten wir die Software einige Male neu installieren, bzw. reparieren. Aus unerklärlichen Gründen kamen immer wieder Fehlermeldungen wenn man einen Downloadauftrag abgeschickt hatte. Hier ist sicherlich ein Ansatz zum Nachbessern seitens des Herstellers von Nöten.

Serverfunktionen

Der Webserver
Eine weitere Möglichkeit dieses multifunktionalen Gerätes besteht darin, anderen Personen seine Daten über das Internet auf einer „Personal Web Page“ zur Verfügung zu stellen. Explizit für Bilder hat Asus ein Tool bereitgestellt, das die Fotos vom eigenen PC auf den WL-700gE überträgt und dort eine Galerie erstellt, welche in die Webseite eingebunden ist. Über den „Photo Album Exporter“ werden die Bilder ausgewählt und dann automatisch übertragen. Ein integriertes CGI-Script sorgt für die Erstellung der Thumbnails (Vorschaubilder in geringer Auflösung) und das Erstellen der Galerie. Der Anwender muss also nichts weiter machen, als sich interaktiv durch das Menü führen zu lassen. Einfacher geht es kaum.

Die Bilder werden außer in der Originalauflösung noch in zwei weiteren Größen gespeichert: Einmal als Thumbnail (100x75 Pixel) und einmal als etwas größeres Vorschaubild (480x360 Pixel). Genau genommen erfolgt sogar noch eine weitere Umrechnung in eine Vorschau in 75x75 Pixel, die neben dem etwas größeren Vorschaubild als Navigationshilfe angezeigt wird.

Personal Web Page mit Photoalben
Personal Web Page mit Photoalben

Die weiteren Möglichkeiten der Personal Web Page beschränken sich auf einen Bereich, in dem sich der Besitzer kurz vorstellen kann, wobei man sich aber auf das Nötigste konzentrieren muss. Als Highlight kann man ein kleines Bild von sich einfügen. Des Weiteren gibt es eine Sektion für die Favoriten – für bevorzugte Links auf Webseiten. Für alle, denen ein eigenes Forum zu kompliziert, zu überdimensioniert oder auch einfach nur zu unwichtig erscheint, hat Asus ein Message-Board in die Personal Webpage mit eingebaut. Hier kann ungezwungen über alles geplaudert werden. Allerdings ohne Komfort und weitere Funktionen.

Über das Design der Personal Webpage muss man sich nicht unterhalten, über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten. Wer möchte, der kann die CSS-Dateien selbstverständlich an seinen Schönheitssinn anpassen, oder aber eine ganz neue und Seite erstellen. Ein Nachteil soll aber auch hier nicht verschwiegen werden: PHP kann man für die Gestaltung seiner Webseiten nicht benutzen.

Der FTP Server

Share-Management-Einstellungen
Share-Management-Einstellungen
Natürlich kann man über den WL-700gE auch anderen Menschen Daten bereitstellen, die per FTP herunter geladen werden können. Zu diesem Zweck ist ein einfacher FTP-Server auf dem Router installiert. Die Zugriffsrechte werden über das Routermenü konfiguriert. Sobald man eine Benutzergruppe angelegt hat, kann man den Zugriff auf bestimmte Daten gezielt freigeben. So wird gewährleistet, dass kein Unbefugter an Informationen kommt, die nicht für ihn bestimmt sind. Weitere Möglichkeiten und Protokolle für den Datenzugriff sind HTTP, NFS und CIFS. Somit kann der WL-700gE auch als Netzlaufwerk eingebunden werden.

Messwerte

Für die Leistungsmessungen haben wir eine 160-GB-Festplatte mit 2 MB Cache in einem externen USB Gehäuse an den WL-700gE angeschlossen und so eingerichtet, dass sie als zusätzliches Laufwerk, also nicht im RAID-Verbund, zur Verfügung stand. Anschließend wurden mehrere Messungen durchgeführt, bei denen eine Datei mehrere Male zwischen den Platten sowie dem ebenfalls eingesetzten Testrechner hin und her kopiert wurde, um die Datenübertragungsraten zu ermitteln. Als Testrechner dient ein Pentium 4 mit 3,2 GHz auf einem MSI 915G Neo2 Platinum, das mit einer Broadcom-NetXtreme-Gigabit-Ethernet-Schnittstelle ausgerüstet ist.

Zuerst interessierte uns, wie schnell wir Daten zwischen dem PC und der internen Festplatte des Routers tauschen können. Im Anschluss erfolgte dieselbe Messung für den Austausch von Daten zwischen PC und USB-Festplatte und schlussendlich schaufelten wir die Daten vom Router auf die USB-Platte und zurück. Unsere Testdatei war genau 111149 Kilobyte groß. Gemessen wurde die Zeit, die zum Übertragen benötigt wurde.

Erfreulicherweise geht der Datentausch zwischen PC und dem WL-700gE recht zügig von statten. Das Testfile war in 27,73 Sekunden (4158 kB/s) von unserem PC auf die Festplatte des Routers überspielt. Den Rückweg legten die Daten sogar noch etwas schneller zurück und benötigten nur 19,30 Sekunden (5759 kB/s). Mit über fünf Megabyte pro Sekunde im Upload kann man seine Daten schnell sichern oder anderen im Netzwerk zur Verfügung stellen. Das Bereitstellen einer kompletten CD mit 700 Megabyte würde so etwas über zwei Minuten in Anspruch nehmen.

Geschwindigkeit im Netzwerk

Router - PC
5.759
USB - PC
5.653
PC - Router
4.158
USB - Router
2.268
Router - USB
2.129
PC - USB
1.972

Der Download von der extern angeschlossenen USB-Platte nimmt geringfügig mehr Zeit in Anspruch. So brauchte unsere Testdatei 19,66 Sekunden (5653 kB/S), um ihren Weg auf unsere Festplatte zu finden. Schlecht sieht hingegen der interne Datenaustausch im WL-700gE aus. Das Kopieren auf die externe Platte nahm 52,20 Sekunden (2129 kB/s) in Anspruch, der Rückweg dauerte 54,85 Sekunden (2036 kB/s). Ergebnisse, die zwar noch über dem USB-1.1-Standard liegen, aber weit hinter den Möglichen von USB 2.0 zurück bleiben. Die Geschwindigkeit zwischen USB-Platten bzw. Router zum PC zeigt, dass der USB Anschluss nicht der limitierende Faktor sein kann. Somit muss es an der internen Verwaltung des Routers liegen. Von dem Problem sind alle USB–Anschlüsse betroffen. Auch der Upload vom PC auf das am Router angeschlossenen USB-Gerät bringt diese Schwäche zum Vorschein: Mit 56,40 Sekunden (1972 kB/s) bestätigt sich sich das schlechte Ergebnis.

Besonderheiten

Die Kür hat Asus gemeistert. Doch Eigenschaften wie UPnP, DHCP-Server, DynDNS und URL-Filter sind mittlerweile in fast allen gängigen Routern selbstredend. Auch NAS, die Möglichkeit, Daten für Dritte bereit zu stellen, und eine kleine Webseite darzustellen, ist anno 2007 nichts Besonderes mehr. Was also hat der WL-700gE seinen Mitbewerbern voraus? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Denn wie erwähnt: Fast alles, was das Asus Gerät vereint, kann man so oder so ähnlich auch einzeln kaufen. Als großen Vorsprung vor den Mitwerbern dürfen sicherlich die USB-Anschlüsse angesehen werden, wobei dem Steckplatz an der Vorderseite eine besondere Erwähnung gebührt. Nie war es einfacher, seine Daten von einem USB-Stick zu sichern. Stick einstecken, Knopf drücken: fertig! Für jemanden, der Unterwegs Daten sammelt und abends dann zu Hause sichern will, ist diese Funktion ein absolutes Highlight. Der PC bleibt aus. Als zweiter wichtiger Punkt wären die rückwärtigen USB-Anschlüsse zu nennen, die es dem Anwender erlauben, einen USB-Drucker, eine Webcam oder eine externe Festplatte anzuschließen. Letzteres erlaubt sogar die Einrichtung eines RAID1, so dass im Notfall, also dem Ausfall der Festplatte, ohne Verzögerung mit den Daten weiter gearbeitet werden kann, die sich im Router befinden.

Da im WL-700gE Linux als Betriebssystem läuft, kann auf Festplatten, die mit NTFS formatiert sind, nicht schreibend zugegriffen werden. Es empfiehlt sich also, die HDD nach dem Anschluss durch das integrierte Tool mit einem Linux-Dateisystem einzurichten. Eine weitere positive Eigenschaft ist das so genannte Bandbreiten-Management. Dort lassen sich einzelne Ports an bestimmte Rechner weiterleiten, denen eine garantierte Bandbreite zugeteilt wird – im Up- wie im Download. Das wird jeden Familienvater freuen, der sich seine Leitung mit dem Nachwuchs teilen muss. Selbstverständlich vorausgesetzt, er hat den Exklusivzugriff auf die Einstellungen des WL-700gE.

WebCam-Konfiguration
WebCam-Konfiguration

Firewall-Einstellungen
Firewall-Einstellungen
Bandwidth Management Konfiguration
Bandwidth Management Konfiguration

Ein Updateclient für DynDNS-Adressen gehört ebenso zum Leistungsumfang wie eine zeitlich gesteuerte Firewall und Filterfunktionen für Webadressen. Kaum noch erwähnenswert sind die Portweiterleitung, die virtuellen Server und die Möglichkeit, eine DMZ (Demilitarized Zone) einzurichten. Wobei in diesem Fall dann alle Datenpakete aus dem Internet auf den angegebenen Rechner ungefiltert weitergeleitet werden. Die letzten Punkte werden jedoch auch von jedem mittelmäßigen Router erfüllt. Beim LAN-to-WAN- sowie beim WAN-to-LAN-Filter entdeckt man dann jedoch wieder eine Besonderheit des Asus-Gerätes. Bei beiden lässt sich sehr genau definieren, wer mit wem über welchen Port zu welcher Zeit Daten austauschen darf. Eine evtl. einmalig zeitaufwendige Arbeit, die sich aber mittels der Weboberfläche einfach bewältigen lässt. Natürlich muss auch die Platzersparnis gegenüber zwei Einzelgeräten Erwähnung finden. Ein Gerät nimmt nun einmal weniger Platz in Anspruch als zwei. Zudem wird nur ein externes Netzteil benötigt und weniger Energie verbraucht. Das wird besonders all jene ansprechen, die oft größere Dateien aus dem Internet laden und nun ob der gesunkenen Energiekosten etwas beruhigter schlafen können. Der Rechner wird abgeschaltet und den Rest übernimmt der WL-700gE.

Alltagsbeobachtungen

Ein größtenteils theoretischer Test ist schön und gut. Doch wie verhält sich das Gerät im Alltag? Was fällt auf – im positiven wie im negativen Sinn?

Um die Antwort auf die wichtigste Frage gleich vorweg zu nehmen: Alle von Asus angepriesenen Funktionen des Routers sind voll alltagstauglich und können uneingeschränkt genutzt werden. Trotz intensiver Tests über einen langen Zeitraum hatten wir keine Ausfälle zu verzeichnen – auch wenn die interne Festplatte bei starker Beanspruchung für reichlich Wärmeentwicklung sorgte. Wie ein Uhrwerk rennt und rennt und rennt der WL-700gE und lässt sich auch nicht durch diverse Stresstests wie Kopieraktionen beirren. In diesem Zusammenhang gibt es von uns also schon einmal vorab das Prädikat „voll alltagstauglich“

Allerdings gibt es auch ein paar Dinge, die wir uns bei einem 200-Euro-Produkt noch wünschen. So wäre es von Vorteil, wenn der Router WDS und VPN unterstützen würde und für den fortgeschrittenen Anwender wäre ein Telnet Zugang interessant. Es gibt zwar schon eine inoffizielle Firmware, die diese Funktionalitäten bietet. Allerdings ist sie noch nicht ganz ausgereift. Darüber hinaus bietet die Firmware das von Asus nicht gebotene Feature „HDD-Spindown“ (die Festplatte wird im Ruhemodus nach einer vorgegebenen Zeit in den Schlaf versetzt) und einen komfortableren BitTorrent-Client.

Dafür, dass kein Schreibzugriff auf per USB angeschlossenen Festplatten möglich ist, die mit NTFS formatiert wurden, kann Asus freilich nichts – hier liegt die Ursache bei Microsoft. Allerdings wäre es zu begrüßen, wenn Asus den Lärmpegel der eingebauten Festplatte über eine integrierte Dämmung mindern könnte oder ein leiseres Modell zum Einsatz käme. Auch eine Platte mit lediglich 5400 U/min würde vollkommen genügen, da die Schnittstellen eh weit unter der maximalen Datenübertragungsgeschwindigkeit solcher Festplatten liegen. Steht der WL-700gE direkt neben dem Benutzer auf dem Schreibtisch, dann stören das Surren sowie die Zugriffsgeräusche der derzeit eingesetzten Festplatte deutlich. Ein Standort im stillen Kämmerlein ist anzuraten.

Asus WL-700gE
Asus WL-700gE

Was unserer Meinung nach unbedingt verbessert werden muss, das ist unter Anderem die WLAN-Anzeige auf der Front. Sie arbeitet absolut unzuverlässig und leider kann man sich an ihr nicht orientieren, ob das WLAN eingeschaltet ist oder nicht. So werden die wirklich nützlichen Features wie das zeitgesteuerte An- und Abschalten des Funknetzwerkes der Kontrolle beraubt. Weiterhin vermissen wir im Webinterface schmerzlich eine Anzeige, die Auskunft darüber gibt, wie lange die Verbindung zum Provider schon besteht. Da die meisten Nutzer eine Volumen-unabhängige Flatrate mit 24-Stunden-Reset besitzen dürften, ist es nicht uninteressant, wann die nächste Zwangstrennung erfolgt. Das Logfile registriert zwar den Zeitpunkt der letzten Einwahl. Doch dieser Eintrag ist nur solange sichtbar, bis er von einem anderen Ereignis überschrieben wird – und das kann mitunter sehr schnell gehen. Ebenso stellt sich die Frage, ob es nötig ist, dass der Router nach jeder kleinen Änderung der Konfiguration einen Neustart durchführen muss, der sich dann auch gleich mit einer Wartezeit von bis zu 45 Sekunden in den Vordergrund spielt. Selbstverständlich gefolgt von einer Neueinwahl beim ISP. Mitbewerber bieten hier die Möglichkeit, exakte Zeitpunkte für die Neustarts vorzugeben, die den Benutzer in seiner Arbeit nicht beeinträchtigen.

Darüber hinaus wünschen wir uns ein etwas ausführlicheres Handbuch und – wenn wir noch einen Wunsch frei haben – sollte es in Deutscher Sprache vorliegen. Nicht alle Menschen sind des Englischen mächtig und gerade bei etwas komplexeren Themen wie dem Einstellen der Firewall oder der Portweiterleitung wäre ein Handbuch in Muttersprache sehr hilfreich.

Fazit

Will man mit mehreren Rechnern Zugriff auf das Internet haben, stellt ein DSL-Router die einfachste und effektivste Lösung dar. Kombiniert mit einem Switch steht auch dem Datenaustausch zwischen den angeschlossenen Rechner nichts im Weg. WLAN sorgt für die drahtlose Kommunikation und die WPA-Verschlüsselung gewährleistet dass sich kein Unbefugter in das Netz einklinken kann.

Der WL-700gE verfügt über sehr viele Einstellungsmöglichkeiten, von denen einige auch zeitgesteuert initiiert werden können. Eine Besonderheit stellt das Bandbreiten-Management dar, das man bei Geräten dieser Preisklasse oftmals vergeblich sucht. Die entsprechenden Einstellungen lassen sich leicht über das Webinterface vornehmen, Ballontipps helfen in den meisten Fällen.

Frontansicht des WL-700gE
Frontansicht des WL-700gE

Sowohl kleinere Heimnetzwerke als auch die Bürokommunikation profitieren vom WL-700gE. Er dient als einfache Schnittstelle zwischen Familienmitgliedern oder Angestellten. Zudem verfügt er über die Möglichkeit, auch von Unterwegs auf die auf dem Router abgelegten Daten zuzugreifen. Dies kann auch bei dynamischen IP-Adressen über einen der vielen DynDNS-Dienste realisiert werden. Eine gute Anleitung hierfür findet sich in unserem Forum [1]. Die interne Festplatte lässt sich ohne weiteres gegen ein größeres Modell austauschen. Bis zu 400 GB werden von Asus garantiert. Wem dies immer noch nicht reicht, der kann über USB weitere Geräte anschließen. Ein großer Vorteil eines NAS besteht außerdem darin, dass Niemand auf seinem PC Ressourcen freigeben muss, Daten aber trotzdem zentral und für den vorgesehenen Personenkreis verfügbar sind.

Auch für einfache Webserver-Anwendungen reichen die Möglichkeiten des Routers durchaus. Wer etwas mehr will, der muss sich wie gehabt im Internet Speicherplatz mit einer schnellen Anbindung und weiteren Möglichkeiten wie PHP und Co. anmieten. Sehr schön ist die Tatsache, dass man vor dem Abschalten des PCs einen Downloadjob starten kann, der dann durch den WL-700gE ausgeführt wird, während der Rechner heruntergefahren und abgeschaltet werden kann. Dies entlastet Stromrechnung wie Umwelt enorm. Während des Betriebes registrieren wir eine Durchschnittsstromaufnahme von (allerdings ebenfalls nicht zu unterschätzenden) 12 Watt. Spitzenwerte von bis zu 22 Watt werden nur beim Einschalten erreicht.

Alles in Allem ist der WL-700gE ein Allrounder, den man unter vielfältigen Bedingungen einsetzen kann. Rechnet man den Einzelkauf aller Komponenten gegen den Anschaffungspreis der Asus-Lösung, dann kommt man vielleicht geringfügig günstiger bei weg. Doch hat man dann auch wieder unterschiedlich Geräte zu Hause stehen, die platziert werden müssen, mehr Energie verbrauchen und nach Pflege verlangen.

Der Asus WL-700gE verrichtet seine Dienste klaglos. Nur hier und da hakt es noch etwas und man hat das Gefühl, es müssen noch ein paar Kinderkrankheiten beseitigt werden. So war die mitgelieferte Software aus unbestimmter Ursache nach einer gewissen Zeit nicht mehr in der Lage, Downloadaufträge abzuarbeiten. Eine Neuinstallation brachte schließlich Abhilfe.

Der Straßenpreis des WL-700gE liegt aktuell bei rund 200 Euro bei guter Produktverfügbarkeit. Eine alternative Firmware für experimentierfreudige Nutzer und weitere Informationen gibt es auf openwrt.org [2] bzw. wl500g.info [3].

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/forum/showthread.php?t=151474
  2. http://wiki.openwrt.org/OpenWrtDocs/Hardware/Asus/WL700gE
  3. http://wl500g.info/forumdisplay.php?f=87
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