Vorwort
Mit der Erschließung eines völlig neuen Marktes, gemeint ist das von Beginn an viel beachtete Netbook-Segment, ist Asus spätestens zu Beginn des letzten Jahres aufgrund lukrativer Pionierarbeit zur nicht mehr wegzudenkenden Branchengröße aufgestiegen. Der Grund für den Erfolg ist in der pragmatischen Simplizität und in einem daraus resultierenden vergleichsweise günstigen Preis für die berühmte EeePC-Familie zu finden.
Abseits dieser relevanten Eigenschaften gestalteten sich jedoch vor allem die ersten Varianten der prestigeträchtigen Reihe nicht gerade als waschechte Hingucker. So galt bis vor nicht allzu langer Zeit für einen EeePC: Lange Akkulaufzeiten, angemessene Leistung, guter Preis: ja; ein besonders ansprechendes Äußeres: eher nein. Viele Eee-Modelle wie beispielsweise die 901er-Ausgabe wirkten stets ein wenig klobig, was besonders in einem direkten Vergleich mit eleganten Konkurrenten wie dem Dell Mini 9 [1] besonders ins Auge fiel. Mit dem EeePC S101 soll nun über die Verquickung der „alten“ Eigenschaften der Serie mit einem ansprechenden Äußeren alles noch besser werden. Ob dieser Versuch gelungen ist, klärt dieser Test.
Diverses
Lieferumfang
Bereits bei der Betrachtung des Lieferumfangs fällt auf, dass Asus mit dem S101 eine völlig neue Zielgruppe ansprechen möchte. Statt einer nüchternen Kartonage wird das Gerät von einem auffällig schwarzen, rechteckigen Karton geschützt, in dessen Inneren ein sinnvolles Verpackungssystem zum Vorschein kommt. Der Lieferumfang selber gestaltet sich dagegen, abgesehen von der beiliegenden 16-GB-SD-Karte, nicht als Überraschung: Neben Handbüchern, CDs, einem Tuch und dem Netzteil liegt eine kleine Tasche für das S101 bereit, womit der gängige Standard erfüllt wird.
Auch das Ausmaß der vorinstallierten Software offenbart keine Überraschungen, sofern man mit dem Asus-Standard vertraut ist. Dies bedeutet, dass das S101 – in unserem Test die XP-Variante – mit der üblichen vorinstallierten Asus-Support-Software aufwartet, die sich in einer dementsprechend satt gefüllten Sys-Tray niederschlägt. Abgesehen davon kommen aber kaum Angebote von Drittherstellern zum Einsatz, sodass auf lästige Deinstallationen von nicht zu gebrauchenden Trial-Versionen weitgehend verzichtet werden kann. Dies bedeutet, dass man zumindest theoretisch mit der Installation ab Werk loslegen kann, ohne das System gezwungenermaßen neu aufzusetzen.
Ausstattung
Geht es nach den inneren Werten, handelt es sich beim S101 um ein ziemlich konventionelles Netbook. Mit einem Atom-N270-Prozessor (1,6 GHz), einem GByte Arbeitsspeicher und der Chipsatz-Grafikkombination 945GSE/GMA950 bestückt, rangiert das Gerät auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Dies gilt auch für die weiteren Eckdaten, zu denen ein 10,2-Zoll großes, mattes Display (Auflösung: 1024x600), eine Webcam sowie ein Cardreader gehören. Auch der Einsatz einer 16 GByte großen SSD stellt mittlerweile keine Besonderheit mehr dar. Die Standard-Ausstattung wird einzig durch die Verfügbarkeit des schnellen Wireless-N aufgebrochen, sodass das S101 Teilen der Konkurrenz in Sachen WLAN voraus ist.
| Komponente | EeePC S101 |
|---|---|
| Prozessor | Intel Atom N270 (1.6 GHz) |
| Chipsatz | Intel 945GSE |
| Grafiklösung | Intel GMA 950 |
| Display | 10,2" (matt) |
| Auflösung | 1024x600 |
| Arbeitsspeicher | 1.024 MB (DDR2, max. 2 GB) |
| Flashspeicher (XP) | 16 GB SSD (Asus), 16 GB SD-Karte |
| Akku | 4-Zellen |
| Webcam | 0,3 MP |
| Kommunikation | WLAN 802.11n, Bluetooth 2.0 |
| Cardreader | SD, MMC, MS/Pro |
| Schnittstellen | 3 x USB, VGA, LAN, Mikrofon, Kopfhörer |
| Betriebssystem | XP Home / GNU Linux |
| Garantie | 2 Jahre Pick-Up-&-Return-Service |
Ein Blick auf die Verteilung der Schnittstellen offenbart, dass die Asus-Designer Wert auf relativ unberührte Seitenbereiche legen. So finden sich an den Seiten des Gerätes nur zwei USB-Slots (links) bzw. ein USB-Slot und die Mikrofon- und Kopfhörer-Eingänge (rechts). An der Rückseite verfügt das S101 über den LAN- und VGA-Ausgang sowie den Cardreader.
Optik & Verarbeitung
Während das S101 in puncto Ausstattung für keinerlei Überraschungen sorgt, tut es dies mit Blick auf die Optik in hohem Maße. Insbesondere im direkten Vergleich mit manchem Vorgängermodell erweist sich das Gerät als wirklich schicker und obendrein handlicher Begleiter. Dies ist zunächst auf die edle aber anfällige Klavierlack-Optik zurückzuführen, die dem S101 zumindest auf dem Deckel eine ansehnliche Eleganz verleiht. Die Unterseite kommt dagegen im nüchternen aber sachlich angemessenen Plastik-Look daher.
Zusätzlich verstärkt wird der positive Eindruck von der schlanken Beschaffenheit des S101. Wer beim Stichwort „EeePC“ an klobige Plastik-Geräte mit herausragenden Akkus denkt, wird dank diesem Mitglied der Eee-Familie eines Besseren belehrt, wobei der kleinere Akku sich selbstredend auf die Laufzeiten auswirkt (siehe Abschnitt „Leistung“). Das S101 überzeugt mit zierlichen Scharnieren, Handablageflächen aus gebürstetem Edelstahl, dezent abgerundeten Ecken, integrierten weiß-grauen beziehungsweise orangen LEDs und einem insgesamt äußerst kompakten Auftreten. Letzteres wird durch das geringe aber nicht herausragende Gewicht von 1,1 Kilogramm (inklusive Akku), vor allem aber durch die dezente Abmessung von 264 x 181 x 20 (in mm, BxTxH) bedingt, wobei insbesondere die geringe Höhe dafür sorgt, dass das Netbook einen kleinen aber feinen Augenschmaus darstellt.
Auch die solide Verarbeitungsqualität trägt zu dem soeben beschriebenen Eindruck bei. Der Deckel des S101 lässt sich leichtgängig öffnen, was allerdings lobenswerter Weise nicht bedeutet, dass das Display mögliche Bewegungen des Untergrunds aufnimmt, und auch das Schließen erfolgt flüssig und vor allem bündig. Auch an anderen kritischen Stelle wie Materialübergängen oder an den Scharnieren konnten keinerlei Mängel festgestellt werden, im Gegenteil: Das S101 vermittelt, abgesehen vom für Fingerabdrücke und Staub anfälligen Klavierdeckel, einen sehr soliden Eindruck.
Leistung
Bisher stach das S101 vornehmlich durch ein ansprechendes Äußeres aus der Konkurrenz hervor. Dagegen scheint das Gerät auf dem Papier im großen Netbook-Einerlei mit Blick auf die Leistung für keine Überraschung bzw. einen zusätzlichen Kaufanreiz gut zu sein. Der folgende, rudimentäre Leistungscheck zeigt allerdings, dass in dem eleganten Gehäuse durchaus mehr Leistung steckt, als man zunächst erwartet.
Zuerst haben wir das S101 mit PC Mark 05 malträtiert. Auch wenn die Anwendung prinzipiell aufgrund der Nicht-Standard-Auflösung Probleme bereiten kann, war es möglich, die Tests ohne Komplikationen durchlaufen zu lassen. Hier konnten im Akku-Modus etwas mehr als 1700 Punkte erreicht werden, was im Vergleich zu Konkurrenzprodukten mit rund 1500 Punkten oder darunter ein durchaus bemerkenswertes Ergebnis darstellt und dazu führt, dass das S101 an dieser Stelle als eines der schnellsten Netbooks auf dem Markt identifiziert werden kann. Die Leistung variiert ohne eingestecktes Netzkabel kaum, was bedeutet, dass der Nutzer auch unterwegs auf den Großteil der möglichen Performance Zugriff hat. Dies macht sich bei der Arbeit am S101 durch ein schnelles Aufrufen diverser Büro- und Kommunikationsprogramme ganz konkret bemerkbar, was auch an der angemessenen Leistung der verbauten Asus-SSD liegt. Der folgende Screenshot liefert hierauf einen Hinweis.

Weiterhin von Interesse ist die Temperaturentwicklung. Um hier ein paar Richtwerte zu erhalten, wurde während des Benchmarks mit PC Mark 05 das kleine Tool HW Monitor bemüht.
Zwar liegen die Werte allesamt in annehmbaren Bereichen, doch muss vermerkt werden, dass damit einher auch der Lüfter ab und an deutlich zu hören war. Die Intervalle hielten sich jedoch mit einigen wenigen Sekunden im Rahmen des Vertretbaren, sodass hier kein wirklicher Minuspunkt vermerkt werden soll.
Für die tatsächliche Tauglichkeit im mobilen Alltag spielt natürlich auch die Akkulaufzeit eine wichtige Rolle. Um gleiche Voraussetzungen zu gewährleisten, wurden die Laufzeiten stets von den folgenden Einstellungen ausgehend ermittelt:
- Alle Systemgeräte an
- Ausnahmen: Bluetooth, Webcam
- Displayhelligkeit auf 50 Prozent
- WLAN an und verbunden
- Sound an
Zur Ermittlung der Akkulaufzeit kam das Tool Battery Eater 05 Pro in der Version 2.70 zum Einsatz. Dieses reizt in einem klassischen Test die Performance des Testgerätes aus und deaktiviert dabei alle Stromsparoptionen. Da der Standard-Nutzer sein Gerät kaum durchgängig komplett auslastet, sei darauf hingewiesen, dass das „Classic“-Ergebnis somit Aufschluss darüber liefert, wie lange das mobile Gerät unter überdurchschnittlich fordernden Bedingungen durchhält. Überdies bietet die Anwendung die Möglichkeit, einen „Idle“-Test durchzuführen. Da die tatsächliche Akkuleistung je nach Benutzerverhalten variiert, kann der Mittelwert aus beiden Testmethoden als guter Richtwert dafür herhalten, wie lange man mit dem Netbook unterwegs tatsächlich arbeiten kann.
Akku-Laufzeiten
Angaben in Stunden, Minuten
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Erwartungsgemäß geht Asus beim S101 laufzeitentechnisch einen Kompromiss ein. Zwar macht das Gerät dank des kleinen Akkus einen schlanken Eindruck und liegt ansehnlich in Linie auf, dafür müssen sich äußerst mobile Nutzer beim S101 aber von Laufzeiten im Bereich der 5 Stunden und mehr verabschieden. Je nach Anwendertyp kann an dieser Stelle also unter Umständen ein Argument gegen das Netbook gefunden worden sein.
S101 im Alltag
Aufgrund der konventionellen Größe des S101 unterscheidet sich die konkrete Anwendung des Gerätes im Alltag nur unwesentlich von anderen Netbooks. Dies bedeutet, dass man selbstredend mancherlei Zwänge in Kauf nehmen muss. So fällt ein fehlerloses, schnelles Schreiben auf dem eigentlich hervorragenden Tastaturlayout des S101 aufgrund der geringen Breite von ca. 13 mm pro Taste zumindest anfänglicher eher schwer. Auch weitere Standard-Tätigkeiten wie beispielsweise das Surfen im Internet oder die Nutzung von Büroprogrammen sind aufgrund der Auflösung und der geringen Größe des Displays für ungeübte Anwender zunächst gewöhnungsbedürftig.
Allerdings ist nach wie vor davon auszugehen, dass der Zuschlag an ein Netbook – und ggf. an das S101 – nach reiflicher Überlegung erfolgt ist. In diesem Fall wird sich der neue Besitzer über die hervorragende Portabilität des Gerätes freuen. Überdies wartet die Tastatur des S101 mit einem guten Druckpunkt und einer leichtgängigen Benutzung auf, während das Touchpad ordentlich reagiert und zwei nahezu perfekt austarierte Maustasten bietet.
Da auch die VGA-Ausgabe an einen Samsung T220 in der nativen Auflösung von 1680x1050 ein gutes Bild liefert, lässt sich abschließend festhalten, dass das S101 abseits von generellen Überlegungen zum Sinn und Zweck von Netbooks im allgemeinen im Alltag einen ordentlichen Begleiter darstellt.
Fazit
Das Netbook-Segment ist mittlerweile derart ausdifferenziert, dass Produktveröffentlichungen nur noch selten größere Aufmerksamkeit zugesprochen bekommen. Aus diesem Grund verwundert es nicht, dass es beispielsweise schon ein ultra hochauflösendes Display sein muss [2], um mit einem Netbook dieser Tage in aller Munde zu sein.
Trotz der Sättigung mit zahlreichen Produktkategorien und Unterrubriken mit zig Bezeichnungen gibt es dennoch ab und an neue Geräte, die die eben erwähnte Aufmerksamkeit zu einem gewissen Grad durchaus verdienen. Das S101 ist zu dieser scheinbar seltener werdenden Gattung zu zählen, da es das bisherige EeePC-Portfolio sinnvoll erweitert. Dies hat zwei Gründe: Zum einen wagt sich Asus mit der Produktreihe erstmals in edlere Gefilde (neben Schwarz sind auch Braun und Champagner verfügbar) vor, sodass sich eine komplett neue Zielgruppe angesprochen fühlen könnte, die bisher aufgrund der Beschaffenheit der EeePC-Familie eher zur Konkurrenz tendiert hat. Auf der anderen Seite bringt das S101 abseits von allen kosmetischen Aspekten mit einer äußerst soliden Leistung auch ganz praktische Argumente mit sich, die für einen Zuschlag sprechen. Das attraktive Äußere des Netbooks ist allerdings mit nennenswerten Einbußen bei den Laufzeiten verbunden, sodass hier anwenderspezifisch abgewogen werden muss, inwieweit dies ins Gewicht fällt.
Die soeben genannten Vorteile haben allerdings einen Nachteil, der – von individuellen Begehrlichkeiten unabhängig – zugleich der größte Kritikpunkt ist: Mit rund 500 Euro kostet das elegante S101 einen für das Segment majestätischen Preis, der gerade mit Blick auf die aktuell enorm niedrigen Anschaffungskosten für ein leistungstechnisch ungleich stärkeres Notebook für die meisten potentiellen Käufer zu schwer wiegen dürften. Und so stellt sich die Frage, ob ein solcher Preis für ein ansprechenderes Äußeres sowie etwas mehr Leistung tatsächlich zu verargumentieren ist.
Dies ist letztlich einmal mehr individuell zu klären. Der grundsätzliche Gedanke, den die Asus-Strategen verfolgen, könnte so lauten: Die Käuferschaft, auf die das S101 abzielt, wird durchaus bereit sein, ein paar Euro mehr zu bezahlen, um ein dem Stil entsprechendes Gerät zu erhalten. Insofern könnte sich das Gerät durchaus nennenswerter Beliebtheit erfreuen. Wer rein rational und kostenbewusst an die Angelegenheit herangeht, wird sich hingegen eher andere (Eee-)Netbooks anschauen – oder gleich ein Notebook kaufen.
Tagesaktuelle Preise und Verfügbarkeit:





