Einleitung
Dass Computerspieler keine unbedeutende Minderheit mehr sind, dürfte sich die letzten Jahre heraus kristallisiert haben. Aus diesem Grund sind natürlich auch die Hersteller stets bemüht die besonderen Ansprüche dieser Zielgruppe an ihr Werkzeug - in diesem Fall die Maus - zu erfüllen, um sich so ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzuschneiden. Nachdem beim letzten Mal mit der MX510 [1] Logitechs Vertreter auf Herz und Nieren geprüft wurde und dabei sehr gut abschnitt, sollen dieses Mal Razers Schützlinge im Mittelpunkt stehen und nichtzuletzt Referenzwerte für einen in Kürze folgenden Test der MX518 [2] liefern.



Bei den Vertretern von Razer handelt es sich dabei um die Razer Viper und die Razer Diamondback. Aufgrund ihrer Verwandtschaft zur Razor Boomslang müssen beide Kandidaten in ziemlich große Fußstapfen treten. Ob diese zu groß sind?
Lieferumfang
Die Mäuse wechseln in einer typischen und ansprechenden Verpackung den Besitzer. Beide Geräte müssen per USB-Port an den Computer angeschlossen werden, da im Gegensatz zu Microsoft und Logitech kein PS2-Adapter im Lieferumfang enthalten ist. Dies sollte heutzutage jedoch kein Problem mehr sein.


Die übliche Kurz-Installationsanleitung, die dem User die ersten Schritte vom Anschließen der Maus bis zur Installation der Software näher bringt, ist im Falle der Razer Viper in sehr künstlerischer Form gehalten und definitiv mal etwas ganz Anderes. Ein erweitertes Handbuch mit Informationen und eventuellen Warnungen (beispielsweise über die verwendete Laserklasse) fehlt bei beiden Mäusen jedoch völlig und muss online nachgelesen werden.
Als Softwarepaket erhält der Kunde eine Treiber- bzw. Software-CD für die jeweilige Maus. Die Software steht natürlich jederzeit kostenlos per Download auf der Razer-Webseite [3] bereit.


Als besonderes Highlight liegt bei der Razer Diamondback eine Tasche mit im Paket, um die Maus immer sicher gepolstert auf LANs oder zum Freund zu befördern - dies hat man bei der Konkurrenz noch nicht gesehen.
Gewicht, Kabellänge und Preis
Bevor wir uns die Mäuse im Einsatz ansehen, wollen wir zunächst noch einmal Preise, Kabellängen und das Gewicht der verschiedenen Mäuse vergleichen. Zur Erinnerung: Bei den schnurlosen Mäusen (grün) wurde die Kabellänge der Empfangsstation gemessen und das Gewicht der Batterien von rund 50 Gramm bereits mit einberechnet.
Gewicht
Angaben in Gramm
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In Sachen Gewicht zeigt sich die Razer Viper mit ihren 70 Gramm als echtes Fliegengewicht, während sich die Razer Diamondback im Mittelfeld der Kabelmäuse einordnet. Was die Kabellängen angeht, kann sich Razer mit den Längen von 1,95 m bzw. 2,05 m ganz vorn einordnen, sodass der Anschluss an den PC auf alle Fälle sichergestellt ist.
Kabellänge
Angaben in Zentimeter (cm)
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Leider reiht sich Razer auch preislich ganz vorn ein, denn mit etwa 50 Euro ist die Razer Diamondback bald so teuer ist wie die MX1000, welche für 66 Euro zu haben ist. Die Razer Viper ist mit 34 Euro dagegen genau so teuer wie die MX510 der Logitech-Konkurrenz. (Preise von Alternate [4])
Software
Die aktuellen Treiber samt Software für die jeweiligen Mäuse stehen selbstverständlich kostenlos zum Download in der Razerzone [5] zur Verfügung. Für die Razer Diamondback ist das der Treiber in der Version 4.0.0.3, bei der Razer Viper ist die Treiber-Version 3.1 zurzeit die aktuellste. Beide Varianten unterscheiden sich nur optische voneinander, d.h. die Einstellungsmöglichkeiten sind für beide Mäuse bzw. Softwareversionen identisch.


Einstellungstechnisch kann natürlich auch Razer wie Logitech und Microsoft das Rad nicht neu erfinden. Und so lassen sich mit Hilfe der Software logischerweise die üblichen Einstellungen wie Mauszeiger- und Doppelklickgeschwindigkeit, Mausbeschleunigung, Mausradgeschwindigkeit usw. anpassen. Hier fehlt natürlich auch nicht die Möglichkeit, die Tastenbelegungen zu ändern oder auf Tastendruck eine Tastenkombination durchführen. Allerdings lassen sich keine Tastenbelegungen für bestimmte Programme oder Spiele festlegen, wie man dies bei Microsofts IntelliPoint tun kann.


Eine Einstellungsmöglichkeit, die man bei der Konkurrenz nicht vornehmen kann, lässt sich aber auch noch finden: So ist es möglich, die Mauszeigergeschwindigkeit entlang der x- und y-Achse unterschiedlich einzustellen, wie man es schon bei der Razer Boomslang konnte – wohl eher ein Feature für sehr fortgeschrittene oder experimentierfreudige Nutzer.



Ein weiteres, innovatives Feature ist das so genannte Testfeld, in dem man die soeben geänderte Einstellung direkt ausprobieren kann und beispielsweise sofort merkt, dass die Mausradgeschwindigkeit viel zu hoch eingestellt wurde. Zusätzlich lassen sich die Standardbelegungen der Tasten durch einen einfachen Klick für Links- und Rechtshänder einstellen.
Ein ebenfalls bisher wohl einzigartiges Feature ist das der sogeannten „On-the-fly-Sensitivity“, womit man beispielsweise während des Spielens die Maussensitivität per Tastendruck ändern kann. Die MX518 von Logitech wird eine ähnliche Funktion haben, jedoch wird die Änderung der Sensitivität über eine Änderung der Auflösung (dpi) herbeigeführt werden.
Produktbesprechung
Wie gut sind beiden Mäuse nun im täglichen Einsatz in Sachen Office-Anwendungen und ganz besonders in Sachen Gaming? Hat Marktführer Logitech mit der seit längerer Zeit im Markt etablierten MX510 (die MX518 wird in großen Stückzahlen für Mitte/Ende April erwartet, ein Review auf ComputerBase folgt) die beste Gaming-Maus in seinem Angebot, oder setzt sich die langjährige Erfahrung von Razer durch?



Wie es der Preis schon andeutet, handelt es sich bei der Razer Viper im Grunde um eine abgespeckte Variante der Razer Diamondback, was sich schon bei den technischen Daten wie der Abtastrate bemerkbar macht. So tastet die Razer Diamondback mit 1600 dpi und die Razer Viper mit 1000 dpi die Oberfläche ab. Logitechs MX510 bringt es auf „nur“ 800 dpi, die MX518 erreicht ebenfalls 1600 dpi. Der Unterschied ist im normalen Einsatz allerdings quasi nicht bemerkbar, da der technische Entwicklungsstand schon so weit fortgeschritten ist, dass ein Mensch den Unterschied eigentlich nicht spüren kann. So bedeuten 1600 dpi, dass die Maus um 0,016 mm bewegt werden muss, bevor die Maus die Bewegung erkennt, während das Gerät bei „nur“ 800 dpi schon um 0,032 mm bewegt werden muss - eine solch präzise Bewegung wird im realen Einsatz jedoch niemand durchführen. Da die heute getesteten Mäuse die Abtastung im Betrieb nicht wie die MX518 wechseln können, spielt der Zusammenhang zur Sensibilität keine Rolle.
Unterm Strich haben alle drei Gaming-Mäuse eine sehr hohe und präzise Abtastung. Wir konnten im Alltagsbetrieb keine Unterschiede zwischen 800, 1000 und 1600 dpi feststellen, jedoch zeigte der in der Razer Viper eingebaute Sensor eine deutliche Schwäche. Er kann nur eine Bewegung der Maus mit maximal 35cm/s verarbeiten - wenn man die Maus schneller bewegt, was bei äußerst schnellen Bewegungen beim Gaming manchmal passieren kann, setzt die Maus einfach aus. Im Normalfall wird jedoch 99% der User nie eine solch schnelle, ruckartige Bewegung mit der Maus ausführen, es sei denn man erschreckt sich. Die Sensoren der MX510 und der Diamondback können dagegen 1m/s verarbeiten und haben mit derart schnellen Bewegungen keine Probleme.



Kommen wir zu den wohl bedeutenderen Eigenschaften: Die Razer Viper verfügt als kleinere Variante der Diamondback mit der linken und rechten Maustaste nur über zwei respektive drei Maustasten (die Radtaste mit eingerechnet). Weitere seitliche Tasten fehlen hier, wobei diese doch insbesondere in Aktionspielen - beispielsweise für alternative Waffenfunktionen - sehr nützlich sind. Das krasse Gegenteil dazu gibt die Razer Diamondback ab, welche dem User gleich sechs bzw. (mit der Radtaste) sieben Maustasten zur Verfügung stellt: Neben der linken und der rechten Maustaste befinden sich auf jeder Seite zwei Tasten bzw. eine mehr oder weniger große Taste, die in zwei Tasten aufgeteilt ist. Wie bei der MX510 (und der MX518) ist die weiter hinten an der Maus positionierte Taste dabei recht schwer zu erreichen, da der Daumen angewinkelt werden oder man sich viel Übung antrainieren muss, die vordere Taste mit der Daumenspitze und die hintere mit dem Mittel- oder Grundglied zu betätigen, was mit dem Daumen schon sehr schwierig und mit dem kleinen Finger wohl zum totalen Krampf ausartet und nicht zu realisieren ist. Weniger ist an dieser Stelle wohl mehr und so würden es zwei große seitliche Tasten wie bei der Microsoft IntelliMouse Optical 2.0 [6] auch tun.


Was die Form angeht, so sind beide Mäuse nahezu identisch. Sie sind symmetrisch aufgebaut und damit im Gegensatz zur MX510 von Logitech für Links- und Rechtshänder gleichermaßen geeignet. Der Nachteil ist jedoch, dass die Maus im Vergleich zur MX510, bei der Hand und Maus in äußerst gelungener Art und Weise eine Einheit bilden und ineinander übergehen, nicht wirklich gut in der Hand liegt, da die Maus recht wenig bis gar nicht an die Form der Hand angepasst ist. Ein Grund hierfür ist, dass bei beiden Mäusen keinerlei Ablageflächen für Daumen und/oder kleinen Finger vorhanden sind, wie es bei Logitechs Gaming-Maus der Fall ist. Wenn man die Razer-Mäuse weiter vorne greift, kann es darüber hinaus vorkommen, dass Grund- und Mittelglied der benutzten Finger eben nicht aufgelegt sind, sondern ein wenig „in der Luft hängen“, was bei der MX510 aufgrund der Form nicht möglich ist.





Das halb (Diamondback) bzw. zum Teil voll (Viper) durchsichtige Design der Mäuse kann auf LANs oder auch sonst im Dunkeln insbesondere bei der Razer Viper sicherlich den einen oder anderen Blick auf sich ziehen.



In Sachen Gleitfüßen hat die Razer Diamondback gegenüber der Logitech-Konkurrenz durchaus die Nase ein wenig vorn, denn die MX510 besitzt nur fünf normale, feste Plastik-„Aufkleber“ als Gleitfüße. Die Diamondback ist dagegen mit drei fest sitzenden, sehr großen Gleitfüßen ausgestattet, die so einige Zeit halten sollten. Der Unterschied zwischen beiden Varianten ist aber nur marginal. Die Razer Viper besitzt Gleitfüße aus demselben Material, sie sind jedoch etwas kleiner.
Fazit
Die Razer Diamondback wird auf jeden Fall ihrem Ruf, dem Benutzer eine äußerste präzise Abtastung und somit Präzision zur Seite zu stellen, gerecht. Allerdings sind Unterschiede oder etwaige Vor- oder Nachteile (z.B. zur MX510 mit 800 dpi) in diesem „hoch technologisierten Bereich“ selbst für den Gamer nicht feststellbar. Im April wird der Nachfolger der MX510, die MX518, in großen Stückzahlen auf den Markt kommen und ebenfalls eine – auf den ersten Blick kaum benötigte – Abtastung von maximal 1600 dpi bieten, wobei die manuell justierbare Abtastrate dann doch zumindest einen theoretischen Nutzen verspricht. Ein Test wird in Kürze folgen.



Die Razer Diamondback ist technisch auf dem neuesten Stand, überzeugt in Sachen Ergonomie aber nicht. Ein Opfer, das man allem Anschein nach bringen muss, wenn man Mäuse sowohl für Links- als auch Rechtshänder produzieren will. Für Rechtshänder liefert Logitech mit der MX510 somit das klar bessere Produkt – welch ein Glück, dass sie mit 34 Euro auch preislich deutlich günstiger ausfällt als die Razer Diamondback mit etwa 50 Euro. Für Linkshänder, ein von Logitech auf dem Gaming-Sektor außer Acht gelassenes Feld, bietet hingegen Razer mit der Diamondback die bessere Alternative. Aber man sollte sich ruhig auch noch einmal bei der Konkurrenz umschauen, wer noch so alles symmetrische Mäuse bzw. Mäuse für Linkshänder im Angebot hat. Die Microsoft IntelliMouse Optical 2.0 [7] ist auf LANs sicherlich nicht umsonst ein nach wie vor häufig verwendetes Spielgerät.
Razor Diamondback und Viper sowie die MX510 sind beispielsweise bei Caseking.de [8] erhältlich.

