Einleitung
Seit über 40 Jahren bevölkern Mäuse als PC-Eingabegeräte sämtliche Schreibtische rund um den Globus. 1996 revolutionierte die Einführung des Scrollrades den Arbeitsalltag mit dem beliebten PC-Nager dauerhaft. Seitdem haben es nur wenige Neuerungen und Alternativen geschafft, sich auch langfristig zu etablieren. Mit der außergewöhnlichen „Orbita“-Freestyle-Maus präsentiert der Hersteller Cyber nun einen interessanten Ansatz, die Fähigkeiten der PC-Maus, im Konkreten das Scrollen, zu erweitern und neu zu definieren. Wir haben uns im Rahmen eines Kurztests die Cyber Orbita zur Brust genommen und wollen aufzeigen, ob das neue Konzept Zukunftspotential aufweist.
Der Lieferumfang der Cyber Orbita wird durch reichlich Dokumentationsmaterial in englischer Sprache, eine Treiber-Software-CD für Windows und Mac OS, einen zweiten Gleitring zur reibungsarmen Bewegung der Maus über alle gängigen Unterlagen, ein kleines Softcase zum sicheren Maustransport sowie durch die USB-Ladestation ergänzt.
Technische Details
- Cyber Orbita Freestyle Maus
- Zylinderform, Durchmesser ca. 8 cm, Höhe ca. 2,9 cm
- Für Rechts- und Linkshänder
- Kontinuierliches Scrollen durch horizontales Drehen
- Drei-Tasten-Design
- 2,4 GHz Funkverbindung
- Interner Lithium-Ionen-Akku
- Optischer 800-DPI-Sensor
- Report-Rate: 8 ms
- Scrollsensibilität: < 1°
- USB 2.0 Ladestation, Kabellänge:
- Kompatibilität: Windows 2000, XP, Vista, Mac OS X ab 10.3
- Standardtreiber-kompatibel
- Herstellerhomepage [1]
- Vertrieb: Caseking [2] (Preis: ca. 84,90 Euro)
Cyber Orbita im Detail
Zweifelsfrei zählt die Cyber Orbita zu den ungewöhnlicheren Erscheinungen der Mauswelt. Mit ihrer zylindrischen Symmetrie, einem Durchmesser von etwa acht und einer Höhe von etwa 2,8 Zentimetern erinnert sie stark an einen Eishockey-Puck, der stilvoll übers Mauspad geschubst werden will. Selbstverständlich kann das Cyber-Machwerk gleichermaßen von der linken wie von der rechten Hand bedient werden, wobei ein Aufliegen ob des geringen Körpervolumens der Maus nicht zustande kommt. Vielmehr wird der besondere Nager von Daumen und Ringfinger in die Zange genommen, während es sich die übrigen Finger auf respektive an der Orbita bequem machen. Aufgrund der etwas ungewöhnlichen und nicht von Auflagen unterstützten Haltung ist ein ausgedehntes, unangestrengtes Arbeiten nur nach einiger Einarbeitungszeit realisierbar.




So unorthodox wie die Form wurde auch die Tastenausstattung der Rundmaus gestaltet. Grundlegend verkörpert die Orbita eine Dreitasten-Kreation, wobei die erste Haupttaste (per Treiber als Links- oder Rechtsklick konfigurierbar) durch Druck auf die Mausoberseite ausgelöst wird. Der Widerstand ist dabei relativ moderat gewählt und das angenehm kernige Bediengeräusch suggeriert ordentliche Wertigkeit. Als zweite Haupttaste fungieren drei, in fast jeder Winkelstellung des Nagers gleiche Erreichbarkeit gewährleistende, die Maus ringartig umlaufende Buttons mit ähnlich gutem Druckcharakter. Die an der Mausoberseite positionierte, mittlere Maustaste, die sich aufgrund ihrer Silberfärbung vom übrigen, einheitlichen Mauslook abhebt und im Betrieb dezent blau beleuchtet wird, weist dagegen einen etwas schwammigeren Druckpunkt auf, ist allerdings drehbar gelagert und kann damit als Scrollhilfe genutzt werden, um den Mauskörper gezielt in Rotation zu versetzen.
Die eigentliche Besonderheit der Cyber-Entwicklung wird in der Tat durch das Scrollen und den Verzicht auf ein Mausrad im herkömmlichen Sinne definiert. Der Scrollvorgang geschieht ähnlich wie bei einem Drehknopf oder Potentiometer einfach durch Rotation des Mauskörpers. Diese wird von einem sanften Klackergeräusch begleitet, welches durch die Kugellagerverbindung zum Stand- respektive Gleitring entsteht. Der Drehvorgang ist überraschend leichtgängig, aufgrund der weitgehend fehlenden mechanischen Rückmeldung zunächst allerdings noch etwas unpräzise.




Abseits davon befindet sich an der Mausunterseite der für eine kabelungebundene Maus obligatorische On-/Off-Knopf, während oberseitig noch eine Taste zur Richtungs- und Rotationskalibrierung sitzt, auf deren Aufgabe wir im Praxisteil noch etwas näher eingehen werden.
Die Verbindung zum PC erhält die Orbita über ihre USB-2.0-Basisstation, die gleichzeitig zum Aufladen des integrierten, leider nicht wechselbaren Lithium-Ion-Akkus dient. Sehr sparsam ist der Hersteller bei Kabelausstattung der Station zu Werke gegangen, denn mit gerade einmal 50 cm USB-Kabel ist die Platzierung ohne zusätzliche Verlängerung enorm eingeschränkt und kaum praxistauglich. Abseits davon harmonieren Maus und Station sehr gut – akustische Signale geben Auskunft über Ladevorgänge und -Abschlüsse und auch optisch wirkt das Gespann stimmig. Auch die Reichweite der Übertragung ist mit deutlich über fünf Metern für gängige Zwecke mehr als ausreichend.
Qualitativ hinterlässt die Cyber Orbita nicht den hochwertigsten Eindruck. So hätte beispielsweise die Tastenmechanik, die zwar präzise funktioniert, durchaus etwas robuster gestaltet werden können. Darüber hinaus vermittelt der dicke Silikonmantel, der den Kunststoffkorpus der Orbita einheitlich und schützend umhüllt, nicht die größte Wertigkeit und bewirkt aufgrund seiner klebrig griffigen Beschaffenheit nicht nur einen guten Halt für die aufliegenden Finger, sondern auch für allerlei Staub und Schmutz. Dafür lässt sich die Hülle problemlos entfernen und gegebenenfalls gründlich säubern.




Dem Lieferumfang der Orbita liegen zwei Gleitringe mit unterschiedlichen Eigenschaften bei. Der zunächst eingebaute, rote Ring zählt eher zur Gattung der „Standfüße“, denn die softe Schaumsstoffaufbringung entwickelt sehr hohe Reibungen mit allen griffigeren Unterlagen. Cyber deklariert den roten Ring als Einsteigermodell, um sich mit dem Scrollverhalten der Maus anzufreunden, ohne dass der Nager dabei unerwünschte Positionswechsel vollführt. In der Praxis ist allerdings fast ausschließlich der blaue, teflonbeschichtete Ring sinnvoll, denn nur mit dieser Ausstattung kann man die Maus relativ reibungsarm über Textil, Kunststoff und Holzunterlagen manövrieren. Zum Geschwindigkeits- oder Agilitätswunder mutiert die Orbita dabei freilich nicht, als Office-Nager ist die Beweglichkeit aber ordentlich.
Einen ebenfalls ordentlichen Job macht auch der verbaute, optische 800-DPI-Sensor. Freilich sind weder Geschwindigkeit noch Präzision mit aktuellen Spieler-Exemplaren zu vergleichen, im 2D-Betrieb werden alle Ziele jedoch treffsicher anvisiert und trotz Funkübertragung verzögerungsarm erreicht. Etwas unangenehmer ist da schon die bereits nach etwa einer Minute der Nichtnutzung eintretende Stand-by-Phase zur Akku-Schonung, aus der die Orbita immer erst mit einer kleinen Pause erwacht.
Software
Die Cyber Orbita funktioniert in ihren Grundeinstellungen als Drei-Tasten-Maus per Plug & Play auf Basis der Standardtreiber des Betriebssystems. Um allerdings Einfluss auf weiterführende Einstellungen nehmen zu können, ist die Installation des beiliegenden Treibers notwendig. Hierbei treten dann bereits die ersten Probleme auf: Zwar ist die Maus grundsätzlich zu Mac OS und Windows kompatibel, in unserem Fall (Vista 64 Bit) ließ ich die installierte Software aufgrund nicht vorhandener Treiber-Signatur allerdings weder öffnen noch nutzen. Cyber ist das Problem bekannt und „man arbeite daran“. Findige Nutzer können die Signatur-Prüfung im Bootmenü (F8) zwar umgehen und damit den Treiber auch im 64-Bit-Betriebssystem zum Arbeiten zwingen, wirklich akzeptabel ist dieser Umstand für eine über 80 Euro teure Technik allerdings nicht. Unter Windows XP funktionierte die Software dagegen ohne Probleme.




In den „Grundfunktionen“ lassen sich zunächst die Tasten- und Scrollbelegungen der Maus für Rechts- und Linkshänder vertauschen sowie die Scrollgeschwindigkeít festlegen. In den erweiterten Modi sind dann die Tasten anhand einer Vielzahl vorgegebener Funktionen frei konfigurierbar, Makros zu vergeben und sogar den einzelnen Bewegungsrichtungen entsprechende Sensibilitäten und Funktionen zuzuordnen. Die gewählten Justierungen können als Profile auf der Festplatte (nicht mausintern) abgelegt werden.
Alltagserfahrungen
Es ist schon ein ungewöhnlicher Umgang mit der Cyber Orbita im Alltag. Zunächst muss sich der Anwender an die symmetrische Ergonomie, an das damit verbundene Auflagegefühl für die Führungshand und an die ausgesprochen griffige, Silikon-dominierte Haptik gewöhnen. Dies fällt je nach Anwendungsgebiet tendenziell etwas leichter (beispielsweise bei Internet- oder Office-Arbeiten) oder sehr schwer (im 3D-Spiel oder bei exakten Bearbeitungen). Insgesamt hat Cyber allerdings eine brauchbare Form und Tastenkonfiguration für die Orbita entwickelt, um entsprechend des verfolgten Konzeptes zu gefallen.
Als deutlich problematischer hat sich fernab der genannten Treiber-Auffälligkeiten unter 64-Bit-Vista die Justierung der Orbit-Maus heraus gestellt. Denn bevor der Nager ordnungsgemäß seinen Tätigkeiten nachgehen kann, sind zwei Kalibrierungen notwendig. Zunächst wird der Rundmaus nach Betätigung der Kalibrierungstaste durch eine möglichst geradliniges Führen mitgeteilt, welche Referenzbewegung als „nach oben“ interpretiert werden soll. Dies wird dann im Allgemeinen relativ sicher umgesetzt. Die zweite Kalibrierung betrifft, aus welchem Grund auch immer notwendig, die Rotationsjustierung. Hier wird der Anwender angehalten, eine im Idealfall exakte 720°-Scrollbewegung zu vollführen, um den „inneren Kompass“ anzupassen. Die Kombination aus beiden Kalibrierungen soll nun dazu führen, dass die Orbita in jeder Position und Winkelstellung die Richtung ihrer Bewegungen gleich und vor allem ordnungsgemäß umsetzt. In der Praxis hat dies in unserem Fall allerdings so gut wie nie anstandslos geklappt, sodass häufig nach entsprechenden Rotationen die Bewegungsrichtungen nicht mehr genau gestimmt haben. Bis dem Anwender also eine zufriedenstellende Feinjustierung gelingt, können gerne ein paar Dutzend Kalibrierungsversuche vergehen – ein nervenaufreibender Umstand.
Hat man diese Hürde allen Widrigkeiten zum Trotz gemeistert, kann man sich endlich an den Vorteilen der gut 80 Euro teuren Orbita erfreuen. Wo diese allerdings exakt liegen, ist nicht unbedingt klar. Einen zum Zwecke der alltäglichen Navigation halbwegs präzise arbeitenden, optischen 800-DPI-Sensor bietet mittlerweile fast jede Einsteiger-Maus. Darüber hinaus stört neben der kurzen Wake-up-Phase der Orbita nach längerer Nicht-Nutzung, dass aufgrund des Kugellagers zwischen Gleitring und Mauskörper ein minimales Spiel existiert, das bei jeder Richtungsänderung zu leichten Klappergeräuschen und Leerbewegungen führt.
Die eigentliche Stärke des Cyber-Machwerkes sollte im intuitiven und kontinuierlichen Scrollen liegen. Tatsächlich macht dies durch die reibungsarme Rotation des gesamten Mauskörpers deutlich mehr Spaß als das hektische Nachkurbeln eines Minirades mit dem Zeigefinger, doch auch hier wurden nicht alle Kinderkrankheiten beseitigt. Beispielsweise setzt der Scrollvorgang ob möglicherweise zu geringer Abtastsensibilität erst nach leichter Verzögerung ein und arbeitet zudem selten so exakt und geschmeidig wie gewünscht. Lange Dokumente sind zwar sehr rasch durchpflügt, das exakte Ansteuern eines Zieles ist allerdings durch das etwas schwammige Scrollverhalten erschwert, sodass im Alltagsbetrieb im Gegensatz zum Anschein der Cyber-Präsentation eher Ernüchterung aufkommt.
Fazit
Gaming-Spezialist Cyber hat sich mit der Orbita an ein interessantes und Aufsehen erregendes, alternatives Mauskonzept gewagt und damit hohe Erwartungen geschürt, die leider aufgrund der teilweise mangelnden Umsetzung unterm Strich nicht erfüllt wurden. Abseits ergonomischer Gesichtspunkte präsentiert sich bereits die qualitative Gestaltung in Form der Mechanik und Kugellager nicht auf höchstem Niveau. Die Erfassung des Untergrundes auf Basis des optischen Sensors geht zwar problemlos von statten, dafür ist die Sensibilität für den ansonsten Spaß bringenden Rotationsvorgang sehr niedrig gewählt, sodass unter Umständen ein schwammiges Scrollgefühl aufkommt. Weiterhin muss das Kalibrierverhalten kritisiert werden: Grundsätzlich spricht zwar nichts gegen eine solche Justierung, wenn allerdings trotz sorgfältiger Durchführung des Anwenders keine sinnvollen Ergebnisse erzielt werden und das Eingabegerät damit seiner Praxistauglichkeit beraubt wird, ist dies schon mehr als ärgerlich. Überdies gesellen sich das viel zu kurze USB-Kabel der Ladestation und die fehlende Treibersignatur für 64-Bit-Vista zur Liste der Unmut erweckenden Faktoren, über welche der gut gewählte Tastenanschlag, die sichere und schnelle Funkverbindung sowie das besondere Konzept nur bedingt hinweg täuschen.
In Addition dieser Umstände und des stolzen Preises von über 80 Euro [1] können wir der Cyber Orbita leider keine Empfehlung als „Mausersatz“ aussprechen. Unter Umständen könnte sie, sofern die angesprochenen Kinderkrankheiten aus der Welt geschafft werden, als zusätzliches Eingabegerät für das ein oder andere Anwendungsgebiet aber durchaus interessant sein.




