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Test: Razer Orochi Mobil-Maus

von Martin Eckardt

Einleitung

Die Zeiten, in denen Notebooks nur als zuverlässiges, transportables Arbeitstier chronisch gestresster Geschäftsleute herhalten mussten, sind längst vorüber. Mittlerweile zählt der mobile Kleincomputer beinahe zur Standardausstattung quer durch die Bevölkerungsschichten als Arbeitsgerät, multimedialer Alleskönner oder Spielecomputer. Viele Anwender haben ob der enormen Grundleistung aktueller Laptop-Derivate gar ihren Desktop-Gamer-PC ersetzt. Diese User und die Gelegenheitsspieler, die ihr Notebook gerne des Öfteren zu einem 3D-Spiel einladen, will Peripherie-Hersteller Razer nun mit der ersten hauseigenen Notebook-Maus überzeugen. Wahlweise im Bluetooth-2.0- oder kabelgebundenem Betrieb, aktueller Razer-3G-Lasersensorik und einem kompakten, hochwertigen Chassis für Rechts- und Linkshänder könnte die Razer Orochi durchaus punkten.

Lieferumfang

Razer Orochi - Lieferumfang
Razer Orochi - Lieferumfang

Razer beglückt die Käufer mit typischen Beigaben zur Maus, die hauptsächlich aus Papierwerk bestehen. Neben Echtheitszertifikaten, Quick-Install-Guides, Stickern und Produktkatalogen liegt der Orochi allerdings auch durchaus Sinnvolles bei. So gibt es das etwa einen Meter lange USB-Kabel zur optionalen Betriebsform, zwei AA-Markenbatterien zur sofortigen Bluetooth-Verwendung sowie ein praktisches Neopren-Case zum sanften Transport des gut 60 Euro teuren Mobil-Nagers. Einen Datenträger mit entsprechender Treibersoftware sucht man bei Razer mittlerweile immer vergeblich. Um Kosten zur sparen und Aktualität zu gewährleisten beschränkt sich der Hersteller auf das Online-Angebot [1].

Technische Details

Maus im Detail

Razer Orochi - Kabel(un)gebundene Notebookmaus
Razer Orochi - Kabel(un)gebundene Notebookmaus

Razer zeigt sich aktuell sehr experimentierfreudig in Hinblick auf die Mausgestaltungen. Während der Hersteller in den ersten Jahren nach der Boomslang fast ausschließlich auf einen lang gezogenen, schmal-flachen Symmetriekörper vertraute, konnte der hauseigene Horizont in den letzten drei Jahren doch deutlich erweitert werden, ohne den einprägsamen Razer-Charakter aufzugeben. Auch die Orochi wird ob ihres typischen Schlangenblickes, der markanten Linienführung und der einheitlichen Optik sofort als Razer-Exemplar identifiziert. Aufgrund ihres Einsatzgebietes setzt der kalifornische Peripheriehersteller auf ein etwas gedrungenes Design, das mittelgroße und große Hände kaum auszufüllen weiß, dafür aber allen anliegenden Fingern eine piekfein passende Position zuordnet und enorme Griffigkeit und Umsetzbarkeit aufgrund dominanter Kantengestaltungen bietet. Selbst eine kleine Daumenablage wurde verwirklicht, welche auf gegenüberliegender Seite auch dankbar von Ring- und kleinem Finger genutzt wird. Mit diesem Setup bietet die kleine Orochi selbst bei expansiver Nutzung ermüdungsfreien Langzeitspaß für unterwegs und zuhause.

Razer Orochi - Sichtverpackung
Razer Orochi - Sichtverpackung
Razer Orochi – Zubehör
Razer Orochi – Zubehör
Razer Orochi - Kabel(un)gebundene Notebookmaus
Razer Orochi - Kabel(un)gebundene Notebookmaus
Flaches Design und markante Formen
Flaches Design und markante Formen
Kleine Lücke zum Aufhebeln der Oberschale
Kleine Lücke zum Aufhebeln der Oberschale
Hier können die Batterien eingelegt werden
Hier können die Batterien eingelegt werden
Abgebaute Oberschale
Abgebaute Oberschale
Razer Orochi - Kabel(un)gebundene Notebookmaus
Razer Orochi - Kabel(un)gebundene Notebookmaus

Sieben frei programmierbare Tasten und ein 2-Wege-Mausrad stehen auf der Ausstattungsliste der Orochi. Dazu gesellt sich ein Schiebregler zum Deaktivieren im Kabellosbetrieb an der Mausunterseite. Die beiden Haupttasten warten mit überzeugender Bedienbarkeit auf. Mit tiefer Konkavwölbung wird die ideale Fingerposition vorgegeben, ein sanfter aber wohldefinierter Druck löst die Tasten bei kernigem Begleitgeräusch stilvoll aus. Etwas dumpfer klingen die recht schmal und kurz geratenen, für den Daumen aber gut erreichbar platzierten Navigationstasten, die nur wenig aus dem Design hervor stehen und mit angenehmem Auslösewiderstand aufwarten. Auf der anderen Seite stehen die per Ringfinger etwas umständlicher zur erreichenden Pendants standardmäßig als dpi-Umschalter zur Verfügung. Sehr gut abgestimmt präsentiert sich unterdessen auch das 2-Wege-Mausrad. Einerseits als mittlere Maustaste mit einer soliden Mechanik, die sehr präzise Rückmeldungen ermöglicht, andererseits als in beide Richtungen geräuscharmes Scrollutensil mit ordentlichem Raster und guter Griffigkeit. Selten hat eine Razer-Maus derart gute Bedienelemente gehabt.

Doch damit nicht genug. Auch qualitativ hinterlässt die Orochi einen sehr guten Gesamteindruck. Alle Spaltmaße sind überaus stimmig, die Mechanik wirkt solide, die Tasten sind weit vom Klappern entfernt und die Materialien wurden gewohnt mit Bedacht gewählt. Interessant gelöst: Zum Einlegen der beiden AA-Batterien muss die Oberschale abgenommen werden. Damit dies problemlos gelingt, wurde an der Rückennahtstelle zwischen Ober- und Unterschale eine kleine Lücke gelassen, in welche der Anwender mit dem Fingernagel leicht einhebeln kann. Das Kunststoffobergerüst wird in einem Stück demontiert und die Batterien eingelegt. Mit einem leichten Klick rastet die Oberschale abschließend wieder ein. Mit den beiden Standardbatterien bringt die Orochi etwa 113 Gramm auf die Wage, ohne wiegt sie lediglich 67 Gramm (jeweils ohne Kabel). Damit hat die Betriebsart (Bluetooth oder mit Kabel) erheblichen Einfluss auf die Balance des kleinen Nagers. Während er mit Kabelanbindung und ohne Batterien zu den leichtesten Spielemäusen zählt, wird er mit Doppel-Energiepack zum vergleichsweise trägen Murmeltier.

Mit sinnollem Neopren-Chassis
Mit sinnollem Neopren-Chassis

Die Oberflächengestaltung der Orochi ist gewohnt zweigeteilt. Während die Oberschale mit ihrer matten Schwärze und der sanften Gummierung schmeichelnd zur Hand geht, wirkt die glatte und harte Unterpartie der Maus im Betrieb etwas schmierig. Die Haptik vermittelt insgesamt ein gelungenes Wohlgefühl und eine wertige Basis.

Auf Wunsch kann Razers mobiler Bolide auch leuchtend agieren. Im Treiber können sowohl die blaue Illumination des Mausrades als auch die Batterie-Status-LED aktiviert werden. Letztere befindet sich relativ zentral auf der Mausoberseite und leuchtet bis 30 Prozent Ladungsstatus konstant blau, darunter rot. Unter zehn Prozent beginnt außerdem ein rotes Blinken als hinweisende Aufforderung zum baldigen Ladungsträgerwechsel. Ein Aufladen (nachgerüsteter Akkumulatoren) über das USB-Kabel ist mit der Orochi nicht möglich. Apropos Kabel: Dieses zählt mit etwa einem Meter wahrlich nicht zu den längsten seiner Zunft. Im mobilen Einsatz ist dies aufgrund der kurzen Distanzen zum Notebook auch nur selten notwendig, am Desktop-PC dürfte es in den meisten Fällen zu knapp bemessen sein. Da hilft dann nur der Griff zum USB-Verlängerungskabel, will man die Orochi als leichtes Spielerwerkzeug am Heimrechner nutzen. Die Steckverbindung zwischen Maus und Kabel sitzt sehr sicher und fest. Das Herauslösen ist dennoch mit einem satten Zug gut möglich.

Komplett beleuchtet
Komplett beleuchtet

Soll die Orochi ohne Kabel agieren, bedarf es eines entsprechend Bluetooth-fähigen Empfängergerätes, da der Maus kein USB-Doungle oder ähnliches beiliegt. Bei Notebooks mit BT-Funktion lässt sich somit eine saubere Funkverbindung generieren, die ohne schnell zu verlierender Kleinteile auskommt. Um die Orochi in den Bluetooth-Paarungsmodus zu versetzen, signalisiert wird dieser durch das blaue Blinken der Batterie-Status-LED, müssen alle vier Navigationstasten gleichzeitig für etwa fünf Sekunden gedrückt gehalten werden. In unserem Fall (Sony Vaio VGA-TX1HP, Windows 7) funktionierte das Einrichten und Aufrechterhalten der Verbindung via Bluetooth tadellos. Um Energie zu sparen, werden dabei allerdings die technischen Maximalwerte etwas zurück geschraubt, weshalb der Nager nicht ganz so agil wirkt wie mit Kabelanbindung. Einige Anwender berichten überdies bereits über Kompatibilitätsprobleme der Orochi mit ihrem Bluetooth-fähigen Notebook. Razer ist dieses Problem bereits bekannt, weshalb an entsprechenden Updates gearbeitet wird.

Razer Orochi - Kabel(un)gebundene Notebookmaus
Razer Orochi - Kabel(un)gebundene Notebookmaus
Markanter Unterboden und Gleitflächen
Markanter Unterboden und Gleitflächen

Guter Abschluss des Kabelsteckers
Guter Abschluss des Kabelsteckers
Klein aber gut in der Hand liegend
Klein aber gut in der Hand liegend

Die markante Unterseite der Maus erinnert an die Kantigkeit und Vielflächigkeit von Stealth-Maschinen. Daran angebracht sind vier große Teflonfüße, welche ein sanft-leises und reibungsarmes Gleiten über gängige Oberflächen ermöglicht. Besonders flink arbeitet die Orochi im typischen Razer-Stil auf ebenen Unterlagen aus Plastik, Holz oder Textil. Auf etwas unebeneren Unterlagen, etwa der Jeans-Hose oder den stoffbezogenen Sitzen in der Bahn, tritt manchmal ein leichtes Kratzen ob der etwas herausstehenden Gleitfüße auf. Insgesamt meistert der kleine Nager die verschiedenen Unterlagen aber ohne nennenswerte Probleme und digitalisiert die Handbewegungen sicher.

Verantwortlich dafür zeichnet sich im großen maß auch der 3G-Lasersensor von Razer. Das Pendant tastet mit einer Rate von bis zu 4.000 dpi (2.000 im Bluetooth-Modus) die Untergründe präzise ab und ermöglicht ein sehr akkurates Zielen und verzögerungsarmes Arbeiten. Insgesamt hinterlässt die Orochi in Puncto Genauigkeit und Geschwindigkeit ein sehr gutes Bild und eignet sich zumindest federleicht kabelgebunden für intensiveres Spielen, aber auch mit schweren Batterien im Rücken gelingt das exakte Navigieren für zwischendurch.

Software

Hinsichtlich Technik und Softwareausstattung muss der Anwender mit der mobilen Razer Orochi auf keinerlei Vorzüge verzichten. Der etwa 24 MByte große Treiber, welcher nicht dem Lieferumfang beiliegend von der Herstellerhomepage [4] bezogen werden muss, bietet im gewohnten Razer-Outfit allerlei Sinnvolles zur Feinjustage. Zunächst können alle sieben Maustasten sowie die Scrollfunktion des Mausrades mit einer Vielzahl alternativer Eigenschaften belegt werden. Im Menüpunkt „Leistungsanpassung“ hat der Anwender die Möglichkeit, die Abtastrate der Orochi auf die persönlichen Vorlieben abzustimmen. Hierbei ist einerseits die achsenabhängige Justage möglich, andererseits können bis zu fünf Empfindlichkeitsstufen fixiert werden, welche mit Hilfe der als dpi-Switch definierten Maustasten, auf Wunsch mit entsprechender Anzeige auf dem Monitor, im Betrieb durchgeschaltet werden können. Diese Festlegung geschieht unabhängig von etwaigen angelegten Profilen.

Razer Orochi Software
Razer Orochi Software
Razer Orochi Software
Razer Orochi Software
Razer Orochi Software
Razer Orochi Software
Razer Orochi Software
Razer Orochi Software
Razer Orochi Software

In der „Profilverwaltung“ lassen sich bis zu fünf Profilpakete festlegen, welche auf dem mausinternen Synapse-Speicher abgelegt und bei jedem Treiberaufruf eingeladen werden. Den Profilen lassen sich beispielsweise Anwendungen zuweisen, welche automatisch mit den entsprechenden Mauseinstellungen geladen werden. Darüber hinaus sind die Profile natürlich auch auf die Festplatte exportierbar. Ähnliches gilt für den „Makro-Manager“. Auch hierbei können eine Anzahl an eingespielten Tastenkombinationen mausintern gespeichert oder auf der Festplatte exportiert gespeichert werden. Abschließend ist das separate Aktivieren/Deaktivieren der Mausradbeleuchtung sowie der Batterie-Status-LED möglich.

Fazit

Mit der Orochi stößt Razer eine neue Tür auf, welche bereits durch die optionale Kabeltechnik der Mamba aufgeschlossen wurde. Die Bluetooth-fähige Maus bietet auch unterwegs hohen Spielspaß auf Basis einer sicheren Funkverbindung, präziser und pfeilschneller Laserabtastung auf vielerlei Untergründen, sehr hoher Agilität und Gleitfähigkeit bei geringem Gewicht. Mit ihrem symmetrischen, markanten Design eignet sie sich sowohl für die Links- als auch die Rechtshändernutzung und erfreut den Anwender durch ihre qualitativ wie haptisch absolut gelungene Umsetzung. Darüber hinaus wird sie von einer umfangreichen Software mit einer ansprechenden Optionsvielfalt und guten Übersicht begleitet.

Razer Orochi - gelungener Bluetoothflitzer für unterwegs
Razer Orochi - gelungener Bluetoothflitzer für unterwegs

Will man Negativpunkte anmerken, so steht das Fehlen der Softwarebeigabe im ansonsten vorbildlichen Lieferumfang weit oben. Ferner setzt die Orochi für die Kabellosnutzung einen entsprechend Bluetooth-fähigen Computer voraus. Auch das USB-Kabel hätte bei Bedarf etwas länger ausfallen dürfen.

Abseits dieser Kleinigkeiten macht die Razer Orochi unserer Meinung nach Vieles richtig und darf daher trotz des hohen Preises von über 60 Euro [2] in die nähere Auswahl bei entsprechenden Kaufentscheidungen rücken.

URL-Liste:

  1. http://www.razersupport.com/index.php?_m=downloads&_a=view&parentcategoryid=39&pcid=0&nav=0
  2. http://eu.razerzone.com/gaming-mice/razer-orochi/
  3. http://www.caseking.de/shop/catalog/Razer-Orochi-Bluetooth-Laser-Gaming-Maus::13629.html
  4. http://www.razersupport.com/index.php?_m=downloads&_a=view&parentcategoryid=39&pcid=0&nav=0
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