Einleitung
Mit der „Kone [1]“ lieferte der damalige Peripherie-Neuling Roccat 2008 ein mit vielen außergewöhnlichen Ideen gespicktes, sehr ambitioniertes Pionierwerk ab und begeisterte sofort. Die anfängliche Euphorie über die besondere Spielermaus verblasste jedoch schnell wieder, denn trotz der sehr langen Entwicklungszeit und der akribischen Planungen hatten die in Hamburg ansässigen Roccat-Studios in der Folge mit unzähligen Reklamationen aufgrund gebrochener Mausrad-Mechaniken zu kämpfen. Mittlerweile hat man dieses heikle Problem jedoch im Griff, konnte das Portfolio um interessante Gaming-Artikel wie Mauspads, Tastaturen sowie Headsets erweitern und möchte nun mit der „Kova“ auch auf dem Maussektor nachlegen. Dabei hat man sich ein puristisches Konzept, das trotz gänzlichen Treiber-Verzichtes höchsten Spieleransprüchen entsprechen soll, erdacht.
Auch in den Razer-Entwicklungsstätten scheint es viel Kaffee zu geben, denn neben der mobilen „Orochi [2]“, der ungewöhnlichen MMOG-Maus „Naga [3]“ und der von uns bis dato noch nicht in Augenschein genommenen, minimalistischen Dreitasten-Maus „Abyssus [4]“ legt der Hersteller mit der „Imperator“ bereits den vierten Nager innerhalb kurzer Zeit auf. Dabei vertraut Razer nebst gewohnter High-Tech-Ausstattung dieses Mal auf ein rechtshänder-ergonomisches Design mit anpassbaren Navigationstasten.
Als Dritter im Bunde traut sich Speedlink mit der „Kudos“ ans heiße Spielergetier und möchte der Konkurrenz beweisen, dass man eine voll ausgestattete Gaming-Maus höchster Qualität auch zum vergleichsweise kleinen Preis an den Mann bringen kann. Dafür fährt der Peripherie-Gigant schwere Geschütze auf: Mit Gewichtsanpassung, mausinternem Profilspeicher, umfangreichen Makroeigenschaften und komplett programmierbaren Tasten bietet die Kudos alles, was die teure Konkurrenz auch kann. Darüber hinaus sorgt der 5.000-dpi-Lasersensor dank exakter Justierbarkeit für präzise Navigation.
Wie sich die drei Nager im Vergleich behaupten können, wollen wir auf den folgenden Seiten untersuchen. Zunächst starten wir dabei mit einem Überblick der wichtigsten technischen Eckpfeiler.
Technische Übersicht
| Roccat Kova | Razer Imperator | Speedlink Kudos | |
|---|---|---|---|
| Ergonomie | Beidhändig | Rechtshänder | Rechtshänder |
| Maße (L x B x H) | 12,1 x 6,6 x 4,3 cm | 12,3 x 7,1 x 4,2 cm | 12,5 x 7,4 x 4,3 cm |
| Gewicht | 84 Gramm | 103 Gramm | 100 – 136 Gramm |
| Kabellänge | 2 Meter | 2 Meter | 1,8 Meter |
| Tastenanzahl | 7 inkl. 2-Wege-Mausrad | 7 inkl. 2-Wege-Mausrad | 7 inkl. 4-Wege-Mausrad |
| Beleuchtung | Versch. Modi und Farben | Rad und Logo blau | dpi-/Profil-Anzeige |
| Abtastung | 3.200 dpi, optisch | 5.600 dpi, 3,5G Laser | 5.000 dpi, Laser |
| dpi-Stufen | 400/800/1.600/3.200 | Individuell (min. 100 dpi) | Individuell (min. 90 dpi) |
| Max. Beschleunigung | 20 G | 50 G | k.A. |
| Max. Geschwindigkeit | 1 m/s | 6 m/s | k.A. |
| USB-Signalrate | k.A. | 1.000 Hz | 1.000 Hz |
| Füße | 4 Teflon Gleitfüße | 3 Teflon Gleitfüße | 4 Gleitfüße |
| Besonderheiten |
Treiberlose Konfiguration Beleuchtung deaktivierbar |
Verschiebbare Seitentasten Interner Mausspeicher Beleuchtung deaktivierbar |
Interner Mausspeicher Gewichtsanpassung |
| Herstellerhomepage | Roccat [5] | Razer [6] | Speedlink [7] |
| Preisvergleich | ca. 33 Euro [8] | ca. 63 Euro [9] | ca. 39 Euro [10] |
Mäuse im Detail
Roccat Kova
Die Kova ist ein Teil Roccats aktuellen SDMS-Projektes [11]. Das Akronym verkörpert dabei das „Smart Desktop Management System“ und beschreibt ein auf die wesentlichen Funktionen beschränktes, aufgeräumtes und klar definiertes Zusammenspiel der wichtigsten Gaming-Peripherie bestehend aus Tastatur, Mauspad, Headset, Kabelmanagement und eben der Maus. Dabei verspricht sich Roccat durch eine Reduzierung der Komplexität und des Funktionsumfanges bei gleichzeitiger Besinnung auf die wesentlichen Grundeigenschaften der jeweiligen Komponente eine Steigerung der Übersicht und Effizienz. Klingt nach einer gehörigen Portion Marketing für eine abgespeckte Produktpalette, doch Kova und Co. wollen vorrangig durch ihre Leistung überzeugen.
Dass es dabei zunächst sehr puristisch zugeht, merkt der Käufer spätestens beim Auspacken der gut 30 Euro teuren Spielerausrüstung. Denn neben der Kova gesellen sich lediglich eine Funktions-Schnellübersicht mit deutscher Sprachausführung sowie das typische Roccat-Missionsheft inklusive persönlicher ID-Card zum Lieferumfang. Eine Treibersoftware benötigt die Kova nicht.
Im Gegensatz zur Kone, bei welcher sich Roccat auf eine zumindest in den Grundzügen bereits sehr etablierte Rechtshänder-Form berufen hat, kreiert der Hersteller für die Kova einen gänzlich neuen, sich sehr interessant anfühlenden Mauskörper für den beidhändigen Gebrauch. So wählt man ein progressiv-kantiges Design mit recht dünner, lang gestreckter Basis und generiert damit eine flache Auflage der Hand, ohne diese komplett auszufüllen. Im Quervergleich dürfte die Roccat Kova all jenen eine angenehme Form bieten, die seinerzeit mit Razers Diamondback oder Copperhead gut harmonierten. Allerdings kommen auch ergonomieverwöhnte Spieler zum Teil auf ihre Kosten, da die Kova keine Zweifingerführung voraussetzt und somit eine stärkere, langzeitbequemere Handwölbung zulässt. Eine große Stärke der Roccat-Entwicklung liegt in der hervorragenden Greifbarkeit. Der schmale Mauskörper und die dominanten Kanten auf beiden Seiten laden förmlich dazu ein, den Nager fest im Griff zu haben und bei Bedarf schwungvoll umzusetzen. Dieser Umstand wird durch die homogene Balance der nur 84 Gramm leichten Maus unterstützt. Ferner stehen dem Anwender sieben Farben zur Verfügung, welche je nach Einstellung konstant bleiben, oder nach einem, zwei oder drei Atemzügen wechseln.




Die Roccat Kova besitzt sechs Tasten sowie ein 2-Wege-Mausrad als mittleres, kombiniertes Bedienelement. Die beiden der Oberschale entspringenden Haupttasten warten dabei mit einem sehr gelungenen Auslösewiderstand, einem knackig-dezenten Klickgeräusch und einem angenehm geringen Federweg auf. Sie vermitteln in jeder Lebenslage ein absolut präzises Klickgefühl. Gleiches gilt für die Seitentasten, von denen je nach gewähltem Links- oder Rechtshändermodus das entsprechende Paar mit den üblichen Navigationsfunktionen belegt ist. Die gegenüberliegenden Exemplare erfüllen derweil bis auf die später näher erläuterte, treiberlose Justierung der Maus keine weiteren Funktionen im Alltag. Die Erreichbarkeit der lang gestreckten Navigationstasten ist sehr gut. Der Daumen mittelgroßer Hände liegt je nach bevorzugter Stellung genau mittig im Übergang zwischen beiden Elementen oder entsprechend auf der Ruheposition etwas darunter. Abgerundet wird die Ausstattung durch das Mausrad. Die sehr ungewöhnliche, vergleichsweise harte und daher manchmal etwas rutschige Gummiwalze mit einer enormen Breite von zwölf und einem üblichen Durchmesser von etwa 21 Millimetern verläuft in der Mitte leicht zugespitzt mit einer deutlichen Gusskante und vermittelt daher ein etwas kratziges Gefühl. Sein Scrollverhalten ist in beide Richtungen durch ein ordentliches Raster klar definiert und wird von einem dumpfen Klackerton begleitet. Als mittlere Maustaste weist das 2-Wege-Rad einen guten Druckwiderstand auf. Allerdings besitzt die Mechanik unseres Modells minimales Seitenspiel, weshalb es bei heftigeren Bewegungen ohne Mausradkontakt oder Kippelversuchen mit dem Zeigefinger mitunter zu leichten Klappergeräuschen kommt, die den Qualitätseindruck der Maus schmälern.




Das ist sehr schade, denn das ansonsten vom in Malaysia produzierten Roccat-Nager vermittelte Gütebild ist durchaus ein positives. Trotz ihres geringen Gewichtes überzeugt die Kova durch ein verwindungssteifes, robustes Chassis aus sauber zusammengefügter Ober- und Unterschale. Dabei vertraut Roccat überwiegend auf einen matten, leicht angerauten Kunststoff. Aufgelockert wird dieser nur durch zwei trapezförmige, sehr griffige Gummiflächen an den beidseitigen Daumenpositionen sowie durch das Roccat-Relief der rechten Maustaste. Insgesamt bietet die Kova damit nicht das absolute haptische Erlebnis, vermittelt aber ein durchaus wertiges Gefühl für jeden Tag.
Optisch wird die Roccat Kova durch ihre markante Linienführung und ihre matt-schwarze Einheit definiert. Auf Wunsch kann der Anwender diese durch ein vielfältiges Lichtspiel auflockern, welches seitlich an den Haupttasten und an kleinen Sichtfenstern der Heckpartie stattfindet. Dabei steht neben der dauerhaften Aktivierung respektive Deaktivierung der Beleuchtung ein „Atemmodus“ zur Verfügung, bei welchem mit pulsierender Lichtintensität gearbeitet wird. Darüber hinaus kann der Anwender entscheiden, ob die Farbe konstant bleiben, oder nach einem, zwei oder drei Atemzügen wechseln soll. Sieben Farben stehen dabei zur Wahl: hellblau, dunkelblau, violett, türkis, rot, gelbgrün und grün.




Die Roccat Kova zählt zu den sehr agilen Mäusen. Mit ihrem geringen Gewicht, dem schmalen Mauskörper und den vier sehr guten Gleitfüßen fliegt sie förmlich über das Mauspad. Ob Textil, Hartplastik, Holz oder Glas, ein überaus leises, reibungsarmes Arbeiten und Spielen steht im Vordergrund. Der gut abgestimmte Pro-Optic-Sensor sorgt dabei für eine sichere und exakte Digitalisierung auch schnellster Bewegungen. Obwohl er im Hinblick auf seine technischen Daten (max. 20G, 1 m/s) der Laserausstattung der Konkurrenz unterlegen ist, konnte sich die maximal 3.200-dpi-genaue Abtastung der Roccat-Entwicklung während des gesamten Testzeitraumes durch ein brillantes Ansprechverhalten und pixelgenaue Navigation positiv und überzeugend in Szene setzen. Einzig die im Vergleich zu aktuellen Lasersensoren recht hohe Lift-Distanz von mehreren Millimetern könnte je nach Spielweise etwas stören.
Wie bereits mehrfach angedeutet, kommt die Kova gänzlich ohne Treiber oder Zusatzsoftware aus. Die Einstellungen, welche mit der Maus möglich sind, etwa das Verändern der Beleuchtungsmodi, das Umschalten vom standardmäßigen Rechts- in den Linkshändermodus oder das Verstellen der dpi-Stufe, werden lediglich über kurzes Drücken von Seitentastenkombinationen erzielt. Ein erfolgreiches Umschalten wird dabei durch kurzes Aufflackern der Beleuchtung respektive definierte Farbanzeigen dokumentiert. Im Folgenden haben wir alle Möglichkeiten der Kova entsprechend des auch online verfügbaren Quick-Install-Guides [12] kurz aufgeführt. Die Ziffern entsprechen dabei den jeweiligen Tasten gemäß obiger Übersicht.
- 4 + 6 während USB-Einsteckens: Umschalten zwischen Rechts- und Linkshändermodus
- 4 + 6: Umschalten der Beleuchtung zwischen konstant an, Atemmodus, konstant aus
- 5 + 7: Farblich kurz angezeigtes dpi-Umschalten zwischen 400 (rot), 800 (violett), 1.600 (grün) und 3.200 (blau) dpi
- 4 + 7: Farbwechsel im Atmungsmodus nach einem, zwei, drei Atemzügen oder gar nicht
- 5 + 6: Manuelles Durchschalten der Farben
Abseits fehlender Makro- und Zusatzeigenschaften ist auch die nur sehr grobe dpi-Justierung schade. Die einzelnen Schritte zwischen 400, 800, 1.600 und 3.200 Abtastpunkten pro Inch sind derart groß, dass im Alltag je nach Gesinnung wohl nur eine Stufe genutzt wird.
Razer Imperator
Schlängelnder Namensgeber für Razers aktuelle Mauskreation ist die Boa Constrictor Imperator, die Kaiserboa. Nach der erfolgreichen „Death-Adder [13]“, der teuren, da optional kabellosen „Mamba [14]“ und der ungewöhnlichen „Naga [2]“ stellt sie die vierte Spielermaus des kalifornischen Herstellers dar, welche exklusiv für Rechtshänder konzipiert wurde. Mit gut 60 Euro ist die Imperator der teuerste Protagonist im Test.
Angesichts der Zusammenstellung der Lieferbeigaben scheint Razer kein großes Interesse am Erhalt der Regenwälder zu haben, denn allerlei mehr oder minder nützliches Beiwerk in gedruckter Form begleitet die Imperator zum Kunden. So gibt es einen umfangreichen Produktkatalog über das aktuelle Razer-Portfolio, jeweils eine Bedienungsanleitung für Windows- und Mac-User, einen Quick-Start-Guide, ein Echtheitszertifikat, zwei Razer-Sticker, eine Imperator-Produktkarte und sogar einen Razer-Bierdeckel zum Getränkeabstellen. Leider sind alle Dokumente lediglich in englischer Sprache verfasst. Im Gegensatz zur Roccat Kova wird die Imperator durch eine Treibersoftware ergänzt. Diese zählt, um Aktualität zu wahren, jedoch nicht zum Lieferumfang der Maus, sondern muss von der Razer-Homepage [5] bezogen werden.
Beim ersten Handauflegen werden vertraute Gefühle erweckt. Offenbar konnte auch Razer nicht mehr widerstehen, die enorm erfolgreiche Körperform Logitechs MX-5XX- oder G5/7-Derivate für sich zu entdecken, denn nennenswerte Unterschiede sucht man mit der Lupe. Auch die Imperator besitzt einen voluminösen, leicht zur rechten Seite hin abschüssigen und mit einer ausgeprägten Rückenwölbung versehenen Body. Daumenseitig ist eine tiefe Mulde zur bequemen Ruhelage des Navigationsfingers geschaffen worden. Auf der anderen Seite hat man, genau wie beim Design-Pate, eine kleine Kante zur verbesserten Umsetzbarkeit der Imperator für Ring- und kleinen Finger geschaffen. Der größte Unterschied ist in der Frontpartie zu finden. Diese ist bei der Razer-Entwicklung nicht so stark abfallend und generiert durch ihr abruptes Ende die typische Schlangenoptik in der Vorderansicht. Die leicht konkaven und damit sehr definierten Fingerkuppen-Auflagen der beiden Haupttasten vollenden das Gesamtbild. Insgesamt eignet sich die Razer Imperator vorrangig für etwas größere Hände, die gerne voll ausgefüllt der Mausführung frönen. Ein Greifen und Umsetzen der etwa 100 Gramm leichten, sehr gleichmäßig ausbalancierten Imperator ist sehr gut möglich.




Das Tastenangebot der Imperator ist standesgemäß. Zwei Haupttasten, zwei Navigationstasten für den Daumen, ein 2-Wege-Mausrad mit mittlerer Tastenfunktion sowie zwei Elemente zur dpi-Umstellung. Erstere hinterlassen dabei einen absolut gelungenen Eindruck und erwecken Klickfreude mit gut gewähltem Auslösewiderstand, -Weg und knackig hellem -Geräusch. Ein mögliches Klappern, wie man es von früheren Razer-Mäusen her kannte, ist hier nicht anzutreffen. Auch die Navigationstasten lassen sich ideal bedienen. Als Besonderheit kann der Anwender gar ihre Position über einen Schiebregler am Mausboden auf seine persönlichen Bedürfnisse anpassen. Vor allem für große Hände kann das Navigationsduo dabei sehr weit nach vorn verfrachtet werden. Die beiden Tasten hinter dem Mausrad werden standardmäßig mit dem Umschalten der Abtastrate betraut, können aber auch mit anderen Funktionen belegt werden. Auch hier ergeben sich keine negativen Auffälligkeiten, ihre Erreichbarkeit im Gefecht ist anordnungsbedingt natürlich etwas eingeschränkt. Ein kleiner Button an der Mausunterseite lässt zudem das Profilumschalten im laufenden Betrieb ohne Software zu.
Der Razer Imperator verfügt über das gleiche grundlegend sehr gute, griffig gummierte Mausrad, wie die Mamba. Basierend auf einer sehr solide erscheinenden Mechanik ohne merkliches Seitenspiel ist hier sehr leises Scrollen am dezenten Raster in beide Richtungen kein Problem. Auch der Druckpunkt als mittlere Maustaste ist angenehm gewählt. Leider haben Razer-Mäuse nach einiger Zeit immer wieder mit quietschenden Mausrädern zu kämpfen. Ob dies auch bei der Imperator der Fall ist, können lediglich Langzeitstudien in Erfahrung bringen. Im Ernstfall hilft ein Umtausch des Nagers oder selbst etwas Handanlegen und nachschmieren.




Qualitativ zählt die in China produzierte Imperator zum Besten, was Razer bisher abgeliefert hat. Ein sehr robustes, steifes aber dennoch leichtes Chassis aus sauber zusammengefügten Kunststoffteilen, präzise arbeitende Mechaniken und gelungener Materialeinsatz hinterlassen ein durchweg positives Bild. Dabei prägen zwei grundlegend verschiedene Oberflächenarten das Anfassgefühl der Maus. Während Razer die gesamte Oberschale durch ein schmeichelndes, leicht gummiertes Material gestaltet, setzt man durch sehr glatte, fast schmierige Seitenpartien einen mittlerweile typischen Kontrast.
Auch optisch dominiert Bewährtes. So wird der weitgehend mattschwarze Mantel der Imperator lediglich durch die dezent-blaue Beleuchtung aufgelockert. Wahlweise sind hier Mausrad und Rückenlogo stilvoll zu illuminieren, ersteres in konstanter, zweiteres in pulsierender Intensität.




In Puncto Agilität und Gleitvermögen waren Razer-Mäuse schon immer eine Bank. Auch die Imperator kann sich nahtlos einreihen und gleitet mit ihren drei Teflonfüßen superleise und widerstandsarm über die Unterlagen. Je nach Geschmack eignen sich Textil und Hartplastik, aber auch Holz oder entsprechend beschichtetes Glas sind kein Problem. Auch Ansprechverhalten, Präzision und Geschwindigkeit sind auf Basis des mittlerweile etablierten und ausgereiften Razer 3,5G-Lasersensors, der maximal 5.600 Punkte pro Inch abtastet, über jeden Zweifel erhaben. Positiv fällt zudem die sehr geringe Lift-Distanz auf, sodass die Maus beim Umsetzen nur wenig angehoben werden muss sowie beim Wiederaufsetzen kaum verspringt.
Bei der Software-Unterstützung dürfen sich Imperator-Käufer an den gleichen Optionen wie bei der jüngst in Augenschein genommenen Razer Orochi erfreuen. So bietet der knapp 30 Megabyte umfassende Treiberdownload alle wichtigen Möglichkeiten zur Feinjustierung der Maus inklusive freier Belegung aller Tasten, Einstellen der Abtastrate und Übertragungsfrequenz, Profilverwaltung, Makrofestlegung und Beleuchtungseinstellung.








Im Menüpunkt „Tastenzuordnung“ kann der Anwender allen sieben Tasten inklusive Mausrad und Scrollrichtung Eigenschaften aus einem umfangreichen Katalog zuweisen. Darunter zählen auch Einzeltasten, vorher angelegte Makros oder das Umschalten der Profile. In der „Leistungsanpassung“ hat der Anwender die Möglichkeit, die Abtastrate der Imperator auf die persönlichen Vorlieben abzustimmen. Hierbei ist einerseits die achsenabhängige Justage von minimal 100 bis maximal 5.600 dpi möglich, andererseits können bis zu fünf Empfindlichkeitsstufen fixiert werden, welche mit Hilfe der als dpi-Switch definierten Maustasten, auf Wunsch mit entsprechender Anzeige auf dem Monitor, im Betrieb durchgeschaltet werden können. Diese Festlegung geschieht unabhängig von etwaigen angelegten Profilen. In der „Profilverwaltung“ lassen sich bis zu fünf Profilpakete festlegen, welche auf dem mausinternen Synapse-Speicher abgelegt und bei jedem Treiberaufruf eingeladen werden. Den Profilen lassen sich beispielsweise Anwendungen zuweisen, welche automatisch mit den entsprechenden Mauseinstellungen geladen werden. Darüber hinaus sind die Profile natürlich auch auf die Festplatte exportierbar. Ähnliches gilt für den „Makro-Manager“. Auch hierbei können eine Anzahl an, bei Bedarf mit oder ohne Verzögerungen, eingespielten Tastenkombinationen mausintern gespeichert oder auf der Festplatte exportiert gespeichert werden. Unter „Beleuchtung und Wartung“ sind Mausrad und Rückenlogo separat mit blauer LED-Untermalung zu versehen oder auch online nach aktuellen Updates von Firmware oder Treiber zu suchen.
Speedlink Kudos
Komplettiert wird unser Maustrio von der Speedlink Kudos. Speedlink ist mit seinem umfangreichen Portfolio an Computerzubehör, Sound- und Gamingequipment vielen Anwendern ein Begriff. Trotz dieser enormen Vielfalt konnte sich das 1998 gegründete Unternehmen bis dato noch nicht in der Top-Liga der Spielermäuse gegen die etablierte Konkurrenz behaupten. Die Kudos soll dies nun ändern.
Den Lieferumfang gestaltet Speedlink traditionell und schnürt ein Komplettpaket aus Spielermaus, Software-CD im Mini-Format, Anleitung und Produktkatalog. Hinzu gesellt sich eine kleine Kunststoffbox für die Zusatzgewichte und ein Extrasatz Gleitfüße zum Nachrüsten, falls die originalen abgenutzt sind.
Beim Mausdesign haben sich die Speedlink-Entwickler von den erfolgreichen Rechtshänderformen der Vergangenheit inspirieren lassen. So vertraut man bei der Kudos auf eine voluminöse Basis, welche die gesamte Hand mittlerer Größe gut ausfüllt. Daumenseitig konnte man eine sehr angenehme Aussparung inklusive Ruheablage für den navigierenden Finger kreieren. Auf der anderen Seite hat der Hersteller ebenfalls durch eine nach unten hin auslaufende Form versucht, Ring- und kleinem Finger eine bequeme Ablage zu schaffen. Für unseren Geschmack ist der kleine Flügel auf dieser Seite jedoch nicht unbedingt gelungen, da er dem kleinen Finger viel Platz raubt und damit eine auf Dauer unangenehme Position vorgibt. Hinsichtlich der Greifbarkeit der Maus zum Anheben und Umsetzen gibt es nicht viel auszusetzen. Die beidseitigen Aussparungen und die dominant geformten Kanten tragen bei der minimal etwa 100 Gramm leichten Kudos sehr zum komfortablen Handling bei.



Bei der Tastenausstattung bietet die Kudos das umfangreichste Programm des Testfeldes. Neben den zwei leicht gewölbten Haupttasten, die mit ihrer guten Mechanik, einem angenehm dumpfen Betätigungsgeräusch und guter Klick-Rückmeldung überzeugen, zählen zwei Navigationstasten, eine dpi-Stufenumschaltung, eine Profilwahltaste sowie ein 4-Wege-Mausrad zum Setup. Eine etwas unglückliche Figur hinterlassen dabei die Seitentasten. Für den Daumen sehr gut erreichbar positioniert vermitteln sie in unserem Fall leicht klappernd aufgehangen leider nicht den besten Qualitätseindruck. Ungewöhnlich, aber aufgrund der vorgegeben gekippten Hand- respektive Fingerhaltung nicht unclever, erscheint darüber hinaus auch das Mausrad, welches als Pyramidenstumpf eine asymmetrische Längsseite besitzt und daher als mittlere Maustaste zunächst etwas gewöhnungsbedürftig zu betätigen ist. Sehr gefällig setzt sich dabei die gut abgestimmte Mechanik in Szene, welche ein sehr leises Scrollen in beide Richtungen, ein definiertes Klicken als Maustaste und ein dezentes, etwas kraftvolles Ankippen für die 4-Wege-Funktion ermöglicht. Die sich hinter dem Mausrad befindlichen Zusatztasten für Abtastrate und Profile sind flach und gelungen in die Oberfläche eingebunden, lassen sich mit der beiliegenden Software jedoch nicht frei programmieren.



Qualitativ macht die in China produzierte Kudos bis auf die genannten Unstimmigkeiten der Navigationstasten einen sehr ordentlichen Eindruck. Alle Materialien sind sauber verarbeitet, gut abgestimmt und vermitteln ein wertiges Gesamtgefühl. Die Haptik wird dabei von drei verschiedenen Kunststoffen maßgeblich bestimmt. So sind beide Haupttasten aus einem matten, dumpfen, der Rest der Oberschale aus einem sehr glatten, leider intensiv schweißfördernden Plastik gefertigt. Abwechslungsreich aufgelockert wird dies von zwei großflächigen, sehr griffigen Gummierungen an Daumen- und Ringfingerposition.
Eine umfangreiche Beleuchtung wird von der optisch zurückhaltend gestalteten Kudos nicht angeboten. Dafür informiert der Speedlink-Spross mit einer gelungen ins Design eingebundenen LED-Leiste blau leuchtend über die aktuell gewählte dpi-Stufe (vier sind im Treiber zu konfigurieren) respektive über eine pulsierende LED mit entsprechender Farbe über das aktuell gewählte Profil (fünf sind im Treiber unter den entsprechenden Farben zu konfigurieren).



Die Speedlink Kudos präsentiert sich bei Minimalgewicht sehr agil und navigationsfreudig. Ein Aufstocken der Masse anhand der beiliegenden Gewichte wird wohl auch aufgrund der guten Balance der Maus nur für die wenigsten Anwender von Interesse sein. Ihr Gleitvermögen auf den gängigen Untergründen ist etwa auf dem Niveau von Logitech-Mäusen angesiedelt, während Razer- oder Roccat-Nager meist noch etwas flinker und leichtfüßiger wirken. Dafür überzeugt die Präzision in Spiel und Alltag auf Basis des maximal 5.000 dpi genauen Lasers in allen Belangen. Sogar Razers aktuelles Mauspad Megasoma, mit welchem viele Lasermäuse Probleme haben, meistert die Kudos mit Bestnoten.
Mit nur 3,5 Megabyte Dateivolumen bietet Speedlink für die Kudos einen sehr schmalen Windows-Treiber an. Mit von der Partie sind jedoch die wichtigsten Funktionen zum Umbelegen der Tasten, Verwalten der Profile, Anlegen von Makros und Justieren der Abtastraten.



Zunächst kann der Anwender den beiden Haupttasten, den Navigationstasten sowie dem Mausrad mit seiner 4-Wege-Scroll- sowie Tastenfunktion aus einer überschaubaren Auswahl inklusive Multimediabelegung und Makros neue Eigenschaften zuordnen. Diese werden umgehend für das jeweilige Profil übernommen. Maximal können mit der Kudos fünf dieser Profile etabliert werden. Die zugehörige Profil-Farbe wird dabei aus einer umfangreichen Palette ausgewählt und mit Hilfe der Maus-LED im Betrieb informierend dargestellt. Die Speedlink Kudos bietet einen 8 KB großen, internen Mausspeicher, welcher mit Makros gefüllt werden kann. Im entsprechenden Menü kann der Anwender eine beliebige Anzahl solcher Kombinationen aus bis zu 64 Elementen inklusive Drücken und Halten von Tastatur- oder Maustasten, Verzögerungen bis zu 65 Sekunden oder Scrollen einspielen. Bei vollem Mausspeicher ist natürlich auch eine exportierte Speicherung auf der Festplatte möglich. Im Menü zur dpi-Einstellung darf der Anwender vier Stufen mit achsenunabhängigen Abtastraten festlegen. Hierbei ist eine Feinheit von 90 dpi in einem Spektrum zwischen 90 und 5.000 dpi vorgegeben.
Bewertung
In unserer (lediglich als Ergänzung zum geschriebenen Urteil zu sehenden) bepunktenden Bewertung stellen wir die drei Testexemplare anhand möglichst breit aufgestellter, objektiv einschätzbarer Kriterien gegen bisher getestete Referenzen dar. Dabei ist zu beachten, dass die Punktevergabe nach wie vor lediglich als grober, vergleichsbildender Richtwert angesehen werden darf und je nach individuellem Empfinden anders gewichtet werden würde.
Alle drei Mäusen können gute bis sehr gute Bewertungen einstreichen. Während die Roccat Kova aufgrund ihres treiberlosen Konzeptes etwas aus der Reihe fällt, aber dennoch nur wenig Kritikpunkte auf sich ziehen kann, sichert sich Speedlinks Kudos eine solide Platzierung im vorderen Mittelfeld. Die Razer Imperator kann für sich die bisher beste Bewertung verbuchen.
Fazit
Im Test konnten wir uns über drei Mauskreationen freuen, die sich keine großen Schnitzer geleistet haben. Jedes der verfolgten Konzepte überzeugt auf seine Weise. Im Ernstfall tätigt man bei keinem der drei vorgestellten Nager einen schlechten Griff.
Etwas differenzierter betrachtet, gelingt Roccat mit der Kova ein gelungener Schachzug. Nach dem ambitionierten Kone-Projekt hat man mit der Kova einen idealen Kontrast geschaffen und beschränkt sich – gut umgesetzt – auf wesentliche Faktoren einer Spielermaus. Ein zuverlässiger, schneller Sensor, ein leichter, aber robuster und agiler Mauskörper mit beidhändigem Design sowie ein cleveres Konzept für Freunde individueller Beleuchtung gefallen. Negativ stehen die in unserem Fall leider minimal klappernde Mausradmechanik, der etwas geringere Funktionsumfang aufgrund fehlender Treiber und die damit einhergehend großen und unantastabaren dpi-Abstufungen zur Debatte. Bei einem Preis von nur wenig über 30 Euro [7] ist die Roccat Kova jedoch gerade für Puristen einen Blick wert.
Razer hat mit der Imperator eine wirklich gute Maus umgesetzt. Auf Basis eines komplett neuen, robust-leichten und im Hinblick auf die Seitentastenposition anpassbaren Rechtshänder-Mauskörpers konnten die Entwickler eine langzeitbequeme, angenehm schmeichelnde und charakteristische Maus schaffen, die vor allem qualitativ neue Razer-Maßstäbe setzen kann. Agil und zielgerichtet wird die Imperator übers Mauspad bewegt und digitalisiert auf Grundlage des etablierten 3.5-G-Lasersensors zuverlässig und absolut präzise. Die Softwareunterstützung ist gewohnt umfangreich, könnte jedoch noch etwas übersichtlicher gestaltet werden. Wer sich bereits für die Death-Adder oder die Mamba erwärmen konnte, oder Referenz-Designs im Stile einer Logitech G5 bevorzugt, wird in der Razer Imperator einen ausgereiften, pfeilschnellen und wertigen Mauspartner finden. Auch preislich liegt der Razer-Neuling mit etwa 60 Euro [8] im Rahmen, weshalb unsere ComputerBase-Empfehlung hier nicht ungezückt bleiben soll.
Final hinterlässt auch Speedlink ein ordentliches Ausrufezeichen. Der Hersteller hat mit der Kudos ein ansprechendes Gesamtkonzept verwirklicht, das (angefangen von einem gut verarbeiteten Mauskörper mit interessanter Haptik über eine größtenteils bequeme Ergonomie bis hin zur kompletten Tastenausstattung inklusive 4-Wege-Mausrad) Spaß macht. Der komplette Lieferumfang, die gute Dokumentation und der übersichtliche Treiber samt Makro- und Profilmanager zeugen von einem durchdachten Paket ohne große Schwächen. Einzig die plump-klapprigen Navigationstasten passen da nicht so ganz ins Bild, weshalb der Kudos eine auszeichnende Empfehlung verwehrt bleibt. Dennoch zählt die Speedlink Kudos auch aufgrund ihres mehr als fairen Straßenpreises von unter 38 Euro [9] zu den aktuellen Geheimtipps am Mausmarkt.










