12.06.2004 20:33

Kolumne: Übertakten und die Stromrechnung

Die Spannung macht's
Autor: Thomas Hübner

Wenn die Verlustleistung steigt...

... sind nicht all zu selten Übertaktungsmaßnahmen im Spiel. Aktuelle Mainboards besitzen vielfältige Möglichkeiten zur Leistungssteigerung und laden damit wahrlich zum Overclocking ein. Aufgeschreckt durch unseren Artikel „Energieverbrauch aktueller Prozessoren“ wurde unsere Neugier geweckt, auch einmal einen Blick auf übertaktete Prozessoren zu werfen. Die Möglichkeiten sind hierbei vielfältig. Neben der Modifikation des Multiplikators (Athlon XP und Athlon 64 FX) führt auch eine Erhöhung des Frontside-Bus' den gewünschten Erfolg herbei. Häufig kommt man zur Wahrung der Stabilität nicht um eine Erhöhung der Betriebsspannung umher. Doch gerade diese Maßnahme läßt den Stromverbrauch des System deutlich - augenscheinlich parabelförmig und nicht linear - steigen.

Die folgenden Messungen basieren auf einem Athlon 64 3800+-System mit Asus A8V Deluxe-Mainboard. Der Prozessor wird standardmäßig mit einem Takt von 2,4 GHz und einer Spannung von 1,5 Volt betrieben. In den Diagrammen wird die Verlustleistung des gesamten Systems mit den bei Prozessortests üblichen Komponenten dargestellt. Gemessen wurde nach dem Start von Windows (Idle), mit der - wenn es um das volle Auslasten der CPU geht - sehr zu empfehlenden Software BurnMax und dem bewährten Futuremark 3DMark03.

In der ersten Testphase wurde der Athlon 64 3800+ mit dem standardmäßigen Takt von 2,4 GHz betrieben und lediglich die Betriebsspannung wurde variiert. Die CPU lief auch mit einer verminderten Spannung von 1,4 Volt vollkommen stabil; dementsprechend finden sich auch diese Messungen im Diagramm wieder.

Unbelastet (Idle)

1,40 Volt
84
1,45 Volt
88
1,50 Volt
93
1,55 Volt
100
1,60 Volt
115
Angaben in Watt (W)

Vollbelastung (BurnMax)

1,40 Volt
132
1,45 Volt
142
1,50 Volt
155
1,55 Volt
172
1,60 Volt
196
Angaben in Watt (W)

Vollbelastung (3DMark03)

1,40 Volt
180
1,45 Volt
189
1,50 Volt
200
1,55 Volt
211
1,60 Volt
233
Angaben in Watt (W)

Bereits auf den ersten Blick wird hier klar, dass einem die Erhöhung der Prozessorspannung auf Dauer schnell teuer zu stehen kommt. Nicht weniger als 40 Watt gegenüber der Standardspannung offenbahren sich beim Einsatz von BurnMax - das sind am Tag immerhin 0,96 kWh (bei ca. 20 Cent pro Kilowatt fallen hier alleine durch die Spannungssteigerung in einem Jahr knapp 70 € an Mehrkosten an - sollte der PC 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche laufen). Der Anstieg des Verbrauchs erfolgt nicht linear und erhöht demzufolge auch die abgestrahlte Verlustleistung mindestens quadratisch. 0,05 Volt mehr oder weniger bedeuten - und das gilt nicht nur für AMD - schon einen kleinen Unterschied in der Stromrechnung.

Bei den nun folgenden Messungen wurde der 3800+ mit einer Spannung von 1,5 Volt betrieben und der Prozessortakt variiert.

Unbelastet (Idle)

2000 MHz
92
2400 MHz
93
2200 MHz
93
Angaben in Watt (W)

Vollbelastung (BurnMax)

2000 MHz
144
2200 MHz
151
2400 MHz
155
Angaben in Watt (W)

Vollbelastung (3DMark03)

2000 MHz
187
2200 MHz
194
2400 MHz
200
Angaben in Watt (W)

Auch beim erhöhen des Prozessortakts steigt - verständlicherweise - die dem Stromnetz entnommene Leistung. Die Unterschiede - insbesondere im Idle-Mode - sind im Rahmen von Messungenauigkeiten quasi nicht präsent. Bei Vollbelastung des Prozessors (BurnMax) ist ein nicht einmal linearer Anstieg der Verlustleistung zweifelsohne zu verkraften. Auch ein Übertakten über den Frontside-Bus, bei dem üblicherweise auch der Arbeitsspeicher und andere Komponenten außerhalb der Spezifikation betrieben werden, bleibt der Energieverbrauch im Rahmen.

Übertakten gerne - aber vorzugsweise nur, wenn die Prozessorspannung nicht erhöht werden muss. Wer seine Stromrechnung senken möchte, sollte es mal mit „Underclocking“ bzw. „Undervolting“, d.h. Herabsenken der Spannung bzw. des Takts der CPU, versuchen.

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